STELTERS MAILBOX: Eigentumswohnung kaufen?

Man schreibt mir:

Sehr geehrter Herr Stelter,

Ich verfolge Ihren Blog seit Beginn von bto und bin Ihnen für Ihre analytische, ganzheitliche und in sich schlüssige Sicht auf die Lage in Wirtschaft und Finanzsystem sehr dankbar. Ich stehe gerade vor einer der schwierigsten Entscheidungen in meinem Leben – dem Kauf (oder nicht Kauf) einer Eigentumswohnung.

Die Ausgangslage ist folgende: Ich bin 38 Jahre alt, wohne in einer Mietwohnung in Frankfurt am Main, mit meiner Frau und 2 Kindern, und bin der alleinige Verdiener in der Familie. Ich bin fest angestellt und habe im Laufe meiner bisherigen Karriere ein Vermögen von ca. 150k Euro erarbeitet, das in Aktien, Liquidität und etwas Gold angelegt ist. Nun haben wir in einem angespannten Frankfurter Wohnungsmarkt nach langer Suche eine Neubauwohnung gefunden, die unseren Vorstellungen am meisten entspricht. Das Problem ist erwartungsgemäß der Preis: 880k Euro für 130 qm, das entspricht ca. 6,5k Euro pro qm oder etwa 37-Fache einer vergleichbaren Jahresmiete. Mit meinem Einkommen von ca. 150k Euro brutto pro Jahr muss ich (um die Wohnung bis zum Renteneintritt in 27 Jahren abzubezahlen und trotzdem gut meine Familie zu ernähren) mehrere sehr optimistische Annahmen treffen, wie etwas zumindest in Höhe der Inflation weiter steigendes Einkommen, weiterhin sehr niedrige Zinsen nach Ende der 15-jährigen Zinsbindung, jährliche Sondertilgungen zwischen 5000 und 10000 Euro usw.
Nach Lektüre Ihres Blogs gehört „Vorsicht mit Schulden“ zu meiner Überzeugung, genauso wie es meinem Wesen widerspricht ein Asset zu kaufen, dessen Preis sich im letzten Jahrzehnt mehr als verdoppelt hat. Außerdem bin ich wie Sie sehr skeptisch bezüglich der Zukunft der Bankbranche und somit auch des Standortes Frankfurt am Main.
Auf der anderen Seite sehe ich, dass ich mit knapp 40 Jahren langsam das Alter erreiche, in dem man nicht mehr lange mit Erwerb einer Immobilie warten soll. Genauso sehe ich den weltweiten Schuldenüberhang und die Strategie der Notenbanken, die Schulden um jeden Preis mittels Inflation abzuwerten. Vor diesem Hintergrund erscheint eine Flucht in einen Sachwert trotz eines sehr hohen Preises gerechtfertigt.

Ich muss gestehen, die Nachricht war einige Wochen in meiner Inbox. Dies deshalb, weil ich diese Frage nicht einfach mit machen/nicht machen beantworten kann. Denn es hängt von vielen Faktoren ab und ich fürchte natürlich, in zehn Jahren eine böse Nachricht zu bekommen, nach dem Motto: Hätte ich mal nicht auf Sie gehört!

Andererseits ist es eine Fragestellung, die für viele meine Leser relevant sein dürfte, und ich bin sicher, der Fragesteller wird auch von der Fülle an Kommentaren profitieren, die sich in den kommenden Tagen hier sammeln.

1.     Was ist der Business Case?

2.     Was spricht dafür?

3.     Was spricht dagegen?

4.     Fazit bto

 

1.     Was ist der Business Case?

Überschlägig kostet die Wohnung mit Nebenkosten und was so noch dazu kommt rund eine Million Euro, bei 150.000 Ersparnissen haben wir eine hohe Fremdfinanzierungsquote. Das muss nicht schlecht sein, macht aber natürlich anfällig für unvorhergesehene Ereignisse wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Wegfall von Erfolgskomponenten. Aber es ist machbar.

