Ist ein Ende der globalen Spar­schwemme zu erwarten?

Zeitenwende ist das Thema der Stunde. Wobei der Verdacht naheliegt, dass viele Akteure die Dimensionen und die Folgen noch nicht erfasst haben.

So lohnt heute der Blick auf einen weiteren Aspekt, auf den wir uns einstellen müssen: das Ende der Sparschwemme – so es diese denn gab. Ich würde immer noch sagen, es ist eher eine Schuldenschwemme. Aber lesen wir mal, was in der FINANZ und WIRTSCHAFT (FuW) zu finden war:

  • Im Jahr 2005 führte Ben Bernanke, damals Gouverneur der US-Notenbank Fed, die Idee einer globalen Ersparnisschwemme (Savings Glut) ein. Damit wollte er erklären, warum die USA ein anhaltendes Leistungsbilanzdefizit aufweisen. In Abkehr von den akademischen Überlegungen der Achtziger- und Neunzigerjahre argumentierte er, dass Ersparnisüberschüsse ausserhalb der USA die Zinsen – besonders die langfristigen – niedriger halten, als sie es sonst wären.“ – bto: Vorteil: Die Notenbank muss ja dann unschuldig sein.
  • Die Leistungsbilanzdefizite der USA blieben bestehen, weil amerikanische Staatsanleihen attraktiv waren für Sparer in aller Welt, die gerne vermeintlich sichere Anlagen hielten. Früher war man davon ausgegangen, dass diese anhaltenden Defizite irgendwann die Stabilität des Dollars gefährden und die US-Zinsen nach oben treiben würden, zum Schutz vor Inflation und finanzieller Instabilität im Inland.“ – bto: Und genau diese These habe ich auch in den letzten Wochen diskutiert. Es war Teil des Planes nach dem Ende von Bretton Woods. Es hat einfach „zu gut“ funktioniert.
  • „(…) ich habe Bernankes These nie wirklich geglaubt. Ich war aus zwei Gründen skeptisch. Erstens ist die Zahlungsbilanz eines Landes eine buchhalterische Grösse, die die Leistungsbilanz und die Kapitalbilanz umfasst. Die Leistungsbilanz wird durch die inländische Spar- und Investitionsbilanz bestimmt. Ein Land, das mehr spart als investiert, hat einen Ersparnisüberschuss und einen Leistungsbilanzüberschuss. Umgekehrt hat ein Land, das mehr importiert als exportiert (zumindest gemäss der Leistungsbilanz), ein Handelsdefizit. Daraus folgt jedoch nicht, dass die Kapitalbilanz (die den Geldfluss ins und aus dem Land spiegelt) zwangsläufig die Entwicklung der Leistungsbilanz bestimmt.“ – bto: Das ist das Henne-Ei-Problem. Es bleibt die Tatsache mit Blick auf Deutschland, dass wir unser Geld schlecht anlegen.
  • Zweitens könnte der allgemeine Rückgang der Obligationenrenditen in erster Linie darauf zurückzuführen sein, dass die These von der Sparschwemme mit einer Periode anhaltend niedriger Inflation zusammenfiel.“ – bto: und einer Periode stark wachsender Verschuldung von Privaten und Staaten.
  • Doch nun stellen zwei neue Entwicklungen die These der Sparschwemme auf eine weitere Probe. Erstens scheinen wir in eine Ära höherer Inflation eingetreten zu sein, die sich als anhaltend erweisen kann oder auch nicht. Für die Zentralbanken besteht die einzige Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass sie nur vorübergehend ist, darin, ihre Geldpolitik zu straffen und ein normales Niveau positiver Realzinsen anzustreben, statt sich an alte Theorien zu klammern, um ihr anhaltend niedriges Niveau zu rechtfertigen. Es ist zu hoffen, dass sich alle an ihren Grundkurs in Volkswirtschaftslehre erinnern, der besagt, dass es einen engen Zusammenhang zwischen der Trendrate des Wirtschaftswachstums und den Realzinsen geben sollte.“ – bto: Es gibt aber, so wie es aussieht, kein Interesse der Notenbanken, diesen schweren Weg zu gehen.
  • Die zweite wichtige Entwicklung sind die westlichen Sanktionen gegen Russland, einschliesslich des Einfrierens eines grossen Teils der westlichen Devisenreserven der russischen Zentralbank (des Löwenanteils ihrer finanziellen Kriegskasse). Diese Meisterleistung könnte andere Inhaber überschüssiger Reserven dazu veranlassen, nicht mehr so viele Devisen anzuhäufen, was Bernankes globaler Sparschwemme ein Ende setzen würde.“ – bto: „Meisterleistung“ klingt nach Kritik und damit auch nach Skepsis, dass der Schuss nach hinten losgehen könnte.
  • Wir sollten es begrüssen, wenn der Wert der Währungen anderer Länder stärker steigen kann, wodurch die Realeinkommen der Einwohner zunehmen. Eine höhere Kaufkraft würde es ihnen ermöglichen, mehr ausländische Waren zu kaufen. Die Staats- und Regierungschefs dieser Länder könnten sogar erwägen, eine Politik zu verfolgen, die ihre inländische Sparquote senkt und den inländischen Konsum und die Investitionen erhöht. Das wiederum könnte sogar indirekt zu einem Anstieg der inländischen US-Ersparnisse beitragen.“ – bto: Witzigerweise ist die Politik in Deutschland genau dabei, das zu tun. Leider nicht zur Mehrung des hiesigen Wohlstands, sondern zur Verfolgung ideologischer Projekte.
  • Und zum Thema der Diversifikation aus dem Dollar heraus: „(…) es ist nicht klar, welche anderen hoch liquiden Währungen man mit Vertrauen halten könnte. In Ermangelung von Alternativen könnten sich mehr Länder fragen, warum sie überhaupt so hohe Reserven halten sollten. Wenn dies der Fall ist, und vor allem wenn sich der Inflationstrend der vergangenen dreissig Jahre umkehrt, könnten die Turbulenzen, die wir bisher in diesem Jahr an den Obligationenmärkten erlebt haben, nur ein Vorspiel sein.“ – bto: Das würde die Zinsen deutlich erhöhen und die Notenbanken noch mehr in die Pflicht nehmen.
Kommentare (24) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. weico
    weico sagte:

