Wo stehen wir bei der Euro-Rettung?

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Deutschlandradio Kultur berichtet von der Eurorettung mit Blick auf Griechenland. Interviewt wurden unter anderem Gerhard Schick, finanzpolitischer Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion. Neben anderen Ökonomen komme auch ich zu Wort, vor allem mit Blick auf die Lösung des Schuldenproblems:

Daniel Stelter: „Die Medien wie auch die Politik stürzt sich immer nur auf das aktuelle Problem.“

Kritisiert der Unternehmensberater Daniel Stelter. Fast täglich gibt es Schlagzeilen zu Griechenland: „Die Pleiteuhr tickt!“, heißt es da. Oder „Griechischer Minister droht Europa mit Flüchtlingswelle“ und „Irrer Plan. Touristen sollen als Steuerfahnder arbeiten“.

Daniel Stelter: „Das ist eigentlich nur ein Theater, das aufgeführt wird, da wird ein bisschen hin und her, da wird es spannend gemacht, wird es lange dauern, wird es nicht lange dauern, aber das in letzter Konsequenz ist das alles ein Witz, weil die grundlegenden Probleme sind so groß und keiner traut sie die offen anzusprechen. Ich persönlich glaube, die Politiker wollen es nicht sagen und die Bürger wollen es nicht hören und damit haben wir ein großes Kartell derjenigen, die die Realität verweigern wollen.“

Daniel Stelter gehörte jahrelang zum Führungskreis bei Boston Consulting, einer der führenden Unternehmensberatungen der Welt. Heute berät er selbständig Unternehmen im Umgang mit der Finanzkrise und schreibt Bücher wie „Die Billionen-Schuldenbombe. Wie die Krise begann und warum sie noch lange nicht vorüber ist.“

Daniel Stelter: „Man redet von Staatsschuldenprobleme in Griechenland, aber die wahren Probleme sind: Wir haben ein Schuldenproblem nicht nur in Griechenland, wir haben ein Problem in Spanien, wir haben ein Problem in Portugal, wir haben ein Problem in Irland. Irland und Portugal und Spanien haben rekordhohe Verschuldung. Irland ist über 400 Prozent vom Bruttoinlandsprodukt, Staaten, private Haushalte, Unternehmen zusammen. Portugal ist fast dabei. Da hat Griechenland viel weniger.“

Und später:

Neue Schulden haben dabei eine immer geringere Auswirkung auf das Wachstum, weil ein immer größerer Teil der neuen Schulden nur dazu dient, die Zinsen der Gläubiger zu bedienen, und ein immer geringer Anteil investiert wird. Bewirkte ein US-Dollar neue Schulden in den 1960er Jahren noch rund 80 Cent mehr BIP, so sank der Wert auf 30 Cent in den 1990er Jahren und auf rund zehn Cent seit dem Jahr 2000. Man kann also auch gehörige Zweifel daran haben, dass die Medizin von mehr Staatsausgaben auf Pump in der jetzigen Situation der Euroländer die richtige ist. Helfen könnte hier ein Schuldenschnitt in den Eurostaaten, ist Unternehmensberater Stelter überzeugt:

Daniel Stelter: „Weil nach so einem Schuldenschnitt würde sich die europäische Wirtschaft sehr, sehr schnell erholen, würde sehr schnell wieder wachsen können.“

Er empfiehlt den Euroländern alle Schulden, die über 60 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen, in einen zentralen Topf zu packen und gemeinsam über einen Zeitraum von 20 bis 25 Jahren abzutragen. Ohne solche kreative Lösungen könnte die Eurozone ihre Schulden ohnehin nie begleichen, meint Stelter.

Daniel Stelter: „Ich persönlich beziffere den Betrag an nicht einbringbaren Schulden in Europa auf mindestens drei Billionen Euro, also 3000 Milliarden Euro, es könnten auch in Richtung 5000 Milliarden gehen.“

Doch solche Reformen stehen überhaupt nicht zur Debatte. Von vertanen Chancen spricht Grünen-Politiker Schick.

Gerhard Schick: „Gar nichts hat man im Griff, sondern die entscheidenden Problemlagen sind noch genauso da wie vor fünf Jahren, denn man hat vieles nur dadurch gelöst in Anführungszeichen, dass man Zeit gekauft hat. Und das Schlimme ist, dass in der Zwischenzeit die Stimmung zu Europa und dem Euro massiv zurückgegangen ist und inzwischen viele Leute Europa als Problem da wahrnehmen und wir deswegen massive politische Probleme für die Zukunft geschaffen haben in den letzten fünf Jahren.“

Den vollständigen, hörenswerten Beitrag finden Sie hier:

Deutschlandradio Kultur: Wo stehen wir bei der Euro-Rettung?, 31. März 2015

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