Zehn Jahre Bullenmarkt – aber die Aktien sind in keiner Blase?

Gavyn Davies wirft einen Blick auf den Bullenmarkt der letzten zehn Jahre (zumindest an der Wall Street) und fragt, was man aus der guten Entwicklung für die Zukunft schließen kann:

  • „Since March 2009, US equity prices have risen by 12.5 per cent per annum, and most global stock markets have joined the party. What caused this phenomenal rise in risk assets and what does this tell us about the future?“ – bto: Ich würde sagen, wir kennen beide Antworten. Das billige Geld und dass es nicht gut ausgeht. Aber vielleicht kommt Davies ja zu einem anderen Schluss?
  • „Many commentators are extremely suspicious (…) They argue that the rise in asset prices has been driven by ‘artificial’ monetary stimulus by the central banks, especially quantitative easing. The implication is that when monetary policy returns to normal, asset prices will implode. According to them, not even the Federal Reserve can inflate an asset price ‘bubble’ forever.“ – bto: Ich hätte mich zu diesen Skeptikern gezählt.
  • „Equity prices have not risen above their long-term rising trend lines, even at the recent extremes (see graph). At the start in March 2009, US equity prices were 60 per cent below their long-term trend line. A decade later, equities have risen sharply, but are still 9 per cent below trend. In this basic and rather ‘naive’ model, there is no prima facie case for arguing that the stock market is in a ‘bubble’.“

Quelle: FT

Jetzt würde ich natürlich sagen, dass der Trend letztlich vom Wirtschaftswachstum getragen wird und da haben wir doch eine Verlangsamung erlebt, während gleichzeitig die Bewertungen auch wegen der tiefen Zinsen immer weiter nach oben gegangen sind?

  • „We can analyse the behaviour of asset prices more carefully by using a dynamic version of a standard relationship, known as Gordon’s growth (or dividend discount) model, which asserts that the change in equity prices over any given period can be attributed to changes in: Company dividends (or, sometimes, earnings);  Expected future dividend growth; The real risk free interest rate on government debt (one of the main factors driving bond yields); and the equity risk premium.“ – bto: Das leuchtet alles ein.
  • „The main contributor has been the rise in dividend payments, probably the most solid of all fundamentals. Higher dividends account for 8.3 percentage points of the 12.5 per cent annualised increase in equity prices since the trough of the bear market.  The next largest contributor is the decline in the equity risk premium (ERP), which has contributed 3.1 percentage points to the bull market. The ERP is the expected excess return on equities relative to risk free interest rates, and is the compensation that investors require to hold riskier assets.“

Quelle: FT

  • „If this had been decisive, declining real rates should have been a major contributor to the rally, but that seems not to have been the case. (…) Perhaps it can be argued that the two major contributors to the equity rally — higher dividends and a restoration of risk appetite — were in part due to easier monetary policy. That is plausible, but it does not indicate that monetary policy was too easy, or even that QE was artificially stimulative.“ – bto: Also war es alles rein fundamental begründet und zudem sind Aktien ja noch unter dem Trend. Alles gut.
  • „In fact, the behaviour of the US and global economy suggests that monetary policy from 2009-19 was, for the most part, too tight, not too easy. Since 2009, real and nominal GDP have fallen sharply below previous trend lines, and inflation has been persistently below central bank targets. These conditions are symptomatic of a shortage of demand, especially in the eurozone and Japan, despite stimulative monetary policy.“ – bto: Das ist richtig argumentiert, wenn man glaubt, dass die Zentralbanken daran etwas ändern können!
  • „(…) it is reassuring that, following the bull market, equity prices are still underpinned by fundamentals more solid than a mountain of paper money. Instead, the equity market is close to its very long-term trend. More important, equity valuation remains within normal bands, albeit towards the expensive end of the range for equities.“ – bto: was sich nicht mit den Berechnungen anderer deckt. Ich erinnere an:

→ Rekordmargen und Rekordmultiples

→ GMO: magere Aussichten für die US-Börse

  • „The model predicts that total US equity returns will be about 4-5 per cent per annum in nominal terms in the next three years — much lower than recently, but still positive. The great bull run may be over, but that does not mean that a great bear market will inevitably follow.“ – bto: wie gesagt, es gibt auch andere Berechnungen

→ ft.com (Anmeldung erforderlich): „The great bull market reaches its 10th birthday“, 31. März 2019

Kommentare (12) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    René Bolliger sagte:

    Auf einer semi-logarithmischen Skala sieht das S&P Trendwachstum linear aus, auf einer linearen Skala würde man eher die Asymptote erkennen – den Crash.

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      Felix Kurt sagte:

      Hallo, allerdings ist die halb-log. Skalierung für die Beurteilung von Trends die richtige Variante. Denn gleiche Abstände auf der Log.-Skala (hier links: Indexniveau) bedeuten gleiche prozentuale Veränderungen (pro Zeiteinheit), also von 1 auf 2 = +100%, von 1000 auf 2000 = +100%.
      Entscheidender für die „Optik“ ist der Anfangs-/Aufsatzzeitpunkt. Davon hängt dann ab, ob im Bild der aktuelle Verlauf deutlich über, auf oder unter dem Trend verläuft.

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  2. Avatar
    jobi sagte:

    Ein Meisterwerk des Expressionismus: „Estimated Postwar Trend“
    S&P500 Preisindex zu vergleichen mit Dividenden pro Aktie: Zeugt von Kreativität, hat aber wenig Aussagekraft.
    Bewertungen und Margen sind am historischen Limit. Ohne den Rückenwind durch easy money können sie keinen Bestand haben.

