FINANCIAL TIMES: US-Rezession wahr­scheinlich

Martin Wolf von der FINANACIAL TIMES (FT) gibt sich keinen Illusionen hin. So oder so bekommen wir eine Rezession in den USA. Dies vermutlich wegen der unausweichlichen Politik der Fed. Nun mag man denken, dass das für uns egal ist. Nein, das ist es nicht. Es wird globale Auswirkungen haben, vor allem auch auf das fragile Stagflationsgebäude Eurozone:

  • „Powell argued optimistically that ‘we have a good chance to have a soft or softish landing. By this he meant that demand would be brought closer to supply, which could in turn ‘get wages down, and get inflation down without having to slow the economy and have a recession and have unemployment rise materially’. He also argued that ‘the economy is strong, and is well positioned to handle tighter monetary policy . . . but I’ll say I do expect that this will be very challenging’.“ – bto: Das ist doch super, die Fed bekommt das schon hin. Nun darf man natürlich nicht vergessen, dass das in solchen offiziellen Statements immer wichtig ist. Ich meine, sie können ja nicht sagen, „wir können es nicht“, denn dann können sie es definitiv nicht mehr.
  • Is it even possible to lower inflation to target just by trimming overheating of the labour market? Some suggest it might be. Alan Blinder of Princeton University and former Fed vice-chair has recently noted that on at least seven of the last 11 occasions, Fed tightening did lead to ‘pretty soft’ landings. The difficulty with these comparisons is that inflation is now at its highest level for 40 years.“ – bto: und dies nach 40 Jahren übermäßig lockerer Geldpolitik.
  • If one believes this will just fade away after a modest tightening, one must still think inflation is mostly ‘transitory’. That is highly optimistic. Crucially, the US has enjoyed an exceptionally vigorous recovery. Output growth last year was far stronger than in other leading high-income countries. The recovery of the labour market has been robust, with high vacancy and quit rates and a swift return to low unemployment. Only employment ratios remain a little below previous peaks. Moreover, wage growth has also been strong (…).“ – bto: Jetzt werden Kritiker anmerken, dass das für die USA gilt und in der Eurozone anders ist. Ja, das stimmt. Andererseits ist die EZB im Unterschied zur Fed nie aus der Politik des billigen Geldes ausgestiegen UND kann aufgrund vielfältiger Faktoren nicht wie die Fed straffen.
  • The difficulty is that, contrary to Powell’s protestations, inflation does not usually just fade away in such a strong economy. (…) If Powell is to prove correct, supply constraints must at least get no worse, while companies and workers adversely affected by them must take the reduced profits and real incomes on the chin. Yet why should they do so?“ – bto: Und bei uns fordern Giganten wie Marcel Fratzscher ausdrücklich, dass die Löhne jetzt erst recht deutlich steigen müssen, um die „Nachfrage zu stabilisieren“. Tja. Nicht nur in der IT ist der Rückstand der deutschen Wirtschaft offensichtlich
  • This view that a significant recession will not be needed to curb inflation is optimistic. But this is not the only form of optimism on display today. The other is the belief that such a recession can be avoided. The difficulty here is that fine-tuning a slowdown will be even harder than it normally is. One uncertainty is that reduced real incomes from high inflation are likely to curb demand, but how far they will do so depends on how willingly consumers spend savings built up during the Covid-induced recession.“ – bto: Der Zinsanstieg wirkt aber auch anders als früher wegen der höheren Verschuldung und Vermögenspreise.
  • Aber das sieht Martin Wolf von der FT auch: “Another and probably more important uncertainty is over how tighter monetary policy affects financial conditions in the US and abroad. One must not forget that there are exceptionally high levels of dollar-denominated debt across the world. Moreover, asset prices have also reached extreme levels: US house prices (measured on the S&P/Case-Shiller National Home Price Index, deflated by the consumer price index) in February 2022 were 15 per cent higher than before the financial crisis; and the cyclically-adjusted price/earnings ratio on stocks was higher than in any period since 1881, except for the late 1990s and early 2000. Collapses in asset prices in response to monetary tightening would turbocharge Fed policy, but unpredictably.“ – bto: weil niemand weiß, wie sensitiv das hochgeleveragte System mittlerweile ist.
  • It is, alas, quite likely that a recession will now be needed to keep inflationary expectations under control. Moreover, even if it turns out to be unnecessary, because inflation just fades away, a recession may still occur, simply because even a modestly tighter policy wreaks havoc in today’s fragile asset markets. But the Fed has to sustain its battered credibility on inflation. That is the heart of the central bank’s mandate. It must screw up its courage and do what it takes.“ – bto: “A call for recession” – wer hätte das erwartet?

