Kann die Stabilisierungspolitik der Notenbanken wirklich scheitern?

Angesichts Rekordbörsen, relativ stabiler Wirtschaft und der allseits verkündeten Gewissheit, dass Zinsen nur noch sinken können (siehe Montag), darf man mir verzeihen, dass ich manchmal denke, der Geisterfahrer zu sein. Kein Crash-Guru, gut, aber irgendwie doch auf dem falschen Pfad. Da tut es dann ganz gut, wenn ich andere finden, die die Welt ähnlich sehen. Keine Garantie dafür, richtig zu liegen. Ich weiß. Dennoch hier nach einer Woche mit, wie ich finde durchweg guten Beiträgen, ein Abschluss mit einer Begründung, warum die gute Phase nun wirklich enden könnte:

  • „Economically, the 11 years since the Global Financial Crisis of 2008-09 have been one relatively coherent era of modest growth, rising wealth/income inequality and coordinated central bank stimulus every time a crisis threatened to disrupt the domestic or global economy.“ – bto: so weit eine Beschreibung, die sich mit der meinen deckt.
  • Nun kommt die These: This era will draw to a close in 2020 and a new era of destabilization and uncertainty begins. Why will all the policies that have worked so well for 11 years stop working in 2020?“ – bto. Das frage ich mich auch. Ja, es ist unstrittig, dass die Blase größer wird. Es ist auch unstrittig, dass die Wirkung neuer Schulden auf die Realwirtschaft immer geringer wird. Aber genügt dies als Begründung?
  • „All the monetary/fiscal policies of the past decade were simply extreme versions of tried-and-true policies that central banks and governments have used for the past 75 years to restore growth in a recession or financial crisis. (…) These policies are now permanent, as the system is now dependent on these policies. Any reduction in central bank stimulus causes a market crash (witness the 20% drop in 2018 as the Fed slowly raised interest rates from near-zero) and any reduction in deficit spending threatens to trigger a recession.“ – bto: Ja, so ist es. Wir können sogar beobachten, dass die Empfindlichkeit des Systems steigt. Die Spannung steigt bei immer kleineren Veränderungen.

Dann kommt eine zusammenfassende Erinnerung an die erheblichen Nebenwirkungen dieser Politik:

  • „Soaring wealth-income inequality across the entire global economy.“ – bto: natürliche Folge des Leverage.
  • Dependence on asset bubbles to generate the „wealth effect“ that encourages spending by the top 5% who own two-thirds of the assets bubbling higher.“ – bto: die Politik der letzten Jahre, die immer mehr in eine einzige Richtung funktioniert hat.
  • „Dependence on asset bubbles to generate capital gains and property tax revenues for state/local governments.“ – bto: und gleichzeitig Angst vor den Folgen eines Platzens.
  • Loss of cost discipline: the solution across the entire spectrum–government, corporate and household–is now to borrow more, not trim costs via innovation or increases in productivity and efficiency.“ – bto: weshalb die Politik Wachstum schwächt, nicht stärkt!
  • „Reliance on debt to fund spending leads to rising defaults which will collapse the system. (Soaring auto-loan defaults are the canary in the coal mine.)“ – bto: jein. In den USA vereinzelt. Überwiegend haben wir es eher mit Zombies zu tun.
  • „Zero interest rates have generated over-capacity/over-production as everyone seeks a return on capital by expanding market share. Now there are global gluts in everything from autos to natural gas to electronics.“ – bto: und damit deflationären Druck statt der erhofften Inflation.
  • „With the yield on savings now less than zero due to inflation, investors must gamble in the asset-bubble casino as this is only available way to earn a return.“ – bto: Dies gehört zum Punkt über die Notwendigkeit von Blasen, um Konsum zu fördern.
  • Buffers are thinning. I’ve discussed this in depth over the years; dependence on stimulus lowers systemic resilience, rendering the entire system increasingly vulnerable to a phase-shift that fatally destabilizes the system.“ – bto: was ich mit dem höheren Leverage meine. Es ist einfach immer instabiler.
  • „Prior to the 2008-2019 era, the ‘real economy’ of sales, wages and profits led the stock market. Now the stock market dominates the real economy, as the central banks have turned the stock market into the ’signaling device‘ that all is well and the source of bringing demand forward (i.e. the wealth effect).“ – bto: und das mehr in den USA als bei uns. Aber letztlich hängen wir hier alle an der Wall Street.
  • „There are limits on encouraging more borrowing by lowering interest rates to zero. Even at zero interest rates, income must be devoted to paying principal. At some point, all available income is already consumed in debt service.“ – bto: Wenn die Verschuldungskapazität am Ende ist, ist Schluss.
Was können die Politiker jetzt noch machen? Interessanterweise kommen vom anderen Ende der Welt auch keine besseren Ideen (leider!):
  • „push extremely distorting policies to new extremes“ – bto: kommt. Helikopter werden beladen, die Öffentlichkeit darauf bereits eingestimmt (Klimarettung).
  • „attempt policy-tweaks–higher taxes on the wealthy, etc.–that ignore the causes of the distortions. These policy tweaks are the classic „band-aids treating cancer“ – bto: Sie können dennoch erheblich schmerzen.
  • Is there a way out? No. That these policies have not restored ‘organic growth’ must be accepted, along with the need for a painful re-set. The odds of this happening are near-zero, as politicians who cause economic pain lose the support of the populace.“ – bto: wie im Falle der „Eurorettung“ zu beobachten!
Doch warum endet es jetzt? Das ist doch die Frage, die uns alle interessiert? „Inherently unstable systems can appear stable for quite some time as the instability builds beneath the placid surface. In 2020, increasing monetary and fiscal stimulus will be the equivalent of spraying gasoline on a fire to extinguish it.“ – bto: Mag sein. Oder auch nicht. Klar ist, dass das nicht ewig weiter gehen wird, weil es nicht weitergehen kann. Aber wann genau der Stecker gezogen wird, weiß auch ich nicht.

