Deflation oder Inflation, das ist hier die Frage!

Außerdem: die Konjunkturprognosen von ifo Institut und IWF im Realitätscheck

Welche Folgen die Corona-Krise für die Preisentwicklung haben könnte, steht in Folge 29 von „beyond the obvious – der Ökonomie-Podcast mit Dr. Daniel Stelter“ im Zentrum. In einer ersten Detailbetrachtung zu dieser komplexenFrage erläutert Daniel Stelter, welche Rolle der demografische Faktor dabei spielt.

Darüber hinaus analysiert er die aktuellsten Zahlen, die das ifo Institut und der IWF zur möglichen Entwicklung der Wirtschaft vorgelegt haben. Die Aussagen von Lars Feld zu den Konjunkturmaßnahmen in seiner Rolle als Vorsitzender des Sachverständigenrats der Bundesregierung werden ebenfalls thematisiert.

… oder hören Sie diesen Beitrag über Ihre eigene Player-App:

Kommentare (71) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Michael Stöcker sagte:

    Sehr geehrter Herr Präuner,

    für Ihr Verständnis: Es sind eigene Anleihen der EZB oder aber Anleihen der EU; je nachdem, worauf man sich politisch einigt. Ist das nun eine Sicherheit?

    Staatsanleihen/Staatsschulden sind in aller Regel vergangenes Nichts. Sie entwerten sich über die Inflation, die ja auch nur eine Steuer ist. Das Gleiche gilt dann auch für potentielle Anleihen der EZB.

    „Ich gebe nur zu bedenken, dass die ursprüngliche Definition: reine Erhöhung der Geldmenge , die zu einer Veränderung der relativen Preise( Definition so noch in: Theorie des Geldes und der Umlaufmittel) führt, vielleicht auch heute noch die bessere wäre“

    Von Mieses hat das jedenfalls so nicht formuliert; zumindest nicht in dem von Ihnen angeführten (Mach)Werk. Im Gegenteil: Der alte Regressionsesoteriker hat sich dort um eine konkrete Definition EXPLIZIT gedrückt und schrieb:

    „Dem aufmerksamen Leser wird es vielleicht auffallen, daß in diesem Buche vermieden wird, die Begriffe Inflation und Deflation (Restriktion, Kontraktion) genau zu umschreiben, ja daß sie überhaupt kaum, und dann nur an Stellen, wo es auf die Genauigkeit des Ausdruckes nicht besonders ankommt, Verwendung finden. Ich spreche nur von Inflationismus und von Deflationismus (Restriktionismus), und gebe eine genaue Umschreibung der Begriffe, die ich mit jedem dieser Ausdrücke verbinde. Dieses Verfahren bedarf augenscheinlich einer besonderen Rechtfertigung. […] In der theoretischen Untersuchung kann man mit dem Ausdruck Inflation vernünftigerweise nur einen Sinn verbinden: Eine Vermehrung der Geldmenge (im weiteren Sinne des Wortes, so daß auch die Umlaufsmittel darin eingeschlossen erscheinen), der keine entsprechende Steigerung des Geldbedarfs (wieder im weiteren Sinne des Wortes) gegenübersteht, so daß ein Sinken des inneren objektiven Tauschwertes des Geldes eintreten muß. Deflation (Restriktion, Kontraktion) wieder bedeutet: Eine Verminderung der Geldmenge (im weiteren Sinne), der kein entsprechender Rückgang des Geldbedarfs (im weiteren Sinne) gegenübersteht, so daß ein Steigen des inneren objektiven Tauschwertes des Geldes eintreten muß. Wenn wir diese Begriffe so auffassen, so ist festzustellen, daß beständig entweder Inflation oder Deflation im Gange ist, da ein Zustand, in dem der innere objektive Tauschwert des Geldes sich nicht verändert, wohl kaum jemals längere Zeit besteht.“ (Seite 224, 2. Auflage 1924)

    Sorry, Herr Präuner, aber diesen Schwätzer sollte man wirklich nicht ernst nehmen.

    „Könnte es sein, dass man die Aussage treffen kann, dass wir zwar wissen, dass eine dauerhafte Geldmengenerhöhungen zu langfristigen Schäden in der Wirtschaft führen, aber wir leider noch nicht wissen wo und wie dies genau geschieht?????“

    Bei konstanter Bevölkerung, einem maßvollen Wachstum von 1 bis 2 Prozent sowie einer Zielinflation von 2 % benötigen wir eine dauerhafte Erhöhung der Geldmenge, damit es gerade nicht zu langfristig deflationären Schäden kommt. Richtig ist allerdings, dass das Wachstum der Geldmenge oftmals über 4 bis 5 Prozent lag und gerade nicht investiv verwendet wurde. Ursächlich hierfür ist insbesondere der Matthäus-Effekt. Fehlende Nachfrage wurde dann über Verschuldung kompensiert. Dieses Geld landete wieder bei den 1 % und ist ganz URSÄCHLICH für die Assetinflation.

    „Aber welche der vielen Geldtheorien ist den jetzt richtig: Thomas Mayer, Keynes, Hayek, Mises, Ehnts, Friedman, Stadermann, Heinsohn & Steiger, Bernanke, Quass, Issing, Sinn, Summer, Blanchard, Stelter, die Ihrige etc. etc.“

    Da unser Geldsystem evolutorischer Natur ist, bin ich mir nicht sicher, ob es eine endgültige Geld-Theorie geben kann. Ein exzellenter Ausgangspunkt für ein adäquates Verständnis ist aber in jedem Fall Keynes und aktuell insbesondere Perry Mehrling, Steve Keen, Heinsohn & Steiger sowie Richard Werner. Und für ein paar ganz elementare Erkenntnisse empfehle ich Ihnen diese Beiträge von Herrn Menéndez, die Sie vielleicht noch nicht kennen:
    https://soffisticated.wordpress.com/2017/01/06/und-was-ist-nun-geld/
    https://soffisticated.wordpress.com/2016/07/16/skizze-einer-konjunkturtheorie-des-kreditgeldes/
    https://soffisticated.wordpress.com/2012/11/09/uberlegungen-am-rande/
    https://soffisticated.wordpress.com/2012/07/21/wozu-sind-banken-da/

    „Oder? Meine Vermutung: Wir wissen es einfach nicht!!!!!!“

    Ich teile Ihre Vermutung, Herr Präuner. Was aber noch schlimmer ist: Viele wissen noch nicht einmal, dass sie es nicht wissen. Dazu zählen leider nicht nur viele Ökonomen, sondern eben auch viele Banker und Zentralbanker.

    LG Michael Stöcker

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    Dietmar Tischer sagte:

    @ Christian Anders

    Zu Wachstum:

    >Diese ETWAS muss, was auch immer es ist, einen Absatzmarkt schaffen, der über das hinausgeht, was heute als Absatzmarkt zur Verfügung steht. Und zwar ein Absatzmarkt für reale Produkte und Dienstleistungen, nicht für Finanz- produkte/dienstleistungen.>

    Und auch richtig, dieses ETWAS muss VORHER passieren.

    Denn es ist offensichtlich, dass es aus den bestehenden, operierenden Märkten heraus nicht entsteht.

    WIE dann MUSS das Etwas geschaffen werden, damit NACHFRAGE und Absatz in (neuen) Märkten entstehen?

    Es muss an den existierenden Märkten vorbei ADMINISTRIERT entstehen.

    So geschieht es – mit der Energiewende.

    Das heißt aber auch:

    Man muss Bestehendes ENTWERTEN.

    Also beispielsweise die alte Ölheizung. Denn nur wenn diese nichts mehr wert ist, weil sie durch Besteuerung „bestraft“ oder gar verboten wird, entsteht Nachfrage nach einer neuen Heizung.

    Soweit so gut, bis zu diesem Punkt stimmt die Logik.

    Die Krux dabei:

    Man schafft DAMIT aber auch Arbeitsplätze bei den Herstellern von Ölheizungen ab, weil diese der Energiewende entsprechend nicht als Einzelprodukte, sondern als Typus bzw. „Gattung“ entwertet werden.

    DAS generiert Probleme:

    Wenn diese wegfallenden Arbeitsplätze nicht reibungslos durch andere mit der Energiewende entstehende kompensiert werden – was auch heißt: mit der Möglichkeit, gleiches Einkommen zu erzielen –, gibt es AKZEPTANZPROBLEME bei der Entwertung, d. h. dem Projekt Energiewende.

