„Die Zwangsfusion, die niemandem nützt“

Dieser Kommentar von mir erschien bei Cicero:

Deutsche Bank und Commerzbank sollen fusionieren, so will es zumindest Finanzminister Olaf Scholz. Doch warum eigentlich? An den fundamentalen Problemen der Banken in Deutschland würde sich kaum etwas ändern. Andere Maßnahmen könnten viel besser helfen.

Nun scheint es doch so weit zu kommen. Deutsche Bank und Commerzbank sollen nach tatkräftiger Hilfe aus dem Bundesfinanzministerium zur Fusion schreiten. Finanzminister Olaf Scholz treibt das voran zur Sicherung deutscher Wirtschaftsinteressen und damit als Beispiel für die neue Industriepolitik der Regierung. Für jeden anderen, der sich nur ein wenig mit den Problemen des (deutschen) Bankenmarktes beschäftigt, ist es aber eine Aktion, die keines der vorhandenen Probleme löst und stattdessen weitere schafft.

Dazu muss man sich zunächst diese Fragen stellen: Warum geht es den deutschen Banken so schlecht? Warum spielen wir trotz der unstrittigen Stärke der deutschen Wirtschaft allgemein im Bankwesen schon seit Jahrzehnten nicht in der ersten Liga? Und warum sind deutsche Banken im internationalen Vergleich so klein und vor allem so unprofitabel?

Der Markt in Deutschland ist unattraktiv

Deutsche Banken verdienen im Schnitt nur 0,2 Prozent auf ihr Vermögen, während Banken in Frankreich und den Niederlanden mehr als doppelt so viel verdienen, in den USA sogar fünfmal so viel.

Der erste und wohl auch entscheidende Grund für die schwache Profitabilität deutscher Banken ist die Struktur des Bankenmarktes hierzulande. Ein Bankenmarkt ist umso profitabler, je konzentrierter er ist, also je weniger Marktteilnehmer es gibt. Damit ist keine Monopolbildung gemeint, sondern das Entstehen von Banken, die groß genug sind, um Größenvorteile zu realisieren und so Kosten zu senken. Der deutsche Markt ist der fragmentierteste in Europa. Und auch eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank würde an dieser Tatsache nichts ändern.

Dies hat mit einer weiteren deutschen Besonderheit zu tun, dem hohen Anteil staatlicher und genossenschaftlicher Spieler im Markt: Sparkassen, Volksbanken und Raiffeisenbanken führen nicht nur zu einer weiteren Fragmentierung des Marktes, sondern verfolgen auch nicht ausschließlich das Ziel der Gewinnmaximierung. Sie sehen ihre Aufgaben auch in der Förderung der regionalen Wirtschaft und in der Unterstützung ihrer Mitglieder. Damit senken sie das Preisniveau im Markt und reduzieren die Profitabilität für alle Banken in Deutschland.

Aus Sicht der Kunden mag dies zunächst erfreulich sein. In Wahrheit verhindert dies aber die Realisierung von Kostenvorteilen durch Größe und Fokussierung. Das führt zu strukturell höheren Kosten für alle Beteiligten – Banken wie Kunden. Auch daran würde eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank nichts ändern.

Politik der EZB setzt Banken unter Druck

Zu diesen strukturellen Besonderheiten des deutschen Marktes kommen seit mehreren Jahren die Nebenwirkungen der Politik der Europäischen Zentralbank. Mit immer aggressiveren Maßnahmen versucht die EZB, den Euro zu „retten“. Das führt zu immer tieferen Zinsen angesichts der ungelösten strukturellen Probleme der Eurozone (Verschuldung, divergierende Wettbewerbsfähigkeit der Mitgliedsländer) und dem Versagen der Politik, diese Probleme zu lösen. Niedrigere Zinsen sind aber nicht nur für Sparer ärgerlich, sondern für Banken existenzbedrohend. Sie verdienen an der Differenz zwischen den Zinsen, die sie ihren Kunden für die Einlagen oder der EZB bezahlen und den Zinsen, die sie für Kredite bekommen.

Je tiefer das Zinsniveau, desto geringer auch die Zinsmarge und damit der Druck auf die Profitabilität der Banken. Zwar haben sie in den vergangenen Jahren verschiedene Gebühren deutlich erhöht, um die Einnahmenseite zu verbessern, dennoch bleiben die Gewinne nachhaltig unter Druck. Eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ändert auch an diesen Umständen nichts. Wenn sich die Bundesregierung um die deutschen Banken sorgt, sollte sie lieber der EZB helfen und die Krise der Eurozone an der Wurzel packen.

Die Banken stehen vor technologischem Umbruch

Zu allem Überfluss steht das Bankenwesen vor einem radikalen Wandel, getrieben von den neuen technologischen Möglichkeiten. Innovatoren wie die Internetbank N26 und Vermögensverwalter wie „Scaleable“ und „Liqid“ zeigen, dass das bestehende Geschäftsmodell der Banken keine Zukunft hat. Niemand braucht in Zukunft eine Bankfiliale mit persönlicher Betreuung für seine täglichen Bankgeschäfte. Für die etablierten Spieler im Bankenmarkt bedeutet dies eine zweifache Herausforderung. Sie müssen neue internetbasierte Dienstleistungen aufbauen und zugleich die vorhandenen alten Strukturen abbauen. Die Erfahrung aus anderen Industrien zeigt, dass es nur wenigen Unternehmen gelingt, einen solchen Wandel erfolgreich zu bewältigen. Zu groß sind die Beharrungskräfte der alten Strukturen. Auch hieran ändert eine Fusion von Deutscher und Commerzbank nichts.

