Die Kompe­tenten wandern ab

Am kommenden Sonntag (12. März 2023) beschäftigen wir uns im Podcast mit dem Braindrain, den Deutschland erleidet. Zur Einstimmung hier ein paar Beiträge – folgender erschien bereits 2016.

Wir betreiben schon eine merkwürdige Politik. Da versucht die Politik alles, um die Zuwanderung zu befördern, wie

  • unbegrenzte und ungesteuerte Zuwanderung im Rahmen der „Flüchtlingskrise“
  • Verweigern eines Punktesystems wie in Kanada und Australien
  • Belasten der einheimischen Bevölkerung durch Sozialstaatsversprechen für alle

Die Folge: Es kommen viele gering oder gar nicht Qualifizierte nach Deutschland, während die kompetenten Teile der Bevölkerung sich zunehmend ins Ausland orientieren. Ich habe das diverse Male kritisiert, gerade auch im Zusammenhang mit der uns jetzt erneut aufgedrückten Ungleichheitsdebatte, was wiederum die Mittelschicht treffen wird. → Auftakt zur Umverteilungsorgie

Der auf bto sehr präsente Gunnar Heinsohn fasst die ganze Dramatik für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) zusammen:

  • „Mit einem Durchschnittsalter seiner Einwohner von fast 47 Jahren bleibt Deutschland demografisch der kranke Mann Europas. Ohne Einwanderung fällt die Zahl der 20- bis 65-Jährigen zwischen 2015 und 2060 von 48 auf 28 Millionen.“
  • „Bleibt es bei diesem Niedergang sowie der jährlichen Abwanderung von 140 000 Hochkompetenten, könnte den längst verlorenen Industrien (Kameras, Computer, Telefone, Fernseher, Tonträger, Schiffsbau usw.) auch der Maschinen- und Autobau folgen.“
  • „Erstens holte man zwischen 1960 und 1980 ungelernte Arbeitskräfte für Fabriken, Minen und Stahlwerke. Seit dem Niedergang dieser Industrien werden viele (…) aus (…) stetigen Sozialtransfers finanziert. Da das für die Entwicklung der Jüngsten suboptimal bleibt, standen schon bei Pisa 2006 in keinem Land der Welt Migrantenkinder tiefer unter den Schulleistungen der Einheimischen als in der Bundesrepublik.“
  • „Zweitens erhofft man sich von neuen Milliarden für die alte Pädagogik Verbesserungen bei der zweiten Generation; trotzdem endet bei Pisa 2012 mehr als die Hälfte der Migrantenkinder mangelhaft in Mathematik. Weil auch bei den Einheimischen 30 Prozent scheitern, sind bald 40 Prozent aller Kinder nicht zukunftsfähig.“
  • „Drittens wiederholte man 2015 (bei nur 10 Prozent bestens Vermittelbaren unter einer Million Flüchtlingen) die Langzeitbelastung der Anwerbepolitik der 1960er-Jahre. Nun steht man in einer historischen Phase, in der selbst ein Bauer bald nur noch mithalten kann, wenn er die vielfältigen Datenströme aus der Cloud verstehen und kombinieren kann.“
  • „Erstens braucht man hoch qualifizierten Ersatz für die jährlich 400 000 Ungeborenen, weil von den 1,1 Millionen erforderlichen Babys nur 700 000 das Licht der Welt erblicken.“
  • „Zweitens benötigt man Versorger für die auf Arbeitsmärkten nicht Vermittelbaren.“
  • „Drittens muss man endlich den Braindrain stoppen, der einem Fünftel der Geburtenzahl entspricht.“
  • „Da von Deutschlands 27 Millionen Nettosteuerzahlern 12 Millionen direkt oder indirekt vom Staat abhängen, bleiben gerade 15 Millionen, die den Karren gegen die globale Konkurrenz ziehen. Rund 8 Millionen davon sind jünger als 44, können also in die Kompetenzfestungen (Pässe nur an Asse) zwischen Norwegen und Neuseeland entkommen.“
  • „Die bessere Hälfte davon bildet den Talent-Pool, an dem Deutschlands Zahlungsfähigkeit hängt. Das entspricht den 4 Millionen Tüchtigen, die zwischen 2016 und 2020 rund 100 Milliarden Euro an Steuergeldern allein für die Flüchtlinge von 2015 zu leisten haben.“
  • „Die Gelder fehlen für Investitionen etwa beim Glasfaser-Internetzugang, und gerade die Könner, denen man den Fall der deutschen Konkurrenzfähigkeit von weltweit Rang 6 (2014) auf 12 (2016) nicht dauerhaft verheimlichen kann, werden dadurch mindestens so demoralisiert wie durch Terror und sexuelle Übergriffe.“
  • Wenn Politiker sich mit neuen Hilfsmilliarden profilieren, heisst das letztlich: Opfert euch für Rentner, Fremde und den Euro, aber endet selber arm im Alter.“
  • „Kompetenzfestungen, die ihre Bürger zwar fordern, aber nicht überlasten und ihnen deshalb 75 statt 50 Prozent des Verdiensts in der Tasche lassen, nehmen jährlich bis zu 80 000 in Deutschland Entmutigte auf. Sie können nur wenige der knapp 600 Millionen nehmen, die heute in Afrika und dem Islamgürtel von Europa träumen, weil sie nur selten zu ihren Qualifikationsprofilen passen.“
  • „Der CH-Brainpower-Index von 43 (43 Mathe-Asse auf 1000 Schüler) liegt mittlerweile so deutlich vor dem nördlichen Nachbarn (26), dass man bei Hightech-Exporten pro Kopf 275 Prozent der deutschen Leistung erreicht.“

