Adam Smith ging es um mehr als freie Märkte

Am kommenden Sonntag (11. Juni 2023) geht es im Podcast um den schottischen Philosophen Adam Smith, der in diesen Tagen 300 Jahre alt werden würde.
Wir stimmen uns mit einigen Beiträgen ein – heute mit einem aus der FINANCIAL TIMES (FT), der die Frage aufwirft: “Is there more to Adam Smith than free markets?”

  • No one is more widely quoted by people who have not read his work. Even those who have never visited a library, far less opened a copy of The Wealth of Nations, know that Adam Smith extolled the public benefit of individual selfishness and the necessity of maximally free markets, excoriating the malign impact of government intervention in economic matters. They are familiar with his metaphor of ‚the invisible hand‘ and know that it is ‚not from benevolence‘ that the baker provides our daily bread.“ – bto: Das allein ist natürlich zu kritisieren, vor allem von denjenigen, die freien Märkten und dem Kapitalismus kritisch gegenüberstehen.
  • Those who know a little more of Smith know that he was also the author of The Theory of Moral Sentiments. In that work, the central characteristic of moral sensibility is ‚sympathy‘; we must judge our conduct as would an impartial spectator, and must acquire the ability ‚to see ourselves as others see us‘. Nineteenth-century German philosophers formulated ‚das Adam Smith Problem‘. How could the same man be author of a philosophical work in favour of altruism and an economic work in defence of individualism?“ – bto: … einfach, weil man moralisch und ökonomisch richtig handeln kann.
  • While Smith’s thinking obviously developed over the near 20 years between his two defining books, there was no Damascene conversion in which the young idealist philosopher became the older sceptical economist. His moral philosophy was not as benign as the crass description suggests. More importantly, his economics was not as unforgiving as the crude description suggests. The greatest myth is that Wealth was a rightwing tract, and that its author would have heard the noise of the trading floor as music in his ears and regarded the collateralised debt obligation as the epitome of human ingenuity.“ – bto: Wie geschrieben, haben ihn wenige wirklich gelesen und es dient gerne der politisch gewünschten Nachricht.
  • Smith’s misanthropic scepticism extended widely — to business people (‚an order of men . . . who have generally an interest to deceive and even to oppress the public‘), to the rich (‚the chief enjoyment of riches consists in the parade of riches‘), to empire (‚a project altogether unfit for a nation of shopkeepers, but extremely fit for a nation whose government is influenced by shopkeepers‘), and to statistics (‚I have no great faith in political arithmetic‘).“ – bto: Man mag sich nicht vorstellen, was Smith heute sagen würde…
  • We rely on Smith for the clear formulation of two foundational ideas of economics — the division of labour and the associated mutually beneficial character of exchange. Wealth begins with the productive pin factory, which derived economies of scale and developed specialist capabilities, and the exchange of these capabilities made them sustainable. If one needs reassurance that economics is more than gut instinct, then the contrast between Donald Trump’s naive view of trade and Smith’s more thoughtful one is sufficient reminder.“ – bto: Das ist zutreffend. Und es lohnt sich, auch bei anderen Themen ökonomisch zu denken – was leider bei uns politisch unerwünscht ist.
  • In short, modern humans — uniquely — are productive because they engage in co-operative activity. (…) The division of labour has gone far beyond anything Smith imagined (…) The reason UK gross domestic product per head has risen so much since Smith wrote Wealth is not that we have become more individualistic but that we have become more co-operative.“ – bto: Das gilt natürlich auch auf globaler Ebene.
  • Now the power of the metaphor of the invisible hand is the recognition that such co-ordination is emergent; it does not require a co-ordinator. The production of the Airbus requires a complex mixture of markets and hierarchies. No entrepreneur could go shopping to buy the parts for an Airbus, and the design emerges through the efforts of many, not the direction of a big boss.“ – bto: Es erklärt einfach, warum ein dezentrales Marktsystem immer der Planwirtschaft überlegen ist.
  • Which leads to the question: ‚Why it Matters‘. (…) Smith was writing about a market economy, not what came to be called capitalism, and that there is a difference. Smith would not have enjoyed a visit to a trading floor. And he did understand that a successful market economy requires the legal, social and economic infrastructure that only a strong state can provide. That strong state was only tolerable in an environment of pluralism and democracy sustained by wide mutual trust. And Smith identified many of the ways in which markets go wrong — through crony capitalism, in what we now call rent-seeking, and in the commodification of too much of our social lives. Markets function well only when embedded in strong and supportive social institutions. There is no contradiction between Moral Sentiments and Wealth.“ – bto: Das ist eine wichtige Feststellung, die übrigens auch für den Kapitalismus gilt. Denn auch der wird von den Kapitalisten nicht geliebt.

ft.com (Anmeldung erforderlich): “Is there more to Adam Smith than free markets?”, 25. Juli 2018

Kommentare (13) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Vater Thiel
    Vater Thiel sagte:

    Der Gegenpol zu Smith ist wohl der alte Marx.