Vom Einkommen von 150.000 brutto bleiben rund 90.000 netto. Wenn wir nun davon ausgehen, dass Zins und Tilgung bei 20.000 Euro pro Jahr liegen und von Zeit zu Zeit Sondertilgungen vorgenommen werden, sieht dies auch machbar aus. Richtig ist, dass eine Tilgung in 27 Jahren mit diesen Rahmenbedingungen nicht möglich ist. Das muss aber unter Umständen auch nicht das Ziel sein. Vielleicht gibt es künftig Erbschaften, die bei der Tilgung helfen. Wenn nicht, so muss es kein Problem sein, wenn die Wohnung in 27 Jahren noch etwas belastet ist.

Ob Frankfurt ein nachhaltig guter Standort ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Richtig ist, dass Frankfurt von der UBS zu den Städten mit dem höchsten Blasenrisiko gezählt wird. Richtig ist auch die Skepsis bezüglich der Arbeitsplätze im Finanzsektor, die keineswegs sicher sind. Der Finanzsektor durchläuft unabhängig von Regulierung und Überkapazitäten einen derart fundamentalen technologischen Wandel, dass es viele der Jobs, die heute existieren, schon bald nicht mehr geben wird. Hinzu kommt der eingesetzte demografische Wandel, der Städte und Regionen unterschiedlich treffen wird. Durchaus möglich, dass deshalb Frankfurt perspektivisch schlechter abschneidet.

Als erstes Zwischenfazit würde ich sagen, dass man einen Kauf nicht prinzipiell ausschließen kann und sollte. Man muss in der Tat ein paar Annahmen treffen: stabiles Einkommen, Disziplin bei der Tilgung, stabiler Immobilienmarkt.

2.     Was spricht dafür?

Es lässt sich eine Vielzahl von Gründen anführen, in Deutschland in Immobilien zu investieren:

  • Wirtschaftlich starkes Land mit anhaltender Zuwanderung.
  • Billiges Geld mit absehbar weiterer Entwertung und deshalb längerfristig tiefen Zinsen.
  • Prinzipiell gesichertes Eigentumsrecht. Enteignungen zumindest mit Blick auf selbst genutztes Eigentum unwahrscheinlich.
  • Immobilienbesitz unterscheidet nachhaltig zwischen den Armen und den Reichen: Der Vermögensunterschied zwischen Mietern und Eigentümern, ist in Deutschland besonders groß: Haushalte mit selbst genutztem Wohneigentum verfügten im Jahr 2014 mit durchschnittlich 423.000 Euro über ein achtmal so großes Nettovermögen wie Mieterhaushalte (53.000 Euro). Wer also Vermögen aufbauen will, sollte in Immobilien investieren Wie eine höhere Eigentumsquote an Immobilien die Ungleichheit reduziert
  • Im internationalen Vergleich sind Immobilien laut IWF immer noch günstig. → Deutsche Immobilien unterbewertet?

Das entscheidende Pro-Argument dürfte sein, dass wir dauerhaft von einer Politik des billigen Geldes und damit der Geldentwertung ausgehen müssen. Helikoptergeld, New Grees Deal, …  uns steht noch viel bevor. Oder, um es mit Herrn Vorndran von Flossbach von Storch zu sagen: Die Assetpreise werden steigen, und zwar bis zur Währungsreform. Da kann was dran sein.

3.     Was spricht dagegen?

Nun genügt ein Blick nach Japan, um zu sehen, dass anhaltend billiges Geld keine Garantie für steigende Assetpreise ist. Sowohl Immobilien wie auch Aktien sind weit von früheren Höchstständen entfernt. Egal, was die Bank of Japan so treibt.

