Machen wir es anfassbar: ein Beispiel

In der letzten Woche habe ich im Podcast, in den begleitenden Beiträgen auf bto und in anderen Medien über geeignete Gegenmaßnahmen gesprochen. Dabei schlug ich vor, den Selbstständigen und Unternehmen vonseiten des Finanzamtes pauschal eine monatliche Umsatzausfall-Ersatzzahlung zu leisten, die dann im kommenden Jahr mit der Steuererklärung korrigiert wird. Diese Idee hat viel Zuspruch gefunden und ich bin nach wie vor davon überzeugt, dass es der effizienteste, fairste und schnellste Weg wäre, die akute Krise zu überwinden.

Kritik kam aus zwei Richtungen:

  • Zum einen kam der berechtigte Einwand, dass Handelsunternehmen dieses Instrument missbrauchen könnten, indem sie den garantierten Umsatz vom Staat annehmen, aber keine Ware einkaufen und so fast alles als Gewinn ausweisen. Dieser Einwand ist sehr ernst zu nehmen, wissen wir doch aus Anreizsystemen, dass es immer wieder findige Köpfe gibt, die solche Lücken ausnutzen. Deshalb müsste man folgende Ergänzung an dem Gesetz vornehmen: Wenn ein Unternehmen einen Teil oder den gesamten Umsatzausfallzuschuss des Staates behält, darf der Gewinn sich wie der Umsatz nur auf dem Niveau des Vergleichsjahres bewegen. Erzielt ein Unternehmen einen höheren Gewinn, so wird die Differenz zu 100 Prozent besteuert. Damit gibt es auch einen Anreiz, Mitarbeiter nicht zu entlassen.
  • Die zweite Kritik kam aus einer anderen Richtung: Es wäre doch wohl nicht zu vertreten, den Unternehmen auch noch den Gewinn zu garantieren. Dieser Einwand kam von Nicht-Unternehmern, die meist keine Vorstellung davon haben, wie gering die Margen und Gewinne der meisten Unternehmer sind.

Aus diesem Grund will ich heute an einem echten Beispiel aufzeigen, wovon ich spreche. Es handelt sich um ein Kaffee/Restaurant in Berlin, dessen Geschäftsführerin Sandra auch in der neuesten Podcast-Ausgabe zu Wort kommt. Gemeinsam mit ihrem Geschäftspartner betreibt sie das Geschäft seit 2007. Im Jahr erzielen sie mit ihren 13 Mitarbeitern einen Umsatz von rund 500.000 Euro. Nach Steuern bleiben den beiden Geschäftsführern jeweils rund 25.000 Euro. Davon bestreiten sie ihren Lebensunterhalt und müssen für das Alter vorsorgen. Angesichts der persönlichen Risiken – u. a. Bürgschaft für die Miete – und den Arbeitszeiten weit jenseits von 35 Stunden pro Woche sicherlich kein übermäßig großer „Gewinn“.

Beginnen wir mit einem einfachen Blick auf die Umsätze und Kosten, bezogen auf den Monat März:

Abb. 1: Umsatz und Kosten vor/nach Corona

Quelle: Buchhaltungsdaten

Seit dem Appell von Angela Merkel am 18.03.2020, sich an die Regeln des Umgangs während der Corona-Epidemie zu halten, ist der Umsatz um ca. 50 Prozent eingebrochen. Das Restaurant ist geschlossen, allen Mitarbeitern wurde gekündigt. Es gibt noch den Verkauf außer Haus, weshalb immer noch Umsatz erzielt wird. Die Personalkosten sind gesunken, aber nicht völlig wegen der Kündigungsfristen. Während einige Mitarbeiter sich nach der Kündigung krankschreiben ließen, kommen einige noch zur Arbeit. Die Kündigungsfrist führt zu einem steigenden Personalkostenanteil, obwohl der Umsatz fällt.

Weitgehend variable Kosten sind Strom, Wasser, Gas und Reinigung. Die Kosten des Wareneinkaufs gehen wegen geringerer Abnahmemengen und dem allgemeinen Umfeld – alle haben mit den Folgen des Corona-Schocks zu kämpfen – leicht nach oben. Die anderen Kostenpositionen – Miete, Versicherung, Kfz-Steuer, Müllentsorgung, Betriebsbedarf etc. sind fix.

Es ist offensichtlich, dass schon jetzt Verluste erwirtschaftet werden. Kommt es zu noch größeren Einschränkungen und sinkt der Umsatz weiter, gibt es praktisch für die Geschäftsführer keine Hebel mehr, gegenzusteuern. Der Verlust wird größer.

Die nachfolgende Abbildung zeigt dies auf eine andere Weise:

Abb. 2: Umsatz- und Kostenverlauf

Quelle: Buchhaltungsdaten

„BEP“ steht für „Break-even-Point“ – das Umsatzniveau, ab dem ein Überschuss erwirtschaftet wird. Wir sehen zunächst, dass weniger Umsatz auch schnell einen Verlust bedeutet. Hier gemessen am sogenannten „EBIT“ – den Earnings before Interest and Taxes – also dem Gewinn vor Zinszahlungen und Steuern. Zum anderen sehen wir, dass die gestiegenen Kosten des Wareneinsatzes die Kostenkurve leicht nach oben verschieben.

Bevor man jetzt denkt, die Unternehmer hätten auf die Entlassungen verzichten sollen: Sollte die Krise länger andauern, sinken die Personalkosten und damit der Verlust. Deshalb ist es wirtschaftlich der richtige Entscheid, obwohl es kurzfristig wenig bringt.

Kommen wir zur staatlichen Hilfe. Ich habe die Finanzierung mit einem Darlehen simuliert:

Abb. 3: Kredit verzögert Insolvenz, verhindert diese aber nicht

Quelle: Buchhaltungsdaten

Modelliert wurde hier ein Kredit in Höhe von 40.000 Euro zu 15 Prozent Zinsen. Dabei macht es keinen großen Unterschied, ob der Kredit bei 40.000 Euro oder 30.000 Euro liegt. Die Insolvenz tritt einen Monat später ein. Wie man sieht, kann sich das Unternehmen ohne Kredit noch bis Ende Mai retten. Mit Kredit kann Insolvenz bis Februar 2022 verzögert werden. Grund ist, dass jährlich nicht genügend Cashflow erwirtschaftet wird, um die Schuldenraten zurückzuzahlen. Derzeit verfügt das Unternehmen noch über ein Liquiditätspolster von 15.000 Euro.