Folgen des Missmanagements

Nicht vergessen dürfen wir in diesem Zusammenhang die Fehlleistungen der verantwortlichen Manager in den vergangenen Jahrzehnten. Gerade die Deutsche Bank hat zunehmend Zuflucht in den internationalen Märkten und im Investmentbanking gesucht angesichts der schwierigen Marktstruktur hierzulande. Verkannt wurde dabei aber, dass auch in diesem Markt Größe eine entscheidende Rolle spielt. Eine besondere Herausforderung ist zudem, die besten Mitarbeiter zu finden und zu halten. Letzteres führt bei allen Banken dazu, dass ein Großteil der erwirtschafteten Gewinne nicht bei der Bank landen, sondern als Bonus ausgeschüttet werden.

Die Risiken für Verluste verbleiben aber bei der Bank und den Aktionären. Besonders schwierig wird es dann, wenn man fehlende Größe und Präsenz dadurch zu kompensieren versucht, dass außerordentlich hohe Risiken eingegangen werden. Dass der IWF die Deutsche Bank als die gefährlichste Bank der Welt bezeichnete, ist nicht als Lob, sondern als vernichtendes Urteil zu sehen. Zwar ist das aktuelle Management bemüht, die Risiken abzubauen. Dies dauert aber an und wird durch eine mögliche Fusion mit der Commerzbank nicht beschleunigt, sondern eher behindert.

Es gäbe Alternativen

Es ist also offensichtlich, dass eine Fusion der beiden Banken nichts an den grundlegenden Problemen der beiden Institute und des Bankenmarktes hierzulande ändert. Im Gegenteil, es steht zu befürchten, dass die Fusion so viel an Energie, Managementkapazität und -aufmerksamkeit bindet, dass es den beteiligten Banken mehr schadet als nutzt.

Wollte die Politik den deutschen Bankenmarkt stärken, sollte sie Konzentration und Professionalisierung fördern, zum Beispiel, indem sie den Sparkassensektor konsolidiert. Dieser könnte perspektivisch mit der Deutschen Bank fusioniert werden, weil dann ein starker nationaler Spieler mit entsprechender internationaler Verflechtung entstehen würde.

Stattdessen konzentriert sich die Politik darauf, zwei Banken in eine Fusion zu zwingen, deren Manager wissen, dass sie ihnen nichts nutzt. Am Ende werden – allen Beteuerungen zum Trotz – Steuergelder fließen, um die Fusion und die Sanierung zu ermöglichen. So bleibt auch dies ein weiteres Beispiel für die fehlgeleitete Politik hierzulande, die lieber an Symptomen herumdoktert, anstatt die Ursachen zu adressieren.

→ cicero.de: „Die Zwangsfusion, die niemandem nützt“, 19. März 2019

38 Kommentare
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    Christian sagte:

    Ich würde mir ein öffentliches Statement von Herrn Scholz wünschen, wonach der Anteil des Bundes von 15% an der heutigen Commerzbank, der in das fusionierte Institut überginge, im Fall einer neuen Finanzkrise mit Folge der finanziellen Schieflage der „Deutsche Commerz“ nicht als Rechtfertigung für die Stützung der Bank mit Steuergeld herangezogen wird. Und diese Zusage müsste auch dann gelten, wenn die Gefahr bestünde, dass der Anteil des Bundes bei Verweigerung von staatlichen Hilfsmilliarden verloren ginge und im Rahmen einer möglichen Insolvenz ein Dominoeffekt für des weltweite Finanzsystem drohen würde. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass die deutsche Politik in solch einem Fall von ihrem Prinzip „kein Steuergeld mehr für die Bankenrettung“ abweichen würde.

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      Richard Ott sagte:

      Wenn eine Bank so groß ist, dass bei ihrer Insolvenz ein Dominoeffekt für das weltweite Finanzsystem droht, dann ist es auf keinen Fall eine gute Idee, sie mit anderen Banken zu fusionieren. Die gegenteilige Maßnahme wäre richtig: Man müsste die Bank zerschlagen.

      Davon abgesehen möchte ich vorschlagen, dass im Fall einer Fusion die neue AG den Namen „Deutsche Commerz Bank Bank“ bekommt. Dieser Name wäre genau so dämlich wie der ganze Plan.

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        troodon sagte:

        @ Richard Ott
        „Man müsste die Bank zerschlagen.“
        Theoretisch m.E. richtig. Vorher aber noch dt. „Champion“ schaffen, um europaweit nicht komplett unterzugehen.
        Gedankengang einiger Politiker könnte sein, erst Fusion DB+CBK (Postbank nicht vergessen) und im Anschluss europ. Merger inkl. Aufsplittung in europ. Retail- und Investmentbank. Mehr Integration in Europa ist doch das Ziel der Politiker. Dann fließen von selbst deutsche Einlagen nach Italien oder Frankreich…

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        Christian sagte:

        Ich kann Ihren Punkt verstehen. Für mich klingt Ihr Argument jedoch so, als müsse der Staat – aller neuer Regularien und Aussagen, dass es zukünftig keine Bankenrettung mit Steuergeld mehr gibt, zum Trotz – im Fall der Fälle doch wieder einspringen. Ich persönlich (und das sage ich als Person, die beruflich einen starken Bezug zum Investmentbanking und Kapitalmarktgeschäft hat und sich der Auswirkungen des Folgenden voll bewusst ist) würde in der nächsten Krise das System eher kollabieren lassen als es noch ein weiteres Mal auf Zeit zu retten und damit die Fallhöhe am Ende zu vergrößern. Es ist an der Zeit die Systemfrage zu stellen… also genau das zu tun, was vor 10 Jahren versäumt wurde. Denn es hat sich, entgegen aller Beteuerungen, nichts, aber auch gar nichts geändert.

