Selbst in den schwersten Zeiten …

Im Jahr 2010 erschien das Buch „Accelerating out of the Great Recession“ von meinem Kollegen David Rhodes und mir. Es wurde mit dem „Get Abstract International Book Award“ ausgezeichnet und erschien 2010 unter dem deutschen Titel „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“:

→ „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“

Angesichts der wohl größten ökonomischen Krise seit der Weltwirtschaftskrise, dachte ich mir, ich veröffentliche ab sofort Auszüge aus dem Buch auf bto. Heute beginne ich mit einem Blick in die Geschichte:

Rezessionen und die darauf folgenden Perioden mit niedrigen Wachstumsraten treffen alle Unternehmen. Das Management muss das Unternehmen nicht nur wohlbehalten durch das schwierige Umfeld zu steuern, sondern auch die Gelegenheit nutzen, die Wettbewerbsposition für die Zukunft zu verbessern.

Die Erfahrungen der Vergangenheit zeigen, dass die Rangordnung in Branchen meist gerade in schwierigen Zeiten aufbricht – und dass die in solchen Umbruchphasen errungenen Positionen anschließend über lange Zeiträume gehalten werden. Es geht während des Abschwungs also nicht nur ums Überleben, es geht um die langfristige Wettbewerbsposition. Dafür lohnt sich der Einsatz.

Aus keiner Periode der Wirtschaftsgeschichte lässt sich so viel darüber lernen, wie Unternehmen nach einer großen Krise Erfolg haben können, wie aus der Weltwirtschaftskrise. Die 1930er Jahre waren eine Zeit tiefer Umbrüche. Doch selbst in dieser Zeit überstanden gut geführte Unternehmen die Krise nicht nur mit soliden Ergebnissen, sondern mit den denkbar besten Startbedingungen für die Zeit danach. Wer seine Wettbewerber während der Weltwirtschaftskrise abhängte, bewies in der Folge meist eine überaus gute Performance – über Jahre und Jahrzehnte.

Eine kurze Geschichte der Weltwirtschaftskrise

„Meine Herren, Sie kommen sechzig Tage zu spät. Die Rezession ist vorbei.“ Mit diesen optimistischen Worten begrüßte US-Präsident Herbert Hoover im Juni 1930 eine Delegation von Bankvertretern und kirchlichen Würdenträgern, die aus Sorge um die wachsende Arbeitslosigkeit das Weiße Haus aufsuchten. Die ökonomischen Eckdaten wiesen in den USA damals tatsächlich auf eine Normalisierung hin. Die Harvard Economic Society prognostizierte für die zweite Jahreshälfte 1930 sogar einen Aufschwung. Der Dow-Jones-Index, der zwischen September und November 1929 um 36 Prozent gefallen war, machte in den folgenden sechs Monaten die Hälfte dieser Verluste wieder wett. Aber das war nur ein kurzlebiger Anstieg, wie er sich nach einer steilen Abwärtsbewegung oft beobachten lässt. Die schlimmste Phase der Weltwirtschaftskrise stand 1930 erst noch bevor.

Die Große Depression ist aus vielen Gründen eine kulturelle Zäsur. Sie war die längste und tiefste Rezession unserer Zeit. In den Vereinigten Staaten schrumpfte das reale Bruttoinlandsprodukt zwischen 1929 und 1933 um 26 Prozent, eine anhaltende Wachstumsphase begann erst wieder mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs. Der Crash und der folgende wirtschaftliche Einbruch trafen die Amerikaner mehr als jede andere Finanzkrise. Über 9.000 Banken (20 Prozent aller US-Banken) brachen in dieser Zeit zusammen, mit ihnen wurden 10 Prozent aller privaten Ersparnisse in den USA vernichtet. Zudem war die Weltwirtschaftskrise mehr als jeder Abschwung davor und danach ein internationales Phänomen. Auf der ganzen Welt gingen Volkswirtschaften in die Knie, und da die Regierungen ihre heimischen Märkte schützen wollten, schrumpfte der Welthandel um fast zwei Drittel von 2,998 Milliarden Dollar im Januar 1929 auf 992 Millionen Dollar vier Jahre später.

Diese vier Jahre gehören zu den finstersten der Wirtschaftsgeschichte. In den USA halbierte sich die Industrieproduktion fast. Der Verbrauch sank um ein Viertel – was den Handel vor extrem schwierige Bedingungen stellte. Die Unternehmensgewinne gingen um 131 Prozent zurück, der Dow-Jones um 89 Prozent. Die Arbeitslosenrate stieg von 3,2 Prozent im Jahr 1929 auf 25 Prozent 1933 und lag 1939 immer noch bei 17 Prozent.

Mit der Wahl von Franklin D. Roosevelt zum Präsidenten 1932 und seinem Programm des „New Deal“ ab 1933 begann eine expansive Steuer- und Geldpolitik. Vor der Weltwirtschaftskrise hatte der Anteil der Staatsausgaben am Bruttoinlandsprodukt bei 9 Prozent gelegen, 1939 betrug er 16 Prozent. Auch wenn sich die ökonomischen Bedingungen ab 1933 besserten, verlief die Erholung doch alles andere als gleichmäßig. 1937 und 1938 erlebten die USA eine neuerliche Rezession, weil die Regierung in dem Bemühen um eine Haushaltskonsolidierung die Zahlungen an Veteranen des Ersten Weltkriegs auslaufen ließ (eine Art fiskalischer Anreiz) und zum ersten Mal überhaupt eine Sozialversicherungssteuer erhob. Erst durch die Vorbereitungen auf den Zweiten Weltkrieg stabilisierte sich das Wachstum.

Die Weltwirtschaftskrise bewirkte größere Veränderungen in Gesellschaft und Politik als jede andere Epoche. Die Sparraten sowohl von Privatpersonen wie von Unternehmen stiegen, die Verschuldung sank. Genügsamkeit wurde zur Regel.

Die aktuelle Schulden- und Finanzkrise, die „Große Rezession“, ist der schlimmste Abschwung seit der Weltwirtschaftskrise und wird ähnlich gravierende Auswirkungen haben. Wenn Mark Twains berühmtes Bonmot zutrifft, wiederholt Geschichte sich nicht, aber sie reimt sich. Dabei hallt das Echo aus der Vergangenheit lauter wider, als wir uns gewünscht hätten.

Lehren aus der Geschichte

Zur Einstimmung wollen wir uns zunächst das Schicksal der Autoindustrie während der Großen Depression ansehen: Damals legten General Motors und Chrysler den Grundstein für ihre vier Jahrzehnte währende Erfolgsgeschichte.

Nicht anders als heute gehörten die Autobauer damals zu den von der Krise am stärksten betroffenen Branchen. Zwischen 1929 und 1932 ging der Neuwagenverkauf um 75 Prozent zurück; im Jahr 1932 wiesen die Hersteller einen Verlust von zusammen 191 Millionen Dollar aus (nach heutigem Wert 2,9 Milliarden Dollar); das entsprach 25 Prozent des Branchenumsatzes. Drei Jahre zuvor hatten sich die Gewinne noch auf 413 Millionen Dollar oder 14 Prozent des Branchenumsatzes belaufen. Das hoch profitable Luxussegment verschwand buchstäblich komplett vom Markt. Der Anteil preisgünstiger Wagen an den Verkäufen stieg von 40 Prozent im Jahr 1929 auf 80 Prozent 1933 und verharrte während des Aufschwungs und darüber hinaus bei 60 Prozent. Der Hälfte der Autohersteller blieb daher nichts anderes übrig, als die Fabriktore für immer zu schließen.

Angesichts der Probleme der US-Autoindustrie in der jüngsten Krise mag es merkwürdig scheinen, ausgerechnet die US-Autoindustrie als Beispiel für erfolgreiches Wirtschaften in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld heranzuziehen. In den 1930er Jahren glänzten Chrysler und General Motors jedoch mit einer außerordentlichen Performance. General Motors schrieb während der gesamten Weltwirtschaftskrise schwarze Zahlen, Chrysler rutschte nur in einem einzigen Jahr in die Verlustzone.

Vor der Weltwirtschaftskrise war der Automarkt dreigeteilt: General Motors und die Ford Motor Company hielten je ein Drittel Marktanteil. Das verbleibende Drittel teilten sich mehrere kleinere Hersteller. Während der Großen Depression steigerten General Motors und Chrysler ihren Anteil am Markt um 15 bzw. 19 Prozentpunkte. Untätigkeit und Fehlentscheidungen schmälerten hingegen den Marktanteil von Ford beträchtlich und bedeuteten für die kleineren Wettbewerber sogar das endgültige Aus.

