Hyperaktiv statt passiv und damit Crash verstärkend

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An dieser Stelle habe ich mich schon mehrfach mit dem sogenannten „passiven Investment“ – was in Wirklichkeit gar nicht so passiv ist – und den börsengehandelten Aktienfonds (ETF) beschäftigt. Dabei ist die Unterscheidung wichtig:

  • Indexfonds bilden fix einen Index ab und laufen damit immer wie der Markt (und diesem auch prozyklisch hinterher!).
  • ETFs sind Fonds, die ständig gehandelt werden können. Dies können Indexfonds sein, aber auch Themenfonds. Sie suggerieren die ständige Liquidierbarkeit.

Immer wieder habe ich auch daran erinnert, dass die Idee der Indexfonds und der ETF eigentlich nicht kompatibel ist. Denn der Erfinder der Indexfonds, Jack Bogle hält überhaupt nichts vom vielen Handeln. Ich bekanntlich auch nicht, führt doch das viele Hin und Her letztlich zu tieferen Renditen.

Im nächsten Crash dürften sich beide Fonds, die in den letzten Jahren enorm an Popularität gewonnen haben, als Krisenverstärker wirken. Vor allem die ETF werden sich als schwer handelbar erweisen, den Verkaufsdruck erhöhen und zweitweise deutlich unter dem Net-Asset-Value, also dem Wert ihres Portfolios notieren, einfach aufgrund mangelnder Liquidität.

Die Forschungsabteilung von Flossbach von Storch unter der Leitung von Tom Mayer hat gerade Letzteres nochmals untersucht. Dabei standen zwei Fragen im Vordergrund:

  • Inwieweit führen ETF dazu, dass mehr gehandelt wird, statt langfristig zu investieren, also EFTs zu „Trading-Zwecken“ gekauft werden?
  • Wird bei Ereignissen am Kapitalmarkt besonders viel gehandelt?

Meine Hypothese ist: zwei Mal ja. ETFs verführen zu prozyklischem Handeln der Anleger und damit zu einer anhaltenden Underperformance, weil nach schlechten Tagen verkauft und nach guten Tagen gekauft wird.

Schauen wir mal, ob die Analyse von FvS zu dem gleichen Ergebnis kommt. FvS vergleicht DAX, S&P 500 und FTSE 100 mit dem jeweils größten ETF. Als Ereignisse nehmen sie den Markteinbruch vom 24. August 2015, das Votum für den Brexit (24. Juni 2016) und die Wahl Donald Trumps (9. November 2016). Jedes Mal kam es zu deutlichen Marktbewegungen und man müsste davon ausgehen, dass die „passiven Investoren“ an den Tagen wenig/gar nichts gemacht haben. Betrachtet wurde der Tag des Ereignisses selber und die 15 Tage davor und danach.

 Erstes Ergebnis: Die ETFs werden deutlich häufiger gehandelt als die dahinterliegenden Aktien. Sie sind also nicht passiv, sondern eher hyperaktiv:

Doch damit nicht genug. Um die „Ereignisse“ herum sind die Abweichungen noch deutlicher:

Damit wird deutlich, dass es eine prozyklische und damit Krisen verstärkende Wirkung der ETF gibt. Dabei spricht viel dafür, dass der Durchschnittsinvestor eben NICHT besser abschneidet als der Markt, sondern durch das Handeln die eigene Performance zusätzlich verschlechtert. Auch FvS kommt dann zu dem hier immer wieder gebrachten Fazit: „Hin und Her macht Taschen leer.“

Hier der Link zur Studie:

17.06.12_“Exchange Traded Funds (ETFs): Hyperaktiv statt passiv“

6 Antworten
  1. Wolfgang Selig says:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter, das hört sich alles plausibel an, löst aber das Problem für den „Normalbürger“ überhaupt nicht. Mir fehlt in Ihrer Analyse der Ratschlag, was stattdessen als Lösungsvorschlag auf den Tisch zu legen wäre.

    Flossbach und von Storch sind sensationell gut, nehmen aber nur Privatanleger ab 1 Mio. € flüssiger Anlagesumme und institutionelle Investoren. Andere Leute in der Liga wie z.B. der junge Felix Zulauf sind bzw. waren ähnlich. Was bleibt dem (Laien-)Privatanlager heute mit 50 T€ oder 150 T€ Ersparnissen? Ein einsamer Honorarberater ohne back-office und Analseabteilung, ein Strukturvertrieb, eine Versicherung oder eine Bank (wobei ich bei den letzten dreien keine großen Unterschiede erkenne). Natürlich erzielt man dann als Privatanleger mit einem Standard-Indexfonds nicht die High-End-Performance. Aber wie sagte ein berühmter Investor mal: „I don´t worry about the return ON my money but on the return OF my money.“ Und genau darum geht es den meisten Anlegern. Die Wertverluste im Vergleich zum grauen Kapitalmarkt oder zu nachrangigen Bankanleihen oder zu Zertifikaten dürften mit ETFs oder Indexfonds auch bei Turbulenzen auf die lange Sicht immer noch vergleichsweise überschaubar sein. Daher kann ich die Leute verstehen. Die meisten finden sich im Dschungel des Aktienmarktes alleine nicht zurecht.

