Das Gerede vom „Melt-up“-Boom

Dieser Kommentar von mir erschien bei der WirtschaftsWoche Online:

 Die Märkte sind teuer. Egal: Bullen und Bären sehen den wahren Boom noch vor sich. Den „Melt-up“.

Je höher die Marktbewertungen steigen, desto größer die Notwendigkeit neue Käuferschichten für die Börsen zu begeistern. Dies erfordert eine hohe mediale Aufmerksamkeit und die richtige Geschichte. Die Geschichte des Jahres 2018 geht ungefähr so: Obwohl die Märkte seit dem Tief 2009 schon eine beeindruckende Entwicklung hinter sich haben, steht uns das Beste noch bevor. Die Weltwirtschaft wächst so stark und synchron wie lange nicht mehr, die Zinsen bleiben tief und die politischen Risiken namentlich in Europa sind nicht eingetreten. Zunehmend wird deshalb klar, dass an der Anlage in Aktien kein Weg vorbeiführt. Sie ist alternativlos.

Wem dies nicht genügt, dem stellen die Auguren einen „Melt-up-Boom“ in Aussicht. Gemeint ist ein dramatischer und unerwarteter Preisanstieg, der durch einen Run der Anleger ausgelöst wird, die Angst haben etwas zu verpassen und nicht durch eine wirkliche Verbesserung in der Realwirtschaft. Letzteres kann einem egal sein, Hauptsache man ist mit dabei.

„Melt-ups“ haben es erfahrungsgemäß in sich. Kurssteigerungen von 50 Prozent und mehr sind keine Seltenheit. Kein Wunder also, dass mit ihnen gelockt wird, um jene, die angesichts der schon hohen Bewertungen zweifeln, doch noch in die Märkte zu bekommen.

Geschichte der Blasen spricht für den „Melt-Up“

Eines der wesentlichen Argumente für den finalen Börsenboom liefert der Vergleich mit früheren Blasen. Jeremy Grantham vom Bostoner Vermögensverwalter GMO hat sich die Mühe gemacht und die Charaktermerkmale früherer Blasen analysiert und auf die heutige Situation übertragen. Kernergebnis: Obwohl die Börse schon heute so teuer ist wie vor dem Börsenkrach 1929 – nur in der Dotcom-Blase war die Bewertung an der Wall Street noch höher – könnte es durchaus sein, dass die Märkte in den nächsten 21 Monaten nochmals 60 Prozent zulegen. Kursziel wären damit bis zu 3700 Punkte im S&P 500 (aktuell: 2786 Punkte). Allen Blasen ist nämlich gemein, dass sie mit einem „Melt-up“ enden.

Diese Aussage ist umso bemerkenswerter, weil sie von einem anerkannten Bären, also einem Börsenpessimisten kommt. Schon seit Jahren warnt der Vermögensverwalter vor der zu hohen Bewertung an faktisch allen Finanzmärkten und prognostiziert auf lange Sicht nur noch maue Renditen. Für ihn als Value Investor ist schon heute alles zu teuer, er räumt aber ein, dass die Märkte sich länger und deutlicher vom fairen Wert entfernen können. Es wäre immerhin die dritte Blase innerhalb von zwanzig Jahren.

Bären müssen sich eindecken

Durch die Kombination mehrerer Faktoren kommt es zum Boom: Die Märkte steigen trotz mahnender Rufe weiter. Deshalb geben immer mehr Akteure ihre Zurückhaltung auf und kaufen in der Erwartung, dass es diesmal wirklich anders ist. In der Folge kommen jene, die auf fallende Kurse gesetzt haben, unter Druck und müssen ihre Position schließen – also ebenfalls kaufen –, was den Kursen zusätzlich Auftrieb verleiht. Damit entfaltet sich eine selbstverstärkende Dynamik, in der die Kurse nur eine Richtung kennen.

Die Medien berichten und verleiten damit die breite Öffentlichkeit dazu, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Nur so kann es zu Steigerungen um 50 Prozent und mehr kommen. Erst, wenn diese Phase eine Weile läuft, kommt es zur – meist ebenso raschen und deutlichen – Trendwende. Die spät zur Party kommenden, erlauben den frühen Investoren ihre Gewinne zu sichern und begleiten die Märkte dann mit schmerzlichen Verlusten nach unten, bis sie entnervt aufgeben und verkaufen, was dann wiederum die Trendwende nach oben signalisiert.