Im Unterschied zur Konkurrenz deuteten General Motors und Chrysler die Zeichen der neuen Realitäten richtig und nutzten sie zu ihrem Vorteil. Sie erkannten die Chancen in der Weltwirtschaftskrise und vermochten sich anzupassen. Das Geheimnis ihres Erfolgs lag darin, dass sie sowohl Defensiv- wie Offensivstrategien anwendeten.

General Motors – schnelles, entschlossenes, umfassendes Handeln

Bei General Motors hatte man keineswegs die Weltwirtschaftskrise früher erkannt als bei den Wettbewerbern. Alfred P. Sloan, 1923 bis 1956 zunächst Präsident, dann Chairman von GM, erklärte: „Es wäre gelogen, wenn wir irgendwelche Vorahnungen für uns reklamieren würden; wir haben die Weltwirtschaftskrise so wenig kommen sehen wie alle anderen (…) Wir haben nur gelernt, schnell zu reagieren. Das war vielleicht der größte Gewinn, den wir aus unserem Controllingsystem zogen.“[i]

Dank dieses Systems konnte General Motors rasch auf die veränderten wirtschaftlichen Bedingungen der 1930er Jahre reagieren. Das Unternehmen senkte seine Kosten drastisch: Fabriken wurden eingemottet, Arbeiter entlassen, die Produktion der Premium-Modelle sofort zurückgefahren, die Gewinnschwelle der Marke Chevrolet (die das untere Preisspektrum abdeckte) um ein Drittel gedrückt. Um die Lager zu räumen, senkte GM die Preise für die teuren Automobile um bis zu 70 Prozent – eine Maßnahme, die unter anderen Umständen völlig undenkbar gewesen wäre. Da General Motors kaum Beteiligungen an Lieferanten (Rückwärtsintegration) hatte, konnte das Unternehmen die Fixkosten niedrig halten und einen Teil der Volumenrisiken auf die Lieferanten abwälzen. So war GM in der Lage, die Produktion schlagartig zurückzufahren, als die Nachfrage einbrach. Um die Lagerhaltung zu reduzieren und die Kapazitätsnutzung flexibel zu halten, verwendete der Autobauer für seine verschiedenen Marken die gleichen Motoren und Teile. Zudem wurden die Vertriebsabteilungen für die Mittelklassewagen zusammengelegt, um die Distribution effizienter zu gestalten und die Kapazitäten im Verkauf besser auszulasten.

Der Erfolg von General Motors während der Großen Depression verdankte sich vor allem der Entscheidung, das Produktangebot den veränderten Bedürfnissen einer Kundschaft anzupassen, die nicht mehr so viel Geld ausgeben konnte: Es entstand das „Auto für jeden Zweck und jeden Geldbeutel“, wie Sloan es ausdrückte. GM expandierte massiv in das untere Preissegment und verlagerte den Schwerpunkt von Luxuslimousinen auf die Massenmarke Chevrolet. Deren Werbebudget wurde erhöht und den Kunden wurde eine Finanzierung angeboten – in Zeiten, als die Banken kein Geld verliehen, war das ein attraktives Paket. Im Ergebnis gewann General Motors Marktanteile und konnte für vergleichbare Produkte höhere Preise verlangen als Ford.

Chrysler – Aufstieg in die erste Liga

Die Geschichte von Chrysler beweist, dass selbst in den denkbar schwierigsten Zeiten ein entschlossener strategischer Angriff erfolgreich sein kann. Für den Dritten der „Big Three“ von Detroit war die Weltwirtschaftskrise der entscheidende Wendepunkt – erst in dieser Zeit stieg Chrysler vom Branchenneuling in die erste Riege der Autobauer auf. 1925 gegründet, hatte Chrysler 1928 mit dem viel kleineren Autohersteller Dodge fusioniert und damit zwar an Größe gewonnen, erreichte aber zu Beginn der Großen Depression trotzdem nur einen Marktanteil von 8 Prozent.

Wie General Motors hatte sich Chrysler für geringe Rückwärtsintegration entschieden und besaß dadurch mehr Flexibilität als die meisten Konkurrenten. Chrysler ergriff Maßnahmen, die bis heute eingesetzt werden: Als die Umsätze 1930 zurückgingen, wurden Fabriken geschlossen, Arbeiter entlassen und die Verwaltungskosten um fast ein Drittel gesenkt. Es war zunächst nicht leicht, die Einsparungen durchzusetzen. Die Bereichsverantwortlichen wollten nicht sparen, sondern forderten im Gegenteil eine Erhöhung ihrer Budgets. Daraufhin ließ sich Walter Chrysler etwas einfallen, um die leitenden Manager vom Ernst der Lage zu überzeugen und zum Handeln zu bewegen:

Walter P. Chrysler rief Anfang 1930 seine Führungsmannschaft zusammen und bestand auf Einsparungen in Höhe von 30 Prozent für jede Abteilung. Die meisten Manager reagierten mit dem Vorschlag, die Ausgaben stattdessen zu erhöhen. Die Entwicklungsabteilung argumentierte mit der Notwendigkeit neuer Produkte, der Vertrieb brauchte angeblich mehr Ressourcen, und K. T. Keller [Chef von Dodge] wollte den Maschinenpark erneuern. Chrysler ärgerte sich über die Reaktionen und bat seinen Finanzleiter B. E. Hutchinson, die Gehaltslisten zu holen. Halb scherzhaft schlug er vor, alle zu entlassen, die im letzten Drittel des Buches aufgeführt waren. Am nächsten Tag legten die Bereichsleiter die geforderten konkreten Kürzungsvorschläge vor.[ii]

Die eigentliche Stärke von Chrysler lag jedoch in der Konzentration auf mehr Effizienz – ein Wettbewerbsvorteil in allen Wirtschaftslagen. Um die Nachteile zu kompensieren, die sich aus den im Vergleich zu den Branchenriesen General Motors und Ford viel geringeren Stückzahlen ergaben, steigerte Chrysler die Produktivität um 50 Prozent. Bei Chrysler liefen 90 Plymouth pro Stunde vom Band, die Konkurrenten schafften in derselben Zeitspanne gerade einmal 60 Wagen ihrer Billigmarken. Zwar verkaufte Chrysler nur halb so viele Plymouth, wie GM Chevrolets absetzte, diese aber mit 70 Prozent mehr Gewinn pro Stück.

Neben dem strikten Kostenmanagement gelang es Chrysler, die Einnahmenseite zu stärken. Mitten in der Krise hatte der Autobauer den Mut, für den Plymouth neue Verkaufsstellen zu eröffnen und Werbung und Marketing auszuweiten (immerhin waren die Anzeigenpreise auch gefallen): Die Unternehmensleitung hatte begriffen, dass in einer tiefen Rezession nur ein preisgünstiges Auto Umsatz schafft. Während der Absatz hochpreisiger Marken abstürzte, verkaufte sich der Plymouth prächtig.

Chrysler bewältigte nicht nur die Weltwirtschaftskrise erfolgreich, das Unternehmen behielt auch die Zukunft im Blick. Im Rahmen von Roosevelts New Deal wurde das Straßennetz – vor allem die Highways – ausgebaut, und Chrysler erkannte, dass dies die Nachfrage nach schnelleren Autos mit mehr PS steigern würde. Deshalb investierte der Autobauer trotz der schweren Zeiten in Forschung und Entwicklung, nutzte als erster Hersteller Windkanäle, um Designern und Ingenieuren Messdaten an die Hand zu geben, mit denen sie die Aerodynamik verbessern konnten. Das Stromliniendesign des Chrysler Airflow und die neuartige Bauweise mit steiferem Karosseriekörper und geringerem Leistungsgewicht wurden rasch zum Branchenstandard.

Chrysler wurde von einem starken Mann – Walter Chrysler – geleitet, der sich wiederum mit starken Mitarbeitern umgeben hatte. Das war das eigentliche Geheimnis, weshalb es Chrysler gelang, an so vielen Fronten gleichzeitig so große Fortschritte zu machen.

Ford – hohe Kosten und mangelnde Flexibilität als Wettbewerbsnachteile

Ford hatte die Massenproduktion von Autos erfunden. Man hätte meinen sollen, dieser Pionier des preiswerten Automobils sei für die Weltwirtschaftskrise bestens aufgestellt gewesen. Das Gegenteil war der Fall: Mangelnde Flexibilität und unentschlossenes Agieren führten dazu, dass die Umsätze sanken und Ford 12 Prozentpunkte Marktanteil verlor. Statt zum Marktführer aufzusteigen, fiel es auf einen schwachen dritten Platz zurück. In stärkerem Maße als seine Konkurrenten war Ford vertikal integriert und bekam wegen der hohen Fixkosten in der Produktion den Umsatzrückgang finanziell mit voller Wucht zu spüren. Laxes Controlling und schlechtes Management erschwerten Kostensenkungen. Aus dieser Unfähigkeit erklärt sich der Versuch, mitten in der Weltwirtschaftskrise die Preise zu erhöhen, was die Probleme zusätzlich verschärfte.