Oder um es einfacher zu sagen: Pro Jahr können maximal 5.000 Euro für Zinsen und Tilgung erwirtschaftet werden, da die Geschäftsführer auch etwas zum Leben brauchen. Dann dauert es zwischen sechs und acht Jahren, bis der Kredit abgebaut ist.

Klarer kann man nicht zeigen, dass Kredite nicht helfen.

Hinzu kommen die ganz praktischen Probleme, einen Antrag für Hilfe zu stellen. Die Internetseite der Investitionsbank Berlin, wo die Anträge zu stellen sind, bricht unter dem Ansturm der Anfragen zusammen. Die Unsicherheit über die Höhe, die Art und den Zeitpunkt der Unterstützung sind weitere Belastungsfaktoren. Kein Wunder, dass Sandra mich in unserem Gespräch fragte: Lohnt sich das überhaupt noch oder sollen wir nicht einfach aufgeben?

Natürlich habe ich geraten, genau das nicht zu tun und das Gespräch mit dem Vermieter zu suchen. Hier liegt ein wichtiger Hebel. Wobei ich allerdings anmerken muss, dass die Regelung der Regierung, einfach die Lasten auf die Vermieter abzuwälzen, auch nicht durchdacht ist, haben doch auch Vermieter Plichten wie Zinsen und Tilgung. Deshalb ja die Idee des künstlichen Komas, intelligent umgesetzt.

Kommentare (34) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Bauer sagte:

    @ troodon

    Alles richtig, was Sie schreiben, es wird nur wesentlich länger dauern. Ich gebe Ihnen hier einige Schlüsselzahlen ausgewählter Länder an die Hand. Die erste Ziffer ist der Durchseuchungsgrad in Ansteckungen auf 1 Mio. Einwohner, die zweite Zahl ist das gegenwärtige Verdoppelungsintervall vom 28.03.20, und drittens ist es mein persönlicher Risiko-Koeffizient (= ln(10*cases_per_100k_ E/Verdoppelungsintervall), also LN der erstgenannten beiden Zahlen mal 10.
    USA 2’605 2.82 6.83
    Russia 87 3.02 3.37
    Romania 662 3.38 5.28
    Portugal 4’148 3.39 7.11
    Hungary 351 3.48 4.61
    U. Kingdom 2’196 3.75 6.37
    Poland 366 4.10 4.49
    Belgium 6’384 4.14 7.34
    Spain 13’650 4.16 8.09
    Ireland 4’382 4.28 6.93
    Austria 8’727 4.55 7.56
    Netherlands 5’025 4.60 7.00
    Germany 5’864 4.98 7.07
    France 4’858 5.06 6.87
    Czechia 2’148 5.25 6.01
    Switzerland 14’124 5.29 7.89
    Iceland 24’722 6.24 8.28
    Finland 1’753 6.35 5.62
    Norway 6’669 6.73 6.90
    Estonia 4’356 6.84 6.46
    Greece 899 7.26 4.82
    Sweden 3’010 7.71 5.97
    Slovenia 1’162 7.86 5.00
    Italy 14’302 7.96 7.49
    Denmark 3’540 9.93 5.88
    China 572 487.72 0.16
    (Bei China ist zu beachten, dass sich die Zahlen zu rd. 85% auf nur eine Provinz (Hubei-Wuhan) mit rd. 59 Mio E beziehen, was analog 1183 / 488 / 3.19 ergäbe und der Realität eher nahe käme.)
    Eine tägliche Zuwachsrate von 3% wie von Ihnen herangezogen entspräche einem Verdoppelungsintervall von 23.45 Tagen. Da ist noch ein sehr weiter Weg hin.

    Antworten
    • Avatar
      troodon sagte:

      @Bauer
      Das grundsätzliche Problem bei vielen der aktuellen Zahlen ist die vielfach hohe Dunkelziffer.
      Ohne Angaben oder zumindest vernünftiger Schätzung der Testzahlen sind auch die berechneten Verdoppelungszeiträume ohne echten Wert.
      GB meldet z.B. Testzahlen von gerade mal knapp 7500 im Durchschnitt der letzten 5 Tage bei gestern 2.433 neuen Fällen. Daraus kann man extrem wenig ableiten, außer, dass viel zu wenig getestet wird…

      In Italien hingegen sinkt langsam das Verhältnis von Infizierten zu durchgeführten Tests. Daraus kann man dann ableiten, dass auch die (wahrscheinlich immer noch) hohe Dunkelziffer dort LANGSAM sinkt. Und die Zahl der Genesenen steigt inzwischen prozentual schneller als die der neuen Infektionen, wenn man mehrtägige Durchschnitte nimmt.

      Bei welcher %steigerung der Fallzahlen(und „genügend“ Tests) sehen Sie, dass man LANGSAM wieder hochfahren könnte?

      Antworten
      • Avatar
        troodon sagte:

        Und noch ein kleine Ergänzung zu D.
        Die von den Gesundheitsämtern gemeldeten Zahlen sind zwar Sonntags in ihrer Gesamtheit immer mit gewisser Vorsicht zu genießen, da dann nicht alle Ämter Fallzahlen veröffentlichen. ABER die %Steigerung lag am Sonntag vor zwei Wochen noch bei 28,2%, letzten Sonntag bei 12,6% und gestern bei 7,2%. Die Richtung stimmt… Man muss es einfach die nächsten Tage beobachten, ob es schon stetig unter +10% fällt.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ troodon

        Was wir aufgrund unseres NICHTWISSENS betreiben:

        Jede Ansteckung ist potenziell TÖTLICH.

        Also muss möglichst jede vermieden werden.

        Das ist die Logik des Nichtwissens.

        Man müsste WISSEN, WER immun ist, d. h. die Krankheit ohne gesundheitliche Schäden hinter sich gebracht hat.