ft.com (Anmeldung erforderlich): „A soft landing in the US is possible but unlikely“, 10. Mai 2022

Kommentare (17) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Manfred
    Manfred sagte:

    “bto: Und bei uns fordern Giganten wie Marcel Fratzscher ausdrücklich, dass die Löhne jetzt erst recht deutlich steigen müssen, um die „Nachfrage zu stabilisieren“. Tja. Nicht nur in der IT ist der Rückstand der deutschen Wirtschaft offensichtlich”

    Kann mir (absoluter Laie) bitte mal jmd. in einfachen Worten erklären warum es nicht gut wäre die Löhne an die gestiegenen Preise anzupassen?

    Wäre es nicht gut, wenn die EZB den Leitzins erhöht um der Inflation entgegen zu wirken und gleichzeitig die Löhne erhöhrt werden, sodass wir uns weiterhin Produkte kaufen können und die Verkäufer dieser Produkte Umsatz machen und ihre Kredite abbezahlen können usw.?

    Antworten
  2. Bauer
    Bauer sagte:

    >> ft.com „A soft landing in the US is possible but unlikely“

    Warum schreibt die FT nicht, was dann wahrscheinlich ist? Das wäre doch vielfach interessanter!

    Mir tun die Wirtschaftskommentatoren schon längst herzlich leid. Jeden Tag einen leeren Papierbogen oder blog vor der Nase und den Zwang, ihn zu füllen. Da wird dann alles nur mögliche im Mund hin- und hergeschoben wie eine heisse Kartoffel. Ist es aber schon längst nicht mehr, also wird wiedergekäut.

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  3. Nordlicht
    Nordlicht sagte:

    Als Nicht-Ökonom kann ich sehr gut verstehen, dass die Gewerkschaften deutliche Lohnerhöhungen fordern. Nicht nur die aktuellen Preissteigerungen rechtfertigen das, sondern die Schieflage der Vermögens- und Einkommensverteilung der letzten zwei Jahrzehnte. Ein SPD-Kanzler kann nicht noch mehr Entsagung fordern.

    “Having said this …” befürchte ich als Ruheständler, der Einiges in Aktien angelegt hat, die Gefahr einer Spirale und eines brutalen Absturzes. Hätte ich Ende 2021, ndachem der Corona–Absturz von 4/2020 wieder weggebügelt war, verkaufen und Bargeld halten sollen?

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    • markus
      markus sagte:

      @Nordlicht:

      Insbesondere in Deutschland gibt es viele frische oder bald Ruheständler, die meinen, die nachfolgende Generation wird das schon wuppen und den anspruchsvollen Rentnern und Pensionären, die satte Bezüge erwarten, einen schönen Lebensabend bescheren. Dass die nächste Generation nahe am Burnout ist mit schlechter Infrastruktur und selber weniger Geld zum wirtschaften und obendrein mit der Hypothek einer Rentnerwählerschaft, die Politik gegen Zukunftsinteressen macht, ist ihnen nicht klar.

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  4. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    „So oder so bekommen wir eine Rezession in den USA. Dies vermutlich wegen der unausweichlichen Politik der Fed.“

    Die Ursache von heute für das Wissen von morgen:

    Das ist ziemlich vorlaut.

