Die Politiker sind nicht alleine in ihrer Hybris

Dass unsere Politiker vor Selbstillusionierung und -überschätzung bezüglich der vermeintlichen Stärke der deutschen Wirtschaft die erheblichen Risiken für unseren Wohlstand nicht sehen wollen, mag noch verständlich sein. Doch weniger verständlich ist, wenn sich Vertreter der Wirtschaft genauso äußern. Ich denke hier beispielsweise an Anton Börner vom BGA. Dabei will ich bewusst die britische Reaktion auf sein Interview in DIE WELT als Basis nehmen. Ich bin da klar auf der britischen Seite und fürchte, dass die EU und Deutschland die Situation völlig falsch einschätzen.

  • „Germany’s powerful trade chief has dismissed Brexit as pipe-dream that will never happen, insisting that markets remain calm only because investors are entirely discounting the political noise from Westminster. Brexit is just talk so far. I doubt it will ever happen,‘ said Anton Börner.“  bto: Vermutlich glaubt er, wie bei früheren Abstimmungen, die nicht im Sinne der EU ausgingen, dass die Briten nochmals abstimmen (so lange, bis das Ergebnis passt) oder aber das Votum ignorieren. Ich halte das für naiv. Die Briten werden als alte Demokratie die Entscheidung nicht revidieren. Zugleich haben sie viele Trümpfe in der Hand, um das Land positiv zu entwickeln.
  • „The comments offer a revealing window into attitudes in Berlin, where much of the political class still thinks that the UK will recoil from the Article 50 process and opt back into the EU (…) perhaps tempting the German authorities to think they take a particularly tough line without serious consequences. This is fertile ground for misjudgments.“  bto: Ich glaube, es liegt auch daran, dass sich die Politiker (und letztlich ist Börner mehr Politiker als Unternehmer hier) nicht vorstellen können, dass es eine Rückentwicklung gibt. Dies macht es aber so gefährlich.
  • German trade data suggests that the cost of an acrimonious Brexit –  with EU trade tariffs, reaching 10pc on cars – is higher for German industry than often acknowledged. Last year the German trade surplus with the UK was €50.5bn (£44.7bn), bigger than its surplus with any other country, and four times its entire surplus with the rest of the eurozone (€12.9bn). This is not trivial.“ bto: Jetzt könnten wir natürlich sagen, dass eine Reduktion unseres Überschusses gewünscht ist. Fragt sich nur, ob dies auf diesem Weg erfolgen sollte?

Quelle: The Telegraph

  • There is still an assumption that the UK will blink and ask for Brexit to be called off,‘ said David Marsh, (…) British leaders are equally misled in thinking that Germany will come to the rescue and force through a friendly deal to shield its car industry. Both sides are misjudging the other(…).“  bto: Und ich bleibe dabei, dass letztlich wir auf verschiedenem Wege unter den Folgen mehr leiden werden als Großbritannien.
  • To the surprise of many in Britain, Germany has so far proved to be one of the most unyielding countries in the EU (…) Berlin was strikingly hostile to an British-Italian initiative and to a Bruegel paper by France’s Jean Pisani-Ferry calling for a ‘Continental Partnership’ to preserve close trading ties (…) Germany has played a lead role in stipulating that there can be no discussion of the future relationship with Britain until the issue of Brexit reparations payments is settled (…).“ bto: wobei man sich fragt, wieso eigentlich? Geht es nur um die abschreckende Wirkung? Dieser Schuss könnte nach hinten losgehen.
  • The EU system both heightens and masks German power. The single market has served Germany extremely well but often at the expense of other EU states. Italy has seen no benefit from the arrangement for a quarter century. It correlates with national decline.“  bto: Bekanntlich sehe ich den Nutzen für uns nicht. Allerdings denke ich zunehmend, dass es in der Tat eine Allianz von Exportwirtschaft mit Politik ist, die allerdings nicht den dauerhaften Wohlstand steigert wegen des Aufbaus von Forderungen in einer überschuldeten Welt.
  • The risk for Germany as it seeks to make a punitive example out of Britain is not only that it could trigger an anti-German ‘buyers’ strike’ by offended British consumers but also that its own relations with other EU states will be even harder to manage.“  bto: Ich denke, der Brexit wird die EU auf Dauer mehr spalten als einigen und eine Bestrafung wird auf die EU zurückfallen.