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        Christian Hu sagte:

        Ich habe beruflich damit auch zu tun, habe aber auch einen volkswirtschaftlichen Hintergrund.

        Genau so habe ich es gemeint, der Staat MUSS im Zweifel wieder eingreifen (so, wie die EZB als Lender of Last Resort bei Liquiditätskrisen eingreift).

        Welches System würden wir denn durch den Kollaps des deutschen Banksystems einführen? War die Great Depression nicht Great genug?

        Kein vernünftiges Land opfert sein Bankensystem nur, um einige wenige mit dem Zeigefinger zu belehren. Nur weil der Deutsche Staat nicht eingreift, werden es andere (vernünftigere) Länder nicht gleich tun. Als Folge werden auch gesunde Unternehmen mit in den Abgrund gezogen.

        Die einzige Möglichkeit, dies zu verhindern, ist eine angemesse Prävention in Form von Regulierung. Banker müssen für negative Externalitäten haften, nur so werden adäquate Systeme in den Häusern etabliert und auch durchgesetzt.

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        Michael Stöcker sagte:

        @ Christian Hu

        Es wird Sie sicherlich nicht wundern, dass ich Ihre Einschätzung uneingeschränkt teile.

        Aus volkswirtschaftlicher Sicht wäre es sinnvoller, wenn nicht nationale Banken fusionieren, sondern grenzüberschreitend fusioniert würde. Dann würde die Kreditkontrolle schon auf der internen Ebene durch einheitliche Bonitätsnormen ausgeübt werden. Also: Nicht DeuCoba sondern vielmehr Deucredit (Deutsche Bank und UniCredit) oder Cotander (Commerzbank und Santander). Dann gäbe es auch kein TARGET-Problem mehr. Mehr dazu hier: https://makronom.de/fusion-commerzbank-deutsche-bank-sind-nationale-champions-gut-fuer-die-gesamtwirtschaftliche-stabilitaet-30160

        LG Michael Stöcker

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    troodon sagte:

    Ergänzende Zusammenfassung von Finanz-Szene.de zum Thema
    http://finanz-szene.de/die-ultimative-analyse-zur-fusion-von-deutscher-bank-und-commerzbank/

    Unabhängig davon, egal ob es zu einem Merger kommt oder nicht, Banken in D werden in den nächsten Jahren nicht umhin kommen weiter deutlich Personal einzusparen.

    Auch Fusionen/Übernahmen wird es geben müssen. Nicht nur in D. Dafür braucht es aber wahrscheinlich noch einige Jahre Zeit, bis die EU-Bank-Bilanzen im OPTIMALEN Fall stark von NPL bereinigt sind.

    Falls es zum D-Merger kommt, wäre es für mich nur das Vorspiel zu einem später folgenden Merger mit z.B. Unicredit , Soc.Generale oder Credit Suisse. Wenn vorher DB mit CBK fusioniert, wäre man bei der Mcap auf Augenhöhe mit den anderen und müsste nicht Juniorpartner sein. An einer Konsolidierung der europ. Banken kommt man m.E. nicht herum.
    Oder warum sollte es angemessen sein, dass in der EU das Verhältnis „Total Banking Assets“ zum BIP bei rd. 250% liegt, in den USA aber bei unter 100%?
    Grafik dazu über John Authers von DB :
    https://www.bloomberg.com/opinion/articles/2019-03-19/deutsche-bank-merger-won-t-fix-europe-s-banks-jtf93nct

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    Susanne Finke-Röpke sagte:

    Auch wenn ich mich hier damit vermutlich unbeliebt mache, aber der Sparkassensektor ist und war (abgesehen von den politisch dominierten Landesbanken) nie das Problem. Ich finde den Ansatz von Herrn Scholz gut und richtig, denn er würde es nicht machen, wenn diese beiden Banken bei realistischer Betrachtung nicht schon nahe einer Pleite wären. Ich möchte auch begründen, warum ich dafür bin:

    1. Wenn wir schon jede südeuropäische Bank mit deutschen Bürgschaften und Steuergeldern retten, können wir zwei deutsche Banken auch noch retten. Dann bleibt das Geld wenigstens im Land. Kapitalsaldentechnisch gab es schon schlechtere Rettungsaktionen in der Euroschuldenkrise und diese ist ja – wie Hr. Dr. Stelter selbst schreibt – nie vorbei gewesen.

    2. Die langfristigen Synergievorteile sind immens: Filialen, Stabsabteilungen, Rechtsform, Firmensitz, Firmensprache, Mitbestimmungsregeln, Gewerkschaft, Kundengruppen – alles weitgehend identisch. Die beiden Banken müssen in Zeiten der Nullzinspolitik und der Digitalisierung sowieso massiv Kosten sparen. Und das geht mit einer Fusion am besten. Filialschließungen, Abteilungszusammenlegungen, IT-Vereinheitlichungen, Auslandsniederlassungen – fast alles ist doppelt da und muss sowieso gemacht werden. Der Widerstand der Gewerkschaften zeigt, dass das ohne politische Unterstützung nicht realisiert werden kann.