    Passend zum Thema Sparschwemme, Zeitenwende und “Meisterleistung”…

    Moskau liefert Polen und Bulgarien kein Gas mehr

    “Gazprom stellt sämtliche Gaslieferungen an Polen und Bulgarien ein. Polen hatte sich geweigert, Russlands Forderung nach Bezahlung in Rubel nachzukommen.”

    https://www.tagesschau.de/ausland/europa/gas-polen-bulgarien-101.html

    Nebenbei:
    Wer Sanktionen und Waffenlieferungen gegen seinen Energie-Lieferanten betreibt, der sollte Wörter wie “Erpressung” und “Vertragsbruch” wohl eher nicht in den Mund nehmen.

    Antworten
  2. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    @ Michael Stöcker

    Sie sind anscheinend so sehr auf diesen J. Snider FIXIERT, dass Sie nicht einmal merken, was Sie hier verlinken, nämlich:

    a) There is no such thing as inflation

    und

    b) why-im-not-apolgizing-for-calling-recent-inflation-transitory.

    Dies sind zwei Behauptungen, die sich WIDERSPRECHEN.

    Denn es kann NICHT sein, dass es KEINE Inflation gibt UND zugleich doch EINE festgestellt wird.

    Auch eine Inflation, die nur eine vorübergehende sein soll, IST eine festgestellte Inflation.

    Für wie doof halten Sie diesen Blog, um ihn mit dieser „Qualität“ von Auffassungen zu “bereichern”?

