Dabei weiss sie es besser: Lobgesang auf Merkels Bilanz

Karen Horn war lange Zeit Redakteurin der F.A.Z. und versteht wirklich was von Wirtschaft. Später war sie Vorsitzende des Vorstands der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft und leitete den Juniorenkreis Publizistik. 2015 gab sie gemeinsam mit etwa 50 weiteren Mitgliedern ihren Austritt bekannt. Ihren Austritt begründete sie im Monatsmagazin Cicero mit einem Rechtsruck in der Hayek-Gesellschaft. So Wikipedia.

Ich denke, das muss man im Hinterkopf haben, wenn eine eigentlich vernünftige und zudem wirtschaftsliberale Journalistin sich nicht zu fein dafür ist, die objektiv desaströse wirtschaftspolitische Bilanz der letzten Jahre so zu beschönigen. Nein: Merkels Bilanz kann sich nun wahrlich nicht sehen lassen. Schauen wir uns die Argumentation an:

  • „(…) als Merkel im Herbst 2005 den Sozialdemokraten Gerhard Schröder im Kanzleramt ablöste, da zählte Deutschland noch rund fünf Millionen Arbeitslose. Heute sind es weniger als die Hälfte, und es gibt so viele Stellen wie nie. Das Wirtschaftswachstum dümpelte 2005 bei 0,7 Prozent; Deutschland war Schlusslicht in Europa. Während der Kanzlerschaft Merkels nahm die deutsche Wirtschaft wieder Fahrt auf und erholte sich dann sogar rasch von der globalen Finanzkrise. Durch diesen Sturm steuerte Merkel das Land erfolgreich hindurch, mit ruhiger und sicherer Hand, mit persönlicher Überzeugungskraft und maßvoll eingesetzten fiskalpolitischen Stabilisierungsmitteln.“  bto: Wesentliche Treiber des Erfolgs sind die Lohnzurückhaltung (und das war die SPD mit Hartz IV), das billige Geld und der schwache Euro Folge der Weigerung der Regierungen Merkel, die Eurokrise wirklich zu lösen. So gesehen ein teurer „Erfolg“, wie wir noch sehen werden.
  • „Als Stütze erweist sich dabei gar nicht mehr so sehr der deutsche Export, der lange vom schwachen Eurokurs profitiert hatte, sondern vielmehr die mittlerweile doch noch in Schwung gekommene Binnenwirtschaft. Konsum wie auch Investitionen wachsen stetig.“  bto: Der Exportanteil an der Wirtschaft ist deutlich höher als vor zehn Jahren. Ansonsten liegt es am billigen Geld in Folge der verschleppten Krise.
  • „Zudem ist die Staatsverschuldung im Griff, dank der Schuldenbremse, die seit 2009 in der Verfassung steht und tatsächlich greift. Das alles kann sich gut sehen lassen.“  bto: Hm, schon mal was von verdeckten Schulden gehört? Ich nehme an ja, denn die Hajek-Gesellschaft schaut ja über den Tellerrand. Dann kann man diesen Satz nur als Propaganda empfinden.
  • „(…) es (kam) zu mancherlei ordnungspolitischen Sündenfällen. Die Mehrwertsteuer sank nach der Wahl nicht etwa wie angekündigt, sondern stieg um drei Prozentpunkte, so heftig wie nie. Der Wohlfahrtstaat wurde in den darauf folgenden Jahren nicht gestutzt, sondern ausgebaut, wenn auch weniger stark als beispielsweise noch unter der Kanzlerschaft Helmut Kohls. Immerhin gelang zunächst noch die zur Sanierung der Rentenkassen dringend notwendige Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre – wovon aber später, in der zweiten großen Koalition,  wieder Abstriche gemacht wurden.“  bto: So kann man es natürlich auch verkaufen …
