Gedanken zu den Aktienmärkten

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Eine turbulente Woche nähert sich dem Ende. Zeit, sich Gedanken zu machen über die weitere Entwicklung an den Märkten. Zeit auch, um zu lesen. Seit dem Start dieser kleinen Webseite habe ich immerhin 117 Beiträge verfasst, die sich mit der Bewertung von Aktien und den Kapitalmärkten befasst haben. Dabei ist mein Standpunkt sehr einfach: Die Realwirtschaft kommt nicht mehr richtig auf die Beine wegen hoher Schulden, überbordender Regulierung, verfehlter Wirtschaftspolitik, einer massiven Fehlleitung von Kapital und einer schlechten demografischen Entwicklung. Die westliche Welt ist bei nüchterner Betrachtung pleite. Wer es noch einmal lesen möchte, hier die Beschreibung der Lage in Europa, verbunden mit dem wiederholten Ruf nach mehr EZB-Aktivität:

The Telegraph:World braces as deflation tremors hit Eurozone bond markets, 16. Oktober 2014

Sehr schön nochmals die Erklärung der Wechselwirkung von hohen Schulden und geringem Wachstum. Richard Koo, der in dem Beitrag zitiert wird, hat mit seiner Analyse natürlich recht. Doch auch er glaubt noch, man hätte Japan verhindern können bzw. es in Europa besser machen. Ich denke das nicht. Politik und Notenbanken versuchen die Wahrheit zu verstecken, indem immer mehr Schulden gemacht werden und Geld immer billiger wird. So versucht man – bisher erfolgreich – den Schuldenturm vor dem Einsturz zu bewahren. Abfallprodukt: eine Party an den Finanzmärkten, weil das viele Geld eher in Spekulation als in echte Investitionen fliegt. Im Unterschied zur Analyse dieser Fakten ist das Timing an den Kapitalmärkten richtig schwierig. Und ich habe mit meiner Prognose eines Tops vor ein paar Wochen sicherlich auch Glück gehabt. Märkte können bekanntlich länger irrational sein, als man Geld hat, sie zu shorten. Ich erinnere mich noch gut an meine Warnungen vor einer Blase ab dem Jahr 1997. Müde haben meine damaligen Kollegen mich belächelt. Auch noch im Herbst 2000, als in der WirtschaftsWoche eine Titelgeschichte mit meinen Analysen erschien. („Die 100 erfolgreichsten Aktien – was sind sie wirklich wert?“) Darin zeigte ich die gigantische Überbewertung und verteidigte die Analysen in einem Streitgespräch mit dem damaligen und zwischenzeitlich leider verstorbenen Chefvolkswirt der Deutschen Bank, Professor Norbert Walter. Mein damaliger Chef hielt derartige Aussagen für verfehlt.

Nun stehen wir an einem ähnlichen Punkt: Außer der Politik des lockeren Geldes gibt es kein vernünftiges Argument, Aktien zu diesen Bewertungen und Anleihen zu diesen geringen Zinsen zu kaufen. Doch nur auf die Notenbanken zu setzen, ist keine Strategie. Grund genug, einen Schritt zurückzutreten und über Geld nachzudenken. Ein kluger Mann hat mal gesagt, es bringt mehr, eine Stunde über Geld nachzudenken, als einen Monat dafür zu arbeiten. Hier eine kleine Auswahl des „Best-of“ von bto:

Wohin mit dem Geld?

When Bad News becomes Bad News

Clear and present Danger

BIS sounds Alarm Alert on Pervasive Complacency Masking Systemic Shocks

Der US-Aktienmarkt ist überbewertet – und nicht nur der

Spectre of 1929 crash looms over FTSE 100 as traders take on record debts

Marc Faber: Expect A Deflationary Bust In Asset Markets

Where are the bargains among expensive equities?

2014 outlook: Market melt-up

Ich denke, wir werden in den kommenden Wochen auf jeden Fall eine Erholung bekommen. Die Markttechnik spricht dafür und die Politik/Notenbanken werden wieder etwas tun. Natürlich nicht die Probleme lösen, aber Geld versprechen. Und das kann dann ein paar weitere Monate kaufen.

1 Antwort
  1. Uwe Isack says:

    Die von den Zentralbanken bereitgestellte „Überflußliquidität“ wird trotz gegebener, politischer Versprechen, die Banken an die Kandare zu nehmen, nichtmal eine alte BUSt. hat man realisiern können, weiter zum Zocken genutzt. Diesmal verführte die von Ihnen erwartete, positive Äußerung und deren unverbindliche Bestätigung zweier Fedmitglieder, die Nostrozocker (Banken) zu sofortigen Käufen.
    Nun, wie sieht die Situation für den Normalinvestor am Samstagabend aus?
    ….Kein Grund, sich abzusichern: Die hohe Volatilität hat die Optionsprämien explodieren lassen. Schaun´ mer mal, was am Montag passiert: Nix, ganz sicher!
    Aber, aber: Die Erwartung der Bankzocker, beim DAX die 8850 zu sehen, hat sich erfüllt. Und jetzt, lieber Herr Stelter, wir weiter nach deren Regeln gespielt.
    Die von Ihnen erwartete Erholung wurde schneller abgearbeitet, als Normalo denken kann…. bis dann QEunendlich, tröpfchenweise, man hat den Blick auf das in Japan mittlerweile verlorene VERTRAUEN, verkündet wird.

    Sie sprachen das Vertrauen als Anker in der Geldpolitik an. Nun sehen Sie, wie es von vielen Seiten erodiert. Nicht nur das rechtsstaatliche Vertrauen ist erschüttert.

    Antworten

Dein Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Schreiben Sie etwas dazu!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.