charleshughsmith.blogspot.com: „Instability Rising: Why 2020 Will Be Different“, 14. Januar 2020

Kommentare (28) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Schemde sagte:

    @ Hoxworth
    Ich würde nicht unbedingt sagen, daß Gold zu günstig ist im Moment.
    Er gibt diverse Ansätze den fairen Preis für Gold zu ermitteln, alle haben Vor- und Nachteile und sind mit vielen Annahmen und Unsicherheiten behaftet.
    Mein Ansatz ist relativ simpel und betrachtet den Zeitraum der letzten 49 Jahre (bis Januar 1971)
    Goldpreis 1971: 70,70 EUR / Oz
    Goldpreis heute: 1.425 EUR
    Also eine verzwanzigfachung innerhalb von 49 Jahren, was einer jährlichen nominellen Preissteigerung von 6,32% im Durchschnitt ergibt.
    Jetzt nehmen Sie die durchschnittliche Inflationsrate der letzten 49 Jahre.
    Sie können die offiziellen Zahlen addieren und werden zu dem Ergebnis kommen, daß diese Inflation zu niedrig ist.
    Also nehmen Sie eine realistische, evtl. selbst ermittelte.
    Ich rechne bei allen historischen Preisen immer mit 3,53% durchschnittlicher Inflation in Deutschland.
    Diesen Wert habe ich durch umfangreiche Vergleiche echter alter Preise ermittelt.
    Eine Inflation von 3,53% bedeutet, daß sich die Kaufkraft der Währung innerhalb von 20 Jahren halbiert hat.
    Gold hat nach dieser Rechnung nicht nur die Kaufkraft bewahrt, sondern pro Jahr 2,79% an realem Wert hinzugewonnen.

    Wenn Sie als Startpunkt 1948 wählen (Goldpreis damals ca. 60 EUR / Oz) kommen Sie auf

    Goldpreis Juli 1948: 59,60 EUR / Oz
    Goldpreis heute: 1.425 EUR
    eine vervierundzwanzigfachung innerhalb von 71,5 Jahren, was einer jährlichen nominellen Preissteigerung von 4,53% im Durchschnitt ergibt.
    Gold hat also im Zeitraum von 71,5 Jahren nicht nur die Kaufkraft bewahrt, sondern pro Jahr 1% an realer Kaufkraft hinzugewonnen. (Wieder 3,53% Inflation angenommen)

    Bei der ersten Rechnung (1971 bis heute) hat Gold somit einen echten Wertzuwachs von 285% erzielt
    Bei der zweiten Rechnung (1948 bis heute) liegt der Wertzuwachs immerhin noch bei 71,5%.

    Wenn Gold langfristig nur die Kaufkraft erhält (wie oftmals von Goldkritikern behauptet), dann wäre der jetzige Preis mit 1.425 EUR pro Unze zu hoch und es könnte irgendwann zu einer sehr deutlichen Korrektur nach unten kommen.

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    Dieter Krause sagte:

    @ Dietmar Tischer
    Die Tendenz zur „Mittellohnvolkswirtschaft“ ist anhand der nationalen und supranationalen Daten und der vorherrschenden Wirkmechanismen nicht ernsthaft bestreitbar.

    Deutschland war schon immer eher eine Mittellohn- denn Hochlohnwirtschaft! Dafür hat schon Bundeswirtschaftsminister Ehardt in den 1950er Jahren gesorgt – zuzüglich einer gegen den Dollar lange Zeit unterbewerteten DM war das die Basis für das sogenannte Wirtschaftswunder mit den ganzen Exporterfolgen!

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ troodon

      Habe das von der innovativsten Wirtschaft weltweit auch gelesen – und SOFORT verdrängt.

      Ich bekenne also:

      Ich bin ein notorischer Schwarzmaler und dazu auch noch ein Depp.

      Warum kann man nicht der Kanzlerin glauben, wenn Sie sagt

      „Wir schaffen das“.

      Dabei hat die Frau doch untertrieben.

      Die Wahrheit ist:

      Wir schaffen ALLES.

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        Bakwahn sagte:

        @Tischer
        Der Beitrag Trodoons ist ironisch gemeint.
        Und Ironie ist immer dann, wenn das Gegenteil von dem gemeint ist, was gesagt wird.
        Also nicht alles Bierernst nehmen.