  • „Von reiner ‘neoliberaler’ Lehre war generell nur wenig zu erkennen; auch als Merkel 2009-2013 die FDP an Bord nahm. Zum Jahresbeginn 2015 traten dann auch noch der flächendeckende gesetzliche Mindestlohn und die Mietpreisbremse in Kraft. Es folgten die Rente mit 63 und die Mütterrente. Und so weiter. Doch nie konnte man den Eindruck gewinnen, dass Merkel diese Dinge ein eigenständiges Anliegen waren; sie waren Antworten auf die Wünsche der Bürger und der Preis für Stabilität.“  bto: Hauptsache es bringt Stimmen.
  • „Von allergrößter politischer wie auch wirtschaftlicher Tragweite hingegen waren Angela Merkels Entscheidungen zum Atomausstieg, zur sogenannten Euro-Rettung und zur Flüchtlingsmigration. Ohne sie sähe Deutschland anders und gewiss nicht besser aus. Sie sind es, die als das große Erbe der ersten deutschen Bundeskanzlerin in die Geschichte eingehen werden. Hier hat Merkel gestaltet, nicht nur moderiert und optimiert.“  bto: und in allen drei Bereichen den maximal möglichen finanziellen Schaden verursacht. Wie kann man diese drei Fehlleistungen als „großes Erbe“ bezeichnen?
  • „Alle diese drei Entscheidungen waren richtig und wohlbegründet: der Atomausstieg mit den allzu lange überhaupt nicht in die Kalkulation einbezogenen, nach der Reaktorkatastrophe in Fukushima jedoch überdeutlich in Erscheinung getretenen Risiken; die Euro-Rettung mit der sonst stark gefährdeten Systemstabilität in der europäischen Währungsunion; die Aufnahme von Flüchtlingen mit einer humanitären Notlage, an der der Westen nicht unbeteiligt war.“  bto: Bei uns gibt es ja Tsunamis, der Euro ist krank wie zuvor und die „Flüchtlinge“ stammen überwiegend nicht aus Kriegsgebieten. Das weiß auch Frau Horn. Dennoch dieses beschönigende Verdrehen der Fakten.
  • „Alle diese drei Entscheidungen ließen jedoch erhebliche Kostenrisiken entstehen, und dann war auch noch die praktische Umsetzung problematisch. Die Energiewende (…) entwickelte sich zu einem wahren Koloss der Intervention und der staatlichen Anmaßung von Wissen über aussichtsreiche Zukunftstechnologien; mit der Euro-Rettung navigierte man nach langem Zögern ordnungspolitisch fragwürdig und hart am Rand des Zulässigen; die Aufnahme der Flüchtlinge wurde zum gesellschaftlichen Dauerstresstest und legte Schwachstellen der Bürokratie offen, die alle Befürchtungen übertrafen.“  bto: Wie kann man angesichts dieser offensichtlich fatalen Folgen überstürzter Entscheidungen von „großem Erbe“ sprechen? Verschließt sich mir. Aber völlig.
  • Um dann zu schließen: „(…) ohne Angela Merkels besonnenes Management sähe nicht nur die politische, sondern auch die wirtschaftliche Bilanz der vergangenen 13 Jahre gewiss schlechter aus. Letztlich ist es Deutschland mit ihr gut ergangen.“  bto: Da bleibt einem die Spucke weg. So kann nur schreiben, wer den Kurs von Merkel aus humanitären Gründen will (das ist legitim, auch wenn ich selber anderer Meinung bin) und deshalb die Kanzlerschaft um jeden Preis verteidigt. Entgegen dem eigenen Sachverstand. Ich finde, es geht zu weit.