Was zu den Gegenargumenten führt:

  • Die Preise sind in einigen Gegenden, zu denen Frankfurt gehört, bereits deutlich gestiegen. Die Mietrenditen sind sehr tief und es ist nicht abzusehen, dass sich die Mieten ähnlich erhöhen.
  • Die Alterung der Gesellschaft wird zu einer weiteren Polarisierung am Immobilienmarkt führen. Zwar prognostizieren Studien eine weitere Zunahme der Nachfrage und damit der Preise in Ballungsräumen, andererseits wird die Nachfrage auch sinken.
  • Die Politik greift schon jetzt massiv in den Markt ein zugunsten der Mieter. Dies wird in einer immer älter werdenden Mietergesellschaft zunehmen. Damit wird Mieten – so man eine Wohnung hat – relativ immer attraktiver werden.
  • Absehbar sind auch höhere Steuern auf Immobilien: bei Kauf, Verkauf, Grundsteuer. Es ist das beliebteste Ziel populistischer, linker Politiker. Da wir strukturell vor einer linken Mehrheit stehen, ist es eine ziemlich sichere Vorhersage, dass die Belastungen für Immobilieneigentümer hochgehen. Das muss nicht die Selbstnutzer treffen, aber es wirkt indirekt auch auf den Wert dieser Immobilien.

Neben diesen allgemeinen Gegenargumenten habe ich noch ein einige spezifische:

  • Es ist nicht klug, alles auf ein Pferd zu setzen. Das ist in diesem Fall ein Klumpenrisiko, was bei Arbeitslosigkeit, Scheidung, Krankheit, … erhebliche Vermögensverluste mit sich bringen kann.
  • Es bindet an einen Standort, was hinsichtlich der zukünftigen beruflichen Karriere ein Problem sein könnte (vor allem, wenn man wie ich, die Zukunft für Jüngere durchaus außerhalb Deutschlands sieht).

Ganz persönlich: Ich bin kein Fan von Eigentumswohnungen. Diese verbinden die Nachteile von Eigentum und Miete. Man muss sich immer noch in einer Hauseigentümergemeinschaft abstimmen und es gibt divergierende Interessen zwischen Selbstnutzern und Kapitalanlegern.

4.     Fazit bto

Wenn der Kauf der Wohnung nötig ist, um eine entsprechende Spardisziplin an den Tag zu legen, dann sollte man das tun. Allerdings nur dann, wenn man die genannten Risiken für tragbar bzw. gering hält.

Anderenfalls sollte man die Mittel genauso sparen und kontinuierlich in Aktien, Gold und Immobilienaktien/REITS investieren. Möglichst global ausgerichtet. Wie wir diese Tage erleben können, ist das nicht frei von Turbulenzen und teilweise deutlichen Verlusten. Auf Sicht von 27 Jahren bis zum (jetzt erwarteten, aber dann unwahrscheinlichen) Renteneintritt dürfte man bis dahin eine höhere Rendite erwirtschaften als mit der Wohnung.

Generell zeigt das Beispiel aber auch etwas anderes: wie heutzutage selbst Gutverdiener nicht mehr die Möglichkeit haben, einfach Vermögen zu bilden.

Kommentare (25) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Stephan G sagte:

    Kaufen lohnt sich nach wie vor. Wichtig – und hier nicht erwähnt – ist auch die anhaltende Wohnungsknappheit und die stagnierenden oder sogar leicht sinkenden Baugenehmigungen bundesweit. Dies trotz (und im Gegensatz zu Japan) einer wachsenden Bevölkerung.

    Niedrige Zinsen, eine weitere Entwertung des Geldes und das knappe Wohnraumangebot werden daher langfristig für eine weiterhin positive Entwicklung der Immobilienpreise – auch in Frankfurt – sorgen.

    Eventuell führt kurzfristig die durch den Coronavirus erzeugte Unsicherheit zu einem leichten Rückgang der Preise, was aber beim Verhandeln des Kaufpreises der Immobilie vielleicht sogar helfen kann.

    Antworten
  2. Avatar
    Dr. Ernst sagte:

    My 2 cents und als Denkanstoss:

    Neben den oben genannten Argumenten und der wertvollen philospohischen Diskussion zu Fehlentscheidungen (super!) habe ich mir bei der Beantwortung Miete vs. Kaufen Ihrer Frage 3 Fragen gestellt, die die Entscheidung klar herauskristallisiert haben:

    1. Möchte ich in der Rente immer noch in FFM leben?
    Denn bei Immobilien einen Objektwechsel vorzunehmen ist auf Grund der Nebenkosten wenig interessant.
    Mal eben weitervermieten weil Sie weiterziehen ist kein Selbstläufer.
    Sie müssen immer in der Nähe sein oder jmd beauftragen, dann Rendite = 0.

