Klimaplanwirt­schaft wird den Nieder­gang der EU beschleu­nigen

Ich erkenne den Wunsch der Politik an, den CO2 Ausstoß zu senken. Allerdings befürchte ich, dass die Art und Weise, wie wir das erreichen wollen, unweigerlich mit erheblichen Wohlstandsverlusten einhergeht und zudem auch noch scheitern könnte. Wesentliche Ursache ist der planwirtschaftliche Ansatz. So sieht das auch Hans-Werner Sinn in einem Beitrag für die FINANZ und WIRTSCHAFT:

  • „Mit ihrem New Green Deal hat sich die EU dem ­Neodirigismus verschrieben. Brüsseler Bürokraten behaupten selbstbewusst, sie wüssten, welche technischen Wege für Europas grüne Zukunft die besten sind. Auf diese Wege zwingen und lenken sie die Wirtschaft in die von ihnen gewünschte Richtung.“ – bto: Damit sind wir schon beim Kern des Problems.
  • „(…) heute fast alle Ökonomen indes einig, dass es viel besser und effizienter wäre, einen all­umfassenden Emissionshandel für sämtliche Sektoren der Wirtschaft einzurichten, der einen einheitlichen CO2-Preis ­zustande bringt. (…) Dafür würde es reichen, die fossilen Brennstoffe, die in die EU importiert oder die auf ihrem Gebiet geschürft werden, nach ihrem Kohlenstoffgehalt zu belasten und einen Grenzausgleich für Importe und ­Exporte einzuführen.“ – bto: Dann kann man sich aber nicht vor die Kameras stellen und das Verbot von bestimmten Produkten fordern.
  • „Der allumfassende Emissionshandel würde die Unternehmen veranlassen, selbst nach den besten grünen Wegen zu suchen, weil sie alle die Emissions­kosten mit dem einheitlichen CO2-Preis vergleichen. Überall würden grüne Innovationen aus dem Boden spriessen, und so manch ein Brüsseler Bürokrat würde sich wirklich sehr wundern, welche der Techniken sich tatsächlich als am umweltfreundlichsten erweisen. Beispielsweise könnte Wasserstoff über Batterien siegen, grüner Strom aus der ­Estremadura könnte den grünen Strom aus der Nordsee schlagen, die Kern­fusion hätte eine Chance, und wer weiss, vielleicht würden sich auch neue Haus­typen,  Siedlungsformen  und Verkehrsmittel ergeben, an die heute noch kaum jemand denkt.“ – bto: Davon bin ich ebenfalls überzeugt. Ganz genauso wird es in anderen Regionen kommen, die damit Wohlstand schaffen und sichern.
  • „Jedenfalls würde das vorgegebene CO2-Ziel mit einer minimalen Einschränkung des Lebensstandards der EU-Bevölkerung erreicht, und bei einer gegebenen Einschränkung des materiellen Lebensstandards, die sich die Europäer für die Umwelt zumuten, würde ein Maximum an CO2-Einsparung erzielt.“ – bto: Wir hingegen setzen auf die maximale Senkung des Lebensstandards, das dürfte nur einem Teil der Bevölkerung gefallen.
  • „(…) diese Lösung freilich zur Folge, dass viele der mit der Umsetzung des New Green Deal befassten Bürokraten in Brüssel und in den Hauptstädten Europas arbeits- und machtlos würden.“ – bto: Und Herr Altmaier garantiert ja für Klima und Wirtschaft. Herkules …
  • „Damit liesse sich der Kahlschlag bei der Autoindustrie, der die EU Millionen von Arbeitsplätzen kosten kann, vermeiden. Nach den neuesten Planungen der EU-Kommission darf ein Personenwagen 2030 im Durchschnitt nur noch 1,8 Liter Dieseläquivalente pro 100 Kilometer verbrauchen. (…) Selbst die besten Ingenieure werden das nicht schaffen. Das Ziel ist nur rea­listisch, wenn sie Elektroautos in ihrer Flotte beimischen (…) Denn bekanntlich werden die E-Autos fälschlicherweise mit Treibhausgasemissionen von null angesetzt, obwohl alle EU-Länder ihren Strom un­ter anderem auch mit Kohle erzeugen. Zudem stossen Elektroautos wegen des schweren CO2-Rucksacks der mehrheitlich aus China stammenden Batterien eher noch mehr CO2 aus als gleichwertige Dieselfahrzeuge.“ – bto: Letztere Aussage wird ja bestritten, es ändert aber nichts am Punkt: Wir setzen an, wo es überproportional teuer ist, CO2 zu sparen. Und damit vernichten wir die Basis unseres Wohlstands.
  • Die EU-Kommission hat bislang noch in keiner Art und Weise erkennen lassen, dass sie von ihrer zentralen Planung ablassen möchte und bereit ist, ein umfassendes Emissionshandelssystem einzuführen. Mit ihrem Zögern setzt sie sich dem Verdacht aus, dass es ihr in Wahrheit gar nicht in erster Linie um das Klima geht, sondern um ein Stück Industrie­politik, über dessen wahre Motive man nur spekulieren kann.“ – bto: Es geht um das Primat Frankreichs in Europa, das sich nur über Planwirtschaft, nicht über Wettbewerb erreichen lässt.

