Säkulare Stagnation ‒ kostenlos

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Säkulare Stagnation beschäftigt die Ökonomen intensiv. Losgetreten von Larry Summers steht die Befürchtung im Raum, dass wir vor einer langen Phase geringen Wachstums stehen. Ursache seien die globalen Ungleichgewichte, vor allem der Ersparnisüberhang, der nicht genügend interessante Investitionsmöglichkeiten findet. Meine Meinung ist bekannt: Es liegt an den vielen Schulden, die die Welt in den letzten Jahrzehnten angehäuft hat, und die nun, wie ein Mühlstein das Wachstum nach unten ziehen.

Hier eine andere Betrachtung in der FINANZ und WIRTSCHAFT:

  • „Keynesianer sehen die Lösung in einer unkonventionellen Geldpolitik (zum Beispiel mit quantitativer Lockerung), fiskalischen Stimuli und einer höheren Zielrate für die Inflation. Allerdings, so wenden Summers und andere ein, kann eine lockere Geldpolitik Asset-Blasen hervorrufen, und fortgesetzte fiskalische Stimulusmassnahmen können in eine Schuldenkrise münden.“
  • „So sehen manche den Kern des Problems in der herrschenden Sparwut, gepaart mit langsamerem demografischen Wachstum, steigender Lebenserwartung und statischem Renteneintrittsalter – eine Kombination, die Menschen zwingt, vermehrt fürs Alter zu sparen. Doch die Zunahme der Ersparnisse ist, wie Barry Eichengreen (Berkeley) anmerkt, zu gering, um als Erklärung zu genügen.“
  • „Andere sehen die Ursache in der geringeren Investitionsnachfrage, verursacht unter anderem durch den Umstand, dass Maschinen mittlerweile viel billiger sind und der technische Fortschritt sich seit 1970 verlangsamt hat.“
  • „Dieser Einschätzung  widersprechen Optimisten wie Joel Mokyr (Northwestern) oder Erik Bryjnolfsson und Andrew McAfee (beide MIT): Der technische Fortschritt habe sich nicht verlangsamt. In der traditionellen Messgrösse für die Erfassung von Wirtschaftsleistung und Wachstum, dem Bruttoinlandprodukt, komme er bloss zu wenig zum Ausdruck. Immerhin gestaltet sich unser Alltag dank Google, Wikipedia, Skype, Twitter, Facebook, YouTube, Waze, Yelp, Hipmunk, Pandora und vielen anderen Unternehmen ungemein produktiver als früher. Sie alle aber stellen ihre Dienstleistungen umsonst zur Verfügung, im Bruttoinlandprodukt werden sie also nicht berücksichtigt.“
  • „Offenbar findet ein grosser Teil des Fortschritts keinen Niederschlag in den BIP-Zahlen. Dass so viele innovative Dienste umsonst erbracht werden, bedeutet nicht nur rechnerische Probleme für Ökonomen. Es stellt auch diejenigen vor Schwierigkeiten, die auf der Suche nach Investitionsgelegenheiten sind.“
  • „Vieles von dem durch neue Technologien ermöglichten Fortschritt steckt heutzutage in Produkten, die umsonst zur Verfügung gestellt werden müssen. Mit dem richtigen Geschäftsmodell kann sich so gut wie jedes potenzielle Produkt als profitabel erweisen, sei es dank Werbung, sei es dank dem Verkauf der Informationen, die passiv bei den Nutzern gesammelt werden.“
  • „Wenn wir die Möglichkeiten der neuen Technologien ausschöpfen wollen, braucht es vielleicht andere, nicht marktbasierte Formen des Entgelts für wertvolle und nützliche Leistungen.“

Das mag alles stimmen. Ich verlinke diesen Beitrag aus einem anderen Grund. Es gibt also einen zunehmenden Anteil des Wohlstandes, der sich nicht im BIP und damit in Geld ausdrücken lässt. Dies spricht zum einen konzeptionell für eine andere Definition von Wohlstand. Viel bitterer ist jedoch, dass Schulden immer nominell bleiben. Nur mit Dollar können Dollarschulden beglichen werden. Am Markt muss sich der Schuldner das Geld, welches er ja nicht selber herstellen kann, beschaffen (siehe Eigentumsökonomik). Wenn nun aber der Markt keinen Zugang zu Geld ermöglicht, haben wir ein Problem. Die Schulden wachsen, aber das (Geld-)Einkommen nicht.

FINANZ und WIRTSCHAFT: Säkulare Stagnation – kostenlos, 16. April 2015

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