Capital war angesichts der Lobhudelei der eigenen Kolumnistin wohl nicht ganz wohl und hat sich dann noch bei Hans-Werner Sinn bedient, der  wenig verwunderlich  nicht ganz zur selben Einschätzung gelangt. Auszüge aus dem Interview:

  • „Angela Merkel fing an mit der Ankündigung weiterer Reformen am Arbeitsmarkt, die über Schröders Reformen noch hinausgehen würden. Tatsächlich hat sie durch die Rente mit 63 und durch den gesetzlichen Mindestlohn Schröders Reformen ein Stück weit zurückgedreht. Außerdem hat sie eine Energiewende zum Zappelstrom aus Wind- und Sonnenlicht eingeleitet. Der Versuch, aus der Atomkraft und aus der Kohle zugleich auszusteigen, wird der Industrienation Deutschland nicht gut bekommen. Bei der Flüchtlingskrise und bei den neuerlichen EU-Beschlüssen gegen die deutsche Automobilindustrie zeigte die Kanzlerin einen bedrohlichen Macht- und Kontrollverlust. Beim Brexit war ihre Migrationspolitik das Zünglein an der Waage für die Entscheidung der Briten. Ich hätte mir eine bessere Bilanz gewünscht und bedauere sehr, dass sie nicht zustande kam (…).“  bto: wie wohl jeder klar denkende Bürger!
  • „Die (…) Rettungskaskade über die fiskalischen Rettungsschirme und die Tolerierung der Rettungsaktionen durch die EZB haben die Portfolios der Finanzanleger gerettet und den Ländern Südeuropas geholfen, ihre Probleme vor sich herzuschieben. Italien und Griechenland zeigen, dass nichts, aber auch gar nichts erreicht wurde. Die Kanzlerin ließ sich, weil sie selbst wenig von den Dingen verstand, von der Finanzindustrie und Frankreich ins Bockshorn jagen. Die Entscheidung der Kanzlerin, ihrem Finanzminister Schäuble 2015 in den Rücken zu fallen, der ja schon 15 andere Finanzminister für eine Rettung Griechenlands außerhalb des Euro hatte gewinnen können, war grundfalsch, denn damit wurde die Chance einer Gesundung der griechischen Wirtschaft und einer Klärung der Klubregeln der Eurozone verpasst. Nun geht es mit einem wachsenden Strom an Gemeinschaftsgeld zugunsten der nicht mehr wettbewerbsfähigen Länder in Südeuropa immer weiter.“  bto: Tja, Frau Horn, das sind doch wohl bessere Argumente.
  • „Analysen zu den langfristigen Wirkungen ihrer rückwärtsgewandten Wirtschaftspolitik (mochte Merkel) nicht – um hier einmal ein Gutachten des deutschen Sachverständigenrates zu zitieren. Mit den langfristigen Sachproblemen, die Volkswirte in den Vordergrund ihrer Betrachtungen stellen, wollte sie sich nicht belasten. Sie war die Kanzlerin des Hier und Jetzt.“  bto: Nach mir die Sintflut und die kommt jetzt!
  • „Wir haben nun 1,6 Millionen Hartz-IV-Empfänger aus Nicht-EU-Staaten. Und man vergesse nicht: Auch Migranten, die als Geringqualifizierte arbeiten, sind netto gerechnet Kostgänger des Staates, weil sie nur unterdurchschnittlich Steuern und Abgaben zahlen, doch mindestens durchschnittlich vom Potpourri der staatlichen Leistungen im Bereich der Infrastruktur, der Rechtspflege, der Bildung und der Sozialleistungen profitieren. Dass neue Migranten Wachstum schaffen, wenn sie arbeiten, ist zwar richtig. Nur gehört ihnen dieses Wachstum in der Marktwirtschaft selbst, weil es den Löhnen entspricht, die sie beziehen. Die Altsassen haben davon nichts.“ bto: immer meine Rechnung: Deckungsbeitrag genügt nicht!

Horn vs. Sinn? Ach, das wäre zu billig.

→ capital.de: „Warum sich Merkels Bilanz sehen lassen kann“, 6. November 2018

→ capital.de: „Hans-Werner Sinn: „Merkel war die Kanzlerin des Hier und Jetzt““, 8. November 2018

Kommentare (16) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Ulrich Remmlinger sagte:

    Wer die Vorlesungen von Jordan Peterson sich angehört hat, weiß, daß Männer und Frauen verschieden sind. Männer interessieren sich in der generellen Tendenz mehr für Sachen und entscheiden mehrheitlich rational. Frauen hingegen haben tendenziell ein höheres Interesse an Menschen und entscheiden mehr emotional. Sicher darf man nicht von der statistischen Wahrscheinlichkeit (Glockenkurve) auf die Einzelperson schließen. Es scheint aber, daß Frau Horn eine typische Vertreterin ihres Geschlechts ist.
    Je mehr Frauen in die Politik gehen, um so höher wird die Wahrscheinlichkeit, daß Entscheidungen mehr auf emotionaler als auf rationaler Basis gefällt werden. Natürlich gibt es auch Frauen, die „männlich“ entscheiden (Margaret Thatcher) und Männer, die von ihren Emotionen gesteuert werden, aber in der Statistik der großen Zahl sind die typischen Unterschiede zu erwarten.
    Wenn, wie von der SPD forciert, die Hälfte des Bundestages aus Frauen besteht, wird es sicher noch bunter.