    Der hatte auch mal lichte Momente, z.B. in seiner Beschreibung der Feudalgesellschaft:

    “Hier finden wir jedermann abhängig:
    Leibeigene und Grundherren, Vasallen und Lehnsherren, Laien und Pfaffen.
    Nie zuvor waren Ideen und Glaubensüberzeugungen so eng mit den gesellschaftlichen und politischen Verhältnissen verbunden.”

    Darauf steuern wir aktuell wohl wieder zu, Feudalismus 2.0.

    Dass die Gefängnisse von Gates, Soros, Fink und die der grünen Bischöf*innen und Pfäff*innen aus goldenen Gittern bestehen, erscheint mir zweitrangig.
    Mal ehrlich, möchte wirklich jemand mit einem von denen tauschen ?
    Die erscheinen mir alle wie der schwarze Abt aus dem Namen der Rose.
    Deshalb tu ich mir schwer mit Verschwörungstheorien, wo haben die Verschwörer denn irgendwelche Vorteile ?

    Spätestens mit Gunter Sachs hat der alte Rheinische Kapitalismus, mit seinen Lebemännern und Lebedamen, Selbstmord begangen.
    Der Mann verstand sein Leben und seinen Reichtum zu geniessen, er ruhe in Frieden.
    Damals war Wohlstand noch etwas Erstrebenswertes.
    Ich hoffe, ihm einst in einer anderen Dimension wieder zu begegnen …

    Was war sein Geheimnis ?

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    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Vater Thiel

      “Dass die Gefängnisse von Gates, Soros, Fink und die der grünen Bischöf*innen und Pfäff*innen aus goldenen Gittern bestehen, erscheint mir zweitrangig.
      Mal ehrlich, möchte wirklich jemand mit einem von denen tauschen ?”

      Na klar, ich sofort! Alleine mit der Telefonliste von Blackrock-Chef Fink könnte ich den lustigsten Bürotag meines ganzen Lebens haben, mein kleiner Freund Friedrich Merz bekäme zum Beispiel von mir die Spezial-Aufgabe, sofort in der CDU-Parteizentrale eine Eil-Pressekonferenz abzuhalten und mit Sombrerohut auf dem Kopf und einer Dose Bud Light in der Hand zu verkünden, dass die CDU sich mit sofortiger Wirkung für ein EU-weites Bratwurstgrill-Verbot ausspricht. Alles fürs Klima!

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      • Tom96
        Tom96 sagte:

        Der Gunter Sachs hatte so um die 150 Immobilien geerbt, zum Schluss residierte er in etwas 11-14 und seine Haushälterinnnen(?) pflegten die Rückzugslieblingsorte…

        Können Sie nicht mal selbst in der Industrie- und Faschistengeschichte wühlen?
        Kein Wunder, daß das mit Frauen nicht so klappte oder besser immer wieder?
        So das sind jetzt zwei Fragen!

      • Vater Thiel
        Vater Thiel sagte:

        @ Tom96

        Sie meinen, hinter jedem Vermögen steht ein Verbrechen ?

        Mag sein, aber ich denke mittlerweile nur noch in “kleinsten Übeln”.
        Mir wäre lieber, Soros, Gates und Fink würden ihr Geld mit einer paar High Society Escort Ladies verprassen, anstatt die Welt zu retten.
        Was ist eigentlich aus Uschi Obermeier geworden, der Königin der Groupies ?

        @ Richard Ott

        Originelle Idee, unter diesem Aspekt hatte ich es noch nicht betrachtet.
        Leider scheint Larry nicht ganz Ihren Humor zu haben …

  2. komol
    komol sagte:

    >>Wenn jeder an sich denkt ist allen am besten geholfen<< Mit so einer Moralphilosophie gibt es keine Gesellschaft, sondern nur eine Organisationsform, und genau das ist GB und USA im Gegensatz zu den meisten anderen Völkern der Welt (in Sachen Komplexitätsform sozialer Systeme unterscheidet man zw. Interaktion, Organisation, soz. Bewegung, und Gesellschaft) – und dies lässt sich formtheoretisch begründen (sind halt Inseln bzw. Quasiinseln). Die deutsche, franz. oder auch russ. und chin. oder ind. Kultur ist was ganz anderes (das sind formtheoretisch gesehen Gesellschaften die sehr lange sehr viel Gedanken, Ideen in Befruchtung mit ihren Nachbarn, Durchläufen usw. usw. durchlaufen haben, und wo sich ein echter nat. Kern rausbilden konnte (was Festes von der Sinnwelt her, was lamarckisch auch in Gene geht und wieder zurück in die soziokulturelle Evolution ..). Leider haben wir Deutsche durch den Krieg und die 45-jährige Entfremdung unsere kulturellen Wurzeln verloren (dabei war die Umerziehung im Westen viel schlimmer als im Osten, denn sie war hintergründig und für die Leute dort nicht offensichtlich bzw. direkt spürbar – sie wissen also nicht was sie (bis heute) tun (denn man kann sich nicht selbst beobachten, Stichwort: blinder Fleck) – nur die Ostdeutschen könnten ihnen noch sagen was sie tun – aber den wollen sie nicht zuhören, bis es zu spät ist und alles weg ist, was wir Deutsche als Dichter-und Denkernation (gerade in der zukünftig anstehenden Zeit einer (weltweiten) Vollnetzwerkgesellschaft) drauf gehabt hätten und beitragen hätten können (aber bisschen was – zwar sehr verstümmelt, ungerade und chaotisch sowie problematisch – ist ja noch da, siehe in seiner polit. Ausdrucksform die Grünen und die Sozialdemokraten (aber das ist wirklich leicht abzuwaatschen, weshalb nicht wenige deren Wähler die auch nur deshalb wählen, um die toten Seelen, verstandlosen Hirne und kaputten Herzen der Leute der anderen Parteien irgendwie, irgendwann, irgendwo auf dem Müllhaufen der Geschichte loszuwerden zu hoffen)).

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    • komol
      komol sagte:

      Man kann kontinentaleurop. Gesellschaften (und auch viele andere) nicht wie einen Betrieb führen. Man kann das versuchen, aber das wird sich hier langf. niemals halten .. Und das ist – um zur Analogie in den Naturw. zu gehen – eben auch der Unterschied zw. Maschinen und lebenden Systemen (letztere haben so etwas wie einen spirit, esprit bzw. eben etwas Vitales (siehe bspw. H. Bergson))

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    • Vater Thiel
      Vater Thiel sagte:

      @ Komol

      “denn man kann sich nicht selbst beobachten”

      Vater Thiel denkt an Deutschland in der Nacht und ist um den Schlaf gebracht. Der sich Vater Thiel nennt und sich mit diesen Gedanken identifiziert ist dann wohl der “Beobachter erster Ordnung” ?

      Doch “wer” ist dann das Bewusstsein (das “man”), der das seltsame Phänomen beobachtet, das sich selbst Vater Thiel nennt und das an weiteren Phänomen leidet, die er Gedanken nennt und als die seinen betrachtet ?

      Keine Theorie, praktische Alltagserfahrung in so mancher Nacht.

      Gäbe es dieses Bewusstsein nicht, “die Welt” wäre ohne Alkohol, Drogen oder Psychopharmaka unerträglich …

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  3. foxxly
    foxxly sagte:

    “”bto: Es erklärt einfach, warum ein dezentrales Marktsystem immer der Planwirtschaft überlegen ist.””

    der praktizierte kapitalismus läuft konträr zu iher aussage, herr stelter!
    und diese entwicklung geht rasant weiter.
    durch die kapital-macht in wenigen händen, erzeugt dies eine planwirtschaft nach deren vorgaben, -auch für die gesellschaft!
    (was am ende zum sozialismus führt!)

    ein dezentrales marktsystem ist niemals so hocheffizient, aber wesentlich stablier für die gesellschaft.

    Antworten
    • TvZH
      TvZH sagte:

      Lieber Foxxly,
      das derzeit marktbeherrschende Ideal ist nicht der “Kapitalismus” sondern die “Korpokratie” mit der marktbeherrschenden Kapitalkonzentration. Dass dieser monetär basierender Feudalismus nicht effizient sein muss versteht sich von selbst denn die Risiken und Verluste werden der Allmende aufgebürdet somit ist genügend Spielraum für die (ineffiziente) Korruption auf allen Ebenen vorhanden.
      Der Aussage von Herrn Stelter, dass eine selbstregulierende emergente Marktwirtschaft dem kybernetischen Ansatz einer zentralen Steuerungsinstanz inheränt effizienter (und gerechter) ist, stimme ich daher zu.

