Gefährlicher Optimismus an den Märkten

Die FINANZ und WIRTSCHAFT fasst es erneut zusammen: Der beste Teil des Aufschwungs an den Märkten liegt hinter uns. Die Erwartungen sind so hoch, dass es wahrscheinlicher ist, dass es bergab geht und nicht weiter bergan. Die Kernaussagen:

  • „Dass die laufende Hausse gegenüber früheren Bullenmärkten korrekturanfälliger erscheint, deutet eine Grafik von Société Générale  an: Während die Gewinne seit 2011 nur knapp um die Hälfte expandierten, haben sich zur selben Zeit die Kurse mehr als verdoppelt.“  bto: Das hatte ich schon früher hier, es ist aber eine gute Erinnerung.

Quelle: FuW

  • „Wie berechtigt sind die Gewinnerwartungen, auf denen die stattlichen Bewertungen basieren? Einen ersten kritischen Anhaltspunkt liefert eine Studie von Société Générale, die das tatsächlich realisierte Gewinnwachstum der letzten drei Jahre dem durch die Analystengilde prognostizierten Wachstum der nächsten drei Jahre gegenüberstellt. Mit Ausnahme von Italien und Deutschland notieren die Erwartungen in allen Märkten massiv höher.“  bto: Auch das ist bekannt, die Analysten wollen ja auch vor allem verkaufen.

Quelle: FuW

  • „Allen voran nimmt die positive Wirkung der monetären Lockerung und der ultraniedrigen Zinsen über die kommenden Quartale ab. Kletternde Zinsen werden sich verstärkt auf der Kostenseite niederschlagen – haben doch viele Unternehmen das Umfeld genutzt, ihre Bilanzen mit billigem Fremdkapital aufzupumpen.“  bto: was ich immer wieder erläutert habe. Wir haben es mit dem doppelten Leverage zu tun. Auf Unternehmens- und auf Investorenebene.
  • „Gleichzeitig warnen die Analysten von BCA Research, sich weiterhin auf den «Fed Put» zu verlassen. Angesichts steigender Inflation könne nicht mehr darauf gebaut werden, dass die US-Notenbank beim ersten Anzeichen einer Konjunkturverlangsamung oder schwächelnder Märkte die Zinsschraube wieder lockert. Die Margen sind ebenfalls ein Risikoherd: (…) haben sich in den jüngsten US-Quartalsberichten Indizien gehäuft, wonach steigende Löhne und höhere Rohstoffnotierungen die Profitabilität unter Druck bringen dürften. Divergierende Signale kommen letztlich auch aus der Weltwirtschaft.“  bto: Das sind alles Faktoren, die die Basis für die noch bestehende Euphorie schnell beseitigen dürften.
  • „Doch mit welchen Folgen ist zu rechnen, sollten die optimistischen Erwartungen tatsächlich verfehlt werden? Die Analysten von Société Générale haben zwei Möglichkeiten durchgespielt: Im ersten Szenario wird angenommen, dass das Gewinnwachstum ab 2020 stagniert. Im zweiten Szenario setzt der Stillstand bereits 2019 ein. Andere Parameter wie die Aktienrisikoprämie – also die von Investoren geforderte Überrendite zu risikolosen Anlagen – bleiben dabei unverändert.“ bto: Das Ergebnis ist eigentlich noch harmlos! Die USA und Kanada mit einem Minus von über 17 Prozent am verwundbarsten. Das ist eigentlich wenig. 

Quelle: FuW

 bto: Damit ist die Nachricht die bekannte. Es muss nicht crashen, aber es ist auch nicht mehr mit so guten Renditen zu rechnen.

fuw.ch: „Gefährlicher Optimismus“, 9. Mai 2018

11 Kommentare
  1. troodon sagte:

    Betrachtet man das PE 10 ohne die USA KANN man bewertungsmäßig auch zu anderen Urteilen (KEINE Überbewertung) kommen
    https://www.topdowncharts.com/single-post/2018/05/16/Global-Equity-Valuations-Big-changes-but-some-things-stay-the-same
    Betrachtet man den DAX darf man sich die Frage stellen, ob ein KGV auf Basis der bereits erzielten Unternehmensgewinne von 2017 von etwas unter 15 (Aktienrendite somit rd 6,75%) im Vergleich zu den Renditen von Bundesanleihen, selbst FALLS diese auf 3% steigen würden, zu teuer wäre.
    Bei weiterhin vernünftig laufender Konjunktur wäre für das Jahr 2019 ein DAX EPS von 1000 erreichbar.
    Alles nur als Hinweis darauf zu verstehen, sich nicht nur auf die (selbstverständlich möglichen) negativen Szenarien zu versteifen…
    Das Fazit von Hr. Stelter teile ich selbstverständlich .
    „Damit ist die Nachricht die bekannte. Es muss nicht crashen, aber es ist auch nicht mehr mit so guten Renditen zu rechnen.“
    Und zu guter letzt wieder einmal: fundamentale Bewertungsaspekte sind m.E. nicht zum Markttiming zu gebrauchen