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      Alexander sagte:

      @ Ulrich Remmlinger

      Wenn „Frauen“ eher männlich entscheiden könnte es sein, dass sie eher männlich sind, bzw. u. umgekehrt. Transgendertabus zu brechen ist einer der vielen Leistungen unserer lieben Frau Claudia Roth.
      Zur Geschlechtervielfalt gehören „Mann zu Frau Transgender“ sowie „Frau zu Mann Transgender“. Dieser Personenkreis hat es längst auf die Laufstege dieser Welt geschafft, nicht nur auf das Cover des „Playboy“
      Supermodell Andreja Pejić https://www.youtube.com/watch?v=YawygyY8iWo

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      RDC sagte:

      Apropos Herr J. Peterson fällt mir ein Interview ein, indem er nach den Gründen für die Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen gefragt wurde und er diese auf die Big Five Personality Traits zurückführt. Da Frauen, rein statistisch gesprochen, eine höhere Neigung zu Agreeableness (zu dt. Verträglichkeit) aufweisen. Ebenso wird diese Tendenz zur Verträglichkeit/Liebenswürdigkeit, wie von Hr. Ulrich Hemmlinger trefflich beschrieben, negative Auswirkungen auf unsere Politik haben. Konsequent zu Ende gedacht, müsste man sich fragen, ob das moderne Wirtschaftsleben/Politik nicht eine Zumutung dem weiblichen Geschlecht gegenüber ist, weil es logischerweise “männlicher“ werden muss um sich zu behaupten bzw. überhaupt bestehen zu können. Natürlich muss auch hier die Glockenverteilung berücksichtigt werden und es gibt genug Ausnahmen. Trotzdem sollte man sich vor Augen führen dass Frauen, überspitzt formuliert, ihrer “Weiblichkeit“ beraubt werden. Mir fällt allerdings auch keine Lösung ein, die nicht als chauvinistisch wahrgenommen werden kann.

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    SB sagte:

    Nebenbei: Der ohnehin von der Merkel-Regierung seit gut einem Jahrzehnt schon heftig mit Füßen getretene Rechtsstaat, wird weiter in Richtung vollständiger linksgrüner Verwahrlosung geführt:

    Neues von Big Brother – Diesel: Fahrverbote und Überwachung
    https://www.tichyseinblick.de/wirtschaft/mobilitaet/diesel-fahrverbote-und-ueberwachung/

    Naja, wenn unsinnige Fahrverbote und Totalüberwachung der Stabilität der Gesellschaft dienen… Der Rechtsstaat hat diesen Ziel ja offenbar nicht ausreichend gewährleistet. Dann tuts sicher der Unrechtsstaat.

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    Alexander sagte:

    Martin Walser ist „verführt von der Wucht “ von „Frau Merkels Schönheit“, die Nomenklatura der BRD bekennt sich ausnahmslos, inclusive der 3/4/…./999. Reihe wo eine Karen Horn nicht fehlen mag.

    Konsens über die Probleme, Dissens über die Bewertung der Realität.
    Reaktionär wer retten will was noch zu retten ist, und die Regierung möchte die Schlagzahl erhöhen.

    St. Helena ist zu klein für die Täter von heute, ihre Bilder und leeren Gedanken müssen wir bis zuletzt ertragen – aber wer glaubt das noch, so unterirdisch das Niveau mittlerweile ist?

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      Wolfgang Selig sagte:

      @Alexander: Äußerungen über St. Helena und ähnliches würde ich unterlassen. Sie werden damit in die rechte Ecke geschoben, ohne dass Sie Denkfortschritte bei den Entscheidungsträgern und den Wählern erreichen.

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        Alexander sagte:

        @ Wolfgang Selig,

        Wähler und Entscheidungsträger haben das Ende jeder Diskussion längst ausgerufen. Wem es um rationelle Faktenwahrheit ging, der hat diese längst gefunden und entsprechende Schlüsse gezogen.

        Die Emigration war ein Akt der Gnade gegen einen Honecker, der andernfalls eine lebenslange Haftstrafe hätte antreten müssen…

        Die Entgleisungen der diversen Hoffungsträger von Walser bis Grönemeyer erfreuen mich mehr, als sie ärgern. Jeder blamiert sich so gut er kann.