bto: Ich wiederhole: „Wenn Politiker sich mit neuen Hilfsmilliarden profilieren, heisst das letztlich: Opfert euch für Rentner, Fremde und den Euro, aber endet selber arm im Alter.“

→ nzz.ch: „Deutschland muss endlich den Abgang von Hochkompetenten stoppen“, 07. Juli 2016

Kommentare (17) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Alliban
    Alliban sagte:

    “Die Kompetenten wandern ab.” Wenn das so ist, müsste man sich m.E. hier aus volkswirtschaftlicher Sicht überlegen, ob man noch Bildung weitgehend kostenlos anbieten kann. Sonst ist es eine weitere Sache, bei der die Allgemeinheit für etwas (heute) bezahlen muss, von dem sie (später) keinen Nutzen hat.

    Antworten
  2. Thomas M.
    Thomas M. sagte:

    Anmerkung zu Alexanders Quelle:
    https://de.statista.com/themen/1159/studium/#dossierKeyfigures

    Ich bin ja ab und an noch mal in den Buchläden der zwei Ketten stöbern, wenn diese auf dem Weg liegen. Was mir aufgefallen ist über die letzten 10-15 Jahre ist das Schrumpfen und zumindest in einem Falle beobachtete vollständige Verschwinden der Science Fiction-Sektion.

    Das passt doch gut zum Rangplatz von Bio, Chemie und Physik im Ranking der Studienfächer und dem (vermute ich) Mangel an Zukunftsfaszination im Land.

    (Man müsste sich eigentlich die Entwicklung der Studentenzahlen in den Fächern angucken. Ich meine, die Fächer waren schon immer sehr nischig…)

    Antworten
    • Stoertebekker
      Stoertebekker sagte:

      @Thomas M.

      Spannende Idee.

      Hab vorhin gerade in nem US-Podcast gehört, dass in den gesamten USA 2019 (?) ca. 400 Ingenieure im weiteren Petroindustrie-Umfeld graduiert haben. In Peking hat eine einzige einschlägige Uni 15.000 Studenten. Indien ist da wohl auch viel weiter als wir so glauben.

      Wer also die Zukunft will, müsste demzufolge nach Indien oder China gehen…

      Antworten
    • Alexander
      Alexander sagte:

      @Thomas M.