        Auch ich habe den Artikel über die angeblich innovativste Volkswirtschaft der Welt irgendwo gelesen. Ich habe das nicht für ernst genommen, weil gleichzeitig (in sogenannten seriösen Medien) mehrere Aufsätze, Artikel, Meldungen auf den wirtschaftlichen Abstieg hinwiesen.
        Unsere Volkswirtschaft ist „kleinteilig“, mittelständisch organisiert. Diese Unternehmen, viele davon sogenannte „Weltmarktführer“, sind in der Tat sehr flexibel, innovativ und produktiv. So denke ich mir, daß z.B. viele Zulieferbetriebe der Autoindustrie dabei sind, sich umzuorientieren und neue Geschäftsfelder suchen und neue Produkte und Dienstleistungen entwickeln und anbieten.
        Jedoch vielen solcher Unternehmen gehen die jüngeren gut ausgebildeten und fähigen Fachkräfte aus; und die älteren (55 plus) haben für solch eine Kraftanstrengung keine Lust mehr (umgangssprachlich formuliert).
        Als Laie formuliere ich es mal so:
        Teile unserer Volkswirtschaft werden weiterhin florieren und zur Weltspitze gehören. Dort wird dann auch gut verdient.
        Große Teile aber werden auf „Mittellohnniveau“ absinken. Es wird so kommen, daß große Teile der Wirtschaft als „Werkbank“ fungieren aufgrund von Investitionen innovativer, kapitalkräftiger Unternehmen z.B. aus Ostasien.
        Der Rest der arbeitsfähigen Bevölkerung wird im Dienstleistungssektor ihr Heil und Auskommen suchen; wird sich für 3 Euro gegenseitig die Haare schneiden.

        Tischer schreibt:
        „Demografische Entwicklung, Energiewende, Migration und – noch nicht ausgemacht, aber mit viel Potenzial für die Entwertung von Arbeitsplätzen – die Digitalisierung.“
        Tischer führt – in Stichworten – Gründe für den allmählichen Abstieg an.
        Diese wollte ich auch in meinem Kommentar aufnehmen; habe dann darauf verzichtet, weil der Text zu lang geworden wäre. „Fasse dich kurz!“ Stand früher in jeder Telefonzelle.
        Dazu kommt: das Bildungs- und Berufsausbildungsniveau sinkt auf breiter Fläche.

        Live vom Hat Tung Wua Laen – am Golf von Siam – 10.45 Uhr Ortszeit
        Felix Haller – seit 2013 alternativ

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        troodon sagte:

        @ Bakwahn
        Hr.Tischer hat mich schon verstanden, Sie aber nicht sein Posting ;) ;)

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    Bakwahn sagte:

    Teil 2: Ein paar Nachträge:

    1. Bankenkrise und Krall
    Deshalb verstehe ich nicht, wie ein gut beleumundeter Mann wie Krall, der zugleich Bankenfachmann ist, sich so weit aus dem Fenster lehnt und für dieses Jahr Bankenzusammenbrüche vorhersagt. Er muß doch wissen, daß man mit Schuldenschnitten, mit großzügigen Refinanzierungsprogrammen und anderen geeigneten Maßnahmen den Banken zu Hilfe eilen wird. Mit Geld von der EZB, versteht sich.

    2. die listige Überschrift Stelters: Kann die Stabilisierungspolitik der Notenbanken wirklich scheitern?
    Für meine Einschätzung der aktuellen Krisensituation hätte die Frage natürlicherweise lauten müssen:
    Kann die Stabilisierungspolitik der Notenbanken wirklich Erfolg haben?
    Das wäre meiner Meinung nach die „quasi-natürliche“ Frage, weil sie sich in der Situation, in der sich der Euro tatsächlich befindet, aufdrängt. Jeder andere jedenfalls hätte so gefragt.
    Warum fragt Stelter so, wie er fragt?
    Er suggeriert damit ‚externen‘, gelegentlichen Lesern diese Blogs, also wichtigen und sicherlich auch einflußreichen Leuten, die Eurofanatiker sind, die auf der anderen Seite stehen, folgendes (es folgt eine Art Bewusstseinsstrom, stream of consciousness, d.h. Ich schaue diesen Leuten direkt ins Bewußtsein und blende mich als vermittelnde Instanz aus):
    „Aha, auch Stelter will den Euro erhalten, er kritisiert zwar so manche Maßnahme, aber in Wirklichkeit steht er auf unserer Seite. Also laden wir ihn mal wieder zu dieser oder jenen Gesprächs- oder Diskutierrunde ein. Oder wir geben ihm die Möglichkeit, einen Aufsatz bei uns zu platzieren.“
    Stelter will unter allen Umständen nicht exkommuniziert werden.
    Es gibt etliche weitere Beispiele, die ich aufführen könnte und die sich eindeutig so interpretieren lassen.

    Live vom Hat Tung Wua Laen – am Golf von Siam
    17.25 Uhr Ortszeit – Temperatur 30 Grad – Wasser 26 mindestens
    Felix Haller – seit 2013 alternativ

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    Bakwahn sagte:

    Teil 1:
    @Tischer
    Ich bin ökonomischer Laie. Ich verstehe nicht alles (in seinen Tiefenwirkungen).
    Ich glaube, Sie haben einen guten, durchdachten Kommentar zu Stelters Text geschrieben.

    Ich beschränke mich auf den Euro und die EZB.
    Die EZB kann die Eurokrise meistern, wenn die Geldschöpfungsaktionen der EZB und wenn zugleich die Politik der EU und die Politik der Euroländer aufeinander abgestimmt werden und harmonieren. Strukturveränderungen innerhalb der Volkswirtschaften, die vielfältige negative Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben, werden durch EZB-Geld abgefedert bzw. von der EZB finanziert, um „Härten“ zu vermeiden.