Ford wurde zudem ein Opfer der neuen Realitäten der Großen Depression – einer Realität, die heute wieder aktuell ist: Während General Motors ausländische Autohersteller aufkaufte und diese für ausländische Märkte produzieren ließ, stellte Ford die Teile in den Vereinigten Staaten her und ließ sie im Ausland zusammenbauen. So war Ford dem wachsenden Protektionismus ausgeliefert und musste auf bestimmte Teile Zölle in Höhe von fast 100 Prozent entrichten.

Zu allem Überfluss wurde Ford von dem V6-Motor überrascht, den Chevrolet 1928 auf den Markt gebracht hatte, und bildete bei Ausbruch der Weltwirtschaftskrise in puncto Innovation das Schlusslicht. Ford zog zwar 1932 mit einem neuen V8-Modell nach, dies entsprach jedoch nicht den Bedürfnissen der Verbraucher: Der Motor war teurer und weniger zuverlässig als der der Konkurrenz.

Wie wir wissen, hat Ford die Große Depression überstanden. Doch es sollte viele Jahre dauern, bis das Unternehmen die verlorenen Marktanteile wenigstens teilweise zurückgewinnen konnte.

Die kleineren Konkurrenten

Die kleineren Autobauer konzentrierten sich fast alle auf das mittel- bis hochpreisige Segment und waren, als die Nachfrage wegbrach, massiv von Einnahmerückgängen betroffen. Sie schafften es nicht, schnell genug die Kosten zu senken und preiswerte Modelle zu bauen. Außer Chrysler meldeten die meisten Konkurs an oder verloren so viele Marktanteile, dass sie nicht mehr wettbewerbsfähig waren. Der Luxusautobauer Packard präsentierte erst 1935 einen Mittelklassewagen.

1937 fusionierte Nash Motors mit dem Haushaltsgerätehersteller Kelvinator (vermutlich wegen falsch verstandener Synergieeffekte) – eine reichlich ausgefallene Kombination, die zur Erfindung einer Heißwasserheizung und einer Gangschaltung, die Elemente der Staubsaugertechnik übernahm, führte. Doch wegen seines geringen Marktanteils und der damit einhergehenden Größennachteile konnte das Unternehmen keinen Gewinn aus seinen Erfindungen ziehen.

Mitte der 1950er-Jahre war keiner der kleineren Autohersteller mehr selbstständig. Den Boden, den sie während der Weltwirtschaftskrise verloren hatten, haben sie nicht mehr zurückerobern können.

Das Beispiel der US-Autoindustrie in den 1930er Jahren verdeutlicht die enormen Risiken, aber auch die Chancen in Zeiten erhöhter wirtschaftlicher Volatilität. Im siebten und achten Kapitel werden wir die Defensiv- und Offensivstrategien beschreiben, die dem Erfolg leistungsstarker Unternehmen in Abschwungphasen zugrunde lagen.

[i] Robert Sobel: The Age of Giant Corporations: A Microeconomic History of American Business, 1914–1984. Westport: Greenwood 1984.

[ii] Charles K. Hyde: Riding the Roller Coaster: A History of the Chrysler Corporation. Detroit: Wayne State University Press 2003, S. 79.

Kommentare (39) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Bauer sagte:

    @ D.Tischer

    >> „Wir hatten 1960 in der Bundesrepublik insgesamt 16.477 Verkehrstote und 1970 waren es 21.332 (Höchststand).

    WARUM hatte sich 1960 niemand über die Zahl der Verkehrstoten so aufgeregt, dass sie sich durch Verhalten und/oder Maßnahmen reduzierte?“

    Als inhaber eines Führerscheins seit 1954 habe ich diese Zeit erlebt und ich kann nur antworten „Weil es nicht anders ging.“ Die Geschwindigkeiten waren im Vergleich zu heute lächerlich (Vorkriegsautos in Drittweltzustand 80 km/h, Goggomobil und Isetta 70 km/h, VW Käfer 100 km/h), die Straßen waren marode Feldwege (ungeteerte Bundesstraßen mit achsenbrechenden Schlaglöchern), Bäume 10 cm vom Fahrbahnrand, kein Winterdienst (Salz kam aufs seltene Schmalzbrot), rudimentäre Signalisierung und dazu der Zwang zu schaffen, um zu überleben. Jeder Verkehrstote wurde genauso betrauert wie heute, aber dann musste man rasch zur Tagesordnung zurück, ändern konnte man sowieso nichts so schnell. Deutschland war ein geschlagenes und gevierteiltes Land.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Bauer

      >„Weil es nicht anders ging.“>

      Das ist TINA – und damit falsch.

      Denn es gibt IMMER Alternativen in einem OBJEKTIVEN Sinn.

      Es gibt sie PRAKTISCH freilich dann nicht, wenn sich alle EINIG sind. Denn dann sind Alternativen im KONSENS – einem unausgesprochenen „gesamtgesellschaftlichen Regelakt“ – ausgeschlossen.

      Zu unterscheiden:

      Der Konsens kann die objektiven Alternativen NICHT negieren, aber die durch den Konsens etablierte PRAXIS schließt sie aus.

      NEGIEREN („ist unmöglich“) ist etwas anderes als AUSSCHLIESSEN („interessiert uns nicht“).

      Das Beispiel der Beispiele:

      Es gibt KEINE Alternative zum Euro (Merkel)?

      Selbstverständlich gibt es die, aber sie wird ausgeschlossen.

      Wenn man diesen Unterschied nicht erkennt, kommt man nicht zu einer vertieften URSACHEN-Erklärung.

      >… musste man rasch zur Tagesordnung zurück…>

      NEIN.

      Man musste NICHT, sondern WOLLTE zurück – zu der DAMALS gültigen, aber nicht unverrückbar gültigen Tagesordnung, die es nicht gibt.

      Gäbe es diese, wäre Ihr „musste“ richtig.

      Nichts desto trotz:

      Ich habe den Führerschein zwar einige wenige Jahre nach Ihnen gemacht, kann aber problemlos NACHVOLLZIEHEN, was Sie sagen.

      Als BESCHREIBUNG von Sachverhalten stimmt es.

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    Gast sagte:

    Talk im Hangar-7 – Corona-Shutdown: Notbetrieb ohne Ende?
    26. März 2020

    https://www.servustv.com/videos/aa-22qz2aans1w12/

    Österreich befindet sich die zweite Woche im Shutdown, und ein Ende ist nicht in Sicht: Laut Bundeskanzler Sebastian Kurz müssten viele Vorsichtsmaßnahmen solange aufrecht bleiben, bis es ein gutes Medikament gibt oder ein Impfstoff gefunden ist. Beides wird wohl noch mehrere Monate dauern. Halten wir diesen Notbetrieb wirtschaftlich und gesellschaftlich wirklich noch so lange durch? Sind diese drastischen Einschränkungen wirklich alternativlos?

    Bitte vergleichen Sie insbesondere die Ausführungen des Psychologen und Politologen Harald Haas.

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    Richard Ott sagte:

    @Herr Tischer

    „So war die Zeit, so war die Präferenz für Mobilität. Was hat sich zu heute geändert, wo wir für Gesamtdeutschland etwas mehr als 3.000 Verkehrstote zählen? Offensichtlich haben sich die Präferenzen geändert, sicher auch erzwungen durch eine deutlich höhere Verkehrsdichte.“

    Es liegt auch daran, dass nach dem 2. Weltkrieg mit Millionen von Kriegstoten eine niedrige fünfstellige Zahl von Verkehrstoten nicht als besonders großes Problem gesehen wurde. Nichr nur die Präferenzen änderten sich, auch Bewertungsmaßstäbe waren völlig andere.

