8 – Ökonomischer Nutzen der Zuwanderung

Im weiteren Verlauf der Diskussion mit Professor Bofinger ging es dann um die ökonomischen Folgen der Zuwanderung. Wenn wir Menschen aus anderen Gründen (z. B. humanitären) zuwandern lassen, so hat dies eine entsprechend konsumtive Wirkung. Wir teilen unseren Wohlstand und unsere Einkommen mit diesen Menschen, dürfen uns aber keinen ökonomischen Nutzen versprechen.

Nun zu den Anforderungen einer ökonomisch sinnvollen Einwanderung, die dazu dient, den Wohlstand zu erhalten und den Sozialstaat weiter zu finanzieren. Dies setzt mehrere Annahmen voraus:

  • Die Zuwanderer sind im Schnitt so produktiv wie die bereits hier lebende Bevölkerung. Das bedeutet eine ähnlich hohe Erwerbsbeteiligung und ein Einkommen auf dem durchschnittlichen Niveau der heute schon hier lebenden Bevölkerung. Liegen Erwerbsbeteiligung und/oder Einkommen darunter, ist diese Anforderung nicht erfüllt und die Zuwanderung aus finanzieller Sicht ein Zuschuss-Geschäft.
  • Die Integration funktioniert problemlos.
  • Da auch Zuwanderer alt werden, ist die weitere zwingende Annahme, dass es auch in Zukunft gelingt, im globalen Wettbewerb jene Zuwanderer anzuziehen, die den oben genannten Kriterien entsprechen.

Leider muss man feststellen, dass die Zuwanderung nach Deutschland diese Anforderung nicht erfüllt hat. Schon 2014 erschien eine von der Bertelsmann-Stiftung in Auftrag gegebene Studie, die zeigte, dass die bisherige Art der Zuwanderung nach Deutschland diesen Ansprüchen nicht genügt: „Stellt man alle allgemeinen Staatsausgaben, etwa für Verteidigung oder Straßenbau, mit in Rechnung, schlägt für jeden hier lebenden Ausländer ein langfristiges Staatsdefizit von 79.100 Euro, für jeden hier lebenden Deutschen von 3100 Euro zu Buche. Wegen dieses Defizits weist das Staatsbudget, wenn nicht gehandelt wird, langfristig eine Tragfähigkeitslücke von fast 150 Prozent des Bruttoinlandsprodukts auf.“[1] Konsequent fordern die Autoren der Studie einen besonderen Fokus auf qualifizierte Zuwanderer: „Eine Wiederholung der Gastarbeitereinwanderung ist weder hinsichtlich der erwähnten Tragfähigkeitslücke noch mit Blick auf den Arbeitsmarkt im 21. Jahrhundert ökonomisch sinnvoll. Wissend um die schon erwähnten demografischen Entwicklungen, ist es mit Blick auf die Wohlstandssicherung in Deutschland hingegen sinnvoll, ja geradezu geboten, qualifizierte Einwanderer ins Land zu holen.“

Doch genau dies haben wir nicht getan. Die Zuwanderer im Zuge der Flüchtlingskrise erfüllen diesen Anspruch noch weniger als die Gastarbeiter früherer Zeiten. Zudem kamen sie in großer Zahl innerhalb eines kurzen Zeitraumes aus genau jenen Regionen, deren Zuwanderer schon bisher eine besonders geringe Erwerbsbeteiligung und ein tiefes Lohnniveau aufweisen. Es gibt keinen Grund zur Annahme, dass sich die Neu-Zuwanderer hier unterscheiden.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt die OECD im Ländervergleich:

Abb. 11: Fiskalischer Deckungsbeitrag negativ

Quelle: OECD, Citi

Diese Analyse zeigt, dass Deutschland einen besonders schlechten Mix an Zuwanderern anzieht. Das Positivbeispiel ist die Schweiz, die überproportional gut ausgebildete Zuwanderer – Beispiel: deutsche Ärzte – anzieht und deshalb einen erheblichen fiskalischen Zugewinn durch die Zuwanderer erzielt.

Das zeigen auch andere Daten, beispielsweise die Entwicklung der Armut in Deutschland. Dazu die Fakten:

  • Als „arm“ gilt, wer weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens verdient.
  •  Laut OECD ist Deutschland das Land mit dem geringsten Armutsrisiko.
  • Laut Statistischem Bundesamt ist die Armutsquote von 12,6 Prozent (2005) auf 13,9 Prozent (2014) gestiegen.
  • Bei der Bevölkerung ohne Migrationshintergrund liegt das Risiko bei 11,3 Prozent.
  • Bei Menschen mit „direktem Migrationshintergrund“ liegt das Risiko bei 22,2 Prozent.
  • Bei jenen mit „indirektem Migrationshintergrund“ liegt das Risiko bei 16,1 Prozent.
  • Bei Annahme gleicher Armutsquoten der Bevölkerungsgruppen wie im Jahre 2014 genügt ein Anstieg des Anteils der Bevölkerung mit Migrationshintergrund von 22 auf den heutigen Wert von 25,6 Prozent, um den Anstieg der Gesamt-Armutsquote seit 2005 zu erklären.

Beispielhaft zeigt dies auch die Entwicklung der Kinderarmut in Deutschland, die zuletzt rein zuwanderungsbedingt angestiegen ist:

Abb. 12: Kinderarmut in Deutschland

Quelle: SPIEGEL

Damit ist Armut zunehmend die Folge der Zuwanderung und diese damit keine Antwort auf unsere Finanzierungslücken im Sozialstaat einer alternden Gesellschaft, sondern eine zusätzliche finanzielle Belastung, die die nachfolgende Generation schultern muss. Neben den Renten-, Pensions- und Gesundheitskosten der Alten auch die Sozialtransfers für die ärmeren.

Prof. Bofinger hält entgegen, dass wir aber gerade in der Pflege Zuwanderer brauchen. Das stimmt, ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir dann auch entsprechend mehr Zuwanderer mit hohen Einkommen brauchen, um das zu finanzieren.

Angesichts der schon jetzt sehr hohen Abgabenbelastung müssen wir allerdings erkennen, dass wir nicht attraktiv genug sind für hoch qualifizierte Zuwanderer. Diese gehen eher in Länder mit geringerer Abgabenbelastung und bevorzugen generell englischsprachige Länder.

Siehe dazu auch:

Wer sind die Armen in Deutschland?

Der fehlende Deckungsbeitrag der Zuwanderung

Ernüchternde Fakten zu den finanziellen Folgen unserer Migrationspolitik

 


[1] Holger Bonin: Der Beitrag von Ausländern und künftiger Zuwanderung zum deutschen Staatshaushalt. ZEW – Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung GmbH, Mannheim. 2014. Abrufbar unter: Der Beitrag von Ausländern und künftiger Zuwanderung zum deutschen Staatshaushalt.

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