    Abgesehen davon ist eine Immobilie imho übers Leben betrachtet:
    a. Zu groß (allein/zu zweit), dann
    b. Zu klein (mit Kindern), dann wieder
    c. Zu groß (Kinder aus dem Haus)

    2. Möchte ich lieber selbst instandhalten oder wähle ich die Nummer gegen Kummer wenn über mir die Waschmaschine platzt und bei mir die Deckentapete runterkommt? (Ist mir in der Mietwohnung so passiert…) Oder sich Risse im Fundament bilden…

    3. Und das hier die maßgebliche: Wo ist der Break even für die beiden folgenden „Life-Business Cases“ auf Ihre Lebenszeit? Vergleichen Sie 2 Szenarien:
    a. Kauf: EK 0€, Verschuldung 850k€, Kreditzahlungen bis ETW abbezahlt, dann mietfrei paralleler Vermögensaufbau mit x% Rendite
    VS.
    b. Miete: EK 150k€, Verschuldung 0€, Miete zahlen bis 105 Jahre, paralleler Vermögensaufbau mit x% Rendite
    Ich bin 41, bei mir lag der break even im Vermögensaufbau bei ca. 85 Jahren, d.h. <85 fahre ich mit Miete besser UND flexibler. Seitdem bin ich der Überzeugung, dass ich als Mieter sicherer bin als als Eigentümer. Verrückt, oder?
    Es gibt imho bei der Frage kein richtig oder falsch, Ihre Entscheidung muss aber zu Ihrem lifestyle passen = „Was möchte ich mit der Zeit, die mir auf dieser Erde gegeben ist, noch anfangen“)

    Btw – in Portugal bekomme ich an der Küste eine 3-Zi-ETW um 180 k€ ;). Da sehe ich mir in der Rente eher – wenns mal soweit ist…

    Alles Gute wünscht Dr. Ernst

    Antworten
  3. Avatar
    Roland B. sagte:

    Nur meine persönliche Meinung: Ich bin in einer ähnlichen Situation, nur Gehalt und Kaufpreise hier um den Faktor<1 runter skaliert.
    Mir ist das Risiko viel zu groß. Wir blicken in eine sehr ungewisse Zukunft. Die Annahme, dass die Zukunft sich irgendwie linear aus der Vergangenheit herleiten lässt, halte ich für falsch.
    Ich bleibe lieber liquide, unabhängig und mobil, auch wenn ich dafür auf etwas Komfort und möglicherweise auf finanzielle Vorteile (durch den Kauf) verzichte.

    Antworten
  4. Avatar
    Deppi sagte:

    Da muss man selbst den richtigen Weg finden.
    Nur ein Hinweis: Finanzieren kann man heute über 30 Jahre.
    Wenn wir dann in 10 Jahren negative oder günstigere Hypothekenzinsen haben sollten kann man das Darlehen ohne Vorfälligkeitsentschädigung kündigen. Angst vor steigenden Zinsen muss man also nicht haben. Aber mit Ende 60 noch Hypotheken am Hals? Ich weiß nicht.
    Ob man nun als Mieter oder Eigentümer im Mehrfamilienhaus lebt macht doch eigentlich auch keinen Unterschied. Wenn es jetzt das freistehende EFH im Grünen sein sollte könnte ich die Sache nachvollziehen.
    Hinzu kommt: In ein paar Jahren studieren die Kinder, das ist auch nicht ganz ohne.
    Freundliche Grüße Deppi

    Antworten
  5. Avatar
    Veking sagte:

    Ob EFH oder ETW ist eine rein persönliche Entscheidung, daher würde ich mich von den negativen Kommentaren in Bezug auf die Eigentümergemeinschaft nicht beeindrucken lassen. Für manche ist es von Vorteil, sich nicht um Reparaturen, Gartenarbeit etc. selbst kümmern zu müssen. Auch sind manche Instandhaltungen tendenziell eher günstiger (z.B. Verhältnis Dachfläche zu Wohnfläche). Dafür trägt man eben Verwaltungskosten und kann nicht frei entscheiden. Letzteres ist aufgrund von Regulierungen auch bei EFH stärker eingeschränkt, als man vermutet – insbesondere in Großstädten.
    Die Absicht, die auf der Wohnung lastenden Schulden in knapp 30 Jahren vollständig getilgt zu haben, ist löblich, aber typisch deutsch. In Skandinavien z.B. würde die Wohnung inkl. Schulden vererbt werden. Bei weiterhin steigenden Preise wird es in Deutschland vielleicht auch dazu kommen, auch, wenn die Banken dazu angehalten sind, Kredite mit vollständiger Tilgung bis zum Renteneintritt zu vergeben.
    Mich würde eher die Frage beschäftigen, ob ich mich mit der Wohnung nicht zu sehr an den Standort Frankfurt und an den Beruf binde – und das über einen sehr langen Zeitraum. Oder anders: wenn ich doch nochmal umziehen möchte, nicht bereit bin, die Wohnung zu veräußern, weil die Transaktionskosten durch Wertsteigerungen nicht gedeckt sind, läßt sich diese Wohnung dann so vermieten, daß die Kapitalkosten gedeckt sind. Ohne jetzt den Mikro-Markt dieser Frankfurter Wohnung zu kennen, ist doch die Vermietbarkeit einer 130 sqm Wohnung eher eingeschränkt. Die Warm-Miete wird bei über 2 k € / Monat liegen, was die Vermietung nicht zum Selbstläufer werden läßt.
    Der Erwerb der Wohnung bedeutet auch, den Beruf zu den Konditionen über einen sehr langen Zeitraum ausführen zu müssen. Ob man damit zufrieden ist, ist ebenfalls eine persönliche Entscheidung. Wenn aber schon in 15 Jahren niedrige Zinsen und Inflationsanpassung beim Gehalt vorausgesetzt werden, höre ich heraus, daß es bereits Zweifel gibt.

    Antworten
  6. Avatar
    Philipp sagte:

    1 Millione mit NK fur eine Wohnung? Das ist kein Leben! Lieber den Job und Ort wechseln.
    200 km wegziehen und so kann man schon ein Haus kaufe. Das Gehalt kann aber nur minimal kleiner sein

    Antworten
  7. Avatar
    JürgenP sagte:

    Lohnt es sich wirklich, zu derart miserablen Konditionen ein so hohes persönliches Risiko einzugehen?

    Ein eingeknickter Fuss am Kantstein mit abgerissenen Bändern könnte genügen, das Kartenhaus zusammenfallen zu lassen. Wie hinreichend der Puffer aussieht, hat „Man“ beschrieben. Es ist praktisch keiner vorhanden, auch wenn es den Anschein hat. Um es bildhaft zu beschreiben:

    Die Aktion wäre vergleichbar mit einer Seefahrt in Richtung Island bei Nordnordwest, Windstärke 8 bei aufziehendem Orkan mit einer 6-Meter Jolle, genau einem Segel an Bord und einem Schuss in der Seenotpistole, ohne Rettungsweste, mit der ganzen Familie, angezogen mit leichter „Bekleidung“ aus dem H&M-Sailstore.

    Was soll denn noch drohen an Turbulenzen, um von solchen „Geschäften“ einen großen Abstand zu nehmen?

    Antworten
  8. Avatar
    Namor sagte:

    Nicht kaufen – nicht jetzt kaufen.
    Jede Menge Menschen kommen gerade in finanzielle Schwierigkeiten, viele sind jetzt schon Pleite, weil das ganze Monat gestrichen wurde und wohl auf weiteres so bleibt; Tourismus, Eventbereich, Fachstundenfinanzierte Leistungen im Kinder und Jugendbereich, etc. Völlig unklar wie es weitergeht, bald werden die ersten ihre Kredite nicht bedienen können und wenn die Banken ihre ausstehenden Kredite neu bewerten müssen, kann sehr schnell was ins Rutschen geraten. 150k ist nicht viel, vor allem bei dem Einkommen. Das Risiko aktuell gering, weil „kaum“ was da zum verlieren. Die Chance auf sinkende Immopreise denkbar.