    Bezogen auf die deutsche Volkswirtschaft meine ich folgendes:
    In vielen Bereichen der industriellen Produktion fallen wir zurück; wir verlieren zunehmend etliche Spitzenpositionen. Und nur der, der Produkte und Dienstleistungen in guter Qualität anbieten kann, was andere in deutlich schlechterer Qualität bieten, weil ihnen z.B. technisches know-how fehlt, nur der kann – nach einem Diktum von Heinsohn – hohe Preise verlangen. Nur die Unternehmen erzielen gute Erträge und Gewinne und können entsprechend hohe Löhne zahlen, die hochwertige Produkte und Dienstleistungen bei geringer oder schwächerer Konkurrenz anbieten.
    Konkretes Beispiel:
    Viele in der Autoindustrie werden ihre gutbezahlten Arbeitsplätze verlieren. Da es aber ausgebildete Fachkräfte sind, werden sie schnell wieder einen Job finden. Aber zu erheblich schlechteren Konditionen, z.B. zu spürbar niedrigeren Einkommen.
    Allgemein: das Lohn- und Einkommensniveau bei uns wird fallen.
    Um die Härten und die schmerzlichen Übergänge abzufedern und zu finanzieren, wird der Staat mit Hilfe von EZB-Geld eingreifen. Dieser Prozeß wird sehr lange andauern.
    Wir werden in eine Phase eintreten von einer „Hochlohnvolkswirtschaft“ zu einer „Mittellohnvolkswirtschaft“. (man verzeihe mir die unbeholfene Ausdrucksweise)
    Der Euro wird in einem Zustand der Dauerkrise weiterbestehen. Der Staat und manche Unternehmen werden Geld brauchen, um diesen Übergang und die „Schmerzen“ wenigstens zu mildern. Das benötigte Geld kommt dann – frischgedruckt – von der EZB.
    Als Laie sehe ich dann nur eins: eine anziehende Inflation. Und nur eine anziehende, galoppierende
    Inflation kann den Euro zu Fall bringen.
    Alle anderen Probleme werden von EZB-Geld übertüncht.

    Live vom Hat Tung Wua Laen – am Golf von Siam
    17.20 Uhr Ortszeit – Temperatur 30 Grad – Wasser 26
    Felix Haller – seit 2013 alternativ

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Bakwahn

      Sie sehen es richtig:

      Die Tendenz zur „Mittellohnvolkswirtschaft“ ist anhand der nationalen und supranationalen Daten und der vorherrschenden Wirkmechanismen nicht ernsthaft bestreitbar.

      Schon dies erfordert erheblich Anpassungsleistungen nach unten (Verzicht).

      Man muss aber als VERSCHÄRFENDE Faktoren hinzurechnen:

      Demografische Entwicklung, Energiewende, Migration und – noch nicht ausgemacht, aber mit viel Potenzial für die Entwertung von Arbeitsplätzen – die Digitalisierung.

      Es ist völlig offen, wie unsere Gesellschaft politisch, wirtschaftlich und sozial mit der Gesamtentwicklung umgeht und ob damit nicht Verwerfungen verbunden sind, die nicht mehr geordnet beherrschbar sind.

      Dem allem wird man mit Geld gegensteuern – mit was auch sonst.

      Es wird vor allem, aber in letzter Konsequenz nicht nur Monetäre Staatsfinanzierung durch die EZB sein.

      Ich glaube, dass sich insoweit alle einig sind, die ein einigermaßen stimmiges Gesamtbild vor Augen haben.

      Da stehen Sie mit Dr. Stelter in einer Reihe.

      Zwei Fragen sind demnach angebracht:

      Wird der NEUE Geldpolitik – und neu wird sie sein, weil OFFIZIELL mit Änderung der EZB-Satzung „genehmigt“ und/oder OFFENSICHTLICH ohne Einspruch praktiziert –, HINREICHEND sein, die absehbar hohen Belastungen erträglich zu machen?

      Die Frage muss offen bleiben.

      Kann, wenn die Geldpolitik auf Zeit erträgliche Zustände sichert, also ERFOLGREICH stabilisiert, dies ohne Inflation möglich sein?

      Auch wenn wir nicht wissen, wie dann genau die Situation beschaffen ist, tendieren viel und auch ich dahin zu sagen:

      Es wird Inflation geben mit – möglicherweise – einen nicht mehr zu kompensierenden Vertrauensverlust in das Geld.

      Dann, SPÄTESTENS dann, kommt es zu einem Neustart – zu einer Reise wohin auch immer.

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        Alexander sagte:

        @ Dietmar Tischer

        Kaufkraftverlust durch Einkommensstagnation erlebt die Republik seit 1990, d.h. mit der Grenzöffnung & Globalisierung. Ziel aller Eltern war es, die Nachkommen durch „kluge“ Berufswahl davor zu bewahren. Dementsprechend gespalten ist die Gesellschaft heute.

        Die Profiteure seit 1990 waren Beamte und jene Berufsgruppen deren Preise politisch verhandelt und steuer-/gebühren-/beitragsfinanziert sind + Nullzinsfinanzierung von Höchstpreisen für die Platzhirschen der Industrie mit Preissetzungsmacht.

        Den Massenabstieg von Hochlöhnern wird es nicht geben, denn die Autoindustrie entsorgt aktuell nicht durch Änderungskündigung, sondern Rentenmodelle zuletzt bis Jahrgang 1965.
        Das ist der Konsens zulasten der Allgemeinheit.