    Die Entscheider in der Politik wissen das ganz genau.

    Die heute im Bundestag verabschiedete Abschaltung der Kohlekraftwerke müsste nicht mit 50 Mrd. EUR „begleitet“ werden, wenn man die auf europäischer Ebene eingeführten Verschmutzungszertifikate effektiv zum Einsatz kommen lässt. Man könnte allein dadurch noch vor 2038 alle Kohlekraftwerke abgeschaltet haben. So auch immer wieder Dr. Stelter.

    Man hätte damit allerdings auch auf unerträgliche regionale Arbeitslosigkeit „hochgeschaltet“.

    Das ist politisch und sozial höchst risikoreich und mit Arbeitskräftemobilität nicht zu lösen.

    Deshalb will man mit dem begleitenden Geld um jeden Preis steigende Arbeitslosigkeit vermeiden.

    Ich glaube nicht, dass es für alle Industrien und Produkte gelingt.

    Denn die Problematik der E-Mobilität z. B. ist nicht nur technologisch mit Problemen behaftet, sondern auch mit gravierenden sozialen, worauf ich immer wieder hinweise.

    Zu schnell steigende Inflation unter Kontrolle halten:

    >Sie können es WOLLEN, das ist noch kein KÖNNEN. >

    Völlig klar.

    Es ist im Augenblick offen, Prognosen sind fehl am Platz.

    Was man aber sagen kann:

    Es wird mit WEITEREM VerschuldungsAUFBAU ein Desaster, d. h. den Systemcrash zu verhindern gesucht – was bisher auch gelungen ist – und daher wird folglich die Frage sein, ob Staaten und Notenbanken VERHINDERN können, dass eine damit zusammenhängende unvermeidbar zunehmende ASSETPREISinflation zu einem Systemcrash führt, was die Inflationsdebatte erst einmal beenden würde

    ODER,

    ob sie VERHINDERN können, dass die eigene Währung, also der Euro derart unter Abwertungsdruck gerät, dass eine Inflation der Verbraucherpreise nicht zu vermeiden und letztlich ein Systemcrash unausweichlich wäre.

    Aktuelles Beispiel:

    Im Libanon können die Geschäfte wegen der Abwertung des Libanesischen Pfunds nicht mehr die Importe bezahlen und öffnen nicht mehr. Die Zentralbank hat nicht genügend Devisen, um die eigene Währung zu stützen. Es sieht daher so aus, als sind Wirtschaft, Währung und Staat allesamt am Ende.

    Bei EU/Eurozone hätten wir vorher ein Auseinanderbrechen durch austretende Länder, was auch im Systemcrash enden würde.

    Man kann natürlich auf GRÖSSE und wirtschaftliches GEWICHT spielen, wie jetzt mit der Finanzierungswende.

    Das schützt aber per se nicht vor einem möglichen Desaster.

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      Christian Anders sagte:

      @DT

      „Die Krux dabei“

      Die Krux aus meiner Sicht ist, platt gesagt, dass die Masse nur so viel nachfragen kann, wie sie Geld hat. Egal, was man „am Markt vorbei“ als Angebot oder sogar Zwangsabnahme vor ihre Füße hinadministriert.

      Das führt mich zu der Folgerung, dass ohne steigende Realeinkommen der Masse nichts, was man sich überlegt, verfangen kann. Denn Investitionen werden auch nur deshalb getätigt, um etwas bereitzustellen, was jemand anderes abnimmt. Nach einer Kette von Investitionen kommt irgendwann ein Konsumgut/-dienstleistung/-wohnrecht, und wird dieses Endglied nicht nachgefragt, bricht die Vorkette zusammen (bildlich gesprochen).

      Die Realeinkommen kann man aber überhaupt nur steigen lassen, wenn man dafür einen allmählichen Preisauftrieb (aka Inflation) in Kauf nimmt. Sollte diese zum Desaster führen, aus Gründen, die Sie anführen und sollte ferner ich recht haben, dass die notwendige Bedingung einer Lösung in steigendem Realeinkommen der Masse liegt, DANN ist das Dilemma perfekt.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        >Die Krux aus meiner Sicht ist, platt gesagt, dass die Masse nur so viel nachfragen kann, wie sie Geld hat.>

        Richtig.

        >Das führt mich zu der Folgerung, dass ohne steigende Realeinkommen der Masse nichts, was man sich überlegt, verfangen kann.>

        Nicht zwangsweise.

        Der Staat kann den Leuten, die eine andere Heizung einbauen sollen bzw. aufgrund von Regulierung MÜSSEN, Folgendes anbieten:

        Eure Ölheizung hat noch einen Wert von x, ich gebe Euch einen Zuschuss in dieser Höhe zum Kauf einer neuen, umweltfreundlichen.

        Er könnte auch sagen: Ich bezahle Euch die neue Heizung.

        Wenn der Staat es WILL, kann er so Nachfrage generieren.

        Das tut er auch, etwa bei den E-Automobilen:

        Zuschüsse zahlen UND die Verbrenner durch Regulierung diskriminieren oder verbieten.

        Dann, aber erst DANN kommt wieder Markt in Gang und wird auch wieder mehr investiert. Denn es wird einen Anbieterwettbewerb geben, aber eben nur für umweltfreundliche Produkte, etwa Heizungsanlagen.

        Deshalb müssen und wollen die Grünen auch nicht den Markt abschaffen und das Gerede von Sozialismus ist falsch.

        Dirigismus, interventionistischer Zentralismus und Ökodiktatur sind vielmehr die Themen.

        Gibt es die neuen Märkte mit einer GEGEN originäre Märkte ERZWUNGENEN Nachfrage wachsen die Einkommen der Beschäftigten ausgehend von der Nachfrage nach umweltfreundlichen Produkten.

        Auf dieser Basis wird von den Grünen und „grüner Wissenschaft“, etwa einer C. Kemfert EXTRAPOLIERT:

        Wenn wir bei erneuerbarer Energie und der damit umzustellenden Technik wie Heizungsanlagen etc. genauso gut und innovativ sind wie mit konventioneller Technik, haben wir fantastische Chancen, unseren Wohlstand zu halten und sogar zu mehren. Schließlich will und muss die Welt umweltfreundlich werden – so die Begründung.

        Die Frage ist nun:

        Kann der Staat dieses Vorgehen, d. h. die Zuschüsse FINANZIEREN?

        Ja, das kann er – erst einmal und zwar OHNE Steuern zu erhöhen.

        Denn er kann Kredite am Kapitalmarkt aufnehmen und dabei wie wir kaum Zinsen zahlen bzw. sogar noch Geld geschenkt bekommen, weil deutsche Anleihen als sichere Anlage gelten.

        Er kann sich alternativ auch Geld von der Zentralbank beschaffen, wenn sie die Staatsanleihen kauft.

        Ob das eine oder andere am Ende des Tages zu Inflation führt, bleibt erst einmal offen.

        Viel wird davon abhängen, ob die Entwertung konventioneller Technik stärker wirkt – und zwar durch den Abbau von Arbeitsplätzen und damit verbunden den Entfall von Einkommen DEFATIONÄR stärker wirkt – als das Wachstum, das umweltfreundlicheTechnik generiert.

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        Christian Anders sagte:

        @DT

        Ich sehe den Weg, den Sie hier aufzeigen, aber zweifel daran, dass er zum Ziel führt. Was Sie von Kemfert zitiert haben:

        „WENN wir bei erneuerbarer Energie und der damit umzustellenden Technik wie Heizungsanlagen etc. genauso gut und INNOVATIV sind […]
        (Hervorhebungen von mir)

        Diese Wenn-Dann-Beziehung hat Innovation als Bedingung. Nun halte ich, ohne mich auf eine Theorie oder Empirie beziehen zu können, Inflation für einen Innovationstreiber, insbesondere, wenn sie von steigenden Löhnen ausgeht.
        Meine Überlegung dahinter ist, dass die Innovationskraft der Vergangenheit v. a. aus KMUs entspringt, die getrieben von Kostendruck in Entwicklung hin zu mehr Produktivität investierten. Preistreiber dazumal, insbesondere für den Exportsektor, war die unter stetigem Aufwertungsdruck stehende D-Mark.

        Dieser Bewertungsmechanismus existiert nicht mehr, der Euro steht in seinem jetzigen Zustand Lichtjahre entfernt von irgendwelchen signifikanten Aufwertungsdrücken.