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  3. Avatar
    troodon sagte:

    Irgendwie langweilig, wenn weit überwiegend nur der US Markt betrachtet wird…
    Okay, in der FT etc. wird es kaum Analysen zum DAX & Co geben, aber eine Risikoprämie z.B. beim DAX ggü. 10j Bunds von rd. 7% wäre schon einmal eine Betrachtung wert.

    Aber was sollte das auch bringen…
    Man freut sich in D lieber weiterhin über mehr oder weniger nicht-verzinste Bankeinlagen über ~2,3 Bio. €. Damit könnte man den DAX mit einer Mcap von rd 1,2 Bio € quasi aus der Portokasse kaufen…
    Aber nee, die ganzen Schwankungen, das ist doch alles viel zu risikoreich… Konsequenterweise fordert man dann überwiegend nach mehr Staat… und kauft noch mehr Gold und hofft, dass man das gut vor dem Zugriff verstecken kann…

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      Eva Maria Palmer sagte:

      @ troodon
      Das vermutete Billionenvermögen der Deutschen ist doch längst in der Pleite- und Transfer-Union verfrühstückt.
      Die Vermögens-Eigner wissen es nur noch nicht.
      Meine EM-Schätzchen dagegen sind immer noch voll erhalten und werden nach den Stelterschen-Untergangs-Prognosen (und meinen eigenen) ungeahnte Steigerungen erreichen.
      Ich glaube auch nicht, daß es für den Normal-Investor jetzt noch Sinn macht, höchst überbewertete Aktien zu kaufen.
      Das überlassen wir lieber dem Short-Markt und dem Hochfrequenzhandel.
      Wenn die Notenbanken weiterhin große Mengen an Gold bunkern, dann sollte das jeder tun.

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        troodon sagte:

        @ EMP
        „Ich glaube auch nicht, daß es für den Normal-Investor jetzt noch Sinn macht, höchst überbewertete Aktien zu kaufen.“
        Statt „glauben“ wäre es schön, wenn Sie mir einige Fakten/Annahmen liefern würden, warum Ihrer Meinung nach z.B. deutsche Aktien „höchst überbewertet sind“.
        Hier im Blog wird leider fast ausschließlich über US Aktien philosophiert…

        „Das vermutete Billionenvermögen der Deutschen ist doch längst in der Pleite- und Transfer-Union verfrühstückt.“
        Ist das Ihr Argument dafür, dass es für die deutschen Privathaushalte sinnvoll ist, ~ 2,3 Bio Bankeinlagen zu horten und nur einen so geringen Anteil an Aktien, aktienorientierten Publikumsfonds und Aktien ETF’s zu halten ?

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        jobi sagte:

        @EMP

        „Ich glaube auch nicht, dass es für den Normal-Investor jetzt noch Sinn macht, höchst überbewertete Aktien zu kaufen“

        Warren Buffett hat mal gesagt, der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen sei, weil sie im Preis gestiegen ist.

        Dem ließe sich noch hinzufügen:
        Nicht weniger dumm ist der Grund, dass sich mit Anleihen und Bankeinlagen nichts mehr verdienen lässt.

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        troodon sagte:

        @ jobi
        „Warren Buffett hat mal gesagt, der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen sei, weil sie im Preis gestiegen ist.

        Dem ließe sich noch hinzufügen:
        Nicht weniger dumm ist der Grund, dass sich mit Anleihen und Bankeinlagen nichts mehr verdienen lässt.“

        Den Aussagen stimme ich zu.

        Und das ändert jetzt was genau an meiner Kritik bzgl. der Vermögensstruktur deutscher Privathaushalte ?

        Vielleicht können Sie mir begründen, warum bei einer Risikoprämie von rd. 7% (gemessen am DAX ggü. 10j Bunds) deutsche Aktien „höchst überbewertet “ sind…

        Und zum Thema „der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen sei, weil sie im Preis gestiegen ist.“
        noch der bereits mehrfach gegebene Hinweis, dass gemessen am Kurs-DAX der Kursanstieg der DAX Aktien in den letzten 20 Jahren NOMINAL rd. 1,9% p.a., über 25 Jahre rd. 4,6% p.a. und über 30 Jahre rd. 5,1% p.a. beträgt.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ troodon

      Ausländische Investoren halten mehr als 50% der Aktien aller Dax-Unternehmen.

      Wenn wir nicht einen starken Mittelstand hätten, müsste man sagen:

      Kontrolle über die Wirtschaft des Landes längst verloren.

      Aber auch beim Mittelstand tut sich ja etwas:

      Die Chinesen langen zu und bieten z. T. weit über Markt- bzw. Bewertungspreisen.

      Sage niemand, dass in Deutschland nichts zu holen wäre.

      Oder, damit es nicht so schmerzt, mal so gesagt:

      Die anderen sind einfach nur doof, in ein marodes Land wie Deutschland zu investieren :-)

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    • Avatar
      Eva Maria Palmer sagte:

      @ troodon
      Zum Westen (und dem deutschen Dax) nachstehend die höchst kompetente Meinung von Dr.Stelter.
      „Kann China den Westen retten?“
      Dr.Stelter meint:
      „Ich weiß, daß der Westen nicht mehr zu retten ist…….“
      (Ich weiß das auch).
      LG EMP

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        troodon sagte:

        @ EMP
        Wie erwartet, nichts konkretes von Ihnen. blub…
        Und wenn der Systemcrash erst in 50 Jahren kommt, kann man sich wenigstens in der Zwischenzeit herrlich über eine verfehlte Politik von x und y aufregen.

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