    3. Systemrelevant sind beide jetzt schon. Dann ist die fusionierte Bank hinterher eben auch einzeln systemrelevant. Kostet auch nicht mehr, sondern nach rechtzeitiger Hebung von Kosteneinsparpotenzialen eher weniger.

    4. Der Wettbewerb wird nicht monopolartig eingeschränkt. Genossenschaftsbanken, Sparkassen, ausländische Wettbewerber, Fintecs und andere mischen den Markt immer noch genügend auf.

    5. Der von Hr. Dr. Stelter genannte Sparkassensektor wehrt sich aus gutem Grund gegen die Vereinnahmung durch die privaten Banken und muss nicht für diese die Kohlen aus dem Feuer holen. Eine weitere Konzentration im Bankwesen schafft ja erst wieder neue systemrelevante Institute. Und die wollen wir doch eigentlich alle nicht, um das Sozialisieren von Verlusten endlich zu beenden, oder?

    6. Das deutsche Bankwesen muss nicht die Profitabilität ausländischer Märkte erreichen. Es genügt, wenn er finanziell stabil ist, Synergien durch gemeinsame IT-Dienstleister oder Clearingeinrichtungen hebt und jede Bank klein genug ist, pleite gehen zu dürfen, weil sie nicht systemrelevant ist. Das zeigt nämlich nur, dass der Wettbewerb hier funktioniert. Das ist ähnlich wie im Lebensmitteleinzelhandel. Wir haben auf der Welt wegen des Wettbewerbs dort u.a. die besten Preise bei dennoch hoher Qualität. Natürlich können Sie auch die Profitabilität eines Lebensmittelhändlers von 1949 anstreben; aber der Markt dort war für die Kunden kein Spaß.

    7. Das deutsche Bankwesen in den 80ern war hinsichtlich der Zahl der Institute noch wesentlich stärker fragmentiert. Gehaltsexzesse waren bis in die Vorstandsetagen hinein unbekannt. Der Markt hat hervorragend funktioniert. Vertrauen war wichtig, Vertrauen war vorhanden und die Nachwuchsgewinnung war kein Problem, selbst ohne horrende Boni. Vertrauen herstellen wäre viel wichtiger als die Auflösung des funktionierenden Sektors von Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die den Privatbanken ein Dorn im Auge sind. Denn die haben in den meisten Fällen das Vertrauen noch.

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      Richard Ott sagte:

      @ Frau Finke-Röpke

      Wenn Deutsche Bank und Commerzbank tatsächlich schon nahe an einer Pleite sind, wie Sie schreiben, wieso fusionieren wir sie dann (voraussichtlich mit neuen Staatsgarantien), anstatt sie zu liquidieren?

      Wettbewerber in deutschen Bankensektor und auch im internationalen Bankensektor gibt es ja genug. Die könnten Einzelteile der beiden Großbanken dann im Rahmen der Liquidation aufkaufen und integrieren, falls sie irgendetwas finden, das sie für weiter überlebensfähig halten.

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Richard Ott: Warum wir sie nicht liquidieren?

        Die Antwort ist wie seit 10 Jahren: Weil sie systemrelevant sind.

        Sonst hätten wir heute ganz viele Banken in Europa nicht mehr und das ungedeckte Einlageversprechen von Frau Merkel und Herrn Steinbrück, das immer noch viele glauben, wäre sofort hinfällig. Der nächste Bankrun in Deutschland wäre vorprogrammiert. Das will Herr Scholz bestimmt nicht, er profitiert ja immer noch von dem o.g. Versprechen.

        Aber im Prinzip ist eine Fusion ja schon der Beginn von Maßnahmen, die auch bei einer eventuellen späteren Liqudierung gemacht werden würden: Filialen schließen, Stellen abbauen, Stäbe zusammenlegen, Kosten senken. Nur dass man sich das Türchen offen hält, dass es später eventuell doch weiter gehen kann.

        Und was die ausländischen Wettbewerber betrifft: so werthaltig kann das Ganze nicht sein. Sonst hätte ein aggresiver Investor wie Herr Icahn oder eine HSBC oder eine amerikanische Bank längst zugegriffen und Druck ausgeübt, die Banken zu filetieren und die Einzelteile zu verkaufen, falls sie mehr Verkaufserlös versprechen als den aktuellen Börsenwert. Tun sie aber nach Meinung der Investoren wohl nicht. Und diese Meinung kann ich nachvollziehen, auch wenn ich sie nicht im Detail wie ein spezialisierter Aktienanalyst für Finanzinstitute beurteilen kann.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        Ich vermute, dass insbesondere wegen der Derivate-Abteilung niemand an Wall Street die DB übernehmen will, obwohl sie es dem Aktienkurs nach praktisch geschenkt gibt.

        Normalerweise hätte man eine Bieterschlacht erwarten können.

        Monsanto haben uns die Amerikaner doch nicht angedreht. Nein, nein, Bayer wollte internationale Erfahrung gewinnen. ☺

        Die machen sie jetzt vor amerikanischen Gerichten.

        Erst für den Kauf von Monsanto einen fantastischen Betrag bezahlt und jetzt vermutlich auch noch sehr ordentlich für Entschädigungen nachzahlen.