„Melt-up“ wegen Inflation

Wichtig für einen funktionierenden „Melt-up“ ist neben der geschilderten Dynamik eine Geschichte, mit der man die Preisentwicklung rationalisieren kann. Bei der Dotcom-Blase war es die neue industrielle Revolution – die dann viel später kam und heute von Firmen dominiert wird, die zu dieser Zeit teilweise noch nicht existierten. Bei der Immobilienblase in den USA, aber auch in Irland und Spanien war es die Überzeugung, dass Immobilien niemals im Preis fallen können, gelten sie doch als das sicherste Investment überhaupt. Die Enttäuschung folgte und dürfte auch bei den Blasen von Vancouver bis München noch kommen.

Heute ist es die Furcht vor den Folgen der anhaltend lockeren Geldpolitik. Mehr als 15.000 Milliarden Dollar haben die führenden Notenbanken seit der Finanzkrise in die Märkte gepumpt – mit magerem Erfolg in der Realwirtschaft und erheblichem Erfolg an den Börsen. Die Inflation – offiziell nicht gewollt, faktisch jedoch das Ziel, um die Überschuldung von Staaten und Privaten zu bereinigen – blieb tief. Bis jetzt.

Immer wieder gab es Warnungen vor der bevorstehenden (Hyper-?)Inflation und vor genau einem Jahr habe ich mich an dieser Stelle kritisch damit auseinandergesetzt. Bisher überwog der deflationäre Druck aus Schulden, Fehlinvestitionen und Überalterung. Nun könnte es aber nach Auffassung einiger Auguren so weit sein. Zu geringe Investitionen in einigen Bereichen – zum Beispiel in der Ölförderung – dürften sich schon bald in höheren Inflationsraten niederschlagen. Sobald das der Fall ist, würde demnach eine Flucht aus dem Papiergeld einsetzen, der zu einem „Melt-up“ bei allen Realwerten führt, also auch bei Aktien. Dann wären wir in einem Börsenumfeld, in dem der Preis keine Rolle spielt, da es nur noch um die Rettung von Vermögen geht.

Gute Geschichte

Wie schon vor einem Jahr mag ich das Szenario nicht ausschließen, warne aber davor, sich einseitig in diese Richtung zu positionieren. Es kann nämlich auch ganz anders kommen. Steigende Zinsen könnten den Bewertungen an der Börse rasch die Grundlage nehmen. Zwar glauben Optimisten, dass die Notenbanken einen solchen Zinsanstieg verhindern können und damit Börsen und Inflation befeuern. Doch sicher ist das nicht, müssten die Notenbanken doch radikale Maßnahmen ergreifen, wie noch größere Wertpapierkäufe und die direkte Staatsfinanzierung („Helikopter-Geld“), die sich bei steigenden Inflationsraten schwer rechtfertigen lassen. Der „Melt-up“ aus Inflationsangst setzt jedoch genau dieses voraus.

Genauso gut kann es sein, dass die Artikel über den bevorstehenden „Melt-up“ ein viel banaleres Ziel verfolgen: nämlich denjenigen, die bereits voll investiert sind, einen Ausstieg aus den Märkten zu erleichtern.

2018 werden wir sehen, was stimmt. Aus strategischer Sicht bleibe ich bei meiner Empfehlung an einem stabilen Portfolio festzuhalten und dabei die Cashposition nicht zu vergessen. Kommt es zum „Melt-up“ ist man dabei. Crasht es schon früher, hat man Pulver zum Nachkaufen.

→ WiWo.de: „Was am Gerede vom „Melt-up“-Boom dran ist“, 18. Januar 2018

29 Kommentare
  1. Markus sagte:

    Was ich prinzipiell interessant finde:
    Es wird immer spekuliert, dass sich Europa und USA so wie Japan entwickeln könnten. Allerdings ist die Ausgangslage eine andere: Bis jetzt gab es

    – Japan
    – die entwickelten Volkswirtschaften (die sich nicht gleich wie Japan verhalten)
    – Schwellenländer
    – Drittweltländer

    Postuliert wird

    – Japan und entwickelte Volkswirtschaften verhalten sich gleich (–> Eiszeit)
    – Schwellenländer
    – Drittweltländer

    Nur so aus dem Bauch heraus:
    Könnte es nicht auch sein, dass es gar nicht möglich ist, dass alle entwickelten Länder zeitgleich Japans Weg beschreiten? Analog dazu dass nicht alle Länder zeitgleich Exportüberschüsse erzeugen können?

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  2. Dietmar Tischer sagte:

    Hier ein Artikel, der bestätigt, dass die Zinsen ENTSCHEIDEND sind für die Aktienmärkte:

    http://www.manager-magazin.de/finanzen/boerse/aktien-kaufen-inflation-als-risiko-fuer-die-boerse-a-1188708-2.html

    Es gibt natürlich den Zusammenhang, dass mit der Inflation auch die Zinsen steigen.