fuw.ch: „Der grüne Dirigismus der EU-Kommission“, 1. Oktober 2020

Kommentare (24) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Horst sagte:

    Die Coronaplanwirtschaft wird den Niedergang der EU beschleunigen

    Viel schneller, Stelter, als möglicherweise das Langfrist-Projekt Energiewende.

    Wer Parallelen zur jetzigen Situation und Lage erkennt, darf sie gerne für sich behalten:

    https://www.wiwo.de/technologie/forschung/virologe-drosten-im-gespraech-2014-die-who-kann-nur-empfehlungen-aussprechen/9903228-2.html

    So viel Fragen lassen sich aus diesem 2014 geführten Interview ableiten und auf die heutige Situation beziehen; nur, in welcher Gazette werden diese diskutiert?

    Zum Beispiel die Frage, warum keine breit angelegte Antikörperteststudie durchgeführt wird, um den Grad der Durchseuchung zu ermitteln?

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  2. Avatar
    H. Hoffmeister sagte:

    Dr. Stelter,
    selbst wenn der von Ihnen und anderen propagierte Emissionshandel kommen würde – der im übrigen nur funktioniert, wenn global implementiert -, werden wir deutliche Wohlstandseinbußen hinnehmen, da die Effizienz von Verbrennungskraftmaschinen mit keiner der bisher vorgeschlagenen Alternativtechnologien absehbar erreicht werden kann (Kernkraft ausgenommen). Denn für den Verzicht auf CO2 bekommen wir ja keinen kompensierenden Gegenwert, ausser, dass wir möglicherweise in vielen Jahrzehnten ein Klima vorfinden, das wir vermeintlich der Einsparung von CO2-Eintrag in die Atmosphäre zuschreiben (so der CO2-Gehalt tatsächlich stagniert bzw. abnimmt). Kein Mensch wird in den nächsten hunderten von Jahren nachweisen können, ob das dann herrschende Klima tatsächlich dem Verzicht auf CO2 oder dem Ablauf der Erdgeschichte zuzuschreiben ist. Die verifizierende bzw. falsifizierende Überprüfung der AGW-Hypothese durch ein Doppelblindexperiment ist leider nicht möglich. In so einer Situation mit Billionensummen und hohem Wohlstandsverlustrisiko von investierten, funktionierenden Basistechnologien auf nicht einmal vorhandene technologische Lösungen, die sicher weit weniger effizient sind, umzusteigen, ist – mit oder ohne Emissionshandel – ein dramatischer Wohlstandsverlust mit mehr Opfern als jeder Klimawandel mit sich bringen würde.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ H. Hoffmeister

      >… ist – mit oder ohne Emissionshandel – ein dramatischer Wohlstandsverlust mit mehr Opfern als jeder Klimawandel mit sich bringen würde…>

      Sie überschießen Ihren Punkt und tun damit Ihrer Einstellung zu den Dingen keinen Gefallen.

      Lassen wir einmal den „dramatischen Wohlstandsverlust“ stehen.

      Ob er mit MEHR Opfern als JEDER Klimawandel verbunden wäre ist OFFEN.

