Lasst die Deutschen zahlen

So falsch lag Jan Fleischauer von SPIEGEL ONLINE mit seiner Beschreibung bisher nicht:

Schon 2014 kommentierte Jan Fleischhauer die Aussichten Europas und vor allem unsere Rolle als Zahlmeister:

  • Zitat: „‚Deutschland wird zahlen‘, sagte man in den Zwanzigerjahren. Heute zahlt es“, triumphierte der „Figaro“, als klar war, dass die Einführung des Euro endgültig sein würde. „Maastricht, das ist der Versailler Vertrag ohne Krieg.“
  • „Deutschland lebt im Gefühl, auf Grund seiner wirtschaftlichen Stärke seinen Wohlstand bewahren zu können. Bislang hat die Kanzlerin die Bürger damit beruhigt, dass die deutschen Interessen bei ihr sicher seien, weil ohne deutsches Geld in Europa nichts läuft. Aber das setzt voraus, dass vornehmlich in Berlin über die Verwendung des Geldes entschieden wird und nicht in Paris, Rom oder Brüssel.“
  • „Mit Moscovici soll jetzt ein Mann die Südländer zu mehr Disziplin anhalten, der in seiner Zeit als Finanzminister nicht in der Lage war, auch nur einen Haushalt aufzustellen, der die Brüsseler Kriterien erfüllte.“
  • „Wer glaubt, dass sozialdemokratische Politik einem Land im Niedergang wieder auf die Beine hilft, sollte die Malaise in Frankreich genau studieren: 80 neue Steuern hat der Präsident seit Amtsübernahme eingeführt, darunter jede Steuer, die im SPD-Parteivorstand jemals erdacht wurde.“
  • „Auf der Linken predigen sie schon seit Langem, dass es das deutsche Spardiktat (und nicht etwa das Versagen der eigenen Eliten) sei, an dem Frankreich leide. Aber auch im Ausbildungslager der rechten Madame Le Pen lernt der Nachwuchs, dass in Deutschland der Feind steht.“
  • „Ein Weiter so wie bisher werde es mit ihm nicht geben, hat Mosco in seinem Blog unter dem Titel Stolz und Verantwortung geschrieben: Die EU brauche eine Neuausrichtung, um die Menschen mit Europa zu versöhnen. Wenn ein Franzose an Aussöhnung denkt, ließe sich dazu mit Augstein sagen, ist das meist gut für Frankreich, aber schlecht für Deutschland.“

→ spiegel.de: „Lasst die Deutschen zahlen“, 16. September 2014

Kommentare (9) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Richard Ott sagte:

    Es ist doch schön, wir sorgen tatkräftig dafür, dass die ganze Welt sich freut, und finden selbst Erfüllung in dieser neuen Aufgabe.

    Wer mit uns nicht in einem Währungsverbund ist, muss eben ein bisschen Glück bei der WM-Gruppenauslosung haben. (Herzliche Grüße nach Mexico und Südkorea!)

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    Johannes sagte:

    „Lasst die Deutschen zahlen“ klingt es im Jahr 2014 bei Jan Fleischhauer und er schlägt kritische Töne an.

    Im „Sprech“ des Herrn Fratzscher klingt das dann im Jahr 2018 so:

    „Wer einen dauerhaft stabilen Euro will, muss einer Vertiefung der EU zustimmen. Wir brauchen eine kluge Vollendung von Banken- und Kapitalmarktunion und einen Mechanismus zur makroökonomischen Stabilisierung. Alles andere ist Wunschdenken und Augenwischerei. Deutschland sollte von der Bremse gehen und sich an die Spitze der Reformbemühungen stellen. Mit seiner gegenwärtigen Blockadepolitik ist Deutschland eine Gefahr für die EU. Die Zeit läuft Europa davon.“

    https://www.wiwo.de/politik/europa/denkfabrik-deutschland-ist-eine-gefahr-fuer-die-eu/22716840.html

    Die eigentlichen Ursachen der Euro-Misere blendet Fratzscher „natürlich“ komplett aus (ist hier im Blog bereits bekannt). Neu ist der tönende Alarmismus: Deutschland sei eine Gefahr für die EU.

    Weil Deutschland sich (noch) „ziert“, sei es eine Gefahr. Und die übrigen (Süd)Länder der Eurozone, die es inzwischen 10 Jahre lang versäumt haben, strukturelle Veränderungen anzupacken, um den Euro seiner „klugen“ Vollendung zuzuführen? Die statt dessen – von geringen“Erfolgen“ einmal abgesehen – weiterhin so leben, als hätten sie ihre frühere Landeswährung.

    „Lasst die Deutschen zahlen“ klingt und ist ehrlicher als das verquaste und vernebelnde „Sprech“ eines Herrn Fratzscher. Ob es wirklich dazu kommt wird politisch entschieden und hier habe ich (noch) eine geringe Hoffnung, dass es der aktuell stärksten Oppositionspartei in Deutschland gelingt, dies politisch weiter zu verzögern/abzuwenden.

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    Wolfgang Selig sagte:

    Dazu eine Frage, vielleicht weiß es irgendjemand: Warum darf Herr Fleischhauer eigentlich im Spiegel schreiben? Würde er auf Tichys Einblick genau die gleichen Sätze schreiben, würde der „Spiegel“ ihn als politischen Rechtsaußenableger brandmarken.

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      SB sagte:

      @ Wofgang Selig:

      Fleischhauer ist der Quoten-Rechte auf SPON. Damit wirkt das linksextreme Propagandaprodukt etwas „ausgewogener“ und damit „journalistischer“ (Alibi-Funktion).

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        Wolfgang Selig sagte:

        SB: Okay, das klingt plausibel, denn unreflektierte Gelegenheitsleser gibt es gerade bei SPON genug. Vielen Dank!

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