Die Notwen­dig­keit zur Ent­schul­dung wird erkannt

In CORONOMICS und in verschiedenen Artikeln habe ich eine Entschuldung der Unternehmen angeregt. Die im Zuge der Corona-Krise vergebenen Rettungskredite sind entweder nicht tragbar, oder aber belasten die Erholung zusätzlich, weil Unternehmen, statt zu investieren, damit beschäftigt sind, Schulden abzutragen.

Während das bei uns noch nicht breit diskutiert wird, erkennen andere Länder die Notwendigkeit, in diese Richtung zu denken. So Großbritannien:

  • „A massive write-off of toxic Covid debt may be the only way to save the economy from stagnation as thousands of businesses struggle to survive, (…) Repayments on £45bn of taxpayer-backed loans could be linked to companies‘ revenue, said Richard Hughes of the Office for Budget Responsibility (OBR) – with any money outstanding after a set timeframe simply cancelled.“ – bto: Richtig, es muss abhängen von der tatsächlichen Ertragskraft und im Zweifel annulliert werden.
  • „Mr Hughes said that firms of all sizes may otherwise drown due to the weight of debt borrowed to get through lockdown, derailing the recovery before it even has a chance to begin. (…) the support could switch from being a vital short-term boost to a long-term millstone as recovery begins in earnest.“ – bto: Und genau das trifft auch auf Deutschland zu.
  • „He said: ‘I’ve advocated making the repayment of these debts earnings-contingent, so that firms aren’t being asked to pay back more than a percentage of their turnover in a given year, so these debts don’t become a burden on their ability to invest.’ This would likely lead to multi-billion pound losses for the taxpayer, but Mr Hughes said that the state should expect losses in any case.“ – bto: Auch das stimmt. Es muss in einen langfristigen Wiederaufbaufonds gepackt werden mit Nullzins und Nulltilgung.
  • „Business groups backed the idea for a student loan-type scheme but called for it to be based on profits rather than revenues. This would mean that companies would only pay when they are making money again.“ – bto: Und auch dies ist richtig. Man sollte es ganz klar an Gewinne knüpfen. Denn der Einbruch der Wirtschaft ist wirklich historisch:

Quelle: Telegraph

  • Charging a percentage of profits is likely to be resisted by the Treasury due to fears companies would game the system to keep repayments down, for example by artificially inflating their costs.“ – bto: Hoffentlich, doch auch das ist besser als die Alternative. Wenn die Unternehmen das machen, weisen sie nach Ablauf der Frist höhere Gewinne aus und müssen diese besteuern. Oder aber sie haben mehr Gehalt gezahlt und weniger Mitarbeiter abgebaut. 

telegraph.co.uk: „Massive debt write-off could be only way to save economy, warns OBR boss“, 13. Juli 2020

Kommentare (17) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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      markus sagte:

      @weico: Verstehe nicht: bei Niedrigzinsen fühle ich mich eher dumm, weil ich keine Schulden mache und keine Sachwerte besitze.

      Schulden mit höherer Verzinsung wird VW schon revolvieren.

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    Dieter Krause sagte:

    Wer redet denn eigentlich mal von den Corona-Gewinnern wie Amazon und anderen? – Was sagt da in der Corona-Krise der schlaue Politiker: „Tja, eben das falsche Geschäftsmodell gehabt, C&A – zu teure Läden in innerstädtischen Immobilien! Die gibt es bei Amazon und Zalando nicht oder? – Fangt nach der Insolvenz einfach neu an! Aber Staatskohle zur Entschuldung gibt es keine….“

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      asisi1 sagte:

      Das Großkapital hat in den letzten Monaten, 400 Milliarden Dollar plus gemacht! Gesponsert von den Banken. Der kleine Mann glaubt aber immer noch, das Sozialisten Geschwafel der Regierenden!

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    Wolfgang Selig sagte:

    Ich bin mir überhaupt nicht sicher, ob der von Herrn Dr. Stelter vorgeschlagene Weg der richtige ist. Die Gefahr der Perpetuierung von Zombieunternehmen, die es aufgrund der Nullzinsphase sowieso schon zahlreich gibt, erscheint mir relativ groß. Außerdem sende ich das Signal in den Markt, dass ein hoher Leverage und ein Verzicht auf „eiserne Reserven“ kein Problem sind, weil der Staat immer hilft. Die Debatte geht mir nicht tief genug an die Probleme heran – Wachstum durch Produktivitätsfortschritte kann ich auf diesem Weg nicht erkennen.