    Zur Illustration ein Beispiel aus Italien, dort wurde traditionell ein 1000-Meilen-Autorennen ausgetragen, das auch durch Stadtzentren führte und bei dem es deshalb immer wieder schwere Unfälle gab:

    „Ende der 1930er-Jahre hatte die Kritik am 1000-Meilen-Rennen auch in Italien zugenommen. Nach dem Abessinienkrieg, der 1936 mit der Unterwerfung des Kaiserreichs Abessinien durch das Benito-Mussolini-Italien endete, war das Rennen von nichtitalienischen Automobilherstellern, Rennteams und Fahrern weitgehend boykottiert worden. 1938 kam es bei der Durchfahrt von Bologna zu einem folgenschweren Zwischenfall. Der Lancia Aprilia der beiden italienischen Amateurrennfahrer Dr. Luigi Bruno und Angelo Mignanego verunglückte schwer, als Mignanego auf den Schienen der Straßenbahn bei ca. 100 km/h die Herrschaft über den Wagen verlor und in eine Zuschauergruppe fuhr. Während die beiden Fahrer so gut wie unverletzt blieben, starben bei dem Unfall zehn Zuschauer, darunter sieben Kinder. Als kurz vor dem Ende der Veranstaltung bei einem weiteren Unfall ein zwölfjähriges Mädchen überfahren wurde und den Tod fand, stand das Rennen knapp vor dem Abbruch. Als Folge der elf Todesopfer verbot die oberste italienische Motorsportbehörde von nun an die Durchfahrt von Ortskernen und Innenstädten bei Straßenrennen; das kam einem Ende des 1000-Meilen-Rennens gleich. Nachdem 1939 kein Rennen stattgefunden hatte, wurde beim Sieg von Fritz Huschke von Hanstein und Walter Bäumer 1940 ein 165 km langer Rundkurs in der Po-Ebene neunmal durchfahren.

    Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 fand zwei Jahre später das Rennen in seiner alten Form wieder statt. Die Millionen Toten des Kriegs hatten die Sicherheitsbedenken der Vorkriegszeit in den Hintergrund gedrängt. Beim Sieg von Clemente Biondetti und Emilio Romano im Alfa Romeo 8C 2900B Berlinetta Touring wurden wieder Ortschaften und Städte im vollen Tempo durchfahren.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Mille_Miglia_1948

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Richard Ott

      >Es liegt auch daran, dass nach dem 2. Weltkrieg mit Millionen von Kriegstoten eine niedrige fünfstellige Zahl von Verkehrstoten nicht als besonders großes Problem gesehen wurde. Nichr nur die Präferenzen änderten sich, auch Bewertungsmaßstäbe waren völlig andere.>

      Die einengende Kriegserfahrung hatte sicher einen Einfluss auf vieles, wahrscheinlich auch darauf, dass mit extensiver automobiler Mobilität so etwas wie Freiheit oder Überlegenheit ausgedrückt werden konnte – prototypisch James Dean in „Denn sie wissen nicht, was sie tun“ mit Chicken game.

      Unabhängig davon und an sich damit geänderten Bewertungsmaßstäben:

      Diese oder jenes wird WICHTIGER, anderes ist nicht mehr so beachtlich.

      An sich ändernden PRÄFERENZEN erkennt man sich ändernde Gesellschaften.

      Der Vorteil, Ursächlichkeit an bestimmten Präferenzen festzumachen, liegt an deren handlungsrelevanter WIRKUNG.

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    Rolf Peter sagte:

    Die Krise als Chance, sozusagen. In der derzeitigen – hausgemachten – Krise ist das nicht der Fall. Die Krise ist ja nicht eine Folge des Coronavirus (also eines exogenen Schocks), sondern unserer Massnahmen zur Krisenbekaempfung. Und da ist jede Menge politische Willkür im Spiel. Wer kann schon damit rechnen, dass seine Arbeit als nicht notwendig eingestuft wird und praktisch Arbeitsverbot erteilt wird? Da helfen dem betroffenen Unternehmer weder seine Führungsstärke noch seine Entschlossenheit. Hier zählen Glück und politische Bedeutung.

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    Horst sagte:

    „Nach der Krise ist vor dem Aufschwung“

    Lehrt die Geschichte des modern interpretierten Kapitalismus / Sozialismus (identische Geldsysteme) nicht:

    Nach der KRISE ist vor der KRISE?

    (Die 25 Jahre nach WK II dürfen außen vor bleiben, Europa bot mit dem Wiederaufbau genügend Potential für monetäres Wachstum)

    Frei nach Sepp Herberger: „Nach dem Spiel ist vor dem Spiel“

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      Richard Ott sagte:

      @Horst

      Nein, im Sozialismus ist immer Krise, und auch das Klopapier immer knapp.

      Und auch beim Geldsystem gibt es grundlegende Unterschiede, obwohl die einschlägigen Notenbanksozialisten die EZB sicherlich auch gerne so umbauen würden, dass sie wie die Staatsbank der DDR (das war die DDR-Zentralbank) arbeitet – ich befürchte fast, das meinen Sie mit Ihrer Formulierung von der „modernen Interpretation“:

      Gesetz über die Staatsbank der Deutschen Demokratischen Republik [Auszüge]
      § 1. (1) Die Staatsbank der Deutschen Demokratischen Republik (im folgenden Staatsbank genannt) ist das zentrale Organ des Ministerrates für die Verwirklichung der von Partei und Regierung beschlossenen Geld- und Kreditpolitik in ihrer Gesamtheit. Sie ist die Emissionsbank der Deutschen Demokratischen Republik und das Kredit- und Verrechnungszentrum der Volkswirtschaft. Sie hat die einheitliche Leitung, Planung, Durchführung und Kontrolle der Geld- und Kreditpolitik mit hoher Effektivität im volkswirtschaftlichen Maßstab zu sichern und dabei eng mit den anderen Geld- und Kreditinstituten zusammenzuarbeiten. Die Staatsbank hat durch die Wahrnehmung ihrer Funktionen aktiv auf das kontinuierliche Wachstum der Volkswirtschaft, die Steigerung der Arbeitsproduktivität und die Sicherung der Stabilität der Währung Einfluß zu nehmen.

      (2) Die Staatsbank verwirklicht ihre Aufgaben in Durchführung der Beschlüsse der Partei der Arbeiterklasse, auf der Grundlage der Gesetze und anderer Rechtsvorschriften. Der Präsident der Staatsbank unterbreitet dem Ministerrat Vorschläge für die Weiterentwicklung der staatlichen Geld- und Kreditpolitik.

      § 2. (1) Auf der Grundlage der staatlichen Planung organisiert die Staatsbank den Geldumlauf, konzentriert freie Geldmittel der Volkswirtschaft und der Bevölkerung, gewährt kurz- und langfristige Kredite, trägt zur Gewährleistung des staatlichen Valutamonopols bei, organisiert den Zahlungs- und Verrechnungsverkehr, führt den Reisezahlungsverkehr durch und übt eine staatliche Kontrolle durch die Mark aus. Sie nimmt freie Geldmittel der Geld- und Kreditinstitute als Einlagen entgegen und gewährt den Kreditinstituten Refinanzierungskredite.

      (2) Die Staatsbank führt. ihre Aufgaben der Finanzierung und Kontrolle der Betriebe, Kombinate und wirtschaftsleitenden Organe der Industrie, des Bauwesens, des Binnenhandels, des Verkehrswesens, des Post- und Fernmeldewesens und weiterer festgelegter Wirtschaftsbereiche sowie staatlicher Einrichtungen durch.

      (3) Die Arbeit der Staatsbank ist nach dem Prinzip des demokratischen Zentralismus zu organisieren. In der Arbeit der Staatsbank ist zu gewährleisten, daß die gesamtgesellschaftlichen Erfordernisse der staatlichen Geld- und Kreditpolitik verwirklicht und eine Zusammenfassung der Kontrollergebnisse, ihre Auswertung sowie die Erarbeitung von Lösungsvorschlägen für Partei und Regierung gesichert werden.

      § 3. (1) Die Staatsbank hat im Rahmen der vom Ministerrat bestätigten Höhe des Bargeldumlaufs das alleinige Recht der Ausgabe von Geldzeichen (Banknoten und Münzen einschließlich Sonder- und Gedenkmünzen) der Währung der Deutschen Demokratischen Republik. Die von der Staatsbank ausgegebenen Geldzeichen sind das gesetzliche Zahlungsmittel in der Deutschen Demokratischen Republik. Der Präsident der Staatsbank unterbreitet dem Ministerrat Vorschläge für die Neuausgabe von Geldzeichen.

      § 12. (1) Die Staatsbank wird vom Präsidenten nach dem Prinzip der Einzelleitung bei kollektiver Beratung der Grundfragen geleitet. Das beratende Organ des Präsidenten der Staatsbank für die einheitliche Leitung und die Koordinierung der Geld- und Kreditpolitik ist das Kollegium.

      (2) Der Präsident der Staatsbank ist Mitglied des Ministerrates. Er ist der Volkskammer und dem Ministerrat für die Tätigkeit der Staatsbank verantwortlich und rechenschaftspflichtig. Der ständige Stellvertreter des Präsidenten der Staatsbank ist der Vizepräsident.

