Beängstigende Parallelen

Richtig. Der beliebte Vergleich von Kurven ist natürlich nicht ernst zu nehmen. Denn was soll es schon bedeuten, wenn man diese Kurven nebeneinanderlegt?

 

Quelle: Zero Hedge

O. k., es sieht sehr ähnlich aus. Aber aus der Ähnlichkeit abzuleiten, dass es so weiter geht ist natürlich unseriös.
John Authers von Bloomberg macht es dennoch. Nicht mit der Deutschen Bank, sondern mit der US-Konjunktur bzw. den Reaktionen der Märkte darauf. Zunächst zeigt er, dass die Rezessionsangst nach dem Google Trends Indikator zurückgegangen ist:

 

Quelle: Bloomberg

So weit so gut. Dann kommentiert er aber, dass ein Leser ihm eine Kopie der obigen Abbildung zugeschickt hat, die so aussah:

 

Quelle: Bloomberg

Ich konnte mir nicht verkneifen, es auch hier zu wiederholen. Da der Newsletter von Authers unentgeltlich ist, hoffe ich, dass Bloomberg mir das verzeiht. Es ist eine köstliche Darstellung und zeigt natürlich, dass man aus dem Rückgang der Rezessionsangst nicht darauf schließen sollte und darf, dass die Rezessionsgefahr gebannt ist. Authers nimmt das dann zum Anlass, deutlich tiefer in den Vergleich mit 2008 – dem letzten starken Anstieg – einzusteigen.

  • „In May 2008, after the fire sale of Bear Stearns and with the market for structured credit melting down, people had calmed down as much about the risk of a recession as they have in the months since the summer sell-off. (…) With the benefit of hindsight, it might seem that people were mad back in 2008. The warning signs were obvious. But if we look at the data, it wasn’t quite so mad as it first appeared. The main data on employment and manufacturing surveys wobbled, but stayed the right side of recession. In the first week of September 2008, only a week before the crisis would come to a head, it looked as though the economy was muddling through, with the help of some aggressive easing by the Federal Reserve.“ – bto: Es war damals keine gute Zeit für Short-Seller. Ich erinnere mich daran, dass die Märkte deutlich besser hielten, als ich es mir gedacht habe.
  • „Meanwhile, optimism that recession could be averted had an extraordinary effect on financial markets. The following is possibly my favorite chart to illustrate the global insanity of 2008. It shows the relative performance of Brent crude futures versus the KBW index of big U.S. banks. Versions of this trade were popular with hedge funds at the time. The idea was to go long oil, or anything else that took advantage of booming commodity prices, while selling short U.S. banks. Investors correctly foresaw that horrors would befall the U.S. banking sector — but they incorrectly assumed that commodity markets, and ultimately the global economy, would be immune.“ – bto: An diesen Teil der Entwicklung erinnere ich mich auch, habe ich doch mit Verkaufsoptionen für Öl damals Geld verloren. Müßig darauf hinzuweisen, dass die Ende Juni verfielen. Ich habe den Anstieg des Ölpreises vor dem Hintergrund der absehbaren globalen Krise nicht verstanden.

Quelle: Bloomberg

  • „There are more similarities between 2008 and today. In both cases, a rupture in the financial world led to fears for the real economy. In 2008, the market spasm was driven by Jerome Kerviel, the rogue trader at Societe Generale SA. (…) This time around, the yield curve inversion, following the stock sell-off at the end of last year, prompted the fear. Since then, the data have improved, and the yield curve has un-inverted (which it always does before a recession), while concerns over the trade war have abated (for no obvious reason). From the U.K., the risk of a chaotic “no-deal” exit has receded almost completely — at least until the end of next year. And of course the Fed has cut rates twice more since August.“ – bto: nur Gründe für Optimismus, zumindest an den Märkten.
  • „It doesn’t necessarily mean that we are about to stage a repeat of the second half of 2008. But, there are plenty of banana-skins ahead. (…) If stocks were priced on the assumption that the banking sector could be ignored in 2008, they now assume that we need not worry about any of the political turmoil around the world. And what we plainly should take from 2008 is that extreme whipsawing of sentiment can set us up beautifully for financial accidents.“ – bto: Wer könnte ihm da widersprechen?
Kommentare (6) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >If stocks were priced on the assumption that the banking sector could be ignored in 2008, they now assume that we need not worry about any of the political turmoil around the world.>

    Ob man sich Sorgen oder nicht Sorgen machen sollte über politische Umbrüche, bleibt der Sichtweise des Einzelnen vorbehalten.

    Jeder sollte aber zur Kenntnis nehmen, dass einen FUNDAMENTALEN politischen Umbruch gibt, der praktisch die ganze Welt erfasst hat.

    Es ist der WECHSEL vom Multilateralismus zum Unilateralismus:

    Nationale Problemlösungen werden nicht mehr durch ZUSAMMENARBEIT gesucht, sondern durch SCHLECHTERSTELLUNG des anderen.

    Das ist die Abkehr von dem, was ab 1990 global die Grundlage des Wirtschaftes war.

    Die Folgen wirken bereits erkennbar nicht stabilisierend.

    Wie sie es überhaupt sein können, wenn der Klimawandel weitere politische Umbrüche hervorbringt, ist mir schleierhaft.

    Ja, es gibt verstärkte Stabilisierungsmechanismen durch die Notenbanken, aber sie wirken auf einer Ebene ABFALLENDER politischer und – wie zu vermuten ist – auch abnehmender realwirtschaftlicher Stabilität.

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  2. Avatar
    Thierry sagte:

    Stimmt, so lief es. Ich wäre beinahe in die Falle getappt, nachdem ich mich im Juli 2007 völlig vom Markt zurückgezogen hatte. Habe aber ein bisschen getändelt, um nahe am Ball zu sein, blieb aber skeptisch. 2009 und 2010 wurden die besten Jahre dieses Dezenniums. Ende 2010 habe ich meine Superyacht gekauft, billigst!

    Und diesmal?

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