„Market Excesses ‚Approaching A Threatening Level‘: IMF Issues Stark Warning On Leveraged Loans“

Immer wieder schön, wenn die offiziellen Institutionen warnen. Ich denke dann immer, ob sie das tun, um hinterher sagen zu können, „wir haben gewarnt“ oder ob es doch von den Politikern gehört wird. Bei uns in Deutschland sind Zweifel angebracht. Aber nicht nur hier.

So warnt der IWF erneut vor den Risiken im Markt für Unternehmenskredite. Leveraged Loans sind Lesern von bto schon aus früheren Beiträgen bekannt. Schlecht- oder unbesicherte Kredite an Unternehmen mit sportlicher Verschuldung oft im Zusammenhang mit Übernahmen durch Private Equity Unternehmen. Diese Kredite sind nicht nur explodiert, sondern werden auch von immer mehr Investoren gegeben, die die Risiken nicht richtig einschätzen und vermutlich auch nicht tragen können. Darin liegt die Gefahr im Falle eines Abschwungs. Panik kann schnell zu Verwerfungen im gesamten Finanzsystem führen. Forbes berichtet:

  • „An unusually blunt warning about the massive market in leveraged loans from a normally-circumspect International Monetary Fund should give investors pause at a time of rising concern about global financial stability.” – bto: was wie gesagt nur zeigt, dass sie auch aufpassen.
  • „Fund economists Tobias Adrian, Fabio Natalucci and Thomas Piontek have published a new blogpost highlighting some fairly alarming trends. „We warned in the most recent Global Financial Stability Report that speculative excesses in some financial markets may be approaching a threatening level. For evidence, look no further than the $1.3 trillion global market for so-called leverage loans, which has some analysts and academics sounding the alarm on a dangerous deterioration in lending standards. They have a point.” – bto: Und was ist die Ursache? Die Geldpolitik der Notenbanken, die viel Liquidität auf die Suche nach Ertrag schicken.
  • „This growing segment of the financial world involves loans, usually arranged by a syndicate of banks, to companies that are heavily indebted or have weak credit ratings. These loans are called ‚leveraged‘ because the ratio of the borrower’s debt to assets or earnings significantly exceeds industry norms.“ – bto: Und wir wissen, dass auch bei den sogenannten Investment-Grade-Anleihen einige Probleme lauern …

Quelle: Forbes, IMF

  • „‚With interest rates extremely low for years and with ample money flowing though the financial system, yield-hungry investors are tolerating ever-higher levels of riskand betting on financial instruments that, in less speculative times, they might sensibly shun,‘ Adrian and his colleagues write.“ – bto: Immer mehr Investoren kennen auch nur das heutige Umfeld der ewig tiefen Zinsen und des langfristigen Aufschwungs.
  • Speculative-grade companies have been eager to load up on cheap debt. Globally, new issuance of leveraged loans hit a record $788 billion in 2017, surpassing the pre-crisis high of $762 billion in 2007. The United States was by far the largest market last year, accounting for $564 billion of new loans.‘ It’s not just the market’s size and scope but also its increasingly loose underwriting standards, reminiscent of the mortgage market before the 2008 crash.“ – bto: Klar, weshalb sich die Mühe machen, die Risiken zu analysieren, wenn im Zweifel die Notenbanken einen retten?

Quelle: Forbes, IWF

  • „Some leveraged loan deals help borrowers mask their true exposures.“ – bto: was dieses Chart zeigt. Da werden die Gewinne auch noch geschönt, was heißt, dass die Qualität noch deutlich schlechter ist.

Quelle: Forbes, IWF

  • „A significant shift in the investor base is another reason for worry. Institutions now hold about $1.1 trillion of leveraged loans in the United States, almost double the pre-crisis level.  That compares with $1.2 trillion in high yield, or junk bonds, outstanding. Such institutions include loan mutual funds, insurance companies, pension funds, and collateralized loan obligations (CLOs), which package loans and then resell them to still other investors. CLOs buy more than half of overall leveraged loan issuance in the United States.“ – bto: Da haben wir wieder die Verteilung des Risikos, was in Wahrheit ein Verstecken ist!

Quelle: Forbes, IMF

  • „The sobering conclusion: ‚Having learned a painful lesson a decade ago about unforeseen threats to the financial system, policymakers should not overlook another potential threat.‘ It sounds nice in theory. However, Federal Reserve officials have few tools — and have sought any new ones — does grapple with potential risks in the so-called shadow-banking system, which operates outside the part of the financial system it regulates. This gap may yet prove the gateway to the next financial crisis.“ – bto: Natürlich haben sie eine Möglichkeit, zu handeln. Die Rückkehr zu einer soliden Geldpolitik mit deutlich höheren Zinsen. O. k., man darf ja mal träumen.

