„Why the world is awash with $100 bills“

Ich habe häufig diskutiert, wie man sein Geld vor Negativzinsen und Enteignung durch den Staat sichern kann. Unvergessen ist der Beitrag vom Februar 2016:

→ Lagern von Bargeld

Dieser enthielt auch diese Abbildung:

Quelle: NZZ

Wir wissen ja mittlerweile, dass unsere Freunde bei der EZB darauf reagiert und den 500-Euroschein abgeschafft haben. Die Schweizer halten ihr Fluchttor offen, erneuern den 1000-Frankenschein, schaffen ihn aber nicht ab.

Auch in den USA bleibt Bargeld wichtig. Vermeldet doch die FINANCIAL TIMES (FT), dass die 100-Dollar-Note sich großer Beliebtheit erfreut:

  • „(…) the volume of hundred-dollar bills in circulation had, according to data compiled by the US Federal Reserve, doubled since 2008, leaving around 12.5 billion of these bills stuffed into wallets, safes and suitcases globally. That’s $1.25tn.“ – bto: 1,25 Billionen US-Dollar, nicht schlecht.
  • „Given that we are supposed to be living in a digital era, with credit cards, bitcoin and so on, this strikes me as odd; doubly so, perhaps, since some, such as Tesla chief Elon Musk, predict that cash will soon disappear. Stranger still, the rise means that, for the first time in history, the volume of $100 bills has eclipsed that of single-dollar notes, making the former the most widely used note.“ – bto: Scheinbar gibt es einen Bedarf, außerhalb des Systems eine direkte Forderung gegen die Notenbank zu haben.
  • American consumers are not using all these bills for everyday life. Research from the Boston Fed in 2012 suggested that while ‘cash is still the most common method of payment for consumers (40.3 per cent of the number of payments per month) (…) on a typical day in the US, 5.2 per cent of consumers have a $100 bill in their pocket, purse or wallet’.“ – bto: natürlich nicht, steht doch die Wertaufbewahrung im Vordergrund.
  • „This leaves us looking for other reasons why consumers might want these bills. One could be crime. ‘There is a significant body of evidence that a large percentage of currency in most countries, generally well over 50 per cent, is used precisely to hide transactions,’ says Kenneth Rogoff, a Harvard economics professor.“ – bto: Er begründet damit ein Bargeldverbot, was die Frage aufwirft, seit wann sich Volkswirte um Kriminalitätsbekämpfung kümmern.
  • „Since the European authorities announced the abolition of €500 notes in 2016 to combat money laundering, this may have pushed more illegal activity into $100 bills. To make the current pattern doubly suspicious, researchers at the Chicago Fed estimate that about four-fifths of large-denomination bills are now sitting outside the US, up from a third in 1980.“ – bto: Auch das ist ein Zeichen dafür, dass man in einigen Regionen der eigenen Regierung nicht traut.
  • „(…) however, there is no evidence that the use of $100 bills rose after the abolition of the €500 note (the €200 note is still in circulation). Nor is there compelling evidence that criminal activity has doubled since 2008.“ – bto: Sehe ich auch so.
  • Western consumers may be hoarding cash because they are fearful about the future of the financial system and relaxed about inflation risks.“bto: So ist es! Und vor Inflation schützt das Bankkonto auch nicht.

→ ft.com (Anmeldung erforderlich): „Why the world is awash with $100 bills“, 6. März 2019

26 Kommentare
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    Dietmar Tischer sagte:

    Ich drücke es mal so aus:

    Normale Menschen wie wir alle haben kein wirklich fundiertes Wissen, aber sozusagen einen Instinkt, der uns Gefahren wittern lässt.

    Heißt im vorliegenden Fall:

    Es ist in diesen unsicheren, unübersichtlichen Zeiten vorteilhafter, dem „Schuldner“ Notenbank mit Bargeld in der Hand zu vertrauen als Regierungen oder Institutionen, die den „Bewegungen“ virtuellen Geldes auf dem Konto hinterherschnüffeln und es per Gesetz oder Knopfdruck sogar verschwinden lassen können.

    Zu Rogoff:

    Ich schätze seinen ökonomischen Sachverstand, aber mit kriminellem Missbrauch für die Abschaffung von Bargeld zu votieren, ist weit unter seinem Niveau.

    Wenn man sich schon gedanklich in dieser Ecke tummeln will, dann würde ich mal fragen, warum geschätzte 15% der Wertschöpfung durch Schwarzarbeit zustande kommen.