        Was bleibt, um Kostendruck hin zu mehr Innovation zu schaffen, zumal in einem Land wie D, das auch noch Exportüberschüsse erzeugt?

        Ich sehe nicht, dass der Staat neben administrieren von Konzepten auch noch die gesamte Innovationskette hin zu diesen Konzepten bedienen kann. Wie dann aber die von Kemfert formulierte Wenn-Dann-Beziehung ins Leben treten kann, wenn es eigentlich auch keine Inflation geben darf/soll – diese Frage speist meinen Zweifel.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        Vorab:

        Ich habe nicht Frau C. Kemfert zitiert, sondern – stellvertretend für andere Protagonisten aus dem Energiewende-Lager – ihre in TV-Talk-Runden wiederholt vorgebrachte Auffassung dargelegt, um zu zeigen, wie für die Energiewende im Sinne eines „grünen Wirtschaftswunders“ argumentiert wird.

        Das tut nichts weiter zur Sache, weil es thematisch nichts ändert, verdient aber die Richtigstellung.

        Sie sagen:

        >… halte ich… Inflation für einen Innovationstreiber, insbesondere, wenn sie von steigenden Löhnen ausgeht. Meine Überlegung dahinter ist, dass die Innovationskraft der Vergangenheit v. a. aus KMUs entspringt, die getrieben von Kostendruck in Entwicklung hin zu mehr Produktivität investierten.>

        Ich bin da anderer Meinung:

        Es ist zwar richtig, dass steigende Löhne der Erfahrung nach Inflation zur Folge haben.

        Sie sind aber per se kein Innovationstreiber, sondern setzen Anreize, die PRODUKTIVITÄT zu erhöhen, z. B. durch Rationalisierungsinvestitionen oder Qualifizierung der Belegschaft. Denn eine höhere Produktivität kompensiert die durch steigende Löhne höheren Kosten und verbessert dadurch tendenziell die Wettbewerbsposition.

        Innovationen sind dagegen NEUERUNGEN, die auf einen höheren Nutzen zielen (mit der Energiewende freilich nicht mehr auf einen individuell erfahrbaren, sondern einen übergeordneten, das Klima betreffenden, der auch GEGEN den individuell erfahrbaren Nutzen gerichtet sein darf).

        Wenn so, wie kommt dann eine auf WACHSTUM basierende Inflation zustande?

        Sie muss durch Nachfrage generiert werden.

        Was die INLANDSNACHFRAGE betrifft, habe ich das zuvor dargelegt:

        Der Staat setzt durch monetäre Zuschüsse für neue Produkte und die Diskriminierung konventioneller Anreize für Nachfrage. Wenn z. B. die betriebene Ölheizung stillgelegt werden muss, wird zwangsläufig ein neues Heizungssystem nachgefragt (bei Immobilien, Industrien können dem natürlich durch Migration entgehen).

        Bei der hohen Produktivität unseres verarbeitenden Gewerbes und bei den hohen Arbeitskosten brauchen wir auch AUSLANDSNACHFRAGE, um das nationale Wohlstandsniveau zu halten.

        Damit bin ich bei Ihrem Punkt:

        DIESE kann der Staat NICHT administrieren.

        Er müsste für zweierlei sorgen:

        Erstens müsste er sicherstellen, dass in anderen Nationen NACHFRAGE nach unseren Energiewende-Produkten besteht.

        Das kann er nur sehr begrenzt, etwa im Rahmen der EU, wo die Energiewende vorangetrieben werden soll.

        Das schafft er vielleicht noch, wenn er u. a. den Polen mit massiven Zuwendungen aus dem Geldtopf die Zustimmung abkauft.

        Außerhalb der EU dürfte das jedoch kaum möglich sein, auch wenn man es schon mal mit leisen Drohungen versucht, wie unsere ach so auf internationale Kooperation ausgerichtete Kanzlerin. Hier:

        https://www.tagesschau.de/inland/merkel-macron-255.html

        Daraus:

        >Macron wirbt bei Merkel auch um einen Klima-Plan, dem die Kanzlerin bisher eher Skepsis entgegenbrachte: Es geht um eine CO2-Grenzsteuer, die Frankreichs Präsident vorantreibt – sie würde Importe aus Drittländern mit niedrigeren Umweltstandards besteuern. Merkel unterstützt Macron, dringt aber darauf, dass diese CO-Zwei-Steuer WTO-Richtlinien entsprechen müsse:

        „Das ist nicht ganz trivial. Aber wenn wir sehr ambitionierte Klimaschutzziele haben, dann müssen wir uns denen gegenüber auch schützen, die Produkte durch viel mehr CO2-Ausstoß produzieren und zu uns importieren.“>

        Sich schützen zu müssen, die klassische Begründung mit Zöllen einen Handelskrieg zu beginnen, wenn auch mit dem Feigenblatt WTO-Richtlinien, nun auch aus dem Munde unserer Kanzlerin.

        Das ist schon sehr bemerkenswert wie auch, dass dies, soweit ich sehe, kaum öffentlich thematisiert wird.

        Zweitens müsste unser Staat sicherstellen, dass die deutsche Energiewende WETTBEWERBSFÄHIG ist, wenn es eine Auslandsnachfrage geben sollte.

        Das ist die Bedingung, an der unsere Hersteller von Solarpanelen gescheitert sind.

        Denn China ist genauso gut (innovativ) auf diesem Gebiet, fertigt aber kostengünstiger und betreibt möglicherweise aus einer nahezu unvergleichlichen Machtposition heraus zudem noch Dumping.

        Fazit:

        Mit der Brechstange, die der Staat mit der Energiewende auspackt, kann er zwar neue Nachfrage, aber NICHT die weiter reichenden VORAUSSETZUNGEN schaffen, die erforderlich wären, auf Wachstum basierende nachhaltige Wohlstandsgewinne zu generieren und dabei erträgliche Inflationsraten einschließen könnten.

        Was er allerdings schaffen kann, solange es keinen Widerstand gibt:

        Entwertung von Wohlstand schaffender inländischer Produktion.

        Wir werden mit grünem WUNSCHDENKEN konfrontiert, das vor allem auf dem unerschütterlichen GLAUBEN beruht, wir könnten die Welt retten.

        Die Welt hat sich noch NIE retten lassen und wird sich auch zukünftig NICHT retten lassen.

        Sie VERÄNDERT sich immer nur.

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    Michael Stöcker sagte:

    Vielen Dank für das ausgezeichnete Video von Rieck & Sauer. Ich schätze viele der Videos von Rieck, hatte aber immer wieder meine Probleme, wenn er auf das Thema Geld zu sprechen kam. Mit dem Rückgriff auf Sauer ist er mAn nun auch hier auf dem richtigen Weg und legt sein Digni-Geld ja vielleicht schon bald ad acta.

    Ich teile die Einschätzung von Sauer uneingeschränkt, dass es in aller erster Linie auf die Qualität der Zentralbankbilanz ankommt. Letztlich dreht sich in einem Kreditgeldsystem alles um das Thema Bonität/Kreditwürdigkeit auf der zweiten Stufe des Geldsystems; also dort, wo die Kreditvereinbarungen ihren Ursprung haben. Solide Kreditkontrakte (von daher waren in der Vergangenheit Wechsel/Rediskontkontingente ein gängiges Instrument der Bundesbank) sind für eine stark expansive Zentralbankbilanz völlig unproblematisch, da hierdurch ja keine neuen Kredite vergeben wurden, sondern sich lediglich die Assetallokation ändert. Am ZLB (Nullzinsgrenze) ist es zudem attraktiver Zentralbankgeld zu halten, da es weniger risikoreich ist als eine Anleihe, die einem Zinsänderungsrisiko unterliegt.

    Eine aufgeblähte Zentralbankbilanz ist allerdings ein Warnsignal, dass es sehr wahrscheinlich an anderer Stelle Probleme gibt. Und diese Probleme sind insbesondere solche, die durch die Zentralbank nicht gelöst werden können, sondern insbesondere durch die Lohn- und Fiskalpolitik. Darauf hat auch Larry Summers nochmals jüngst hingewiesen, der nun die Geister nicht mehr los wird, die er einst rief: http://larrysummers.com/2020/06/29/u-s-workers-need-more-power/

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      Michael Stöcker sagte:

      Mehr zu diesen Problemen mit der Geldmengenbestimmung gibt es ebenfalls bei Sauer: https://youtu.be/JsW_DIx_7UU ebenso zum Geldschöpfungsmultiplikator sowie der unseligen Umlaufgeschwindigkeit. Und genau wegen dieser Theoriedefizite rede ich mit dem Bezug auf die Umlaufgeschwindigkeit immer mal wieder von Rummelökonomie oder aber auch vom naiven Monetarismus 1.0.