    Richtig ist aber auch, wie der verlinkte Artikel feststellt, dass die Zinsen nicht nur aufgrund der TATSÄCHLICHEN Inflationsentwicklung steigen:

    >Obwohl die US-Wirtschaft erfreulich wächst, verharren die Preissteigerungsraten in den Vereinigten Staaten bislang auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Die für die Notenbank Fed maßgebliche Inflationskennziffer etwa liegt bereits seit mehr als fünf Jahren unter der angestrebten Marke von 2 Prozent. Und erst in dieser Woche veröffentlichte die Notenbank die Ergebnisse einer Umfrage zur Lage der US-Wirtschaft und zur Inflation, denen zufolge sich daran offenbar nicht viel geändert hat.>

    Dennoch hat sich die Rendite der 10 Year-Bonds in jüngster Zeit ERHEBLICH erhöht, siehe hier z. B.:

    https://www.investing.com/rates-bonds/u.s.-10-year-bond-yield

    Zugegeben:

    Es ist nicht klar, ob und wie lange der Trend anhält.

    Es ist aber klar, was es bedeutet, wenn er anhält:

    >Der US-Sender CNBC etwa macht darauf aufmerksam, dass speziell die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen eine Schlüsselkennzahl sei, die großen Einfluss auf viele Geschäfts- und Kundenkredite habe, inklusive des Hypothekenmarktes. Und führende Köpfe des Bond-Geschäfts wie Doubleline-Chef Jeff Gundlach oder Janus-Manager Bill Gross warnen bereits seit einiger Zeit davor, dass die Renditen noch weiter steigen werden, so CNBC.>

    Es ist also höchste Vorsicht an den Aktienmärkten der USA geboten.

    Und wenn sich dort etwas ereignet, ereignet es sich mehr oder weniger überall.

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    • boom & bust sagte:

      In den 80er und 90er Jahren stiegen die Börsen der westlichen Welt stark an, obwohl es damals noch nennenswert Zinsen gab.

      In Japan hat der Aktienmarkt nie mehr wieder den Rekordstand des Jahes 1989 ansatzweise erreicht, obwohl seither fast 30 Jahre vergangen sind, davon 25 Jahre mit Leitzinsen unter 1%.

      Ich will nicht abstreiten, daß sinkende Zinsen so etwas wie ein zusätzlicher Bonus für die Aktienmärkte sind.

      Allerdings gehört zu längerfristig steigenden Aktienmärkten auch eine prosperiende Gesellschaft. Leider mangelt es daran in der westlichen Welt seit 20 Jahren.

      Die hierzulande börsennotierten Unternehmen generieren ihr Wachstum vielfach nicht mehr im hiesigen oder dem europäischen Markt, sondern in den sich entwickelnden Teilen der Welt wie China, Indien, Saudi Arabien und Lateinamerika.

      Im Grunde ist die Börsennotiz hier nur aus traditionellen Gründen, weil hier die Zentrale des Unternehmens ist bzw. dieses einst hier gegründet wurde trotz Fertigungsstätten international.

      Angesichts der bereits hohen Staatsverschuldung der USA und derem rasanten weiteren Wachstum stellt sich die Frage, ob sich die USA nach ein bis zwei wirtschaftlichen Krisen nicht zukünftig in einer vergleichbaren Lage wiederfinden wie Japan bereits heute.

      Letztlich stoßen die westlichen Gesellschaften allmählich an eine Grenze vergleichbar wie in Japan wo die Zinsen seit zwei Dekaden tief sind, so daß Anleihen mit Nullzinsen und im Wert sinkende sowie gleichzeitig veraltende Immobilien quasi tote Anlageklassen sind, da man nur noch am Kapitalmarkt mit Aktien Geld durch Ausnutzen von konjunkturellen Schwankungen verdienen kann. Eine schwache Nullzinswährung wie in Japan lädt förmlich zu Devisentransaktionen ein, was die einzige Renditequelle ist.

      Und der japanische Aktienmarkt steigt trotz den Erfolgen japanischer Unternehmen in der jüngeren Vergangenheit im wesentlichen nur durch ETF – Käufe der Bank of Japan.