      [Und meine Lieblingsvorschrift…]

      § 14. (1) Der Präsident der Staatsbank ist für die Durchsetzung der Grundsätze der sozialistischen Kaderpolitik, insbesondere für die planmäßige marxistisch-leninistische Bildung und. Erziehung, die Qualifizierung und den Einsatz der Leiter und Mitarbeiter der Staatsbank, verantwortlich. Er hat zu sichern, daß die Leiter und Mitarbeiter der Staatsbank ihre Aufgaben mit einer hohen Staatsdisziplin erfüllen.
      https://www.verfassungen.de/ddr/staatsbankgesetz74.htm

      Wenn Sie die Unterschiede nicht erkennen, kann ich Ihnen auch nicht mehr helfen.

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        Horst sagte:

        Danke für Ihre Bemühungen.

        Sowohl im Sozialismus als auch im Kapitalismus wird Geld auf die gleiche Art geschöpft, das Zusammenspiel von Geschäftsbanken und Zentralbanken ist hier ebenfalls identisch.

        Wenn Sie diese Gemeinsamkeit nicht erkennen, dann kann ich Ihnen auch nicht weiterhelfen.

        Vielleicht aber nehmen Sie sich auch die Zeit und denken einmal darüber nach wie, warum Ismen, gleich in welchen Bereichen Sie sich umschauen, das Licht der Welt erblickt haben.

        Und nun noch einmal, ganz deutlich: auf ihre sprachlichen Spaltungen werde ich nicht mehr eingehen in Zukunft, sie führen ins Leere.

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        ruby sagte:

        @Herr Ott
        Das Aktuelle ist, daß Trump Powell ganz klar im Sinne der DDR Staatsbank als ein Mitglied de Oval Office instrumentalisiert. Dazu wird auch eine finanzielle und organisatorische Fortentwicklung erfolgen. Diesen Prozeß bzw. die Initialzündung haben wir derzeit erlebt.
        Wahrlich historische Dimensionen auch und gerade hinsichtlich unserer eigenen Wirtschaftstheorie- und Wirtschaftspolitikstruktur.
        Das Automobilbranchenbeispiel zeigt dazu interessante Entwicklungen sowie mögliche realwirtschaftliche Perspektiven.
        Es ist derzeit sogar bald zu überlegen, den Markt für Aktien im Automobilsektor zu schliessen.
        Das Stimmrecht des Landes Niedersachsen ist ein Relikt aus diesen von Dr. Stelter beschriebenen ursprünglichen Anforderungen. Ganz intensiv wird die Luxuskarosseriensparte betroffen sein. Ford Motors mit seiner mexikanischen Enklave an Fertigungen ist bereits auf Junk Nieveau kreditiert.
        Viele grundlegende Ziele und Entscheidungen stehen an und die Versuchung heimische Wirtschaftsförderung zu dominieren bleibt eine herausragende politische Versuchung,. Denn globale Fertigungsketten stehen meiner Einschätzung nach eher unter der Abrissbirne.

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        Richard Ott sagte:

        @Horst

        Ihre Belehrungsversuche wären wertvoller, wenn Sie wenigstens ein bisschen Ahnung von den Dingen hätten, über die Sie schreiben.

        Unabhängige Geschäftsbanken, die selbstständig Kredite vergeben konnten, gab es in der DDR nicht. Alles war direkt der Zentralbank unterstellt, und die wiederum war an Weisungen der SED-Regierung gebunden, wobei der Zentralbank-Präsident sogar ganz formal Teil des Ministerrates war. Steht sogar alles in den Gesetzesauszügen weiter oben, die Sie offensichtlich nicht gelesen oder verstanden haben:

        „Die Staatsbank der Deutschen Demokratischen Republik (im folgenden Staatsbank genannt) ist das zentrale Organ des Ministerrates für die Verwirklichung der von Partei und Regierung beschlossenen Geld- und Kreditpolitik in ihrer Gesamtheit. Sie ist die Emissionsbank der Deutschen Demokratischen Republik und das Kredit- und Verrechnungszentrum der Volkswirtschaft. Sie hat die einheitliche Leitung, Planung, Durchführung und Kontrolle der Geld- und Kreditpolitik mit hoher Effektivität im volkswirtschaftlichen Maßstab zu sichern und dabei eng mit den anderen Geld- und Kreditinstituten zusammenzuarbeiten. (…) Die Staatsbank verwirklicht ihre Aufgaben in Durchführung der Beschlüsse der Partei der Arbeiterklasse (…) Auf der Grundlage der staatlichen Planung organisiert die Staatsbank den Geldumlauf, konzentriert freie Geldmittel der Volkswirtschaft und der Bevölkerung, gewährt kurz- und langfristige Kredite (…) Die Arbeit der Staatsbank ist nach dem Prinzip des demokratischen Zentralismus zu organisieren. In der Arbeit der Staatsbank ist zu gewährleisten, daß die gesamtgesellschaftlichen Erfordernisse der staatlichen Geld- und Kreditpolitik verwirklicht [werden] (…) Der Präsident der Staatsbank ist Mitglied des Ministerrates. Er ist der Volkskammer und dem Ministerrat für die Tätigkeit der Staatsbank verantwortlich und rechenschaftspflichtig.“

        Begreifen Sie es jetzt, oder war das auch schon wieder zu lang?

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        >Sowohl im Sozialismus als auch im Kapitalismus wird Geld auf die gleiche Art geschöpft, das Zusammenspiel von Geschäftsbanken und Zentralbanken ist hier ebenfalls identisch.>

        R. Ott hat Ihnen erklärt, warum Sie falsch liegen mit dieser Aussage.

        Ich veranschauliche Ihnen, WARUM sie falsch liegen MÜSSEN:

        Im Kapitalismus ist es die INDIVIDUELLE unternehmerische Nachfrage nach Geld, die bei einer Bank durch ein beidseitig gewolltes, rechtswirksam geschaffenes Schuldverhältnis, d. h. einen Kreditvertrag, dem nachfragenden Unternehmen Geld verschafft, also Geld für es SCHÖPFT.

        Es ist AUSSCHLIESSLICH die individuelle unternehmerische Entscheidung, die für die Schöpfung von Geld für Unternehmen sorgt.

        In diesen Prozess greift die Zentralbank NICHT ein.

        Sie adjustiert allerdings Bedingungen, unter denen er stattfindet.

        DIESE Art der Geldschöpfung kann es in der ZENTRALEN Verwaltungswirtschaft mit PLANUNG von oben nach unten NICHT geben.

        Gäbe es sie, gäbe es also individuelle unternehmerische Entscheidungen, DERART Geld zu schöpfen, wäre es KEIN Sozialismus.

        Ich hoffe, dass Sie diese wenigen Hinweise überzeugen.

      • Avatar
        Horst sagte:

        An die Herren Tischer und Ott: Ihre Darlegungen und Argumente überzeugen mich nicht. Für einen groben ersten Überblick empfehle ich beigefügten Link:

        https://www.gabler-banklexikon.de/definition/bankensystem-der-ehemaligen-ddr-55980

        Sollten Sie tiefer in diese Materie einsteigen wollen, lassen Sie es mich gerne wissen, die Fachliteratur stelle ich gerne zur Verfügung. Zumindest sollten Sie anerkennen, dass es auch in der DDR gewöhnliche Sparkassen und Geschäftsbanken gab, die nach Erfordernis und in bestimmten Spezialsegmenten Kredite auch an Privatpersonen ausreichte.

        Dass die Staatsbank der DDR letztendlich keine anderen Aufgaben wahrnahm (Termin- und Wechselkurs-Geschäfte etc. pp z.B) wie die Bundesbank, sollte auch durch diesen kurzen Überblick sich Ihnen beiden erschließen.

        Sollte Ihnen das Geschäftsbanken System der DDR zu wenig „privatrechtlich“ organisiert sein, so erinnere ich an die staatliche Rettung beispielsweise der Commerzbank 2008 sowie die Aufgabe der jeweiligen Landes Zentralbanken in der BRD, respektive ihrer Bürgschaftsbanken, ohne die ein Kredit an Unternehmer, klassische KMU-Finanzierung, beinahe nicht darstellbar wäre.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Horst

        Ich glaube eher, Sie haben weder Fachkenntnis noch Fachliteratur zum DDR-Bankensystem und klicken sich gerade verzweifelt irgendwelche Gegenargumente zusammen. Das würde wenigstens erklären, welchen Unsinn Sie im Brustton der völligen Überzeugung hier von sich geben.

        „Zumindest sollten Sie anerkennen, dass es auch in der DDR gewöhnliche Sparkassen und Geschäftsbanken gab, die nach Erfordernis und in bestimmten Spezialsegmenten Kredite auch an Privatpersonen ausreichte.“

        Ja, in bestimmten „Spezialsegmenten“, zum Beispiel Möbelsparen oder Heiratssparen. So eine Art KDF-Sparkampagne für DDR-Bürger. (Volkswagen-Autos leider nicht verfügbar…)

        Und ob „Erfordernis“ für die Ausreichung von Krediten bestand, entschied die Staaatliche Plankommission der DDR.