        Unter der Annahme, dass sich diese Menschen nicht gleich wieder mit irgendetwas anstecken und schwer krank werden, KANN und SOLLTE man sie auf die übrige Menschheit loslassen.

        Solange man keinen Impfstoff hat, scheint mir DIESE Strategie des TESTENS am sinnvollsten zu sein.

        Wenn so, dann müssten die Vorbereitungen auf zukünftige Epidemien in diese Richtung laufen.

        Wie denken Sie darüber?

      • Avatar
        troodon sagte:

        @ Dietmar Tischer
        Ich denke, dass die Virologen sehr genau wissen, was tun ist. Leider ist dies nicht alles sofort umsetzbar…

        “ Man müsste WISSEN, WER immun ist“
        Der Start dafür ist in Planung:
        „Deshalb soll eine groß angelegte Studie, die der Epidemiologe Gérard Krause vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig koordiniert, von April an in Blutproben von mehr als 100 000 Deutschen nach Antikörpern fahnden, wie der Spiegel berichtete. Die Ergebnisse sollen dazu beitragen, dass sich die Zahl der Immunen und der noch Gefährdeten besser abschätzen lässt.“
        https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/coronavirus-immun-1.4859227

        100.000 sind schon mal besser als 0…
        So fügt sich dann ein Teil in das andere und dann ist es eine Abwägung, wann der Restart erfolgen kann etwas gesicherter.

        Wenn ich Zahlen,Statistiken verfolge, ist es nicht mehr als eine kleine Spielerei um wenigstens etwas für meine eigene Meinungsbildung selbst zu tun. Ein kleines Anrennen gegen die eigene Hilflosigkeit.

        Wenn man die Zahlen (inkl. Tests) aus dem eigenen Landkreis kennt, weil dieser die veröffentlicht, dann kann ich nur hoffen, dass woanders tatsächlich ERHEBLICH mehr getestet wurde.
        Einwohnerzahl rd. 211.000, durchgeführte Tests (per gestern) 559, davon 95 positiv. Die Testzahl ist lächerlich gering, die Dunkelziffer somit wahrscheinlich hoch… Okay 204 Testergebnisse sind noch offen,die habe ich bei den 559 nicht hinzugerechnet, aber trotzdem viel zu wenig, um die Infizierten tatsächlich zu finden.

      • Avatar
        Bauer sagte:

        @ troodon, @ D. Tischer

        Wem sagen Sie es? Ich kämpfe auf der statischen Ebene ebenso wie renommierte Virologen um verlässliche Zahlen. Nach vielen Testläufen meine ich, dass die Zahlen der Lethalität noch am ehesten glaubhaft sind. Man kann Leichen nicht so einfach unter den Teppich kehren wie Ansteckungen. Nachdem nun reichlich Zahlenmaterial diverser Länder zu Verfügung steht, meine ich, dass die Lethalität bei etwa 1.5 % anzusetzen ist. Da die Todesfälle nicht mit den gleichzeitigen Ansteckungen ins Verhältnis bebracht werden dürfen, da sie ja fie Folge einer weit früheren Ansteckung sind, verwende ich eine Verzögerung von 7 Tagen, um von Todesfällen auf Ansteckungen rückzuschliessen. Allerdings behalte ich die Ergebnisse für mich, da sie in mehrfacher Hinsicht angreifbar sind. Sie gehen jedoch in meine allgemeine Lagebeurteilung ein, und die ist trübe.

        Das sind natürlich Annahmen, aber immerhin logisch fundierte. Weiterhin gilt es, folgende Unsicherheiten in Betracht zu ziehen:

        1- COVID-19 ist ja nicht neu, sondern existiert unbemerkt unter anderen Grippeerregern seit mindestens fünf Jahren. Damit ist anzunehmen, dass ein Teil der Bevölkerung (je nach Land verschieden) bereits mindestens eine Teilimmunisierung hat, ganz einfach weil vordem nie gezielt auf COVID-19 getestet wurde und daher nicht erkannt wurde. Diese Annahme könnte nur dadurch erhärtet werden, dass genügend grosse Querschnittproben aus archivierten Blutproben zwischen Jan. und März 2019 (die Jahreszeit ist wichtig) nachuntersucht würden. Leider bislang Fehlanzeige.

        2- Da schon längst mangels Kapazitäten nicht mehr alle Neufälle klinisch durchgetestet werden, werden unauffällige Fälle der Einfachheit halber als COVID-19-Fälle diagnostiziert, aber wieder nachhause geschickt. Das mag aus medizinischer Sicht zulässig sein, verwischt aber das Bild.

        3- Am anderen Ende, der Lethalität, ist inzwischen erhärtet, dass es sich hier in grosser Mehrzahl um >65 alte Patienten mit erheblicher Vorbelastung durch die üblichen Alterskrankheiten (Diabetes, Koronardefizienz, Lungenschwäche, Krebs, Hypertonie, u.a.m.) handelt. Hier kann man den Tod nicht einfach als COVID-19-Fall klassifizieren, da er u.U. noch im laufenden Jahr wegen der Vorbelastung eingetreten wäre..

        Punkt 1- ist für die Einschätzung der Durchseuchung von immenser Bedeutung, denn wahrscheinlich wird eine wesentlich geringere Rate als die Merkel’schen 70% schon adäquat sein.

        Punkte 2- und 3- betreffen unmittelbar die gemeldeten Zahlen, denn objektiverweise müssten die auch ohne COVD-19 eintretenden Fälle in Abzug gebracht werden. Allerdings stehen da die Ärzte dazwischen, deren Urteil natürlich fachlich, kulturell und persönlch gefärbt ist. Die auffällig unterschiedlichen Verhältniszahlen von Land zu Land haben wohl da ihre Ursache.