    Könnte dies etwas mit der Besteuerung zu tun haben?

    Das wäre doch mal eine Spielwiese für Ökonomen.

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    Michael Stöcker sagte:

    “bto: Scheinbar gibt es einen Bedarf, außerhalb des Systems eine direkte Forderung gegen die Notenbank zu haben.“

    Und was sollte Gegenstand dieser Forderung sein, Herr Dr. Stelter? Der Goldstandard ist Geschichte. Und mir ist nicht bekannt, dass man als Bürger bei der Zentralbank shoppen kann. Aber selbst dann wäre eine Banknote immer noch keine Forderung. Warum?

    Weil eine Banknote/Bargeld stets das Geforderte ist.

    Mit Banknoten kann man bezahlen. Dazu muss aber zuvor ein Vertrag geschlossen werden oder aber der Gesetzgeber eine Steuerpflicht auferlegt haben.

    LG Michael Stöcker

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      bto: „Und was sollte Gegenstand dieser Forderung sein, Herr Dr. Stelter?“

      Der Gegenstand dieser Forderung ist ein Anspruch gegen den Geldmonopolisten (hier EZB, früher Bundesbank) auf einen abstrakten, aber mengenmäßig definierten winzigen Bruchteil des Bruttoinlandsprodukts des Währungsraums. Wer per Gesetz in Zusammenarbeit von Geldpolitik, Fiskalpolitik und Strafrecht eine Währung zum einzigen Zahlungsmittel macht und im Gegenzug verspricht, Geldmenge und Volksvermögen im Einklang zu erhalten, der darf sich – auch wenn das für Sie oder für Juristen kein Problem ist – nach meinem Verständnis nicht durch Verwässerung (sprich beliebiger Geldmengenerhöhung) darauf hinausreden, dass der Geldscheininhaber doch nominal das Gleiche hat. Sonst können wir das Thema staatliches Geldmonopol gleich aufgeben und zum Tauschhandel übergehen.

      Sie können das natürlich anders sehen. Aber da Geldpolitik bei unabhängigen Notenbanken nicht demokratisch legitimiert ist, da die Bürger im Währungsraum nicht über die Geldpolitik abstimmen dürfen, machen Sie da ein Riesenfass auf. Denn wenn der Bürger erst zu dem Eindruck kommt, dass er systematisch bei seinem gesetzlich zwangsverordneten Tausch- bzw. Wertaufbewahrungsmittel betrogen wird, wird er sich erst legale Alternativen suchen. Und wenn das mit Bargeldverboten, Abschaffung großer Scheine, erzwungenen Negativzinsen und ähnlichem konterkariert wird, sucht er irgendwann Alternativen (z.B. ausländische Devisen, Edelmetalle), die ihm zu früheren Zeiten dann auch noch verboten wurden, bis der Bürger in den Schwarzmarkt abdriftete (z.B. 1947 in Westdeutschland). Wollen Sie das?

      Für mich bleibt nur ein sauberer Weg für Ihren Ansatz: die Staaten der Euro-Währung beschließen in ihren Parlamenten, dass die EZB neben der Geldwertstabilität auch noch andere Aufgaben wie z.B. niedrige Arbeitslosigkeit, Staatsfinanzierung u.ä. übernehmen darf. Dann werden zwar viele (auch hier auf diesem Blog) meckern, aber dann ist es wenigstens demokratisch legitimiert. Das was Sie vorschlagen führt in der langen Konsequenz irgendwann zu inneren Unruhen und dann gnade uns Gott.

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        Jens Happel sagte:

        Der Standpunkt gefällt mir.

        Man sollte aber dazu sagen, dass das QE der EZB nicht leichtgefallen ist. Und da die Inflation nachwievor im Realgütermarkt (im Gegendatz zum Assetmark) gering ist, ist die EZB formal ihrem Auftrag die Inflation bei 2% zu halten nachgekommen.

        Ob wir ohne QE ein plötzliches Auseinanderbrechen des EUROS erlebt hätten und so nochmehr Vermögen kaputt gegangen wäre ist fúr mich schwer zu beurteilen.