      NIEMAND und damit auch Sie kann nicht WISSEN, was ein SEHR EXTREMER Klimawandel bewirken würde, wenn JEDER Klimawandel hinsichtlich seiner Wirkung in Betracht gezogen wird.

      Behaupten Sie daher NICHT etwas, was auch anders sein kann.

      Eine Diskussion mit nicht nachvollziehbaren EXTREM-Behauptungen bringt NICHTS.

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      • Avatar
        H. Hoffmeister sagte:

        Lieber Herr Tischer,
        nehme Ihre Kritik immer gerne an, da wohlbegründet vorgebracht. Der moderate Diskurs ist aber leider nicht mehr in der Lage, ausschließlich ideologisch begründbare Projekte zu verhindern. Und ich bleibe bei meiner Aussage, dass die Auswirkungen all dessen dramatisch sein werden. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir uns in einem Wohlstandshologramm befinden. Das materielle Fundament unseres Wohlstandes ist brüchig – in welchem Umfang, ist erst nach dem Einsturz des Gebäudes ersichtlich, meine Einschätzung: s. o. -, Es wurde durch finanzwirtschaftliche Surrogate ersetzt, die aber keine echte Tragfähigkeit haben. Ein weiteres Beispiel für das was ich meine, kann heute auf der Achse des Guten nachgelesen werden: Das Elektroflugtaxi, das nie fliegen wird. Und obwohl das vorher gewusst wurde, hat man es mit Steuermillionen gebaut. Energiewende, Klimaschutz etc pp. sind genauso vorhersehbarer Unsinn, mit dem kleinen Nachteil, dass diese Unterfangen das Potenzial haben, den globalen Wohlstand in einem nie dagewesenen Ausmaß zu vernichten.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ H. Hoffmeister

        Ich stimme Ihnen grundsätzlich zu, was die Lage im Land und die Maßnahmen zur Energiewende anlangt.

        Es geht mir darum, wie wir angesichts dessen diskutieren SOLLTEN.

        Ich gebe zu, dass eine transparente, auf Fakten basierende, ergebnisoffene Diskussion, die NUR der KLÄRUNG und DARAUS abzuleitendem Handeln verpflichtet ist, KEINE Chance hat – und sich NICHT durchsetzt. Schon an diesem Blog, wo zumindest das Bemühen und vielleicht auch eine Mehrheit dafür besteht, hat sie es nicht leicht.

        Eine überziehende Kritik, wie Sie und andere sie vortragen, ist NICHT hilfreich, eine klärende Kritik zu befördern, die wie dargelegt, zielführend wäre. Denn Ihre Art des Kritisierens kann zu EINFACH als unsachlich gebrandmarkt werden, weil sie es eben auch ist. Damit sind Sie TROTZ Ihres BERECHTIGTEN und ENGAGIERTEN Bemühens aufzurütteln, sozusagen argumentativ sterilisiert.

        Darauf will ich mit meinem Kommentar verweisen.

  3. Avatar
    ruby sagte:

    Bitte bei Miriam vorbeischauen und das gelekte Dokument aus Canada zum jetzt vorgezogenen Reset 2030 verstehen und realsieren, denn diese bereits in vollen Gange!
    Das Abschmieren der Märkte ist das geringste, es
    Alles Beste in tiefster Sorge
    🤔

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  4. Avatar
    Dr Stefan Lehnhoff sagte:

    Na klar wäre ein umfassender Emissionshandel ein viel effizienteres Instrument.
    Wie immer, muss man genau hinschauen: Umfassend hiesse weltweit und Einbeziehung aller CO2 Äquivalente- sonst wird es nicht funktionieren.
    Am Ende- denn wer will schon die Einhaltung supranationaler Verträge sicherstellen, die EU ist ein schönes Beispiel dafür, dass das nicht klappt- liefe es doch auf eine militärische Durchsetzung von globaler Förderdrosselung hinaus, alles andere ist naiver Blödsinn.
    Womit ich nicht sagen will, das auch dieser Vorschlag nicht Unsinn ist. Ich sprach ja nur von Effizienz, nicht von Effekt.

