FANGs – ein Nachtrag

Ich habe mich schon vor einigen Wochen skeptisch zu den FANGs geäußert:

FANGsch(l)uss?

Man kann mit Blick auf die beeindruckende Entwicklung von Netflix nur sagen, wohl zu früh!

Quelle: FINANCIAL TIMES

Dazu schreibt der beeindruckende John Authers in der FT:

  • It trades at 213 times earnings and 11.4 times sales. (…) Disney is not directly comparable but has strong similarities, and trades at 17 times earnings, and 2.8 times sales. It generates a slightly higher return on equity than does Netflix, which is a junk-rated credit.“  bto: beeindruckendes Vertrauen der Märkte in Netflix.
  • „Netflix policy is to find one analyst and get them to conduct the conversation. (…) This quarter’s chosen analyst, Benjamin Swinburne of Morgan Stanley, was described in this Business Insider story last week as one of the company’s biggest bulls on Wall Street, who thought that the company was not even close to being finished growing. Obviously he has been proven right to be bullish in the past few months.“  bto: Ich denke an die Wettbewerber wie Amazon, die mit viel Power in den Markt gehen.

Doch nun zu den FANGs als Gruppe, auch John Authers, aber in einem früheren Beitrag:

  • „March concluded with the downfall of the Fangs (…). They led the market for several years and then suddenly they crumbled. But if that was the Fangs‘ downfall, it could have been far worse. This is how the NYSE Fang+ index (which also includes Tesla, Apple, and the Chinese internet groups Alibaba and Tencent) has fared compared to the S&P 500:“  bto: Er hat natürlich recht. Wenn man auf die Gesamtperformance blickt, ist es nur ein kleiner Verschnaufer.

Quelle: FINANCIAL TIMES

  • „Unfortunately, there is still a lot of room below. History, and the Fangs‘ accounts, suggest that their dominance will pass. That is the main takeaway from the analysis of the Fangs (concentrating on Facebook, Apple, Amazon, Netflix and Google) by the Holt team at Credit Suisse.“ bto: HOLT ist ein Instrument zur Bewertung von Unternehmen, das ich in meiner Zeit bei BCG intensiv genutzt habe. HOLT gehörte sogar mal zu BCG und wurde dann gespalten. Der Beratungsteil blieb bei BCG, während der Stock-Picking Teil sich selbstständig machte und später bei der Credit Suisse landete.
  • „CFROI refers to the Holt cash flow return on investment measure of profitability. And as these charts show, the Fangs have made a lot of money in the recent past:“  bto: Die FANGs haben also zu Recht so gut performt, allerdings gibt es immer die (berechtigte) Annahme, dass sich Übergewinne nicht ewig verteidigen lassen.

Quelle: FINANCIAL TIMES

  • „What is interesting, compared to history, is that the biggest creators of value, or economic profit as measured by Holt, are far less concentrated now than they used to be. Hence they make up a smaller proportion of the overall market. This is because more companies are managing to exceed their cost of capital, which may in turn be because of measures that make it cheaper to run a large company. Also note, however, that only three of today’s top five companies are Fangs. Microsoft (which some might include as a Fang) and Johnson & Johnson make the list:“ bto: was wiederum interessant ist! Denn dies bedeutet, dass wir es eben mit einem Markt zu tun haben, der gesamthaft verzerrt ist. Warum sind denn J&J und Microsoft auf der Liste? Weil sie hohe, stabile Cashflows erwirtschaften. Dafür zahlt man im heutigen Umfeld besonders viel.

Quelle: FINANCIAL TIMES

  • „History also suggests that most companies will not sustain abnormally high levels of Economic Profit in the long-term. And here, irrespective of the FAANGs‘ competitive positioning today, the historical evidence is pretty damning. Over the last 68 years, 49 companies have made it into the top 5 value-creators in the US market and have held onto that position for an average of only 6.5 years — the biggest exceptions being IBM (35 years in the top 5), General Electric (26 years), General Motors (24 years), Altria (23 years) and Exxon (16 years). In Europe ex UK, over a shorter 34 year period of HOLT data, the data shows even more churn in the top 5 (30 different names) with Nestle, Unilever, Roche and Novartis making it into the top 5 for over 10 years, and the average tenure in Europe otherwise stands at 5.5 years.“  bto: was der Beweis ist, dass es eben doch eine Konvergenz gibt und außergewöhnliche Bewertungen und Gewinne nicht nachhaltig sind!

Authers: „It may have felt like it for a day or two, but what we have just witnessed was NOT the Fall of the Fangs. That dramatic event still lies ahead. And it may yet be a Wagnerian drama when it arrives.“  bto: und dann für den ganzen Markt.