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      Gast sagte:

      Zudem werden die Waghalsigsten, die sich am Rande der Legalität bewegen oder mit einem Bein schon im Kriminal stehen, nicht gebremst sondern im Gegenteil unterstützt. Moral haszard wird die Grundlage für wirtschaftliche Entscheidungen auch für den „kleinen Mann“. Ob das gut ausgeht?

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    Dietmar Tischer sagte:

    >Die im Zuge der Corona-Krise vergebenen Rettungskredite sind entweder nicht tragbar, oder aber belasten die Erholung zusätzlich, weil Unternehmen, statt zu investieren, damit beschäftigt sind, Schulden abzutragen.>

    Das ist unstreitig – negativ.

    Daher schlüssig:

    >„A massive write-off of toxic Covid debt may be the only way to save the economy from stagnation as thousands of businesses struggle to survive,>

    Wenn man einmal die Modalitäten ausblendet, ist damit anscheinend alles in trockenen Tüchern:

    Die Corona-Krise stellt sich lediglich als kleiner Ausrutscher dar und danach geht es wie gehabt weiter.

    Weit gefehlt.

    Wenn der Staat diese AUSSERGEWÖHNLICHE Krise SO abmildern kann, dann – die AUFFASSUNG – kann er auch JEDE darauf folgende Krise GENAUSO abmildern.

    Ob er es tatsächlich kann oder nicht, ist nicht entscheidend.

    Entscheidend ist vielmehr:

    Diese Auffassung beruht auf Erfahrung.

    So wird sie vertreten:

    Es gibt KEINEN Grund anzunehmen, dass etwas, das einmal erfolgreich war, nicht auch das nächste Mal erfolgreich sein wird – man muss es nur tun.

    Damit würde zukünftige Politik konfrontiert werden und das vermutlich nicht nur in Krisenzeiten, sondern auch schon bei punktuellen Krisensituationen.

    Es wäre ein weiterer Schritt zur Verschiebung von privatwirtschaftlicher zu gesellschaftlicher HAFTUNG.

    Wir sollten uns darauf einstellen.

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      Skeptiker sagte:

      Sehe ich ähnlich. Deswegen sollten die Hilfen nur aus Eigenkapital bestehen. Wenn es dann heißt, dass der Staat der schlechtere Untenehmer sei, so ist das dann nur teilweise stichhaltig. Marktwirtschaft mit privatisierten Gewinnen darf nicht nur eine Veranstaltung für schönes Wetter sein. Wenn „the unknown unknowns“ zuschlägt darf dann der Staat nicht in nahezu beliebiger Höhe in Anspruch genommen werden und wenn es doch passiert muss es so geschehen, dass es auch weithin sichtbar ist und den Unternehmen weh tut. Warum bastelt die Linkspartei bei dieser Strategie zur Krisenbewältigung nicht am Narrativ mit der unternehmerischen Hängematte? Der neuerliche Staatsanteil an der Lufthansa könnte doch auch an die Steuerzahler verschenkt werden – was hätten wir dann einmal für interessante Diskussionen!

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      asisi1 sagte:

      Mittlerweile werden ca. 500.000 Kredite nicht mehr bedient! Wer jetzt noch von irgendwelchen Auswegen und umschwenken fabuliert, ist nicht bei der Sache! Der einzige Ausweg, ist ein Crash!

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    Rolf Peter sagte:

    Gestern noch vor Zombies gewarnt und dafür plädiert, sie pleite gehen zu lassen. Heute kommt dann der Vorschlag, „Coronazombies“ zu retten.

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      Richard Ott sagte:

      @Rolf Peter

      Naja, vergessen Sie nicht: Ein „Schuldenschnitt“ ist auch nichts anderes als ein teilweiser Zahlungsausfall, vulgo eine Pleite.

      Interessant wird es dann, wenn es um die Frage geht, wie man diesen „Schuldenschnitt“ genau ausgestaltet – oder am Beispiel hier, wie genau die Rückzahlungs- und Schuldenerlassmodalitäten sind und welche Bedingungen gestellt werden. Unternehmen sind ja keine lebendigen Studenten, 1:1 übertragen lässt sich das Modell also nicht. Und das moral-hazard-Problem hat der Seuchenvogel schon angesprochen.