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    Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Wir hingegen setzen auf die maximale Senkung des Lebensstandards, das dürfte nur einem Teil der Bevölkerung gefallen.“

    Hm, ich weiß nicht, in welchen Kreisen Sie sich bewegen, Herr Dr. Stelter. Aber von diesem Teil der Bevölkerung kenne ich exakt niemanden in meinem Umfeld. Dass es Leute gibt, die Ihre Analysen nicht verstehen und deswegen die Senkung des Lebensstandards nicht erkennen können, ist eine andere Frage. Dieser Bevölkerungsteil ist sicher beträchtlich.

    Aber sich diese Senkung aktiv zu wünschen halte ich für das Ansinnen weniger echter Asketen und Einsiedler, weil es eine fast mönchische Einstellung zur Armut bedingt. Die gibt es wohl, aber ich frage mich, ob es sich dabei um Bevölkerungsteile handelt, die mehr als ein Promille der Gesamtbevölkerung ausmachen. Die Klöster hierzulande werden ja von Novizen nicht gerade überrannt.

    Wenn ich hingegen die Gesichter bei Lottoannahmestellen, die Lohnerhöhungen oder der Anschaffung großer Wirtschaftsgüter wie z.B. einem PKW in meinem Umfeld so beobachte, sehe ich eine große Unterstützung für die Beibehaltung des aktuellen Lebensstandards. Ja, ich kenne sogar Leute, die ihren Lebensstandard tatsächlich explizit erhöhen wollen und sich erstmals so „dekadente“ Dinge wie ein Eigenheim, das erste eigene KFZ oder den ersten eigenen Wohnwagen wünschen…

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      Thomas M. sagte:

      >Hm, ich weiß nicht, in welchen Kreisen Sie sich bewegen, Herr Dr. Stelter.

      Ist vielleicht so’n Berliner Ding; wenn man dafür noch sexier wird? ;-)

      Manche verstehen unter Einschränkungen auch: weniger Fleisch, dafür mehr Quinota (oder wie das Zeug heißt) und Sojamilch statt Kuhmilch. Da lohnt die genaue Nachfrage, was Leute unter Verzicht verstehen.

      Ich würde einfachen platt fragen: 5% weniger Gehalt oder Rente okay zur Verbesserung der Öko-Bilanz? Wer da nicht ja sagt, will nicht wirklich *verzichten*.

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    Dieter Krause sagte:

    @ Daniel Stelter
    Infrastrukturplanung (dazu gehört für mich die Strom- und Wärmeversorgung) erfolgt IN JEDEM LAND staatlich-dirigistisch! Zeigen Sie mir mal das Land, wo man einfach so Atom- oder Kohlekraftwerke bauen kann. Dafür wollen die Betreiber stets vom Staat auch kräftige Subventionen kassieren (siehe dazu nur das im Bau befindliche neue Atomkraftwerk Hinkley Point in England, das über 20 Mrd. Pfund kosten wird) – und wenn es nur ein Bahnanschluss für die Kohleversorgung ist! – Im übrigen erfolgte auch der Eisenbahnbau im 19. Jahrhundert und der Autobahnbau im 20. Jahrhundert überall in der Welt durch staatlich Planung! Die meisten Eisenbahnlinien waren im Deutschen Reich im 19. Jahrhundert übrigens im (preußischen) Staatsbesitz – weil sich der Bau vieler Nebenlinien privat nicht rechnete! Aber ohne die hätte es keine erfolgreiche Industrialisierung von Klein- und Mittelstädten in Deutschland gegeben, da sonst die Transportkosten für die Produkte aus diesen Städten in die Großstadtmärkte oder den deutschen Häfen für den Export viel zu groß gewesen wären.

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      Lele Castello sagte:

      Genau das brauchen wir heute auch für eine „erfolgreiche Digitalisierung“ könnte doch der Deutsche Staat die Nebenlinien endlich bauen. Glasfaser in Klein- und Mittelstädten. Vielleicht machen sie da mal den Vorschlag in ihrem Wahlkreis.