      Ein weiterer ganz wichtiger Punkt bei Sauer: Die Ursache für die hohen Assetpreise sieht er wie ich im niedrigen Zinsniveau. Ein weiterer Aspekt, der die Assetpreise treibt, ist mAn der Matthäus-Effekt, der durch die jahrelange unterdurchschnittliche Lohnentwicklung (siehe Summers) eine Beschleunigung erfahren hat. Zu viel Geld in den Händen der Wenigen treibt die Preise der knappen Bestandsassets (insbesondere Grund und Boden), statt in den Händen der vielen für Güternachfrage und somit Beschäftigung zu sorgen.

      Ebenfalls stimme ich mit Sauer überein, dass wir im Euro ein dreistufiges Geldsystem benötigen, damit sich die Zinsen schon frühzeitig am Interzentralbankenmarkt ausspreizen können und nicht erst dann, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist.

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    • Avatar
      Michael Stöcker sagte:

      @ Christian Anders

      “Ich sehe aber auch den Widerspruch zu MMT nicht. Da in MMT KEINERLEI Inflationstheorie enthalten ist”

      Ich bin bekanntlich kein MMT Anhänger; aber eine Art Inflationsvorstellung – für eine Theorie reicht das keinesfalls – haben die schon: Die Preise beginnen zu steigen bei voller Auslastung/Vollbeschäftigung. Ansonsten teile ich Ihre Einschätzungen, Herr Anders.

      Antworten
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        Christian Anders sagte:

        @M. Stöcker

        „Ich bin bekanntlich kein MMT Anhänger; aber eine Art Inflationsvorstellung – für eine Theorie reicht das keinesfalls – haben die schon: Die Preise beginnen zu steigen bei voller Auslastung/Vollbeschäftigung.“

        Wie ich sagte: Eine Inflationstheorie haben die MMTler nicht. Vorstellungen haben viele Menschen von vielen Dingen, nichts davon ist eine Theorie.

        Es ist ziemlich klar, was ein Gedankengang mindestens leisten muss, um eine Theorie zu sein:

        – innere logische Schlüssigkeit
        – Widerspruchsfreiheit zu belegten (genauer: unwiderlegten) Axiomen
        – kausale Verknüpfungen zu/zwischen messbaren Phänomenen herstellen
        – klare, eingegrenzte Definition des Gegenstands der Theorie

        Insofern – man mag mich als interessierten Laien korrigieren – kommt die Ökonomie nach der Widerlegung des Monetarismus ohne eine allgemeine Inflationstheorie aus. So wie auch ohne eine vollständige Konjunkturtheorie. Also ein Verständnis der Funktion zweier tragender Säulen von Wirtschaft fehlt eigentlich komplett.

        Da sie ja gerne wie eine Naturwissenschaft wäre, ist sie damit vergleichbar zur Physik des 16. Jhdts. (der Seitenhieb musste sein)
        Unterschied: Den Naturbeobachtern war klar, wie viel sie nicht wissen.

        Ich kann natürlich als Naturwissenschaftler mit Faible für Wirtschaft hier arg zu streng sein.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        Kein Widerspruch, sondern nur als Ergänzung:

        Wenn die Theorie etwas mit der REALITÄT zu tun haben will, d. h. die Welt oder einen Ausschnitt von Welt so zu beschreiben, wie er WIRKLICH ist, dann sind messbare Phänomen nicht hinreichend.

        Denn auch IRRELEVANTES kann von der Theorie als zu Messendes ausgegeben werden.

        Es MUSS hinzukommen:

        Die Theorie muss auch EMPIRISCH ADÄQUAT sein.

        Ob das der Fall ist, wird durch Beobachtungen überprüft.

        Empirische Adäquatheit ist nur notwendige, aber nicht hinreichend für die Wahrheit einer Theorie.

        Und sie ist nur vorläufig feststellbar, weil ZUKÜNFTIGE Beobachtungen ihr und damit auch der Theorie widersprechen können.

      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        @ Christian Anders

        Zu den Problemen mit einer Inflationstheorie hat sich auch David Glasner in einem aktuellen Beitrag zu MMT geäußert:

        „The strictly correct proposition is that, under a gold standard, the value of gold and the value of money must be equal. But the value of money causally affects the value of gold no less than the value of gold causally affects the value of money.

        In the context of a fiat money, whose value necessarily reflects expectations of its future purchasing power, it is not only the current policies of the government and the monetary authority, but expectations about future economic conditions and about the future responses of policy-makers to those conditions that determine the value of a fiat money. A useful theory of the value of money and of the effect of monetary policy on the value of money cannot be formulated without taking the expectations of individuals into account. Rational-expectations may be a useful first step to in formulating models that explicitly take expectations into account, but their underlying suppositions of most rational-expectations models are too far-fetched – especially the assumption that all expectations converge on the “correct” probability distributions of all future prices – to provide practical insight, much less useful policy guidance (Glasner 2020).

        So, in the end, all simple theories of causation, like MMT, that suggest one particular variable determines the value of another are untenable in any complex system of mutually interrelated phenomena (Hayek 1967). There are few systems in nature as complex as a modern economy; only if it were possible to write out a complete system of equations describing all those interrelationships, could we trace out the effects of increasing the income tax rate or the level of government spending on the overall price level, as MMT claims to do. But for a complex interrelated system, no direct causal relationship between any two variables to the exclusion of all the others is likely to serve as a reliable guide to policy except in special situations when it can plausibly be assumed that a ceteris-paribus assumption is likely to be even approximately true.“
        https://uneasymoney.com/2020/07/01/whats-right-and-not-so-right-with-modern-monetary-theory/

        LG Michael Stöcker

      • Avatar
        Frank Präuner sagte:

        Sehr geehrter Herr Stöcker,

        es tut mir leid, Herr Stöcker: „Exakt die gleiche, die die Zentralbank erhält, wenn sie eine Staatsanleihe zu 0 Prozent erwirbt.“, das ist mir zu unkonkret. Welches konkrete Asset bekommt die Zentralbank für die Ausgabe ihres Geldes, für die Finanzierung des Bürgergeldes. Nur zum Verständnis!

        Zu dem nächstens Verständnis: „Inflation ist gerade nicht die Änderung von Relativpreisen, sondern die allgemeine und dauerhafte Erhöhung des Preisniveaus“.
        Ich gebe ihnen vollkommen Recht, dass dies die heutige Definition ist und die auch dazu geführt hat, diese Erhöhung mit statistischen Methoden zu messen und Inflation mit Hilfe der Notenbank zu bekämpfen.
        Ich gebe nur zu bedenken, dass die ursprüngliche Definition: reine Erhöhung der Geldmenge , die zu einer Veränderung der relativen Preise( Definition so noch in: Theorie des Geldes und der Umlaufmittel) führt, vielleicht auch heute noch die bessere wäre, wegen unserer Unwissenheit über die schädlichen Auswirkungen (z.B. Cantillon-Effekt) der Erhöhung der Geldmenge und des Zusammenhangs zwischen Geldmenge/Preisniveau( die Bundesbank bzw. die EZB hat diese Säule ja aufgegeben).
        Ich würde sagen, dass in den letzten Jahrzehnten die Geldmenge stark aufgebläht wurde, es zu Änderungen der relativen Preise (siehe z.B. Vermögens Assets etc.) gekommen ist,das allgemeine Preisniveau sich kaum geändert hat, aber trotzdem sehen wir heute schädliche Auswirkungen dieser Geldmengenerhöhungen (wieder Cantillon-Effekt): Ungleichheit, geringere Produktivität, Verschuldung in allen Bereichen etc..
        Die Messung des allgemeinen Preisniveaus und die Bekämpfung des Anwachsens dieses Preisniveaus durch die Notenbank hat obige Auswirkungen nicht verhindert!
        Und was ist das Preisniveau? Was ist bei der Messung dieses Preisniveaus mit Hilfe statistischer Methoden überhaupt eine durchschnittliche Familie, was sind denn überhaupt die Bedürfnisse dieser durchschnittlichen Familie, warum eine hedonische Bewertungsmethode etc.?????
        Also mein Freund, ein Kinderkrankenpfleger in München mit drei Kindern fühlt sich wahrlich durch eine derartige Messung der Inflation im heutigen Sinne nicht repräsentiert durch das Statistikamt! Messe ich überhaupt das, was ich messen will? Selbiges kann man sich auch über das BIP fragen.
        Könnte es sein, dass man die Aussage treffen kann, dass wir zwar wissen, dass eine dauerhafte Geldmengenerhöhungen zu langfristigen Schäden in der Wirtschaft führen, aber wir leider noch nicht wissen wo und wie dies genau geschieht?????
        Und eine Messung des allgemein Preisniveaus uns vielleicht eine Sicherheit von Wissen vortäuscht die gar nicht vorhanden ist?????
        Und kann man Gift/Medizin mit Gift/Medizin bekämpfen, wenn man nicht weiß, wie eigentlich so richtig das Gift/Medizin funktioniert???