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  3. Veking sagte:

    Möglicherweise werden Aktien auch deshalb teurer, weil Draghi bereits einkauft. Immerhin sind die Märkte in Deutschland, Frankreich, Niederlande etc. in den letzten Monaten rund doppelt so stark gestiegen wie in England, Schweiz und Skandinavien; und das trotz des aufwertenden Euros (aufwertend nicht nur gegenüber USD). Schließlich weist der Artikel ja daraufhin, daß für einen steigenden Markt neue Käuferschichten erschlossen werden müssen und andere Zentralbanken haben auch erst hinterher über ihre Direktinvestitionen in Aktien informiert.

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  4. boom & bust sagte:

    Vor 6 Jahren hatte noch vieles einstellige KGV´s, was heute mit einem KGV um 20 bewertet wird bei währenddessen nur mäßig gestiegenem Gewinn und Umsätzen. Nutzen Sie beispielsweise die 10 Jahres – Übersichten von Morningstar (Beispiel: http://financials.morningstar.com/ratios/r.html?t=VLKAY ) oder das Internetarchiv archive.org.

    Nicht ohne Grund sind wir heute in der zweithöchsten Überbewertung der gesamten Börsengeschichte. Nur im Jahr 2000 war die Bewertung höher. So wie heute die Tech – Aktien laufen waren es damals die TMT – Werte, während viele andere Werte die Kurszuwächse nicht nachvollzogen wie heute beispielsweise Banken und Energieversorger.

    Allgemein steigt der Massenwohlstand kaum an, es gibt keine extremen Wachstumsphantasien wie seinerzeits bei den TMT – Werten und das Mißtrauen des Durchschnittsverbrauchers gegenüber Banken, der Finanzbranche allgemein und den Regierungen ist hoch wegen diverser schlechter Erfahrungen während der letzten zwei Dekaden.

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  5. Dietmar Tischer sagte:

    „Melt-up-Boom“ ist natürlich Gerede wenn man sich auf die Begrifflichkeit bezieht – es gibt, wortwörtlich genommen, kein Melt-up.

    Gleichwohl ist es durchaus möglich, dass die Aktienmärkte, aber nicht die Anleihenmärkte vor einem Boom stehen.

    Die Erklärung ist m. A. n. relativ einfach:

    Wer bei steigenden Kursen nicht dabei ist, gilt als VERLIERER, wenn auch nur als relativer.

    Aber das genügt in durch und durch von WETTBEWERB geprägten Gesellschaften, mit dabei sein zu MÜSSEN.

    Also steigt man ein.

    Und weil/wenn das hinreichend viel tun, ist die BESTÄTIGUNG da:

    Man gehört zu den Gewinnern, weil man es RICHTIG gemacht hat.

    Wodurch endet das Spiel?

    M. A. n. endet es nicht durch Inflation.

    Zum einen ist (noch) keine wirklich besorgniserregende Inflation zu erkennen, auch wenn sie leicht anzieht. Zum anderen werden die Notenbanken ihrer Glaubwürdigkeit wegen einer zu hohen Inflation entgegenwirken.

    Die Gefahr sind steigende Zinsen.

    Am kurzen Ende wollen die Notenbanken sie nicht und am langen Ende können sie diese nicht wirklich verhindern.

    Man schaue auf den 10-Yr-Bond in USA, dessen Verzinsung in relativ kurzer Zeit bereits auf über 2,60% angestiegen ist.

    Hier liegt die Gefahr, denn Zinsen sind nun einmal KOSTEN und steigende Zinsen steigende KOSTEN auch für die Finanzierung von Aktien.

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    • troodon sagte:

      „Die Gefahr sind steigende Zinsen.“ Definitiv ja.
      In den USA aber auch am kurzen Ende, 2J bereits bei 2%.
      https://pbs.twimg.com/media/DS1m7cUWkAAKCnK.jpg
      Bisher hat sich das noch nicht auf die Finanzierungsbedingungen ausgewirkt
      https://pbs.twimg.com/media/DTV8J9BXcAAPi9j.jpg
      Inflationserwartungen steigen aber auch spürbar an.
      https://pbs.twimg.com/media/DThcpjVXUAAFSn_.jpg
      Ob es für einen Crash reicht wird man sehen.
      Mindestens aber sprechen hohes KGV+ Mcap/GDP + nicht fallende Zinsen + hohe Gewinnmargen der Unternehmen dafür, dass zukünftige Erträge für Aktienanleger in den USA geringer ausfallen als in der Vergangenheit.

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      • Dietmar Tischer sagte:

        Wenn zukünftige Erträge für Aktienanleger in den USA geringer ausfallen als in der Vergangenheit, es aber einen Anreiz geben muss, um weiter investiert zu sein in Aktien, dann ist klar:

        Dieser Anreiz MUSS die Steigerung der Kurse sein.