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    Dietmar Tischer sagte:

    >„Jedenfalls würde das vorgegebene CO2-Ziel mit einer minimalen Einschränkung des Lebensstandards der EU-Bevölkerung erreicht, und bei einer gegebenen Einschränkung des materiellen Lebensstandards, die sich die Europäer für die Umwelt zumuten, würde ein Maximum an CO2-Einsparung erzielt.“>

    In diesem Satz werden zwei Behauptungen aufgestellt, die näher zu betrachten sind:

    1. >… würde das vorgegebene CO2-Ziel mit einer minimalen Einschränkung des Lebensstandards der EU-Bevölkerung erreicht,>

    Ich bestreite dies.

    Das vorgegeben CO2-Ziel würde bei einem umfassenden Emissionshandel zwar mit den GERINGSTMÖGLICHEN Kosten und damit den GERINGSTMÖGLICHERN Wohlstandsverlusten, d. h. (Gesamt)-Einschränkungen des Lebensstandards der EU-Bevölkerung erreicht werden – einmal VORAUSGESETZT, dass das CO2-Ziel überhaupt erreicht werden könnte.

    Ob bei dem VORGEGEBENEN CO2-Ziel, d. h. Carbonneutralität bis 2050, die Einschränkungen des Lebensstandards MINIMAL sein würden, ist aber MEHR als FRAGLICH.

    Unabhängig davon, was als minimal gelten kann, geht es dabei um die Frage:

    Was immer der Wohlstandsverlust sein würde, wäre er ökonomisch-sozial ERTRÄGLICH, d. h. so gering, dass er KEINE gesellschaftlich nicht hinnehmbaren Konflikte hervorruft?

    Diese Frage wird mit „minimal“ nicht beantwortet.

    Ein Ökonom kann sie nicht beantworten; sie ist aber gleichwohl die gesellschaftlich wirklich BEDEUTENDE bei dem Projekt eines New Green Deal.

    2. >bei einer gegebenen Einschränkung des materiellen Lebensstandards, die sich die Europäer für die Umwelt zumuten, würde ein Maximum an CO2-Einsparung erzielt.“>

    Diese Aussage ist richtig mit Bezug auf einen UMFASSENDEN Emissionshandel.

    Offen bleibt aber die Frage, ob damit nicht nur ein Maximum an CO2-Einsparung erzielt wird, sondern ob das Maximum der Einsparung so GROSS ist, dass das vorgegebene CO2-Ziel ERREICHT wird.

    Auch diese Frage kann ein Ökonom nicht beantworten; sie ist aber die Frage, die für entschiedene Befürworter des New Green Deal die wirklich BEDEUTENDE ist.

    Kurzum:

    Das Plädoyer für einen umfassenden Emissionshandel ist zwar insoweit richtig, wie es die EFFIZIENZ der Verringerung von CO2-Emissionen betrifft.

    Es besagt aber NICHTS über die EFFEKTIVITÄT des Emissionshandels aus, d. h. legt nicht dar, dass das vorgegebene CO2-Ziel damit zu erreichen ist.

    Es kann an den technologischen Möglichkeiten scheitern, oder – wenn man dies ausschließt – an NICHT mehr gesellschaftlich AKEZPTIERTEN Wohlstandsverlusten, die sich an den Einschränkungen des Lebensstandards zeigen.

    Prof. Sinns Darlegungen sind daher DEFIZITÄR.

    Und das auch noch auf DRAMATISCHE Weise, wie ich finde:

    Denn sie SUGGERIEREN, dass das vorgegebene Emissionsziel weitgehend PROBLEMLOS zu erreichen IST, wenn die CO2-Einsparung effizient, d. h. durch einen umfassenden Emissionshandel erfolgen.

    Das ist NICHT sicher, vieles spricht sogar DAGEGEN.

    Es zu überspielen, ist hochgradig FAHRLÄSSIG.

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    Rolf Peter sagte:

    Herrn Sinns Grundaussage, dass ein aus einem Emissionshandel hervorgegangener CO2-Preis (verbunden mit einem Grenzausgleich), das effizienteste Instrument sei, die externen Kosten fossiler Brennstoffe zu internalisieren, wird wohl kaum ein Volkswirt widersprechen.

