ESG schafft Ren­dite für jene, die sich nicht da­ran halten (müssen)

Vorletzte Woche habe ich mich in meinem Podcast kritisch mit der Geldanlage nach ESG-Kriterien ausgesprochen. Wie üblich gab es dazu auch einiges Feedback, auf das ich morgen eingehen werde. Ein Aspekt in dem Zusammenhang ist die Frage nach der Wirkung der Maßnahme. Die gute Nachricht: Wer sich nicht an die Regeln halten muss, wird dafür belohnt. Meint auch die FINANCIAL TIMES (FT):

  • „A single phrase sums up the appeal of environmental, social and governance investing: ‘doing well by doing good’. ESG strategies, we are told, promote the greater good and provide superior long-term financial performance.“ – bto: Und dabei wird dann gern vergessen, dass in den ESG-Indizes die FAANGs dominieren.
  • „There are good reasons for investors to own portfolios that align with their values. This supposed win-win proposition is not one of them however. Not only is the evidence that ESG outperforms over long periods inconclusive; the win-win argument doesn’t even make sense.“ – bto: Und wieso sollte es auch? Es ist doch so, dass durch eine bewusste Manipulation der Preise Opportunitäten entstehen für jene, die sich nicht daran halten müssen.
  • „It is true that at some point in the indefinite future, the social good and financial interests must converge. (…) But that is not the time horizon individual investors operate over (they might have just 20 years between acquiring significant assets to invest and retiring). And it is far beyond any corporation’s planning horizon.“ – bto: Hier ist die Lösung einfach. Man muss darin investieren, was auf den Zeithorizont outperformed.
  • „There are two ways investments outperform: either they generate greater than expected cash flows over time (growth), or they are bought at a cheap price (value). Putting aside the question of growth, to argue that (say) a carbon, tobacco, and gun-heavy portfolio cannot outperform over the long term is to argue that it will never be bought cheap.“ – bto: Und hier wird es interessant. Die Befürworter von ESG-Investment sagen, dass die negativen Cashflow-Wirkungen so erheblich sein werden, dass die heutigen Preise viel zu hoch sind und es deshalb der ESG-Regeln braucht, damit Investoren sich nicht irren.
  • „But of course it is the goal of the ESG movement to push investors away from ‘wicked’ portfolios — making their prices cheap, and setting them up to outperform ‘virtuous’ portfolios over time! The win-win pitch is a fallacy. Sometimes investors have to choose between their values and their pocket books.“ – bto: Genauso ist es.
  • „Since its inception in late 2018, for example, Vanguard’s US ESG exchange traded fund return of 28 per cent has whipped its broad-market ETF’s 17 per cent. Look, however, at the holdings of the ESG fund. The top seven holdings, accounting for a quarter of the funds’ value, are Apple, Microsoft, Amazon, Facebook, Google and Tesla. Tech has led the market this year. But has ESG, really? And if tech stocks become overpriced and their prices crash, does that mean ESG is suddenly a bad strategy?“ – bto: Es würde zumindest einige Fragen aufwerfen.
  • „At best, companies with strong ESG credentials represent a certain set of investment attributes — a ‘factor’ similar to company size, stock momentum, or profit growth. (…) a rigid commitment to any such factor is a formula for weak returns. I learnt this to my sorrow in the years following the great financial crisis. In the years leading up to 2009 I worked at a value-driven investment fund. It bought cheap stocks, followed tight risk controls, and did well — especially, in relative terms, during the crisis itself. So for years thereafter I avoided expensive growth stocks and kept my exposure low. But while my approach stayed the same, the market had shifted to favour growth. I made terrible returns and am poorer for it.“ – bto: Seit nunmehr 20 Jahren underperformen die billigen Aktien. Wobei es da – wie immer – auch Rechnungen gibt, die zeigen, dass das so absolut nicht stimmt und es nur daran liegt, dass Growth durch das billige Geld und die natürlichen Monopole, die die FAANGs (zum Teil) ausgebildet haben, ungewöhnlich stark gelaufen ist).
  • „(…) there is no particular reason, logical or factual, to expect that the strong relative performance currently enjoyed by the ESG “factor” should be a permanent feature of the market. (…) It means only that they should not think of this as a wealth maximising strategy. Indeed, accepting the possibility of lower returns in return for the promise of positive social outcomes, such as a healthier environment or less poverty, can make a positive impact by putting resources to work where an ‘efficient’ market would not, providing subsidised capital to projects that are very risky but could have a big upside for society.“ – bto: Das entspricht aber irgendwie nicht dem, was die Befürworter der ESG-Logik sagen. Denn die werben mit besseren Returns, weil man Schäden verhindert bzw. von diesen nicht überrascht wird.
  • Womit wir zum Fazit kommen: „It only helps fund managers sell products and companies (…).“

