bto zu Wirecard

Dieser Kommentar von mir erschien bei Cicero:

Der mutmaßliche Betrug des insolventen deutschen Finanzdienstleisters Wirecard erzeugt viele Verlierer. Nicht nur die Politik, die Behörden und die Wirtschaftsprüfer, gerade die Sparer werden dazugehören. Deren Vertrauen in die Börse wird ein weiteres Mal zerstört.

Es ist ein rabenschwarzer Tag für Deutschland: aus der Traum von einer – wenn auch kleinen – Rolle in der neuen digitalen Welt, aus der Traum von einer möglichen Rückkehr der Bürger an die Aktienbörse. Stattdessen eine weitere prominente Wertvernichtung in Milliardenhöhe, die jenen Munition liefert, die Aktien und Börsen für gefährlich und keine sichere Möglichkeit der Geldanlage sehen. So sind wir alle Opfer des Betruges bei Wirecard.

Wirecard ist pleite. Und wenn man den Berichten Glauben schenken darf: eigentlich schon seit Langem. Die nicht von der Manipulation der Bücher betroffenen Geschäftsaktivitäten des Unternehmens schreiben seit Jahren Verluste. Gewinn wurde dort ausgewiesen, wo die Zahlen manipuliert waren. Ohne die Manipulation wäre Wirecard niemals in den DAX aufgestiegen. Vermutlich würde die breite Öffentlichkeit das Unternehmen nicht kennen, so es überhaupt noch existierte.

Der Hebel für den Betrug ist signifikant

In den kommenden Monaten werden wir mehr über die Hintergründe erfahren. Der Verdacht liegt nahe, dass ein anfänglich kleiner Betrug immer größere Ausmaße annahm und – so das Management dafür verantwortlich war – der damit verbundene Erfolg an der Börse immer weiteren Betrug erforderlich machte, um das Spiel fortzusetzen. Nicht nur auf dem Papier wurden viele reich, so sie rechtzeitig aus der Aktie ausstiegen. Noch letzte Woche hat der frühere CEO Markus Braun Aktien im Wert von über 100 Millionen Euro verkauft.

Der Hebel für den Betrug ist signifikant. Wird eine Aktie beispielsweise mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 10 gehandelt, bedeutet jede Erhöhung des Gewinns um eine Million Euro zehn Millionen mehr Börsenwert. Bei Wirecard waren es sogar über 30 Millionen, wurde das Unternehmen doch als Wachstums- und Technologiewert höher bewertet. Kann man da als Management 100 Millionen zusätzlichen Gewinn ausweisen – der eigentlich gar nicht existiert – hat man auf dem Papier einen Wertzuwachs von drei Milliarden. Markus Braun hielt etwas über sieben Prozent, macht also 210 Millionen Vermögenszuwachs.

Prüfer, Aufsicht, Fonds und Sparer

Noch ist offen, ob das Management nur nicht genau hingeschaut hat oder in Wahrheit selbst verantwortlich für die Manipulation ist. Andere Verlierer stehen hingegen fest:

Da ist zunächst die Wirtschaftsprüfung EY zu nennen, die Wirecard in den letzten zehn Jahren geprüft hat und den Betrug nicht bemerkte. Die nahe liegende Anfrage bei den Banken, ob denn das Geld – immerhin 1,9 Milliarden Euro – auch auf deren Konten liegen würde, wurde erst in diesem Frühjahr gestellt. Ordentliche Prüfung sieht anders aus.

Ebenso kritisch ist die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht – kurz BaFin – zu sehen. Bereits vor 18 Monaten hat die renommierte FINANCIAL TIMES (FT) in mehreren Artikeln schwere Vorwürfe gegen Wirecard erhoben und – wie nun für jeden offensichtlich – zu Recht auf Unregelmäßigkeiten in den asiatischen Büchern hingewiesen. Statt diesen Vorwürfen mit aller Kraft nachzugehen, erließ die BaFin ein Leerverkaufsverbot gegen Aktien des Unternehmens. Damit sollte „Marktmanipulationen“ vorgebeugt werden.

Leerverkäufe als Warnsignal

Dabei spielen Leerverkäufer an den Börsen eine sehr wichtige Wachhundfunktion. Ihr Geschäft basiert darauf, überbewertete Aktien zu identifizieren und dann bei diesen auf fallende Kurse zu setzen. In der Praxis läuft es so ab, dass der Leerverkäufer sich die Aktien bei einem anderen Investor – zum Beispiel einem Indexfonds, der alle Aktien halten muss, egal wie die Aussichten sind – gegen eine Gebühr leiht und dann verkauft. Er tut dies in der Hoffnung, die Aktie zu einem späteren Zeitpunkt billiger zurückzukaufen, läuft aber Gefahr, viel Geld zu verlieren, wenn er sich irrt und die Aktie weiter steigt.

Bei Wirecard war es ein gutes Geschäft für die Leerverkäufer, die noch vor dem Verbot der BaFin ihr Geschäft getätigt haben. Sie sind im Zuge des Skandals um Hunderte Millionen reicher geworden. Doch statt dies zu kritisieren oder gar zu verhindern, wie die BaFin es versucht hat, sollten alle Investoren und Aufsichtsbehörden die Aktivitäten der Leerverkäufer als ein ernstes Warnsignal nehmen, um genauer hinzuschauen.

Prominenter weiterer Verlierer ist der Fonds DWS Deutschland der Deutsche Bank-Tochter DWS. Zeitweise waren zwölf Prozent der Mittel in Wirecard investiert – mehr als die eigentlich vorgeschriebene Begrenzung von maximal zehn Prozent je Einzeltitel. Kein Wunder, dass der Fonds schlechter abschneidet als andere, die sich weniger von der Wirecard Geschichte haben blenden lassen.

Alle Sparer verlieren

Große Verlierer sind die Sparer, die ihr Geld direkt oder über Fonds in Wirecard angelegt haben. Vor allem wenn sie wie die DWS den Grundsatz ausreichender Diversifikation nicht beherzigt haben.

Es verlieren aber auch alle anderen Sparer in Deutschland, selbst wenn sie bisher nicht in Aktien investiert haben. Denn das mediale Echo des spektakulären Absturzes von Wirecard wird den Bürgern erneut den Eindruck vermitteln, dass es besser ist, dass Geld auf Konto, Sparbuch oder in der Lebensversicherung anzulegen. Doch genau das ist grundlegend falsch und führt letztlich zum sicheren Verlust.

In „The rate of Return on Everything 1870–2015“ rechnet ein Team um den Bonner Ökonomen Moritz Schularick vor, wie viel man mit der Geldanlage in Anleihen, Aktien und Immobilien verdienen konnte und wie schlimm die zwischenzeitlichen Verluste im Zuge von Börsencrashs und Wirtschaftskrisen waren. Das Ergebnis ist eindeutig:

  • Der reale Ertrag von „sicheren“ Anlagen in Anleihen war im betrachteten Zeitraum gering. Staatsanleihen erbrachten im Durchschnitt ein Prozent pro Jahr und Unternehmensanleihen 2,5 Prozent. Obwohl die Kursschwankungen geringer waren als bei Aktien und Immobilien, bot diese Anlageklasse keinen Schutz vor erheblichen Vermögensverlusten in Inflationszeiten und während der Kriege.
  • Demgegenüber liegt der langfristige Ertrag von „weniger sicheren“ Anlagen in Immobilien und Aktien je nach Land bei sechs bis 8 acht Prozent pro Jahr. Ein sehr robuster und stabiler Ertrag, wie die Autoren festhalten. Die Preisschwankungen von Aktien waren dabei deutlich größer als von Immobilien, aber bei ausreichender Haltedauer ist man immer besser gefahren als mit den vermeintlich sicheren Anleihen.