        Die FED tat sich mit ihren QE Programmen leichter. Ich glaube sie hat aber auch offiziell den Auftrag die Arbeitslosigkeit bei ihren Entscheidungen mit zu berücksichtigen

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Susanne Finke-Röpke

        „Der Gegenstand dieser Forderung ist ein Anspruch gegen den Geldmonopolisten (hier EZB, früher Bundesbank) auf einen abstrakten, aber mengenmäßig definierten winzigen Bruchteil des Bruttoinlandsprodukts des Währungsraums.“

        Es handelt sich also NICHT um eine Forderung gegen die Zentralbank. Beim Thema „abstrakt“ bin ich allerdings ganz bei Ihnen. Denn für mich ist Geld/Giralgeld/Wechsel/Forderungen letztlich ein unspezifischer Anspruch auf das BIP eines Währungsraums, nicht aber eine Forderung. Insofern liegen wir also doch recht nahe beieinander.

        „Wer per Gesetz in Zusammenarbeit von Geldpolitik, Fiskalpolitik und Strafrecht eine Währung zum einzigen Zahlungsmittel macht…“

        Das ist nicht richtig. Hier gilt dispositives Recht! Lediglich Ihre Steuern MÜSSEN Sie mit dem gesetzlichen Zahlungsmittel leisten. Ansonsten können Sie vereinbaren was auch immer Sie möchten, sofern Ihr Vertragspartner damit einverstanden ist. Wurde nichts Besonderes vereinbart, dann gilt das gesetzliche Zahlungsmittel. Und das ist in Euroland ausschließlich Bargeld! Die Schweiz hatte 1999 das Zentralbankgiralgeld dem Bargeld gleichgestellt.

        „der darf sich – auch wenn das für Sie oder für Juristen kein Problem ist – nach meinem Verständnis nicht durch Verwässerung (sprich beliebiger Geldmengenerhöhung) darauf hinausreden, dass der Geldscheininhaber doch nominal das Gleiche hat.“

        Das wäre in der Tat nicht nur für mich, sondern auch für Juristen ein Problem; und zwar ein sehr großes. Denn bei einer BELIEBIGEN Geldmengenerhöhung würde die EZB gegen ihren gesetzlichen Auftrag verstoßen. Und der ist klar definiert: Zielinflation mittelfristig unter aber nahe zwei Prozent.

        Insofern kann ich nicht erkennen, dass wir hier hinsichtlich der Ziele unterschiedlicher Auffassung sind. Über die Mittel zur Zielerreichung kann man allerdings sehr wohl unterschiedlicher Meinung sein, sollte dies dann aber auch begründen; insbesondere, wie die Zentralbank ihr Ziel erreichen kann, wenn sich die Lohn- und Fiskalpolitik verweigern.

        „Das was Sie vorschlagen führt in der langen Konsequenz irgendwann zu inneren Unruhen und dann gnade uns Gott.“

        Meine große Befürchtung war/ist, dass wir genau solche Unruhen bekommen werden, wenn wir NICHT so agieren: https://zinsfehler.com/2014/05/16/studentenaufruf-vom-16-05-2014/

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Dual Mandate

        Bei der Fed sind die Ziele gleichwertig, bei der EZB – in der Tradition der Bundesbank – lautet das ganze wie folgt:

        „Das vorrangige Ziel des Europäischen Systems der Zentralbanken (im Folgenden „ESZB“) ist es, die Preisstabilität zu gewährleisten. Soweit dies ohne Beeinträchtigung des Zieles der Preisstabilität möglich ist, unterstützt das ESZB die allgemeine Wirtschaftspolitik in der Union, um zur Verwirklichung der in Artikel 3 des Vertrags über die Europäische Union festgelegten Ziele der Union beizutragen.“ https://dejure.org/gesetze/AEUV/127.html

        LG Michael Stöcker

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        Starchild sagte:

        @Susanne Finke-Röpke
        „Für mich bleibt nur ein sauberer Weg für Ihren Ansatz: die Staaten der Euro-Währung beschließen in ihren Parlamenten, dass die EZB neben der Geldwertstabilität auch noch andere Aufgaben wie z.B. niedrige Arbeitslosigkeit, Staatsfinanzierung u.ä. übernehmen darf. “
        Tja, wer ist denn die EZB ? Wer arbeitet denn da ? Und was haben die denn vor ? Die haben genau das vor : dass SIE liebe Frau Finke-Röpke aus lauter blinder Verzweiflung denen freiwillig ALLE MACHT auch noch anbieten.
        Ein vernünftige Volkswirtschaft braucht keine Zentralbanken.
        Wann und wo und von wem wurden denn die Zentralbanken “ erfunden “
        googlen Sie mal zurück Gründung der Bank of England, der schwedischen Zentralbank. Und wo Schulden sind, da stehen auf der anderen Seite der Bilanz irgendwo, bei irgendwem in gleicher Höhe Gewinne. Ja wo stehen die denn ?