FT (Anmeldung erforderlich):“Authers’ Note: Fangs ain’t what they used to be“, 14. April 2018

FT (Anmeldung erforderlich):“Authers’ Note: Turn and face the strange“, 18. April 2018

20 Kommentare
  1. F. Schader sagte:

    Tja Hr. Stelter,

    ich lese Ihren Blog gerne und sie haben durchaus gut recherchierte Artikel und Meinungen, aber leider waren sie alle bisher NICHT zutreffend und komplett falsch. Genauso wie Ihre Thesen das uns alles um die Ohren fliegen wird.

    Ich sehe das nicht so. Die MACHT der Notenbanken ist sehr hoch und mit, im Prinzip, unendlichem Geld im Rücken, können alle Schulden einfach weggekauft werden. Ohne das dies grossartige Auswirkungen haben wird.

    Daher werde ich Ihrem Blog in Zukunft nicht mehr beiwohnen.

    MfG

    F. Schader

    Antworten
      • troodon sagte:

        SgH Stelter,
        den Verlust werden Sie überstehen ;)
        „Wenn zwei Menschen immer dasselbe denken, ist einer von ihnen überflüssig.“
        Winston Churchill
        Vielen Dank für Ihren Blog, der viele Leser (hoffentlich) zum eigenständigen Denken anregt und eine Plattform zum Gedankenaustausch bietet.
        Wer dabei von Ihnen bzgl. Prognosen eine sehr hohe Trefferquote erwartet, hat unrealistische Erwartungen.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Ich füge hinzu:

        Soweit ich sehe, gibt Dr. Stelter keine Prognosen ab derart, dass eine Trefferquote zu ermitteln wäre. Es sagt nicht, am Tag x, wird y der Fall sein.

        Sein Hauptthema ist die extrem hohe und steigende Verschuldung, und dass diese c. p. (z. B. kein anderes Geldsystem) nicht ewig weitergehen kann. Das ist meinem Verständnis nach keine Prognose, sondern die Feststellung, dass eine bestimmte Entwicklung zu einem Ende kommen müsse. Wenn man etwas kritisieren will, dann ist es der Wirkmechanismus der Entwicklung, die er annimmt.

        Alles andere, Feststellungen zu Aktienbewertungen beispielsweise, denke ich, bleibt mehr oder weniger im Rahmen dessen, was auch andere sagen. Er zitiert dazu ja auch Leute, die in der Branche einen Namen haben. Die liegen oft auch falsch, aber das hat nichts mit Prognosen zu tun.

      • troodon sagte:

        Teilweise gibt Hr. Stelter (dankenswerterweise) schon Prognosen ab.
        Für mich gilt gem.Twain generell:
        „Prognosen sind eine schwierige Sache. Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.“
        Und dementsprechend war es meine Absicht, darauf hinzuweisen,dass man keine zu großen Erwartungen an den Eintritt von im Blog zitierten Prognosen/Analysen+ergänzende Anmerkungen haben sollte.Insbesondere, wenn es um das Timing vom Eintritt bestimmter Ereignisse geht.
        Dies schmälert aber von meiner Seite ausdrücklich nicht die Nützlichkeit dieses Blogs. Andere zum Denken und Gedankenaustausch anregen, mehr geht eigentlich nicht. Und dafür bin ich Hr. Stelter u.a. hier im Blog sehr dankbar.

      • Wolfgang Selig sagte:

        @Herrn Schader: ich wusste gar nicht, dass man Vertrauen kaufen kann…
        Ironie aus.
        Bevor Sie Herrn Dr. Stelter so unqualifiziert angreifen, empfehle ich Ihnen, die Geschichte druckfreudiger Notenbanken von Frankreich im 18. Jahrhundert über Deutschland 1923 bis zu Zimbabwe in den letzten Jahren zu studieren. Alternativ einen älteren Zeitgenossen mit Reichsmarkguthaben über die Jahre 1945 bis 1948 zu befragen.
        Oder Voltaire lesen zum Thema Papiergeld und innerer Wert.
        Denn irgendwann kommt der Punkt, wo sich die Leute eine andere Notenbank suchen. Auf diesen Moment kann ich gerne verzichten.

  2. Actien-Börse sagte:

    Erst ein zwischenzeitlicher Absturz zwischen 50% bis 90% (z. B. Amazon von 2000 bis 2003 90% Verlust, von 2007 bis 2009 50% Verlust) eröffnet die realistische Chance auf weitere Vervielfachungen:

    https://www.boerse.de/historische-kurse/Amazon-Aktie/US0231351067

    Beispielsweise sind zukünftig bei der Bewertungsblase Tesla im Rahmen von Insolvenzgerüchten bis zu 90% Kursverlust realistisch möglich, aber nachfolgend auch eine entsprechende Vervielfachung, wenn die Insolvenz nicht eintritt.