    Antworten
    • Thomas M.
      Thomas M. sagte:

      @Hr. Tischer: Sie gehen davon aus, dass Inflation in den beiden sätzen das gleiche meint und gleich definiert wird. Wenn man “locker” mit Begriffen umgeht, muss das kein Widerspruch sein ;-)

      Sofern z.B.in den USA die Verbraucherpreise nicht um rund 8% sinken in den kommenden Jahren, war es nachhaltige Teuerung. Braucht man nicht zu diskutieren; kann man einfach messen. Ich höre schon die “Begründung”: Mit “transitory” meinten wir, dass die Inflation nur zeitlich begrenzt läuft.

      Ich fand spontan gerade schon die mich erheiternde Bestätigung meiner Vermutung; ist schon etwas älter…

      “Shortly after Fed Chairman Jerome Powell secured his second term, he stated that it’s time to retire the term “transitory” when discussing the current US inflation trends. “We tend to use [transitory] to mean that it won’t leave a permanent mark in the form of higher inflation,” he said during a congressional hearing. “I think it’s probably a good time to retire that word and try to explain more clearly what we mean.””

      https://www.ekathimerini.com/economy/1173219/is-inflation-transitory/

      “good time to retire that word” – Dann braucht man sich auch nicht zu korrigieren. Herrlich…

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thoma M.

        Ihr Kommentar ist ERHELLEND, weil er es AUTHENTISCH belegt auf den Punkt bringt:

        >Sie gehen davon aus, dass Inflation in den beiden sätzen das gleiche meint und gleich definiert wird. Wenn man “locker” mit Begriffen umgeht, muss das kein Widerspruch sein ;-)>

        Beide Ihrer Sätze treffen zu.

        Der erste ist die VORAUSSETZUNG dafür, dass man KLÄRUNG betreiben kann, also Einvernehmen darüber herzustellen versucht, was der Fall IST.

        Der zweite ist die VORAUSSETZUNG dafür, dass man RECHT behalten kann, auch wenn die Sachverhalte dem Klärungsbemühen nach DAGEGEN sprechen.

        Powell ist sich dessen bewusst und NUTZT diese Figur verbaler RECHTFERTIGUNG professionell, wenn er sagt:

        >We TEND to USE “transitory” to MEAN …>

        ER, aber nicht jene die Klärung wollen, OB es Inflation GÄBE oder NICHT GÄBE, habe „vorübergehend“ so genutzt.

        Warum hat er es so genutzt und demnach Klärung vermieden?

        Er wollte sich nicht festlegen – aus gutem Grund.

        Denn dann hätte er möglicherweise ERKENNBAR falsch gelegen, wenn sich die Inflation ANDERS entwickelt hätte als er sie KLÄREND hätte verstehen MÜSSEN:

        Ja, es IST Inflation, ob eine vorübergehende oder nicht, und die Fed handelt, weil sie bei Erwägung aller Umstände es für richtig hält, bei DIESER Inflation zu handeln.

        Schlimm, ja geradezu ein DESASTER für ihn und die Fed, wenn sie sich als vorübergehende herausgestellt haben würde und die Fed fürs Vorrübergehen der Inflation die Wirtschaft mit Erhöhung des Leitzinses abgewürgt hätte.

        Also die Variante des Recht BEHALTENS:

        Es IST zwar Inflation, aber eigentlich KEINE, weil es eine VORRÜBERGEHENDE ist.

        Wenn es sich herausstellt, dass es KEINE vorübergehende Inflation ist, dann war es selbstverständlich schon IMMER eine, wofür man nur „vorübergehend“ streichen muss, um darzulegen, dass man auch schon in der Vergangenheit RICHTIG lag.

        So läufts auch bei J. Snider:

        Da er deutlich KLÜGER ist als das gesamte Personal der Fed, MUSS er Recht behalten, auch wenn er so falsch liegt, wie man nur liegen kann.

        Und er WIRD Recht behalten.

        Denn IRGENDWANN in irgendeiner Zukunft wird die Inflation KEINE mehr sein – und dann WAR sie was?

        Eine VORRÜBERGEHENDE, also eigentlich KEINE.