Eine wirkliche Katastrophe

Der Unterschied im Ergebnis ist erheblich. Legt man 1000 Euro an und reinvestiert den jährlichen Ertrag, so hat man bei einer Anlage zu einem Prozent Zins nach dreißig Jahren ein Vermögen von 1350 Euro. Legt man sein Geld zu sechs Prozent an, ein Vermögen von 5743 Euro. Kein Wunder also, dass wir Deutschen zu den ärmsten Privathaushalten in Europa gehören.

Der Wirecard-Skandal wird die Angst der Deutschen vor der richtigen Geldanlage noch verstärken. Mit Blick auf die in den kommenden Jahren – gerade auch als Folge der Corona-Krise – absehbaren Inflation, eine wirkliche Katastrophe.

cicero.de: „Ein schwarzer Tag für Deutschland“, 25. Juni 2020

Kommentare (59) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Marco Polanzke sagte:

    Ich frage mich schon, wie es sein kann, daß fehlende 2 Mrd. nicht auffallen. Wir reden hier schließlich nicht von einer Größenordnung Hunderttausend. Normalerweise werden von den Banken Saldenbestätigungen angefordert. Klingt alles irgendwie sehr seltsam.

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    Richard Ott sagte:

    Es scheint eine Kernkompetenz der ehemaligen Wirecard-Führungsriege zu sein (möglicherweise das Einzige, was sie wirklich gut können…), gefälschte Dokumente von den Philippinen zu beschaffen:

    „Wo steckt Jan Marsalek? Offenbar nicht auf den Philippinen. Das könnte nur ein Trick gewesen sein, um die Ermittler, die auf den Spuren des ehemaligen Wirecard-Vorstands sind, abzuschütteln.

    Einwanderungsunterlagen, aus denen hervorgeht, dass der frühere Chief Operating Officer von Wirecard, am 23. Juni auf den Philippinen ankam und am nächsten Tag nach China abreiste, wurden gefälscht, sagte der philippinische Justizminister Menardo Guevarra am Samstag.“

    https://www.welt.de/wirtschaft/article211008233/Wo-ist-Jan-Marsalek-Gefaelschte-Einreiseunterlagen-fuer-Ex-Wirecard-Vorstand.html

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    Michael Krause sagte:

    Interessante Diskussion. Noch weiß niemand so recht, was genau bei WC passiert ist aber jeder weiß, wer Schuld ist. Die Wirtschaftsprüfer, das Bafin, der Prüfungsausschuss und der Vorstand.

    Darf ich zuerst einmal auf § 111 Abs. 1 AktG hinweisen: Der Aufsichtsrat hat die Geschäftsführung zu überwachen.

    Sodann § 107 Abs. 3 AktG: … Er kann insbesondere einen Prüfungsausschuss bestellen, der sich mit der Überwachung des Rechnungslegungsprozesses, der Wirksamkeit des internen Kontrollsystems, des Risikomanagementsystems und des internen Revisionssystems sowie der Abschlussprüfung, hier insbesondere der Auswahl und der Unabhängigkeit des Abschlussprüfers und der vom Abschlussprüfer zusätzlich erbrachten Leistungen, befasst.

    Der Aufsichtsrat der Wirecard hatte sowohl einen Prüfungs- als auch Risiko- und Compliance Ausschuss.

    Der Aufsichtrat der Wirecard AG war paritätisch mit je 3 Männern und Frauen besetzt. Aufsichtsratsvorsitzender und Vorsitzender des Prüfungsausschuss war bis 2020 der 75jährige Wulf Matthias, Vorsitzendes des Prüfungsausschusses Frau Anastassia Lauterbach.

    Was mich wundert ist, dass in der Mainstream Presse die Rolle des Aufsichtsrates nicht angesprochen wird, obwohl der Aufsichtsrat „näher am Geschehen“ ist als die anderen Gescholtenen. Nachdem Herr Kaeser einer 24-jährigen ohne jede Berufserfahrung den Aufsichtsratsposten bei der Siemens Energy AG „angeboten“ hat, wundert mich das allerdings auch nicht mehr. Zeit einmal über die Besetzungsrituale für Aufsichträte nachzudenken? Oder reicht die Frauenquote bereits?

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Stöcker

        Sie sprechen in Rätseln.

        Können Sie mir verraten, wobei genau sich der „FAZ-Holger“ (der für WELT schreibt…) blamiert hat?

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Stöcker

        Eine wahre Äußerung, die Ihrer persönlichen Ideologie widerspricht, ist nur in Ihrem merkwürdigen Weltbild eine „Blamage“.

        Netter Framing-Versuch, aber ein bisschen sehr plump.

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      Richard Ott sagte:

      @Michael Krause

      Klar, der Aufsichtsrat hat hier auch eindeutig versagt, und insbesondere von der illustren Figur der Frau Multi-Aufsichtsrätin und angeblichen KI-Expertin Anastassia Lauterbach (interessanterweise ohne Informatikstudium – was Frauen alles so können ist wirklich beeindruckend) werden wir sicherlich noch mehr hören – falls unser Rechtsstaat noch funktioniert.

      „Was mich wundert ist, dass in der Mainstream Presse die Rolle des Aufsichtsrates nicht angesprochen wird, obwohl der Aufsichtsrat ’näher am Geschehen‘ ist als die anderen Gescholtenen.“

      Wieso, es gab doch schöne Jubelartikel in der Presse, hier zum Beispiel in der feministischen Alpenprawda:

      „Der Höhepunkt kommt früh auf der Hauptversammlung [im Juni 2019] von Wirecard. Gegen elf Uhr dankt Aufsichtsratschef Wulf Matthias dem Vorstand und den Kollegen im Kontrollgremium für die geleistete Arbeit im Jahr 2018. Dabei hebt er eine Aufsichtsrätin besonders hervor, Anastassia Lauterbach. ‚Sie koordinierte die Arbeiten zu den Vorwürfen in Singapur‘, sagt Matthias. Von den voll besetzten Rängen in der Halle der Münchner Messe ertönt erst leichter Applaus, der dann stärker wird und relativ lange anhält. So lange, dass Anastassia Lauterbach sich gedrängt fühlt, aufzustehen und mit sich mit einem Kopfnicken zu bedanken.

      Die Geste ist deshalb von Bedeutung, weil sie wie ein Schlussstrich unter sehr schwierige Monate wirkt. Kaum ein Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) kam je so unter den Druck an der Börse wie ‚der Zahlungsdienstleister aus Aschheim‘, der traurige Berühmtheit erlangte, als ihm Ende Januar die Financial Times vorwarf, in Asien im großen Stil eigene Zahlen manipuliert zu haben. Der Aktienkurs von Wirecard brach um fast 50 Prozent ein, die Finanzaufsicht Bafin sah die Finanzstabilität gefährdet und verbot, auf die Aktie zu wetten.

      Es dauerte Wochen, bis Wirecard im April über eine interne und externe Untersuchung berichtete, die die Vorwürfe nach eigener Ansicht weitgehend entkräftete. Seitdem ist es ruhiger geworden um das Unternehmen, der Aktienkurs stieg kontinuierlich, er ist fast wieder dort, wo er stand, bevor die Vorwürfe laut wurden.