    Siehe dazu beispielhaft die Kursentwicklung von Ford Motors von 2007 bis 2011 während 2009 die General Motors – Insolvenz stattfand:

    https://www.boerse.de/historische-kurse/Ford-Motor-Aktie/US3453708600

    An der Börse geht man den gleichen Weg eben öfters mehrmals.

    Wer dies bereits erlebt hat, wundert sich nicht mehr.

    In diesem Zusammenhang ist eine Trendfolgestrategie nützlich:

    http://aktien-mit-strategie.de/200-tage-linien-strategie/

    Antworten
  3. Jacques sagte:

    Also Alphabet (Google) hat ein KGV von 26,75 und KGVs alleine sollte man sowieso nicht betrachten.
    Alphabet konnte seinen Nettogewinn im ersten Quartal 2018 um 73% steigern, das Anzeigengeschäft ist weiterhin stark und nicht so gefährdet wie bei Facebook.
    Ich sehe jetzt bei Alphabet kein riesiges Crashpotenzial. Das sind einfach keine Dotcom Klitschen wie damals.
    Die FANGS werden genau dann crashen wenn alles andere auch crasht und der Bärenmarkt beginnt. Mal sehen was Amazon morgen an Zahlen liefert.

    Antworten
    • 200-Tage-Linien-Strategie sagte:

      Das Werbegeschäft ist konjunkturabhängig, siehe die Kursentwicklung von Fernseh – Werbeunternehmen wie ProSiebenMedia, RTL – Group, etc. von 2007 bis 2009.

      https://www.boerse.de/historische-kurse/ProSiebenSat1-Aktie/DE000PSM7770

      https://www.boerse.de/historische-kurse/RTL-Group-Aktie/LU0061462528

      Aber auch Google, heute Alphabet A verlor damals über 50%:

      https://www.boerse.de/historische-kurse/Alphabet-A-Aktie/US02079K3059

      Das ist einfach der normale Geschäftsgang in wirtschaftlich schlechten Zeiten, bei denen es in der Regel auch zu einer Übertreibung nach unten kommt.

      Deshalb meine Empfehlung Trendfolgestrategie:

      http://aktien-mit-strategie.de/200-tage-linien-strategie/

      Antworten
      • troodon sagte:

        Mit dem Wort „Empfehlung“ wäre ich zurückhaltend…
        Für Ihre DAX 200 Tage Linien Strategie brauchen Sie jedenfalls bald mal einen Crash im DAX, ansonsten wird die Minderperformance ggü. Buy and Hold seit 2.1.14 kaum aufzuholen sein. Insbesondere gilt dies für Ihre „200-Tage-Linie Strategie mit Short“. http://aktien-mit-strategie.de/Rangliste-der-depots/
        Wünsche Ihnen aber ganz ehrlich trotzdem viel Erfolg. Sie haben schließlich dort auch etliche Depots mit deutlicher Outperformance ggü. DAX aufgeführt. Also warum so stark auf die 200 Tage Linien Strategie fokussieren ?

      • Jacques sagte:

        Sie Witzbold, ihre Werbung können Sie hier stecken lassen.

        Das Alphabet in einem Bärenmarkt auch verliert ist doch keine Neuigkeit.
        Nichts anderes habe ich geschrieben das der Crash alle trifft.

        Trotzdem sind die Fundamentaldaten bei Alphabet gut, ein Konjunktureinbruch ändert diese und sorgt damit für einen andere Situation.

      • 200-Tage-Linien-Strategie sagte:

        @ troodon:

        Die Einfachheit bei der Anwendung und die quasi automatische Verlustbegrenzung der 200-Tage-Linien-Strategie ist die Minderrendite mit dem willkürlich gewählten Bezugspunkt beim als Beispiel gewählten deutschen Börsenindex DAX wert.

        Bei einem längeren Betrachtungszeitraum ergibt sich eine deutliche Mehrrendite zur Kaufen-und-Halten-Strategie.

        Einfache und praktikable Verbesserungen sind natürlich stets willkommen.

        Mit meiner „Werbung“ will ich dem normalen, berufstätigem Anleger mit wenig Zeit eine Möglichkeit aufzeigen, jenseits der üblichen Reizüberflutung in den Medien eine einfache, sichere und erfolgserprobte Strategie beispielsweise mit Indexfonds / ETF´s anzuwenden, mit der dieser sein Anlagerisiko deutlich begrenzen und trotzdem eine gute Rendite erzielen kann.