        Die Provinz lässt grüßen.

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        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        Sie wissen aber schon, dass Liquidation und Insolvenz nicht das gleiche sind, oder?

        Worauf wollen Sie hinaus? Behaupten Sie, dass Deutsche Bank und Commerzbank ihre Bilanzen fälschen und in Wirklichkeit so sehr überschuldet sind dass sie gar nicht mehr liquidiert werden können ohne dass der ganze Betrug auffliegt? Oder was ist der Grund, der die Liquidation verhindert? Woran genau macht sich die „Systemrelevanz“ fest, die erfordert, dass konkret diese Banken auf ewig weiter bestehen müssen, wenn Sie doch gleichzeitig sagen, dass es viel Wettbewerb im deutschen Bankenmarkt gibt?

        Was genau tun diese beiden Banken so angeblich Wichtiges, dass es nur diese beiden Banken tun können?

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        Bernhard-Albrecht Roth sagte:

        @ Frau Finke-Röpke
        @ Richard Ott
        @ Dietmar Tischer

        Deutsche und Commerz sind nicht nur systemrelevant, sondern sorgen u. a. dafür, dass einerseits die Gewinne aus Derivaten in Deutschland erwirtschaftet und nicht anderswo versteuert werden sowie andererseits das Zentralbankgeld, welches die Bank des Derivate-Erwerbers an den Derivate-Emittenten (Deutsche oder Commerz) transferiert, dadurch nicht in den (temporären oder endgültigen) Besitz von Emittenten außerhalb der Eurozone gelangt.

        Anders als Herr Tischer vermutet, dürfte der Marktanteil von Deutsche und Commerz im Derivategeschäft gerade deshalb für ausländische Investoren interessant sein. Allerdings würde es wenig Sinn machen vor der nächsten Krise diese Banken zu übernehmen, weil der Kaufpreis dann zwangsläufig noch günstiger sein wird.

        Die Fusion hat neben den weitgehend schlüssigen Argumenten von Frau Finke-Röpke noch einen anderen Vorteil: Die getrennten Zentralbankkonten von Deutsche und Commerz werden zu einem, was bedeutet, dass die DeuCo weniger Zentralbankgeld für den externen Zahlungsverkehr sowie für eigene Kreditausfälle aufwenden muss als zuvor, weil diese dann mehr im eigenen Giralgeldkreislauf verbucht werden können.

        Beste Grüße,
        Bernhard-Albrecht Roth

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Bernhard-Albrecht Roth

        Ich kann zum Derivategeschäft nicht wirklich mehr sagen als andere dazu gesagt haben:

        Es soll sehr, sehr risikoreich sein.

        Hier u. a.:

        https://www.wiwo.de/unternehmen/banken/deutsche-bank-derivate-furchterregende-zahlen/14648562-5.html

        Natürlich gibt es absichernde Gegenposition und vermutlich auch andere Absicherungen. Die Summe ist aber dennoch atemberaubend.

        Wie auch immer, der IWF hat die DB jedenfalls einmal die riskanteste aller Banken genannt.

        Deshalb ist meine Meinung zu dem, was Sie sagen:

        Ja, wenn mit dem Derivategeschäft Gewinne erzielt und daraus Steuern bezahlt werden, dann kommt der Gesichtspunkt ins Spiel, wohin die entsprechenden Beträge gehen.

        Dagegen steht für einen potentiellen Erwerber aber auch das tatsächliche oder angenommene Risiko dieses Geschäfts.

        Zum Kaufpreis:

        Ich meine, dass der Kaufpreis für die DB in relativ ruhigen Zeiten wie diesen als außergewöhnlich niedrig eingestuft werden muss. Schließlich hat die Aktie in besseren Zeiten schon mal mehr als EUR 110 gekostet.

        Ob einmal angenommene EUR 2 für eine DB-Aktie in der KRISE als „günstiger“ zu bewerten sind, wage ich zu bezweifeln: „Tiefer“ kann günstiger sein, ist aber nicht – wie Sie meinen – ZWANGSLÄUFIG günstiger, wenn wir von einer Krise reden, die den Namen verdient.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Roth

        „dass einerseits die Gewinne aus Derivaten in Deutschland erwirtschaftet und nicht anderswo versteuert werden“

        Das ist ein Scheinargument. Wenn Deutsche Bank und Commerzbank noch nennenswerte Gewinne erwirtschaften würden, dann hätten wir die ganze Fusionsdiskussion nicht. Der 9,5-Milliarden-Euro-Verlustvortrag der Deutschen Bank aus 2015/16/17 wird beispielsweise dafür sorgen, dass die Bank auf Jahre oder Jahrzehnte keine Steuern auf ihre mittlerweile nur noch kläglichen Gewinne abführen werden muss.