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      Arda Sürel sagte:

      ‚Weil eine Banknote/Bargeld stets das Geforderte ist.‘

      Ich möchte wagen, kurz eine von Niklas Luhmanns Systemtheorie motivierte Interpretation vorzuschlagen:

      Historische Vor- und Urformen des Geldes haben immer Versprechen verbrieft. Der sumerische Priester, der bestaetigte, dass ein Bürger an den Kanaelen gearbeitet hat und dadurch versprach, dass dieser Bürger bis zum naechsten Monat nicht mehr am Kanal arbeiten muss, drückte sein Sigel in eine Tonscheibe, der mesopotamische oder anatolische Kaufmann, der versprach, in einem Monat einen bestimmten Betrag einer bestimmten Ware zu übergeben, drückte zur Verbriefung dieses Versprechens seinen Ring in ein Stück Elektron und übergab dieses Stück dem Empfaenger des Versprechens. In dem Moment, in dem diese materiell verbrieften Versprechen von denjenigen, die sie ursprünglich erhalten hatten, dritten Personen gegen Lieferung irgendwelcher Waren übergeben wurden und diese dritten Personen, diese Versprechen auch annahmen, waren die Urformen des Geldes generiert.

      Als dann irgendwann der lydische Staat intervenierte und die Verwendung bestimmter Formen dieser Versprechen sanktionierte, wurde im Ablauf der Zeit aus der Geld-Urform das, was man heute gesetzliches Zahlungsmittel nennt.

      Geld ist ein durch Verbriefung materiell beobachtbar gemachtes Versprechen. Damit ein Versprechen überhaupt Wirkung haben kann, muss es vom gegenüber angeknommen d.h. geglaubt werden (und das ist die Urform des Kredits, credere). Die reale Annahme besagten Versprechens konstituiert die Zahlung.

      In der heutigen Welt besagt das Versprechen das durch Geld verbrieft ist, ‚Wenn du mir jetzt die Ware x übergibst und als Gegenleistung diesen Schein annimmst, wirst du morgen gegen Übergabe dieses Scheines eine Ware bekommen, die du als gleichwertig zu dem, was du gerade übergibst, ansehen wirst.‘

      Übernimmt man diese Vorstellung von Geld, nichts anderes als ein verbrieftes Versprechen und von der Zahlung, der elementare Akt der Wirtschaft zu sein, ergeben sich andere Möglichkeiten gegebene ökonomische Problemlagen, die sich alle ‚ums Geld‘ drehen, zu beobachten.

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        Michael Stöcker sagte:

        Vielen Dank für Ihren Verweis auf Luhmann, Herr Sürel. Für Luhmann ist Geld ein Kommunikationsmedium/Steuerungsmedium. Es ist letztlich das, was ich gerne als abstrakte soziale Verpflichtungsrelation bezeichne. Diese abstrakte Verpflichtungsrelation ist aber letztlich ganz konkret, weil der Schuldendruck des Schuldners dafür sorgt, dass er eine reale Leistung am Markt zu erbringen hat, um sich zu entschulden.

        Insofern darf es auch nicht zu viel schuldenfreies Geld/Helikoptergeld geben und der Staat muss ex post über die Steuerpflicht einen Teil dieses Geldes wieder einsammeln, um so weiterhin für realen Leistungsdruck zu sorgen.

        LG Michael Stöcker

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      Thomas M. sagte:

      Hmmm… bei mir waren es noch 20 USD-Scheine. Ich bin entweder älter oder aber hatte nicht so viel auf dem Konto ;)

      Bargeld braucht man übrigens auch für das neue Marihuana-Geschäft in den USA. Die Produzenten müssen wohl alles mit Bargeld abwickeln, weil die Banken nichts mit dem Geld zu tun haben wollen/ggf. dürfen. (Nach State-Law legal, aber nach Federal-Law weiterhin illegal.)

      Wenn sich in den USA genügend Politiker auch mal einen Joint gönnen, wird das ohnehin nichts mit dem Bargeldverbot ;)

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    Barthel Berand sagte:

    „bto: Scheinbar gibt es einen Bedarf, außerhalb des Systems eine direkte Forderung gegen die Notenbank zu haben.“

    Man muss die Entwicklung dieser „Forderung“ im historischen Kontext betrachten.