        Steigende Kurse bedingen ZUSÄTZLICHE Käufe, deren Finanzierung bei steigenden Zinsen UND steigendem Preisniveau immer TEURER wird.

        Das positive Bewertungsdelta an den Börsen kann prinzipiell höhere Finanzierungskosten rechtfertigen.

        Das dafür auf hohem Preisniveau erforderliche EXTREM steigende Preisniveau – es müssen ja steigende Preise und steigende Kosten finanziert werden – wird Investoren allerdings veranlassen, irgendwann zu verkaufen und bei fallenden Preisen immer mehr Verkäufe auslösen.

        Denn das Preisniveau wird nicht IMMER weiter extrem steigen können, weil die Finanzierungsbedingungen der Finanzwirtschaft diese Entwicklung nicht erlauben, u. a. aus Gründen restriktiver Regulierung.

        Das ist m. A. n. der Mechanismus, der die Blase platzen lässt.

      • Thomas sagte:

        „Denn das Preisniveau wird nicht IMMER weiter extrem steigen können, weil die Finanzierungsbedingungen der Finanzwirtschaft diese Entwicklung nicht erlauben, u. a. aus Gründen restriktiver Regulierung.“

        Finanzierung von Käufen ist sicherlich eine zentrale Komponente.

        Die Preise werden durch die Kurse beim Kauf und Verkauf an den Börsen festgestellt. Wenn jetzt theoretisch 99% der Teilnehmer gar nicht mehr mitmachen – also weder kaufen noch verkaufen – bestimmen halt 1% den Preis. Theoretisch können ein paar Trader und Sparpläne nachdem alle instituionellen Anleger ausgestiegen sind den Preis auch bestimmen. Die Sparpläne pumpen Geld rein und sorgen für konstante Kaufnachfrage während die Trader die Kurse mit Schwingungen nach oben bewegen. (Das ist jetzt zur Illustration ins Extreme formuliert.)

        Ich will mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, weil man das nicht vernünftig und schnell nachgucken kann. Aber mir scheint, dass die gehandelten US-Aktien-Volumen langfristig (seit 2008) eher gesunken sind, während die Preise ja offensichtlich gestiegen sind.

        Das widerspricht jetzt nicht grundsätzlich der These „man muss immer neue Leute für den Einstieg“ gewinnen. Aber zumindest wirkt das nicht so, als ob immer mehr Leute zur Party kommen, die bisherigen Partyteilnehmer dabei bleiben und alle immer wilder feiern.

        Im Endeffekt bräuchte man eine Transparenz der Arten von Transaktionen: Sind das Trader, sind das Sparpläne, sind das Einzeltransaktionen von Privaten oder Institutionellen und wer sind die jeweiligen Käufer und Verkäufer (für jeden Kauf gibt es einen Verkauf). Das wäre mal super interessant, wenn man dort Trends sieht.

        Wie weit die Korrektur geht lässt sich m.E. nie seriös schätzen. Würde mich auch nicht total wundern, wenn es 90% nach unten knallt. Die Märkte heute haben zwar die gleiche Psychologie, aber halt auch ganz neue Komponenten wie z.B. große Bestände in ETF, wo dann auf einmal wenig liquide Titel in großen Mengen zum Verkauf auf den Markt kommen, wenn die ETF verkauft werden.

        Andererseits ist das Zinsumfeld „seltsam“ und das Meme „Ende des aktuellen FIAT-Geldes“ schwirrt anders als bei den letzten beiden größeren Korrekturen zumindest in manchen Köpfen herum.

        Wenn ich wetten müsste: Ich vermute beim nächsten Mal knallt es schneller und tiefer als in 2008. Aber, who knows.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas

        Sie haben recht damit, dass auch ein geringes Trading-Volumen die Preise an den Börsen beeinflussen kann – mitunter sehr erheblich und das auch nach oben.

        Das sehen die Profis und werden entsprechend vorsichtig reagieren.

        Aber das ist nicht mein Punkt.

        Mir geht es um die Finanzierung, die eben bei steigenden Zinsen und bereits sehr gestiegenen sowie weiter steigenden Preisen erheblich teurer werden kann.

        Da nimmt nicht unbedingt die Kaufbereitschaft ab – insbesondere nicht bei denen, die früh und tief eingestiegen sind und deren Verschuldungsfähigkeit bei steigenden Preisen zunimmt –, aber die Finanzierungsbereitschaft der Banken wird restriktiver werden aufgrund von, wie ich meine, regulativen Vorgaben.

        Das gilt im Prinzip auch für die wenigen, die noch kaufen wollen.

        Selbstverständlich kann es zeitweise überlagernde Mechanismen geben.