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Richard Ott:

        Ja, ich weiß den Unterschied zwischen Insolvenz und Liquidation. Ich weiß aber auch, wie die Bilanzerstellung bei Banken abläuft und wie die Bewertungsspielräume genutzt werden. Wenn Sie an der Risikovorsorge, den Rückstellungen allgemein, den aktivischen latenten Steuern, der Bewertung von Aktiva (z.B. NAV von Immobilien) usw. rumspielen, können Sie eine Insolvenz auch hinauszögern oder beschleunigen. Vermutlich wäre es für einen erfahrenen Finanzvorstand jederzeit möglich, eine nachvollziehbare Bilanz 2018 für die Deutsche Bank zu erstellen, bei der das Vorsichtsprinzip leider, leider das Eigenkapital komplett aufzehrt. Aber um solche Spielereien geht es hier gar nicht. Es geht um die Vorschaurechnungen für die nächsten Jahre, die der Deutschen Bank, ihrem Wirtschaftsprüfer, der BAFIN und damit auch Herrn Scholz (oder besser Herr Staatssekretär Kukies) vorliegen müssten. Und wenn die eine Existenzgefährdung für das Jahr 2024 oder was auch immer vorhersagen, die sich nicht mit Bilanzspielräumen verhindern lässt, dann muss er jetzt handeln. Gut, dass der frühere Arbeitgeber von Herrn Kukies dadurch eventuell einen Kollateralnutzen hat, nimmt man halt billigend in Kauf…^^

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        Richard Ott sagte:

        @Frau Finke-Röpke

        „Es geht um die Vorschaurechnungen für die nächsten Jahre, die der Deutschen Bank, ihrem Wirtschaftsprüfer, der BAFIN und damit auch Herrn Scholz (oder besser Herr Staatssekretär Kukies) vorliegen müssten. Und wenn die eine Existenzgefährdung für das Jahr 2024 oder was auch immer vorhersagen, die sich nicht mit Bilanzspielräumen verhindern lässt, dann muss er jetzt handeln. “

        Und wieso ist das ein Argument dafür, die Deutsche Bank mit der Commerzbank zu fusionieren anstatt sie abzuwickeln? Hat die Commerzbank Ihrer Meinung nach die gleichen Probleme und eine absehbare Existenzgefährdung in, sagen wir, 2024, oder hat sie eine gesündere Bilanz? Falls die Commerzbank gesünder ist, wieso sollten die Eigentümer der Commerzbank einer Fusion unter solchen Voraussetzungen zustimmen?

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @Herrn Ott: Warum die Aktionäre einer Fusion dann zustimmen sollen? Weil eine kontrollierte Abwicklung m.E. psychologisch nicht geht, da es nur mit Staatsgeld ohne Bank-run funktionieren kann.

        Ich versuche Ihnen meinen Gedankenansatz zu erklären:

        Sie fragen, warum liquidiert man die Bank dann nicht?

        Haben Sie schon mal versucht, eine Bank zu liquidieren? Das ist kein Möbelhaus und kein Maschinenbaubetrieb, wo Sie einfach die Türen schließen. Banken leben von Vertrauen und nur von Vertrauen. Und wenn das hops geht, infiziert eine Bank die nächste.

        Wenn die Einleger von Deutscher oder Commerzbank Angst haben müssen, dass vor allem ihre kurzfristigen Forderungen (z.B. Tagesgelder, Sparbücher, Monatsfestgelder, Girokonten, etc.), die ja in Wirklichkeiten Darlehen der Kunden AN die jeweilige Bank sind, bei Bedarf evtl. nicht ausgezahlt werden können, kommt es binnen Stunden zu einem bank-run. Dieser ist höchst gefährlich, denn dann kommen Sie in die Zahlungsunfähigkeit und dann haben Sie keine geplante Liquidation, sondern eine ungeplante Zahlungsunfähigkeit, also eine echte Insolvenz.

        Warum?

        Ein Bank-run ist gefährlich, weil Banken die Liquditität für eine Auszahlung aller kurzfristigen Einlagen gar nicht haben. Ihr Geschäftsmodell ist ja in der Regel (ich lasse das Investmentbanking weg) die Fristentransformation, d.h. die Marge zwischen höheren Zinsen für langfristige Ausleihungen und niedrigen (oder Null) für kurzfristige Einlagen. Die Masse der eingelegten Gelder ist in langfristigen Unternehmens- und Immobilienfinanzierungen gebunden und KANN gar nicht kurzfristig ausbezahlt werden.

        Sie werden fragen, was ist dann mit der Einlagensicherung der privaten deutschen Banken? Die ist nicht schlecht, wenn eine kleine private Bank wie z.B. die Berenberg-Bank in Schwierigkeiten kommt (wofür ich aber konkret keinerlei Anhaltspunkte habe, damit das nicht falsch rüberkommt! Ist nur ein Größenbeispiel). Sie ist völlig überfordert, wenn mit der Deutschen und der Commerzbank die beiden Elefanten im Raum in Probleme kommen sollten.

        Und daher macht es m.E. Sinn, dass die Aktionäre der Commerzbank zustimmen, denn die einen Aktionäre sind Anleger wie der Bund, die das nicht aus Renditegesichtspunkten halten, und die anderen sind teilweise ETFs oder Mitarbeiter, die mehr oder weniger kurz- oder längerfristig müssen oder sollen. Der Rest sind ewige Optimisten und kurzfristige Zocker, die vermutlich teilweise auch zustimmen, aber eher emotional entscheiden.

        Der Vorteil für die Commerzbank-Aktionäre ist: Sie können die Kosten der Commerzbank mit einer Fusion stärker senken als alleine, da sie zahlreiche Synergien heben können. Stehen z.B. in einer mittelgroßen Stadt eine Filiale von der Deutschen und eine von der Commerzbank und hat die Deutsche die bessere Lage / Immobilie, können Sie die Commerzbankfiliale schließen und dennoch die Präsenz behalten.