→ forbes.com: „Market Excesses ‚Approaching A Threatening Level‘: IMF Issues Stark Warning On Leveraged Loans“, 15. November 2018

9 Kommentare
  1. Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Immer wieder schön, wenn die offiziellen Institutionen warnen. Ich denke dann immer, ob sie das tun, um hinterher sagen zu können, „wir haben gewarnt“ oder ob es doch von den Politikern gehört wird.“

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter, Sie sehen das m.E. zu institutionell. Der IWF ist nur eine juristische Hülle. Warnen können nur natürliche Personen, die in höheren Positionen für den IWF tätig sind. Und hier gibt es einfach kluge Leute, die hinterher nicht der Sündenbock sein wollen und an ihre eigene berufliche Zukunft denken. Insofern ist das aus deren Warte schon schlau. Sie wissen ganz genau, dass sich kein Geld- und Fiskalpolitiker gerade für ihre Aussagen interessiert; das kann ihnen auch egal sein, denn jetzt keilen die Politiker auch nicht zurück. Sie wissen aber auch ganz genau, dass bei einem Crash sofort medial gefragt werden wird, warum die „Überwachungsmechanismen“ nicht funktioniert haben, und von allen Leuten Sündenböcke gesucht werden. Tja, und dann kann sich der schon länger mahnende „Überwacher“ hinstellen und auf seine Schriftsätze aus der jüngeren Vergangenheit verweisen, die leider leider nicht beachtet wurden.

    Fairerweise muss man aber wenigstens feststellen, dass im IWF wohl keine Laien sitzen. Das ist ja schon mal was. Bei diversen Bundestagsabgeordneten habe ich hier gerade meine Zweifel…

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  2. Dietmar Tischer sagte:

    >Immer wieder schön, wenn die offiziellen Institutionen warnen. Ich denke dann immer, ob sie das tun, um hinterher sagen zu können, „wir haben gewarnt“ oder ob es doch von den Politikern gehört wird.>

    Die Warnungen werden langsam langweilig, weil mittlerweile so gut wie JEDER warnt, so nun auch die Fed, wie hier berichtet:

    https://www.cnbc.com/2018/11/28/fed-warns-that-particularly-large-plunge-in-asset-prices-is-possible-if-risks-materialize.html

    Daraus:

    > So-called leveraged loans have surged recently, as have companies whose bonds are rated near the bottom of the investment-grade ladder and are thus susceptible to slipping into junk territory.

    „High leverage has historically been linked to elevated financial distress and retrenchment by businesses in economic downturns,“ the report said. „Given the valuation pressures associated with business debt … such an increase in financial distress, should it transpire, could trigger a broad adjustment in prices of business debt.“

    Es fehlt nicht an SELBSTERKENNTNIS:

    >The report further noted that the Fed’s own rate hikes could pose a threat. A market and economy used to low rates could face issues as the Fed continues to normalize policy through rate hikes and a reduction in its balance sheet, or portfolio of bonds it purchased to stimulate the economy.>

    Warum sagt die Fed das, ebenso wie der IWF und andere gewichtige Institutionen?

    Die Antwort kann nicht auf Gewissheit, sondern nur auf Plausibilität beruhen.

    Heißt für mich:

    Das Verschuldungsproblem ist so umfassend, dass wir – die mächtigsten Institutionen der Welt – es nicht mehr SICHER beherrschen können, insbesondere dann, wenn wir unserem Auftrag gemäß zu NORMALER Politik zurückkehren.

    Man kann diese Lesart als Warnung auffassen – als Warnung an die Politik genauso wie an die Unternehmen, sich VORZUBEREITEN.

    Nur:
    Was nützen Warnungen, wenn es zu spät dafür ist?

    Test:

    Der G20-Gipfel am Wochenende.

    Wenn nichts weiter als Erklärungen und Absichtsbeteuerungen verkündet werden, wäre es show business.

    Zugleich wäre es eine Demonstration der Machtlosigkeit dem Problem gegenüber.

