Hurrah – wir machen wieder Schulden

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Schon vor einiger Zeit habe ich darauf hingewiesen, dass alles für ein gutes Jahr 2015 in der Eurozone und vor allem für Deutschland spricht. Vielleicht auch ein gutes 2016. Dahinter liegen fünf Effekte:

  • Nach sieben Jahren Krise gibt es Nachholbedarf in den Krisenländern
  • Die Politik des billigen Geldes führt zu mehr Kreditnachfrage
  • Der schwache Euro befördert den Export
  • Das billige Öl stärkt die Binnennachfrage
  • Es wird weniger gespart: siehe das neue Budget in Italien

Damit haben wir eine – nicht nur von der Politik begrüßte – Pause in der Krise. Kein Ende. Denn man muss schon festhalten, dass wir nichts anderes tun, als eine Krise die durch zu billiges Geld und zu viele Schulden ausgelöst wurde mit noch mehr billigem Geld und noch mehr Schulden zu bekämpfen. Zwar gelingt es von den Gläubigern (also vor allem uns Deutschen) zu den Schuldnern umzuverteilen – siehe Meldung, wonach deutsche Sparer seit 2007 190 Milliarden an Zinseinkommen verloren haben – aber dies genügt nicht. Die Schulden wachsen weiterhin schneller als das Einkommen und müssen damit zwangsläufig die Grundlage für die nächste Krise legen. In den USA wuchs die breite „Geldmenge“ M3 – also letztlich die Kredite – in den letzten 6 Monaten mit annualisierten 8,2 Prozent. Europa holt nun rasch auf:

Schon erwarten einige Beobachter Inflationsraten von 2 Prozent zum Jahresende, sowohl für die USA wie auch für Europa. In den USA wachsen die Schulden wieder schnell – schneller sogar als in den fünf Jahren vor der Lehman-Pleite, ein Zeitraum also, in dem nun wirklich keine Zurückhaltung geübt wurde. Wer in einem solchen Umfeld langlaufende Staatsanleihen mit negativer Verzinsung kauft setzt also darauf, dass dieser Aufschwung sich als Scheinblüte entpuppt und von einer tiefergehenden Rezession abgelöst wird (halte ich für gut denkbar) oder aber vertraut auf den bedingungslosen Käufer, der ihn auf jeden Fall heraushaut. Die EZB steht bereit.

Bleibt das Risiko, dass die Fed tatsächlich die Zinsen erhöht und damit die Schuldenkrise in den Schwellenländern wieder zum entflammen bringt. Diese haben sich ja bekanntlich erheblich in US-Dollar verschuldet.

The Telegraph: Bonds beware as money catches fire in the US and Europe, 15. April 2015

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