Marx: Soso, „der Kapitalismus geht zugrunde“

Einige Leser haben mich auf diesen Kommentar von Henrik Müller hingewiesen und gebeten, dass auch ich meine Meinung dazu abgebe. Nun haben wir es also mit Marx zu tun und können auch bei bto nicht so einfach über den runden Geburtstag hinweggehen.

Es ist ja schon witzig, dass ausgerechnet China Trier eine neue Marx-Statue schenkt. Denn wo bitte ist denn China noch kommunistisch? Da passt es schon besser, dass Juncker die Festrede hält. Denn die EU ist sicherlich auch dem Weg in einen bürokratischen Monsterstaat – wobei auch hier vermutlich Marx nicht so ganz happy gewesen wäre.

Ich für meinen Teil erinnere daran, dass Marx auch nicht so richtig verstanden hat, wie Kapitalismus funktioniert. Und wer es nicht versteht, kann es auch nicht verändern beziehungsweise natürlich kann er es verändern, allerdings dann nicht so gut.

Deshalb empfehle ich an dieser Stelle die Serie zur Eigentumsökonomik und die Diskussion zum Debitismus:

Schulden sind gut – Eigentumsökonomik I

Debitismus: Von der zwangsläufigen Krise (I)

Hinzu kommt, dass wir es eben nicht mit einer Krise des „Kapitalismus“ zu tun haben, sondern mit einer Krise des politisch entarteten Systems, welches Geldschöpfung privatisiert und die Risiken sozialisiert hat. Doch dazu später mehr. Hier erst mal der Kommentar von Müller:

  • „In gewisser Weise war Karl Marx ein Bewunderer des Kapitalismus. Dieses Wirtschaftssystem habe massenhaftere und kolossalere Produktionskräfte geschaffen, als alle vergangenen Generationen zusammen. Unterjochung der Naturkräfte, Maschinerie, Anwendung der Chemie auf Industrie und Ackerbau, Dampfschifffahrt, Eisenbahnen, elektrische Telegraphen, Urbarmachung ganzer Weltteile, Schiffbarmachung der Flüsse, ganze aus dem Boden hervorgestampfte Bevölkerungen  welch früheres Jahrhundert ahnte, dass solche Produktionskräfte im Schoß der gesellschaftlichen Arbeit schlummerten.“ – bto: Kein Wirtschaftssystem hat so viele Menschen aus der Armut geholt. Es hat aber einen Nachteil, es basiert nämlich auf Druck. Kein Wunder, dass es so vielen Menschen nicht schmeckt!
  • „Marx war  und ist  aufregend, weil er Klassenkampf und Umsturz prophezeite. Als Ökonom ging es ihm aber vor allem darum herauszuarbeiten, welche Mechanismen zu seiner Zeit die Welt veränderten.“ – bto: Er beobachtete den Wandel, den schon zuvor die Römer durchgemacht hatten. Nur noch verstärkter.
  • „Wie jeder gute Ökonom beschäftigte sich Marx mit den Knappheitsverhältnissen und Problemen seiner Zeit. Knapp war damals Kapital. Unmengen davon waren nötig, um die Industrialisierung und das rapide Wachstum der Städte voranzutreiben. Größenvorteile der Produktion sorgten für das Entstehen großer, anonymer Einheiten: Fabriken, Ballungsräume, Nationalstaaten. Menschen hingegen waren damals ein reichlich vorhandener Produktionsfaktor; die Löhne waren entsprechend niedrig und die Lebensbedingungen häufig erbärmlich. Währenddessen erzielte der knappe Faktor Kapital hohe Renditen.“ – bto: Es war eine Kombination aus Innovation und Produktivitätsgewinnen, die Kapital erforderlich machten, aber auch zu entsprechenden Erträgen führten. Das gilt bis heute, ist aber durch den „Finanzkapitalismus“ überlagert. „In der Folge hat der Marxismus geholfen, nicht nur den jämmerlichen real existierenden Sozialismus hervorzubringen  den man Marx selbst posthum nicht ankreiden kann , sondern auch den Kapitalismus zu reformieren. In Deutschland lauteten die Antworten: Sozialstaat (seit Otto von Bismarck) und Ordnungspolitik (popularisiert durch Ludwig Erhard).“ – bto: Ich denke, wir hätten das auch ohne Marx bekommen, dennoch will ich seinen Beitrag gar nicht schmälern.
  • „Ökonomisch betrachtet spielt Kapital eine immer geringere Rolle. Die wertvollsten Unternehmen der Welt wie Alphabet und Apple stützen sich nicht mehr vor allem auf physische Produktionsmittel (Gebäude, Fabriken, Maschinen), sondern auf immaterielle Werte: auf Daten, Information, Wissen, Content, Kreativität, Image. Sie sind viel mehr wert, als sie an Assets in ihren Bilanzen ausweisen. Kapital im klassischen Sinn ist nicht mehr knapp, deshalb ist sein Preis  der Zins, die Rendite  entsprechend niedrig.“ – bto: Lassen Sie uns diese zwei Punkte trennen. Zum einen ist es richtig, dass einige Unternehmen in der digitalen Welt mit wenig physischen Anlagen arbeiten, dennoch hat der Aufbau der heutigen Marktposition sehr viel Geld gekostet. Andererseits erzielen die Unternehmen Rekordmargen, die man sich so früher nur bei Monopolen vorstellen konnte. Und in der Tat bewegen wir uns in einigen Bereichen in Richtung Monopol (Google, Facebook), weshalb es ein Versagen der Aufsichtsbehörden ist und kein Beweis dafür, dass man heute kein Kapital braucht. Zum anderen kann man daraus nicht schließen, dass hier die Ursache für den Überhang an Geld und damit die tiefen Zinsen zu sehen ist. Grund dafür dürfte neben der Demografie auch die jahrzehntelange Politik der Geldschöpfung sein, die noch lange nicht zu Ende ist.
  • „Wir erleben eine Wende hin zu einem Kapitalismus ohne Kapital, wie die britischen Ökonomen Jonathan Haskel und Stian Westlake formulieren. Und der bringt seine ganz eigenen Mechanismen, Knappheiten und Konflikte hervor.“ – bto: Das müssen wir noch sehen.
  • „Nehmen Sie diesen Text. Stünde er in einer gedruckten Zeitung, hätte er Eigenschaften wie eine Ware. In digitaler Form aber können Sie ihn lesen, während andere Leute zur gleichen Zeit dasselbe tun; Sie nutzen ihn weder exklusiv noch verbrauchen Sie ihn. Sein Wert mag sogar steigen, wenn viele Leute ihn lesen, denn dann bietet er umso eher Gesprächsstoff. Der Preis dieses Textes jedoch ist null; Sie haben keinen Cent dafür bezahlt.“ – bto: Ich nehme an, dass Henrik Müller nicht umsonst schreibt. Dass SPIEGEL ONLINE ihn verschenkt, denke ich nicht. Zwar könnten sie eine „Bezahlschranke“ einführen, aber auch so bekommt der Verlag Werbegelder für die Klicks.
  • „Warum? Weil die Produktion jeder weiteren Einheit  jeder weitere Abruf  quasi keine Kosten verursacht. Heutige Ökonomen würden sagen: Die Grenzkosten sind null. In der „Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ (US-Ökonom Jeremy Rifkin) sind die klassischen Mechanismen des Kapitalismus außer Kraft gesetzt.“ – bto: was ein anderer Punkt ist; ich habe das ja bereits ausführlich diskutiert. Es sind aber faktisch immer Charakteristika von Monopolgeschäften, die sich hier niederschlagen.
  • „Die Auswirkungen dürften ähnlich radikal sein wie bei der Industrialisierung im 19. Jahrhundert  und die Antworten alles andere als einfach. (…) Dem Staat wird eine neue und noch prominentere Rolle zuwachsen als bisher. Denn wir bewegen uns auf eine Welt zu, in der öffentliche Güter und externe Effekteallgegenwärtig sind.“ – bto: Also, was die Probleme mit diesen Unternehmen betrifft, hat der Staat diese Rolle schon und versagt. Stichwort: Wettbewerbskontrolle. Was die anderen Probleme betrifft, vor allem den Überschuss der Ersparnisse, so ist das eher die Folge staatlicher Fehleingriffe und könnten auch ohne neue Theorie gelöst werden.
  • „Wenn viele Preise gegen null sinken, gibt es unter normalen Marktbedingungen kein privatwirtschaftliches Angebot. Wer investiert schon, wenn sich damit kaum noch Erlöse erzielen lassen? Möglich, dass der Staat nicht umhinkommt, viele Güter auf Dauer zu subventionieren  oder Marktstrukturen zu schaffen, die den Wettbewerb so weit einschränken, dass dennoch Erlöse erzielbar sind.“ – bto: Wenn es eine Nachfrage dafür gibt, wird es auch einen Preis geben. Kosten ist ungleich Preis.
  • „Staatliche Regulierer sind gefragt, wo neue Monopole entstehen. Zum Beispiel Google: Der höchst wertvolle Service einer Suchmaschine mag keinen Preis haben, aber er ist nicht umsonst. Finanziert wird er durch die Daten der Nutzer, die der Konzern wiederum wirtschaftlich nutzen kann. Und zwar umso besser, je größer das Unternehmen ist. Andere Unternehmen, beispielsweise die Anbieter künftiger Mobilitätsservices, werden ähnlich vorgehen.“ – bto: Was daran ist neu? Es wäre höchste Zeit, dass der Regulierer aktiv wird.
  • „Viele Ökonomen vermuten inzwischen, dass der gemessene Fortschritt (die Produktivität) auch deshalb lahmt, weil auf vielen Märkten die Intensität des Wettbewerbs abnimmt. Wie hält man den Fortschritt unter diesen Bedingungen am Laufen? Lohnt es sich noch, etwas zu erlernen oder Neues zu ersinnen, wenn daraus keine Einkommensvorteile mehr erwachsen?“ – bto: Was hindert den Staat heute daran, dies zu tun?
  • „Durch die Digitalisierung wird Wissen zunehmend unabhängig vom Menschen verfüg-, kopier- und verbreitbar. Woher aber kommen künftig die Einkommen, wenn Wissen und Können dank Digitalisierung frei verfügbar sind? Um was machen die Leute, die durch den Wandel zum immateriellen Kapitalismus ihren Job verlieren?“ – bto: Das ist eine berechtigte Frage, weshalb man eben über die Migrationspolitik nachdenken muss! Schrumpfende Gesellschaften sind da im Vorteil.
  • „Auch Energie dürfte immer billiger werden. Denn ein immer größerer Teil der Energieversorgung basiert auf Sonne und Wind, auf freien Gütern also, die keinen Preis haben, weshalb schon heute der Großhandelspreis an der Strombörse an windigen Sonnentagen abschmiert. Wenn Energie im Preis verfällt, sinken auch die Transportkosten des Landverkehrs. Was bedeutet das für die Siedlungs- und Produktionsstrukturen? Werden die Städte noch rascher wachsen? Und was wird dann aus verödeten Landstrichen?“ – bto: naja. Es kostet schon etwas, die Technologie, das Netz, die Umstellung der Infrastruktur. Ich sehe es nicht ganz so optimistisch.

