Die Krisen im System – Eigentumsökonomik IV

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Dieser Beitrag erschien zum ersten Mal am 5. Februar 2014 bei bto. Fassen wir die bisherigen Aussagen zur Eigentumsökonomik zusammen: Die Revolutionäre, die nach Beseitigung der Unterdrückung durch die Feudalherren eine Gesellschaft von Gleichen schaffen wollten, legten in Wahrheit die Grundlage für eine Gesellschaft, die zunehmend ungleicher werden musste. Erfolglose Bauern verloren über die Zeit ihr Eigentum und endeten als Sklaven bei ihren früheren Kreditgebern. Erfolgreiche Bauern erlangten Kontrolle über immer größere Ländereien. Es kam zu einer erheblichen Vermögenskonzentration. In der Folge nahmen wirtschaftliche Dynamik und Innovationsfreude wieder ab, da diese neuen Großgrundbesitzer durch ihre Ländereien über sichere Erträge verfügten und so weniger Druck vorhanden war, nach neuen Lösungen zu suchen. Und wer wieder Sklave war, hatte ohnehin keinen Anreiz, innovativ zu sein. Das Wachstum ging zurück, und es war nur eine Frage der Zeit, bis es aufgrund der ungleichen Verteilung von Vermögen und dem nachlassenden Wachstum zu sozialen Unruhen kam, die wiederum zu einer Neuverteilung des Eigentums und damit quasi zu einem Neustart des Systems führte. Schon im antiken Griechenland war man sich dieses Problems bewusst, und versuchte durch Beleihungsgrenzen sicherzustellen, dass die Schuldner sich nicht übernahmen – doch dies führt nur zu einer Verlangsamung, nicht zu einer Verhinderung einer weitergehenden Vermögenskonzentration. Aus dem gleichen Blickwinkel muss man auch Versuche sehen, Zinsen zu verbieten, um diese Dynamik zu brechen. Doch auch wenn der Zins in einigen Religionen abgeschafft wurde, wurde er durch die Hintertür immer wieder eingeführt. Da Eigentümer immer eine Entschädigung für die zeitweilige Überlassung von Eigentum haben wollen, wird der Zins zum Beispiel als Kursgewinn bei Rückzahlung des Kredites verkleidet. In der heutigen Zeit ist dieser Prozess insofern verlangsamt, als sowohl das Steuer- wie auch das Sozialsystem zu einer kontinuierlichen Umverteilung führen und deshalb die Vermögenskonzentration nicht mehr so schnell erfolgt wie in der Vergangenheit. Ein weiterer Grund für Krisen in diesem System ist die temporäre Überbewertung von Vermögenswerten. In der Vergangenheit gab es viele derartige Überbewertungen, die auch „Blasen“ genannt werden. „Blasen“ deshalb, weil der Preiseinbruch überraschend erfolgt und sehr stark ausfällt. Berühmt sind die Tulpenblase im Holland des 17. Jahrhunderts, wo das ganze Land auf einen ewigen Preisanstieg der Tulpenzwiebel spekulierte und der Börsenboom der 20er-Jahre, der bekanntlich mit dem Crash von 1929 den Auftakt zur Großen Depression lieferte. Werden diese überbewerteten Vermögenswerte als Sicherheiten für Kredite genommen – und das werden sie, denn nur dann ist eine weitere Nachfrage mit weiter steigenden Preisen überhaupt möglich, kommt es unweigerlich zu einer Krise, wenn die Blase platzt. Die Sicherheiten für die Kredite sind weg und ein schwerer Wirtschaftseinbruch unvermeidlich. Der Staat kann in diesem Fall einspringen und sich selbst verschulden, um Nachfrage zu schaffen und es damit den Schuldnern zu erleichtern, ihr Geld zurück zu verdienen. Aber auch dies geht nur in Maßen, steht doch hinter der Schuldenfähigkeit des Staates nichts anderes als die Fähigkeit von eben diesen Schuldnern, seinen Bürgern, Geld in Form von Steuern zu fordern. Doch das ist riskant, wie Heinsohn und Steiger prägnant ausführen: Entweder sind die privaten Eigentümer zu diesem Zeitpunkt zu hoch verschuldet oder haben keine Aussicht, eine weitere Verschuldung nebst den Zinsen darauf verdienen zu können, weshalb sie eben auch kein weiteres Eigentum für eine solche Verschuldung verpfänden. Werden in der gleichen Situation Staatspapiere ausgegeben, setzt die öffentliche Macht dieses wohlbegründete Kalkül außer Kraft. Sie haftet mit dem Eigentum der Bürger, mit dem diese selbst aus ökonomischen Gründen nicht mehr zu haften bereit sind. Im Ergebnis wird also für die Staatspapiere mit einem Eigentum gehaftet, ohne dass deren tatsächliche Schuldner dabei wären, die Zinsen auf diese Papiere auch wirklich durch Produktion und Verkauf zu verdienen. Die Folge: Die Schulden steigen schneller als das Bruttosozialprodukt und können nicht ordentlich bedient werden. Das trifft auch heute zu. Nach einem Boom kam es zu einer Entwertung überbewerteter Vermögenswerte und daran anschließend zu Problemen bei den Banken als Kreditgebern, weil deren Forderungen, also die Kredite und die darunter liegenden Sicherheiten, deutlich an Wert verloren. Sie hatten Schwierigkeiten sich zu finanzieren, waren also nicht mehr liquide, was daran lag, dass die Kreditgeber der Banken bezweifelt haben, dass die Banken überhaupt noch beleihbares Eigenkapital hatten. In den Augen der Kreditgeber waren die Banken also „insolvent“, zu Deutsch: pleite. Die Staaten sprangen ein und versuchten, den Einbruch abzuwenden, allerdings mit dem Ergebnis weiter steigender Schulden, deren ordnungsgemäße Rückzahlung angesichts der bestehenden hohen Schulden fraglich ist. Es ist kein Wunder, dass verzweifelt nach Auswegen gesucht wird, sei es in Form von Zentralbankinterventionen, um die Vermögenswerte zu erhöhen und die Zinsen zu senken oder durch die Beschaffung von Geld bei anderen Ländern, die noch nicht so hoch verschuldet sind, wie in der Eurozone gut zu beobachten. Im Kern erfolgt dabei jedoch nur die weitere Belastung von Schuldnern, die am Ende ihrer Schuldentragfähigkeit – ihrer Beleihungsgrenze – angekommen sind. Dass dies nicht gut gehen kann, dürfte mit Blick auf die Geschichte nur zu deutlich werden. → Schulden sind gut ‒ Eigentumsökonomik IVom Kredit zum Zins ‒ Eigentumsökonomik IIVom Zins zu Geld und Banken ‒ Eigentumsökonomik III

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