Bitcoin wie die Tulpenblase?

Kein Tag vergeht, an dem ich nicht zu Bitcoins gefragt werde. Ein klareres Blasenzeichen kann ich mir gar nicht denken. So erging es wohl auch John Authers von der FT, der die Entwicklung von Bitcoins mit der Tulpenblase vergleicht:

  • „Bitcoin nearly broke the $10,000 barrier on Monday, having only broken $2,000 for the first time earlier this year.“ bto: Das kann man wohl sagen. Ich war nicht dabei, gestehe ich an dieser Stelle.
  • „This is quite something, but still, claims that the bitcoin boom of the past year is in some way a repeat of the Nasdaq Bubble which finally popped in March 2000 are well wide of the mark. Here is a comparison of the two:“ bto: Verglichen mit der New Economy Blase ist es etwas ganz anderes. Und das für eine elektronische Währung, die man nicht anfassen und verstecken kann …

Quelle: FT

  • „Its average annual real return since people started trading it in 2010 is 411 per cent. (…) The following chart compares bitcoin returns (as calculated by Bloomberg) with returns on global stock markets since 1900, (…) Bitcoin has made money for its backers in a way never enjoyed by stock investors:“ bto: Das alleine muss natürlich nicht bedeuten, dass es eine unberechtigte Preisentwicklung ist. Dennoch …

Quelle: FT

  • „Going further back in history, (…)  there do seem to have been some investment manias that went even further. Let us start, inevitably, with the Netherlands‘ Tulip Mania. (…) The maximum price reliably recorded for a tulip bulb during the mania was 5,200 guilders. (…) a 12lbs loaf would at the time have cost 0.4 guilders. So at the very top, you could have exchanged one tulip bulb for approximately 156,000lbs of bread, (…) Nowadays a packet of 100 tulip bulbs can be bought on Amazon for  $32.98, while a 1.25lbs loaf of Sara Lee white bread will cost $1.98, so you can get roughly 5 bulbs per pound of bread.“ bto: Diese Relationen waren mir so nicht klar. Das ist doch wirklich beeindruckend.
  • Jetzt kommt es aber: “ But note that a bulb physically exists, and that its price can be compared with other physical objects. It is not clear that any such fundamental valuation is possible for bitcoin which is vulnerable to the risk of action by governments.“ bto: Das ist auch ein Argument in meinem Artikel für die WiWo in dieser Woche, morgen früh auch bei bto.
  • Tulpenzwiebeln gewannen: „(…) in four months of a little over 2,200 per cent. Over the past four months, bitcoin has only gained 253 per cent. So cryptocurrencies are still not as crazily overbought as tulip bulbs used to be although tulip bulbs do of course have the advantage that they could grow into very pretty flowers in your garden.“ bto: Es kann also noch fröhlich weitergehen. Kaufen würde ich sie dennoch nicht, weil sie auf dem „greater fool“ basieren.
  • „A broader lesson is that bitcoin as an investment or speculation phenomenon is unlike anything that has been seen in a long time. It is behaving even more dramatically than most of the best documented bubbles, although it has not yet reached the excesses of the tulip bubble.“
  • „History as interpreted by many of us (including me) suggests that prices will eventually come down to earth with a bump. But it gives us no steer on how much further this could go on, or on timing. Maybe bitcoin could yet match Bizarden tulip bulbs before it is done.“ bto: Finger weg!

FT (Anmeldung erforderlich): „Tulip bulbs vs bitcoin: a bubble comparison“, 27. November 2017

Kommentare (10) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Klaus Samer sagte:

    Bitcoin hat ist ein Spekulationsobjekt und kein Zahlungsmittel, das leitet sich schon aus der absurden Volatilität ab. Welcher Geschäftsmann kann es sich leisten wenn mit Bitcoin bezahlt wird innerhalb von 24h 20% Wertverlust hinzunehmen ? Klar es kann auch nach oben gehen aber mit im Geschäftsleben notwendiger Kalkulierbarkeit hat das ganichts zu tun.

    Das diejenigen die vor einigen Jahren per Zufall dabei wahren jetzt hier sich stolz in die Brust werfen ist klar, sie sollten nur bald an den nächst größeren Idioten verkaufen, denn wenn bei dem engen Markt mal irgendwann alle zur gleichen Tür rauswollen wird der Kurs wie ein Soufle zusammenfallen.