Ich denke, Müller beschreibt gut, was sich im Umfeld ändert. Aufhänger ist Marx, aber mit dem haben die Änderungen recht wenig zu tun. Problematischer ist, dass er die wahren Ursachen für den zu befürchtenden Niedergang des Kapitalismus nicht benennt: das Staatsversagen bei der Regulierung und die Entfernung von den vom zutiefst kapitalistischen Grundsatz, dass man für seine Schulden geradestehen muss. Die Rettungsgarantie für Banken und für das gesamte System durch die Notenbanken hat uns in die Krise geführt.

spiegel.de: „Der Kapitalismus geht zugrunde“, 29. April 2018

8 Kommentare
  1. Avatar
    ikkyu sagte:

    Zitat:
    „„Auch Energie dürfte immer billiger werden. Denn ein immer größerer Teil der Energieversorgung basiert auf Sonne und Wind….“

    Diese unsinnige sogenannte Energiewende (in Wirklichkeit handelt es sich ja nur um eine Stromwende) mit dem überstürzten Ausstieg aus der Kernenergie wird Deutschland noch schwer auf die Füße fallen. Wenn wir Pech haben, gleichzeitig mit einer Wirtschaftskrise.

    Die Protagonisten dieses Schwachsinns werden dann einen sehr schweren Stand haben, weil die Konsequenzen einer unsicheren und völlig überteuerten Energieversorgung für die Bevölkerung brutal sein werden. Billige und jederzeit verfügbare Energie ist die Grundvoraussetzung für unseren Wohlstand!