        Also ich schätze Sie sehr Herr Stöcker, weil Sie immer andere Sichtweisen v.a. in der Geldtheorie mir und den anderen vortragen? Aber welche der vielen Geldtheorien ist den jetzt richtig: Thomas Mayer, Keynes, Hayek, Mises, Ehnts, Friedman, Stadermann, Heinsohn & Steiger, Bernanke, Quass, Issing, Sinn, Summer, Blanchard, Stelter, die Ihrige etc. etc.

        Oder? Meine Vermutung: Wir wissen es einfach nicht!!!!!! Wenn dem so wäre, wäre es vielleicht besser sich der Tatsache einzugestehen und mit großer Vorsicht an die Dinge heranzugehen! Und diese Vorsicht hat man m.E. in den letzten Jahrzehnten in der Notenbankpolitik nicht walten lassen. Ob dies gut geht wird uns die Zeit zeigen. Bekanntlich ist die Zeit der ultimative Zerstörer allen Fragilen

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      Michael Stöcker sagte:

      @ Frank Präuner

      “Die urssprüngliche Definition von Inflation vor Keynes war immer: Inflation ist die Steigerung der Geldmenge, welche die relativen Preise verändert!”

      Haben Sie hierfür eine Quelle? Diese Definition halte ich nämlich für vollkommen daneben, weil die Veränderung von Relativpreisen (z. B. steigender Ölpreis) gerade KEINE Inflation ist. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese Definition von Keynes stammt: https://keynes-gesellschaft.de/weiterentwicklungen-des-keynsianismus/keynesianische-inflationstheorien/

      “Zur Messung der Infaltion mit Hilfe eines Warenkorbes verweise ich auf die Erörterungen von Prof Hayek, der dies schon vor mehr als 60 Jahren für einen Schwachsinn hielt!”

      Auch von Hayek ist kein Säulenheiliger und kann sich schon mal irren. Ich halte den HVPI für die übergroße Mehrheit der Menschen in Euroland für ein sinnvolles Konzept. Wenn Sie ein besseres haben: Nur zu!

      “6. Ich glaube/ vermute Herr Stöcker mit seinen Thesen kommt auch ins Schwimmen, denn Notenbanken können sehr wohl pleitegehen, zwar nicht technisch aber faktisch!”

      Da müssten Sie schon etwas konkreter werden, Herr Präuner, welche meiner Thesen Sie konkret meinen.

      “Ich wäre aber extrem vorsichtig, der Theorie von Herrn Stöcker zu folgen, um die Notenbank für ein zentralbankfinanziertes Bürgergeld zu „missbrauchen“!”

      Welcher Theorie, Herr Präuner?

      Bei einem zentralbankfinanzierten Bürgergeld kommt es ebenso wie bei der gewöhnlichen Staatsverschuldung auf die Menge an, die das Gift macht. Mein Vorschlag bewegt sich bei ca. 2 bis 3 % vom BIP pro Jahr. Auch diese Beträge sammeln sich wie immer wegen des Matthäus-Effekts bei den 1 % und treiben letztlich die Assetinflation. Und bedenken Sie bitte, dass mein Vorschlag durch eine konsequente Erbschaftssteuer abgerundet wird, mit deren Hilfe ein Teil des Finanzschaums sowie der Assetinflation wieder einkassiert bzw. eingedämmt wird. Insofern kann von einem “missbrauchen” nun wirklich keine Rede sein. Richtig ist mAn die These, dass es langfristig insbesondere die Staatsverschuldung ist, die die Inflation antreibt. Und nur so kann der Kapitalist mehr Geld herausziehen, als er zuvor hineingeworfen hat (G-W-G‘). Insofern ist eine moderate Staatsverschuldung via Zentralbank mit leicht inflationären Folgen kein Bug, sondern das systemerhaltende Feature in einem Kreditgeldsystem.

      LG Michael Stöcker

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        >Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass diese Definition von Keynes stammt: https://keynes-gesellschaft.de/weiterentwicklungen-des-keynsianismus/keynesianische-inflationstheorien/>

        Nicht verweisen, sondern SELBST feststellen, was Keynes gesagt hat.

        Die Keynes-Gesellschaft stellt fest:

        >Als Keynes während der Weltwirtschaftskrise seine „General Theory“ schrieb (siehe die entsprechende Rubrik), war Inflation kein aktuelles Thema. Sorgen bereitete ihr Gegenstück, die Deflation mit sinkenden Preisen und Löhnen, die damals zu beobachten war (siehe Unterrubrik „Weltwirtschaftskrise“). Schon deshalb werden in der „General Theory“ die Ursachen der Inflation nicht behandelt.>

        Sicher war Inflation kein aktuelles Thema, als Keynes die General Theory schrieb, aber er hat sich darin dennoch sehr dezidiert zu Inflation geäußert.

        Die Keynes-Gesellschaft scheint darauf nicht eingehen zu müssen und behauptet:

        „Keynes Grundidee lautet: Wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, dieses aber begrenzt ist, dann führt die Übernachfrage nicht zu mehr Produktion, sondern zu steigenden Preisen.“

        MÖGLICHERWEISE ist das mit dem Bezug zu „How to pay for the war“ von Keynes richtig und da die Keynes-Gesellschaft darauf bezieht hat sie möglicherweise Recht.

        Es ist aber nicht richtig mit Bezug darauf, WIE Keynes in seinem Hauptwerk Inflation definiert. Warum das so ist, am Ende dieses Kommentars.

        Habe weiter unten, an Herrn Präuner adressiert, Keynes zitiert und auch etwas dazu gesagt, was ich hier wiederhole:

        >Ich habe in The General Theory nachgeschaut und folgen Passage gefunden (Chapter 21, The Theory of Prices, V.), mit der Keynes WAHRE Inflation definiert und die Ihrer Feststellung widerspricht:

        „When a further increase in the quantity of effektive demand produces no further increase in output and entirely spends itself on an increase in effektive demand, we have reached a condition which might be appropriately designated as one of true inflation”.

        Dazu habe ich gesagt:

        Keynes redet bei seiner Auffassung von Inflation nicht von Geld oder Geldmenge, sondern von EFFEKTIVER NACHFRAGE.

        Diese entsteht natürlich nur MIT Geld, aber nicht durch die Geldmenge an sich, die auf den Konten, unter Matratze oder sonst wo zu finden ist.

        Man kann die Menschen mit noch so viel Geld zuschütten, beispielsweise mit Helikoptergeld, wenn es auf den Konten liegen bleibt, bewirkt es NICHTS – auch keine Preisänderungen und damit auch keine Inflation.>

        Ergänzender Kommentar zu dem, was die Keynes-Gesellschaft behauptet als „Keynes Grundidee“, wenn man die Grundidee wie oben zitiert in der General Theorie sucht und findet:

        Die Feststellung der Keynes-Gesellschaft, nämlich

        „Wenn die Nachfrage das Angebot übersteigt, dieses aber begrenzt ist, dann führt die Übernachfrage nicht zu mehr Produktion, sondern zu steigenden Preisen.“

        ist NICHT das, was Keynes sagt.

        Keynes schließt selbstverständlich NICHT aus, dass es bei begrenztem Angebot, AUCH zu mehr Produktion kommen kann, etwa wenn Unterbeschäftigung herrscht.

