Europe: Deflation decoded

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Ein Blick auf das Thema Deflation in der FT. Darin wird zu Recht unterschieden zwischen einer deflationären Falle, wie sie für Japan vermutet wird und einer positiven Deflation, wie sie normale Folge von Produktivitätsverbesserungen ist. Für die Weltwirtschaft vermutet die FT eine positive Deflation, diesmal vor allem Dank der deutlich fallenden Ölpreise. Eine Konsumzurückhaltung in Erwartung fallender Preise sehen die Experten jedenfalls nicht. Lediglich für die Krisenländer Europas gibt es demnach eine höhere Gefahr, die angesichts der Erwartung stabiler Preise in Umfragen ebenfalls nicht akut erscheint. (bto: dies sehe ich genauso, weshalb also QE in Europa?).

Dann stellt die FT die entscheidende Frage: wie wirkt Deflation denn auf die verschiedenen Akteure der Wirtschaft?

  • Konsumenten: kurz- und mittelfristig profitieren Konsumenten von tieferen Preisen. Sie haben mehr Geld zur Verfügung für Schuldendienst und Konsum. Dies wirkt zugleich belebend für die Konjunktur. Hält die Deflation längere Zeit an, besteht das Risiko, dass die Konsumenten sich mit Käufen zurückhalten und auf billigere Preise warten. Schwerer wirkt, dass die Unternehmen unter größeren Kostensenkungsdruck kommen und Arbeitsplätze abbauen. Lohnsteigerungen sind nicht mehr nötig und durchsetzbar, was wiederum die Deflation begünstigt.
  • Unternehmen: wie immer gibt es Gewinner und Verlierer. Dies hängt davon ab, ob die Preise für Vorleistungen mehr oder weniger stark fallen im Vergleich zu den Preisen der Endprodukte. Je solider das Unternehmen finanziert ist und je stabiler die Cash Flows, desto widerstandsfähiger sind die einzelnen Unternehmen. (bto: übrigens habe ich mit damaligen Kollegen schon vor einigen Jahren den umgekehrten Fall deutlicher Inflation in der Wirkung auf Unternehmen untersucht. Viele Manager unterliegen dem Irrglauben, dass Inflation kein Problem sei. Dem ist aber nicht so. Hohe Inflation stellt ein erhebliches Problem dar: Why Companies should prepare for Inflation). In Reaktion auf nachhaltige Deflation entlassen Unternehmen Mitarbeiter, senken die Löhne und investieren weniger. Sie verstärken also die deflationären Tendenzen.
  • Finanzmärkte: Anleihen gewinnen an Attraktivität (bto: ich würde ergänzen, dass dies nur für Anleihen sehr solider Schuldner gilt. Überall sonst steigt die Ausfallwahrscheinlichkeit), Rohstoffe sinken im Preis, Aktien fallen, weil die Ertragskraft der Unternehmen sinkt. Lediglich Aktien, die Anleihencharakter haben (stabile Erträge und Dividenden, geringe Verschuldung) dürften profitieren. Unternehmen werden also vor allem auf den Cash-Flow achten. Weiteres, sehr attraktives Investment: Cash. Weitgehend risikofreie reale Rendite. (Deshalb auch die Diskussion zum Bargeldverbot).
  • Zentralbanken: problematisch wäre es, wenn sich die Erwartung fallender Preise verfestigt, denn diese wäre wie das Beispiel Japans zeigt, schwer zu durchbrechen (bto: ich denke, dies stimmt nicht. Die Probleme Japans sind auch eine Folge der Überalterung der Gesellschaft. Hier vertritt die FT die Mainstream-Auffassung, wonach Japan die Folge eines Politikversagens ist. Ich denke das nicht). Dehalb müssen die Zentralbanken mit allen Mitteln die Realzinsen in den negativen Bereich bringen. Mit Negativzinsen und Quantitative Easing.

FT (Anmeldung erforderlich): Europe: Deflation decoded, 9. Januar 2015

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