ft.com (Anmeldung erforderlich): „The fallacy of ESG investing“, 23. Oktober 2020

Kommentare (10) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Wolfgang Selig sagte:

    Das Thema ist alt. Es gab schon vor 30Jahren Leute wie Homolka, die Literatur zu ESG-Anlagen geschrieben haben, als der Begriff noch nicht en vogue war. Ob es aber wirklich zu Opportunitäten wie aus dem Lehrbuch kommt, ist im Inland unklar. Eventuell wird in ein paar Jahren alles verboten, was nicht ESG ist. Das Geschäft machen dann Russland, Brasilien und Co, die bei ESG zuverlässig nicht mitmachen werden.

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    Thomas M. sagte:

    Sehen wir es positiv: Politische Interventionen und vom Marketing aufgegriffene Stimmungen, die zu Investment Themes gesponnen werden, bieten Chancen, die sich nutzen lassen. Sei es durch vergünstigten Erwerb der aktuell un-hippen Branchen oder durch überdurchschnittliche Performance der hippen.

    Davon profitiert nicht nur der Trader und Großinvestor, sondern auch der Mom- und Pop-Sparer dank Cost Averaging – vor allem wenn sie / er dann noch rebalanciert.

    Ethik beim Anlegen ist ein interessantes und schwieriges Thema. Da man es a) nicht allen recht machen kann und b) Unternehmensbeteiligungen und Lieferketten / Produktion hochgradig verzweigt sind, wird ein einzelnes Label vermutlich nie aus Sicht aller Einzelnen fehlerfrei beschreiben können, welches Invest nun ethisch 100% unbedenklich ist.

    Ich persönlich finde z.B. Tabak, Alkohol und Glücksspiel trickreich. Je nach Tagesform finde ich ein gezieltes Einzel-Invest hierin verwerflich (wegen der Schäden durch die Produkte für Einzelne und gesellschaftliche Kosten) oder nicht (wegen des Lustgewinns durch die Produkte und die freie Entscheidung des Einzelnen).

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      ruby sagte:

      @ Thomas M.
      Was wäre die Medizin ohne Alkohol?
      Mein aktueller Preis für eine Flasche Spiritus 2,58€ je Liter und das Mischungsverhältnis für Hautverträglichkeit ist ein Teil Wasser vier Teile Spiritus.

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        Thomas M. sagte:

        @Ruby: Nicht ein Teil Spiritus und vier Teile Wasser? Hört sich ganz schön stark gemixt an :)

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        Richard Ott sagte:

        Kommt drauf an, ob Sie es trinken oder sich damit die Hände desinfizieren wollen, so wie Ruby es vermutlich vor har…

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        Dr. Lucie Fischer sagte:

        @ruby:
        spiritus sanctus oder brennen Sie selbst? Qualität ist alles:
        “ keep your head, heels & standard high“ ( Coco Chanel).

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        ruby sagte:

        @ Dr. Lucie
        Wir sind Bierbrauer und haben zur Desinfektion der Gerätschaften den heiligen Alkohol.
        Und der Brennspiritus ist zur Hautverträglichkeit 1zu4 problemlos im Einsatz.

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    foxxly sagte:

    ……… ist wohl ein freibrief für noch mehr marktmacht und wirtschafts-dikatur. ich verstehe den aktuellen faschismus so, wenn kapital, großunternehmen, medien und regierungen zusammen, gegen das volk agieren! interessant ist in diesen zusammenhang, dass linke ideologen mit ihren früheren erzfeind dem kapital, heute oft die gleichen ziel (zwischenziele) verfolgen

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