    Früher hatte man einem Geldschein in der Hand, der tatsächlich ein Herausgabeanspruch auf eine bestimmte Menge Goldes (oder Silber – Pfund Sterling) war. Dies war auf diesen Scheinen entsprechend vermerkt. Um zu verstehen, was hier passiert ist, müssen wir einen kleinen Ausflug in die Juristerei unternehmen. Wir benötigen dazu die beiden Rechtsgebiete „Sachenrecht“ und „Schuldrecht“.

    Während das Sachenrecht die Beziehung zwischen einer Person und einem Gegenstand (einer Sache, bspw. Gold) regelt (Eigentum), so regelt das Schuldrecht die vertraglichen Beziehungen zwischen zwei Personen. Wenn ich mein Gold (Sachenrecht: Ich bin Eigentümer dieses Goldes) zur Bank trage und dafür einen Schein bekommen, auf dem vermerkt ist, dass ich diese bestimme Menge Gold bei Vorlage dieses Scheins (oder eines entsprechenden Scheins) wieder zurück bekomme, kommt dadurch eine schuldrechtliche Beziehung zwischen mir und der Bank zustande. Die Bank ist dabei Schuldner, ich bin der Gläubiger. Ich habe als Gläubiger gegen die Bank einen Herausgabeanspruch auf diejenige Menge Goldes, die auf dem Schein angegeben ist.

    To make a long story short: In der historischen Entwicklung ist dieses Schuldverhältnis immer stärker verwässert worden. Am Ende dieses Prozesses bestand es nur noch unter den Zentralbanken, bis es von Nixon am 15.08.1971 für null und nichtig erklärt wurde.

    Durch diese einseitige Erklärung Nixons ist das Schuldverhältnis aufgelöst worden. Damit ist auch die Verbindung zwischen mir und meinem Gold auf der sachenrechtlichen Ebene zertrennt worden. Eine Enteignung ohne Beispiel. Seitdem hat man mit einem Geldschein nur noch einen Herausgabeanspruch auf nichts.

    Das war grob vereinfacht und im Zeitraffer, aber ich denke soweit richtig.

    Merke: Wenn das dickste Kind im Sandkasten dir dein Schüppchen wegnimmt, hast du ein Problem.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Barthel Berand

      Sehe ich genauso.

      Deshalb schreiben Sie und ich nicht Forderung, sondern „Forderung“.

      Der Begriff bzw. dessen wechselnde Konnotation beschreibt m. A. n. eine tiefgreifende Mutation des monetären und damit auch gesellschaftlichen Selbstverständnisses:

      Nicht hinterlegtes Fiat-Geld hat zu einer enormen Ausweitung von realwirtschaftlichen Optionen geführt insbesondere auch der Fiskalpolitik, was wiederum – siehe die Geldpolitik der Notenbanken – eine „Vorwärtsverteidigung“ mit Geldmengenausweitung, d. h. zunehmende Gesamtverschuldung generiert hat.

      Jetzt treiben wir sozusagen auf die Entscheidung zu:

      Rückzug aufs Bargeld als quasi nicht oder nur wenig manipulative Sicherheit OHNE Forderung an irgendjemanden oder Aufgabe des Bargelds mit totaler Manipulation des Fiat-Geldes.

      Es wird spannend:

      Der Sicherheitsbedarf der Menschen spricht für ersteres.

      Verfügbare Technologien für letzteres.

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      Michael Stöcker sagte:

      @ Barthel Berand

      Älter als der Geld- und Zins-Mythos ist nur noch der Gold-Mythos. Ohne Schuldendruck gab es in Spanien TROTZ bzw. WEGEN des Goldes/Goldraubs eine galoppierende Inflation: https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wie-wir-reich-wurden/edelmetalle-es-ist-nur-gold-was-ewig-glaenzt-1639179.html

      Merke: Wenn das dickste Kind im Sandkasten dir dein Schüppchen wegnimmt, hast du eventuell ein Problem; das viel größere aber hat das dickste Kind.

      LG Michael Stöcker

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    Barthel Berand sagte:

    @ MS

    Ich fange mal mit dem FAZ-Artikel an. Da geht einiges durcheinander.

    „Krisen und Inflationsangst der vergangenen Jahre haben den Goldpreis in ungeahnte Höhen steigen lassen,…“

    Wenn wir Gold als das ultimative Geld ansehen (vgl. Perry Mehrling), würde ich eher formulieren: Die Währungen haben gegenüber Gold massiv abgewertet, was an ihrer Vermehrung liegt.