        Wenn die Mittel, die wegen tendenziell fallender Kurse an den Anleihemärkten durch dort getätigte Verkäufe verfügbar sind, in den Aktienmärkten eingesetzt werden, kann es zu Kurssteigerungen kommen, ohne dass es auf die Finanzierungsbedingungen ankommt.

        Das wird aber nicht ewig so sein, weil es unabhängig vom jeweiligen Renditeniveau immer auch einen Renditevergleich zwischen den Assetklassen gibt, der normalerweise keine kontinuierlichen „Ausreißer“ zulässt.

      • Thomas sagte:

        „Das wird aber nicht ewig so sein, weil es unabhängig vom jeweiligen Renditeniveau immer auch einen Renditevergleich zwischen den Assetklassen gibt, der normalerweise keine kontinuierlichen „Ausreißer“ zulässt.“

        Okay; in dem Zusammenhang sind dann steigende Zinsen nicht nur interessant, weil sie die Finanzierung weiterer Aktienkäufe erschweren, sondern weil dadurch auch Bonds wieder attraktiver werden und Großanleger anfangen dürften aus Aktien in Bonds umzuschichten.

    • troodon sagte:

      5% (nominaler) Kursgewinn p.a. zzgl. Dividende (und damit weniger als in der Vergangenheit) KÖNNTEN bei langfristigen Nominalzinsen von 2,5% (oder entsprechenden Kreditkosten für Großinvestoren) immer noch als attraktiv angesehen werden. Bei 4%-5% Nominalzinsen, wird das nicht der Fall sein können.
      Ja, sich selbst verstärkenden Abwärtstrend, dürfte es auch wieder geben, wenn es denn mal anfängt nachhaltig zu fallen.

      Antworten
  6. Wolff Baer sagte:

    Wer zum Teufel kauft denn Aktien, und auch noch auf Kredit, die so weit von ihrem fairen Substanzwert entfernt sind, wie z.B.deutsche oder in erster Linie die US-Papiere.

    Das machen doch nur die Spekulanten, die im Film „Margin Call“ hervorragend dargestellt wurden.

    In WISO gabs vor Jahren einmal eine exakte Beschreibung der Substanzwert-Manipulationen, in die fiktive und unrealistische Good-Will-Ereignisse hineingerechnet werden und so zu den hohen Bewertungen führen.

    Die unseligen und überflüssigen (sorry,Herr Stöcker) Notenbanken unterstützen diesen Trend unverantwortlicherweise durch ihre Nullzins-Politik.

    Ich neige dazu, in allen Punkten Dr.Stelter recht zu geben, der dem gesamten Aktienmarkt zukünftig nur noch maue Renditen attestiert.

    Glück für die, die schon satte Gewinne eingefahren haben, aber vor lauter Gier nicht dazu kommen, ihre Gewinne zu realisieren.

    Antworten
    • Carsten Pabst sagte:

      Sehr geehrter Herr Baer,
      ich bekenne mich schuldig. Ich werde weiterhin Aktien kaufen. Zwar nicht auf Kredit, aber in Form von Aktiensparplänen in solide Firmen. Natürlich trifft jede Blase einmal auf Ihre Nadel, nur wann dieser Zeitpunkt ist, wissen wir nicht. Wesentlich ist für mich der jeweilige Anlagehorizont. Und der könnte bei mir, Jahrgang 1972, anders aussehen als bei Ihnen.
      Auch kann ich in dem Bericht nicht lesen, das Dr. Stelter in dem oberen Bericht dem Aktienmarkt zukünftig nur maue Renditen attestiert.
      Gerade im Hinblick auf Technologische Durchbrüche wie z.B.: AI, CRISPR, Blockchain, Virtual Reality um nur einige zu nennen gehe ich von guten Renditen an den weltweiten Aktienmärkten aus. Vielleicht nicht morgen oder übermorgen, aber auf lange Sicht. Ob die Märkte in der Zwischenzeit konsolidieren oder auch scharf einbrechen ist für mich erstmal zweitrangig. Für mich ist die Frage, wo ist mein Geld besser angelegt? In Fiat- Währungen, überhitzten Immobilienmärkten, Edelmetallen, Rohstoffen, Wein, Wkisky, Oldtimer…?
      Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden. Gut geschriebene Artikel zu dem allseits befürchteten Börsencrash:
      http://www.tichyseinblick.de/kolumnen/mr-market/zu-frueh-ist-am-markt-nur-ein-anderes-wort-fuer-falsch/
      Und eine Einschätzung von Peter Huber, Starcapital Oberursel:
      https://www.starcapital.de/de/
      Einfach PDF „Aktien kaufen oder verkaufen?“ downloaden.
      Freundliche Grüße
      Carsten Pabst

      Antworten
      • Wolff Baer sagte:

        Lb.Carsten Pabst

        Wenn Sie das sehr gute Buch von Dr.Stelter „Eiszeit“ lesen würden, würden Sie vielleicht noch einmal über Aktiensparpläne nachdenken.