        Ich wiederhole das Resümé: es wird noch dauern.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @Bauer
        Bisherige Zahlen der Gesundheitsämter (rd.88% sind per 20:19 Uhr veröffentlicht) lassen einen heutigen Anstieg von „nur“ etwas über 7% bei den Fallzahlen erwarten.Vor einer Woche waren es noch 11,3%. Richtung stimmt in D.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Jede Ansteckung ist potenziell TÖTLICH. Also muss möglichst jede vermieden werden“

        Keine taugliche Handlungsmaxime. Es gilt zum Beispiel auch:

        „Jedes Überqueren der Straße ist potentiell tödlich. Also muss möglichst jedes vermieden werden.“

        Man muss schon versuchen, die „Tödlichkeit“ genauer zu quantifizieren und die Kosten und den Nutzen der Schutzmaßnahmen bestimmen (und wie effektiv die Möglichkeiten sind, einen Schaden zu mildern wenn er tatsächlich eingetreten ist) – es sei denn, man will sich selbst völlig lähmen, was wiederum extrem negative Konsequenzen hat.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >„Jedes Überqueren der Straße ist potentiell tödlich. Also muss möglichst jedes vermieden werden.“>

        Das ist kein passender Verweis.

        Denn die „Tödlichkeit“ der Straße kann JEDER SELBST sehr gut vermeiden, wenn er auf die Ampeln achtet oder die Straße nur dann überquert, wenn kein Verkehr auf ihr stattfindet.

        DIESES „jeder selbst“ gibt es aber nicht, wenn das Virus sie so befällt, wie es der Fall ist.

        Erzwungene Kontaktvermeidung in der Gesellschaft anlässlich des Coronavirus ist wie „Ampeln an Straßen installieren“.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        „Denn die „Tödlichkeit“ der Straße kann JEDER SELBST sehr gut vermeiden, wenn er auf die Ampeln achtet oder die Straße nur dann überquert, wenn kein Verkehr auf ihr stattfindet“

        Unpraktikabel. Das kann bei normalen Bedingungen ja stundenlang dauern, wenn man wartet, bis „kein Verkehr stattfindet“.

        Verkehrsunfälle mit Fußgängern, auch tödliche, gibt es übrigens auch an Ampelanlagen, in meiner eigenen Familie ist das passiert, und der Fußgänger hatte sogar grün, was der Autofahrer allerdings übersehen hatte. Ging zum Glück sehr glimpflich aus.

        Worauf ich hinauswill ist, dass wir andauernd Dinge tun, die potentiell tödlich sind, das gehört einfach zum allgemeinen Lebensrisiko dazu. Und oft liegt die Kontrolle über diese Situationen jenseits unserer absoluten persönlichen Kontrolle und kann auch durch Sicherheitsmaßnahmen nicht komplett entschärft werden.

        Eine passendere Analogie (zumindest für Leute ohne eigenen Pilotenschein…) wäre diese hier:

        „„Jede Flugreise ist potentiell tödlich. Also muss möglichst jede vermieden werden?!?“

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        > Worauf ich hinauswill ist, dass wir andauernd Dinge tun, die potentiell tödlich sind, das gehört einfach zum allgemeinen Lebensrisiko dazu.>

        Ist natürlich so, bestreit ich nicht und bestreitet auch kaum ein vernünftiger Mensch.

        Es geht aber beim Coronavirus um etwas anderes:

        Sind Menschen ihrer Lage und Einschätzung nach HILFLOS einer Todesgefahr ausgeliefert oder nicht?

        Das sind sie.

        Anders z. B. bei HIV/AIDS.

        Hier agieren die Regierungen ganz anders, nämlich geradezu mit Schulterzucken, auch wenn bis jetzt schätzungsweise 25 bis 35 Millionen Menschen an dieser Krankheit gestorben sind.

        Warum?

        Man kann sich SELBST schützen.

        Wenn das so ist, werden eben NICHT Maßnahmen ergriffen, die eine ganze Volkswirtschaft in Schieflage bringen.

    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ troodon,, @ Bauer

      Die Richtung stimmt und es dauert noch.

      Für den Ausstieg zielt die Politik m. A. n. NICHT auf die Erreichung einer bestimmten Zuwachsrate, auch wenn sie den Ausstieg damit begründen wird.

      Meine Überzeugung:

      Die Politik ZIELT auf einen Ausstieg, der erst dann erfolgen soll, wenn das Verhältnis „Sterbezahlen zu positiv Getesteten“ in der Fortschreibung der positiv Getesteten UND der Fortschreibung der Sterbezahlen, die verfügbaren Bettenkapazitäten mit Blick auf Anzahl und Behandlungsdauer PERSPEKTIVISCH nicht überschreitet.

      Denn würde sie überschritten, hieße das:

      Bilder wie aus Italien und damit „Staatsversagen unter langjähriger CDU/SPD-Regierung“

      Die steigende Zahl der Sterbefälle ist eine Variable die eine große Rolle spielen wird, denn die Bettenkapazitäten ist bekannt und die Behandlungsdauer zumindest relativ gut einschätzbar.

      Eine stark steigende Zahl von Insolvenzen kann aber die Stimmung ganz schnell kippen lassen.

      Da würde m. A. n. ein „Nachsteuern“ bei den finanziellen Hilfen auch nicht mehr viel bewirken.

      Dazu bitte Ihre Einschätzungen.

      Antworten
      • Avatar
        ruby sagte:

        @Herr Tischer
        Horst Lüning geht im heutigen Beitrag von bisher durchschnittlich jährlich 2% Insolvenzen aus und hält 4% auf fünf Jahre machbar aber auch 15% bei einem Doppel-L-Verlauf, wobei die Falltiefe entscheidend sein kann.
        Interessant, weil damit wesentlich höhere Zinsen/Gewinne nötig sind.
        Persönlich tendiere ich zur Extrembetrachtung, aber das bleibt meine Reaktionsstrategie zur Risikobewäktigung.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ ruby

        Die Zahl der Insolvenzen ist das eine.

        Das andere ist, welche Zahl von ARBEITSLOSEN die Insolvenzen generieren.

        Denn diese Zahl kann wiederum sehr stark die Insolvenzen beschleunigen.

        Es ist daher eine, wenn nicht die KRITISCHE Zahl.

        Es kann einen Punkt of no return geben in der EINSCHÄTZUNG der Bevölkerung.

        Er wäre an der Dynamik der Zunahme der Arbeitslosen zu messen.