    Folgende Feststellung ist jedenfalls einzubeziehen in die Urteilsfindung:

    „Alan Blinder of Princeton University and former Fed vice-chair has recently noted that on at least seven of the last 11 occasions, Fed tightening did lead to ‘pretty soft’ landings.”

    Aber natürlich:

    DIESES Mal ist es anders – selbstverständlich, weil es ist IMMER anders ist, u. a.:

    “The difficulty with these comparisons is that inflation is now at its highest level for 40 years”

    Daher:

    “If Powell is to prove correct, supply constraints must at least get no worse, while companies and workers adversely affected by them must take the reduced profits and real incomes on the chin.”

    Was das Angebot an Gütern und Dienstleistungen betrifft, sehe ich das auch so.

    Es wird sich normalisieren, fraglich ist nur, wie schnell und in welchem Ausmaß.

    >“Another and probably more important uncertainty is over how tighter monetary policy affects financial conditions in the US and abroad.>

    DIESE Ungewissheit ist nicht wegzudiskutieren.

    “Moreover, even if it turns out to be unnecessary, because inflation just fades away, a recession may still occur, simply because even a modestly tighter policy wreaks havoc in today’s fragile asset markets. But the Fed has to sustain its battered credibility on inflation.”

    Auch das ist ein Risiko.

    Wenn die Notenbanken etwas falsch gemacht haben in der Vergangenheit, dann war es, ihre GLAUBWÜRDIGKEIT beschädigt zu haben.

    Sie wieder einigermaßen herzustellen, kann teuer werden.

    Andere Faktoren werden nicht erwähnt, spielen jedoch auch eine Rolle, dieser vor allen anderen:

    Die Fiskalpolitik.

    Sie könnte durch Transfers, i.e. „Entlastungspakete“ den inflationsbedingt realen Kaufkraftverlusten dosiert ENTGEGENWIRKEN.

    Wie es geht, weiß man seit der Pandemie, seit Trump und Biden, in Deutschland haben es Scholz und Altmaier demonstriert und jetzt ist es Lindner, der nachlegt – das ist längst nicht mehr eine Frage des Parteibuchs.

    Fazit:

    Ja, das Risiko einer Rezession ist groß.

    Wenn uns (Deutschland) das Gas im Herbst ausgeht, dann gibt es definitiv eine in Europa mit Schockwellen, die sich auch anderswo wirken würden.

    Zu dieser Einsicht gehört auch:

    Weder eine Notenbank, noch irgendeine westliche Regierung hat es in der Hand, ob uns das Gas ausgeht oder nicht.

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    • jobi
      jobi sagte:

      @Herr Tischer

      “Die Fiskalpolitik.”

      Expansive Fiskalpolitik kann wohl dabei helfen, lockdown bedingte Einkommensausfälle zu überbrücken. Als Mittel zur Inflationsbekämpfung wäre es allerdings so ziemlich das dümmste, was man machen könnte.

      Dabei fällt mir ein: Was empfehlen eigentlich die MMT-Jünger in so einer Situation ? Wenn ich mich richtig erinnere, waren das Steuererhöhungen.

      Aber alles Unsinn, denn monetäre Ursachen für den Preisanstieg können ja mit Sicherheit ausgeschlossen werden :-):-)

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      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ jobi

        >Als Mittel zur Inflationsbekämpfung wäre es allerdings so ziemlich das dümmste, was man machen könnte.>

        Stimmt schon, aber es geht darum, dass es auch Faktoren jenseits der Geldpolitik gibt, die eine sanfte Landung unterstützen könnten.

        Es kommt m. A. n. vor allem auf die Reaktion der Menschen (Preis-/Lohn-/Preisspirale?) UND die Angebotsseite an. Wenn erstere nicht anspringt und letztere sich normalisierte, könnte möglicherweise mit DOSIERTER Fiskalpolitik eine „harte Rezession“ vermieden werden.