        Ich gebe ihnen recht, daß Value-Aktien sicherlich eine gute Anlage sind, aber nicht, wenn der reale Substanzwert mehrfach überschritten wird.

        Die zu erwartenden Finanzkatastrophen werden wie Anfang 2000 (Internetblase) und 2008 (US-Häusercrash) die Aktienkurse mindestens halbieren oder sogar noch weiter sinken lassen.

        Das ist der Moment in dem i c h meine Cash-Positionen für Aktienkäufe verwende.

      • Thomas sagte:

        Ein direkter link dazu; hatte das auf der website nicht gefunden…
        http://fundplat.com/wp-content/uploads/2017/12/StarCapital_20171218.pdf

        Genau; alles relativ. Gibt ja kein Gesetz zum angemessenen KGV; das ist Ansichts- und Verhandlungssache (an der Börse). Historisch betrachtet (100 Jahre) konnte man allein mit dem KGV auch nur schwer bzw. sehr selten Investmententscheidungen treffen. Will sagen: Es hat selten attraktive Niveaus und ist meist wonanders unterwegs.

    • Carsten Pabst sagte:

      Sehr geehrter Herr Baer,
      ich habe das sehr gute Buch „Eiszeit“ von Herrn Dr. Stelter gelesen, ich kenne auch alle anderen Bücher von Ihm. Ich habe mir auch schon einen sehr interessanten Vortrag live in der WiWo- Redaktion in Frankfurt von Ihm angehört. Jedem nur zu empfehlen, Herrn Dr. Stelter live zu sehen und anschließend ein paar Gedanken mit Ihm zu tauschen. Ich teile auch alle Bedenken von Dr. Stelter bezüglich unseres Finanzsystems/Eurosystems.
      Nur ich für meinen Teil habe mittlerweile an den Finanzmärkten die Erfahrung gemacht, das es oftmals anders kommt, als von vielen proklamiert. Gerade deshalb bin ich sehr optimistisch, das das Aktienjahr 2018 ohne größere Einbrüche verläuft, leichte Korrekturen eingerechnet. Das kann man als Naivität abtun, aber wenn die Mehrheit von Crash spricht, tritt er meistens nicht ein. Natürlich kann ich nächste Woche schon als größter Depp in diesem Forum dastehen, damit kann ich aber gut leben, da ich Aktienanlagen langfristig sehe. Und wann Sie nach dem Crash einsteigen sollen, sagt Ihnen der Markt auch nicht. Insofern gehe ich weiter von steigenden Kursen aus und dies aus einem ganz einfachen, vielleicht auch sehr plattem Grund: Der DEUTSCHE ist (noch) nicht investiert. Wenn das NOCH in größerem Stil eintritt, dann gehe ich gerne mit Ihnen an die Seitenlinie, ob ich diesen Zeitpunkt aber erkenne, ist auch wieder fraglich Deshalb kauf ich weiterhin meine ausgewählten Aktien, denn ich halte mich für nicht klüger als der (irrationelle) Markt.
      In diesem Sinne Ihnen ein schönes Wochenende und gute Investments
      Carsten Pabst

      Antworten
      • Wolff Baer sagte:

        Lb.Herr Carsten Pabst,

        das Problem, das alle Aktien-Investoren haben, ist doch, gute Aktien zu finden, die noch ein Steigerungspotential haben.

        Wir haben zur Zeit eine ähnliche Situation, als die Telekom-Aktie als „Volksaktie“ von Manfred Krug bis zum Erbrechen beworben wurde.

        Der faire Wert lag damals nach Experten-Meinung bei 12 – 15 DM(?)
        Die allgemeine Tulpenzwiebel-Hysterie trieb die Aktie bis auf 125 DM, bevor sie dann wieder auf den Substanzwert absackte.

        Bei den heutigen KGVs bis zum 20fachen, ist der Aktienkauf für Nicht-Fachleute ein Glücksspiel.

        Ich habe Anfang 2000 über einen Discountbroker (Commerzbank) mit sehr niedrigen Order-Gebühren Dax-Index-Zertifikate (keine ETRs) nahe des vermuteten Tiefstandes gekauft und fast risikolos beträchtliche Gewinne realisiert.