        Würde er es ausschließen, hätte er nicht geschrieben „When … produces no further increase in output“

        Kommt es dagegen zu (hinreichend) zunehmender Produktion, gibt es keine Inflation.

        Dann und NUR dann, wenn es dazu nicht kommt bzw. kommen kann, etwa weil alle Ressourcen beschäftigt sind oder genutzt werden, führt ein die Nachfrage übersteigendes Angebot zu Inflation.

        Ein „begrenztes Angebot“ ist ein zum Zeitpunkt der Nachfrage bestehendes Angebot, aber nicht in jedem Fall eines, das nicht ERWEITERT werden könnte.

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        Frank Präuner sagte:

        Sehr geehrter Herr Stöcker,

        ich habe Herrn Tischer schon unten mitgeteilt, dass ich nicht meinte, Keynes hätte obige Definition für Inflation verwandt! Es war lediglich als zeitliche Verordnung gedacht.
        Aber vielleicht könnten Sie noch die Frage unten beantworten, die mich brennend interessieren würde: Welche Sicherheiten bekommt die Zentralbank bei der der Finanzierung ihres Bürgergeldes? Und wenn Sie keine Sicherheiten bekommt, würden sich daraus nicht erhebliche Probleme ergeben, wenn ihr Bürgergeldkonzept missbraucht würde?

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Frank Präuner

        Sie sind auf der richtigen Spur, ich würde aber Ihre Frage anders formulieren:

        Welche Sicherheiten bekommt die Zentralbank bei der Finanzierung des Bürgergeldes, wenn dieses der Menge nach immer weiter wächst?

        M. Stöcker redet von 2 bis 3% vom BIP und wird Ihnen antworten, dass jedes Mehr ein Missbrauch ist.

        Er entzieht so Ihrer Frage die Voraussetzung.

        Das ist natürlich Augenwischerei.

        Es wäre KEIN Missbrauch, weil es seiner FUNKTION nach lediglich einen BEDARF decken würde.

        Geld wird NICHT missbraucht, wenn es für Nachfrage genutzt wird, die Inflation auslöst.

        Und mehr Geld auch nicht.

        M. Stöcker bastelt ein Konstrukt, das in der REALITÄT nicht bestehen könnte.

        Führte man ein Bürgergeld ein – INSTITUTIONALISIERT mit gesetzlichem Anspruch –, dann würde es quasi NOTWENDIGERWEISE mengenmäßig kontinuierlich erhöht werden, wie ich anhand von unattraktiven Jobs (z. B. Müllabfuhr) dargelegt habe.

        Es käme zu einer Inflation der Verbraucherpreise, ohne dass dies erst einmal etwas mit den Sicherheiten zu tun hat, die die Zentralbank für diese Geldschöpfung erhält.

        Aber sie erhält natürlich keine werthaltige, weil der das Bürgergeld gewährende Staat dadurch keine nachhaltig höhere Wirtschaftsleistung generiert.

        Das würde sich dann auch an den Devisenmärkten durch Abwertung der Währung zeigen (alles andere gleich).

      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        @ Dietmar Tischer

        „Nicht verweisen, sondern SELBST feststellen, was Keynes gesagt hat.“

        Ich weiß, dass Keynes so etwas mit SICHERHEIT nicht gesagt hat. Und nur darum ging es. Eine Änderung RELATIVER Preise ist eines der zentralen konstituierenden Merkmale einer Marktwirtschaft und spiegelt relative Knappheiten wider.

        Alles andere was Sie geschrieben haben ist korrekt (auch wenn es mAn zur Keynesgesellschaft keinen Dissens gibt, weil Sie mAn ein wenig über- bzw. unterinterpretieren), war aber nicht mein Thema.

        „Ein „begrenztes Angebot“ ist ein zum Zeitpunkt der Nachfrage bestehendes Angebot, aber nicht in jedem Fall eines, das nicht ERWEITERT werden könnte.“

        So argumentiert übrigens auch MMT bzgl. der Grenzen der staatlichen Geldschöpfung.

      • Avatar
        Michael Stöcker sagte:

        Sehr geehrter Herr Präuner,

        wie ich bereits Herrn Tischer geantwortet habe, ist die Änderung relativer Preise eines der Wesensmerkmale einer Marktwirtschaft und darf keinesfalls mit Inflation verwechselt werden. Inflation ist gerade nicht die Änderung von Relativpreisen, sondern die allgemeine und dauerhafte Erhöhung des PreisNIVEAUS. Nur weil Atemschutzmasken mal eine Weile knapp waren und die Preise durch die Decke schossen, war das doch kein inflationäres Phänomen! Insofern ist eine derartige Definition grundsätzlich falsch.

        Nun aber zu Ihrer sehr berechtigten Frage: „Welche Sicherheiten bekommt die Zentralbank bei der der Finanzierung ihres Bürgergeldes?“

        Exakt die gleiche, die die Zentralbank erhält, wenn sie eine Staatsanleihe zu 0 Prozent erwirbt. Damit die Zentralbank also handlungsfähig bleibt, benötigt Sie das Recht, eigene Anleihen zu begeben, damit sie im Fall der Fälle einen Teil wieder sterilisieren kann. Ich verweise hier auf meine Antwort an Henry Kaspar aus dem Herdentrieb:

        „Da wir aber in Euroland nun einmal den unseligen Fiskalpakt haben (das sehen wohl mittlerweile auch einige deutsche Ökonomen so: https://www.zeit.de/2019/27/neuverschuldung-bund-laender-grundgesetz-oekonomie), sollte die Finanzierung unmittelbar über die Zentralbank erfolgen. Sollte die Inflation sowie das Zinsniveau wieder ansteigen, dann könnte die Zentralbank diese Mittel wieder durch die Ausgabe eigener verzinslicher Wertpapiere sterilisieren. Die hieraus resultierenden Verluste mindern zwar die Gewinne aus den anderen geldpolitischen Operationen; aber es ist nicht Aufgabe einer Zentralbank, Gewinne zu erwirtschaften, sondern für Geld- und Finanzstabilität zu sorgen.

        Dass es zur Ausgabe eigener verzinslicher Wertpapiere seitens der EZB kommen müsste ist aber eher unwahrscheinlich, da die Bilanzen der Zentralbanken durch QE dermaßen aufgeblasen sind, dass der Markt zuvor erst einmal die Rückabwicklung der QE-Operationen verkraften müsste.“

        Zum Thema Missbrauch à la Tischer:

        Selbstverständlich wird ein Bürgergeld „NOTWENDIGERWEISE mengenmäßig kontinuierlich erhöht werden“; und zwar um jährlich zwei Prozent. Allerdings nur dann, wenn die Inflation nicht über zwei Prozent ansteigt. Denn alles andere würde dem Mandant der EZB widersprechen und wäre somit verfassungswidrig.

        LG Michael Stöcker

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        Bei dem, was Gast sagt, muss man differenzieren.

        Es ist richtig, was er sagt, AUCH die letzten beiden Zeilen – und die sind entscheidend:

        >… for a complex interrelated system, no direct causal relationship between any two variables to the exclusion of all the others is likely to serve as a reliable guide to policy except in special situations when it can plausibly be assumed that a ceteris-paribus assumption is likely to be even approximately true.“>

        Denn so ist es:

        EINE spezielle Situation ist HINREIHEND, um davon auszugehen bzw. als WAHR anzunehmen, dass Menschen Inflation ERWARTEN und entsprechend handeln. Bei MMT ist es die Erwartung, dass der Staat die Steuern NICHT erhöhen wird, wenn die Preise anziehen – und sie daher WEITER anziehen werden.

        Ist im Herdentrieb besprochen wurden, u. a. mit Beiträgen von HKaspar:

        https://blog.zeit.de/herdentrieb/2019/06/25/moderne-geldtheorie-mmt-nihil-novi-sub-sole_11354 – more-11354

        >Wie ich bereits Herrn Tischer geantwortet habe, ist die Änderung relativer Preise eines der Wesensmerkmale einer Marktwirtschaft und darf keinesfalls mit Inflation verwechselt werden.>

        Das hat auch keiner verwechselt.

        >Inflation ist gerade nicht die Änderung von Relativpreisen, sondern die allgemeine und dauerhafte Erhöhung des PreisNIVEAUS.>

        Richtig, darum geht es – auch bei Keynes – und ist nicht nur seiner Ansicht nach dann der Fall, wenn die Nachfrage auf ein im AGGREGAT nicht mehr erweiterbares Güterangebot trifft. Das ist im Augenblick bei Konsumgütern nicht der Fall, kann er aber sein.