    Antworten
    • Ailes says:

      „Mir fehlt in Ihrer Analyse der Ratschlag, was stattdessen als Lösungsvorschlag auf den Tisch zu legen wäre.“

      Eigentlich ist es ja relativ einfach – das dargestellte „Problem“ liegt ja ursächlich vor allem in der Endanwender-Ebene verortet. Also ETFs/Indexfonds sind nicht „an sich“ schon schlecht, sondern werden erst durch das falsche Handeln der hyperaktiven Anleger dazu gemacht.
      „Lösung“ ? Einfach selbst kein hyperaktiver Anleger sein. Einmal eine Weltportfolio-Verteilung aufbauen, sich dann stur dran halten (in Anstiegen nicht gierig werden, in Krisen nicht panisch werden), nur ab und zu mal rebalancen wenn die Gewichtungen sich mit der Zeit zu grob verschieben, das wars eigentlich schon. Achja und regelmäßige weitere Sparraten nachinvestieren.

      Ich weiß, hört sich fast schon „zu einfach“ an, und ja es wird immer eine gewisse Gruppe an Leuten geben die einfach vom Naturell her nicht aufhören können, planlos herumzutraden und ihren Spekulations/Spieltrieb auszuleben (siehe dazu zB auch: http://www.faz.net/aktuell/finanzen/fonds-mehr/anleger-in-indexfonds-machen-oft-fehler-14524976.html falsches Verhalten, zu häufiges Kaufen und Verkaufen, sorgt bei Privatanlegern von ETFs für eine deutliche Minder-Rendite unter der theoretisch möglichen Buy&Hold-Rendite). ABER man kann ja an sich selbst zumindest so diszipliniert arbeiten, dass man eben nicht zu dieser Gruppe gehört. Wer wirklich so konsequent ist, und es zB auch schafft, in Krisen nicht panisch alles verkaufen zu wollen, dem können ja auch die kurzzeitigen Liquiditätsengpässe an den Börsen da relativ egal sein. Mir persönlich sind sie das zumindest (ich kann also mit diesem „Kritikpunkt“ von ETFs wenig anfangen, denn es tangiert mich überhaupt nicht). Verkauft wird erst in Jahrzehnten, scheibchenweise, zur Ruhestandsaufbesserung.

      Wie man das schafft, so ein tiefenentspannter, langfristig konsequenter Buy&Hold-Anleger zu werden? Naja, das wird bei jedem unterschiedlich sein, aber es hat immer irgendwie mit Bildung (also mal etwas zum Thema lesen um zu wissen was man eigentlich tut /bzw tun sollte) und einfach nur Erfahrung (also mit der Zeit mal auch einige Börsenknicke mitgemacht zu haben als psychologische Abhärtung) zu tun.

      Wer dazu ein bischen Hilfe braucht bzw sich selbst nicht traut im DIY-Depot doch zappelig zu werden, der kann die Portfolio-Erstellung und -Verwaltung auch an einen der neuen „Robo-Advisor“ delegieren. Hr Stelter ist ja auch bei einem davon im Beirat mit dabei ;-).
      (das man für diese Dienstleistung natürlich auf der anderen Seite wieder ein paar mehr Extrakosten an „Bequemlichkeitsgebühren“ bezahlt, ist klar – wie gesagt, muss jeder selber wissen ob er vom Typ her lieber die 0,5-1% Gebühren bezahlt um sein Depot betreuen zu lassen anstatt beim Selbermachen durch falsche Handlungen vllt noch mehr zu verlieren. Es gibt durchaus Leute für die das ein gutes Angebot ist).

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  2. Klaus Samer says:

    Bleibt die Frage wer hier wo in welchem Umfang beteiligt ist. In den DAX Werten dürften überwiegend die instutionellen Investoren handelsbestimmend sein. Auch wäre zu berücksichtigen wie groß die verglichenen Volumina der Handelsobjeke sind sprich DAX vs. ETF Anteil am gehandelten DAX. Das hin und herspringen einiger Anleger in kleinen ETFs dürfte deutlich mehr Auswirkungen haben als wenn diese in großen marktkapitalisierten Unternehmen an denen sie nur einen geringen Anteil haben aus oder einsteigen.

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