      Auf der Hauptversammlung sollte sich nun zeigen, wie die Aktionäre auf den vermeintlichen Skandal in Singapur reagieren würden. Es wurde schnell deutlich am Applaus für Aufsichtsrätin Lauterbach, die die Untersuchungen leitete, bei denen herauskam, dass an den Vorwürfen nichts dran war.

      Wirecard-Chef Markus Braun ging noch ein mal konkreter darauf ein. ‚Es gab 100 bis 110 einzelne Punkte‘, sagte er. Sie seien in den Untersuchungen alle entkräftet worden. ‚Findings‘, also Mängel, habe es nur in Nebenaspekten gegeben, so sei eine Investition in Software von 2,5 Millionen Euro im falschen Jahr verbucht worden. ‚Das war schon das Dramatischste‘, sagt Braun, es hätten sich keine grundsätzlichen Probleme mit der Compliance gezeigt, also der Einhaltung von Gesetzen und Vorschriften.“

      (…)

      Ein Mann kündigt an, dass er ab sofort das Kindergeld für seine Tochter in Wirecard-Aktien stecken werde, ‚und glauben Sie mir, sie wird mir dafür verdammt dankbar sein‘.

      (…)

      Dann greift [Aktionärsschützer Hans-Martin Buhlmann] eine Äußerung von Aufsichtsratschef Matthias auf, mit inzwischen drei Aufsichtsrätinnen habe man den Plan übererfüllt. ‚Ist das nicht ein Problem für die Männerquote?‘, fragt Buhlmann, die müsse doch jetzt unter Plan sein.“
      https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/wirecard-vorwuerfe-hauptversammlung-abstimmung-1.4490833

      Tja, kein Mitleid – außer für die arme Tochter von dem fanatischen Wirecard-Fan, die später mal ganz viele Wirecard-Aktien von ihrem Papi geschenkt bekommen wird.

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        Michael Krause sagte:

        @Herr Ott
        Sie haben hier einige der schönsten Anekdoten über die Frau Lauterbach wiedergegeben, die im Netz kursieren. Ich habe bewusst auf eben solche verzichtet. Zunächst ist noch gar nicht klar, was bei WC passiert ist und weiterhin ist vermutlich nicht eine einzelne Person Schuld an der Pleite von WC. Das Auftreten von Frau Lauterbach und ihre Darstellung im der Mainstream Presse provozieren jedoch Häme. Gleiches gilt für die Frauenquote im Aufsichtsrat. Zunächst fällt auf, dass die Welt ausdrücklich hervorhebt, dass die vier Prüfer von E&Y Männer seien (hinter Bezahlschranke). Dann gibt es immer wieder Artikel, die hervorheben, dass Unternehmen, die die Frauenquote erfüllen, erfolgreicher seien. Ich halte von all dem nichts, weil hier Korrelation und Kausalität nicht klar herausgearbeitet werden. Mir persönlich ist es egal, ob Frauen oder Männer im Aufsichtsrat sitzen, solange diese ihre Arbeit ordentlich verrichten.

        Rechtlich aufzuarbeiten bleibt aber, was es mit den Treuhandkonten auf sich hat. Bis 2018 waren diese in Singapur beheimatet. Was waren die Hintergründe des Wechsels auf die Philippinen? Was hat der Aufsichtsrat hier geprüft.

        Dass es grundlegende Probleme mit der Besetzung von Aufsichtsräten gibt (natürlich auch hinsichtlich Männern) ist seit langem unbestritten. Die SdK hat hierzu wiederholt, auch jetzt nach der WC Pleite, konkrete Verbesserungsvorschläge gemacht. Die politischen Gremien ignorieren das Problem weiter und konzentrieren sich stattdessen auf Plazebos, wie der Frauenquote.

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        Richard Ott sagte:

        @Michael Krause

        „It’s easier to fool people than to convince them that they have been fooled.“
        -Mark Twain

        „Mir persönlich ist es egal, ob Frauen oder Männer im Aufsichtsrat sitzen, solange diese ihre Arbeit ordentlich verrichten.“

        Solange unqualifizierte Frauen über die Frauenquote in Aufsichtsräte befördert werden, ist es mir nicht egal. Es ist dann nämlich zu erwarten, dass der durchschnittliche Mann im Aufsichtsrat qualifizierter ist als die durchschnittliche Frau. Meine Heuristik ist also: Wenn ich nichts Genaueres über die Kandidaten weiß, wähle ich immer den Mann. Das ist sexistisch, aber führt im Durchschnitt zu kompetenteren Aufsichtsräten, weil das Vorauswahlverfahren für die Aufsichtsräte ja auch sexistisch ist. (Aus dem gleichen Grund sollten Sie in Ländern mit „affirmative action“ bei der Auswahl von Medizinstudenten immer versuchen, einen asiatischen Arzt zu finden, wenn Sie eine Behandlung brauchen.) Danke, Frauenquote!

        „Was waren die Hintergründe des Wechsels auf die Philippinen“

        Ich bin mir ziemlich sicher, dass es für Wirecard 2018 in Singapur langsam zu heiß wurde und die Treuhandkonten in ein Land verschoben werden mussten damit der Betrug nicht schon damals aufflog. Erinnern Sie sich:
        https://www.boerse-online.de/nachrichten/aktien/wirecard-aktie-polizei-durchsucht-bueros-in-singapur-1027936755

        „Was hat der Aufsichtsrat hier geprüft.“

        Offensichtlich gar nichts! Die noch schlimmere Alternativerklärung wäre: Der Aufsichtsrat hat geprüft, den Betrug festgestellt – und dann die Aktionäre belogen und behauptet dass alles in Ordnung sei.

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    RA sagte:

    Interessant wäre es zu wissen, welche Banken der Firma Wircard welche Kreditlinien zur Verfügung gestellt haben. Der Vorfall wäre ein idealer Aufhänger, sich als Gesetzgeber einmal Gedanken zum Thema Sekundärinteressen und den damit verbundenen Konflikten zu machen. Solange Firmen den WP für die Testate selbst bezahlen, wird es keine vernünftigen Berichte geben und das Kriminalitätsrisiko bleibt hoch. So wie das in Banken und der Immoblienbranche das Alltagsgeschäft ist. Zerohedge hat vor einigen Tagen gefragt, wann PwC sich bewegen muss. Stichwort: Elektroauto und Raumfahrt.

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      Alexander sagte:

      @Richard Ott

      Jede Generation sucht ihr Anlagemassengrab, gerne in Form eines
      „neuen Marktes“ wo im Anschluss eine „neue Normalität“ gefeiert wird.
      Verbrannte Finger helfen nicht, man glaubt es auch dann nicht, wenn man die Unternehmensdaten auf dem Bierfuizl gegen rechnen könnte.

      Warum?

      Weil die Menschen betrogen werden wollen, egal von wem:
      https://youtu.be/SicZhZeYJD0

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    JürgenP sagte:

    Was haben die Milliardengräber „wirecard“ und „BER“ gemeinsam“?

    Ursachenforschung am Objekt. Sinnlos, dies im Nachhinein zu tun.

    Besser: was werden sie noch gemeinsam haben?