        Die Staatshilfe, die der Commerzbank wegen der eigenen Systemrelevanz schon ziemlich sicher war, wird aufgrund der dramatisch gewachsenen Größe todsicher, da selbst ein langjähriger Schrumpfkurs einer fusionierten Bank die Systemrelevanz nicht gefährden wird. Ein Ausstieg des Bundes, der bei der Commerzbank irgendwann auf der Tagesordnung gestanden hätte, wird unwahrscheinlicher, denn so kommt der Bund an eine nennenswerte Beteiligung an der Deutschen Bank, um die es bei dem ganzen Drama eigentlich geht, denn hier sitzen die größeren Schwierigkeiten.

        Und daher bin ich für die Fusion, solange der Finanzminister und die BAFIN das aus Insidersicht für gut halten. Denn der Schaden für den Finanzplatz Deutschland wäre immens, wenn die Deutsche Bank echt ins Straucheln gerät. Leider hat man bei uns nicht überall wie in den Vereinigten Staaten in der Staatsschuldenkrise bei den Banken radikal mit aufgezwungenen Staatshilfen durchgegriffen; z.B. nicht bei der Deutschen. Jetzt holt man es halt auf die sanftere Tour nach. Und das finde ich auch gut so, bevor man das Ganze in die nächste Rezession verschleppt, in der Kredite ausfallen werden, von denen man jetzt noch glaubt, dafür keine Risikovorsorge betreiben zu müssen. Und diese Rezession wird kommen, wie sie immer in der Geschichte gekommen ist.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Man kann natürlich mit guten Gründen die Meinung vertreten, dass die Fusion der beiden Banken nichts an den grundlegenden Problemen der beiden Institute und des Bankenmarktes hierzulande etwas ändert.

    Sie ändert aber etwas, das nicht zu unterschätzen ist:

    Kostensenkung z. B. durch einheitliche IT-Struktur und Schließung von Filialen.

    Wenn DB und CBK nach der Fusion deutlich weniger Leute beschäftigen – die Rede ist von einer fünfstelligen Zahl in Deutschland – bedeutet das spürbare Kostenentlastung.

    Wie vor einigen Tagen gepostet, haben die deutschen Sparkassen in 2018 ca. 480 Filialen geschlossen.

    Kostensenkungen und Entlassungen sind nicht innovativ, aber unabdingbar.

    Das deutsche Bankwesen ist hinter der Kurve und muss aufholen.

    Sich auf den Weg zu machen, ist doch schon mal was.

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    Thomas M. sagte:

    „Wollte die Politik den deutschen Bankenmarkt stärken, sollte sie Konzentration und Professionalisierung fördern, zum Beispiel, indem sie den Sparkassensektor konsolidiert. Dieser könnte perspektivisch mit der Deutschen Bank fusioniert werden“

    Um Himmels willen… Das ist doch wie eine Wasser-Öl-Emulsion; wenn da nicht ständig gerührt wird, trennt sich das wieder. Ich hab zudem festgestellt, dass kleine Sparkassen / VR-Banken wenig Interesse an kleinen Unternehmen haben und große Institute erst recht nicht. Wenn man bei seiner regionalen Sparkasse Kunde ist, ruft einen wenigstens der Betreuer auch noch mal zurück – vermutlich weil man sich auch in der Stadt schon mal über den Weg läuft und damit ein Mindestmaß an sozialem Bezug besteht.

    Ne, lassen „Sie“ uns kleinen Krautern bitte die regionalen Banken und Sparkassen. Sollen die großen sich global austoben… Fragmentierung schützt zudem gegen die ganz großen strategischen Top-Down-Management-Verirrungen und steigert die Robustheit der Gesamtorganisation. Dann kann man zwar nicht international mitmischen, aber wozu auch, wenn man regional sein Geld verdient? Ist vermutlich auch etwas stressfreier für die Mitarbeiter… wie war das gleich: „Die Unternehmen sollten sich Gedanken darüber machen, wie sie weiter für Berufsanfänger attraktiv sein können“, sagt Simon. Geld alleine reicht dafür nicht.“ ;)

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    MFK sagte:

    Aus dem Handelsblatt: „Keine Bankengruppe in Deutschland ist so profitabel wie die regionalen Institute. Spitzenreiter waren 2016 die Genossenschaftsbanken mit einer Eigenkapitalrendite von 8,4 Prozent nach Steuern, gefolgt von den Sparkassen mit 7,4 Prozent.“

    Ein regionaler Fokus schließt also Rentabilität nicht aus. Die Ursache der wesentlich höheren Rentabilität gegenüber den Geschäftsbanken dürfte vor allem auf der Kostenseite zu suchen sein.

    Eine Fusion des Sparkassensektors mit der Deutschen Bank halte ich für abwegig. Das passt schon von der Unternehmenskultur nicht zusammen. Warum sollten zudem die profitablen Sparkassen mit einer wenig profitabelen Geschäftsbank fusionieren? Das macht überhaupt keinen Sinn

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      Thomas M. sagte:

      Und besonders schräg wird es dann, wenn die Großen (unrentablen) den Kleinen (rentablen) erklären wollen, wie man vernünftig das Geschäft betreibt – weil die Kleinen ja keine Ahnung haben können und bis dato hinterm Mond lebten. Und den Erklär- und Gestaltungsanspruch dürften Mitarbeiter einer große Bank gegenüber denen der regionalen Instituten haben.

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    Christian Hu sagte:

    Bei Rentabilitätsproblemen hilft auch keine Fusion von Instituten.