        „Dass die Staatsbank der DDR letztendlich keine anderen Aufgaben wahrnahm (Termin- und Wechselkurs-Geschäfte etc. pp z.B) wie die Bundesbank, sollte auch durch diesen kurzen Überblick sich Ihnen beiden erschließen.“

        Wechselkursgeschäfte, soso. Wenn Sie angeblich über das DDR-Finanzsystem gut Bescheid wissen, dann kennen Sie sicher den Begriff „Valutamonopol“. Inwiefern nahm die Bundesbank ähnliche Aufgaben war wie diejenigen, die die DDR-Zentralbank im Rahmen des staatlichen Valutamonopols hatte?

        „Sollte Ihnen das Geschäftsbanken System der DDR zu wenig „privatrechtlich“ organisiert sein, so erinnere ich an die staatliche Rettung beispielsweise der Commerzbank 2008“

        Schlimm genug, dass der VEB Commerzbank immer noch zum Teil in Staatsbesitz ist. Sie wissen ja, dass ich als böser Kapitalist mit „feindlich-negativer Einstellung“ zur sozialistischen Gesellschaftsordnung diese Bank in der Finanzkrise lieber in die Liquidation geschickt hätte. Trotzdem entscheidet nicht Merkels „Ministerrat“ darüber, in welcher Höhe die Commerzbank Kredite vergibt und an wen.

      • Avatar
        Horst sagte:

        Ach Ottchen, vor lauter reflexartiger Rabulistik sowie Ihrem stetigen Drang zur Offenbarung Ihrer Obsession, sehen Sie den Wald vor lauter Bäumen nicht. Daher noch einmal, Diskussionen mit Ihnen, auch nachts um 1:30 Uhr, weil ich nicht einschlafen kann, diese dennoch für ein wenig Erheiterung sorgen, führen ins Leere.

        Achtung Sarkasmus, richtig, seit 2008 vergibt die Commerzbank gar keine Kredite mehr. Vor allem nicht an den Mittelstand. Wie alle anderen Geschäftsbanken in Deutschland auch sofern sie nicht von den jeweiligen Bürgschaftsbanken oder Landeszentralbanken Garantie in Höhe von 80 Prozent des ausgereichten Kredites erhalten.

        In Bezug auf das Valutamonopol mögen Sie noch einmal ganz genau nachdenken, warum die Staatsbank der DDR diese ganz spezielle finsnzwirtschaftliche Aufgabe übernahm. Neben allen anderen Aufgaben, die sich von denen anderer Zentralbanken in „kapitalistischen“Organisationssystemen nicht unterschied.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        Sie schlagen sich selbst mit dem Link, den Sie uns anbieten.

        Denn er kann IHNEN nicht nur eine erste grobe, sondern hinreichend eindeutige EINSICHT vermitteln, dass Sie falsch liegen.

        Sie müssen freilich nicht in der Dimension „Bankschalter“ denken, sondern SYSTEMISCH.

        Zitate aus Ihrem Link:

        „Bankensystem, das ein Teil des planwirtschaftlich organisierten Staates war, aber nicht aus einer staatlichen Einheitsbank, sondern aus mehreren Instituten bzw. Institutsgruppen bestand, die allerdings entsprechend den Grundsätzen einer Zentralverwaltungswirtschaft vollständig in staatlichem Eigentum und unter einheitlicher staatlicher Leitung standen (staatliches Bankenmonopol)“

        Stehen kapitalistische Geschäftsbanken VOLLSTÄNDIG in staatlichem EIGENTUM und unter einheitlicher staatlicher LEITUNG?

        Gibt es im Kapitalismus ein STAATLICHES Bankenmonopol?

        Sicher nicht – oder?

        „Die Staatsbank der DDR nahm nicht nur Zentralbankfunktionen wahr, sondern war auch gleichzeitig als wichtigste Geschäftsbank der DDR für die volkseigene Wirtschaft zuständig.“

        Sind kapitalistische Zentralbanken GESCHÄFTSBANKEN für die VOLKSEIGENE Wirtschaft?

        Sicher nicht – oder?

        Es ist kein Ausweis für das Blog, dass wir Derartiges diskutieren.

        Ich verabschiede mich daher.

      • Avatar
        Horst sagte:

        Herr Tischer, Ausgangspunkt der Diskussion war: „ Sowohl im Sozialismus als auch im Kapitalismus wird Geld auf die gleiche Art geschöpft, das Zusammenspiel von Geschäftsbanken und Zentralbanken ist hier ebenfalls identisch.“

        Auch im Sozialismus erblickt Geld das Licht der Welt durch die Vergabe von Krediten. Schulden sind identisch der Vermögen.

        Darüber habe ich mit Verweis auf den Springer Link dargelegt, dass neben der Staatsbank der DDR auch Geschäftsbanken/Sparkassen existierten. Dass es selbstredend neben diesen großen Gemeinsamkeiten feinere Abstufungen hinsichtlich der zentralisierten Organsiationsstruktur gab, haben Sie dargelegt, ich nicht angezweifelt.

        Sollten Sie also mit ihren Darlegungen richtig liegen, so müssten sie wiederum beweisen dass im sozialistischen Systemen ausschließlich Zentralbank Geld innerhalb der Volkswirtschaften zirkulierte.

        Und in Bezug auf die individuelle unternehmerische, beidseitig gewollte Willenserklärung qua Kreditvertrag, die sie ansprechen, möchte ich Sie wiederum fragen, ob eben diese zur Zeit nicht ausgehebelt wird, da Unternehmen unter Umständen gezwungen sein werden, via KfW (eine staatliche Bank) Kredite nachzufragen, um mögliche Umsatzverluste zu kompensieren?

      • Avatar
        Horst sagte:

        ad Ruby:

        Diese Entwicklung, auf die sie verweisen, mag der Herr Ott nicht erkennen, dafür ist er zu sehr in der marktgläubigen Illusion verankert.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Horst

        >Und in Bezug auf die individuelle unternehmerische, beidseitig gewollte Willenserklärung qua Kreditvertrag, die sie ansprechen, möchte ich Sie wiederum fragen, ob eben diese zur Zeit nicht ausgehebelt wird, da Unternehmen unter Umständen gezwungen sein werden, via KfW (eine staatliche Bank) Kredite nachzufragen, um mögliche Umsatzverluste zu kompensieren?>

        Nein, DADURCH wird sie nicht ausgehebelt.

        Denn die Unternehmen sind NICHT gezwungen, Kredite nachzufragen.

        Sie können versuchen, auch ohne Kredite zu überleben.

        Sie können versuchen, sich anders zu finanzieren.

        Sie können sich auch entscheiden, pleitezugehen.

        Was allerdings richtig ist:

        Der Kapitalismus durchläuft auf der MONETÄREN Ebene eine METAMORPHOSE durch die Notenbanken, die zentralistisch agieren und damit die Liquiditätsversorgung ein Stück in Richtung Sozialismus verschieben, wenn man sie in den Kontext unserer Diskussion einbringen will.

        Das ist rubys Thema (mit einem realwirtschaftlichen Auflösungsszenario)

        R. Ott versteht das schon.

        Der Punkt ist:

        Das ist NICHT mehr DER Kapitalismus, den wir mit dem Sozialismus vergleichen.

        Entweder wir vergleichen DAS System Kapitalismus mit dem Sozialismus (was das Verständnis auch Ihrer Aussagen ist)

        oder

        wir BEWERTEN die ÄNDERUNGEN dieses Systems mit Blick auf den Sozialismus.

        Mit einer Vermischung kommt man nicht zu einer sinnvoll klärenden Diskussion.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Horst

        „Diese Entwicklung, auf die sie verweisen, mag der Herr Ott nicht erkennen, dafür ist er zu sehr in der marktgläubigen Illusion verankert.“

        Die Entwicklung erkenne ich schon, und ich halte sie für extrem negativ. Ich kann mich nämlich noch sehr gut daran erinnern, wie es aussieht, wenn der real existierende sozialistische Staat zum Beispiel die Fertigung von Autos im „Luxuskarossen“-Segment übernimmt:

        Trabant 601 S deluxe
        https://youtu.be/5ynxQF3pd-I

        Staatsgläubige wie Sie werden jetzt vielleicht einwenden, dass das ein absichtlich von mir ausgewähltes und auch noch fast 40 Jahre altes Negativbeispiel ist. Der staatliche Flughafenbau in Berlin und die staatliche Beschaffung von medizinischer Schutzaurüstung sind hingegen moderne Erfolgsgeschichten, schon klar ;)

    • Avatar
      ruby sagte:

      Donald Trump macht mit dem Congress Hubschrauber Schecks, weil die Zentralbanken die totalen Loser sind:

      „A point made by Ellen Brown previously:

      “The financialized economy – including stocks, corporate bonds and real estate – is now booming. Meanwhile, the bulk of the population struggles to meet daily expenses. The world’s 500 richest people got $12 trillion richer in 2019, while 45% of Americans have no savings, and nearly 70% could not come up with $1,000 in an emergency without borrowing.