    Man wird – angesichts der Kategorie – nach anfänglichen allgemeinen Schuldzuweisungen an direkt und indirekt beteiligte Akteure einen Expertenkreis einrichten aus dem Kreis der Experten, die zuvor noch nichtsahnend das Geld in das exclusives DAX-Clubmitglied hineingeschoben haben. Hätte fast geschrieben „ihr“ Geld, aber das war es ja nicht.

    Dieser Expertenkreis wird im Nachhinein die „grundlegenden Fehler“ finden und mit einem weitschweifigen (um nicht zu sagen vernebelnden) Bericht eine neue Fülle von Regeln, Vorschriften und Strafandrohungen vorlegen. Diese sollen in Zukunft alles anders gestalten, als in der Vergangenheit und werden dann auch – in geübter Parlamentspraxis – ohne jede Praxis und ohne jeden nachgewiesenen Erfolg in die Bazooka geschoben und auf die Wirtschaft und in das Volk geschossen. Für die Immobilien-Experten: so etwas wird gerade mit BIM praktiziert, einem Versuch ahnungsloser Politiker und Experten, das Bauen „genauer“ zu machen, um die Milliardengräber einigermaßen reibungslos über die Bühne zu bekommen.

    Sodann, vielleicht in zwei/drei Jahren, kommt ein Masterstudent und hinterfragt bei den wenigen verbliebenen Experten und Restpolitikern (die übrigen sind pleite, pensioniert oder praktizieren als Berater die undurchsichtigen „Regeln“), warum ein solches DAX-Unternehmen nicht mit einer ganz einfachen Regel – komplexitätsreduzierend – gestoppt werden kann:

    Zum Beispiel:

    Beweisumkehr für Verantwortung für Handeln und Unterlassen. Zur Verantwortung gezogen wird der Vorstandsvorsitzende. Und nur der, damit er schön vorsichtig wird, genauso wie jeder kleine Imbissunternehmer, der für verkohlte Pommes zur Rechenschaft gezogen werden kann.

    Vielleicht geht es mit vorstandsverständlichen Regeln noch einfacher, jedenfalls nicht komplizierter oder gar komplex.

    Schafft er es nicht, geht Haus und Hof an die Verlustigten (vor Insolvenzverwalter, FA und Sozialkassen), alternativ wird im Vollzug nachgearbeitet.

    Nun erzähle mir keiner, das gibt es längst.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ JürgenP

      Kann man alles machen.

      Aber skrupellose Leute, die sich für cleverer als der Rest halten oder sich in einer extremen Notsituation befinden, wird das nicht abhalten, betrügerisch zu handeln.

      Und der Vorstandsvorsitzende wird auch ohne Ihre Vorschläge zur Verantwortung gezogen.

      Eindeutige Regeln für Verantwortlichkeit und detaillierte Kontrolle ist der beste Ansatz.

      Und noch etwas:

      Etwas mehr Vorsicht und gesunder Menschenverstand von Anlegern und Kredite gewährenden Banken ist auch ein Schutz vor Verlusten.

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        JürgenP sagte:

        „Und der Vorstandsvorsitzende wird auch ohne Ihre Vorschläge zur Verantwortung gezogen“.

        „Verantwortung“ in welcher Form? > finanziell weichgepolstert im Homeoffice mit einer Truppe von Rechtsanwälten um sich herum? Sich mit 5 Mio. aus der U-Haft herauszukaufen, nachdem vorher 100 Mio. aus Aktienverkäufen der Pleitefirma erlöst worden sind, scheint mir für skrupellose Leute wenig abschreckend zu sein. Geradezu ein Witz und eine Einladung für solche Typen.

        „Detaillierte Kontrolle“ sehr wohl, wofür gibt es EY & Co? Auf die ist doch sonst Verlass – oder? Frage: von wem werden die Kontrolleure bezahlt, wenn sie kontrollieren? Was könnte passieren, wenn Sie zu scharf kontrollieren oder investigativ arbeiten, um einem Verdacht auf den Grund zu gehen?

        … „gesunder Menschenverstand“ + „eindeutige (einfache) Regeln“ hat schon immer geholfen, den eigenen Schaden klein zu halten. Darauf kann jeder Einzelne setzen.

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        Richard Ott sagte:

        @JürgenP

        „finanziell weichgepolstert im Homeoffice mit einer Truppe von Rechtsanwälten um sich herum? Sich mit 5 Mio. aus der U-Haft herauszukaufen, nachdem vorher 100 Mio. aus Aktienverkäufen der Pleitefirma erlöst worden sind, scheint mir für skrupellose Leute wenig abschreckend zu sein“

        Das sehe ich auch so. Die real existierenden Haftungsrisiken sind für jeden Pommesbudenbesitzer schärfer als für die angestellten Manager von Großkonzernen mit Manager-Haftpflichtversicherung (die selbstverständlich als Betriebsausgabe abgesetzt wird).

        Und Braun auf Kaution wieder aus der Untersuchungshaft freizulassen, halte ich für einen schweren Fehler. Wer garantiert denn, dass er nicht genauso spurlos verschwindet wie die 2 Wirecard-Milliarden, die sich angeblich einmal auf den philippinischen Treuhänderkonten befanden?

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ JürgenP

        Sie werden jedenfalls zur Verantwortung gezogen.

        Wenn das Wie zu lasch ist – und ich bin der Meinung, dass es dies vielfach ist -, könnte man die Strafen verschärfen, wie etwa in USA statt wie viel zu oft ein jahrelanges Verfahren mit einem Vergleich zu beenden, um einen sogenannten Rechtsfrieden herzustellen.

        Dies kann natürlich auch nicht Verbrechen verhindern, aber es dürfte schon Wirkung zeigen.

        Dem Großbetrüger Madoff z. B. konnte zwar auch erst das Handwerk gelegt werden, als der Schaden offensichtlich war.

        Aber jeder weiß jetzt, dass lebenslängliche Haft gnadenlos sein kann.

        Die andere Seite ist, dass zu viele Gierige im Aktienmarkt sind, was ausgenutzt wird.

        Statt nachzuweisen, dass nachhaltig Gewinne erzielt werden können, wird mit Hype Geld verdient – und verloren.

        Das entschuldigt nicht Betrug, fördert ihn aber m. A. n.

        Mein Mitleid hält sich da in Grenzen.

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    M. Mummert sagte:

    Das ist wohl auch wieder ein Symptom für „German stupid money“, auch wenn die Phrase in einem anderen Kontext kreiert wurde. Das stellt sich wieder mal die Frage, nach der Henne und dem Ei: Ist hier das Anlage- und Investment-Verhalten hier so schlecht entwickelt, weil hier die Regulatorik und Berichterstattung darüber so schlecht ist oder ist es umgekehrt (oder bedingen sich beide Aspekte gegenseitig).

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    Rolf Peter sagte:

    Unternehmen brechen aus allen möglichen Gründen zusammen. Unfähiges Management, Betrug oder einfach nur Pech. Leider ist es der natürliche Impuls vieler, nach „Schuldigen“ zu suchen, wenn in einem komplexen System etwas schiefläuft. Das macht in den meisten Fällen keinen Sinn, genauso wenig, wie wenn man den Erfolg irgendeiner Person oder einzelnen Ursache zuschreibt.
    Das heisst nicht, dass man aus so einem Zusammenbruch keine Lehren ziehen kann. Das sollte man selbstverständlich versuchen und kriminelle Machenschaften konsequent verfolgen.