        J. Snider muss sich in der Tat NICHT dafür ENTSCHULDIGEN, dass er irgendwann einmal RECHT haben wird.

        Denn er ist einer, der IMMER Recht hat.

        Insofern ist er auf dem Niveau der Notenbank-Ökonomen.

  3. Susanne Finke-Röpke
    Susanne Finke-Röpke sagte:

    bto: “Es gibt aber, so wie es aussieht, kein Interesse der Notenbanken, diesen schweren Weg zu gehen.”

    Wieso denn Interesse der Notenbanken? Die Notenbanken haben nur so viel Unabhängigkeit, wie ihnen Politik und Gesellschaft zugestehen. Die EZB hat die südeuropäische Politik und die südeuropäische Mentalität umgesetzt, weil der EZB-Rat mehrheitlich aus diesen Ländern besetzt ist. Sie hat abgesehen von persönlichen Karrierezielen einzelner Protagonisten keine Eigeninteressen, sondern ist faktisch ein Werkzeug der Regierungen. Sie tut genau das was sie soll: Staatsschulden monetarisieren. Gesundheitsämter haben genauso wenig Interessen wie die EZB.

    Antworten
    • Dietmar Tischer
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Susanne Finke-Röpke

      Ich teile Ihre Kritik.

      Es ist noch nicht lange her, da hat Dr. Stelter am Blog verlauten lassen, dass für die EZB die Erhöhung des Leitzinses UNDENKBAR sei.

      Er wird umdenken MÜSSEN, wie ich auch, der für September die erste erwartet hatte.

      Sie wird sehr wahrscheinlich früher kommen.

      Der Euro wertet kontinuierlich ab und steht im Augenblick bei EUR/USD: 1.0660.

      Seine nicht nur, aber erheblich durch die zinspolitische Untätigkeit der EZB bedingte Abwertung TREIBT die schnell gestiegene Inflation der Verbraucherpreise durch steigende Importpreise weiter an.

      Dies ist bezogen auf die GESAMTE Volkswirtschaft nicht vertretbar.

      Dass die Vermögenspreise durch eine Erhöhung des Leitzinses fallen und die Vermögenseigner dadurch VERLUSTE erleiden, ist bedeutsam, aber vergleichsweise UNTERGEORDNET.

      Offen ist daher nicht das OB, sondern nur das WIEVIEL der Leitzinserhöhungen.
      Die Fed setzt die Maßstäbe.

      Andere werden sich daran orientieren, weil sie es MÜSSEN.

      Hier ein Beispiel:

      https://www.faz.net/aktuell/finanzen/der-yen-wertet-ab-und-japaner-fuerchten-hyperinflation-17984611.html

      Daraus:

      >Der Gouverneur der Bank von Japan, Haruhiko Kuroda, hat zweimal eine starke und schnelle Abwertung des Yens erlebt: am Beginn seiner Amtszeit im Jahr 2013 und derzeit, weniger als ein Jahr vor Ende seiner Amtszeit. Zwischen beiden Episoden gibt es einen großen Unterschied. „Die Abwertung im Jahr 2013 war durch die Bank von Japan getrieben“, sagt Masamichi Adachi, Japan-Volkswirt der Bank UBS. „Die aktuelle Abwertung treiben andere Notenbanken.“

      Sosehr Kuroda betont, dass die Abwertung des Yens netto von Vorteil für die japanische Wirtschaft sei, zeigen sich zwischen der Regierung in Tokio und der Notenbank erste Risse in der Einordnung der Yen-Schwäche. Finanzminister Shunichi Suzuki denkt, dass die negativen die positiven Folgen überwiegen. Das liegt unter anderem daran, dass der schwache Yen die hohe Energieimportrechnung zusätzlich verteuert.