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  3. Aus dem Norden sagte:

    Immer wieder schön, wenn sich abgewählte Entscheider viele Jahre nach dem von ihnen verursachten Desaster über ihre eigene Blödheit wundern. Dies hat den ehrlichen Steuerzahlern der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein rd. 14 Milliarden Euro gekostet für Schiffe, die niemand braucht (HSH-Nordbank). Ein Klacks für die Summen, die nun zur Disposition stehen …

    Wer regt sich auf. Niemand. Die Entscheider sind weg, ebenso die Profibankrotteure der Bank einschließlich Sanierer, die dem schlechten Geld noch Gutes hinterherwarfen.

    Es regt sich bei mir ein ungutes Gefühl, weil es offenbar möglich ist, Bankrotteur mit Staatsgeldern in Milliardenhöhe zu spielen, ohne in die Haftung zu geraten. Selbst wer Warnungen missachtet, ist nicht haftbar. Was nützen also die Warnungen? Wovor wird gewarnt?

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    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Aus dem Norden

      >Dies hat den ehrlichen Steuerzahlern der Bundesländer Hamburg und Schleswig-Holstein rd. 14 Milliarden Euro gekostet für Schiffe, die niemand braucht (HSH-Nordbank).>

      NIEMAND braucht?

      Die Schiffe wurden gebraucht für:

      a) die Beschäftigung auf polnischen und asiatischen Werften

      b) als Steuersenkungsvehikel für gut verdienende Deutsche

      c) für den internationalen Warentransport

      Und jetzt zum Problem:

      Das Modell „Eigenkapital weitgehend durch Einlagen von Steuersparern und Fremdfinanzierung durch Banken“ war so ERFOLGREICH, dass zu VIELE Schiffe gebaut wurden.

      Vor allem wurden in kürzester Zeit immer größere Schiffe gebaut, so dass Skaleneffekte zum Tragen kamen, was schnell zu ÜBERKAPAZITÄTEN führte.

      Damit entwickelten sich die Frachtraten nicht wie vorhergesehen und die Schiffe konnten sich nicht mehr wie prognostiziert amortisieren.

      Dazu kam der Einbruch des Welthandels durch die Nach-Lehman-Krise.

      In der Summe bedeutet das Mrd.-Abschreibungen und Verluste u. a. der HSN-Nordbank.

      >Es regt sich bei mir ein ungutes Gefühl, weil es offenbar möglich ist, Bankrotteur mit Staatsgeldern in Milliardenhöhe zu spielen, ohne in die Haftung zu geraten.>

      Was soll das heißen?

      Niemand hat Bankrotteur GESPIELT.

      Die Politik hat das Steuersparmodell aufgelegt, um die Besteuerung von Besserverdienern zu reduzieren und diese sowie Initiatoren – für den Bau der Schiffe Geld einsammelnd – und des weiteren Banken haben daraus ihre Vorteile gezogen.

      Dass dies mit Klumpenrisiken für die Banken verbunden war, hat niemanden interessiert als es gut lief.

      Warum auch – die Banken verfügten über ein florierendes Geschäftsmodell.

      Die Politiker konnten sich im Erfolg sonnen und hatten außerdem noch ein Finanzierungsvehikel, um politisch opportune Projekte zu fördern.

      Fazit:

      Die Bürger sollten sich über ihre eigene Blödheit wundern und dafür sorgen, dass die Landesbanken an Privatunternehmen verkauft werden.

      Sie und nicht die Politiker sind die schließlich die Eigentümer der Landesbanken.

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      • SB sagte:

        @Dietmar Tischer:

        „Sie und nicht die Politiker sind die schließlich die Eigentümer der Landesbanken.“

        So ist es. Die Bürger und damit Wähler bestimmen, wie das System aussieht, in dem sie leben. Wenn sie sich nicht dafür interessieren, weil sie lieber (auf Kredit) shoppen gehen und sich von grobem Unfug im Fernsehen berieseln lassen, müssen sie eben hinterher die ihnen von denen eingebrockte Suppe auslöffeln, die zuvorderst ihre eigenen Interessen verfolgen und für den großen Rest nur ein paar Brotkrumen übrig lassen. Für die Wenigen, die mitdenken und es anders machen würden, gilt leider: mitgehangen, mitgefangen.

        „Aus dem Norden“ verkürzt die Verantwortung der Bürger darauf, Wahlversprechen zu glauben, weil er fälschlicherweise davon ausgeht, dass die Gewählten tatsächlich die Interessen von Otto-Normalverbraucher verfolgen. Das dem nicht so ist, kann einjeder an den alltäglichen Fakten nachvollziehen,… wenn, ja wenn er sich damit beschäftigt.

        Natürlich ist dabei auch eine Menge (Wahl-) Betrug im Spiel. Aber das ist ja nicht erst seit gestern so.