    Die Baseler Zeitung verweist auf bereits jetzt sichtbare Probleme:

    Zur Kostenexplosion:
    „Die deutschen Stromverbraucher bezahlen jährlich rund 25 Milliarden Euro für die Förderung von Alternativstrom, mit steigender Tendenz.“

    https://bazonline.ch/ausland/europa/kosten-fuer-energiewende-explodieren/story/13230493

    oder über das Auslaufen der Subventionen für Windkraftanlagen und deren Abbau:

    „Konkret läuft 2020 die Förderung für 5700 Anlagen mit einer gesamten installierten Leistung von 4500 Megawatt (MW) aus. In den darauf folgenden Jahren dürften es jeweils zwischen 2000 und 3000 MW sein, für die die staatliche Subventionierung wegfällt.“

    https://bazonline.ch/ausland/europa/abbruchstimmung-in-deutschland/story/18862585

    Wie lange wird der deutsche Öko-Michel noch feiern?

    Antworten
  2. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Wie üblich geht mal wieder alles durcheinander, schon bei H. Müller.

    Zu Marx:

    Viele seiner Beobachtungen und Einschätzungen waren nachvollziehbar richtig – zu SEINER Zeit – und einige sind nach wie vor gültig. Es ist z. B. nicht bestreitbar, dass sich unsere Lebensverhältnisse immer mehr VERDINGLICHEN, d. h. die ÖKONOMISIERUNG mehr und mehr Lebensbereiche erfasst.

    Seine ökonomische THEORIE als Kern einer global gesamtgesellschaftlichen basiert auf der spekulativen Geschichtsphilosophie Hegels und bedient sich im Kern eines MONOKAUSALEN Mechanismus – der fortschreitenden Akkumulation von Kapital einerseits und gleichzeitig, damit untrennbar verbunden und bedingt, der Verelendung der abhängig Beschäftigten auf Reproduktionsniveau –, um darzulegen, dass der Kapitalismus im Sozialismus münden MUSS.

    Der Sozialismus ist die materielle Variante der Hegelschen Vorstellung einer zielgerichteten Geschichtsvollendung.

    Was die Marxsche Theorie behauptet, ist nicht geschehen.

    Weder hat sich die Welt zum Sozialismus gewandelt, noch verelenden die abhängig Beschäftigten.

    Marx muss man daher als THEORETIKER ein für alle Mal abhaken.

    Wer es nicht tut, ist Nostalgiker.

    Zum Kapitalismus:

    Er verändert sich auf vielfältige Weise, hier nur exemplarisch angedeutet:

    Technologisch (Robotisierung, Digitalisierung, Vernetzung) institutionell (Staat, Regulierung, Zentralbanken), organisatorisch (intern: Homeoffice, extern: Handelsabkommen, Schaffung großer homogener Märkte), gesellschaftlich (sich ändernde Bedürfnisse und Erwartungen von Mehrheiten der Bevölkerungen) …

    Unterliegend sind Megatrends, die GEWOLLT nicht von einer oder allen Regierungen zusammen geändert werden können, und hier auch nur angedeutet werden können:

    Globalisierung mit weltweiter Arbeitsteilung, demografischen Entwickungen mit abnehmender Bevölkerung in den entwickelten Volkswirtschaften und stark zunehmender insbesondere in Afrika, klimatische Veränderungen mit Wassermangel und sich ausweitenden Dürrezonen, steigende Armutsmigration …

    Wohin das unterm Strich führt, weiß NIEMAND.

    Wir können bestenfalls PARTIKULARE Entwicklungen erkennen und ihnen eine Signifikanz zuschreiben.

    Zu nennen ist hier u. a.:

    Potenziell höheres Wachstum in den Entwicklungsländern als in den entwickelten Volkswirtschaften; in den entwickelten Volkswirtschaften eine Migration der Beschäftigung von den relativ hochbezahlten Jobs der Güterproduktion zu den im Durchschnitt weniger gut bezahlten in den Dienstleistungsbranchen; z. T. hohe Arbeitslosigkeit mit enormen zukünftigen Armutspotenzial für ganze Bevölkerungen; wachsender Staatseinfluss zur Lösung gesellschaftlicher Probleme, wachsende Konflikte zwischen alter, auf Besitz beharrender, und junger, Entwicklungsperspektiven suchender Bevölkerung …, ein Finanzsektor, der nicht mehr wohlstandsmehrend agiert bzw. agieren kann … Blockierungsmechanismen durch extrem hohe Verschuldung …

    Zu den Kapitalismus-Erklärungen:

    Der heutige Kapitalismus ist z. B. nicht mehr das, was er vor 50 Jahren war.