    Da diese Aussage aus einem Modell, in dem Anpassungs- und Transaktionskosten, eine Zeitdimension, Unsicherheit und die damit verbundene Bedeutung von Erwartungen nicht vorkommen, abgeleitet wird, können “in der Praxis” ergänzende Instrumente wie z.B. Regulierungen hilfreich sein.
    Ausserdem muss der Staat gerade bei Massnahmen gegen die Folgen des Klimawandels langfristig planen in Bezug auf Infrastruktur, Raumordnung usw. Da kann es durchaus sinnvoll sein, jetzt schon bestimmte Rahmenbedingungen zu setzen, um die Erwartungsbildung zu stabilisieren und dem Markt zu einem neuen Gleichgewicht zu verhelfen.

    Das könnte man z.B. durch ein Verbot von Verbrennungsmotoren und Ölheizungen ab 2030/35 erreichen. Durch ein solches Verbot werden auch nur bestimmte Entwicklungspfade ausgeschlossen, eine bestimmte Lösung wird aber nicht vorgegeben (z.B. nur noch batteriebetriebene E-Autos).

    Die Anmassung von Wissen durch Bürokraten ist ein VWL-Standardargument und ja auch nicht grundfalsch. Der Grund liegt aber nicht in fehlendem Wissen, sondern in fehlenden Anreizen. Die existieren heutzutage in vielen Sektoren der “freien” Wirtschaft auch aufgrund der zahlreichen staatlichen Stützmaßnahmen.

    Bei Corona wurden weder der Lockdown noch die staatlichen Stützmaßnahmen hinterfragt. Im Gegenteil, man hat sich hier mit grandiosen Vorschlägen selbst übertroffen: Teile der Wirtschaft mal kurz ins Koma versetzen, kurz ab- und dann wieder anschalten, Stützprogramme fuer den “Schlüsselsektor” Automobilindustrie, zielgenaue Nachfragegutscheine. Das hätte man den Bürokraten dann zugetraut, obwohl es konzeptionell schon absurd ist.

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      Richard Ott sagte:

      @Rolf Peter

      „Da kann es durchaus sinnvoll sein, jetzt schon bestimmte Rahmenbedingungen zu setzen, um die Erwartungsbildung zu stabilisieren und dem Markt zu einem neuen Gleichgewicht zu verhelfen.“

      Typisches Blabla von sich Wissen anmaßenden Bürokraten. Wo haben Sie diese gestanzten Worthülsen her, ich dachte, Sie arbeiten nicht beim Staat?

      „Durch ein solches Verbot [von Verbrennungsmotoren und Ölheizungen] werden auch nur bestimmte Entwicklungspfade ausgeschlossen, eine bestimmte Lösung wird aber nicht vorgegeben“

      Diesen Satz halte ich für ausgemachten Blödsinn. Selbstverständlich werden bestimmte technische Lösungen ausgeschlossen, wenn man ganze Kategorien von Maschinen einfach per Gesetz verbietet.

      „Die Anmassung von Wissen durch Bürokraten ist ein VWL-Standardargument und ja auch nicht grundfalsch. Der Grund liegt aber nicht in fehlendem Wissen, sondern in fehlenden Anreizen. Die existieren heutzutage in vielen Sektoren der “freien” Wirtschaft auch aufgrund der zahlreichen staatlichen Stützmaßnahmen.“

      Ich glaube, Sie haben gar nicht begriffen, was mit „Anmaßung von Wissen durch Bürokraten“ gemeint ist.

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      • Avatar
        Rolf Peter sagte:

        „Sie haben gar nicht begriffen, was mit „Anmaßung von Wissen durch Bürokraten“ gemeint ist.“

        Doch, das habe ich. Am Rande bemerkt, auch Herr Sinn ist bzw. war ein Bürokrat (als beamteter Uniprofessor). Für den gilt das auch.

      • Avatar
        Dieter Krause sagte:

        @ Richard Ott
        Da muss ich Ihnen jetzt mal Recht geben, Herr Ott! Es wissen aber alle, dass man neue Märkte meist erst mal anschubsubventionieren bzw. für diese erst mal eine Infrastruktur errichten muss (Bahnlinien beim Eisenbahnbau im 19. Jahrhundert). Was will ich mit einem Automobil um 1900, wenn ich damit nur über holprige alte Römerstraßen rattern kann (und nach 2000m wegen Achsbruch dann liegen bleibe). Der Nutzen damals war freilich ersichtlicher als heute bei der Energiewende. Man hat durch elektrische Straßenbahnen sowie die ersten PKWs und LKWs so u.a. auch die 7.000(!) Transportpferde, die es im Jahr 1900 noch in Leipzig gab, einsparen können.