    Was die Bitcoinjünger gerne verschweigen sind auch die zahlreichen Diebstähle und Betrügerein die damit verbunden sind. Ich erinnere mich schmerzhaft an die eigene Erfahrung mit MtGox da galt dein Geld ist nicht weg es hat nur jemand anders. Gottseidank war es nur ein niedriger 2stelliger Betrag.

    Wer bei Auslandsüberweisungen Geld sparen will kann Transferwise oder ähnliche Services benutzen, das kostet zwar immer noch Geld und dauert ein paar Tage aber ist deutlich billiger als mit der Hausbank.

    Presseberichten nach soll ja demnächst auch die Überweisung mit Banklaufzeiten von wenigen Minuten kommen, das wird dann auch noch mal einiges ändern.

    Last but not least kann man die Zahlenfolge der Bitcoins soweit ich weiß auch noch ausdrucken, bedauerlicherweise kann Papier , auch Geld, brennen.

    Gold ist da klar im Vorteil das schmilzt zwar bei hohen Temperaturen erstarrt dann allerdings auch wieder und das innert ist bleibt keine Asche sondern Gold übrig.

    Wer in der Vergangenheit mit Bitcoins reich geworden ist hat einfach Glück gehabt genauso wie jemand der im Kasino auf die richtige Zahl beim Roulette setzt mit investieren oder Intelligenz hat das nichts zu tun.

    Die Blockchaintechnologie an sich wird ihren technischen Nutzen wohl in anderen Bereichen stiften.

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      Wolfgang Selig sagte:

      Vielen Dank für Ihren Hinweis auf die Kalkulierbarkeit im Geschäftsleben, von dieser Seite hatte ich das noch gar nicht gesehen, aber das erklärt natürlich die Skepsis des Handels gegenüber Bitcoin.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Ich glaube, dass die entscheidende Frage ist:

    Wie wird das Vertrauen in Bitcoin hergestellt und gesichert?

    Genügt es, dass dieses Zahlungsmittel funktioniert, d. h. dass alle es so nutzen können, wie wir unser Geld
    nutzen?

    Wir vertrauen in unser Geld, weil andere auch in es vertrauen:

    Irgendein Ladenbesitzer nimmt ein paar Papierschnitzel und gibt uns dafür etwas, was mit menschlicher Anstrengung und Ressourcenverbrauch entstanden ist. Er nimmt sie bedenkenlos, weil sein Lieferant sie auch bedenkenlos nimmt.

    Wer oder was GARANTIERT oder hat zumindest die Mittel, wenn es schon keine Garantie gibt, dass dies so bleibt?

    Wenn so sein sollte, dass ALLEIN eine nutzbar TECHNOLOGIE, die viele oder sogar praktisch alle nutzen, eine Währung etabliert, dann sind wir, so meine ich, in einer anderen Welt.

    Oder verbleiben wir in unserer Welt, wenn es jemandem GELINGT, die Kontrolle über die (Zahlungs)-Technologie zu erlangen?

    Ich schaue mir an, wie sich das entwickelt und bleibe erst einmal bei den Papierschnitzeln.

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    Julian sagte:

    Was ist falls Crypto sich tatsächlich etabliert? Im Unterschied zu Tulpen lassen sich Bitcoin nicht unendlich vermehren.

    Dass man sie nicht physisch besitzt ist ein Vorteil. Verstecken geht hervorragend. Sicherheit ist extrem hoch.

    Nur von außen auf Charts zu schauen ist vielleicht zu kurz gesprungen. Die Technologie hat enormes Potential.

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      Wolfgang Selig sagte:

      Bitcoin lässt sich selbst nicht vermehren, aber andere Kryptowährungen lassen sich auf blockchainbasis vielfach als Konkurrenz neu erschaffen. Und das ist der Unterschied zu Gold: ist es von Menschen erzeugbar bzw. vermehrbar oder nicht?. Ich würde Bitcoin nur vertrauen, wenn
      1. quasi fast alle Staaten ihn anerkennen
      2. alle anderen Währungen auf blockchainbasis weltweit verlässlich verboten werden und das Verbot durchgesetzt wird und
      3. eine breite Akzeptanz im Zahlungsverkehr entstanden ist oder sich wenigstens entwickelt.
      Nichts davon außer kleine Fortschritte bei 3 kann ich feststellen.
      Daher bleibe ich bei Stöferle: „in gold we trust“

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        Johannes sagte:

        Da schließe ich mich Ihnen an Herr Selig. Bitcoins (oder eine andere Kryptowährung) können sich auf Dauer etablieren und wer früh (s.CvGuS) „eingestiegen“ ist, den kann ich heute nur von Herzen und ohne Neid beglückwünschen. Den von CvGuS beschrieben Anwendungsfall (global agieren) habe ich übrigens nicht und viele andere wohl auch nicht. Den großen Vorteil sehe ich darin, dass Kryptowährung nicht beliebig mehrbar sind. Allerdings sind sie vom Strom und seiner Verfügbarkeit abhängig und vom Zugang zum Internet.