        Zu „Sicherheiten der Zentralbank , wenn sie Bürgergeld finanziert“:

        >Sollte die Inflation sowie das Zinsniveau wieder ansteigen, dann könnte die Zentralbank diese Mittel wieder durch die Ausgabe eigener verzinslicher Wertpapiere sterilisieren.>

        Das ein Mechanismus, der in der Praxis nicht erfolgen wird.

        Wir leben in einem System mit so hoher Verschuldung, dass die Zentralbank nichts gegen steigende Inflation tun, sondern sie um JEDEN Preis verhindern wird.

        Mal provozierend gesagt:

        Sie kann noch nicht einmal ernsthaft die 2% erreichen WOLLEN.

        Würde sie nicht DAUERHAFT die Inflation nahe null halten (können), kollabierte das Schuldgeldsystem und die Realwirtschaft fiel in Schockstarre.

        Es gibt kein symmetrisches Handeln mehr für die Notenbanken.

        Zum Thema Missbrauch à la Tischer:

        Es gibt zwar ein Mandat der EZB, aber es ist eines nicht entscheidend ist – wenn ANDERE die Bedingungen setzen, wie es handhaben ist.

        Wenn der Staat das Bürgergeld eingeführt hat – und er, nicht die EZB führt es ein –, dann bestimmt auch er und nicht die EZB dessen mengenmäßige Gestaltung.

        Erfahrung gegen Glauben – haben wir alles schon mehrmals durch.

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @DT

        „Das ein Mechanismus, der in der Praxis nicht erfolgen wird.

        Wir leben in einem System mit so hoher Verschuldung, dass die Zentralbank nichts gegen steigende Inflation tun, sondern sie um JEDEN Preis verhindern wird.

        Mal provozierend gesagt:

        Sie kann noch nicht einmal ernsthaft die 2% erreichen WOLLEN.

        Würde sie nicht DAUERHAFT die Inflation nahe null halten (können), kollabierte das Schuldgeldsystem und die Realwirtschaft fiel in Schockstarre.“

        Dazu hätte ich gerne eine Erläuterung. Sehe ich nämlich aktuell anders. Kann natürlich was übersehen.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Christian Anders

        Meine Überlegung hinter dieser Auffassung:

        Wenn die Inflation steigt – aus welchen Gründen auch immer, soll mal keine Rolle spielen –, würden die Zinsen nachziehen.

        Wäre es nicht der Fall, würden die Nominaleinkommen durch Zinserträge hinter denen anderer Einkommen zurückfallen.

        Das akzeptieren z. B. Anleihenbesitzer nicht, sie würden die Anleihen verkaufen und die Neuverschuldung würde zum Erliegen kommen (mit festverzinslichen Anleihen, variabel verzinste einmal unbeachtet gelassen).

        Wenn aber die Zinsen steigen, wird die Neuverschuldung zum Desaster für viele, die sich neu verschulden müssen, vor allem Unternehmen, aber auch Staaten.

        Kurzum:

        Es wäre mit einer gigantischen Pleitewelle zu rechnen.

        Das können die Zentralbanken nicht wollen.

        Genau das sagt ja auch Dr. Stelter immer wieder und er hat Recht damit.

        Folglich:

        Also werden sie DAUERHAFT versuchen, die Inflation tief zu halten.

        Das meine ich – überpointiert – mit „nicht einmal ernsthaft die 2% erreichen WOLLEN“.

        Ich schließe damit nicht aus, dass sie einen LANGSAMEN Anstieg bis 2% tolerieren würden, ihn sich sogar wünschen.

        Es müsste aber einer sein, der sich aus dem Wachstum der Realwirtschaft speist.

        Die Aussichten dafür sind aber bekanntermaßen trüb.

      • Avatar
        Joerg sagte:

        @Inflation-kommt-nicht-Fraktion
        Warum ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass die ganze Zinsstrukturkurve von stoerenden Markt-Schwankungen erloest wird? So wie in Japan oder AUS wird zementiert, was opportun ist.
        https://www.handelsblatt.com/finanzen/geldpolitik/geldpolitik-notenbanken-koennten-bald-zu-ihrem-letzten-mittel-greifen/25969636.html
        DANACH (wenn alle/Mehrheit mitmachen) darf dann die Inflation „wueten“ (2-5%) und die Schulden entwerten?
        Was spraeche dagegen oder warum sollte das nicht funktionieren?
        LG Joerg

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Joerg

        Die Frage ist nicht, ob Inflation funktioniert.

        Sie funktioniert, aber eben nicht „gerecht“, sondern:

        Die Vermögen der Gläubiger werden entwertet, wenn Inflation die Schuldenlast senkt.

        Die Gläubiger betreffend sind das keine Einzelschicksale, die zu vernachlässigen wären.

        Heißt:

        Es gäbe einen massiven AUFSTAND der arm gewordenen Gläubiger.

        Den kann sich keine Regierung leisten und DAHER wird jede in Zusammenarbeit mit der zuständigen Zentralbank dafür sorgen, dass die Inflation auf niedrigem Niveau unter Kontrolle bleibt.

        Die Volkswirtschaften der entwickelten Länder sind über Jahrzehnte in eine STRUKTURKRISE geschlittert, die u. a. mit immer tieferen Zinsen zu hoher Verschuldung geführt hat.

        Die wäre kein oder nur ein geringes Problem, wenn sie sich durch WACHSTUM verschuldet hätten.

        Haben sie nicht und Wachstum können sie nicht schaffen – das findet woanders statt.

        Das ist das Problem, aus dem es KEIN schmerzfreies Entrinnen gibt.

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @DT

        „Es müsste aber einer sein, der sich aus dem Wachstum der Realwirtschaft speist.“

        Und wie erhalten wir ein Wachstum in der Realwirtschaft? Irgendjemand muss das Wachstum den Unternehmen auch abkaufen. Sollten sie das nicht erwarten, investieren sie gar nicht erst – auch nicht zu Nullzinsen. Andererseits würden Sie zu höheren Zinsen als Null investieren, wenn sie erwarten, die Neuinvestitionen auch auslasten zu können. Dafür muss irgendetwas aber VORHER passieren, die Erwartung fällt nicht vom Himmel. Was ist dieses ETWAS, das vorher passieren muss?

        Diese ETWAS muss, was auch immer es ist, einen Absatzmarkt schaffen, der über das hinausgeht, was heute als Absatzmarkt zur Verfügung steht. Und zwar ein Absatzmarkt für reale Produkte und Dienstleistungen, nicht für Finanz- produkte/dienstleistungen.

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @DT

        Ergänzend:
        „Den kann sich keine Regierung leisten und DAHER wird jede in Zusammenarbeit mit der zuständigen Zentralbank dafür sorgen, dass die Inflation auf niedrigem Niveau unter Kontrolle bleibt.“

        Wenn Zentralbanken an sich Inflation weder erzeugen können (sie füllen die Tränke, können die Pferde aber nicht zum Saufen zwingen), noch eine Hyperinflation verhindern könnten, falls die Währung unter Beschuss gerät: WIE genau halten die Regierungen und ZB zusammen die Inflation unter Kontrolle?
        Sie können es WOLLEN, das ist noch kein KÖNNEN.

      • Avatar
        ruby sagte:

        @ C. Anders

        „…ein Absatzmarkt für reale Produkte und Dienstleistungen…“

        Alle Erklärungskunst endet im Mikrokosmos der Betriebswirtschaft.
        Was für ein Armutszeugnis der globalen Makroökonomen, ein Nichts der Illusion im warum von mehr zu suchen oder gar zu erflehen (Ironie).
        Unternehmen beginnen mit einer ausgeglichenen Bilanz und können mit Kredit aus dem Nichts wirtschaften.
        Welcher Glaube ist es der den Kreditschöpfer treibt auf Tilgungs- und Zinszahlung Illusionen, Buchgeld zu verkaufen?
        Wird dieses „Etwas“ noch gefunden oder kann es sich bis ans Ende der Menschheit verstecken?
        Herr Anders, Sie bevorzugen das Makrosystem als Erklärung und suchen im Kern des unternehmerischen Prozeßes, dem neutralen Rechnungswesen nach Glaubenssätzen und Wahrheiten der Existenz des großen Ganzen.
        Welche Ehre für den Reduktionismus, der „Entzauberung der Welt“ ( Max Weber) zu dienen.
        https://de.m.wikipedia.org/wiki/Entzauberung_der_Welt

      • Avatar
        Joerg sagte:

        @DietmarT
        Verstehe ich nicht …: „Es gäbe einen massiven AUFSTAND der arm gewordenen Gläubiger.“
        Wieso, die bekommen alle Geld / Transfers / Ruhigstellungs-Praemien genauso wie jetzt in der Coronomics … 70% Zustimmung?! Wo ist der Aufstand? Haha!