      Central bank policies intended to boost the real economy have had the effect only of boosting the financial economy. The policies’ stated purpose is to increase spending by increasing lending by banks, which are supposed to be the vehicles for liquidity to flow from the financial to the real economy. But this transmission mechanism isn’t working, because consumers are tapped out.”“
      aus:
      https://www.zerohedge.com/markets/fed-trying-inflate-4th-bubble-fix-third

      Wenn in Europa die Beschäftigungslosigkeit bubbles dann geht der Verteilungskampf um Rettungsbillionen richtig los.

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        Felix sagte:

        @ Ruby

        Sie haben Recht. D. Trump lobt die FED nur vordergründig. Die FED hat es diesmal aber absichtlich versemmelt – die 0,01% wollen die kontrollierte Krise, und diese 0,01% kontrollieren die FED, nicht die gewählte Regierung. Diese ergreift zusätzliche eigene Maßnahmen, um die Chance zur Wiederwahl zu erhalten. So ist das. Wir erleben die öffentliche Aufführung eines neuen Stücks aus dem „Deep State“.

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        ruby sagte:

        @Felix
        Das hatte Dirk Müller bei mission money so für die erste Sonntagsrettungsversuche von J.Powell analysiert.
        Danach folgte ungekannte Liquidität für die Märkte.
        die letzten drei Handelstage dann Rekord Aufholungen.
        Ich traue es garnicht den heutigen Tag zu verfolgen.
        We will see but have to survive.
        Das alles in einer weltweiten Stillstandphase der Realeconomy.
        Der Handlungsdruck dreht und kommt von der Mainstreet oder
        „what ever you want“ from Status Quo.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Die Gegenwart kommt VOR der Zukunft, für die und in der Chancen genutzt werden können.

    Die sieht aktuell für die größte Volkswirtschaft der Welt so aus:

    https://finance.yahoo.com/news/coronavirus-weekly-initial-unemployment-claims-march-21-153036254.html

    Daraus:

    “The number of Americans filing for unemployment benefits skyrocketed to a record-breaking 3.283 million for the week ended March 21. Consensus expectations were for 1.64 million claims. The previous record was 695,000 claims filed the week ended October 2, 1982. Initial jobless claims for the week ended March 14 was revised higher to 282,000 from 281,000 and was the largest single-week increase since the Great Recession…
    … that means the economy is not just staring down at the abyss, it has fallen off the cliff…”

    Aber nur keine Bange, wie die Weisheit von Chairman Trump besagt, heißt „America first“, dass gleich nach Ostern die von der Klippe gefallene Wirtschaft aufstehen und zu neuem Höhenflug ansetzen wird …

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    • Avatar
      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      Üble Zahlen, aber die waren in der Größenordnung zu erwarten, zumal die Leistungen der Arbeitslosenversicherung in den USA ja gerade wegen Corona ausgeweitet wurden. In Deutschland werden wir stattdessen einen ähnlichen Sprung bei angemeldeter Kurzarbeit sehen, wobei Kurzarbeitergeld ja auch eine Leistung der Arbeitslosenversicherung ist.

      Und sobald die Ausgangsbeschränkungen wieder aufgehoben werden (wann das sein wird, ist eine andere Frage…), werden plötzlich ungefähr genau so viele Stellen wieder geschaffen.

      Antworten
  7. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >Das Beispiel der US-Autoindustrie in den 1930er Jahren verdeutlicht die enormen Risiken, aber auch die Chancen in Zeiten erhöhter wirtschaftlicher Volatilität.>

    Das verdeutlichen diese Beispiele in der Tat.

    Warum sie trotzdem nur BEDINGT für zukünftige Volatilität (Wirtschaftskrisen) gelten dürften, liegt m. A. n. an u. a. vier „Parametern“, die sich seit der großen Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren verändert haben:

    a) der Kapitalismus war seit der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre trotz/wegen WK II a) so erfolgreich (Warensättigung) und b) so expansiv (Globalisierung, Erfassung der Entwicklungsländer), dass das Chancen-Risiko-Profil sich über den Technologiewandel (Digitalisierung) hinaus GRUNDLEGEND gewandelt hat.

    Chancen nutzen, heißt vermehrt:

    Woanders in der Welt investieren mit der Folge, dass das Management ganz anderen Optionen der Chancennutzung unterworfen wird – in China etwa dem Verzicht, die ALLEINIGE Kontrolle über des Unternehmens zu haben.

    b) Die gegenwärtige Phase umfassender Innovation (Digitalisierung etc.) ist auch eine des REGELVERLUSTS für viele Unternehmen, d. h. des VERLUSTS von Entscheidungsgrundlagen, weil sie nicht die Ressourcen bzw. das wirtschaftliche Gewicht haben, die Chance NEUER Regelsetzung zu nutzen bzw. mitzunutzen.

    Beispiel:

    Viele Unternehmen wissen zwar, dass sie ihren Betrieb auf IT umrüsten müssen, können aber nicht die Chance nutzen, damit anderen voraus zu sein, weil sie auf lange Zeit zurückfallen würden, wenn sie auf die falsche IT-Plattform setzten, d. h. auf eine, die sich nicht durchsetzt.

    c) Das „Wirtschaftssubjekt“ Staat als REAKTION auf die Weltwirtschaftskrise in den 1930er Jahren hat einen derart großen Einfluss, dass die EFFIZIENZ der Chancennutzung und die EFFEKTE der Risikovermeidung einen anderen Stellenwert haben.

    Anders ausgedrückt:

    Der Staat regiert die Unternehmen mit und verfolgt dabei ZIELE, die nicht mit dem traditionell vorrangigen Unternehmensziel der Renditemaximierung vereinbar sind.

    Das ist nicht auf direkte Staatsbeteiligungen beschränkt, auch nicht auf kartellrechtliche Bestimmungen für M&A.

    d) der Wandel zur Dienstleistungswirtschaft schafft ganz andere Strukturen in den Unternehmen und in der Wirtschaft, die zwar Anpassungs- und Optimierungsoptionen nicht ausschließen, aber völlig andere REAKTIONSMUSTER verlangen.

    Beispiel:

    Für die Dienstleister in der Pflege gibt es KEINEN Nachfrageausfall, auf den sie irgendwie – anders als die Automobilindustrie natürlich – reagieren könnten.

    Denn in Krisenzeiten wird ihr weitgehend regulatorisch bestimmtes Angebot durch staatliche Maßnahmen gesichert.

    Fazit:

    Unternehmen haben nach wie vor OPTIONEN, deren Wahrnehmung sie gegenüber dem Wettbewerb in eine vorteilhafte Position bringen können.

    Aber es gibt nicht mehr wie in den 1930er Jahren DEN MARKT, auf den sie sich fokussieren könnten.

    Auf was immer sie sich fokussieren können und es tun, sie können das nicht mehr „frei“ tun.

    Unternehmen werden in der Zukunft immer weniger GEFÜHRT, sondern immer mehr VERWALTET werden.

    Wenn das auch nur annähernde richtig ist, MUSS überdacht werden, wie Unternehmen STRATEGIE verstehen und umsetzen sollten.

    Antworten
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    Wolfgang Selig sagte:

    Ich denke, die Erkenntnisse kann man mit Modifikationen auf heute übertragen. Allerdings nicht nur unternehmens-, sondern auch branchenspezifisch. Techfirmen werden von der jetzt sprunghaft steigenden Digitalisierung in Handel, Bildung und Homeoffice langfristig profitieren; stationärer Handel, Schulkreideproduzenten und Fluggesellschaften werden leiden. Die Krise wird manche Verhaltensweisen dauerhaft ändern. Weltweit.

    Antworten
    • Avatar
      troodon sagte:

      @Wolfgang Selig
      „sprunghaft steigenden Digitalisierung “ …und das wäre auch gut so.