      • troodon sagte:

        „… ist die Minderrendite mit dem willkürlich gewählten Bezugspunkt beim als Beispiel gewählten deutschen Börsenindex DAX wert.“
        Das mögen Sie so sehen, ich sehe das nicht so.Aber das sollte jeder für sich selbst beurteilen.Und dies ist auch sehr von der persönlichen Situation abhängig.

        „Bei einem längeren Betrachtungszeitraum ergibt sich eine deutliche Mehrrendite zur Kaufen-und-Halten-Strategie.“
        Das käme wiederum auf den Startzeitpunkt an. Und für die Zukunft sagt auch das nichts aus. Sie gaukeln eine Eintrittswahrscheinlichkeit Ihrer Prognose vor, die es so nicht gibt.
        Womit man wieder bei dem Thema „Prognose“ nach Twain wäre …

      • 200-Tage-Linien-Strategie sagte:

        @ troodon:

        Eine Trendfolgestrategie ist keine Prognose.

        Sie nehmen an einer Hausse teil, sobald sich ein stabiler Trend ausgebildet hat und desinvestieren, wenn dieser wieder endet.

        Die Signale zu Investition und Desinvestition setzt der Markt selbst.

        Ihre Aufgabe ist, die Signalpunkte durch regelmäßige Beobachtung festzustellen und zu handeln.

        Als Vermieter müssen sie vergleichbar monatlich die Mieteingänge prüfen.

        Für die Zukunft kann man sicher sagen, daß Ihre Gesamtrendite höher als die eines Kaufen-und-Halten – Investors ausfällt, wenn es Ihnen gelingt, einen Teil der Negativrenditen von Abschwüngen und Baissen zu vermeiden.

        Und dies leistet die Trendfolgestrategie.

        Da zudem in Baissen im letzten Drittel von deren Zeitdauer ca. 2/3 der gesamten Verluste anfallen, vermeiden Sie diese sicher. Siehe 2003 und 2009.

      • 200-Tage-Linien-Strategie sagte:

        Prognosen sind eine schwierige Sache.
        Vor allem, wenn sie die Zukunft betreffen.

        Mark Twain
        * 30. November 1835 † 21. April 1910

        ________________________________________

        Ich prognostiziere nichts. Vielmehr schlage ich ein einfaches und für jedermann anwendbares Verfahren zur (Des-)Investitionsentscheidungsfindung bei Kapitalmarktanlagen vor, mit dem man erreichen kann, in Haussezeiten überwiegend investiert und in Baissezeiten überwiegend desinvestiert zu sein. Die gewählte Zeitspanne des gleitenden Durchschnitts eines Trends mit 200 Tagen ergibt sich als Optimum aus historischen Erfahrungswerten. Es mag für die Zukunft sein, daß eine andere Zeitspanne bessere Ergebnisse liefert.

        Für mich selbst habe ich die Trendfolgestrategie mit diversen zusätzlichen Signalquellen wie beispielsweise Richtung und Steigerungsrate der amerikanischen Wertpapierkredite (Nyse Margin Debt) angereichert.

        Angesichts des aktuellen und zukünftigen Niedrigzinsumfeld in der westlichen Welt ist jetzt wie auch für die Zukunft nicht erkennbar, daß diese Strategie keine verlässlichen Aussagen liefert.

        Vielmehr erzeugte die 200-Tage-Linien-Strategie aktuell beim Trendbruch im Januar 2018 richtige Signale zur Desinvestition ab Februar 2018 bei vielen europäischen Indizes und Einzelwerten, welche zunächst – letztlich aber richtig – wie üblich im Gegensatz zur von der Wirtschaftspresse beeinflußten allgemeinen Stimmungslage standen.

  4. Alexander sagte:

    Die Vermögenspreisinflation der Aktienmärkte hat auch sein gutes. Zur Stabilisierung wurde viel Zahlungsmittel in Umlauf gebracht, welches beim Anleger gesammelt nach leichter Beute sucht. Die Fang-Aktien sind dankbare Innovationen um überschüssige Liquidität zu binden bzw. beim Crash zu verdampfen. Natürlich fällt der Gesamtmarkt, aber entsprechend innerer Werte unterschiedlich stark. Paradebeispiel – Tesla.

    Charaktere, welche sich bei einem KGV v.185 = Amazon (2017) angezogen fühlen…sind nicht die Arbeitgeber, die wir brauchen um per Transferleistung – relativen Frieden zu kaufen.

    Alles gut.

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