        Massenabstieg durch Massenpleiten und Zwang (Jobcenter…) zur schlechteren Bezahlung ist die viel befürchtete Abwärtsspirale, denn es gibt keine Alternativbeschäftigung für Massen an Hochlöhnern der Autoindustrie. Schrumpf die LETZTE Leitindustrie DEUTSCHLANDS, schrumpfen alle abhängigen/angeschlossenen Zweige proportional mit. Auswege nur ins Sozialsystem mit allen Folgen für private Vermögen…und deren Preise.

        Dieselbe Konkurrenzertüchtigung durch Abwertung, die für Griechenland/Italien/Spanien/Frankreich ausgeschlossen war, ist es auch für die BRD.

        Einen Abstieg von Unternehmen ohne Insolvenz, zur Befreiung von Altlasten halte ich für ausgeschlossen. Bis zuletzt wuchs man entsprechend der Nachfrage und weder Anlagen noch Personal lassen sich schnell & entsprechend der billanzierten Werte vermarkten. Nicht nur die Bankenindustrie leidet unter der Abfindungsrechtsprechung….und die Deflation von Preisen für Industrieanlagen ist „die Hölle“ in einem fallenden Markt für alles. (vgl. everything bubbles)

        Das statistische Bundesamt meldet seine Daten zuerst ans Kanzleramt, d.h. die Regierung riskiert durch ihre gegenwärtige Untätigkeit genau den Anpassungsschock, nach den geldpolitischen Konjunkturräuschen, den man nicht beherrschen kann. Ganz im Gegenteil wäre der Schock vor 20 Jahren auf eine demographisch gesündere Gesellschaft getroffen als heute.

        Deshalb fürchte ich die wechselhafte Kettenreaktion von den Einsichten Kralls zur Bankenkrise, wenn MMT Geld zwar Pleiten verhindern kann, aber nicht die Zerstörung von PREISEN – ganz im Gegenteil.

        –> Ohne Preis gibt es kein wirtschaften obwohl Nachfrage besteht.

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @troodon

        Der Teilzeiteffekt ist nicht zu leugnen und wird durch ausgeprägte weibliche Hypergamie überkompensiert, wenn Beziehungen/Jahrgang die Betroffene zur looser*inn der competition machen würde.

        Dass sich bei gleicher Qualifikation wie der Eltergeneration jede Vollzeitarbeit für männliche Berufseinsteiger (ledig, 21 Jahre) ungleich weniger lohnt als bei Eltern damals, beschreibt die systemische Diskriminierung durch linke Autoren/Institutonen …wie verlinkt.

        Eigentlich hätte ich erwartet, dass Sie einen besseren Treffer landen. So beschreibt ihr Kommentar nur Ihre Ferne zum Markt, der unentwegt looser produziert – ablehsbar in Demographie und gescheiterten Lebensläufen.

        Jedem Kurs, den ich begleiten durfte musste ich anraten sofort nach Abschluß der Gesellenprüfung nach Aufstiegsqualifikation zu streben, da die Einkommensangebote des Marktes beschämend sind (- meint Kaufkraft netto bei den Vermögenspreisen.)

        Massenakademisierung ist natürlich keine Lösung für das Problem, genausowenig wie Massen an Lehrern, Steuerberatern, Parlementarieren, Radiologen, Zahnärzten, Apothekern…u.a.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Alexander
        „Einkommensangebote des Marktes beschämend sind (- meint Kaufkraft netto bei den Vermögenspreisen.)“
        Da stimme ich Ihnen zu. Keine Ahnung, ob man das mit steuerlichen Zusatzfreibeträgen z.B. für Handwerker abmildern könnte…

        “ So beschreibt ihr Kommentar nur Ihre Ferne zum Markt, der unentwegt looser produziert – ablehsbar in Demographie und gescheiterten Lebensläufen.“
        Das nehme ich jetzt mal so hin, frage mich allerdings, ob dies („unentwegt loser produziert“) denn ein neues Phänomen ist.

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @troodon

        Ich will Ihnen nicht zu nahe treten und kämpfe selbst darum nicht von der Wirklichkeit (dem Mark) zu weit getrennt zu sein. Aus Gründen des sozialen Standes, Alters und Umfeldes leben wir alle in unseren Echokammern.

        Mich hat mein Ausflug in die Welt der Heranwachsenden und looser der Endschlosschleifen aus Weiterbildung/Vermittlung der Arbeitsverwaltung einigermaßen kalt aufgeweckt.

        Der konjunkturelle Erfolg der Geldpolitik hat einige schlimme Schäden der späten 90er und frühen 2000er lindern geholfen; der Einbruch im Winter 19/20 dürfte das in kürzester Zeit zunichte machen..nur, dass die Looser von früher heute keine Hilfe zu erwarten haben, nach Grenzöffnung wird ihre Not unterboten und hat der Staat andere Bedürftige im Fokus.

        Nachdem die Preisfindung via Zins quasi offline ist, wird kein nachbessern durch politische Almosen (Absetzbarkeit Handwerksleistungen etc…) den Fachkräftemangel in den Sparten ändern, wo man aus Gründen des Auskommens gar nicht erst anfängt.