    „Dabei hat das Gold an sich gar keinen Wert.“

    Nichts hat an sich einen Wert. Euroscheine auch nicht.

    „aber nichts davon rechtfertigt an sich den aktuellen Preis von mehr als 1000 Euro für rund 30 Gramm.“

    Was der Mann alles so weiß ist beeindruckend. Viele Menschen scheinen das anders zu sehen, nämlich jene, die Gold zu diesem Preis freiwillig erwerben. Das ist für mich Rechtfertigung genug.

    „Und als die Menschen einige Jahrhunderte später das Geld erfanden,…“

    Geld wurde nicht erfunden, sondern entdeckt. Oder wie Hayek es sinngemäß formulierte, ist diese Entdeckung Folge menschlicher Handlungen, nicht menschlichen Entwurfs.

    „und der Aufwand zum Goldabbau ist enorm – da bleibt Gold stabil im Wert.“

    Echt jetzt? Immer noch marxistische Arbeitswertlehre?
    Wir graben nach Gold, weil wir es als wertvoll ansehen; Gold ist nicht wertvoll, weil wir unter hohen Kosten danach Graben. Sind die Kosten höher als der Marktpreis, hören wir auf zu graben.

    „Im Spanien des 16. Jahrhunderts geschah genau das, wovor auch heute wieder viele Menschen Angst haben: Plötzlich war viel mehr Geld da als vorher. Damals allerdings war das Gold das Geld – es war das erbeutete Gold aus Südamerika, das in Spanien eine Inflation verursachte. Die Preise stiegen so schnell, dass der spanische König Philipp II. seine Kosten nicht mehr in den Griff bekam und gleich mehrmals pleiteging.“

    In Spanien geschah genau das, was man – aus heutiger Sicht – erwarten durfte. Inflationiert man die Geldmenge, steigen die Preise. Inflationiert man massiv, steigen die Preise massiv. Damals war diese logische Folge noch relativ unbekannt. Heute offenbar bei einigen Vertretern auch noch. Davor darf man in der Tat Angst haben.

    „Auch das Ende der Weltwährung Gold zeigt, dass Gold nicht immer ein gutes Zahlungsmittel ist: In der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre erholten sich die Länder deutlich schneller, die ihr Geld vom Gold entkoppelten und sich erlaubten, die Geldmenge unabhängig zu bestimmen.“

    Natürlich. In einer großen Krise verlieren die Leute ihren Status quo, was einen Leidensdruck erzeugt. Auf den reagiert die Politik mit Ausdehnung der Geldmenge. Aber was ist, wenn die Krise erst durch eine vorhergehende Inflationierung der Geldmenge ausgelöst worden ist? Ein Zahlungsmittel ist nie gut oder schlecht, wenn es am Markt etabliert ist. Man muss allerdings damit umgehen können.

    Die heutzutage beschworene Abwägung von Disziplin versus Elastizität, die die Zentralbanken übernehmen sollen, scheitert schon daran, dass im Geldsystem kein disziplinierendes Element – wie Gold – mehr vorhanden ist. Auf Unwägbarkeiten, die in der Vergangenheit durch zu viel Elastizität verursacht wurden, reagiert man mit noch mehr Elastizität. Wir können uns ausmalen, wie das enden wird.

    Merke: Das dickste Kind hat ein Problem, wenn es strunzdumm ist – und alle anderen Kinder dann auch.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Barthel Berand

      >Die heutzutage beschworene Abwägung von Disziplin versus Elastizität, die die Zentralbanken übernehmen sollen, scheitert schon daran, dass im Geldsystem kein disziplinierendes Element – wie Gold – mehr vorhanden ist. Auf Unwägbarkeiten, die in der Vergangenheit durch zu viel Elastizität verursacht wurden, reagiert man mit noch mehr Elastizität. Wir können uns ausmalen, wie das enden wird.>

      Damit sind wir beim „Thema beyond“.

      Der eine Aspekt ist die Geldmengenelastizität, die das Schuldgeldsystem mit der Funktion „Geldproduktion durch Schuldvertrag“ ermöglicht. Die Schaffung von Geld durch praktisch nur eine beidseitige WILLENSERKLÄRUNG zwischen Wirtschaftssubjekten ist eine derartige „Befreiung“, dass der heutige Schuldenüberhang geradezu ZWANGSLÄUFIG war: Wir wollen Geld, also werde Geld! Fast wie im Paradies.