    130m2 ist viel, wie alt sind die Kinder, vielleicht in zehn Jahren schon zum studieren in Berlin. Dann sitzt man zu zweit in der großen Wohnung, sicher toll, aber teuer erkauft. Ich würde lieber noch etwas sparen und kleinere Einheiten kaufen. Solche die für Kinder nutzbar wären oder im Alter oder wenn Kinder außer Haus. Nach und nach kaufen, wie es finanziell einfach geht, wenig Risiko.

    Wenn die Eigenmittel höher wären und die Laufzeit dadurch viel kürzer, dazu noch ein Haus, dann würde ich persönlich wieder kaufen.

    Antworten
  9. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Die Experten denken längst im ultimativen Lösungsszenarien.

    Hier:

    https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/corona-ifw-praesident-gabriel-felbermayr-im-interview-16675964.html

    Daraus:

    „Auch die Geldpolitik ist gefragt. Ist bald Zeit für Helicopter-Money, also für Geld für alle von der EZB?

    Das wäre ein sehr wenig zielgerichtetes Instrument, das, wenn überhaupt, nur in einer sehr schweren Krise eingesetzt werden sollte, und im Kompetenzbereich der EZB angesiedelt wäre.“

    Was heißt „sehr wenig zielgerichtetes Instrument“, wenn in einer sehr schweren Krise praktisch ALLE betroffen sind?

    Da ist doch JEDER Helikopter-Abwurf ein Treffer.

    Keine Spur übrigens von deutscher Inflationshysterie.

    „sollte“ ist nur noch an Bedingungen gebunden – und eine Krise kann sehr schnell als „schwer“ bezeichnet werden.

    Antworten
  10. Avatar
    thinkSelf sagte:

    Ein wichtiger Punkt ist bei selbstgenutzten Immobilien natürlich die Einschätzung der räumlichen Beständigkeit, denn die Transaktionskosten für einen Objektwechsel im Rahmen eines Umzugs sind in Deutschland unverschämt hoch.

    Wenn man wirklich plant in der Immobilie alt zu werden, dann spielt die Wertentwicklung eine untergeordnete Rolle und es tritt vor allem die Liqiditätsfrage in den Fokus. Denn wenn im Alter schon mal das Wohnen abgesichert ist dann hilft das enorm.

    Die Zukunft kann man nicht voraussehen. Es ist nur wichtig das man Handlungsoptionen hat.

    Das einzige wirkliche Risiko das sie haben, ist das sie aus irgendeinem Grund gezwungen sind das Objekt zu verkaufen wenn die Preise gerade unten sind. Mit jeder bezahlten Tilgung wird das Risiko im Anschluss auf den Schulden hängen zu bleiben allerdings kleiner.

    Ich teile allerdings die Einschätzung von Herrn Stelter das eine Eigentumswohnung eher eine schlechte Lösung ist. So viel Geld für etwas wo man sich trotzdem wegen jedem Schuhpaar im Hausflur mit dem Nachbarn rumärgern muss. Ein eigenes Haus dagegen liefert sofort einen enormen Mehrwert (war bei mir jedenfalls so). Der eigene Garten, der Parkplatz auch für zwei Autos direkt vor der eigenen Haustür. Selbst wenn man auf Grund ungünstiger Umstände irgendwann verkaufen muss kann einem das keiner mehr nehmen.

    Die entscheidende Frage ist also: Fühlt es sich für sie „richtig“ an, diese Immobilie zu kaufen, dann tun sie es. Fühlt es sich nicht richtig an, lassen sie es. Das Schlimmste was Ihnen passieren kann, ist dort einzuziehen und direkt zu denken „hätte ich das mal gelassen“.

    Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ thinkSelf

      >Die entscheidende Frage ist also: Fühlt es sich für sie „richtig“ an, diese Immobilie zu kaufen, dann tun sie es.>

      Das ist die entscheidende FALSCHE Frage.

      Vieles fühlt sich „richtig“ bzw. gut an, weil es einen EMOTIONALEN Effekt hat.