  4. Markus sagte:

    @DT
    „Fazit:
    Die Bürger sollten sich über ihre eigene Blödheit wundern und dafür sorgen, dass die Landesbanken an Privatunternehmen verkauft werden.
    Sie und nicht die Politiker sind die schließlich die Eigentümer der Landesbanken.“:

    Ich finde, Sie machen es sich da eine Spur zu leicht.
    – Die Bürger haben die Entscheidungen über solche Angelegenheiten Experten überlassen (Politikern und deren Beratern). In gewissen Maße sollten sie schon davon ausgehen können, dass diese Entscheidungen finden, die in ihrem Interesse sind. Man kann ja auch Bankberater oder Statiker belangen, wenn sie fachlich versagen.
    – Die Bürger verfügen gar nicht über die nötigen Informationen, um vollumfänglich entscheiden zu können.
    – Die Bürger verfügen gar nicht über die Möglichkeiten, Ihre Entscheidungen Wirklichkeit werden zu lassen. Dafür bräuchten wir (mehr) direkte Demokratie.

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    • Wolfgang Selig sagte:

      @DT & Markus: Ich finde, das Problem ist, dass Deutsche zwar Probleme mit Aktienanlagen haben, aber anscheinend kein Problem damit hatten, in Schiffe zu investieren. Obwohl sie vom Schiffsmarkt keine Ahnung hatten. Einen Grund dafür könnte ausgerechnet der ansonsten nicht gerade wirtschaftskundige „Spiegel“ liefern:

      http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/mythos-ist-den-deutschen-steuernsparen-wichtiger-als-sex-a-1110077.html

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    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Markus

      >In gewissen Maße sollten sie schon davon ausgehen können, dass diese Entscheidungen finden, die in ihrem Interesse sind. Man kann ja auch Bankberater oder Statiker belangen, wenn sie fachlich versagen.>

      In gewissem Maß – das ist richtig.

      Wenn die Bürger jemanden belangen wollen – und das sollten sie – dann müssen Sie eben dafür sorgen, dass REGELMÄSSIG festgestellt wird, ob die Politiker, die letztlich die Aufsichtspflicht über die Landesbanken haben, die Pflicht ERFÜLLT haben oder nicht.

      Wenn überhaupt, wird es erst dann festgestellt, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist.

      Dann muss schon einmal ein Ministerpräsident, wie in Sachsen geschehen, gehen.

      Noch besser:

      Der Politik nicht erlauben, Spielwiesen wie Landesbanken, die REAL über kein tragfähiges Geschäftsmodell verfügen, zu unterhalten.

      Kurzum:

      Ich bin auch dafür, dass der Politik erst einmal vertraut wird.

      Aber erst einmal nur.

      Wenn das Vertrauen nachlässig oder gar absichtlich und dann auch noch regelmäßig verspielt wird, muss es Konsequenzen geben, letztlich auch institutionelle und nicht nur eine Auswechslung von Personal.

      @ Wolfgang Selig

      So ist es:

      Keine Ahnung von etwas zu haben und nur Vermeidung zu betreiben, hier des Steuerzahlens.

      Wenn das schief geht, waren andere daran schuld.

      Kopper, ehemals Chef der DB hat einmal gesagt:

      Kaufmännisch handeln heißt auch, die Finger von etwas zu lassen, das man nicht versteht.

      Klingt gut, ist aber in der heutigen Gesellschaft ein naiver, auch lebensferner Ratschlag, denn es hieße auch:

      Man wäre praktisch allem ausgeliefert, weil man fast nichts versteht, was die unmittelbaren Lebensumstände und den Beruf übersteigt.

      Also nimmt man sich BERATER – und ist auf andere Weise ausgeliefert.

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  5. The Big Big Short sagte:

    Tja, so warnen also mittlerweile viele große Institutionen. Bemerkenswert ist, wenn man sich im Markt umhört, dann zeigt sich, dass so gut wie niemand auf die Warnungen reagiert. Und zwar, weil diese (hochriskanten) Anlageformen „alternativlos“ sind: Kein anderer Bereich des verzinslichen Marktes kann noch die notwendigen Renditeversprechungen vorweisen. Das ist wie fahren auf der Autobahn im dichten Nebel. Man weiß nicht, wann die nächste Kurve kommt – in hundert Metern, oder in hundert Kilometern. Aber man fährt Vollgas, weil alle es machen und weil man unter enormen Druck steht, um seine Ziele zu erreichen. So werden alle mit Vollgas in die Krise rauschen.

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