      Die Abwertung erhöht den Preisauftrieb, den die Verbraucher zunehmend als beängstigend wahrnehmen. Wenn eine Supermarktkette den Preis eines beliebten Hühnchensnacks zum ersten Mal seit Einführung des Produkts vor 36 Jahren gleich um 10 Prozent heraufsetzt, macht das Schlagzeilen. Und es ist kein Einzelfall. Manche Japaner fürchten eine kommende Hyperinflation. Ein Friseur in Tokio kauft schon Reis und andere Nahrungsmittel auf Vorrat.>

      Nebenbei:

      Nicht die Notenbanken, sondern die Menschen, die Inflation erfahren, WÄHLEN ihre Regierungen.

      Antworten
      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        Nanu, ich dachte immer, Sie sind dafür, dass die EZB “alternativlos” so viel Geld druckt, wie eben nötig ist, um unsere grundlegenden wirtschaftlichen Probleme in der Eurozone und die Folgen unseres eigenen selbstschädigenden moralbesoffenen Verhaltens im Energiesektor zumindest solange es irgendwie geht noch zu überkleistern? Denn wenn wir es nicht täten, würde es ja “Instabilität” geben?

        Was ist denn plötzlich los mit Ihnen? Waren Sie etwa einkaufen oder tanken?

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Sie denken immer nur daran, wo andere Probleme haben könnten, aber so gut wie NIE – und jetzt auch wieder – nicht daran, ob SIE vielleicht welche haben.

        Abgesehen davon, dass Sie mit dem Begriff des „Gelddruckens“ einmal mehr den Eindruck vermitteln, dass Sie die Funktionalität der EZB nicht verstanden haben, sollten Sie, wenn Sie AUFMERKSAM lesen würden, keine Probleme mit meiner Position zur EZB haben.

        Sie ist u. a. die hier aufgerufene Thematik betreffend:

        Die EZB wird nahezu BEDINGUNGSLOS die Staatsausgaben finanzieren, um gesellschaftliche Dysfunktionalität bis zu dem Punkt, an dem diese erkennbar irreversibel wird, zu verhindern.

        Und sie wird es so tun, dass die Staaten HANDLUNGSFÄHIG bleiben, d. h. ihr Verschuldungsvermögen nicht von den Märkten durch exorbitante Zinsen auf deren Anleihen erdrosselt wird.

        Sie wird auch die Entwicklung der Verbraucherpreise genau im Auge behalten, aber selbst bei vergleichsweise hoher Inflation – wie wir sie unzweifelhaft z. Z. haben, verglichen mit der Vergangenheit der letzten Jahrzehnte – zögerlich darauf reagieren, wenn bei eher bescheidenem Wachstum eine Rezession droht.

        Damit beschreibe ich ein Szenario SITUATIVEN Agierens, das aus meiner Sicht keiner auf harten Kriterien basierenden Regelsystematik unterliegt.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        “Sie denken immer nur daran, wo andere Probleme haben könnten, aber so gut wie NIE – und jetzt auch wieder – nicht daran, ob SIE vielleicht welche haben.”

        Ich mache mir halt große Sorgen um Sie. Sie behaupten, dass es Ihnen bei den Diskussionen hier um Erkenntnisgewinn geht, aber dann rutschen Sie immer wieder in Deutungen hinein, die zwar sachlich falsch aber für einen Rentner sehr bequem sind – was sicherlich nur Zufall ist.

        “Abgesehen davon, dass Sie mit dem Begriff des ‘Gelddruckens’ einmal mehr den Eindruck vermitteln, dass Sie die Funktionalität der EZB nicht verstanden haben”

        Ich kann Ihnen auch die einzelnen Buchungsschritte durchdeklinieren.

        Wieso glauben Sie, dass der Begriff “Gelddrucken” falsch ist? Weil es angeblich einen wesentlichen Unterschied macht, dass die Geschäftsbanken die frisch gezeichneten Staatsanleihen eine kurze Zeit halten, bevor sie die an die Zentralbank weiter verkaufen? Das ist schlicht ein Unterlaufen des eigentlich existierenden Verbotes der Staatsfinanzierung durch die Zentralbank.