      Vernünftig, d. h. im Sinne einer einigermaßen gesicherten Lebensperspektive zu handeln (was für eine Familie mit Kindern einen vorrangigen Stellenwert haben sollte), verlangt mitunter, Emotionen nicht nachzugeben.

      Das ist schwierig, auch nicht immer zu leisten.

      Wohnen gehört dazu.

      Antworten
      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        @Hr. Tischer: Da möchte ich einschränken. Gerade große Lebensentscheidungen sollten sich *auch* gut anfühlen oder zumindest nicht gegen emotionale Widerstände erfolgen, sonst ist die Reue vorprogrammiert. Es geht dabei nicht um die richtige oder falsche Entscheidung basierend auf dem Bauchgefühl, sondern darum, wie gut man mit einer möglichen Fehlentscheidungen später leben kann.

        Insofern wäre *eine* weitere Frage in der Tat: Will ich da im Alter auch wohnen und bin ich bereit dafür die finanziellen Extraanstrengungen zu unternehmen und das Risiko zu tragen.

        Persönliche Notiz: Ich kam damals zum Ergebnis, dass ich zum Abzahlzeitpunkt vermutlich in Rente gehe und dann vermutlich wieder wegziehen möchte. Das war eine ganz entscheidende und für mich in dem Alter neue Betrachtungsweise, die den Kaufwunsch stark relativierte und die Entscheidung zur Miete wohnen zu bleiben deutlich erleichterte. (Flankierend zur Rechnerei und der Risikobetrachtung „Jobsicherheit“.)

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas M.

        >Gerade große Lebensentscheidungen sollten sich *auch* gut anfühlen oder zumindest nicht gegen emotionale Widerstände erfolgen,…>

        Einverstanden.

        Ich hatte aber gesagt:

        >… Emotionen nicht nachzugeben>

        Das ist ANALYTISCH etwas anderes.

        Aber eben nur analytisch, NICHT emotional:

        „Emotionen nicht nachzugeben“ bedeutet für EMOTIONALE Wesen, die wir nun alle einmal sind, „gegen gutes Anfühlen zu handeln“
        Menschen können dem nicht entkommen.

        Sie können nur hoffen, dass sie nicht in die Situation kommen, insbesondere dann nicht, wenn es um weitreichende Lebensentscheidungen geht.

        Denn es kann so oder so zu Reue kommen.

        Das Schwierige dabei:

        Die Reue verbinden wir mit UNSERER Entscheidung, obwohl in vielen Fällen die Ereignisse, die Reue auslösen, NICHT in unserer Entscheidung liegen.

      • Avatar
        Thomas M. sagte:

        @Hr. Tischer: Schon richtig und recht; dann formuliere ich mein „da möchte ich einschränken“ in „ich möchte ergänzen“ um ;)

        „Die Reue verbinden wir mit UNSERER Entscheidung, obwohl in vielen Fällen die Ereignisse, die Reue auslösen, NICHT in unserer Entscheidung liegen.“

        Ein klassischer Denkfehler: Man stellt eine Fehlentscheidung fest basierend auf Informationen oder auch persönlicher Präferenzen, die zum Zeitpunkt der Entscheidung gar nicht vorlagen / existierten.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas M.

        >Ein klassischer Denkfehler:..>

        Genau.

        Es gibt nur EINE sich selbst zurechenbare Fehlentscheidung:

        Sie liegt dann vor, wenn man nicht alles, was relevant ist bzw. erscheint, mit den verfügbaren Ressourcen zu erfassen ist und bewertet werden kann, NICHT in die Entscheidung einbezieht.

        Begeht man diese Fehlentscheidung nicht und gleichermaßen auch keine folgende, hat man auch nichts zu bereuen.

        Wer sich das einmal klar gemacht hat, kann sehr gelassen leben.

        Denn was dann beeinflusst, ist dem allgemeinen Sprachgebrauch nach Glück oder Pech.

  11. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Ohne einen Ratschlag damit zu verbinden, sondern lediglich als Anregung:

    a) MÜSSEN es 130 qm Wohnfläche sein (vierköpfige! Familie) oder kann es auch eine Nummer kleiner sein?