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    Wolfgang Selig sagte:

    Ach Herr Dr. Stelter, Sie lassen sich doch immer wieder vom gleichen Typ Wirtschaftswissenschaftlicher provozieren (z.B. auch Hr. Fratzscher), jetzt mal Frau Horn. Na dann lassen Sie uns doch mal gemeinsam die Karriere von Frau Horn nach ihrer Zeit bei der FAZ in den 90ern betrachten, wie sie in wikipedia hinterlegt ist:

    „Von Oktober 2007 bis Ende März 2012 war sie die Leiterin des Hauptstadtbüros des Instituts der deutschen Wirtschaft in Berlin. Von April 2012 bis 2013 war sie zusammen mit dem Vorstandsvorsitzenden der Sachsenmilch AG Thomas Bachofer Geschäftsführerin der von Theo Müller gegründeten Wert der Freiheit gGmbH.[1]
    „Horn lehrt als Lehrbeauftragte an der HU Berlin, der Universität Witten/Herdecke, der Universität Siegen sowie an der Staatswissenschaftlichen Fakultät der Universität Erfurt.[2]…

    So, und wer ist der Inhaber bzw. Entscheider bei den Unis in Berlin, Siegen und Erfurt? Die jeweiligen Bundesländer, die vielleicht mit Ausnahme der bayerischen CSU durchgängig die Politik von Frau Merkel huldigen.

    Und damit ein Lehrbeauftragter auch von niemandem mit einem verbeamteten Lehrstuhlinhaber verwechselt wird, nachfolgend eine Definition desselben, ebenfalls aus wikipedia:

    Ein Lehrbeauftragter (LB) ist eine Person, die an einer Hochschule Lehrveranstaltungen hält und gelegentlich auch als Prüfungsvorsitzender tätig ist, ohne dafür in der Regel in einem Beschäftigungsverhältnis mit dieser Hochschule zu stehen.[1] Der Lehrbeauftragte wird deshalb in den meisten Fällen auf Honorarbasis vergütet oder verrichtet seine Tätigkeit unentgeltlich. Im amerikanischen Sprachgebrauch wird vom Adjunct Professor gesprochen.

    Kurz gefasst: Frau Horn ist eine Frau, die rechtzeitig den Absprung aus der zunehmend brotlosen Journalistenzunft geschafft hat. Durch ihre Tätigkeit für das exportlastige IW und den Staat hat sie zwar ihre persönlichen Finanzen geordnet (ich gehe jetzt nicht von unentgeltlicher Lehrtätigkeit aus, so etwas macht eher ein Bundesverfassungsgerichtspräsident a.D. an der juristischen Fakultät), aber sich in die Abhängigkeit sowohl der Politik als auch der exportorientierten Wirtschaft begeben, die von der Euroschwäche zu Lasten des Binnenkonsums profitiert.

    Nichts für ungut, Herr Dr. Stelter, aber da müssen Sie schon einen in Bayern verbeamteten Pensionisten wie Hr. Prof. Sinn nehmen, wenn Sie jemanden Unabhängigen hören wollen, der keine Rücksicht mehr nehmen muss. Warten Sie doch mal ab, bis Frau Horn im Rentenalter ist und keine staatlichen Anschlusslehraufträge mehr braucht. Dann finden sich vielleicht wieder brauchbare Analysen bei ihr. Da werden Sie bei ihr (Jahrgang) 1966 wohl noch ein wenig warten müssen…

    Mein Rat: Verschwenden Sie Ihre Zeit nicht mit solchen Leuten, der Erkenntnisgewinn hält sich in Grenzen. Besser wäre es, junge deutsche aufstrebende, unabhängig denkende Ökonomen zu finden, beispielsweise eine Art jungen Hans-Werner Sinn. Die sind bestimmt nicht zahlreich, aber sicher lohnenswerter als politisch abhängige Ex-Journalisten.

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      Thomas M. sagte:

      Vielleicht sollte die EU mal einen Herkunftsnachweis bei Autoren und dem Geschriebenen einführen ;)

      Danke für die Recherche!!! Vermutlich war Fr. Horn mit der Kritik bzw. der Leistungseinordnung in ihrem Beitrag schon ans Limit gegangen. Aber immerhin! Ist so ein bisschen wie beim Arbeitszeugnis, da muss man auch zwischen den Zeilen lesen…

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  5. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    >… nie konnte man den Eindruck gewinnen, dass Merkel diese Dinge ein eigenständiges Anliegen waren; sie waren Antworten auf die Wünsche der Bürger und der Preis für Stabilität.“>

    Das ist auch meine Auffassung.

    Es ist überhaupt nicht zu bezweifeln, dass wir Stabilität gehabt haben.

    Wenn man annimmt, dass diese zu haben, nicht selbstverständlich ist, war Merkel, bis zuletzt jedenfalls ERFOLGREICH.

    Nur:

    Der Preis muss dann aber auch benannt und die Rechnung aufgemacht werden.