    DAVON aber Pauschalurteile abzuleiten, etwa dass „die klassischen Mechanismen des Kapitalismus“ außer Kraft gesetzt worden sind, ist Unsinn.

    Wir haben als die wesentliche, treibende Kraft immer noch den Renditewettbewerb, den auch Marx klar erkannte.

    Es ist aber einer, der unter ANDEREN Bedingungen stattfindet als in der Mittel des 19. Oder 20. Jahrhunderts.

    Die wegweisende Frage ist, WIE er AUSGEÜBT wird unter den anderen Bedingungen, etwas relativ geringeren Wachstums in den entwickelten Volkswirtschaften.

    Wie gesagt:

    Das ist umfassend nicht zu erkennen. Wenn aber überhaupt etwas zu erkennen ist, dann muss man mehr auf die Realwirtschaft insgesamt schauen (ohne die monetäre Ebene zu vernachlässigen) als ALLEIN aus konzeptioneller Begrifflichkeit, etwa „Null-Grenzkosten“ eine „Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ zu konstatieren oder gar zu prognostizieren.

    Ein Erklärungswettbewerb mit Totalitätsanspruch auf diesem Niveau ist nicht erkenntnisfördernd.

    Antworten
  3. Avatar
    Ondoron sagte:

    Entweder kollabiert die EU, oder es gibt die EUSSR. So wie unsere Politiker ticken, mit NetzDG und dergleichen, tippe ich auf EUSSR. Interessant ist es, die Statuten der EU mit denen der untergegangenen Sowjetunion zu vergleichen. Günther Janich hat das gemacht. Aber der ist selbstverständlich ein libertärer Verschwörungstheoretiker.

    Der Terminus Kapitalismus umfasst ein komplexes Narrativ. Die Explikation des Begriffs und ein Abgleich mit Beobachtungsdaten zeigt, wie disparat die Dinge sind: Haben wir überhaupt Kapitalismus? Oder eher einen Geldsozialismus? Das sagen die Libertären beispielsweise. Und das bedeutet, dass das hiesige System auch am Sozialismus zugrunde gehen wird. Und das will ich mir doch fest wünschen; denn sonst ist der letzte Rest der Freiheit perdu.

    Antworten
  4. Avatar
    markus sagte:

    – Google hat ein Monopol. Punkt.
    – Für Informationsinfrastruktur braucht man Kapital. Und zwar für Aufbau und Erhalt. Punkt.
    – Dass Energie (und allgemein Rohstoffe) immer billiger werden ist ziemlich unrealistisch. Immerhin steigt die Erdbevölkerung immer noch ordentlich und dir Ressourcen sind endlich.

    Antworten
  5. Avatar
    SB sagte:

    Vielen Dank an Herrn Dr. Stelter für die Besprechung des Müller-Artikels, welcher der Fach- und Sachkunde, die man gewöhnlicherweise von einem Professor erwarten darf, meiner Ansicht nach nicht gerecht wird.

    Grundsätzlich: Wenn ein System an den Folgen des Auseinanderfallens von Verantwortung und Haftung zugrunde geht, ist dieses System dann noch Kapitalismus? Wenn nicht: Welches System geht dann hier gerade zugrunde?

    Weitere interessante Gedanken zu Herrn Müllers Artikel: https://unbesorgt.de/marx-mueller-und-der-untergang-des-kapitalismus/

    Antworten
  6. Avatar
    Bateman sagte:

    sorry, aber so ein Zeugs wie der liebe Herr Müller kann nur jemand schreiben, der absolut keine Ahnung von der Funktionsweise des Internets hat.

    „Weil die „Produktion“ jeder weiteren Einheit – jeder weitere Abruf – quasi keine Kosten verursacht. Heutige Ökonomen würden sagen: Die Grenzkosten sind Null.“

    Die Grenzkosten mögen auf der Seite von Facebook und Google bei Null liegen, dass alleine sagt aber noch nichts aus. Denn entscheidend sind die Grenzkosten der Abnehmer dieser Abrufe, sprich Werbetreibende; diese sind mal steigend, mal fallend, je nach Qualität der Datensätze in Bezug auf das beworbene Produkt. Die Datensätze haben keinen Nutzwert in sich, wie das bspw. bei klassischen (d.h. kapitalintensiven Gütern) der Fall ist. Insofern ist es die Null-Grenzkosten-Theorie nur für die angesprochenen Monopolisten zutreffend, für den Großteil der Unternehmen allerdings nicht. Deshalb ist der Wettbewerb im Internet in der Regel auch entsprechend hart, weil eben fast perfekte Marktbedingungen vorherrschen. Kapital mag „keine“ Rolle mehr in der Produktion spielen, in der Vermarktung tut es das umso mehr (siehe Phänomen Rocket Internet).