      Studienanfänger am weitesten gefasst machen aus:

      MINT + Ingenieure + Informatik..: ~40%
      Wirtschaft/BWL/Management…..: ~31%
      Soziales, Lehre………………………: ~15%
      Recht, Angilistik, Germanistik…..: ~15%

      Die Mehrheit der Studierenden möchte nichts erfinden, nichts lindern, nichts lehren, nichts lösen, nichts diskutieren…..und auch nicht die Probleme im Einkauf bei Meister Röhrig* beheben, sondern an international verantwortlicher Position die Geschicke in einem der 0.3% der Unternehmen lenken.
      de.wikipedia.org/wiki/Kleine_und_mittlere_Unternehmen#Volkswirtschaftliche_Bedeutung

      Beste Aussichten in einem Deutschland, das sich gezielt deindustrialsiert und alle Wertschöpfung nach dem Ausland säubert. Der industriellen Wertschöpfung folgen später Banken- Versicherungen und Finanzdienstleister, weil wo nichts verdient wirt – nichts zu verdienen ist.

      Für eine Republikflucht kommen nur ausgesuchte Studienabgänger der MINT + Ingenieurwesen in Frage, keine durchschnitts- Schummler…..

      Bleiben werden in jedem Fall –
      Erzieher, Sozialarbeiter, Sprachwissenschaftler und Klimatheologen…..

      * https://www.youtube.com/watch?v=ucCfbxcYVSc

      @Stoertebekker

      Als einer der wenigen z.B. dt. Chemiker geht er/sie/es am besten dorthin, wo 10tausende einheimische Kokurrenten ihre Abschlüsse im Schatten familiärer Beziehungen absolvieren, um tiefer als bei Null -ganz neu- anzufangen – in Indien beispielsweise.

      Dabei gilt, dass man in Schwellenlängern keinen Abschluß anerkannt bekommt und sich erneut prüfen lassen muss.

      Läuft.

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      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @Alexander

        Naja, man kann sich in Indien und China auch direkt anstellen lassen. Habe Ex-Kollegen in sowohl als auch. Das ist eben nicht Deutschland…

  3. weico
    weico sagte:

    Ebenfalls aus der NZZ (und zwar von Heute) ist ein Artikel ,der schön beschreibt wie sehr die ZUWANDERUNG einen POSITIVEN wirtschaftlichen Effekt auf den Wohlstand… der Schweiz hat.

    12ft.io/www.nzz.ch/wirtschaft/nicht-bloss-in-die-breite-mit-der-personenfreizuegigkeit-hat-der-wohlstand-in-der-schweiz-stark-zugenommen-ld.1729544

    Antworten
      • weico
        weico sagte:

        @Alexander

        “Geschäftsmodelle ändert niemand so schnell, wie Verluste auflaufen”

        Verluste..?

        Alles eine Frage der BeWERTung und Bilanzierung der “Geschäftmodelle !!

        Der Link OHNE Bezahlschranke gibt die Antwort … :

        12ft.io/www.nzz.ch/wirtschaft/die-schweizerische-nationalbank-hat-zwei-drittel-ihres-eigenkapitals-verloren-ld.1729065?reduced=true

        @Tom96

        aus Ihrem Link und sehr treffend beschrieben:

        “1848 begann eine qualitativ neue Etappe in der Schweizer Geschichte, die ohne Unterbrechung bis heute andauert. Eine mehr als 170 Jahre andauernde konsistente historische Entwicklung, ohne scharfe Zäsuren — in der Geschichte Europas gibt es keine Analogien zu diesem Phänomen.”

      • Alexander
        Alexander sagte:

        @weico

        Der Franken ist wie die Schweiz selbst ein Fluchtort,
        genauso gut trampeln die Flüchtlinge beide tot – wenn die kluge Herde erst mal Panik schöpft.

        Die Schweiz ist nämlich zu klein um @ALL einen -WERT- zu haben.

        …dabei haben die Spiele erst angefangen.

      • jobi
        jobi sagte:

        @ weico

        “Verluste..? Alles eine Frage der BeWERTung und Bilanzierung der “Geschäftmodelle !!”

        Richtig – siehe Beispiel US-Banken aktuell:

        Verluste müssen bilanziert werden, wenn man dazu gezwungen ist, Assets vor Endfälligkeit zu verkaufen. Und das sind die Banken, falls sie nicht wie die Megacaps genug Cashreserven haben.