        Sie würde m. A. n. den Ausstieg ERZWINGEN.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @Dietmar Tischer
        „Die steigende Zahl der Sterbefälle ist eine Variable die eine große Rolle spielen wird, denn die Bettenkapazitäten ist bekannt und die Behandlungsdauer zumindest relativ gut einschätzbar.“
        Das erscheint mir sehr nachvollziehbar. Bilder wie aus Italien oder Spanien wird man unbedingt vermeiden wollen und dies sollte man aus meiner Sicht auch unbedingt tun.
        Was wäre die konkrete Rechnung ?
        Beispiel ab 100tsd Infizierte, 3%=3000 pro Tag neu, davon 10%-15% als Intensivpatienten, wären 300-450 pro Tag. Behandlungsdauer ist wie lange durchschnittlich ? 20-bis 30 Tage ?
        Bei den Zahlen, würde es noch ausreichen, aber die sind jetzt ohne Recherche von mir, was tatsächlich realistisch ist, besonders was die Behandlungsdauer betrifft.
        Von daher, was sind realistische Annahmen bei der Behandlungsdauer von Intensivpatienten?

        „steigende Zahl von Insolvenzen kann aber die Stimmung ganz schnell kippen lassen“
        Die Insolvenzen werden kommen. Nur wahrscheinlich nicht so schnell, so dass ich da auf Sicht von 4-6 Wochen noch nicht das große Problem für die breite Masse sehe.
        Wenn man sich nur auf Kredite bei den Hilfen verlässt, dann endet es aber düster, sehr düster in bestimmten Branchen. Ohne Aussetzung der MwSt für bestimmte Branchen ab z.B. Juni (Mai?) für einige (3 ?) Monate, um auch tatsächlich wieder ordentlich Umsatz zu generieren, wird es nicht gehen, wenn man tatsächlich massenhaft Insolvenzen vermeiden möchte. Es wird sie auch dann noch zahlreich geben, aber doch gedämpft.

        So blöd es klingen mag, ich denke eher, wenn das Wetter dauerhaft zu gut wird, wird es problematisch, die Einschränkungen bei
        der Freizeitgestaltung dauerhaft durchsetzen zu können. Von daher wird man um (Teil)Lockerungen ab Mai nicht herum kommen.
        Bis dahin werden dann hoffentlich auch erste Ergebnisse der Studie bzgl. Immunisierung vorliegen.
        Aber alles ist im Fluss und in einer Woche wissen wir wieder etwas mehr…
        6,8% war gestern „nur“ die Steigerung der neuen Fälle in D (Zahlen der Gesundheitsämter). Wahrscheinlich auch dem WE etwas geschuldet, aber wenn es auch die nächsten 3 Tage bei 8-9% oder weniger bleibt, dann stimmt die Richtung und die 3% sind per Mitte April durchaus realistisch. Warten wir es ab.

  2. Avatar
    Marco sagte:

    Man sollte sich halt als Unternehmer mit den Arbeitsmarktinstrumenten auskennen. Statt den Mitarbeitern zu kündigen, wäre das Kurzarbeitergeld vorzuziehen. Und 15 % Zinsen? Selbst beim Dispo erdreisten sich die Banken nicht mehr so ;)

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  3. Avatar
    Richard Ott sagte:

    bto: „Modelliert wurde hier ein Kredit in Höhe von 40.000 Euro zu 15 Prozent Zinsen. Dabei macht es keinen großen Unterschied, ob der Kredit bei 40.000 Euro oder 30.000 Euro liegt. Die Insolvenz tritt einen Monat später ein. Wie man sieht, kann sich das Unternehmen ohne Kredit noch bis Ende Mai retten. Mit Kredit kann Insolvenz bis Februar 2022 verzögert werden. Grund ist, dass jährlich nicht genügend Cashflow erwirtschaftet wird, um die Schuldenraten zurückzuzahlen. Derzeit verfügt das Unternehmen noch über ein Liquiditätspolster von 15.000 Euro.“

    15 Prozent Zins?! Das ist das zweite Problem mit dem Szenario und der Modellrechnung.

    Ich weiß nicht, welche Hilfsprogramme das Land Berlin auflegen wird und wie ineffizient die Antragsbearbeitung dort laufen wird (befürchte aber natürlich Berlin-typisch erstmal Schlimmes), aber das erscheint mir geradezu grotesk unrealistisch. In Sachsen gibt es für Fälle wie das Restaurant in Beispiel ein Sonderprogramm „Sachsen hilft sofort“ für Kleinunternehmen, das Nachrangdarlehen mit sehr flexiblen Rückzahlbedingungen und Konditionen für bis zu 50000 EUR mit 10 Jahren Laufzeit und 3 Jahren tilgungsfreier Zeit ausreicht. Zinssatz: 0%.

    Details hier: https://www.sab.sachsen.de/f%C3%B6rderprogramme/sie-ben%C3%B6tigen-hilfe-um-ihr-unternehmen-oder-infrastruktur-wieder-aufzubauen/sachsen-hilft-sofort.jsp

    Da sieht die Liquiditätsrechnung gleich völlig anders aus und die Fortführung des Restaurants erscheint realistisch.

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      Wolfgang Selig sagte:

      @Herrn Ott: Der Tagesspiegel aus Berlin berichtete am 24.3. von Zinssätzen in Höhe von 16%. Wenn der Kredit von der Förderbank über die Hausbank ausgereicht wird und diese am Risiko beteiligt ist, ist das bei der hohen Zahl von Zombieunternehmen und Insolvenzen in der Branche risikoadäquat, aber für den einzelnen bitter. Halte ich nicht für unglaubwürdig.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Selig

        Oh Gott. Wenn man zur Überbrückung von Liquiditätsproblemen welcher Art auch immer nur einen Kredit mit 16% Zinssatz angeboten bekommt, ist die Insolvenz in der Tat fast unausweichlich.

        Das zeigt aber eher, dass das ganze KfW-Finanzierungsmodell mit teilweiser Haftungsübernahme durch die Hausbank in der Corona-Krise nichts taugt. Wie es anders gehen kann, habe ich ja schon als Beispiel erwähnt. Mal sehen, wie viele Darlehen in Sachsen in den nächsten Tagen tatsächlich von der SAB (das ist die landeseigene sächsische Förderbank, die für das beschriebene Programm auch ohne Mitwirkung einer Hausbank tätig wird) ausgereicht werden; in der Theorie klingt das sächsische Modell jedenfalls deutlich besser.