        Oder wollen Sie darauf hinaus, dass es kein “Gelddrucken” ist weil ein Großteil der frisch geschöpften Kredite als Guthaben auf dem Konto des Staates bei der Zentralbank landen und dann per Überweisung unters Volk gebracht werden?

        “Die EZB wird nahezu BEDINGUNGSLOS die Staatsausgaben finanzieren, um gesellschaftliche Dysfunktionalität bis zu dem Punkt, an dem diese erkennbar irreversibel wird, zu verhindern.” (…) “Sie wird auch die Entwicklung der Verbraucherpreise genau im Auge behalten, aber selbst bei vergleichsweise hoher Inflation – wie wir sie unzweifelhaft z. Z. haben, verglichen mit der Vergangenheit der letzten Jahrzehnte – zögerlich darauf reagieren”

        Tja, Ihre Gelddrucker-Rechtfertigungsrabulistik unterschätzt vollkommen, wie viel “gesellschaftliche Dysfunktionalität” hohe Inflation in der Gesellschaft auslöst.

        “Damit beschreibe ich ein Szenario SITUATIVEN Agierens, das aus meiner Sicht keiner auf harten Kriterien basierenden Regelsystematik unterliegt.”

        Ihnen ist schon klar, dass die Zentralbanken rechtswidrig handeln, wenn sie tatsächlich so agiert, wie von Ihnen beschrieben, oder?

        Die Zentralbanken haben konkrete gesetzliche Mandate, und “die Verhinderung gesellschaftlicher Dysfunktionalität” oder “Sicherung der Handlungsfähigkeit (ehrlicher: weiterer billiger Schuldenaufnahmefähigkeit durch Gelddrucken) von Staaten” werden in diesen Mandaten nicht erwähnt, in denen geht es nur um bestimmte Ziele für Preissteigerung und Beschäftigung.

        @Frau Finke-Röpke

        Wenn die Zentralbanken tatsächlich keine eigenen Interessen hätten, so wie eine kleine Verwaltungsbehörde (die Gesundheits-Corona-Gängelungsbürokratie zur Steigerung der Umsätze der Impfstoffhersteller ist seit 2020 vielleicht nicht das beste Beispiel; denken wir eher an ein Staßenbauamt), dann würden sie einfach ihre gesetzlichen Pflichten erfüllen und nicht versuchen, über die gesetzlichen Richtlinien hinaus ihre eigene Agenda umzusetzen.

  4. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    Eine interessante Frage, die m. A. n. nicht schlüssig zu beantworten ist.

    Denn der Beitrag blendet zwei URSÄCHLICH wirkende Faktoren aus, die ich zwar für bedeutsam, was die REAKTIONEN darauf betrifft, aber nicht für bestimmbar halte.

    1. Der Ukraine-Krieg wird in ALLEN bedeutenden Ländern eine WEITREICHENDE, d. h. nicht nur Energie betreffende NEUBEWERTUNG von RISIKEN führen (Lieferquellen, Logistik, Investitionen etc., etc.)

    Diese Neubewertung wird dazu kommen, Abhängigkeiten zu reduzieren.

    Der Preis dafür sind KOSTENSTEIGERUNGEN auf nahezu der ganzen Linie über nahezu alle Prozesse hinweg.

    Die offene Frage ist, ob diese Kostensteigerungen mehr oder weniger Einmaleffekte sind oder nicht.

    2. Die Staaten werden GEZWUNGEN sein, dadurch entstehenden gesellschaftlichen Konflikten durch eine EXPANSIVE Fiskalpolitik entgegenzuwirken.

    Schon die Folge von 1. und 2. deutet auf NACHHALTIGE Inflation hin – andere Faktoren kommen hinzu, u. a. die Energiewende und der Facharbeitermangel.

    Wenn dies so sein sollte, ist ERSTENS die Frage, wie z. B. die deutsche Bevölkerung darauf reagiert.

    Geht die Sparrate zurück und werden sogar Ersparnisse dafür eingesetzt, die inflationsbedingten Kaufkraftverluste zu kompensieren – mit weiterer Steigerung der Inflation – oder ist dies nicht der Fall, d. h. werden Wohlstandsverluste hingenommen?