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      M. Mummert sagte:

      Naja, es macht schon einen großen Unterschied, ob Fehler aufgrund hoher Komplexität und systemischer Natur passiert sind oder ob wirklich grobe Fahrlässigkeit oder bereits Vorsatz, so wie es im Fall von Wirecard wohl augenscheinlich der Fall war, im Spiel war.

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    Gnomae sagte:

    Die Obergesellschaft fortzuführen, dürfte wegen der zu erwartenden Klagewelle ausgeschlossen sein. Die Aktionäre werden daher leer ausgehen, da sie am Ende der Verteilungskette stehen. Erlöse aus Teilverkäufen der abhängigen Gesellschaften gehen an die Insolvenzverwaltung und an die Gläubiger. Auch hier gibt es keine Chance, dass die Aktien jemals einen Liquidationserlös auszahlen werden, selbst wenn die Gläubigerbanken den Geschäftsbetrieb fortführen könnten. Verbleibt die einzige Frage, wie sich die Leerverkäufer wieder eindecken können, wenn keiner mehr verkauft.

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      Richard Ott sagte:

      @Gnomae

      „Auch hier gibt es keine Chance, dass die Aktien jemals einen Liquidationserlös auszahlen werden, selbst wenn die Gläubigerbanken den Geschäftsbetrieb fortführen könnten. Verbleibt die einzige Frage, wie sich die Leerverkäufer wieder eindecken können, wenn keiner mehr verkauft.“

      Schauen Sie sich doch den aktuellen Kurs an. Alles über 0 Euro ist ein super Verkaufspreis für ein insolventes Unternehmen. Wenn ich Wirecard-Aktien hätte, würde ich die sofort anbieten.

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      Jacques sagte:

      Es geht doch schon gar nicht mehr um die Insolvenzmasse der Wirecard AG. Die Investoren wollen das Ex-Management im Knast und finanziell ruiniert sehen.
      Wem es wirklich an den Kragen geht, ist EY. Dieser Fall wird die ganze Wirtschaftsprüfungsbranche umkrempeln!
      Bei vergleichbaren Fällen sind sehr hohe Schadensersatzleistungen von Seiten der Wirtschaftsprüfer zu leisten gewesen. Nur in dieser Größenordnung hatten wir schon lange keinen Fall mehr. EY kann also schonmal Rückstellungen bilden…

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    Gregor_H sagte:

    Hr. Dr. Stelter, Ihre Kritik an den Tätern und Mittätern an diesem Skandal ist sicher sehr berechtigt.

    Als vorsichtiger Investor in Sachwerte sage ich aber:
    „Was juckt mich Wirecard, wenn ich im Vanguard FTSE All-World ETF investiert bin.“

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      Bernhard-Albrecht Roth sagte:

      @ Gregor_H

      „Was juckt mich Wirecard, wenn ich im Vanguard FTSE All-World ETF investiert bin.“

      Mit dieser Einstellung sind Sie nicht allein, denn viele fangen erst an sich für etwas zu interessieren, wenn sie persönlich betroffen sind. Das ist das Problem eines Systems das Geld über den Menschen stellt. Die Folge: Geld verdirbt nicht nur den Charakter, wie der Volksmund sagt, sondern zerstört/unterdrückt vor allem die Empathiefähigkeit, die den Menschen erst zu einem sozialen Wesen macht.

      Beste Grüße,
      Bernhard-Albrecht Roth

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        Rolf Peter sagte:

        Mangelnde Empathie ist hier nicht der Punkt. Gregor_Hs Portfolio ist breit gestreut und daher (zwar nicht immun gegen aber weitgehend) geschützt vor Zusammenbrüchen einzelner Unternehmen, unabhängig davon, aus welchem Grund der Zusammenbruch erfolgt. Es ist also eine Frage der Anlagestrategie. Der Fall DWS Deutschland illustriert, dass man auch „professionell“ gemanagten Fonds nicht trauen kann.
        Lehre fuer den „Normalanleger“: Breit streuen durch Indexfonds.

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        Gregor_H sagte:

        @B.-A. Roth
        „Das ist das Problem eines Systems das Geld über den Menschen stellt.“
        Wer ist bereit dieses System zu ändern? Wer schreitet zur Tat?

        „Die Folge: Geld verdirbt nicht nur den Charakter, wie der Volksmund sagt, sondern zerstört/unterdrückt vor allem die Empathiefähigkeit, die den Menschen erst zu einem sozialen Wesen macht.“
        Sollen wir „Geld“ also abschaffen?

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        Bernhard-Albrecht Roth sagte:

        @ Rolf Peter

        Natürlich geht es hier um Empathie, wenn jemand die Aufarbeitung des Bilanzskandals von Wirecard durch Dr. Stelter damit kommentiert, dass ihn das gar nicht interessiert, weil er keine Wirecard-Aktien hat. Eine spezielle Form von Humor kann ich hier aber nicht ausschließen!

        @ Gregor_H

        „Wer ist bereit dieses System zu ändern? Wer schreitet zur Tat?“

        Ein breites Bewusstsein über die Zerstörung/Unterdrückung der Empathiefähigkeit ist dafür die Voraussetzung!

        Beste Grüße,
        Bernhard-Albrecht Roth

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        Gregor_H sagte:

        @B.-A. Roth
        Sagen Sie, sind Sie irgendwie verwandt mit dem Bernhard-Albrecht Roth der auf der Website „Inflationssschutzbrief.de“ schreibt:

        „Jedoch ist es unumgänglich, mit einem kleinen Anteil des Kapitals spekulativ zu agieren, weil es sonst unmöglich ist, attraktive Zinsen zu erwirtschaften.“

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        Bernhard-Albrecht Roth sagte:

        @ Gregor_H

        Der von Ihnen zitierte Satz stammt zwar nicht von mir, aber ich verantworte ihn natürlich, da ich die Website betreibe. Auf die Erklärung, was das mit der hier geführten Diskussion zu tun haben soll bzw. wieso Sie darin eine vermeintliche Doppelmoral zu erkennen glauben, bin ich wirklich gespannt!

        Beste Grüße,
        Bernhard-Albrecht Roth

      • Avatar
        Gregor_H sagte:

        @B.-A. Roth
        Wer auf einer öffentlich zugänglichen Website unter dem Titel
        „Lösung des Altersvorsorge-Problems“
        seinen Besuchern ernsthaft ein Portfolio präsentiert, das aus
        „50% physischen Edelmetallen, 33,33% Minenaktien und 16,66% Optionsscheinen“ besteht, das
        „in 5 Jahren und 11 Monaten eine Wertsteigerung von 160,91% erzielt habe“ und daher
        „eine hohe Sicherheit für das Investitionskapital gewährleiste“,
        der spricht ernsthaft davon, daß „Geld den Charakter verdirbt“?

      • Avatar
        Bernhard-Albrecht Roth sagte:

        @ Gregor_H

        Falls Sie es nicht bemerkt haben sollten: Ihre Ausführung implizieren, dass nur der berechtigt ist eine Charakter-Debatte zu führen oder auf eine Zerstörung/Unterdrückung der Empathiefähigkeit hinzuweisen, der sich nicht mit Kapitalanlage beschäftigt!

        Das ist doch etwas billig, finden Sie nicht?