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    Richard Ott sagte:

    bto: „Das Restaurant ist geschlossen, allen Mitarbeitern wurde gekündigt. Es gibt noch den Verkauf außer Haus, weshalb immer noch Umsatz erzielt wird. Die Personalkosten sind gesunken, aber nicht völlig wegen der Kündigungsfristen.
    (…)
    Bevor man jetzt denkt, die Unternehmer hätten auf die Entlassungen verzichten sollen: Sollte die Krise länger andauern, sinken die Personalkosten und damit der Verlust. Deshalb ist es wirtschaftlich der richtige Entscheid, obwohl es kurzfristig wenig bringt.“

    Vielleicht werden im Podcast ja noch mehr Hintergrundinformationen gegeben, die den Schritt erklären – aber auf Basis der bekannten Informationen und der aktuellen Gesetzeslage war die Kündigung der ganzen Mitarbeiter wohl ein großer Fehler. Für gekündigte Mitarbeiter kann nämlich keine Kurzarbeit beantragt werden. Damit hätte man ansonsten im Extremfall mit „Kurzarbeit Null“ bis 31.12.2020 die Personalkosten inklusive Sozialabgaben auf 0 reduzieren und trotzdem den Betrieb jederzeit wieder hochfahren können, falls sich die Corona-Lage bessert.

    Nachvollziehen kann ich die Entscheidung jedenfalls nicht.

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      Wolfgang Selig sagte:

      @Herrn Ott: Sehe ich theoretisch auch so wie Sie, aber zwischen Theorie und Praxis liegt ein großer Unterschied und hier ist entweder die Gastronomin oder Herr Dr. Stelter oder beide naiv:

      1. Der Anteil des Trinkgeldes beim Nettoeinkommen einer Kellnerin ist erheblich und wird durch Kurzarbeit nicht ersetzt. Die Leute bleiben also nicht in der Gastro.

      2. Nicht alle Steuererklärungen von Gastronomen sind 100% korrekt, ausgenommen Grossgastronomien wie Fastfoodketten oder Ikea. Zeigt sich bei Geld- und Sachgeschenken für die Belegschaft und an den Privatautos und -reisen der Gastronomen, die gelegentlich nicht zum versteuernden Einkommen passen…

      3. Kündigungsfristen in der Gastro stehen arbeitnehmerseitig nur auf dem Papier. Wenn ein Koch nicht mehr will, geht er. Sofort, noch vor Ende der Schicht. Arbeitsgerichte werden idR nicht gebraucht. Wir reden hier nicht von der Consultingbranche mit ihrer Schriftformgläubigkeit.

      4. Betriebsbindungen sind gerade in der Grossstadt selten. Ein Job ist nur ein Job und keine Berufung und daher schnell gewechselt. Die gleichen Leute räumen wahrscheinlich jetzt schon beim Drogeriemarkt das Regal mit neuem Toilettenpapier voll oder stehen beim Discounter hinter der Kasse.

      5. Fachwissen und Erfahrung beim Gastronomen sind extrem wichtig; beim Personal eher weniger. Die Belegschaft ist schneller wieder aufgebaut als etwa im Anlagenbau, wo die Bodentruppen jahrzehntelange Erfahrung haben und brauchen; Michelinsterneträger nehme ich hier aus.

      Was will ich damit sagen? Die Entscheidung könnte durchaus richtig sein, denn die meisten Virologen sehen Probleme bis Anfang 2022. Ein Gasthauseigentümer mag das durchhalten; ein Pächter ist am Ende.

      Die Bundesregierung träumt, das zu schaffen. Ich denke, wir erleben den hier schon viel diskutierten margin call durch einen schwarzen Schwan. Sobald die USA mehr als 1000 Tote wegen Corona täglich haben, kippt die Stimmung an Wall Street, denn dann frisst sich das Virus ins BIP, ins Sentiment, in die Steuerschätzung, in die Lieferketten und von da ins Warenangebot. Daraufhin beginnen die assets zu fallen (Verkäufe zur Beschaffung von Liquidität) und die Konsumentenpreise steigen. Die steigende Inflationsrate erhöht die Nominalzinsen und die Anleihekurse gehen nach Süden.

      Den Rest haben wir hier in den letzten Jahren oft genug debattiert.

      Ausnahme: die Infektionswelle ist nach ein paar Wochen durch und zwei Drittel der Weltbevölkerung sind immun geworden. Glaube ich nicht.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Selig

        Gehen wir für die Argumentation ganz grundsätzlich mal davon aus, dass die Zahlen alle wahrheitsgemäß sind, ersten um niemandem irgendwelche Steuerverkürzungen zu unterstellen und zweitens weil man sich in dem Fall die ganze Beispielrechnung auch komplett sparen kann, weil sowieso sinnlos.

        „Der Anteil des Trinkgeldes beim Nettoeinkommen einer Kellnerin ist erheblich und wird durch Kurzarbeit nicht ersetzt.“

        Stimmt, an das Trinkgeld hatte ich mit meiner Industrieperspektive gar nicht gedacht. Aber Sie vergessen auch etwas:

        „Die Leute bleiben also nicht in der Gastro. (…) Die gleichen Leute räumen wahrscheinlich jetzt schon beim Drogeriemarkt das Regal mit neuem Toilettenpapier voll oder stehen beim Discounter hinter der Kasse.“

        Wenn die Leute auf Kurzarbeit Null gesetzt worden wären (was dem Gastronomiebetrieb im Beispiel letztendlich Personalkosten von Null verschafft hätte, mit einem kurzen zeitlichen Verzug zwischen der Auszahlung der Kurzarbeitergeldes durch den Betrieb und die dann folgende Rückerstattung an den Betrieb vom Arbeitsamt), dann hätten sie sich nach den neuen Corona-Regeln als Regaleinräumer oder Kassierer noch bis zur Höhe des vorherigen Einkommens anrechnungsfrei Geld hinzuverdienen können, de facto also ein 40% Teilzeitjob zur Überbrückung und trotzdem in der Summe ein Lohn wie bei der früheren Vollzeit-Beschäftigung! Allerdings fällt das steuerfreie Trinkgeld weg…

        „Wie wirkt sich ein Hinzuverdienst / eine Nebenbeschäftigung auf die Höhe des Kurzarbeitergeldes aus?
        Wenn die Nebentätigkeit schon vor Beginn der Kurzarbeit durchgeführt wurde, ergeben sich keine Auswirkungen, erfolgt also keine Anrechnung auf das Kurzarbeitergeld. Nehmen Beschäftigte während des Bezugs von Kurzarbeitergeld eine Nebentätigkeit auf, wird das daraus erzielte Entgelt auf das Kurzarbeitergeld angerechnet, denn es liegt eine Erhöhung des tatsächlichen erzielten Entgelts vor.