    „Der höchst wertvolle Service einer Suchmaschine mag keinen Preis haben, aber er ist nicht umsonst. Finanziert wird er durch die Daten der Nutzer, die der Konzern wiederum wirtschaftlich nutzen kann.“ Wer sich ein bisschen mit Onlinemarketing befasst und evtl. sogar noch einen Blick in die G+V von Alphabet wagt, weiß, dass ein Großteil der Einnahmen bei Google nach wie vor aus dem Bereich adwords kommt, also paid search. Die arbeitet aber nur zu einem gewissen Anteil mit Nutzerdaten, die meist auch anonym sind (location, cookie daten, browsersprache etc.). Das cash-cow von Google ist auch arbeitsfähig ohne große Nutzung von Nutzerdaten. Hier gilt im Prinzip die gleiche Logik wie bei dem vermeintlich kostenfreien Fernsehen, das durch Werbung finanziert wird. Und auch bei den anderen Einnahmequellen von Google (Displaymarketing) spielen echte Nutzerdaten im Vergleich zu anonymen cookiedaten eine eher sekundäre Rolle. Interessanterweise sitzt Google zwar auf einem unheimlichen Datenvolumen, dass es über seine diversen Produkte sammelt, an der Kapitalisierung dessen hapert es allerdings noch.

    Antworten
  7. Avatar
    Wolfgang Selig sagte:

    bto: kein Wirtschaftssystem hat so viele Menschen aus der Armut geholt. Es hat aber einen Nachteil, es basiert nämlich auf Druck. Kein Wunder, dass es so vielen Menschen nicht schmeckt!

    Es gibt noch einen anderen Punkt m.E.: der Kapitalismus hat in den letzten 30 Jahren viele Leute in den damaligen Entwicklungs- und Schwellenländern aus der Armut geholt, natürlich immer mal wieder zu Lasten westlicher Arbeitsplätze, denn bei uns war diese Phase historisch schon durch. Und darum fällt Kapitalismuskritik von Bernie Sanders über die Labourparty und die französischen Gewerkschaften bis zur hiesigen SPD/Grün/Linkspartei-orientierten Debatte so häufig auf fruchtbaren Boden. Oder kurz gesagt: die Ostasiaten brauchten keine Entwicklungshilfe, sie machten es über ihre höhere Wettbewerbsfähigkeit. Und das schmeckte und schmeckt vielen hierzulande nicht.

    Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      >Oder kurz gesagt: die Ostasiaten brauchten keine Entwicklungshilfe, sie machten es über ihre höhere Wettbewerbsfähigkeit>

      Ein wenig Entwicklungshilfe brauchen sie schon und nehmen sie gern, weil sie technologisch noch nicht weit genug sind.

      Aber die bekommen sie auch per Lieferung und durch Direktinvestitionen – wachsende Märkte sind ein UNSCHLAGBARES Argument.

      >Und das schmeckte und schmeckt vielen hierzulande nicht.>

      Als VERBRAUCHER schmeckt es ihnen schon, jedes halbe Jahr ein neues Handy zum Billigpreis nimmt man gern mit.

      Und für sichere, gut bezahlte Arbeitsplätze hat, bitte schön, die Regierung zu sorgen.

      >… fällt Kapitalismuskritik von Bernie Sanders über die Labourparty und die französischen Gewerkschaften bis zur hiesigen SPD/Grün/Linkspartei-orientierten Debatte so häufig auf fruchtbaren Boden.>

      Nicht mehr so häufig wie früher.

      Die Leute sind nicht ganz dumm und merken mittlerweile, dass die versprochenen Geschenke letztlich ein linke Tasche/rechte Tasche-Trick sind.

      Die vermeintliche Rettung wird vermehrt rechts gesucht.

      Auch da sind Enttäuschungen vorprogrammiert.

      Antworten

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.