The Telegraph: „German trade boss dismisses Brexit as empty talk“, 18. September 2017

16 Kommentare
  1. Johannes sagte:

    Die Wahrnehmung von Realität als das was sie ist, nämlich Realität, ist eine Kunst. Diese Kunst beherrschen die wenigsten. Diese Kunst will erlernt werden. Von selbst stellt sie sich nicht ein.

    Ich maße mir nicht an, diese Kunst bereits zu beherrschen – aber ich arbeite dran. Auch ich übe ständig daran, die Filter meiner imaginären Wahrnehmungsbrille hochzuklappen, um ungefiltert die Realität zu sehen. Was zugegebener maßen schwierig ist (und manchmal auch störend, wenn´s unbequem wird).

    Ein Faktor, der ausschlaggebend für den „Zustand“ der Hybris ist, ist m.E. nach die Realitäten nicht oder nicht ausreichend, bzw. zur Gänze zur Kenntnis zu nehmen – warum auch immer dies bei den von Hybris betroffenen der Fall ist.

    bto: „Ich denke, der Brexit wird die EU auf Dauer mehr spalten als einigen und eine Bestrafung wird auf die EU zurückfallen.“

    Das denke ich auch.

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  2. MFK sagte:

    Was hier von der staatsnahen Presse bei ihren Wunschträumen, das UK abzustrafen übersehen wird, ist die Bedeutung des UK für Frankreich:

    Handelsbilanz

    • Mit nur zwei der 10 Länder verzeichnete Frankreich 2013 einen Überschuss; beide gehören nicht zum Euroraum: Der Handelsüberschuss mit Großbritannien war am höchsten; der mit der Schweiz erwirtschaftete Überschuss betrug 2013 nur noch ein Drittel des Vorjahrwertes.
    https://de.ambafrance.org/Frankreich-und-seine

    Frankreich wird es aus Eigeninteresse nicht zulassen, dass die Handelsbeziehungen der EU zum UK durch Handelshemmnisse eingeschränkt werden, es sei denn Frau Merkel verdirbt es sich auch noch mit Frankreich.

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  3. SB sagte:

    „bto: Bekanntlich sehe ich den Nutzen für uns nicht. Allerdings denke ich zunehmend, dass es in der Tat eine Allianz von Exportwirtschaft mit Politik ist, die allerdings nicht den dauerhaften Wohlstand steigert wegen des Aufbaus von Forderungen in einer überschuldeten Welt.“

    Das sehe ich ebenso. Gesteigert wird nur der Wohlstand dieses elitären Kreises (= Allianz von Exportwirtschaft mit Politik). Der „Rest“ profitiert nicht nur nicht davon, sondern wird gezwungen diesen elitären Kreis mit seinen Steuergelder zu „retten“, wenn dessen Forderungen gegenüber der überschuldeten Welt zum Problem werden.

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  4. Dietmar Tischer sagte:

    Ich kann nicht in die Köpfe sehen und weiß daher nicht, wer was denkt.

    Meine Überzeugung aufgrund der Einschätzung von Handlungen, Traditionen und Mentalitäten ist, dass es beim Brexit bleiben wird.

    Wie er verhandelt wird und wie die daraus entstehende neue Verbindung oder Nicht-Verbindung gestaltet wird, ist vorerst nicht absehbar.