        Mit den geplanten Änderungen der Bundesregierung sollen ab 01.04 2020 Beschäftigte in Kurzarbeit in Bereichen für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur und Versorgung notwendig sind aushelfen könne. (z.B. Landwirtschaft, Handel, Sicherheit, Transport oder im Gesundheitswesen) Zuverdienste sind dann bis zur Höhe des vorherigen Einkommens anrechnungsfrei.“
        https://www.arbeitsagentur.de/vor-ort/rd-sachsen/kurzarbeit
        [Soweit mir bekannt gilt die Regelung deutschlandweit, und nicht nur in der Regionaldirektion Sachsen]

        Ich glaube nicht, dass sich viele der Beschäftigten zu diesen Konditionen gegen die Kurzarbeit gewehrt hätten, wenn man ihnen die jetzt gültige Rechtslage erklärt hätte.

        Also bleibe ich dabei: Der Fehler hier war, den ganzen Beschäftigten so schnell zu kündigen, dass das Instrument Kurzarbeit nicht mehr genutzt werden konnte.

        „Die Entscheidung könnte durchaus richtig sein, denn die meisten Virologen sehen Probleme bis Anfang 2022.“

        Wenn die Situation wie jetzt bis Anfang 2022 anhält, ist das Restaurant sowieso nicht zu retten. Ich hätte trotzdem erstmal Kurzarbeit genutzt um mal bei potentiell null Personalkosten zu gucken, wie sich die Situation in den nächsten Monaten entwickelt.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Wolfgang Selig

        >Sobald die USA mehr als 1000 Tote wegen Corona täglich haben, kippt die Stimmung an Wall Street, denn dann frisst sich das Virus ins BIP, ins Sentiment, in die Steuerschätzung, in die Lieferketten und von da ins Warenangebot. Daraufhin beginnen die assets zu fallen (Verkäufe zur Beschaffung von Liquidität) und die Konsumentenpreise steigen>

        Ich war bisher einer derer hier am Blog, die an die Stabilisierung des Systems glaubte.

        Ich schreibe es immer noch nicht ab, aber meine Überzeugung wird brüchig.

        Denn richtig, mit den USA steht die Nummer 1 im Fokus.

        Bemerkenswert finde ich, dass das 2 BILLIONEN $-Paket die Aktienkurse am Freitag schon wieder auf Talfahrt geschickt hat.

        Anscheinend rückt jetzt auch Japan mit steigenden Infektionszahlen in den Blickpunkt.

        Und Europa?

        Noch nie lagen Worte und Taten so weit auseinander.

        Aber nur mal Deutschland:

        Wenn in den nächsten Wochen GLEICHZEITIG
        die Betten mit Beatmungsgeräten vollständig belegt sind und furchtbare Entscheidungen getroffen werden müssen, die Zahl der Insolvenzen steigt und die Menschen es nicht mehr ertragen, eingesperrt zu sein, dann helfen auch keine Ansprachen von Merkel und Steinmeier mehr.

        Ich habe keine Ahnung, was dann noch unter Regierung zu verstehen sein wird und was dann passiert.

        Selbst wenn dieser Kelch an uns vorbeigeht, ist nichts durch.

        Da bin ich so pessimistisch wie Sie.

        Ein wirksamer Impfstoff ist entscheidend und der kommt noch lange nicht.

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        Richard Ott sagte:

        Hessens Finanzminister Schäfer hat Selbstmord begangen. Die FAZ schrieb dazu:

        „Wie aus Ermittlerkreisen zu hören war, hat Schäfer einen Abschiedsbrief hinterlassen. Darin habe er die Gründe für seinen Suizid genannt. Dem Vernehmen nach soll Schäfer darin von einer „Aussichtslosigkeit“ gesprochen haben, die er gesellschaftlich, aber auch bezogen auf die wirtschaftliche Lage des Landes sehe. Diese Aussichtslosigkeit habe er unter anderem konkret auf die derzeitige Situation bezogen, die ihm offenbar „zu schaffen“ gemacht habe. Ob dies allerdings mit konkreten Ängsten in Bezug auf den Coronavirus zusammenhänge oder eher allgemeiner Art gewesen sei, das sei auch für die Ermittlungsbehörden derzeit nicht ersichtlich.“

        https://archive.vn/gaubx

        Die „vernehmlichen“ Informationen aus dem Abschiedsbrief wurden mittlerweile aus dem aktualisierten Artikel bei der FAZ getilgt.

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        Wolfgang Selig sagte:

        @Herrn Ott: Bitte nehmen Sie diesen Suizid nicht als Indiz, in Panik verfallen zu müssen. Bei solchen Leuten verzerrt sich krankheitsbedingt die Wahrnehmung. Das gab es zu allen Zeiten. Der Mann und seine Angehörigen sind zu bedauern.

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        Bauer sagte:

        @ W. Selig

        >> „Ausnahme: die Infektionswelle ist nach ein paar Wochen durch und zwei Drittel der Weltbevölkerung sind immun geworden.“

        Das ist frommes Wunschdenken. Bekanntlich breitet sich eine Epidemie nach dem Exponentialgesetz aus. Im vorliegenden Fall des COVID-19 liegt die ungebremste Verdoppelung der Ansteckung bei nur rd. 2 Tagen. Alle Bemühungen zur Vermeidung zielen darauf ab, dieses Intervall zu vergrößern und die Fallkurve unter die Exponentialkurve zu drücken. In China ist dies ab dem 28.01.20 gelungen, jetzt zwei Monate später ist die Entwicklung dort gebremst (wenn man den veröffentlichen Zahlen glauben will), der Virus jedoch deswegen nicht verschwunden. Er würde sofort wieder die Oberhand gewinnen, wenn die Quarantänemassnahmen vorschnell gelockert würden.