        Erst letzten Sommer erklärte mir ein Orthopädieschuhmachermeister, dass sein ältester Sohn (Maurer + Metzger) keine Aussicht auf Familie hat. Sein Stand sei zu niedrig um im Wettbewerb der female choice punkten zu können. Mich fasziniert das, denn wir haben keinen Intelligenzsprung erlebt….nur die Ansprüche sind explodiert….von wegen nur alte weiße Männer würden ausgegrenzt.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Alexander
        „leben wir alle in unseren Echokammern.“ Ja, da muss man aufpassen.
        „.nur die Ansprüche sind explodiert“ Ja.
        „dass sein ältester Sohn (Maurer + Metzger) keine Aussicht auf Familie hat. Sein Stand sei zu niedrig um im Wettbewerb der female choice“ Würde ICH nicht als allgemeingültig ansehen, kann mich aber irren. Aber vielleicht sind auch seine Ansprüche zu hoch , zu speziell … Aber Zustimmung, dass es Männer heute schwerer haben als früher, wenn sie sich nicht „anpassen“.
        „der Einbruch im Winter 19/20 dürfte das in kürzester Zeit zunichte machen..nur, dass die Looser von früher heute keine Hilfe zu erwarten haben,“ Teile auch dies nicht als allgemeingültig, aber klar, eventuell bin ich auch zu wenig pessimistisch..
        Und jetzt nicht böse sein : „hang loose“, aber „be a loser“ ;) Klugscheißerei muss auch mal sein ;)

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Alexander
        Doch noch etwas:
        „wird kein nachbessern durch politische Almosen (Absetzbarkeit Handwerksleistungen etc…) den Fachkräftemangel in den Sparten ändern, wo man aus Gründen des Auskommens gar nicht erst anfängt.“
        Was wären Ihre Vorschläge diesen Bereich wieder attraktiver zu machen. Denn Handwerker werden nur in geringerem Umfang von Automatisierung betroffen sein. Folglich eigentlich ein Bereich mit Zukunft für ehrgeizige, gut ausgebildete AN…

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @troodon

        Meine Flüchtigkeits-/Buchstabendreher- u.o. glatte Schreibefehler (s.o. le“h“sbar) würde ich gerne behalten; meist findet sich nach dem Absenden im Großformat der Fehler von gaaaanz allein..

        Wenn früher durch Konservative gesellschaftliche Fehlentwicklungen aus falscher politischer Intervention kritisiert wurden, waren diese Schäden niemals so offensichtlich wie zuletzt bei der Energiewende, Verbrennungsmotoren oder Zuwanderung. Dennoch veränderte jede Massnahme diese Gesellschaft und ihre Erklärung durch die Medien schafft Zustimmung.

        Für den Zeitraum seit 1990 würde ich eine schwere Entwertung von 50% der Bevölkerung ausmachen. Alte weiße Männer, toxische Männlichkeit sind nur Schlagworte einer Entwicklung, die heute darin mündet, dass man keine Forderung an junge Frauen zu stellen wagt – vgl. Eheschließung vor 50 Jahre, 60….

        Die Wohlstandsspaltung durch Geldpolitik hat diesen Trend verstärkt, Hypergamie ist so alt wie Märchen von Prinzen. Dieser Trend ist global. Bsp. China: https://youtu.be/xid47gvtFHA …überall dort, wo Kreditblasen Eigenkapitale marginalisieren.

        Bei den jungen Burschen ist der Anspruch im Vergleich zu den Ansprüchen vor 40 Jahren praktisch null. Deutsche mit Migrationshintergrund holen sich deshalb ihre Bräute gerne im ursprünglichen Heimatland (Migration ist Auftstieg), nur Indigene tun sich schwer…wenn das Vermögen überschaubar ist. Abhilfe gibt es keine durch neue Intervention, nur der crash erzwingt umdenken. Zu retten ist damit nichts, die qualitativen Beitragszahler für „meine“ Rente wurden nie geboren.

        Wenn der BRD ein Abstieg auf das Niveau Brasiliens bevor steht, würde ich nicht mehr mit guten Handwerkern rechnen, denn dort sind die -guten Leute- (!) nach 6 Wochen Elektriker und die Netzspannung aus trifftigem Grund nur 110V – wie in den USA :o)
        derhauptstadtbrief.de/cms/112-der-hauptstadtbrief-133/967-die-deutschen-leben-in-einem-abstiegsgefaehrdeten-land

        Diese Zivilisation schafft sich ab.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @Alexander
        Was Sie so alles bei youtube ausgraben können…
        Relativer Abstieg in D ggü. Asien ja, ggü. anderen europäischen Staaten sehe ich das eher nicht.Absoluter, dauerhafter Wohlstandstandsverlust (BIP/Kopf) sehe ich längerfristig für D nicht. Kann mich irren…

        Bzgl. Steuern bei Handwerkern u.a. körperlich arbeitenden Menschen dachte ich zudem eher an zusätzliche, persönliche Steuerfreibeträge o.ä.. Als Anwalt, Versicherungsvertreter, Banker u.ä. könnte man m.E. auch noch – zumindest oft als Teilzeit- mit z.B. 69 Jahren arbeiten. Das wird bei körperlich Tätigkeit nicht in gleichem Umfang möglich sein. Deshalb Anreiz schaffen für diese über weniger Steuern/ Zuschüsse zu Sozialabgaben als Idee. Denn gebraucht werden diese Berufe.

      • Avatar
        Alexander sagte:

        @troodon

        Es spielt in der Realität überhaupt keine Rolle was „man“ sich ausdenkt, befürwortet oder fordert. Alle Bundesregierungen jeder Farbe weigern sich beharrlich Steuerfreibeträge, Grenzbeträge, Pauschbeträge, Messbeträge zur Steuer und Abgabenermittlung an ein „eine Form von Inflation“ zu indexieren und verhandeln lieber extrem verzögert neue gesetzliche Beträge aus.