    ZWEITENS ist die Frage, wie die Notenbanken mit ihrer Geldpolitik und insbesondere der Zinspolitik darauf reagieren werden.

    Sie werden darauf einwirken, die Geldschöpfung über den Bankensektor einzuschränken – in USA sehr konsequent; anderswo, insbesondere in der Eurozone auch, aber deutlich zögerlicher.

    Wie WEIT sie das tun werden, ist nicht vorhersehbar.

    Es gibt m. A. n. aber eine Grenze:

    Eine KRIEGSBEDINGTE, zeitlich begrenzte Rezession wird toleriert, weil die Politik eine solche der Bevölkerung glaubwürdig verkaufen kann.

    Eine gewollte LÄNGERFRISTIGE Rezession halte ich für ausgeschlossen, weil sie von den Bevölkerungen NICHT toleriert würde.

    Fazit:

    Die Entwicklung, die nicht nur, aber auch SPAREN betrifft, wir in einem Trendkanal erfolgen, der insbesondere durch Inflation, Fiskalpolitik und Zinspolitik der Notenbanken bestimmt sein wird.

    Antworten
    • weico
      weico sagte:

      @DT

      “Der Ukraine-Krieg wird in ALLEN bedeutenden Ländern eine WEITREICHENDE, d. h. nicht nur Energie betreffende NEUBEWERTUNG von RISIKEN führen (Lieferquellen, Logistik, Investitionen etc., etc.)”

      Viele bedeutende Länder werden ja JETZT gerade, von den USA, nach Ramstein “zitiert” bzw. “eingeladen”, um das weitere Vorgehen gegen Russland zu diskutieren .

      Der Ziel wurde ja von EU-Borrell klar kommuniziert ( “Dieser Krieg wird auf dem Schlachtfeld entschieden”) und auch US-Verteidigungsminister Lloyd Austin bläst in das gleiche Horn.

      Da auch Putin nicht verlieren darf, sollte man Hr. Mearsheimer’s nukleare Warnung wirklich etwas mehr Beachtung schenken.

      https://globalbridge.ch/ukraine-es-ist-ein-krieg-zwischen-den-usa-und-russland/

      Antworten
  5. Alexander
    Alexander sagte:

    Ersparnis-Überhang aus Staats-Ausgaben-Orgien, weil staatliche Kreditaufnahme NIEMALS getilgt werden muss, anders als private…

    Staats-Ausgaben-Orgien in Form von Rüstungsausgaben des kalten Krieges, Keynes Nachfrageersatz und staatlichen Interventionen für Wissenschaft, Energie, Gesundheit, Infrastruktur.

    Weil alles Geld = Schuld ist und der erste Buchungsatz lautet: “StaatsAnleihe gegen Geld” ist das Henne Ei Problem erklärt. Erst Schuld, dann Geld.

    Realtiv gering privat verschuldete Gesellschaften weisen deshalb eine relativ hohe staatliche Schuldenquote aus, bei relativ hohen privaten Vermögen – wie ITALIEN.

    Die nicht zu tilgende Ersparnis aus staatlicher Schuldenaufnahme (Rüstung etc.) vagabundiert außerhalb unrentabler staatlicher Gesetzgebung auf der Suche nach Rendite. Privatisierungen von Wohnungen, Telekomunikation und Energie- Wasserversorgern an ausländische Finanzinvestoren (black rock, Friedirch Merz) runden das Bild ab.

    Wer beim Ersparnisüberhang nur an seiner Oma ihr Sparbüchelein denkt …. greift zu kurz.

    Antworten
  6. weico
    weico sagte:

    Wenn “Ottonormalverbraucher” durch hohe Energiepreise, Mietnebenkosten, Konsumgüterpreise und steigende Krankenkassenbeiträge betroffen ist…dann kann er zwangsläufig weniger sparen, aber gleichzeitig wird er auch weniger für Gebrauchsgüter, Reisen usw. ausgeben.