      Es gibt nach einigen Wochen Coronavirus in D immer noch keine Übersicht, wie viele Tests denn nun eigentlich insgesamt durchgeführt worden sind. Die Infektionszahlen vom RKI liegen/lagen bis zu 2 Tage hinter der Realität (Zahlen der Landkreise/Städte)zurück. Für Meldewege der Infektionszahlen scheinen Brieftauben genutzt zu werden, anstatt ein einfaches online-System, in das die Gesundheitsämter laufend die Fallzahlen eintragen.
      Italien veröffentlicht täglich eine Übersicht mit Gesamtzahlen der durchgeführten Tests inkl. einer Aufteilung nach Regionen…

      Antworten
      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @troodon

        „Die Infektionszahlen vom RKI liegen/lagen bis zu 2 Tage hinter der Realität (Zahlen der Landkreise/Städte)zurück.“

        Die McKinsey-Berater der Regierung müssten spätestens jetzt energisch einschreiten und „If you can’t measure it, you can’t manage it“ rufen – aber die sind noch zu sehr mit dem Geldzählen der Erlöse aus Uschis Bundeswehr-Zerstörungsprojekt beschäftigt…

      • Avatar
        Wolfgang Selig sagte:

        @troodon:

        Das liegt nicht nur an der Technik. Die Landratsämter dürfen nicht an das RKI melden, sonst wären ja die Ladesgesundheitsämter überflüssig. Sind sie allgemein nicht, aber in diesem Fall schon, nur kann das kein Landesgesundheitsminister zugeben, sonst würde man ja seine wahre Bedeutung erkennen. Ist wie ein überflüssiger Hauptabteilungsleiter in einem Unternehmen für diesen Prozess. Es gibt aber andere Prozesse, da sind sie wichtig; ich plädiere nicht für deren Abschaffung, sondern für andere Prozesse.

    • Avatar
      jobi sagte:

      @ Wolfgang Selig

      „Ich denke, die Erkenntnisse kann man mit Modifikationen auf heute übertragen“

      Bei uns wird die Krise schmerzlich offen legen, was Politik in den letzten 10 Jahren versäumt hat.

      Die Profiteure der Digitalisierung sitzen nämlich nicht in Europa sondern in China, Südostasien und vor allem in den USA.

      Nicht nur bei Big Data und KI sind wir schlecht aufgestellt, sondern lange auch schon beim Ausbau der Basis-Infrastruktur.
      Weil bei uns die Telkos mit hohen Lizenzgebühren belegt werden ( die der Staat dann für Konsum und Wahlgeschenke ausgibt ) fehlen die Mittel für notwendige Investitionen.
      2000 genehmigte Anträge für 5G-Masten pro Jahr in DE – In den USA ähnliche Zahlen – allerdings pro Woche !

      Deutschland hat sich schleichend vom Rohstoffimporteur zum Rohstoffexporteur gewandelt.

      Wir bezahlen mit dem Rohstoff des 21.Jahrhundert – unseren Daten.
      Die Wertschöpfung findet woanders statt.

      Der bevorstehende technologische Boost wird uns mit voller Wucht treffen.
      Zusammen mit der demografischen Entwicklung wird das den Deflationsdruck verstärken – das perfekte japanische Szenario.

      Reaktion ?? Wie gehabt: Gelddrucken, Retten, Umverteilen, um kurzfristige Schmerzen zu lindern.

      Antworten
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        Wolfgang Selig sagte:

        @jobi: Volle Zustimmung, aber die Ursachen liegen tiefer. Mit einer technikfeindlichen Bevölkerung, der unternehmerische Aktivitäten suspekt sind, weil sie Gleichheit der Ergebnisse statt Gleichheit der Chancen befürwortet, bekommen Sie nichts anderes hin.

        Seit die Sowjetunion weg ist, fällt das abschreckende sozialistische Beispiel weg und das erfolgreiche China lebt doch angeblich im Sozialismus; in Wirklichkeit ist deren Mietrecht im Vergleich zu unserem etwa so wie im Manchester-Kapitalismus.

        Die Politiker sind nicht die Alleinschuldigen. Es ist die Masse der Leute, denen Gelddrucken lieber ist als Eigenverantwortung und Inititative. Einem Unicorn-Gründer wird in Berlin eher die neue Luxuslimousine abgefackelt als dass er zum Berater des Schulsenators ernannt wird. Solange das so bleibt, ändert sich nichts. Wir leben nur von den Vorleistungen der Vergangenheit und die lösen sich gerade in Luft auf: bei der Energie, in der Elektrotechnik, in der Automobilwirtschaft und in der Pharmabranche, obwohl wir mal die Apotheke der Welt waren. So ist das: wie bei den Buddenbrooks von Thomas Mann. Nur sind wir nicht die erste Generation, sondern die dritte…

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        >@jobi: Volle Zustimmung, aber die Ursachen liegen tiefer.>

        Auch von mir volle Zustimmung.

        >Mit einer technikfeindlichen Bevölkerung, der unternehmerische Aktivitäten suspekt sind,…

        Nochmals volle Zustimmung.

        Ohne einen Überbietungswettbewerb, der nur albern wäre, anzetteln zu wollen, sage ich:

        Die Ursachen liegen noch TIEFER.

        Was überschaubare Zeiträume anlangt, sind Menschen eine biologische KONSTANTE – so wie sie ausgestattet und „konfiguriert“ sind.

        Es ist daher nicht befriedigend und auch nicht die Einsicht fördernd, wo aktivierbare Potenziale für Veränderungen liegen könnten (wenn überhaupt), wenn die Ursache am Menschen bzw. der Bevölkerung festgemacht wird.

        Es ist zwar völlig klar, dass das, was ist (im hier besprochenen Kontext), nicht vom Himmel gefallen ist, sondern durch Menschen geschaffen wurde. Das überall, weltweit.

        Aber die Menschen handeln nicht auf Basis referentieller Selbstreflexion, sondern auf der Basis von Gegebenheiten, die von ihnen entwickelt wurden (Technik, Wissen, Sitten, Institutionen und – immer bedeutender – kommunikativer Einflussnahme.)

        Heißt:

        Sie handeln in einem System, das sie geschaffen haben, dem sie ausgeliefert sind und das sie mit ihren Fähigkeiten VERÄNDERN.

        Dieser Prozess lässt sich durch vieles beschreiben und mit Befindlichkeiten markieren.

        In der Ökonomie, denke ich, ist das richtige Verständnis:

        Sich ändernden ihre PRÄFERENZEN.

        Das ist nicht urteilend, sondern wertneutral, weil es nur beschreibend ist.

        Im historischen VERGLEICH kann man aber dennoch markante Veränderungen feststellen.

        Dafür nur ein Beispiel, das nicht einmal ein durchschnittlich langes Menschenleben zurückreicht:

        Wir hatten 1960 in der Bundesrepublik insgesamt 16.477 Verkehrstote und 1970 waren es 21.332 (Höchststand).

        WARUM hatte sich 1960 niemand über die Zahl der Verkehrstoten so aufgeregt, dass sie sich durch Verhalten und/oder Maßnahmen reduzierte?

        So viele Tote und viele davon sicher vermeidbar – es interessierte NIEMANDEN.

        Im Gegenteil, die Zahl war nicht einmal abschreckend, sondern quasi SCHICKSAL so dass sie deutlich zulegen konnte.

        So war die Zeit, so war die Präferenz für Mobilität.

        Was hat sich zu heute geändert, wo wir für Gesamtdeutschland etwas mehr als 3.000 Verkehrstote zählen?

        Offensichtlich haben sich die Präferenzen geändert, sicher auch erzwungen durch eine deutlich höhere Verkehrsdichte.

        Die Antwort darauf zielt auf eine für die BESTIMMUNG von URSÄCHLICHKEIT signifikante Änderung von Präferenz:

        Die Präferenz hat sich hin zu anderen ARTEN von Mobilität verschoben, etwa Flugreisen und virtueller Mobilität am Handy.

        Sagen wir es verallgemeinernd einfach so:

        Menschen ist heute etwas anderes als vor 50 Jahren WICHTIG.

        Und weil das so ist und sich nicht nur auf den Verkehr beschränkt sondern mehr oder weniger alles betrifft, sind wünschenswerte VERÄNDERUNGEN, zu denen uns ökonomisches WISSEN drängt, für die Menschen und damit die von ihnen bestimmten Regierungen

        weitgehend IRRELVANT.

        Es ist nicht WISSEN, sondern ERFAHRUNG, was auf individueller Ebene die VERÄNDERUNGEN anstößt und Menschen sie realisieren lässt.

        Aktuell, in vergleichsweise kurzer Zeit:

        Gestern noch der Erlebnis-Einkauf im Center, heute online-Bestellung mit Lieferung an der Wohnungstür … mit einer ganzen Reihe, letztlich nie enden wollenden Veränderungen.

        Wo das hinführt, ist OFFEN.

        Sicher scheint aber zu sein, dass es die von uns an den Tag gelegten Präferenzen nicht sein werden, an denen sich die Welt zukünftig orientiert.

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