Deutschland kann noch Schulden in Höhe von 168 Prozent des BIP machen. Auf geht`s!

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„Britain can afford to live with high debt ‚forever‘, says IMF“ ‒ so der Titel des Beitrages im Telegraph, der mich natürlich sofort interessiert hat. Wenn das für England gilt, dann doch wohl auch für uns! Und richtig. Die Abbildung zeigt es sogleich. Deutschland kann noch viel mehr Schulden machen, bis es wirklich zu viele sind. Nur in Griechenland, Italien, Japan und Zypern geht nun wirklich nichts mehr.

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Aber wir: Wir sollten endlich mal so richtig in die Vollen gehen. Die Kernaussage ist aber folgende: Fast alle Länder haben nach diesen Zahlen noch einen erheblichen Verschuldungsspielraum ‒ „vor allem, wenn sie sich in eigener Währung verschulden“, so der IWF. Sprich: im Notfall drucken können.

Deshalb sollten diese Länder auch auf keinen Fall sparen, weil sich Sparen schlecht auf die Wirtschaft auswirkt. Was ja nun wirklich keine neue Erkenntnis ist.

The Telegraph: Britain can afford to live with high debt ‚forever‘, says IMF, 3. Juni 2015

Der IWF beruft sich bei den Zahlen zur Verschuldungskapazität auf die Ratingagentur Moody`s. Diese kann man sich hier ansehen:

Moody`s: Fiscal Space

Die Methodik wird nicht erklärt. Es wir nur kryptisch betont, dass mehr als 50 Faktoren verarbeitet wurden, unter anderem das Wirtschaftswachstum und das Zinsniveau. Klartext: Liegen die Zinsen bei null und wächst die Wirtschaft, so ist die Verschuldungskapazität bei unendlich. Gut, dass wir dies endlich auch wissen.

Der IWF findet die Zahlen jedenfalls so gut, dass er es offiziell durch den eigenen Chefvolkswirt freigeben lässt. Sparen ist also Quatsch!

Was ich nicht verstehe, ist, wie der Telegraph dies einfach so wiedergibt. Vom IWF mal ganz zu schweigen. Denn die Zahlen von Moody`s enthalten mit Sicherheit nicht die finanziellen Folgen der demografischen Entwicklung. Wie hier schon mehrfach angesprochen, liegt die effektive Verschuldung der Staaten bei weit über 400 Prozent des BIP. Und der Telegraph hatte bereits vor ein paar Tagen gezeigt, dass es gerade für Deutschland besonders schlecht aussieht:

Die Bevölkerung wird von 81 auf 67 Millionen bis 2060 schrumpfen. England und Frankreich werden dann mehr Einwohner haben als Deutschland und vor allem auch einen höheren Wohlstand.

Die Ursache dafür ist, dass alternde Gesellschaften nicht mehr so innovativ sind! Deshalb wird auch ein Rückgang des BIP pro Kopf erwartet (was auch daran liegt, dass ein immer kleinerer Teil der schrumpfenden Bevölkerung auch arbeitet!):

Und da sagt Moody`s, wir können unsere offizielle Staatsverschuldung problemlos vervierfachen? Ich denke, es gilt mal wieder „garbage in ‒ garbage out“. Nur, wie kann eine Institution wie der IWF da mitmachen? Wohl nur, weil es politisch erwünscht ist. (Übrigens: Die Kollegen der BIZ haben schon vor Jahren vorgerechnet, dass die Staatsfinanzen außer Kontrolle sind. Und denen glaube ich mehr als Moody`s).

The Telegraph: Germany dominance over as demographic crunch worsens, 1. Juni 2015

2 Kommentare
  1. Dieter Krause says:

    Der IMF-Beitrag kommt mir wie eine Gehirnwäsche des politisch-monetären Komplexes vor: Eine Einschränkung des globalen Konsums aus Deleveraging-Gründen gleicht dort wohl einem Weltuntergang oder? Dem muss mit exzessivem neuen Schuldendoping nachgeholfen werden – irgendeine hippe Statistik findet sich als Begründung dafür immer! – Naja, wir sind eben alle käuflich – nicht nur die FIFA, wohl auch der IMF…

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  2. OK says:

    Gäbe es keine Schuldenexzesse, dann gäbe es weniger Finanzkrisen, und vielleicht gäbe es dann auch gar keine Veranlassung, einen IWF mit seinen tausenden Experten, Strategen, Statistikern und Ex-Politikern zu finanzieren. Der IWF ist Teil des Systems, und damit Teil des Problems, nicht die Lösung.

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