«Der freie Markt versagt im Bankensektor»

Tweet about this on TwitterShare on FacebookShare on Google+Share on LinkedInEmail this to someone

Schon vor einiger Zeit erschienen, dennoch sehr relevant. Ein Interview zum Thema Banken. Da ich selber nicht an eine solche Regulierung – wie hier gefordert – glaube, bin ich immer mehr zu einem Anhänger von Vollgeld geworden, vermutlich in der „österreichischen Variante“. Dies werde ich auch beim Global Economic Summit (GES) in Kuala Lumpur Anfang September in einem Panel zu „Future of Money“ diskutieren. Die Kernaussagen des Interviews:

  • „Die Eigenkapitalausstattung der Grossbanken sinkt gemessen an der Bilanzsumme seit 150 Jahren, doch noch nie war der Trend so stark wie seit den Achtzigerjahren. Die Banken sind auch zu gross geworden, um sie untergehen zu lassen – too big to fail –, wenn ein Zusammenbruch droht. Denn dieser käme die Volkswirtschaft und die Steuerzahler noch teurer zu stehen als die Rettung selbst. Aus dieser Zwangslage sind die Steuerzahler noch immer nicht befreit, denn viele Megabanken sind in der Finanzkrise noch grösser geworden.“
  • „Wenn Grossbanken zu straucheln drohen, lassen sie uns nur die Wahl zwischen zwei Alternativen, die beide schrecklich sind: Entweder wir retten sie mit unserem Geld, oder aber ihr Untergang fügt der Volkswirtschaft massiven Schaden zu. Darum ist es so wichtig, dass Banken so aufgestellt sind, dass sie gar nicht erst in die Nähe eine Bankrotts kommen.“
  • „Die Finanzierung durch Eigenkapital beeinträchtigt die Kreditvergabe nicht. Und Unternehmen, die weniger verschuldet sind, treffen in der Regel bessere Investitionsentscheide.“
  • „Das Problem liegt im politischen System. Jedes Land sollte an die eigenen Bürger denken und daran, wie man ihnen ein stabiles System geben kann. Und ein stabiles System heisst, dass die Banken in einen Modus überführt werden müssen, der dem anderer Unternehmen ähnlicher ist, vor allem in der Art der Finanzierung. Wenn man irgendetwas oder irgendjemanden subventionieren will, gibt es andere Möglichkeiten, als dies über die Verbilligung der Verschuldung der Banken zu tun. Subventionen verursachen vielerlei Verzerrungen, aber man muss sich darauf konzentrieren, was man damit erzielen will. Die Entscheidung liegt letztlich immer bei uns allen, als Kollektiv.  Es ist möglich, ein besseres System zu haben, in jedem Land wie auch global.“

FuW: «Der freie Markt versagt im Bankensektor», 9. Mai 2014

Wie weit wir von einer Lösung des Problems entfernt sind, zeigte die Rettung der portugiesischen Bank Santo Espirito:

The Telegraph: Europe’s tough new regime for banks fails first test in Portugal, 11. August 2014

3 Kommentare
  1. thewisemansfear says:

    Hallo Herr Stelter,

    das klingt in meinen Augen gar nicht mehr so „beyond the obvious“. Goldstandard gab es doch schon etliche Mail, hat prima funktioniert ;-)
    Die Großgemengelage ist doch so, dass wir eine Dollar-Hegemonie haben (der Fehler seit Bretton Woods), und die aufgelaufenen Ungleichgewichte von den Handelspartner nicht mehr getragen werden wollen. Zum Thema internationales Weltwährungssystem habe ich ein paar Gedanken zusammengetragen, zum Großteil inspiriert durch Steve Keen und Keynes Bancor-Idee: http://thewisemansfear.wordpress.com/2014/08/09/das-weltwahrungssystem-als-ursache-heutiger-konflikte/

    Endogenes Geld einem dinglichen „Stabilitätsanker“ wie Gold unterzuordnen ist nicht mehr zeitgemäß. Eine internationale Reservewährung unter der Kontrolle und Aufsicht aller Nationen wäre dem vorzuziehen.

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter says:

      Danke für die Anmerkung. Nicht alle Beiträge können den Anspruch, etwas völlig Neues zu bieten, erfüllen. Goldstandard sehe ich nicht – Sie kennen meine Kommentare zum Vollgeld. Wobei wir da auch nicht immer einer Meinung sind. Demnächst lade ich die Diskussion zu „Future of Money“ beim Global Economic Symposium (GES) hoch. Dort bin ich im Panel. Genug Material für kritische Kommentare von Ihnen und anderen Besuchern dieser Seiten!

      LG

      DSt

      Antworten
  2. Daniel Stelter
    Daniel Stelter says:

    Diese Nachricht erreichte mich von einem Leser per Mail:

    Austrian Vollgeld wird nie kommen, Herr Stelter! Das ist eine Ihrer wirklich verrückten Ideen. Die Gründe, weshalb, können Sie auch in der Doktorarbeit von Bofinger aus dem Jahr 1985 nachlesen (siehe unten)! Weil die Opportunitätskosten viel zu hoch wären! Und der Staat dann den privaten Währungswettbewerb noch stärker als bisher überwachen müßte. Vor allem um den Crash einer der konkurrierenden Währungen – mit dann sicherlich horrenden Folgen für die Wirtschaft – zu verhindern! Im übrigen würde sich – so wie in Europa vor 1998 – immer eine der Privatwährungen als Flucht- und Ankerwährung herausschälen (damals bekanntlich die DM). Also Nutzen hochfragwürdig!

    https://portal.dnb.de/opac.htm?method=showFullRecord&currentResultId=per%3D%22Bofinger%2C+Peter%22%26any&currentPosition=38

    Mit freundlichem Gruß

    Antworten

Dein Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Schreiben Sie etwas dazu!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.