„Griechenlandhilfe: Merkels Schneeballsystem“

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Das ist mal ein guter Münchau zum Thema der völlig gescheiterten deutschen Euro-Politik am Beispiel Griechenlands.

  • „Wenn man Schuldenprobleme aufschiebt, muss man laut den internationalen Regeln der Haushaltsführung die Kosten nicht sofort ausweisen. Die Verluste, die in Griechenland entstehen, werden die deutschen Steuerzahler zig Milliarden Euro kosten, aber diese Kosten sind momentan verdeckt.“ – bto: nicht nur dort, sondern in der ganzen Eurozone!
  • „Es gibt mehrere technische Möglichkeiten, eine Schuldenlast zu reduzieren:
    • Sie können den ausstehenden Wert der Schulden reduzieren. Das nennt man im Fachjargon einen Haircut. Genau das hat Merkel ausgeschlossen, weil ein Haircut die Kosten ihrer Politik transparent machen würde. – bto: So wächst der Schaden aber massiv, wie vielfach erläutert.
    • Eine andere Möglichkeit ist die Reduktion der Zinsen und das Verlängern der Laufzeiten. Man könnte die Laufzeiten theoretisch von 30 auf 50 oder gar 100 Jahre erhöhen. Man könnte auch die Gnadenfrist verlängern, bis zu der Griechenland die Kredite nicht bedienen muss. Von den zwei bisherigen Großkrediten muss Griechenland für den zweiten, größeren, erst 2023 mit der Rückzahlung beginnen. Warum also nicht 2073? Oder 3023?“ – bto: Ich persönlich finde 2500 zum 500. Geburtstag des Euro ein gutes und glaubwürdiges Datum.
  • „Die Politik des Ewigen Aufschubs gleicht einem Schneeballsystem. Solange es funktioniert, rechnet man sich reich. Ein Schneeballsystem ist aber am Ende immer ruinös. bto: weshalb ich wiederum nicht verstehe, dass Münchau immer einer Fortsetzung des Euro das Wort redet. Dieser ist nämlich ein noch größeres Schneeballsystem!
  • „Ohne eine Föderation ist die Währungsunion politisch genauso stabil, wie es Deutschland ohne eine Bundesebene wäre. Irgendwann kommt der Punkt, wo einer der Reichen rauswill, weil ihm das alles zu teuer ist. Oder einer der Armen, weil er dann abwerten kann. Ohne ein föderales Transfersystem ist der Zerfall der Eurozone nur eine Frage der Zeit.“ – bto: Genau das meinte ich mit dem Kommentar zuvor. Statt zu hoffen, sollten wir realistische Politik betreiben!

SPIEGEL ONLINE: „Griechenlandhilfe: Merkels Schneeballsystem“, 17. August 2015

3 Kommentare
  1. OK says:

    Harter Tobak zum Frühstück (ja, ich hätte es auch gestern lesen können)…im Spiegel wird ganz locker eine dauerhafte Transferunion gefordert? Vielleicht habe ich das auch übersehen, aber mir war bisher nicht so, als würde man das in den deutschen Medien so rundheraus eingestehen. Dann brauchen wir ja nur noch eine Kündigung des Maastricht-Vertrages (bzw. wesentlicher Teile des Stabilitäts- und Wachstumspakts, wird ja ohnehin ständig verletzt), stattdessen einen EU-„Solidarpakt“ und eine verfassungsähnliche Forderung „gleichwertiger Lebensverhältnisse“ und los geht’s! Anforderung von Finanzmitteln bitte in Tranchen von mind. 1 Mrd. EUR an die EZB.

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  2. Karl F. says:

    Es läuft bei allen Beiträgen von Herrn Münchau darauf hinaus, dass er das „Schneeballsystem“ Euro unter allen Umständen weiterlaufen lassen will. Hier muss man nach den erkenntnisleitenden Interessen dieses Herrn fragen: Kann es sein, dass hier eine gewisse Nähe zum Bankenplatz London eine Rolle spielt?

    Herr Münchau will ein „föderales Transfersystem“ in der Eurozone, auf Bundesebene in Deutschland nennt sich das Länderfinanzausgleich. Er stellt zu keinem Zeitpunkt die Frage, ob eine weitere Integration der Eurozone zu einer Fiskal-, Sozial- und Schuldenunion von den beteiligten Nationen überhaupt gewünscht wird (neuere Umfragen belegen eher das Gegenteil). Demokratie ist offensichtlich nicht mehr so wichtig. Aber auch die organisatorischen Probleme dieses möglichen Bundesstaats „Eurozone“ innerhalb der EU, im Grunde braucht man dann ein eigenes Zonen-Parlament, sieht er natürlich nicht. Hauptsache der Rubel rollt.

    Münchaus Artikel im Spiegel gibt m. E. die Meinung der globalen Finanzindustrie wider, aber ob man ihn wirklich als gut bezeichnen kann, ist für mich doch fraglich.

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