        Spitzensteuersätze wegen Samstagsarbeit und Überstundenfleiß in Mangelberufen….ist normal. Gewerbesteuerfreibeträge seit den 1980ern unverändert, aber ja doch. Über 60 Jahre zur Anpassung von GWG von 409€ (1950er) auf 800€ (2018) sind ein Konjunkturstimuli erster Güte! Diese Politik ist abgehoben, masslos und dimensionslos.

        Welche Ehre keinen geldwerten Steuervorteil nachversteuern zu müssen, wenn der Schlüsseldienst mit dem BetriebsKfz nach Hause fahren darf….. Die Auslösen für Monteure sind nicht mehr steuerfrei und prompt entsteht Mangel……Trinkgelder für Kellnerei oder Friseurinnen werden geschätzt….. Die laufend steigenden Kosten jeder Handwerkerstunde behindern Lohnsteigerungen, wenn der Markt nicht mehr hergibt. Mögliche Schwarzarbeit ist Ziel bewaffneter Steuerfahnder…..neuerdings Belege für jede Semmel, weil Generalverdacht besteht. In so einem Land hat das „Handwerk goldenen Boden“?

        Genauso wie der Abwertungsbedarf des ital. Euro vielleicht 20Jahre x 3% beträgt, müssten verschiedene Mangelberufe um 30J x 5% aufgewertet werden. Das wäre nicht im Sinne von Systemstabilität und wird durch den crash von alleine ablaufen. Wo dieses Europa dann steht wissen die Götter, Politik und Zentralbank spielen dann keine Rolle mehr :o)

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Alexander
        Ihrer grundsätzlichen Systemkritik stimme ich absolut zu. Sehe aber den schleichenden Ablauf auch weiter schleichend.
        Und ab einem bestimmten Zeitpunkt X (wohlweislich ohne Zeitangabe ;) ), besteht zumindest theoretisch die Chance, dass es auch wieder anders wird. Ob es dafür tatsächlich einen echten Systemcrash geben muss, ich weiß es nicht…
        Wir werden sehen

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    Dietmar Tischer sagte:

    Kann die Stabilisierungspolitik der Notenbanken wirklich scheitern?

    Die Frage in der Überschrift wird vom Autor des Beitrag in zwei Schritten beantwortet:

    1. >”At some point, all available income is already consumed in debt service.“>

    Daraus folgt:

    bto: Wenn die Verschuldungskapazität am Ende ist, ist Schluss.

    Das ist richtig, aber NUR dann, wenn die Stabilisierungspolitik der Notenbanken als eine Politik des Weiter so verstanden wird und so verstanden werden MUSS, weil es keine andere gibt.

    2.

    Die Begründung dafür:

    >That these policies have not restored ‘organic growth’ must be accepted, along with the need for a painful re-set. The odds of this happening are near-zero, as politicians who cause economic pain lose the support of the populace.“ >

    Diese Begründung trägt nicht.

    Denn so richtig es ist, dass die bisherige Notenbankpolitik und andere Politiken so gut wie kein organisches Wachstum generiert haben, so richtig ist es auch, dass für die Stabilisierung, die sie geleistet haben, auch keines bzw. nur geringes erforderlich war.

    Warum soll für die WEITERE Stabilisierung – eine ANDERE durch Monetäre Staatsfinanzierung oder Helikoptergeld in Form von Bürgergeld oder BGE – ein schmerzhafter REALWIRTSCHAFTLICHER Neustart für organisches Wachstum erforderlich sein?

    Zu sagen:

    >„push extremely distorting policies to new extremes“>

    ist keine Begründung dafür, sondern bezogen auf die Notenbanken lediglich die Möglichkeit bzw. der Versuch, ein anderes Stabilisierungsverfahren in Gang zu bringen, wie festgestellt wird:

    >bto: kommt. Helikopter werden beladen, die Öffentlichkeit darauf bereits eingestimmt (Klimarettung).>

    Damit sind wir an einem entscheidenden Punkt für die Beantwortung der Eingangsfrage:

    In der EU wird mit der Politik der Klimarettung (Energiewende) TATSÄCHLICH ein realwirtschaftlicher Neustart in Gang gebracht.

    Es ist einer der POLITIK, nicht der Notenbanken und nicht einmal einer der EZB, die das Projekt nicht initiiert hat, sondern es „lediglich“ ganz wesentlich finanzieren wird.

    Hier kann sehr wohl zutreffen, was der Autor behauptet, nämlich:

    The odds of this (Klimarettung/Energiewend) happening are near-zero, as politicians who cause economic pain lose the support of the populace.“ >

    In USA unter Trump wird diese Politik NICHT betrieben (vielleicht doch auf den Ebenen weiter unten, was hier aber ausgeblendet werden soll).

    Weil dort kein realwirtschaftlicher Neustart wie in der EU in Gang gesetzt wird, gibt es keinen, der ökonomische Schmerzen verursachen und daher auch keinen, der Politikern die Unterstützung der Öffentlichkeit kosten kann.

    Dass natürlich ein Politiker wie Trump scheitern kann, ist etwas anderes.

    In der Erörterung hier geht es um SYSTEMISCHES Scheitern von Politik und – der Frage im Titel nach – um das Scheitern der Stabilisierungspolitik der Notenbanken.