        Sie hätten besser die „Philosophie“ dieser Website gelesen, anstatt nach Belastungsmaterial für eine Doppelmoral zu suchen, denn dann wären Ihnen folgende Passagen sicherlich aufgefallen:

        „Wir haben in den letzten Jahren immer wieder Zuschriften erhalten, die uns vorhalten, einerseits das Geldsystem zu kritisieren, andererseits Anlagestrategien zu veröffentlichen. In einer durch die großen Medien auf Schwarz-Weiß Denken konditionierten Gesellschaft, ist es nicht zielführend, wenn nur das kritisiert werden darf, was selbst anders oder vermeintlich besser gemacht wird. Denn es gibt einfach Rahmenbedingungen, wie das Geldsystem, denen sich niemand entziehen kann, auch wenn er es gerne möchte.“

        „Das gilt besonders für die Kapitalanlage zum Aufbau einer privaten Altersvorsorge, die jeder irgendwann braucht, weil die gesetzliche Rente immer weiter absinkt. Jeder der diese Tatsache ignoriert und noch länger arbeiten muss, wird im Alter von einer gesetzlichen Mindestrente leben müssen, die nur noch das Existenzminimum abdeckt.“

        Siehe: http://inflationsschutzbrief.de/ueber-uns/philosophie/

        Beste Grüße,
        Bernhard-Albrecht Roth

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        Gregor_H sagte:

        @B.-A. Roth
        „…. schwurbel, schwurbel, Philosophie, schwurbel, …“

        Wer hochriskante ZOCKERPORTFOLIOS öffentlich als ALTERSVORSORGE präsentiert, der soll nicht mit „Empathie-“ und „Geld-verdirbt-den-Charakter“-Steinen werfen.

    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Gregor_H

      „Was juckt mich Wirecard, wenn ich im Vanguard FTSE All-World ETF investiert bin.“

      Die Amerikaner würden sagen: „there’s never just one cockroach in the kitchen“ – die restlichen sehen Sie bloß noch nicht…

      Antworten
      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Gregor_H

        Sicherlich nicht alle. Aber gerade bei den von E&Y testierten Bilanzen lohnt es sich bestimmt, ein wenig skeptischer hinzuschauen.

      • Avatar
        Daniel Winter sagte:

        Das Problem bei Zerohedge ist, dass dort immer extrapoliert wird. Einmal Flashcrash? Dann gibts 100 Artikel über den „nächsten Flashcrash“. Griechenland geht den Bach runter? 100 Artikel über das „nächste Griechenland“. Jetzt Wirecard und E&Y. Von der Vergangenheit kann man leider nicht mit dem Lineal auf die Zukunft schließen.

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        Richard Ott sagte:

        @Daniel Winter

        Mag ja sein, Zerohedge ist genau so grundlegend bärisch eingestellt wie CNBC bullish ist – oder die ARD merkeltreu mit linksgrünen Kulturrevolutions-Ambitionen. So hat jedes Medium seine Sichtweise – aber Zerohedge geht wenigstens ehrlich damit um und beschimpft auch sein Publikum nicht oder will es umerziehen, wenn es eine andere Sichtweise hat.

        „Von der Vergangenheit kann man leider nicht mit dem Lineal auf die Zukunft schließen.“

        2001 gab es in den USA einen ähnlichen Skandal wie jetzt mit Wirecard. Der Großkonzern, der damals seine Bilanzen fälschte, hieß „Enron.“

        Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, die damals die Enron-Bilanzen testierte, hieß „Arthur Andersen LLP“:

        „Als Ergebnis der Verstrickung im Enron-Skandal 2002 stellte die Gesellschaft für die Zeitdauer des Strafverfahrens freiwillig den Betrieb ein. Aufgrund der Anweisungen von Firmenjuristin Nancy Temple und David Duncan (Chef des Andersen-Büros in Houston) wurden Unterlagen des Enron-Konzerns vernichtet, obwohl die Mitarbeiter von Arthur Andersen bereits von der Aufnahme einer SEC-Untersuchung gegen Enron informiert waren. Von einer Jury in Houston wurde die Firma deshalb der Behinderung der Justiz schuldig gesprochen. Dieser Schuldspruch hätte einen Entzug der CPA-Lizenzen nach sich gezogen. Dieses Urteil wurde allerdings am 1. Juni 2005 vom Obersten US-Gerichtshof in Washington, D. C. wieder aufgehoben.“

        Und wissen Sie, wie es mit der deutschen Abteilung von Arthur Andersen weiterging? Superlustig:

        Die einzelnen Landesgesellschaften trennten sich kurz nach dem Urteil von der weltweiten Andersen-Organisation und fusionierten mit unterschiedlichen Unternehmen, die meistens zu den heutigen Big Four gehörten. In Deutschland fusionierte der größte Teil des Unternehmens mit Ernst & Young.“
        https://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_Andersen

        Aber Sie haben natürlich recht, das ist alles reiner Zufall.

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        Jacques sagte:

        @Richard:

        Der beteiligte Ex-Partner bei EY Andreas Loetscher ist heute Chief Accounting Officer bei der Deutschen Bank AG ;)

        Die Story mit Arthur Andersen kennt in der Finanzbranche jeder.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Jacques

        „Der beteiligte Ex-Partner bei EY Andreas Loetscher ist heute Chief Accounting Officer bei der Deutschen Bank AG ;)“

        Dieses Detail kannte ich noch gar nicht! Das ist ja noch viel schöner als ich es mir hätte vorstellen können. ;)

  10. Avatar
    AJ sagte:

    bto: „Ordentliche Prüfung sieht anders aus.“

    Sicher, die ganze Sache wirft eine Menge Fragen auf. Aber zum jetzigen Zeitpunkt ohne Kenntnis des genauen Sachverhaltes, dem Prüfer Vorwürfe zu machen, ist auch nicht gerade fair.
    Sollte es tatsächlich so sein, dass übre Jahre hinweg keine externen Bestätigungen über diese Gelder angefragt wurden, wäre das in der Tat ein großes Versäumnis. Allerdings gebe ich mal zu bedenken, dass es aus Sicht eines Prüfer überhaupt keinen Sinn ergäbe. Diese externen Bestätigungen liefern bei minimalem Aufwand (eine Anfrage versenden und die Antwort auswerten) eine hohe Prüfungssicherheit. Warum also sollte man das nicht tun? Ausserdem ist zu bedenken, dass es sich um eine Konzernabschlussprüfung handelt und die Gelder nach meinem Verständnis nicht für Rechnung des deutschen Mutterhauses gehalten wurden, sondern in einer asiatischen Tochtergesellschaft. An der STelle wäre dann sehr wahrscheinlich auch der lokale Prüfer mit im Boot. Auf Basis der vorligenden Informationen ist es unmöglich zu beurteilen, ob überhaupt ein Fehler gemacht wurde (aus der Tatsache, dass der Abschluss falsch ist, kann NICHT auf ein Fehlverhalten des Prüfers geschlossen werden) und falls ja, an welcher Stelle der unterlaufen ist, ungeachtet der Gesamtverantwortung des Konzernprüfers.

    Antworten
    • Avatar
      markus sagte:

      @AJ:Wenn der Prüfer gar kein „skin“ im „game“ hat, dann haben Sie Recht. Aber ob dann das Prüfen überhaupt sinnvoll ist, lässt sich stark bezweifeln.

      Antworten
  11. Avatar
    Richard Ott sagte:

    Wirecard hätte deutlich mehr Geld and CDU und SPD spenden und diverse Aufsichts- und Beiräte als Gnadenhöfe für abgehalfterte Parteipolitiker*innen zur Verfügung stellen müssen. Dann wäre der Betrug nie aufgeflogen oder es hätte zumindest ein schönes Rettungspaket ala Lufthansa gegeben.