    Ich stimme daher David Marsh zu:

    >‚There is still an assumption that the UK will blink and ask for Brexit to be called off,‘ said David Marsh, (…) British leaders are equally misled in thinking that Germany will come to the rescue and force through a friendly deal to shield its car industry. ‚Both sides are misjudging the other‘ (…).“>

    Wer mehr unter den Folgen des Brexit leiden wird, kann man heute noch nicht sagen. Es hängt auch von Entwicklungen innerhalb und AUSSERHALB von GB und der EU ab.

    >„The EU system both heightens and masks German power.>

    Diese Auffassung vertrete ich auch, habe sie am Blog dargelegt.

    Wir sind nicht so stark wie wir erscheinen, nutzen aber die EU als „Faustpfand“, um gegenüber anderen Regionen unser Gewicht zu erhöhen.

    >Allerdings denke ich zunehmend, dass es in der Tat eine Allianz von Exportwirtschaft mit Politik ist, die allerdings nicht den dauerhaften Wohlstand steigert wegen des Aufbaus von Forderungen in einer überschuldeten Welt.>

    Der erste Teil ist richtig, die Allianz basiert darauf, dass die Skaleneffekte großer homogener Märkte nicht nur erwünscht, sondern m. A. n. erforderlich sind, um die Kosten zu senken und weitgehend Arbeitslosigkeit zu verhindern sowie – siehe oben – die Märkte anderer Regionen für unsere Industrie offenzuhalten.

    Das steigert selbstverständlich den Wohlstand der Gesellschaft insgesamt und nicht nur den von Eliten und – um das deutlich zu sagen – es sichert vor allem die Stabilität der Gesellschaft.

    Allerdings verursacht es auch Kosten für uns, u. a. durch die Migration in der EU und das Entsendegesetz.

    Die Probleme treten mittlerweile deutlich stärker in den Vordergrund und zwar nicht nur bei uns.

    Richtig ist auch, dass es PERSPEKTIVISCH nicht unseren Wohlstand steigert, in einer überschuldeten Welt Forderungen aufzubauen.

    Man müsste versuchen, Sachvermögen in der Welt aufzubauen und DARAUS Forderungen in Form von tradable goods abzuleiten.

    Das ist nicht einfach und wird nicht umfassend gelingen, ist aber ein richtiger Weg.

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    • SB sagte:

      „Das steigert selbstverständlich den und nicht nur den von Eliten und – um das deutlich zu sagen – es sichert vor allem die Stabilität der Gesellschaft.“

      „Wohlstand der Gesellschaft insgesamt…sichert vor allem die Stabilität der Gesellschaft“ – Könnten Sie das bitte mit Fakten unterfüttern? Ich erlebe nämlich gerade das Gegenteil (Stichworte: Reiche immer reicher, politische Spaltung der Gesellschaft). Vielen Dank im Voraus.

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      • Dietmar Tischer sagte:

        Wir haben nahezu Vollbeschäftigung.

        Die Basis dafür sind offene Märkte, d. h. solche ohne Handelsbeschränkungen wie wir sie in der EU haben und immer noch weitgehend in USA und anderen Nicht-EU-Ländern sowie allerdings beschränkter in China.

        Das steigert den Wohlstand derer, die ARBEITEN (wenn auch ungleichmäßig) und nicht NUR – wie Sie weiter oben sagen – den Wohlstand eines elitären Kreises von Exportwirtschaft und Politik.

        Die Alternative zum relativen Wohlstand der Massen ist ARBEITSLOSIGKEIT und nicht der Wohlstand der Reichen, der wie hier am Blog immer wieder festgestellt wird, insbesondere durch die Geldpolitik der EZB befördert wird.

        Das wird leider zu oft vergessen bzw. nicht erkannt, weil anscheinend die Vorstellung vorherrscht, das es SELBSTVERSTÄNDLICH sein muss in Beschäftigung zu sein bzw. eine hinreichend auskömmliche Arbeit zu haben.

        Das ist ein IRRTUM.

        Selbstverständliche Beschäftigung mit Vollbeschäftigung gibt es nur im Sozialismus mit dem „Recht auf Arbeit“ – und verglichen mit internationalen Standards „Armut für alle“ bezogen auf die Ressourcen einer solchen Gesellschaft.

