„Es stehen magere Anlagejahre bevor“

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Der Schweizer Anlagestratege Marc Faber gilt als einer der besten Experten für Geldanlage, wenngleich er sich durch seine – oft zutreffenden – pessimistischen Aussagen, den Titel „Dr. Doom“ verdient hat. Ich bin besonders stolz, dass er mein neues Buch „Eiszeit in der Weltwirtschaft“ lobt.

Hier äußert er sich in einem Gespräch mit der FINANZ und WIRTSCHAFT. Angesichts der aktuellen Entwicklungen an den Börsen sind seine Kommentare sehr ernst zu nehmen. Bevor wir dazu kommen, noch ein Blick auf die Realwirtschaft in Deutschland:

Deutschland Rezession

Die Aussage: Alles fällt. Einzelhandelsumsatz, Produktion, Auftragseingang und Exporte. Geht das so weiter, dürfte es bald ziemlich ungemütlich werden in Deutschland. Dafür spricht leider trotz des „Konjunkturprogramms“ Flüchtlinge Einiges, wenn man auf die Weltwirtschaft schaut.

Doch nun zu Faber:

 

  • „Der Punkt, an dem die Mehrheit der Aktien den Höhepunkt überschritten haben, ist erreicht. Der breite US-Aktienindex S&P 500 hat zwar seit dem Höchst im Mai erst etwa 10% ­verloren. Im Durchschnitt aber haben US-Aktien seit dem Höhepunkt mehr als 25% eingebüsst. Denn der S&P 500 wird durch ein paar wenige Werte hochgehalten. (…) Viele Emerging Markets befinden sich schon seit Jahren in einem Bärenmarkt.“
  • Erstens nimmt die globale Liquidität, das Schmiermittel der Finanzmärkte, zum ersten Mal seit Jahren ab. Zweitens führt der Zerfall der Rohstoffpreise dazu, dass die Staatsfonds der erdölexportierenden Länder Aktien und Anleihen verkaufen müssen und nicht mehr auf der Käuferseite stehen.“ – bto: das entspricht einem Margin Call.
  • Ein guter Indikator für die globale Liquidität sind die Devisenreserven der Zentralbanken, ergänzt um die US-Staatsanleihen und mit Hyoptheken besicherten Wertschriften der US-Notenbank Fed. Viele Schwellenländer und besonders China häufen keine Devisenreserven mehr an, sondern verkaufen Dollars und Euros, um die Abwertung zu bremsen. Das entzieht der Weltwirtschaft Liquidität.“
  • In den USA schrumpft derzeit die Industrieproduktion, und das Risiko einer Rezession ist deutlich gestiegen. Im Unterschied zu 2007 sind heute auch viele Schwellenländer in einer prekären Verfassung. Brasilien und Russland stecken in einer Rezession. China hat ein Schuldenproblem, und die Wirtschaft wird in den nächsten drei Jahren kaum mehr wachsen. Hinzu kommt der globale Kaufkraftverlust als Folge des Währungskriegs.“ – bto: In US-Dollar gerechnet, schrumpft die Weltwirtschaft, wenn alle gegen US-Dollar abwerten. Der US-Dollar ist aber die Welt-Liquiditätswährung.
  • „Die Amerikaner haben es geschafft, im dümmsten Augenblick die Zinsen anzuheben. Im März wird das Fed auf einen weiteren Schritt verzichten und im Sommer den Leitzins wieder auf null senken. Schon im Herbst dürfte dann ein neues Anleihenkaufprogramm lanciert werden. Das wäre dann das vierte seit der Finanzkrise, ein QE4 sozusagen.“ – bto„Fed Zinsentscheid: Prozyklisch in die Baisse“.
  • „Denn wer profitiert letztlich von den Nullzinsen? Es sind die Regierungen, die dadurch gratis noch mehr Schulden machen können, und die Reichen, ­deren Vermögenswerte sich weiter aufblähen. Der Normalbürger hat wenig davon. Er kann sich trotz niedriger Hypothekarzinsen kein Haus oder keine Wohnung leisten, weil die Preise derart hoch sind.“ – bto: Damit werden die Probleme immer größer!
  • Der Staat hat die Schulden seit der Finanzkrise bereits massiv ausgeweitet, während die Privatwirtschaft Schulden getilgt hat. Die Kredite werden also vorwiegend dem Staat vergeben statt der produktiveren Privatwirtschaft. Eine expansive Fiskalpolitik würde das Problem noch verschärfen.“ – bto: womit sich Faber gegen notenbankfinanzierte Konjunkturprogramme wendet.
  • Bargeld ist keine Lösung. Die Geschichte lehrt uns, dass Leute, die ihr Geld immer brav auf die Bank gebracht haben, arm gestorben sind. Leuten mit Aktienpaketen und Immobilien ist es in der Regel besser ergangen.“ – bto: was nicht bedeutet, dass sie nicht auch was verloren haben!
  • „Ich vertraue mein Geld lieber jemandem, der sich mit dem Markt beschäftigt, auch manchmal an Analysten-Meetings geht, günstige Titel kauft und teure verkauft und auch Nebenwerte anschaut. (…) Ich denke, dass nach Jahren der starken Fixierung auf Index­anlagen der Trend wieder in Richtung aktivem Management geht.“ – bto: Das glaube ich auch, sofern die Kosten stimmen!
  • Grundsätzlich möchte ich dort investieren, wo die Bedingungen für mehr Wirtschaftswachstum besser sind. Das Wachstumspotenzial von China und den Schwellenländern ist viel grösser als das im­ ­Westen, doch im Moment sieht es nicht gut aus. Schwellenländeraktien sind zwar günstig bewertet, vor allem im Vergleich zu US-Aktien, doch für ein grosses Engagement ist es noch zu früh.“ – bto„Anleger, raus aus Europa!“.