    Was für Amateure.

    Antworten
  12. Avatar
    Wolfgang Selig sagte:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,

    Ihr Artikel ist durchaus richtig, lässt aber m.E. einen wichtigen Akteur vermissen: die Medien. Wo waren denn die Wirtschaftsredaktionen der deutschen Tages- und Wochenzeitungen, die investigativen „Magazine“, die Anlegerzeitschriften, die Fernsehredaktionen und die einschlägigen Fachblätter? Die FT diskutiert die Probleme als ausländisches Blatt seit Jahren! und niemand aus den deutschen „Fachmedien“ recherchiert der Geschichte gründlich hinterher. Auch das gehört meiner Meinung nach dort mit zur Verantwortung. Zwar nicht zur juristischen, wie bei Bafin oder Wirtschaftsprüfern, aber zur gesellschaftlichen und zur beruflichen.

    Daher müssen nicht die Gesetze geändert werden, sondern das gesellschaftliche Klima. Transparenz und Kritikfähigkeit müssen stets geübt werden. Ohne geht es nicht. Wohl dem Land, das eine FT oder eine FuW hat…

    Mir ist klar, dass man als Kolumnist seinen eigenen Auftraggebern schlecht Vorhaltungen machen kann, aber ich spreche auch nicht vom Versagen eines bestimmten Blattes, sondern von der ganzen Zunft. Finanzielle Bildung ist nicht nur im Volk Mangelware, sondern auch in den Anleger- und Börsenredaktionen, wobei ich schlecht beurteilen kann, wie die Sparorgien der vergangenen Jahre und der Druck der Anzeigenabteilungen sich in jüngster Zeit auf das Arbeitsumfeld dieser Redakteure ausgewirkt haben.

    Antworten
    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Herr Selig

      „Wo waren denn die Wirtschaftsredaktionen der deutschen Tages- und Wochenzeitungen, die investigativen ‚Magazine‘, die Anlegerzeitschriften, die Fernsehredaktionen und die einschlägigen Fachblätter?“

      Hahaha. Buchprüfung, Zahlen und die ganze Mathematik sind doch Konstrukte von alten, weißen Männern. Unsere Zeitungen beschäftigen lieber Menstruations- und Rassismusexpert*innen sowie alle möglichen anderen Berufsopfer.

      Hier ein schönes Beispiel dafür, wie sich „Der Spiegel“ inhaltlich die Zukunft des Journalismus vorstellt:

      https://www.bento.de/gefuehle/offene-beziehung-und-coronavirus-so-schwierig-ist-die-liebe-zu-dritt-derzeit-a-0c59af53-6f36-4cc3-918d-5bb4f9e491c7

      (Bento wird übrigens im Herbst wegen anhaltender Verluste eingestellt – mir ist völlig unverständlich, warum…)

      Antworten
      • Avatar
        Wolfgang Selig sagte:

        @Herrn Ott:

        Nichts für ungut, Herr Ott, aber das ist mir etwas zu populistisch. Bento ist etwas für spätpubertierende Redakteure und Leser, aber selbst nach eigenem Bekunden kein Wirtschaftsfachblatt, sondern für junge Leute in der beruflichen und privaten Findungsphase des Lebens. Ich dachte eher an Handelsblatt, Börsenzeitung, Capital, Börse online, die Wirtschaftsredaktionen der großen Tageszeitungen wie FAZ oder SZ bzw. auch diverse Fernsehredaktionen. Da gibt es durchaus Leute, die auch mal eine Bilanz lesen können oder einen Anhang zum Jahresabschluss und den Bundesanzeiger nicht für einen Podcast der Kanzlerin halten. Es ist vermutlich schon richtig, was Thomas M. schreibt: die Angst vor Klagen verhindert die Beschäftigung mit wirklich heißen Eisen.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Wolfgang Selig

        „Bento ist etwas für spätpubertierende Redakteure und Leser, aber selbst nach eigenem Bekunden kein Wirtschaftsfachblatt, sondern für junge Leute in der beruflichen und privaten Findungsphase des Lebens.“

        Oh, auf den Bitcoin-Hype Ende 2017 ist bento auch mit aufgesprungen – wobei das auch wieder ein Indiz für die Inkompetenz der Redakteure bei Wirtschaftsthemen ist.

        https://www.bento.de/gadgets/bitcoin-kaufen-schritt-fuer-schritt-anleitung-a-00000000-0003-0001-0000-000001918897

        Und als großer Bento-Fan erinnere ich mich auch an Artikel wie „Ich habe mit 18 meine erste Aktie gekauft – das habe ich seitdem gelernt“, natürlich brauchten Wirtschaftsthemen immer den bento-Dreh, dass es in dem Artikel im Wesentlichen um die Gefühle von idealerweise einer jungen schwarzen lesbischen Frau mit Migrationshintergrund zu dem Thema gehen sollte und „was das mit uns als Generation macht“. Ich verstehe immer noch nicht, wieso die pleite gegangen sind… ;)

        „Es ist vermutlich schon richtig, was Thomas M. schreibt: die Angst vor Klagen verhindert die Beschäftigung mit wirklich heißen Eisen.“

        Wenn die Angst vor Klagen und den damit verbundenen finanziellen Risiken die wesentliche Abschreckung wäre, dann müsste unser öffentlich-rechtlicher Gemeinwohlrundfunk eigentlich eine ganze Investigativ-Abteilung unterhalten, die solche Themen recherchiert.

        Mit garantierten steuerähnlichen Beitragseinnahmen von über 8 Milliarden Euro pro Jahr und einer mit Juristen vollgestopften Organisationsstruktur sollte man Prozessrisiken sehr gelassen entgegensehen können.

        Das Problem ist das Wollen (oder die Blödheit), nicht die Angst.

    • Avatar
      Thomas M. sagte:

      @Hr. Selig: Im englischsprachigen Raum gab es wohl auch Investment-Blogger, die sich schon vor zig Jahren an das heiße Eisen ran gewagt hatten. Diese wurden aber wohl von Wirecard juristisch angegangen. Und die FT wurde ja auch umgehend verklagt. Zumindest denkbar ist, dass sich der ein oder andere Verlag in diesem Klima nicht ran gewagt hat – vor allem wenn die Kasse eh klamm ist.

      Hinzu kommt, dass es auch Nestbeschmutzung wäre: Da hat Deutschland mal einen digitalen Champion und die deutsche Presse mosert wieder? Könnte auch eine Rolle gespielt haben, sich zurückzuhalten.

      Die FT war am Ende als einzige mutig genug und hat den Druck ausgehalten. Das gereicht ihr zur Ehre. Ich dachte damals auch noch spontan „och, jetzt machen die Angelsachsen wieder was von uns madig“.

      Am Ende des Tages weiß man nie, ob was dran ist. Daher: Streuen, streuen, streuen.

      Als Laie frage ich mich nun aber wirklich: Da wird doch alles Mögliche auf Punkt und Komma geprüft bei Unternehmen und dann kommt Wirecard mit Milliarden-Betrug durch? Wenn das keine Mega-Fail ist, was denn bitteschön dann?