        Allerdings stimmt auch, was Sie sagen

        Wir erleben eine sich vertiefende Spaltung der nationalen Gesellschaften.

        Diese Entwicklung hat uns nicht ausgespart und wird uns mit den Wahlen zum BT voll bewusst.

        Sie hat wirtschaftliche Ursachen, weil die Wohlstandsmaschine Globalisierung nicht alle am Wohlstand teilnehmen bzw. gleichermaßen teilnehmen lässt bzw. die Wohlstandsentwicklung der einen, z. B. in China und anderen Entwicklungsländern, auf Kosten von Menschen in den entwickelten Volkswirtschaften erfolgt.

        Das ist, wenn Sie so wollen, die wesentliche Kehrseite der Globalisierung.

        Diese Spaltung findet ihren Ausdruck im Parteiensystem und den Lösungsangeboten, die es bietet.

        Damit müssen wir jetzt umgehen und zwar offen und vernünftig statt diskriminierend und ausschließend.

        Bei allen Entgleisungen im Wahlkampf:

        Ich sehe eine Bundesrepublik, die sich im VERGLEICH mit anderen Demokratien in sehr guter Verfassung zeigt, was den öffentlichen Diskurs hinsichtlich der Probleme und Lösungen betrifft (auch wenn er vielfach den Sachverhalten nicht gerecht wird):

        Auch die viel gescholtenen Medien schneiden dabei m. A. n. ganz gut ab.

        Es hat sogar die eine oder andere Sternstunde gegeben, soweit man dies mit Blick auf die Sendeformate sagen kann.

        Ich fand die Sendung von A. Will am letzten Sonntag sehr gelungen.

        Wer wollte, konnte z. B. etwas über die objektiv bedingte Befindlichkeiten der Ostdeutschen erfahren und wird, daran gemessen, deren Wahlverhalten sehr viel verständlicher beurteilen können.

      • SB sagte:

        Kann es sein, dass wir nur deshalb nahezu Vollbeschäftigung haben, weil wir im von den Zentralbanken planwirtschaftlich gesteuerten ZinsSOZIALISMUS leben?

        Ohne diese Manipulation, wäre der Drops 2007/2008 gelutscht gewesen und es wären genau die Umstände eingetreten, die eben am Ende eines Kreditzyklus unter völlige Überschuldung von Staaten und Privatpersonen eintritt: der große Bankrott mit einhergehender hoher Arbeitslosigkeit.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ SB

        >Kann es sein, dass wir nur deshalb nahezu Vollbeschäftigung haben, weil wir im von den Zentralbanken planwirtschaftlich gesteuerten ZinsSOZIALISMUS leben?>

        Nein, weil die Vollbeschäftigung im Gegensatz zu Arbeitslosigkeit vor allem mit unserer Wertschöpfung im globalen Kontext zu tun hat.

        Ich stimme zu, dass ohne die Geldpolitik der EZB und insbesondere seit dem „Whatever it takes.. „ von 2012 der Drops gelutscht gewesen wäre.

        Aber er wurde nicht gelutscht und DAHER sprechen wir nicht über die Arbeitslosigkeit in der Depression, sondern über Vollbeschäftigung (bei uns).

  5. SR sagte:

    „Man müsste versuchen, Sachvermögen in der Welt aufzubauen und DARAUS Forderungen in Form von tradable goods abzuleiten.“

    Das Problem hat China (und haben andere Staaten) auch, weshalb zB Grund und Bodenschätze in Afrika und der ganzen Welt mit zunehmender Geschwindigkeit den Eigentümer wechseln. Die Blasenbildung bei Sachwerten ist in vollem Gange.

    Was hieße es denn für „unsere“ Wirtschaft, auf den „Aufbau von Forderungen in einer überschuldeten Welt“ zu verzichten?