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        Richard Ott sagte:

        @Rolf Peter

        „Am Rande bemerkt, auch Herr Sinn ist bzw. war ein Bürokrat (als beamteter Uniprofessor). Für den gilt das auch.“

        Unsinn, was verwaltete der denn? Müllauto-Fahrer sind auch oft bei staatlichen (konket: kommunalen) Unternehmen angestellt, aber das macht sie noch längst nicht zu Bürokraten.

        @Dieter Krause

        „Man hat durch elektrische Straßenbahnen sowie die ersten PKWs und LKWs so u.a. auch die 7.000(!) Transportpferde, die es im Jahr 1900 noch in Leipzig gab, einsparen können.“

        Wieso hat man damals eigentlich keine Elektroauto-Infrastruktur gebaut, die entsprechende Antriebstechnologie gab es ja auch schon damals? Die Antwort wissen Sie selbst: Weil Autos mit Verbrennungsmotoren viel alltagstauglicher und praktischer sind.

        „Der Nutzen damals war freilich ersichtlicher als heute bei der Energiewende.“

        Tja, und das lag daran, dass die damals aufgebaute Infrastruktur tatsächlich nützlicher war als es die heutigen „Energiewende“-Projekte sind, die sich nur mit hysterischen Schreikindern und Weltuntergangsangst vermarkten lassen.

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: „Es geht um das Primat Frankreichs in Europa, das sich nur über Planwirtschaft, nicht über Wettbewerb erreichen lässt.“

    Es lässt sich gar nicht erreichen. Man sieht ja schon am Austritt Großbritanniens und den Entwicklungen in Ungarn und Polen, dass das nicht klappt. Schon in guten Zeiten (ja, ich weiß, aber alles ist relativ, wir haben weder Krieg noch Hyperinflation noch Staatspleiten im Moment) sind also die Folgen erheblich und wenn die Bonität Deutschlands angezweifelt wird, war es das mit Frankreichs Größe. Ich kann anderer Leute Geld nur so lange ausgeben, solange diese etwas haben. Mathematisch gesehen kann das nicht noch einmal 70 Jahre so weitergehen.

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      Richard Ott sagte:

      „wenn die Bonität Deutschlands angezweifelt wird, war es das mit Frankreichs Größe“

      Das Traurigste dabei ist: Wenn es wie in der aktuellen Runde vom ewigen „Mohammed-Karikaturen-Streit“ noch nicht einmal Geld kosten würde und außerdem in unserem eigenen strategischen Interesse läge, Frankreich den Rücken zu stärken, da duckt sich Deutschland ja lieber weg. Aus Ehrfurcht vor dem prächtigen Sultan beziehungsweise aus Angst vor der ihm zugeneigten „Party- und Eventszene“, die auch in Deutschland gerne Stich- und Schnittwaffen zückt, wenn sie sich beleidigt fühlt.

      Da kann man schon verstehen, wieso die anderen Länder Deutschland nur als Geldautomaten respektieren.

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    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Susanne Finke-Röpke

      Sehe das genauso wie Sie.

      Erlauben Sie mir aber bitte eine kleine Variante:

      Da es bei der Behauptung von Dr. Stelter NICHT um die GRÖSSE Frankreichs, sondern um das PRIMAT in Europa geht, was auch das Primat eines schwachen Frankreichs sein kann, das stärker als Deutschland ist, muss man die EU und Europa in den Blick nehmen:

      Wenn die EU zerfällt, was unweigerlich der Fall sein würde, wenn dort konsequente, auch Deutschland betreffende Planwirtschaft betrieben würde, dann gibt es zwar immer noch ein Europa und – einmal unterstellt – auch noch Frankreich und Deutschland.