    Meine Schlussfolgerung aus dem Beitrag und aus meinen Überlegungen:

    Die Notenbanken müssen bei fundamental ANDERER Geldpolitik nicht notwendigerweise bei der Stabilisierung des Systems scheitern.

    Wenn sie scheitern, dann notwendigerweise, wenn die Politik FUNDAMENTAL scheitert – etwa die Energiewende in der EU zu politischen Zuständen der Auflösung führt und dabei die EZB zu einer Institution wird, die keinen Adressaten für ihre Geldpolitik mehr hat, also irrelevant ist.

    Antworten
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    troodon sagte:

    @Hoxworth
    “ Allein schon geringe Zinserhöhungen würden zur Häuselbauer- Katastrophe führen,“
    Das ist, so wie Sie es schreiben dann nicht richtig, wenn sich die neuen Häuslebauer die Zinsen über mindestens 10, besser 15 oder 20 Jahre gesichert haben und eine Tilgung von mindestens 3% machen. Da spielt der Zins kaum/keine Rolle, denn nach 15 Jahren sind dann bereits über 50% vom Kredit getilgt.
    Entscheidend ist für die Häuslebauer nicht der Zins (wenn man vernünftig finanziert hat), sondern das Thema Arbeitslosigkeit/Einkommenseinbußen aufgrund Strukturwandel o.ä. DA ist es dann individuell ganz schnell vorbei mit dem geliebten Eigenheim…

    „bto: Klar ist, dass das nicht ewig weiter gehen wird, weil es nicht weitergehen kann. Aber wann genau der Stecker gezogen wird, weiß auch ich nicht.“
    So sehe ich es auch.Deshalb ist es wichtig sich nicht ausschließlich auf ein kurzfristiges Ende/Krisenausbruch bei den eigenen Planungen/Strategien festzulegen.

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    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ troodon

      >Entscheidend ist für die Häuslebauer nicht der Zins (wenn man vernünftig finanziert hat), sondern das Thema Arbeitslosigkeit/Einkommenseinbußen aufgrund Strukturwandel o.ä. DA ist es dann individuell ganz schnell vorbei mit dem geliebten Eigenheim… >

      Es kann nicht OFT GENUG gesagt und wiederholt werden.

      Ich ergänze das individuelle Schicksal durch das gesellschaftliche:

      Wenn die Bezieher hoher Einkommen, etwa die in der Automobilindustrie, in größerer Zahl arbeitslos werden bzw. nicht mehr derart hohe Einkommen erzielen können, wird auch der Sozialstaat nicht mehr finanzierbar sein.

      Was dann – mit was ist es dann ganz schnell vorbei?

      Das kommt, soweit ich sehe, in der Diskussion um die „Transformationen von gigantischem, historischem Ausmaß“, bei der die gesamte Art des Wirtschaftens und Lebens aufgegeben werden muss, kaum vor.

      Ich habe hier erheblichen Klärungsbedarf und wünsche mir, andere hätten ihn auch.

      Denn betroffen wären wir ALLE.

      Antworten
      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        „Entscheidend ist für die Häuslebauer nicht der Zins (wenn man vernünftig finanziert hat), sondern das Thema Arbeitslosigkeit/Einkommenseinbußen aufgrund Strukturwandel o.ä. DA ist es dann individuell ganz schnell vorbei mit dem geliebten Eigenheim…“

        Nicht vergessen: Wenn die Zinsen steigen, dann sinken die Marktpreise für die gebauten Eigenheime.

        Das ändert erstmal nichts an der Finanzierungssituation, solange die Zinsbindung läuft, aber es führt möglicherweise dazu, dass der Häuslebauer in einer überschuldeten Immobilie mit Restschuld>Marktwert „gefangen“ ist und auch bei Arbeitsplatzverlust nicht mehr einfach so verkaufen und umziehen kann. Und es kann zu großen Problemen bei der Anschlussfinanzierung nach Auslauf der Zinsbindung führen.

  7. Avatar
    Hoxworth sagte:

    Sehr geehrter Dr. Stelter,

    Sie sind auf dem richtigen Pfad! Bitte weiter so mit Ihrem Blog.

    Allerdings kann es frustieren, wenn sich eine Ansicht, die sowohl auf theoretischer Erkenntnis als auch auf gesundem Menschenverstand beruht, (noch) nicht in der Realität bestätigt. Die Macht der Hochfinanz/ Zentralbanken ist groß, und das makroökonomische Verständnis der Bevölkerung gering..

    Es kann hilfreich sein, wenn man einfach nur die persönliche reale Umgebung beobachtet. Wohin auch immer man blickt: Neubau! Häuser, Häuser, Häuser.. und Wohnungen, soviel wie noch nie. Mit soviel Kredit finanziert wie noch nie! Soviele private Hausbauer, durchaus in der Mehrzahl KEINE Spitzenverdiener haben Schulden, wo man nur mit den Ohren schlackert, vor allem auch wenn man die Gewohnheit hat, noch hin- und wieder in Schilling (in Ihrem Fall DM) umzurechnen..

    Das kann nicht gut gehen. Allein schon geringe Zinserhöhungen würden zur Häuselbauer- Katastrophe führen, und dann stürzt alles ab, allem voran die Immobilienpreise.

    Das einzig unterbewertete Asset ist meiner Ansicht nach Gold, weil der Goldpreis manipuliert bzw. gedrückt wird. Es stellt sich auch hier die Frage, wie lange das noch möglich ist.

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