Die Nebelbomben des Oliver Blanchard

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Wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Rolle als Chefökonom des Internationalen Währungsfonds eine politische ist, so hat ihn der derzeitige Amtsinhaber im Interview mit dem Handelsblatt am Dienstag erbracht. Statt Ross und Reiter klar zu nennen, hat er Nebelbomben geworfen, um die gegenwärtige Ruhe an der Krisenfront nicht zu gefährden. Klar, geht es doch aus Sicht der Politik vor allem darum, die Europawahlen möglichst geräuschlos über die Bühne zu bekommen. „Krise vorbei“ ist das Mantra der treuen Europäer.

Seit dem Antritt Blanchards als Chef(krisen)ökonom im Jahre 2008 sind die Schulden der Welt um 43 Prozent auf 100 Billionen Dollar gewachsen. Die Zentralbanken haben ihre Bilanzsummen vervielfacht. Eine Krise, ausgelöst durch zu viele Schulden, wurde durch noch mehr Schulden bekämpft – ohne die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bekommen. Auf Dauer wird das nicht funktionieren. Das weiß auch Herr Blanchard, liest er doch sicherlich die Studien, die in seinem Haus erscheinen. So wiesen Forscher des IWF nach, dass bei einem Übergang zu einem Vollgeldsystem, welches faktisch eine Abschaffung der heutigen Geldschöpfung durch Banken bedeutet, so hohe Gewinne entstünden, dass man damit die gesamte Staatsschuld und auch einen guten Teil der privaten Schulden beseitigen könnte. Was das für den Wert privater Vermögen bedeutet, blieb unklar. Eine andere Publikation des IWF diskutierte die Möglichkeit, das Schuldenproblem durch Vermögensabgaben zu lösen, allerdings müssten diese überraschend und rückwirkend eingeführt werden, um Ausweichbewegungen zu verhindern. Und im Dezember schließlich durften die anerkannten Professoren Reinhart und Rogoff in einem IWF Papier erläutern, weshalb die Eurozone ohne Schuldenschnitte mit Gläubigerbeteiligung (gemeint Deutschland) nicht aus Krise und Überschuldung herauskommen wird.

Grund genug, eine Replik zu schreiben, die heute im Handelsblatt erschienen ist. Mein Fazit: Die Fachleute vom IWF wissen, dass wir ohne drastische Maßnahmen nicht aus der Misere herauskommen. Solange noch nicht feststeht, welche davon wie zum Einsatz kommen, beteiligen sie sich am Spiel auf Zeit. Allen voran Olivier Blanchard.

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