    Die jetzige “Inflation”, die ja mehrheitlich durch die “Corona-Nebenwirkungen” bzw. den “Ukrainekonflikt” verursacht wurde/wird, ist daher für die Wirtschaft gleich mehrfach fatal.

    Nebenbei:
    Die Märkte scheinen zu wissen, wie wichtig Energie und Nahrung für die Zukunft ist. Der Markt hat den Rubel , trotz den gewaltigen Sanktionen, wieder über den “Vor-Ukrainekonflikt-Kurs” gehievt…

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @weico

      “Die Märkte scheinen zu wissen, wie wichtig Energie und Nahrung für die Zukunft ist. Der Markt hat den Rubel , trotz den gewaltigen Sanktionen, wieder über den “Vor-Ukrainekonflikt-Kurs” gehievt…”

      Daran sehen Sie mal wieder, dass diese bösen Putinversteher-Märkte unbedingt durch eine europäische sozialistische Planungsbehörde ersetzt werden müssen, die dann auf rein moralischer Basis die internationalen Wechselkurse festlegt – zumindest bis endlich die ersehnte globale Einheitswährung eingeführt ist. ;)

      Antworten
  7. @foxxly
    @foxxly sagte:

    die sparschwemmen (soweit sie vorhanden sind) werden mit der stärker werdenden inflation verringert, ohne dabei investiv wirksam zu werden.

    diese entreicherung findet relativ wenig bei den reichen und großkapital statt. aber spürbar in der mittel- und unterschicht.
    dies hat eine starke negative wirkung auf die realwirtschaft.
    einerseits die teuerung, andereseits die kaufzurückhaltung, sowie die massive zunahme der verschuldung, – dieses szenario hält unser wirtschaftsystem nicht mehr aus. (wobei die belastungen durch die verschuldung verzögert massiv einsetzen werden)

    das wachstum wird einerseits stark gebremst, und dort wo es noch angeschoben wird, werden erneut hohe verschuldung fällig.

    wenn man bedenkt, dass in den letzten 20 jahren bereits rund 5 bis 10 mal mehr neugelddruck/schulden notwendig war um 1 teil wachstum zu erzielen, dann kann man sich vorstellen, wie es weitergehen wird.

    die komplexe wirtschaft ist mit corona, lieferketten-problemen, unkraine-krieg und weiteres, massiv aus dem tritt geraten.

    es sind quasi die grenzen des globalen wachstums überschritten worden und nun im rückwärtsgang.
    das hält unser wirtschafts- und geldsystem nicht mehr aus.
    der zusammenbruch läuft!
    zur täuschung von den echten ursachen (schuldgeldsystem und wachstumszwang), werden wir vermehrt kriegshandlungen erleben.

    es hat auch einen gewissen anschein, dass jetzt so manche lieferkette nicht zufällig stockt, sowie anschläge auf die ernährungs- und energiesektoren nachgeholfen werden.

    ob hier auch die great-rest-protagonisten nachhelfen?

    Antworten
  8. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    “Die zweite wichtige Entwicklung sind die westlichen Sanktionen gegen Russland, einschliesslich des Einfrierens eines grossen Teils der westlichen Devisenreserven der russischen Zentralbank (des Löwenanteils ihrer finanziellen Kriegskasse). Diese Meisterleistung könnte andere Inhaber überschüssiger Reserven dazu veranlassen, nicht mehr so viele Devisen anzuhäufen, was Bernankes globaler Sparschwemme ein Ende setzen würde.” bto: „Meisterleistung“ klingt nach Kritik und damit auch nach Skepsis, dass der Schuss nach hinten losgehen könnte.

    Ganz gefährlich. Sarkasmus funktioniert bei unseren EU-Knallchargen nicht mehr.

    Wenn Sie zu Ursula von der Leyen “Sie sind die klügste Frau und die großartigste Anführerin auf der ganzen Welt” sagen, dann glaubt die das tatsächlich.

    Antworten

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