        Warum verkaufen? Weil Kunden ihr Geld abziehen. Warum Verluste so hoch ? Weil Anleihenkurse schnell gefallen sind. Warum ziehen Anleger Geld ab ? Weil sie am Geldmakt Zinsen bekommen, die sie auf ihre Einlagen nicht bekommen. Warum sind Anleihekurse schnell gefallen ? Wegen Zinsstraffung der Fed in Rekordtempo. Warum sind Anteile an Geldmarktfonds attraktiver als Bankeinlagen ? Weil die Fed via RRP 4% Zinsen zahlt und deren Sicherheit garantiert.

        Die Ursachenkette beginnt also wie so oft bei der Notenbankpolitik. Wieder eine dieser “unbeabsichtigten” Nebenwirkungen.

        Ist dies also der Anfang der Finanzkrise ?

        In den nächsten Wochen werden wir wohl zunächst eine Inflation der Beschwichtigungsversuche erleben.
        Aktienoptimisten sollte spätestens jetzt hellhörig werden.

      • weico
        weico sagte:

        @jobi

        “Ist dies also der Anfang der Finanzkrise ?

        In den nächsten Wochen werden wir wohl zunächst eine Inflation der Beschwichtigungsversuche erleben.
        Aktienoptimisten sollte spätestens jetzt hellhörig werden.”

        Die kommenden Zeiten werden sicherlich noch grosse Veränderung mit sich bringen.

        Auch Mark Dittli (von “themarket”) spricht von einem Paradigmenwechsel (wohl zurecht) der (nicht nur) auf die Investoren zukommt.

        12ft.io/themarket.ch/the-big-picture/paradigmenwechsel-ld.8584

      • weico
        weico sagte:

        @Tom96

        Der Link ist auch für Neu-Zuwanderer und Kandidaten für” Wer wird Millionär” sehr informativ.

        Der Link vermittelt sogar, dass die Stadt Bern nur Umgangssprachlich als Hauptstadt der Schweiz gilt . Die Schweiz hat offiziell KEINE Hauptstadt sondern nur eine Bundesstadt….was viele “Eidgenossen” ebenfalls nicht (mehr) wissen.

        https://de.wikipedia.org/wiki/Hauptstadtfrage_der_Schweiz

  4. Alexander
    Alexander sagte:

    Es kam NIE zu einem braindrain,
    und es wird auch NICHT zu einem solchen kommen.

    Warum?
    Weil junge Qualifizierte zu einem beachtlichen Teil auf den Einfluß der Familien für ihre Karriere angewiesen sind,
    nach 20 Jahren Nullzins-Zombie Ökonomie – weltweit. Wer später geht hat entweder zuviel zu verlieren (als Winner) oder nicht mehr genug Zeit im Zielland viel aufzubauen, die Verlierer will keiner haben.

    Blasen-Einkommen a la “neuer Markt” bestätigten nur Regeln, die keineswegs als “old economy” obsolet wären.

    Für die Zukunft haben Deutschlands Beste folgende Fächer gewählt:
    Studienfächer Winter 21/22:
    https://de.statista.com/themen/1159/studium/#dossierKeyfigures

    Mein Fazit:
    …niemand da draußen wartet auch diese Kohorten von brainwashed woke Opportunisten.

    Antworten
  5. foxxly
    foxxly sagte:

    bto:
    mit steigenden wohlstand, wird auch der nachwuchs weniger. dies gilt weltweit.
    wie kann eine wirtschaft weiterwachsen mit seinen bisherigen bedingungen, wenn überall die “zuwanderung” nachläßt. (das trifft kurzfristig nicht zu, aber langfristig!)

    die wirtschaft muss sich langfristig umstellen und mit einen “null, oder minus” demographischen wachstums, fertig zu werden.

    wahrscheinlich ist bei dieser entwicklung das schuldgeldsystem im wege; – es würde dann nicht mehr funktionieren.
    lieber periodisch alles zerstören, dann ist wieder wachstum möglich,- wie abartig ist der mensch! bzw. die eliten!

    Antworten
  6. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    “Pässe nur an Asse”

    Unsere Maxime in der Zuwanderungspolitik lautet wohl eher “Pässe auch an jeden Assi” – klingt immerhin so ähnlich…

    Antworten

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