        Den tiefsten Stand habe ich dabei natürlich nicht erwischt.
        Trotzdem war die Sache lukrativ.

        Dr.Stelter empfiehlt manchmal, auch Cash-Positionen zu halten, ist aber bei Index-Papieren nicht so optimistisch.

        Cash halte ich trotzdem, um bereit zu sein und die Draghi-Enteignung wieder ein bischen wett zu machen.

        Hoffentlich gibts dann den Euro noch.

        LG WB

  7. Thomas sagte:

    Was mich in dem Kontext mal interessieren würde: Gibt es einen irgendwie gearteten oder zumindest vermutbaren Zusammenhang zwischen dem schwächelnden Dollar und den parallel dazu steigenden Preisen der US-Aktien? Vielleicht hat ja wer dazu schon mal was gesichtet… gefühlt läuft das ziemlich parallel ab – die jeweiligen Schübe nach oben bzw. unten bei Aktienkursen und EUR-$; auch jetzt wieder zum Jahresbeginn. Hab aber natürlich nicht das technische Rüstzeug, um da mal eine echte korrelative Analyse zu machen, geschweige denn eine Idee, was ein Mechanismus sein könnte.

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  8. SB sagte:

    Hier ein interessanter Artikel von einem (eigentlich) Aktien-Pessimisten und Gold-Optimisten, der einen Melt-up ebenfalls für nicht unwahrscheinlich hält. http://www.goldseiten.de/artikel/361446–Wenn-Sisyphus-versagt-wird-Gold-strahlen.html

    Sehr interessant ist die Grafik am Ende von Seite 2. http://www.goldseiten.de/artikel/361446–Wenn-Sisyphus-versagt-wird-Gold-strahlen.html?seite=2

    Man beachte nicht nur, dass hier die linke Seite des typischen, auf eine Blase hindeutenden, alles bisherige überragenden Tannenbaumes entsteht (man möchte beinahe sagen, sie ist fast fertig ausgeprägt – wo soll der Baum noch hinwachsen?). Beachtenswert ist zudem insbesondere auch die gewaltige Verschuldung, welche auch diesen Kursanstieg begleitet und die ebenfalls alles bisher Gesehene in den Schatten stellt. Schlussendlich ist einen Blick wert, was beim Platzen der letzten großen Blasen (Jahre 2001 und 2007) mit dem S&P 500 passiert ist: Sein Tief lag am Ende der Korrekturen jeweils unter dem höchsten Stand der Verschuldung. Wenn das für die kommende „Korrektur“ ein Maßstab ist, dann würde der S& P 500 irgendwo bei 400 Punkten oder noch tiefer landen. Das käme einem Totalverlust für die Aktienbesitzer gleich. Spannende Zeiten…

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    • troodon sagte:

      Im Verhältnis zur US-Marktkapitalisierung von rd. 35 Bio US$ (lt..Yardeni Research) ist die Margin Debt schon fast vernachlässigbar. Margin Debt sind weniger als 2% der MK. Die wesentlichen Kredite der Hedge Fonds und generelle Hebelung im Bankensystem sind daraus nicht ersichtlich. Und die dürften um ein vielfaches höher sein. Deshalb bleibe ich dabei,.Blick auf die Margin Debt ist ganz nett, aber mehr auch nicht. Der Wendepunkt kommt woanders her. Und die Margin Debt folgt dann.

      Antworten
      • SB sagte:

        Ich hatte die Höhe der Margin Debt auch nicht als Ursache des Wendepunktes dargestellt, sondern mit Blick auf das mögliche Ausmaß der Korrektur. Schauen Sie einmal, wie weit die blaue Kurve des S&P 500 bei den Crashs 2001 und 2007 im Verhältnis zum tiefsten Punkt der roten Kurve (= Margin Debt) heruntergekommen ist.

  9. Michael Stöcker sagte:

    Dazu passend Moritz Schularick, den wir ja hier am Montag bereits hatten:

    „Aber gerade wenn alle mit rosa Brillen in die Zukunft schauen, ist das System oft am fragilsten. Ich denke zwar nicht, dass es schon bald wieder zu einer Krise kommt. Aber Krisen passieren in der Regel genau dann, wenn alle maximal optimistisch sind.“
    http://www.zeit.de/2018/04/volkswirt-moritz-schularick-immobilien

    Diese Erkenntnis geht aber letztlich auf Hyman Minsky (Stabilität erzeugt Instabilität) und Rudi Dornbusch zurück: „ The crisis takes a much longer time coming than you think, and then it happens much faster than you would have thought.”

    LG Michael Stöcker

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