        Ob sie auf Dauer auch wirklich „unkontrollierbar“ bleiben, bezweifele ich stark. Insbesondere die Politik „mag“ dies nicht und wenn es bereits Gesetzte gegen die sog. Hasskriminalität im Internet gibt; siehe Netzwerkdurchsetzungsgesetz … dann werden Regierungen sich auch diesem Thema beizeiten widmen. Dieses Gesetz wird inzwischen übrigens von diesem Vorhaben getoppt:

        „Bonuspunkte für den Kauf gesunder Babynahrung, Abzug für Pornokonsum: In China wird das Social Credit System getestet. Es überwacht, bewertet und erzieht die Bürger.

        Vorgesehen ist, dass Nutzer mit mindestens 1.300 Punkten die höchste Bewertung AAA erhalten. Wie bei einer Rating-Agentur. Können sie diesen Stand einige Zeit lang halten, sollen sie zur Belohnung vergünstigte Kredite erhalten oder eine bessere Krankenversicherung. Auch bei der Vergabe von Studienplätzen an die eigenen Kinder könnte sich eine hohe Punktzahl positiv auswirken. Wer hingegen unter einen Wert von 600 fällt, landet in der schlechtesten Kategorie D. Betroffene müssen sogar befürchten, ihre Jobs zu verlieren. “

        http://www.zeit.de/digital/datenschutz/2017-11/china-social-credit-system-buergerbewertung

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        Johannes sagte:

        … hier noch ein paar Infos rund um die Kryptowährungen:

        http://www.rottmeyer.de/jetzt-brechen-alle-daemme/

        „Aktuell soll es weltweit 1.332 Kryptowährungen geben. Börsenwert: Rund 400 Milliarden US-Dollar, mithin ein „halber“ Apple-Konzern. So genau weiß das allerdings niemand, denn dieser „Wert“ schwillt ja sozusagen minütlich um ein paar Milliarden Dollar an. Allein in den beiden vergangenen Wochen sollen 124 neue Kryptowährungen hinzugekommen sein. Dies zum Thema, der Bitcoin sei nicht inflationär. Er selber nicht, das stimmt wohl, seine Brüder und Schwestern sind es dafür umso mehr…“

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        Contumax sagte:

        Bitcoin ist selbstverständlich kontrollierbar. Der Kontrolleur heißt Herr Xi. Er hat bereits die Kontrolle über 81% der Bitcoin Mining-Farmen weltweit. Diese befinden sich in der Volksrepublik China. Man warte auf den Margin Call. Spätestens dann kommt die Politik ins Spiel.

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    CvGuS sagte:

    Als jemand der aus technischem Interesse vor 6 Jahren einige Dutzend erworben hat , kann ich das alles jetzt sehr entspannt mitmachen. Ich kann jedem, der ein Urteil fällen will, nur raten das mal mit minimalem Einsatz auszuprobieren. Es vermittelt ein (für mich) unglaubliches Gefühl der Freiheit, einfach so mal eben jeden beliebigen Betrag um den Globus zu schicken. Sie machen ein Konto in Japan oder US (innerhalb von Minuten und ohne IFRS Formular etc…) oder sonstwo auf und Ihr „Geld“ ist in Minuten dort. Wer schon mal größerer Beträge ins nichteuropäische Ausland schicken musste, weiß wovon ich rede. Sie können Ihr „Geld“ überall hin in beliebigen Beträgen mitnehmen und verbieten kann man das zwar aber ein Verbot ist rein technisch nicht umsetzbar, nicht kontrollierbar.
    Meiner Meinung nach behalten Kryptos solange Kurspotential (mit viel Übertreibungen und Schwankungen) wie das Vertrauen in FIATs langsam entschwindet…und solange es Länder mir Venezuela oder Argentinien gibt, in den das Vertrauen bereits 0 ist.

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