    Dr. Stelter tut das, Prof. Sinn und andere auch.

    Das Fatale ist nicht nur, dass Schönredner* wie K. Horn Merkels Erbe überzuckern, sondern dass die Gesellschaft in der Breite keinen Bedarf für Erörterungen erkennen lässt, ob der Preis gerechtfertigt oder möglicherweise zu hoch ist.

    Nicht einmal Merkels eigene Partei ist dazu fähig:

    Kandidaten für den Vorsitz, die den Zusammenhalt beschwören und jeden mitnehmen wollen.

    Es wird im Grundsätzlichen ein weiter so geben.

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    RDC sagte:

    Was man vielleicht bedenken sollte, ohne Frau Horn in Schutz nehmen zu wollen ist, dass der vierte Absatz,

    „Alle diese drei Entscheidungen ließen jedoch erhebliche Kostenrisiken entstehen, und dann war auch noch die praktische Umsetzung problematisch. Die Energiewende (…) entwickelte sich zu einem wahren Koloss der Intervention und der staatlichen Anmaßung von Wissen über aussichtsreiche Zukunftstechnologien; mit der Euro-Rettung navigierte man nach langem Zögern ordnungspolitisch fragwürdig und hart am Rand des Zulässigen; die Aufnahme der Flüchtlinge wurde zum gesellschaftlichen Dauerstresstest und legte Schwachstellen der Bürokratie offen, die alle Befürchtungen übertrafen.“

    eventuell als ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl interpretiert werden kann. Das erinnter stark an bspw. Gullivers Reisen von J. Swift, wo besagter Autor nicht direkt Kritik an den politischen Missständen im absolutistischen England äußern konnte und deshalb seine Kritik als Kindergeschichte´´verpackte´´ aus Angst vor Repressalien. Natürlich übt niemand Druck auf Frau Horn aus bzw. selbstverständlich hat sie nicht mit (direkten) Repressalien zu rechnen, aber heutzutage reicht schon wenig aus, um einen ´´sozialen Tod´´ zu erleiden bzw. die Karriere an den Nagel hängen zu müssen.

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    • Avatar
      Thomas M. sagte:

      „eventuell als ein kleiner Wink mit dem Zaunpfahl interpretiert werden kann“

      Das hab ich auch gedacht; in bestimmten Positionen oder Konstellationen kann man ja ohnehin nicht frei sagen oder schreiben, was man denkt.

      „Und: „Wie kann man diese drei Fehlleistungen als „großes Erbe“ bezeichnen?““

      Man kann auch Schulden oder nicht zu sanierende Ruinen erben. Privat kann man dieses Erbe vielleicht ausschlagen; gesellschaftlich geht das dann nicht. Irgendwo muss der schwarze Peter halt landen…

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    Ondoron sagte:

    Die Horn ist eine Ideologin, die die Hayek-Gesellschaft in das sozialistische Lager ziehen wollte. Wie Lindner auch, und die anderen Euro-Sozialisten. Dieses Links-Rechts-Geschwurbel ist absolut irreführend, wenn man eben meint, die NationalSOZIALISTEN wären „rechts“ gewesen. In der Wirtschaftspolitik waren es eben Sozialisten – wie die heutigen Alt-Parteien. Da lohnt ein Blick auf Michael von Prollius „Das Wirtschaftssystem der Nationalsozialisten“.

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    SB sagte:

    „Nun geht es mit einem wachsenden Strom an Gemeinschaftsgeld zugunsten der nicht mehr wettbewerbsfähigen Länder in Südeuropa immer weiter.“

    Den Sozialismus in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf. Da mit dem vielen Transfergeld die Strukturen in den Empfängerländern nicht verbessert werden, bleibt alles beim Alten und wird sukzessive noch schlimmer: EUdSSR 2.0.

    Die international aufgestellte Industrie wirds freuen: Arbeiten doch die einen dafür mit, dass die anderen auf ihre Kosten konsumieren können. Das Ganze nennt sich dann „Teilhabe“. Und an dieser „konsumtiven Teilhabe“ (= Umverteilung), die laut Politik sozial gerecht ist, verdient die Industrie zusätzlich viel Geld. Aus Sicht der Deutschen ist es der gleiche Mechanismus nach außen, wie der massenhafte Import von unqualifizierten „Flüchtlingen“, die dauerhaft im Wohlfahrtsstaat angesiedelt und so von den Steuerzahlenden vollversorgt werden.

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