    Wenn so, würden sich die Optionen für eine Risikostreuung bei der Vermögensbildung erweitern.

    und

    b) Als ALLEINIGER Verdiener der Familie würde ich vor der Entscheidung sehr sorgfältig und – soweit es möglich ist, den Bias der Selbstbezogenheit auszuschließen – prüfen, ob der Job sicher ist. Denn wenn die Party der letzten 10 Jahre vorbei sein sollte, wird es auch die Jobs mit 150k-Einkommen treffen. Einige davon wie aus heiterem Himmel.

    Das im Hinterkopf würde ich ein sehr ernstes Gespräch mit meiner Frau führen und dabei folgende Frage in den Mittelpunkt stellen:

    Was, liebe Frau, bis Du im Ernstfall BEREIT, zu stemmen?

    Antworten
  12. Avatar
    Rolf Peter sagte:

    Eine wichtige Frage hier ist, ob es Alternativen zu Frankfurt als Ort der Wohnung gibt. Man kann einen Kreis um Frankfurt schlagen, der im Süden bis nach Mannheim reicht und dann prüfen, ob es dort günstigere Optionen gibt. Der Preis ist dann tägliches pendeln, und man muss sein persönliches Optimum finden.

    Antworten
  13. Avatar
    Hubert sagte:

    Alleinverdiener; verheiratet; 2 Kinder – so ähnlich war es bei mir auch

    Never ever würde ich die Wohnung kaufen!
    Da sind zu viele Risiken im Spiel!

    Krankheit; Jobverlust; Scheidung – um nur 3 zu nennen mit welchen ruckzuck weg ist. Und dann noch womöglich noch Schulden da sind

    (erzwungenes) Hamsterrad; Lebensqualität; Belastung für die Beziehung – das sind Dinge die sehr oft unterschätzt werden. Aber sooo wichtig für ein glückliches Leben zu beachten.

    Ein großes Problem: Finde eine 4-Zimmer(Miet)wohnung wenn die Kids dann mal größer sind. Denn die ersten Jahre mag das ja gehen mit einem Kinderzimmer. Aber nur noch mit sehr sehr starken Einschränkungen mit Jugendlichenalter!

    Antworten
  14. Avatar
    der Kater sagte:

    Gute Ausbildung.
    Ersparnisse/Vermögen vorh.
    Motiviert.
    Kinder.
    nicht staats(nah) bedienstet
    <60

    Da kann es nur einen Rat geben: "Raus aus Deutschland!"

    Antworten
  15. Avatar
    Dr. Lucie Fischer sagte:

    Die Gefahr ,dass sich Miteigentümer als streitsüchtige, kleinliche Neurotiker erweisen, kann kaum vorab eingeschätzt werden, ist aber erheblich. Eine noch so schöne ETW kann so zum Alptraum werden.

    Antworten
  16. Avatar
    Richard Ott sagte:

    „Das Problem ist erwartungsgemäß der Preis: 880k Euro für 130 qm, das entspricht ca. 6,5k Euro pro qm oder etwa 37-Fache einer vergleichbaren Jahresmiete.“

    Oh Gott. Das 37-fache einer vergleichbaren Jahresmiete? Viel zu teuer.

    *Diese* Eigentumswohnung würde ich auf keinen Fall kaufen.

    „Generell zeigt das Beispiel aber auch etwas anderes: wie heutzutage selbst Gutverdiener nicht mehr die Möglichkeit haben, einfach Vermögen zu bilden.“

    Nein, es zeigt nur, wie überteuert Eigentumswohnungen in Frankfurt sind, zumindest in dem Segment und der Lage, für das sich der Mailbox-Frager interessiert.

    Mit Immobilienaktien und REITs könnte er ohne Klumpenrisiko und mit viel mehr Flexibilitär in Immobilien investieren und bliebe dazu noch flexibel als Mieter. Und die Transaktionen durchzuführen ist auch einfacher als der Kauf einer Eigentumswohnung.

    Antworten

Trackbacks & Pingbacks

Ihr Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlassen Sie einen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.