      Da er allerdings an Grenzen gestoßen ist, mussten die Zentralbanken übernehmen – auch zwangsläufig. Sie tun es systemkonform, aber nicht erfolgreich, soweit mit der Geldmengenausweitung Wachstum verbunden sein sollte.

      Der andere Aspekt ist der Staat/die Politik. Sie müssen NICHT mehr liefern, wenn ihnen Scheinchen unter die Nase gehalten werden. Sie sind funktional VOLLKOMMEN aus dem Spiel, was die Geldschöpfung in der Privatwirtschaft betrifft. Und: Sie WOLLEN es sein, weil sie die Bürger nicht beliebig zu MEHR Geldausgeben (Nachfrage) zwingen können. In USA sind die Menschen verschuldet bis zur Unterlippe und bei uns generiert die Mehrheit durch hohe Steuern und Abgaben bei anderen (Staat und Sozialsystemen) so viel Nachfrage, dass sie allmählich bockig wird. Siehe Gelbwesten in Frankreich.

      Das ist der tiefere Grund für die erzwungene Arbeitsteilung in Sachen Geldmenge.

      Was, wenn die Geldpolitik der Notenbanken nicht die gewünschte Nachfrage generiert?

      Von der Zinspolitik und QE kann man nicht viel erwarten. Von Helikoptergeld schon mehr, insbesondere, wenn es die Fiskalpolitik befeuert. Ich bezweifle, ob das genug wäre. Wenn über den Bürgern abgeworfen wird, ist der Nachfrageeffekt ungewisser, deshalb würde man – auch nahezu zwangsläufig – die Dosis erhöhen müssen.

      Alles in allem ist die Geldpolitik der Notenbanken auch dann kein Selbstläufer, wenn man sie, ihre Funktionalität betreffend, entfesseln würde (Berechtigung für Helikoptergeld).

      Gibt es funktional keinen erfolgreichen Weg, die Nachfrage in die Gänge zu bringen?

      Doch, es gibt ihn – FINANZIELLE REPRESSION.

      Voraussetzung ist die Abschaffung von Bargeld und die Umstellung auf ausschließlich Buchgeld.

      Dann kann der Staat die Menschen ZWINGEN, für mehr Nachfrage zu sorgen: Wer sein Guthaben auf dem Konto nicht angemessen – selbstverständlich sozial GERECHT – durch Nachfrage verringert, wird enteignet durch Zwangsabbuchungen mit Gutschrift beim Staat.

      Noch ist es nicht so weit, wir Alten würden Sturm laufen.

      Die Technologie wird’s richten. Wer in jungen Jahren gelernt hat, bargeldlos zu zahlen, wird bargeldlos zahlen WOLLEN, weil es soooo bequem ist. Ein paar Starrköpfe werden das nicht aufhalten. Die Gurtpflicht im Auto hat auch niemand aufgehalten.

      Was, wenn es so weit ist?

      Entweder gibt es einen Aufstand, wie etwa wenn der Brotpreis nicht mehr zu bezahlen ist.

      Oder die Menschen WOLLEN mit Arbeits- und Einkommensverweigerung ARM sein, weil sie sich nicht enteignen lassen möchten.

      Das sind keine normalen Aussichten.

      Alles spekulativ?

      Ich glaube es nicht, beziehe ich mich doch auf Beobacht- und Machbares.

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        Starchild sagte:

        l@ Dietmar Tischer
        Absolut beyond : „Die Schaffung von Geld durch praktisch nur eine beidseitige WILLENSERKLÄRUNG zwischen Wirtschaftssubjekten ist eine derartige „Befreiung“, dass der heutige Schuldenüberhang geradezu ZWANGSLÄUFIG war: Wir wollen Geld, also werde Geld! Fast wie im Paradies. “

        Tja “ die (satanischen # ) Geister die ich ( das getäuschte verwöhnte Volk) rief,
        die werd ich nun nicht los.“

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Starchild

        Ich fürchte, dass es noch satanischer kommt:

        Die Abschaffung des Bargelds ist DIE Chance des Staats, endgültig die Kontrolle über seine Bürger zu gewinnen.

        Er wird sie nutzen, nicht nur weil das Mittel – die Technologie – ihm quasi kostenlos in die Hände fällt.

        Die Bürger werden es WOLLEN, über ihr Geld beherrscht zu werden.

        Wie war das mit dem Euro?

        Kein Wechsel griffiger DM-Scheine in vergammelte Lira-Lappen, wenn man nach Rom wollte. Da sagte man doch gerne ja zum Euro.