        In Italien ist die Bremse seit dem 01.03.20 wirksam, die Schlacht jedoch noch längst nicht gewonnen.

        In Fankreich ist die Ansteckungskurve ab dem 17.03.20 unter die e-Kurve gefallen. Gut, aber bis zur Konsolidierung ist noch ein weiter Weg, da die Gegenmassnahmen in Europa längst nicht so rigoros sind wie in China.

        In den USA liegt die Fallkurve voll auf der e-Kurve, d.h. dass Gegenmassnahmen sich in den Fallzahlen noch gar nicht niederschlagen, Vielleicht kann der im November neu gewählte Präsident dann als erste Amtshandlung Teilentwarnung geben.

        Soweit die unwiderlegbaren Tatsachen. Schlussfolgerung ist, dass wohl vor Jahresende keine grundlegende Besserung zu erwarten ist, eher dass der VIrus wie 1919 eine zweite Runde dreht. Die Immunisierung von zwei Drittel der Weltbevölkerung ist da in weiter Ferne, es wird Jahre dauern oder nie passieren. Der schwarze Schwan war schon da.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Herr Selig

        Doch, das ist schon eindeutig negativ zu bewerten, wenn ein Länderfinanzminister, der jetzt eigentlich die Abwicklung von Liquiditätshilfen organisieren sollte, stattdessen in den Selbstmord geht.

        „Bei solchen Leuten verzerrt sich krankheitsbedingt die Wahrnehmung.“

        Woher wissen Sie, dass er krank war? Bis gestern gab es keine solchen Informationen, der Mann hat offenbar ganz normal täglich seinen Ministerjob gemacht. Die Einschätzung, dass unsere gesellschaftliche und wirtschatliche Lage „aussichtslos“ sei, ist schon sehr pessimistisch – aber die kann man durchaus auch ganz rational begründen ohne eine Depression oder ähnliches zu haben.

      • Avatar
        troodon sagte:

        @Bauer
        „Schlussfolgerung ist, dass wohl vor Jahresende keine grundlegende Besserung zu erwarten ist,“

        Dies wird regional unterschiedlich sein und davon abhängen WIE das langsame Hochfahren der Wirtschaft in einigen Wochen vollzogen wird. In D nimmt die prozentuale Steigerung der Fallzahlen ab, obwohl die Testzahlen deutlich gestiegen sein dürften. Trotzdem wird immer noch zu wenig getestet…
        Und leider ist man in D nicht in der Lage täglich eine Zahl zu den bundesweit durchgeführten Tests zu veröffentlichen…

        In Korea lag der Zuwachs an neuen Fällen in den letzten 5 Tagen bei etwas über 1% pro Tag. Das Verhältnis von in den letzten 5 Tagen neuen Fällen zu durchgeführten Tests lag ebenso bei nur etwas über 1%. Gleichzeitig sind inzwischen mehr als 50% der ursprünglich Infizierten wieder gesund.

        Die USA hängen Europa deutlich hinterher und für etliche Schwellenländer (Indien,Brasilien) muss man von sehr, sehr negativen Entwicklungen ausgehen.

        Wenn wir in D bei unter 3% Zuwachs an neuen Fällen im Verhältnis zu bestehenden Fällen pro Tag liegen, dann wird man das System spätestens wieder langsam hochfahren.
        Merkel sprach m.W. davon man müsse den Verdoppelungszeitraum auf 10 Tage erhöhen, was rd. 7,2% Zuwachs pro Tag entspräche, bevor man über Lockerungsmaßnahmen in Angriff nehmen können. Das wäre mir zu früh.

        Betrachtet man die gegenüber dem RKI aktuelleren Zahlen, die auf Twitter von @risklayer von den einzelnen Gesundheitsämtern zusammengetragen werden, und nimmt einen mehrtägigen Durchschnitt der Steigerungszahlen, so nähern wir uns der 10% von oben an. Hier muss man einfach die Entwicklung weiter täglich verfolgen müssen.

        Und gelingt es D, dann wird es auch den USA mit zeitlicher Verzögerung gelingen. Leider mit eine riesigen Anzahl von Toten und Fällen, die in diesem Umfang definitiv nicht notwendig gewesen wären, wenn man dort rechtzeitiger gehandelt hätte.

      • Avatar
        Wolfgang Selig sagte:

        @Herrn Ott:

        Eigentlich mache ich so etwas nicht gerne, aber aus moralischen Gründen muss das jetzt raus:

        Ich bleibe bei meiner Meinung zu Finanzminister Schäfer. Weder fliegt ein gigantischer Asteroid mit Kollisionskurs auf die Erde zu noch drohen sonstige apokalyptische Katastrophen ohne jeglichen Ausweg. Wir haben einen Virus mit einer höheren Mortalitätsrate als andere Viren, aber können uns nicht mit der Pest vor Jahrhunderten vergleichen (ein Drittel verstorben). Ja, vielleicht geht der Euro den Bach runter oder die EU löst sich auf, wir bekommen eventuell eine Staatspleite oder eine große Inflation. Selbst eine verzockte Spekulation des Ministers mit dem Risiko der Privatinsolvenz wäre als Spekulation denkbar. Aber: Nichts davon würde einen Suizid rechtfertigen, denn das Leben geht weiter. Darüberhinaus besteht selbst für einen Landesfinanzminister die Möglichkeit eines Irrtums. Daher bleibe ich dabei: höchstwahrscheinlich eine sehr starke Depression, warum auch immer, denn das ist mit Abstand die wahrscheinlichste Lösung und die kurze Trauerrede des Herrn Ministerpräsidenten weist genau in diese Richtung. Und daher meine Schlussfolgerung: Krankheit.

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