    Verkaufen „wir“ dann unsere Maschinen an die Saudis per Barter-Geschäft?

    Oder verzichten wir, am Welthandel teilzunehmen und teilzuhaben?

    Die Frage der „Überschuldung“ kann in einer kreditfinanzierten (also kapitalistischen) Weltwirtschaft doch nur in dem Zusammenhang angesprochen und „gelöst“ werden, indem man die Besitzer der Schuldverschreibungen (die Kreditoren) einbezieht und nicht nur das Schreckgespenst der Verschuldeten auf den Tisch packt.

    Denn die einen wird es ohne die anderen nicht geben.

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      Ich stimme Ihnen zu:

      Das GESAMTPROBLEM ist nicht dadurch zu lösen, dass die Exportnationen in anderen Ländern Kapitalbesitzer werden.

      Es würde nicht funktionieren, weil die Bevölkerungen dieser Länder nicht auf Dauer „Angestellte“ der Bevölkerung anderer Länder sein würden, so auch der deutschen Bevölkerung, um ihnen sozusagen ewigen Wohlstand zu verschaffen.

      Mit Blick auf das angesprochene Problem ist es dennoch der richtige Ansatz – vor allem wegen des demografischen Problems.

      Hätten wir es nicht, könnten wir versuchen, mit großen Anstrengungen „Exportweltmeister“ zu bleiben und die Vorteile zu genießen (hohe Beschäftigung, Finanzierung erforderlicher bzw. gewünschter Importe etc.) – und dabei als Gläubiger auf Forderungen in der Welt zu verzichten.

      Leider ist die Lage nicht so und andere sind auf dem besten Weg, uns mit ihren Anstrengungen zu überholen.

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      • Dietmar Tischer sagte:

        @ MFK

        Ein guter Hinweis.

        Wir haben vorläufig noch nichts dagegen, weil es uns dabei immer noch ganz gut geht.

        Es kann allerdings kritisch werden und dann würde die Stimmung ganz schnell umschlagen.

        Deshalb wehrt sich z. B. JEDE Partei dagegen, die 20% Sperrminorität des Landes Niedersachsen an VW aufzugeben. Denn rational agierende Investoren würden als vermutlich erstes die ÜBERBESCHÄFTIGUNG von VW in Deutschland abbauen.

        Deutlich problematischer ist es bereits, dass die Aufkäufer deutscher Unternehmen ZUGLEICH unser Know-how mitkaufen und es ohne unseren Einfluss verwerten (Beispiel: die Chinesen und KUKA).

        Also:

        Ganz richtig, die Sache ist keine Einbahnstraße.

        Und auf diesem Gebiet werden wir noch Protektionismus in Reinkultur erleben.

  6. Wolfgang Selig sagte:

    „bto: wobei man sich fragt, wieso eigentlich? Geht es nur um die abschreckende Wirkung? Dieser Schuss könnte nach hinten losgehen.“
    Ganz einfach: traditionelle deutsche Großmannssucht in der Politik. „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen.“ war bis vor 100 Jahren zu monarchistischen Zeiten ein imperialistischer Spruch mit militärischer Attitüde. Heute ist es der krampfhafte Wunsch, entgegen der demographischen Weltentwicklung eine größere Rolle auf der internationalen Bühne zu spielen, als uns nach Landesfläche und Bevölkerungsgröße eigentlich zusteht. Nur halt in den Bereichen Klimaschutz, Diplomatie, Entwicklungshilfe oder Export. Das Vehikel dazu ist die EU, in der Deutschland bei Wirtschaft und Bevölkerung klar die Nr. 1 ist. Schrumpft die EU, schrumpft auch der deutsche Einfluss. Dazu passt typisch der Wahlspruch der SPD, dass sie für Europa sind, weil man gemeinsam stärker ist. Die Frage stellt sich für mich, ob wir unbedingt stärker sein müssen? Reicht es nicht aus, mittelstark zu sein? Dann würde das Kartell aus Politik und Exportwirtschaft, zu der ich übrigens auch die davon profitierenden Gewerkschaften IG BCE und IG Metall (sowie deren SPD-Mitglieder) zähle, halt weniger Vorteile gegenüber den binnenwirtschaftlich orientierten Bevölkerungsteilen in Handwerk, Einzelhandel oder öffentlichem Dienst haben.