    Herr Scholz sollte lieber wieder eine ordentliche Fiskalpolitik betreiben, damit wieder Bedarf nach Krediten entsteht.
    Aktuell schauen ja alle Großunternehmen darauf, was sie restrukturieren müssen und leider nicht, wo sie investieren können

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    Alexander sagte:

    Wenn Deutschlands Exporterfolg ein Märchen ist und die dt. Target2 Foderungen bis fast an die chinesischen US Anleihebestände (>1126 Mrd.$) heranreichen, ist der Stolz auf das Geschäftsmodell der parteiverseuchten Stadtsparkassen nachvollziehbar.

    Zur Förderung der regionalen Wirtschaft gegründet und durch kommunale Experten (CDSU-SPD) beaufsichtigt, haben diese Banken die nachhaltigen Investitionsentscheidungen von Unternehmern und Privatleuten, gerne finanziert.

    Die Neubausiedlungen und Gewerbeparks strotzen vor Wohlstand, man sieht das geschöpfte Geld überall sprießen, nur die Annahme eines endlosen Aufschwunges ist keine richtige.

    Den Mut nahmen Investoren wie Regionalbanken aus der Ahnungslosigkeit von desinteressierten Infantilen. In den 90ern war das noch nicht der Fall, seitdem hat man sein Personal auf Erfolg getrimmt, mit der Kernaussage „man benötige Geschäftemacher und keine Geschäfteverhinderer“
    (vgl. Heinsohn, Zukunft der Finanzkrise, Nullzinstarantelle der Banken)

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    ikkyu sagte:

    @ Stöcker

    Zitat:
    „Wenn die Analysten endlich mal den demographischen Faktor berücksichtigen würden (schon mehr als verwunderlich bei Heinsohn, passt aber zu seinem Steckenpferd Zentralbank-Bashing), dann kämen sie vermutlich zu ganz anderen Ergebnissen.“

    Beim demographischen Faktor muß man schon etwas differenzieren.

    Bei Entwicklungsländern (z.B. Niger in Ihrer Liste) ist der aktuelle Forschungsstand so:

    -bessere wirtschaftliche Entwicklung führt zu niedrigeren Geburtenraten

    -eine geringere Geburtenrate fördert die wirtschaftliche Entwicklung und vermindert die Armut.

    In den entwickelten Volkswirtschaften ohne Bevölkerungswachstum wird das verminderte Wirtschaftswachstum hauptsächlich durch das niedrigere Arbeitsvolumen der älteren Bevölkerung bewirkt und weniger durch eine abnehmende Produktivität der Älteren.

    Dem schrumpfenden Arbeitsvolumen kann durch eine höhere Arbeitsbeteiligung der älteren Bevölkerungsschichten und wie in Japan durch Automatisierung entgegengewirkt werden.

    Gerade Sie als Greta-Unterstützer sollten auch folgendes bedenken:

    Der IPCC-Sonderbericht über Emissions-Szenarien (SRES) benennt Bevölkerungswachstum, Wirtschaftswachstum, technologischen Wandel und Änderungen hinsichtlich der Energie- und Landnutzungsmuster als die wesentlichen Antriebskräfte für die Zunahme an Treibhausgasemissionen.

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    Eva Maria Palmer sagte:

    Ich habe noch nie einen bedeutenden volkswirtschaftlichen Nutzen der monströsen Investmentbanken erkennen können, deren Gewinne entweder für Tausende von Gaunereien mit riesigen Geldstrafen belastet werden und die offensichtliche Inkompetenz von Angestellten, die für ihre Unfähigkeit auch noch mit Milliarden-Boni belohnt werden.
    Für mich sind Banken wie Lehman oder GS Volksfeinde einer besonderen Art, die wenig oder nichts zum eigentlichen Aufgabenbereich eines Kreditinstituts beitragen, nämlich das Wirtschaftswachstum durch eine intelligente Kreditwirtschaft sicher zu stellen.
    Selbst wenn sie es versuchen wollten, würde die komplett überflüssige und schädliche EZB ihre Bemühungen zunichte machen.
    Seit Jahren fordern unsere unfähigen Politiker die Trennung von Investmentsparte und normalem Kreditgeschäft, genauso wie eine Transaktionssteuer für alle Roulette-Aktionen des Hochfrequenzhandels, der nur ein paar Leute noch reicher macht, als sie es ohnehin schon sind.
    Am Ende steht dann der „Greater Fool“, der garnicht weiß, was mit seinem Geld geschieht.
    Meiner Meinung gehören die verlustbringenden Finanzmoster abgeschafft und damit auch ihre Risiken für das Weltfinanzsystem.

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    peter sagte:

    Lieber Herr Dr. Stelter, Sie haben in Ihrer aktiven Laufbahn nie wirklich ausführlich im Sparkassensektor beraten, oder? Anders kann ich mir die Aussage „Wollte die Politik den deutschen Bankenmarkt stärken, sollte sie Konzentration und Professionalisierung fördern, zum Beispiel, indem sie den Sparkassensektor konsolidiert.“ nicht erklären. Landesbanken konsolidieren – ja, keine Frage. Sparkassen (und auch Volksbanken) gibts zwar sicherlich noch ein paar zuviel, da gehen noch einige Fusionen, aber das ist nicht beliebig skalierbar. Und wie oben beschrieben, regional tätige kleine Institute sind nicht das Problem…

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