      PS: Wollen Sie meine persönliche Meinung wissen? Selbst wenn man die Geschäftstätigkeit fortführen will, würde ich so eine Zombiefirma immer erstmal pleite gehen lassen und nur die attraktiven Assets und Patente und die fähigen Mitarbeiter mit dem Know-How übernehmen – so bekommt man den ganzen nutzlosen Verwaltungs-Wasserkopf, in dem bei den meisten Firmen der Zombievirus konzentriert ist, viel einfacher los. Und das wiederum doch das Ziel der ganzen Aktion. Mir ist dieses britische Modell also zu generös, aber darüber können wir ja diskutieren.

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      Thomas M. sagte:

      Diese Corona-Kredite betreffen auch viele vor dem Lockdown rentable und gesunde Unternehmen. Prä-Corona-Zombies und primär durch Corona-Lockdown (jetzt übermäßig) verschuldete Unternehmen sind zwei Kategorien.

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        Rolf Peter sagte:

        Was Sie schreiben, macht dann Sinn, wenn Sie annehmen, der Lockdown sei einmalig und kommt so nicht wieder. Die Entscheidungsträger sehen also ein, dass es eine Überreaktion war und vermutlich auch nicht viel gebracht hat [interessantes Video dazu: https://www.youtube.com/watch?v=cSKjcltDkng%5D. Tatsächlich hoffe ich, Sie haben damit Recht.

        Ich befürchte allerdings, unabhängig vom Nutzen haben viele Politiker Blut geleckt, und betrachten Lockdowns künftig als verfügbares Instrument, wenn es politisch opportun erscheint. Wie sagte Herr Lauterbach so schön: Die Einschränkungen betreffen doch nur Lustkonsum. Wenn das um sich greift, macht es wenig Sinn, Sektoren, die „Lustkonsum“ im lauterbachschen Sinn anbieten, künstlich in ihrer bisherigen Größe zu erhalten.

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        Richard Ott sagte:

        @Rolf Peter

        „Lustkonsum“, soso. Wenn das stimmt, können wir den Hartz4-Regelsatz ja um ungefähr 50 EUR absenken, da sind ja auch ein paar eigentlich unnötige Frivolitäten enthalten:

        Freizeit, Unterhaltung, Kultur 41,43 € — (teilweise sind die Kultureinrichtungen geschlossen, aber Netflix geht noch)
        Beherbergungs- und Gaststättendienstleistungen 10,76 € — (kann komplett weg weil Lustkonsum)
        Verkehr 35,99 € — (weniger Lustkonum heißt auch automatisch weniger Fahrkosten)

        Ob sich in der SPD dafür wohl eine Mehrheit findet? ;)

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    Seuchenvogel sagte:

    Hallo,

    ich habe ein kleines Unternehmen mit einem 6 stelligen bilanziellen Eigenkapital. Meine Eigenkapitalquote ist 98%. Ich habe null Bankschulden.

    Sollte ich jetzt noch Kredit aufnehmen um diesen dann zum Teil bei EZB und Co abzuladen?

    :))

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      Richard Ott sagte:

      @Seuchenvogel

      Ja. So eine Bilanzstruktur ist ja gruselig, da muss die Eigenkapitalrendite extrem schlecht sein. ;)

      Mein kurzfristiger Tipp: So viel Eigenkapital wie möglich in Bitcoin wechseln und dann an Twitter-Promis mit blauem Haken überweisen. 100% Rendite garantiert, die überweisen nämlich sofort das Doppelte zurück, weil sie wegen Corona gerade großzügig helfen wollen ;)

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    Richard Ott sagte:

    „Business groups backed the idea for a student loan-type scheme but called for it to be based on profits rather than revenues. This would mean that companies would only pay when they are making money again.“

    Wer sich dafür interessiert, wie „student loans“ in UK genau funktionieren, findet die offizielle Beschreibung dazu hier:
    https://www.gov.uk/repaying-your-student-loan

    Interessant ist der Abschnitt über den Schuldenerlass der ausstehenden Kreditsumme, je nach Kategorie des ausgereichten Kredits kommt der entweder:
    (1) When you’re 65, or 30 years after the April you were first due to repay – whichever comes first
    oder (2) 30 years after the April you were first due to repay

    … und die Rückzahlungen fangen grundsätzlich nach Studienende an, aber nur bei Einkommen über einer bestimmten Mindestgrenze.

    Im Prinzip so ähnlich wie die Rückzahlungsregeln beim deutschen Bafög, aber mit neuerdings deutlich happigeren Zinsen (3% Jahreszins plus die jeweilige jährliche Inflationsrate in UK).

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