      Antworten
      • foxxly
        foxxly sagte:

        @ tvzh,
        grundsätzlich:
        es gibt keine selbsregulierenden marktwirtschaft, gleich welcher art, solange ein schuldgeldsystem herrscht!

        natürlich wären regionale genossenschaften mit hoher selbständigkeiten (und eigener bank)
        sehr viel gesünder und langlebiger, als dieses aktuelle geldsystem.

        klar ist aber auch, dass andere geld- und wirtschaftssyteme als dieses schuldgeldsystem, ein langsameres und stabileres wachstum bedeutet.

      • Tom96
        Tom96 sagte:

        Dann zu Sache
        https://de.wikipedia.org/wiki/Allmende

        “Die Allmende ist keine Rechtsform im Sinne des geltenden deutschen Zivilrechts oder sonstigen geltenden kodifizierten deutschen Rechts. Lediglich bestimmte Organisationsformen wie der Gemeindebesitz oder Genossenschaftsbesitz schaffen gewisse Rechtspositionen.
        Die Allmende ist jener Teil des Gemeindevermögens, der nicht unmittelbar im Interesse der Gemeindeverwaltung zur Bestreitung ihrer Ausgaben verwendet wird, sondern an dem alle Gemeindemitglieder das Recht zur Nutzung, einhergehend mit einer Pflegeverantwortung, haben.[6] Die Allmende besteht meist aus unbeweglichem Gut wie Wegen, dem Wald, Gewässern zur Löschwasserversorgung oder Weideland wie der Gemeindewiese, einem Hutewald oder Sömmerungsgebieten der Alpen (Alm/Alp), auf der jeder Berechtigte eine nach einem vereinbarten Schlüssel vorgegebene Anzahl von Nutztieren weiden lassen kann.

        Die Nutzung ist meist auf Gemeindemitglieder beschränkt oder generell öffentlich zugänglich wie bei öffentlichen Wegen, Brunnen oder dem dörflichen Anger: Nur bei letzterem handelt es sich um Allgemeingut (ein Gemeingut im Sinne gemeinschaftlicher aneignender Wirtschaft), das keinen Eigentümer hat und bei dem die freie Benutzung als Grundrecht vorliegt.”

        Was will uns der Schöpfer damit sagen ?

    • komol
      komol sagte:

      @foxxly

      Das stimmt. Selbst aus der verkürzten Weltsicht, welche Wirtschaft mit Gesellschaft gleichsetzt (angelsächs. Blick einer Nicht-wirklich-Gesellschaft, nur formzusammengeklatschte Inseltruppe), ist es fraglich, ob eine Kapitalismus sich nicht am Ende immer selbst zerstört (sagte Marx zumindest so). Die Grundannahme des Tausches ist ja schon falsch – zieht man mal wenigstens ein Müh Soziologie ein, wie bspw. Heinsohn, ist man schon gleich woanders, nämlich Eigentumsbeleihung usw. Wir kennen die Argumentation. Sie läuft eigentlich darauf hinaus (ob das Heinsohn selbst wußte oder nicht ist Rille), dass es eben keine – wie immer so stark postuliert – Chancengleichheit gibt, selbst bei zufälliger Gleicheit der Leistungsstärke – es gibt nur Ausbeutung, wie Marx zeigte. Wer das nicht sieht, hat einfach keinen Überblick, oder, und das ist es eben, ist ein Betrüger, ja meistens sogar noch Selbstbetrüger (aber die halten wenigstens meistens noch den Mund und machen nicht alles noch viel schlimmer). Und dann immer das Gefasel von Planwirtschaft: Der Grund des Untergangs des Kommunismus war, dass es ein Außen gab! Wann kapiert man das endlich – kann man nicht mal 0,1 % ganzheitlich denken? Stattdessen erklärt man es lieber mikroökonomisch; dabei hat man überhaupt gar keine plausible Handlungstheorie an der Hand und kann den Mikro-Makro-Link in keiner von zwei Richtungen auch nur annähernd erklären, geschweige denn verstehen

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  4. Tom96
    Tom96 sagte:

    Kennedy`s waren unter den ersten Auswanderer mit der Mayflower und Macgregor klingt ziemlich nach Schottland
    https://youtu.be/M-L9bDx5BVk
    RUNNING AWAY!
    Begin Your Journey
    Pipelines sprengen und Staudämme zerbomben …

    Freiheit der Menschen ist vor der Freiheit von Märkten, die auch nur eine theoretische Luftnummer sind !

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