→ FINANZ und WIRTSCHAFT: „Es stehen magere Anlagejahre bevor“, 5. Februar 2016

3 Antworten
  1. MFK says:

    Wer sich mit Unternehmensbewertungen beschäftigt, muss auch die Marktrisikoprämie für Aktien bewerten. Hier einmal die jährlichen Nettorenditen verschiedener Asset-Klassen (Deutschland) über verschiedene Zeiträume.
    2000-2014
    Aktien:1,5%
    Langlaufende Anleihen: 7,5%
    Kurzlaufende Anleihen: 0,5%

    1965-2014
    Aktien:5%
    Langlaufende Anleihen: 4,9%
    Kurzlaufende Anleihen: 1,7%

    1900-2014
    Aktien:3,2%
    Langlaufende Anleihen: – 1,4%
    Kurzlaufende Anleihen: – 2,4%
    Quelle: Credit Suisse Global Investment Return Yearbook 2015, S. 45

    Fazit: Die Überrendite von Aktien gegen Anleihen werden (insbesondere von der Aktien-Lobby wie dem DAI) übertrieben. Hohe Überrenditen von Aktien gegenüber Anleihen wurden insbesondere in Zeiten hoher Wachstumsraten wie der Nachkriegszeit erzielt. Auch in Zeiten von Hyperinflation rechtfertigten Aktien ihr erhöhtes Risiko mit entsprechenden Renditen. Die Zeiten hoher Wachstumsraten sind vorbei. Die Frage stellt sich, ob uns eine Hyperinflation bevorsteht. Das erscheint mir nicht sicher. Politische Geldideologen (Namen hier Postender möchte ich mal außen vor lassen) werden das aber früher oder später, auch wenn sie mit ihrer Kritik am Geldsystem Recht haben, schon hinbekommen.

    Dann stellt sich nur noch die Frage, mit welchen Assets man in Zukunft am wenigsten verliert. Hier wird man auch (Hyperinflation vorausgesetzt) politische Einflussnahme antizipieren müssen. Immobilien können mit Zwanshypotheken belastet werden, Gold verboten werden. Aktien sind da sicher am unverdächtigsten. Wer im Ausland investiert, muss auch noch das Währungsrisiko beachten. Das hierfür erforderliche Kapital, die Nerven und das Glück beim Stockpicking oder der Auswahl des Fondsmangers haben aber nur wenige Anleger.

    Antworten
  2. MFK says:

    Nachtrag: Das Deutsche Aktieninstitut meldet heute: „Die Zahl der Aktionäre und Aktienfondsanleger in Deutschland ist 2015 um 560.000 gestiegen, wie die heute veröffentlichte Studie des Deutschen Aktieninstituts zu den Aktionärszahlen zeigt.“
    Wie immer ein guter Kontraindikator.

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Und was für einer! Der absolute Kontraindikator ist für die Profis in London übrigens der deutsche Zertifikateumsatz in Stuttgart. Wir haben uns den Ruf als „dumme Investoren“ über Jahrzehnte gründlich erarbeitet!

      Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte das Captcha ausfüllen * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.