        Die MMT-Jünger:

        Richtig, sie würden bei Inflation Steuererhöhungen empfehlen und damit eine Rezession mit Nachfrageausfall WOLLEN

        Das ist deren THEORIE.

        Praktiker unter ihnen würden voll auf Staatsverschuldung und Transfers setzten.

        Denn das ist UNBEGRENZT möglich – bis zur Vernichtung der Währung.

        Kann man machen, denn der Weg bis dahin wird weit sein, wenn bei ALLEN bedeutenden Währungen genauso gehandelt würde.

    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      “Sie könnte durch Transfers, i.e. „Entlastungspakete“ den inflationsbedingt realen Kaufkraftverlusten dosiert ENTGEGENWIRKEN. Wie es geht, weiß man seit der Pandemie, seit Trump und Biden”

      Ein genialer Plan: Noch mehr Geld drucken und unters Volk bringen um “inflationsbedingt reale Kaufkraftverluste” zu kompensieren.

      Was könnte dabei wohl schiefgehen? ;)

      Antworten
      • Susanne Finke-Röpke
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Richard Ott: Nichts, denn alle werden Millionäre und das wollten wir doch schon immer…

  5. Wilfried Goss
    Wilfried Goss sagte:

    Die Sollbruchstelle ist der Immobilien Markt. Wenn die Raten bei den Immobilienfirmen und Banken ausbleiben, wird die FED bald wieder in der Situation sein, die Immokredite in Warp-Geschwindigkeit aufkaufen zu müssen.

    Antworten
    • @foxxly
      @foxxly sagte:

      @ wilfried goss
      …. und die kleinen/privaten bezahlen schön weiter, oder müssen verkaufen/verschenken ihr häusle.

      so geht auch umverteilung von unten nach oben! beabsichtigt!

      Antworten
      • Wilfried Goss
        Wilfried Goss sagte:

        @foxxly
        Grundsätzlich sehe ich schon, dass jeder für seine Verpflichtungen verantwortlich ist, aber was ich vor allem sagen will ist, dass die odds gegen die FED stehen.

        Betroffen sind von einer Rezession ja nicht nur die “kleinen/privaten”, sondern von fanny mae bis zu evergrande (=immer großartig) auch die Großen, die bei Nichteingreifen der Notenbanken abgewickelt werden.

    • Susanne Finke-Röpke
      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @Herrn Wilfried Goss: Mit dem Aufkaufen von Immobilienkrediten haben wir ja zum Glück inzwischen Erfahrung…

      Antworten
      • Wilfried Goss
        Wilfried Goss sagte:

        @Susanne Finke-Röpke
        Die FED wird nicht eingreifen, hat sie versprochen – ganz sicher.
        Auch mit der Glaubwürdigkeit der FED gibt es Erfahrungen.

    • Ofelas Andre
      Ofelas Andre sagte:

      das wird Blackrock und das ist auch gewollt, über die Immobilien und Lebensmittel sind alle zu kontrollieren

      Antworten
  6. @foxxly
    @foxxly sagte:

    die arbeitnehmer im abschwung der wirtschaft, immer mehr zu belasten und die ganze zeche bezahlen zu lassen, hat katastrophale auswirkungen auf en absatz der produzenten.

    diesmal können die produzenten mit exporten das innländische defizit nicht mehr kompensieren, weil der export seine grenzen überschritten/überzogen hat und deutlich spürbar und nachhaltig zurück geht.

    die effektivste abhilfe aus diesen dilemma wäre, wenn die notenbank den konsumenten geld, kredit- u. lastenfrei auszahlen würde.

    dann haben alle was davon!

    Antworten
    • markus
      markus sagte:

      @foxxly:
      Das sehe ich genauso. Andererseits haben wir dann das bedingungslose Grundeinkommen. Das leider nicht so bedingungslos sein wird. Stichwort: social credit. Und langfristig wird vermutlich die Motivation zum Arbeiten leiden, wenn uns nix Besseres einfällt.

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