      Es ist überhaupt nicht zu sehen, warum Frankreich bei Zerfall der EU STÄRKER als Deutschland sein würde, wenn der Zerfall AUFGRUND von PLANWIRTSCHAFT erfolgte.

      Zumindest die jüngste Geschichte lehrt uns, dass dies nicht der Fall sein muss.

      Die planwirtschaftliche DDR war über die gesamte Zeit des europäischen planwirtschaftlichen Nachkriegssozialismus STÄRKER als alle ANDEREN planwirtschaftlichen Staaten dieses Systems.

      Kurzum:

      Man wird nicht bezweifeln können, dass Frankreich in der EU die größtmöglichen Vorteile für sich herausholen will.

      Man kann aber anhand der in der EU beschlossenen und verfolgten Maßnahmen NICHT schließen, dass Frankreich damit das Primat in Europa erringen will.

      Das kann man schon deshalb nicht, weil – worauf Sie mit Polen und Ungarn ganz richtig verweisen – nicht NUR Frankreich in Alleinregie die Maßnahmen beschließt.

      Und im EU-Parlament könnten sogar deutsche Abgeordnet die größte Zahl der nationalen Entscheider stellen, wenn planwirtschaftliche Maßnahmen beschlossen werden.

      Antworten
  10. Avatar
    Richard Ott sagte:

    „Brüsseler Bürokraten behaupten selbstbewusst, sie wüssten, welche technischen Wege für Europas grüne Zukunft die besten sind. Auf diese Wege zwingen und lenken sie die Wirtschaft in die von ihnen gewünschte Richtung.“

    Von der Fuchtel dieser Bürokraten kann sich ein Land per EU-Austritt sehr effektiv befreien. Wenn alle Länder aus der EU austreten würden, dann würde das sogar die Institutionen selbst, in denen die Bürokraten arbeiten, in die Zwangsliquidation schicken.

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    • Avatar
      Wolfgang Selig sagte:

      @Herrn Ott:

      Die Bürokraten sind m.E. nicht das Problem, sondern das Wahlverhalten in den Ländern, die der EU angehören. Wer Bürokraten wählt (= säht) und nach Brüssel sendet, wird Bürokratie ernten. Da müsste man schon an die Ursachen gehen und den Wählern den Kopf waschen. Nur wie? Ich weiß es auch nicht, sonst würde ich in die Politik gehen. Es geht ja schon damit los, dass dieser Blog hier nicht mehr pageviews, also mehr Bekanntheit hat. Stattdessen werden youtube-Videos mit geföhnten Katzen, Gangsterrappern und umkippenden Gabelstaplern millionenfach geklickt, wenn man alterstechnisch noch nicht der Florian Silbereisen-Fangemeinde angehört…^^

      Antworten
      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        Keine Illusion, so ist es.

        Jeder kann das jeden Tag empirisch verifizieren.

        Ich bleibe dabei:

        Wenn es gelänge das Schlimmste zu verhindern, wäre schon viel gewonnen.

  11. Avatar
    foxxly sagte:

    zuerst eine interessens bezogene- dann die planwirtschaft! leider ist es kaum möglich real zu erkennen, was wirklich gespielt wird. fakt ist aber zu der aktuellen zeit, dass das finanz/kreditgeldsystem mindestens im anfang von seinen ende sich befindet, oder schon mitten drinn ist. dass die wirtschaft nicht mehr in dem maße wachsen kann, wie es das kreditgeldsystem erfordert. dass stets einflussreiche interessen die richtungen bestimmen bzw. bestimmen welche „sau grade durchs dorf getrieben wird“.
    der klimaschutz und aktuell auch corona, sind darin auch gefangen, oder auch mittel zum zwecke. wer kann dies noch ausschließen?
    große krisen und katstrophen haben oft einen ganz anderen hintergrund und ursächlichkeiten. leider stellt niemand einen bezug her von diesen beiden weltkriegen, und weitere viele aktionen, zum kreditgeldsystem und deren machtausweiten in folge davon.
    da das kreditgeldsystem heute auch in großer not sich befindet, ist es naheliegend, dass eben corona und klimawandel als ablenkung und mittel zum zwecke dient.
    dazu gibt es viele dinge die einer sachlichkeit zu wünschen übrig lässt

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