      Antworten
      • Avatar
        troodon sagte:

        @Thomas M. + Wolfgang Selig
        Die WiWo hatte etliche Male das Thema Wirecard,schon vor etlichen Jahren…
        Kann mich noch gut daran erinnern, die Artikel in der WiWo gelesen zu haben und dachte mir, was ist denn das für ne Klitsche…Tja, einige Wochen später stand der Aktienkurs schon wieder höherer und stieg immer weiter, Wirecard kam letztlich in den DAX und jeder Zweifler hatte sicher selbst seine Zweifel, ob er richtig recherchiert hatte, denn das konnte jeder letztlich nur recht oberflächlich… Und zu denken, dass man so viel schlauer ist als die anderen ist an der Börse meist gefährlich. Ausnahmen bestätigen die Regel…

        „Diese wurden aber wohl von Wirecard juristisch angegangen.“
        Genau,welcher Blogger oder welcher Journalist will sich dem schon dauerhaft aussetzen. Denn eine 100% Garantie, dass die richtig liegen, gab es nun einmal auch nicht…
        Trotzdem ist dies hier lesenswert :https://valueandopportunity.com/2020/06/19/wirecard-the-german-enron-a-very-personal-history-2008-2020/

        P&R Container hat sich auch viele Jahre mit den Betrügereien im großen Stil durchmogeln können, obwohl es auch dort genügend Fragezeichen und Ungereimtheiten gab…

        Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.

        Tja,so ähnlich wird es auch mit den Ansichten/Prognosen von Dr.Stelter sein, irgendwann geht dann alles ganz schnell. Die Frage ist nur wann…

    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Wolfgang Selig

      Die Journaille ist wie die Bluthunde immer auf einer heißen Spur.

      Denn das steigert die Auflage.

      Aber es muss ein Thema sein, dass eine kritische Masse als Resonanzboden braucht.

      Bei den ehemals mehr als 90%, jetzt vielleicht so um die 90% der Deutschen, die KEINE Aktien besitzen, bringt Bilanzbetrug nicht viel – anders als in der angelsächsischen Welt, wo viele betroffen sein können.

      Insofern ist nur zu verständlich, dass nicht das große Fass aufgemacht wurde, zumal man sicher auch nicht so viel Genaues wusste, um einen verlorenen Prozess um satte Schadenersatzansprüche hätte verdauen können.

      JETZT ist natürlich alles anders:

      Ein Dax-Unternehmen, verheißungsvoller deutscher IT-Champion, Mrd.-Betrug mit der Duftnote „versickert auf Konten in Asien“ und – das Sahnehäubchen obendrauf – Aufsichts- und Politikversagen.

      Diese Brühe ist nahrhaft, da lässt sich gut herumrühren.

      Antworten
      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Insofern ist nur zu verständlich, dass nicht das große Fass aufgemacht wurde, zumal man sicher auch nicht so viel Genaues wusste, um einen verlorenen Prozess um satte Schadenersatzansprüche hätte verdauen können.“

        Kaum zu glauben, nicht wahr? Wenn Sie als Journalist aufdecken, dass ein Großkonzern massiv bei seiner Bilanz betrügt, dann gibt es Ärger. Also lieber einen Artikel übers Wetter schreiben oder die neuesten Katzenvideos rezensieren.

        Tja, und dann wundern sich die Leute, warum die größten investigativen Journalisten unserer Zeit Edward Snowden und Julian Assange sind – und die von unseren Clickbait-Müll und Regierungspropaganda produzierenden Haltungsjournalisten gehasst werden…

      • Avatar
        Wolfgang Selig sagte:

        @Herrn Tischer:

        Na ja, die Brühe wäre für den ersten aufdeckenden Journalisten schon besonders nahrhaft gewesen, aber halt nur, wenn er sich traut und der Chef ihn auch lässt. Früher wäre das m.E. ein Job für den Spiegel oder Herrn Leyendecker von der SZ gewesen, aber die Zeiten sind wohl vorbei. Schade.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Schon richtig.

        Aber bedenken Sie bitte auch, dass ein Vergehen praktisch NACHGEWIESEN werden muss, wenn die Journaille Machenschaften bei einem UNTERNEHMEN aufdeckt.

        Wenn das nicht gelingt, sondern nur ein Verdacht geäußert wird, an dem letztlich nichts dran ist, können immense Schadenersatzforderungen auf den Verlag zukommen.

        Auch gekonnte Recherche ist davor nicht gefeit.

        Wenn dagegen in der Politik etwas aufgedeckt wird, sagen wir mögliche kostenspielige Scheuer-Manöver bei den Mautverträgen oder Versagen bei v. der Leyen im Verteidigungsministerium, haben nicht bewiesene Anschuldigen kaum finanzielle Konsequenzen.

        Denn das fällt dann unter den hochgelobten „investigativen Journalismus“.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Wenn das nicht gelingt, sondern nur ein Verdacht geäußert wird, an dem letztlich nichts dran ist, können immense Schadenersatzforderungen auf den Verlag zukommen.“

        Soweit ich weiß, wurden die angeblich existierenden Wirecard-Barguthaben auf den Treuhänderkonten in Singapur und später den Philippinen jahrelang nicht von den Wirtschaftsprüfern überprüft. Das hätten Journalisten problemlos äußern können ohne Rechtsrisiken einzugehen (weil es ja Tatsachen waren) – und Wirecard schon alleine damit in extreme Erklärungsnot gebracht.

        „Wenn dagegen in der Politik etwas aufgedeckt wird, sagen wir mögliche kostenspielige Scheuer-Manöver bei den Mautverträgen oder Versagen bei v. der Leyen im Verteidigungsministerium, haben nicht bewiesene Anschuldigen kaum finanzielle Konsequenzen.“

        In der Politik haben auch bewiesene Anschuldigungen keine finanziellen Konsequenzen, zumindest keine negativen. Grüße gehen raus an unsere Berater-Uschi, die jetzt der EU-Kommission vorsteht.

    • Avatar
      John Leontop sagte:

      @wolfgang selig; Sehr richtig; hinterher wissen es alle; aber warum hat sich vorher niemand entsprechend geäußert? Dies zeigt die geringe Qualifikation fast aller Wirtschaftsjournalisten in Deutschland; was dort zu einzelnen Unternehmen (und deren Finanzprofil) manchmal kommentiert wird ist teilweise haarsträubend; (es scheint tatsächlich zu wenig alte weise Männer zu geben) Interessant wäre auch, welcher der Diskutanten hier Wirecard Aktien (direkt) hatte;

      Antworten
  13. Avatar
    Seuchenvogel sagte:

    Wirecard ist das Sinnbild eines Zombieunternehmens.

    Obwohl es seit Jahren fundierte Vorwürfe gegen das Unternehmen gibt, konnten sie sich noch mit Milliarden an Bankkrediten und einem 500 Mio Euro Bond zu 0,5% p.a vollsaugen. Ihre Paymentdienste konnten sie nur durch einen aggressiven Preiskampf im Markt etablieren.

    Und selbst bis zum Schluss wollten die Banken nicht den Kreditstecker ziehen, um nur nichts abschreiben zu müssen.

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    • Avatar
      AJ sagte:

      Was hätten denn die Banken jetzt anders machen sollen? In der gegebenen Situation die Kredit zu kündigen, hätte die sichere Insolvenz zur Folge gehabt mit einer hohen Wahrscheinlichkeit eines Totalverlustes – ausgelöst durch die eigene Kündigung. Da ist es doch allemal besser, eine Fortführung des Unternehmens zumindest nicht aktiv zu verhindern.

      Antworten

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