        Warum sollte es anders sein, wenn man auf die Scheine und die Metallstückchen am Köper verzichten kann?

        Es wird nicht anders sein.

        Mit Geld fängt man Menschen.

      • Avatar
        ikkyu sagte:

        @ D. Tischer

        „Wer sein Guthaben auf dem Konto nicht angemessen – selbstverständlich sozial GERECHT – durch Nachfrage verringert, wird enteignet durch Zwangsabbuchungen mit Gutschrift beim Staat.“

        Also ich schaue immer, dass die Euros auf meinem Konto so schnell wie möglich in internationale Rohstoffunternehmen investiert werden.

        Schließlich brauchen die solaren Kreislaufwirtschaftler Unmengen an Rohstoffen.
        Wenn dann in ein paar Jahren alle anderen Länder am Beispiel Deutschland sehen, dass die Energiewende aufgrund von physikalischen Naturgesetzen im großen Maßstab nicht praktikabel und finanzierbar ist, werden die Preise für fossile Energieträger durch die Decke gehen.

        Und falls mal unerwartete Ausgaben in Euro anstehen, kann man sich ja einen Kredit zu minus (!) 10 Prozent nehmen. :-)

        https://www.focus.de/finanzen/service/nur-noch-heute-kredit-fuer-minus-10-prozent-zu-gut-um-wahr-zu-sein-smava-bietet-negativzins-kredit-mit-minus-zehn-prozent-an_id_10342923.html

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ ikkyu

        Hatte ich mir schon gedacht:

        Nichts auf dem Konto haben, aber das große Rad drehen ;-)

        Es ist schon richtig, man muss seiner Zeit voraus sein, wenn man dem Irrsinn entgehen oder – noch besser – ihn überholen will.

        Kredit für minus 10%:

        Ich finde das ist Demokratie, passt also in die Landschaft, wo so ziemlich alles geht, Hauptsache es ist demokratisch und gerecht.

        Da muss nun wirklich niemand demonstrieren:

        Wenn schon Negativzinsen, dann für alle (mit der richtigen Bonität).

        Ich verstehe nicht, was die Leute am Finanzsektor herumzumäkeln haben.

        Vielleicht sollte man noch etwas zuwarten, es kann nur noch besser kommen ;-)

    • Avatar
      Lenz sagte:

      Wunderbarer Beitrag, Danke, am besten war:
      „Echt jetzt? Immer noch marxistische Arbeitswertlehre?“
      Marx war sicher ein Eunuch, was echte Arbeit / Organisation anging – auf dem Papier funktioniert immer alles, wie in der EUDSSR äh UDSSR und der DDR 1.0.

      Für die Anfänger unter den Lesern: Zu viel Geld (Euro Politik) bewirkt das gleiche wie zu viel (damals geraubtes) Gold, irgendwie Preissteigerungen. Und wenn es damals den „Hype“ gab, Südamerika auszuplündern, wird das auch die Preise getrieben haben – Holz, Schiffe, Handwerker. Das zu viel Geld treibt durchaus ungleichmäßig die Preise (Aktien, Wohnen, Lebensmittel, …).

      Es war dann auch ein staatliches Versagen, für geraubtes / neues Gold sicher ziemlich teure neue Schiffe zu bauen und damit massive Nachfrage zu generieren. Der „volkswirtschaftliche“ Nutzen wird Null gewesen sein, es gab nur Nachfrage nach Schiffen & Plünderern usw. und keinen echten Wert / Handelsprodukt für die Bevölkerung (erinnert mich an target2).

      Und was Preise angeht, sieht man es aktuell bei Handwerkern, Mann/Frau studiert lieber statt „richtig“ zu arbeiten (ok, ich auch, bin aber Hobby-Handwerker), was hier durch den Mangel an Handwerkern die Preise erheblich treibt.

      Eine echte Korrelation mehr Gold & Elend sehe ich nicht.

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  5. Avatar
    micha sagte:

    Also ich denke die Abschaffung des 500€ Scheins ist für 99,9% der Bevölkerung nicht das Problem. Dieser Anteil der Bevölkerung (mich eingeschlossen) hat sicher andere Probleme als Lagerkosten für die Aufbewahrung von Bargeld in kleineren Noten.

    Das wird frühestens zum Problem wenn 50er und 20er abgeschafft würden. Auch dafür gäbe es Lösungen (z.B. CHF-Noten).

    Das wesentliche Problem ist, wie ich Werte aufbewahren kann und am besten auch noch einen Return habe.

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