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      Ihre gut gemeinte Gleichung geht nicht auf – leider.

      Wenn das Kartell, das Sie richtigerweise zum Groß-Kartell erweitert haben, mit seiner Wertschöpfung schrumpfen würde, bekämen wir ganz große Probleme.

      Es hätte zwar weniger Vorteile gegenüber den binnenwirtschaftlich orientierten Bevölkerungsanteilen, aber diese würden gewaltig darunter LEIDEN.

      Betrachten Sie nur die sinkenden Steuereinnahmen und die Besoldung des öffentlichen Dienstes sowie die Transfers.

      Ich verweise noch einmal darauf:

      Wenn in Wolfsburg, Ingolstadt, Stuttgart und München die Lichter flackern, dann gehen sie in Berlin und anderswo aus.

      Die binnenwirtschaftlich orientierten Bevölkerungsanteile würden gewaltig unter Druck geraten, einen Ausgleich leisten zu müssen. Und das in einer Situation, in der die im Kartell beschäftigten tendenziell weniger nachfragen würden.

      Deutschland ist eine UMVERTEILEUNGS- und TRANSFERGESELLSCHAFT in einer Dimension, das uns schon nicht mehr bewusst ist.

      Das bedeutet jede Menge Dynamit.

      Und jetzt vielleicht noch der Ausbau der EU/Eurozone zu einer voll „funktionsfähigen“ TRANSFERUNION …

      Antworten
      • Alexander sagte:

        >>Wenn in Wolfsburg, Ingolstadt, Stuttgart und München die Lichter flackern, dann gehen sie in Berlin und anderswo aus.

        Dabei ist nicht nur die Stückzahl der abgesetzten Fahrzeuge, sondern auch der Premiumumsatz pro Einheit ein wichtiger Faktor für Löhne, Beiträge, Steuern und Immobilien. Einen direkten Zusammenhang zwischen Niedrigstrefinanzierungen und gerade noch akzeptablen Leasingraten sehen nur die Pessimisten, die extrem hohe Margen für möglich halten. Alles Einzelfälle ;o) https://www.welt.de/motor/article116695390/Das-Geheimnis-der-Gewinnspanne-beim-Autokauf.html

        Dabei ist der Markt verwundbar, denn die Rückkaufpreise der Gebrauchten müssen laufend durch einen liquiden Gebrauchtmarkt bestätigt werden. Dasselbe gilt für alle weiteren Investitionsgüter vom LKW, der Werkzeugmaschine bis zur Bergbauausrüstung.

        Zum Glück kümmern sich die Notenbanken um eubeb reibungslosen Ablauf, kein Sorgenwölkchen zu sehen – alles ruhig, den Anleihekaufprogrammen sei Dank. Aus den USA gibt es andere Meldungen, vergleichsweise große Angebot an Gebrauchtwaren zu interessanten Preisen…

      • Wolfgang Selig sagte:

        Ich gehe Ihnen recht, dass wir damit auch ganz große Probleme bekommen würden; andererseits wären dann vermutlich Personalengpässe in wichtigen Bereichen wie Handwerk oder Pflege leichter zu bewerkstelligen. Funktionieren würde das aber nur mit einem massiven Produktivitätsfortschritt, der von der Reduzierung überflüssiger Breitenstudiengänge über Investitionen in Infrastruktur (z.B. Glasfaserausbau) bis zum Bürokratieabbau (z.B. Baumschutzverordnungen u.ä.) gehen müsste. Verbunden mit einer high-tech-Forschungsinitiative. Das wird nur leider nicht kommen.

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