    Antworten
    • Jaques sagte:

      Wenn der amerikanische Aktienmarkt aber nicht mehr läuft, dann wird der DAX sich nicht besser entwickeln. Das ist das eigentliche Problem.
      Der Dax orientiert sich doch so gut wie immer an den USA, kurzfristig kann er mal aus der Korrelation ausbrechen, aber selbst das ist sehr selten.
      Wenn es wirklich einen Bärenmarkt in den USA gibt, dann gibts auch hier nichts zu holen.

      Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ troodon

      >…fundamentale Bewertungsaspekte sind m.E. nicht zum Markttiming zu gebrauchen>

      Sehe ich genauso.

      Dennoch auf die fundamentalen Bewertungsaspekte achten, auch wenn sie nichts über das Wann aussagen.

      Sie sind ein Indikator für das Ob.

      Hier der Aspekt, den auch andere für einen sehr zu beachtenden halten:

      https://www.iif.com/publication/global-debt-monitor/global-debt-monitor-april-2018

      Bei US $ 237 Billionen Gesamtschulden (Staaten, Haushalte, Unternehmen inkl. Finanzwirtschaft) ist die Gesamtverschuldung mehr als dreimal so hoch wie die globale Wirtschaftsleistung.

      Der US $ verteuert sich weiter.

      Und die 10jährigen US-Bonds haben gestern ganz locker die 3%-Marke übersprungen.

      Der fundamentale Mega-Mix weist aus, wohin die Reise geht.

      Wir wissen nur nicht, wann wir an der „Endstation Sehnsucht“ ankommen.

      Antworten
      • troodon sagte:

        @ D.T.
        Gefährlich ist der fundamentale Mix allemal. Aber deshalb müssen die Aktienbörsen eben noch nicht fallen.Und da der überwiegende Tenor hier im Blog eher negativ gestimmt ist, erlaube ich mir bzgl. der Börsenentwicklung ab und zu auf mögliche Gegenargumente hinzuweisen, die durchaus zeigen, dass die Aktienmärkte nicht generell überteuert sind. Und eine generelle Euphorie an den Aktienbörsen vermag ich aktuell nicht zu erkennen. Das mag aber daran liegen, dass ich hier im Blog so viele negative Einschätzungen + Risikohinweise zur Börsenentwicklung lese ;)

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Ist verständlich und nachvollziehbar.

        Ich selbst habe die Notenbanken unterschätzt und hätte vor Jahren nicht an den langen Aufschwung der Aktienbörsen geglaubt.

        Das ist wohl zu entschuldigen, weil es eine derartige Geldpolitik der Notenbanken auch noch nie gegeben hat, QE vor allem …

        Ich habe auch meine Einschätzung der Geldpolitik der Notenbanken geändert.

        Heute sehe ich sie differenzierter.

        Aber desto klarer treten jetzt auch die Risiken und Nebenwirkungen in den Vordergrund.

  2. RW sagte:

    Ich gehe davon aus, dass es zu einem Salamicrash über längere Zeit kommen wird, der vor allem Firmen treffen wird, die die Alte Welt, wie sie die Babyboomer aufgebaut haben, repräsentieren. Dazu zählt auch eine Firma wie Amazon mit ihrem Versandhandelsegment. Unternehmen, die zukunftsfähige Entwicklungen haben oder demographisch bedingte Kosten senken können, werden boomen. Die alte Welt, so wie wir sie kennen, hat ausgedient.

    Antworten
  3. Leser sagte:

    Hier der Link zu einem sehr interessanten Artikel in der New York Times:

    „The Entire Economy Is MoviePass Now. Enjoy It While You Can.“
    https://www.nytimes.com/2018/05/16/technology/moviepass-economy-startups.html

    „I’ve got a great idea for a start-up. Want to hear the pitch?
    It’s called the 75 Cent Dollar Store. We’re going to sell dollar bills for 75 cents — no service charges, no hidden fees, just crisp $1 bills for the price of three quarters. It’ll be huge.“

    Antworten

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.