        Wenn gibt’s denn ueberhaupt:
        – Immo-Kreditnehmer, die freuen sich ueber Inflation (20-30% der Bevoelkerung?)
        – Kapitallebens/Ruerup/Riester/privRenten-Versicherte, die werden in Aktien gedraengt, um zwar spaet aber noch etwas an der groessten Milchmaedchen-Hausse aller Zeiten (genau einmal) zu partizipieren, oder halt spaeter etwas alimentiert (ca. 60% der Bevoelkerung)
        – Aktien, Gold und Immo-Besitzer(abgezahlt): Schulter-Zucken, mit Real-Assets sind sie gegen eine MODERATE Inflation (bis 5%?) geschuetzt (20-30% der Bevoelkerung)
        – Rentner/Pensionaere/Hartz4 und andere von Transferleistungen Lebende (10-30% der Bev.), bekommen einfach etw mehr Almosen durch hoehere Steuerfreibetraege / hoehere Transferleistungs-Aufstockung / Inflations-Ausgleich / Preiskontrolle bei Grundkonsumguetern

        Wer genau soll jetzt einen „massiven AUFSTAND“ reiten?

        bzw was waere die Alternative zum Weg:
        erst die Zinsstrukturkurve beherrschen,
        dann Inflation durchdruecken durch hoehere Loehne (Staatsbedienstete, Mindestlohnverordnung, hoehere Renten/Pensionen/Transferleistungen) und Staatskonsum?

        LG Joerg

  4. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    @ Christian Anders, Frank Präuner

    D’accord, insbesondere mit:

    >Ein weiterer Punkt: Die Existenz eines Zusammenhangs festzustellen (genau das hat Sauer gemacht) und ihn empirisch zu belegen, gibt immer noch nicht preis, WIE dieser Zusammenhang sich bildet. Genau dieses WIE muss aber Kern einer Inflationstheorie sein.>

    Sauer zu Argentinien:

    Die argentinische Währung wertet ab und daraufhin haben die Geschäfte die Preise erhöht.

    WARUM?

    Eine ERKLÄRUNG, also die Darlegung des WIE wäre folgender Mechanismus:

    Geschäfte zahlen für ihre IMPORTE, die sie in Fremdwährung begleichen müssen, der Abwertung der eigenen Währung wegen MEHR in eigener Währung.

    Ihre Einkaufspreise sind in eigener Währung gerechnet also höher.
    Um keine Verluste zu erleiden, MÜSSEN sie die Verkaufspreise, die ja in eigener Währung gestellt werden, ERHÖHEN.

    Diese so zustande gekommenen höheren Preise weisen Inflation aus.

    Zu zeigen wäre natürlich auch noch, wie sich DIESER Mechanismus auf weitgehend die GESAMTEN Verbraucherpreise überträgt – oder auch NICHT, weil die Menschen auf den Kauf von importierten Waren verzichten.

    Wenn derartige Mechanismen nicht enthalten sind, kann von Inflationstheorie KEINE Rede sein.

    VERWEISE auf irgendwelche anderen Erkenntnisse oder Theorien ersetzen NICHT das Defizit.

    Antworten
    • Avatar
      Christian Anders sagte:

      @DT

      Genau. Zumindest im Interview wurde das nicht geklärt. Möglich, dass die Dissertation solche Klärungen enthält, aber die habe ich aktuell natürlich (noch) nicht.

      Festzuhalten ist, dass Sauer mit empirischen Methoden Theoriegebäude widerlegt haben will, die bei aufgeklärten Ökonomen ohnehin schon lange als widerlegt gelten (Monetarismus, Quantitätsgleichung zu einer „Theorie“ veredelt). Das widerlegen einer alten Theorie ist jetzt aber noch keine neue.

      Soweit ich ihn verstanden habe, bezieht er sich bei seiner Untersuchung ohnehin auf den Spezialfall HYPERinflation. Kann man machen – nur kann man daraus eine allgemeine Theorie über die Entwicklung der Verbraucherpreise ableiten?
      Dass in „normalen“ Zeiten Inflation Lohnstückkosten getrieben ist und durch externe Ereignisse Preissprünge ausgelöst werden können, sagt er ja sogar selbst.
      Ohne seine Dissertation dazu zu lesen, fische ich anhand des Interviews im Trüben, was die Folgerungen angeht, die Frank Präuner daraus gezogen hat. Für mich ergeben die sich nicht.

      Antworten
  5. Avatar
    Dr. Stefan Braun sagte:

    Sehr geehrter Herr Stelter,
    bin begeisterter Hörer, habe Ihren Podcast meinen „wirtschaftsstudierenden“ Kindern zur aktuellen Abrundung ihrer Bildung wärmstens empfohlen. Ihre Aussagen zur Lufthansa (Subvention wie Thiele) teile ich absolut.
    Als begeisterter Europäer bin ich frustiert wohin sich Europa ausgehend vom Wettbewerbsgedanken eines großen einheitlichen Marktes mittlerweile dank der protektionistischen Umverteilungspolitik hinbewegt. Die gerade von Macron angestoßene Entsenderichtlinie macht unter dem Deckmäntelchen des Sozialen den ganzen freien Markt zunichte. Wäre das nicht auch Anlaß für eine Reihe in Ihrem Podcast: was braucht Europa, was nicht, damit es im Wettbewerb, im Systemvergleich (Westen, China) bestehen kann?
    Beste Grüße
    Stefan Braun

    Antworten
  6. Avatar
    Frank Präuner sagte:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,

    anbei das Kurzvideo von Prof Dr. Christian Rieck, der auf eine aktuelle Dissertation von Herrn Dr. Ingo Sauer von der Uni Frankfurt verweist.
    https://www.youtube.com/watch?v=bokHl4zmbPg
    Conclusio der Dissertation:
    1. Die Quantitätstheorie des Geldes ist Müll
    2. Die Geldmenge ist kein guter Indikator für bevorstehende Inflation.
    3. Bestätigung der Theorie von Gunnar Heinsohn und Otto Staiger bzw. Prof. Stadermann( Eigentum, Zins und Geld bzw. Allgemeine Theorie der Wirtschaft)
    4. Alleine die Qualität der Notenbankbilanz (Sicherheiten für das Zentralbankgeld) ist entscheidend für die kommende, mögliche Inflation.
    5. Die MMT-Theorie bzw. Monetäre Märchen Theorie wäre hiermit widerlegt.
    6. Ich glaube/ vermute Herr Stöcker mit seinen Thesen kommt auch ins Schwimmen, denn Notenbanken können sehr wohl pleitegehen, zwar nicht technisch aber faktisch!

    Viele Grüsse aus München

    Antworten
    • Avatar
      Dietmar Tischer sagte:

      @ Frank Präuner

      Sie sind sehr schnell, aufgrund einer Dissertation festzustellen, was Müll ist.

      Da wären noch viele Fragen zu beantworten, bevor eine derartige Aussage trägt.

      Rechtfertigt die Tatsache, dass eine Notenbank die eigene Währung nicht mehr gegen ein andere „verteidigen“ kann, die Feststellung „faktisch pleite“.

      VOR diesem Sachverhalt gibt es andere Sachverhalte, deren Ursächlichkeit festgestellt werden müsste. Dr. Sauer nennt einen, den Geldbedarf des Staats und dessen Anweisung an die Notenbank, ihn zu befriedigen.

      Außerdem:

      Wenn Inflation mit GEMESSENEN Preisänderungen zu tun hat, z. B. denen, die in einem Warenkorb enthalten sind, dann hat sie AUCH etwas mit GELD und GÜTERN zu tun.

      Dies hat etwas mit dem VERHALTEN von Wirtschaftssubjekten zu tun, was wiederum auf einer Überzeugung basieren kann, die wie @ RealTerm ausgeführt wird, ein Vertrauensverlust in die eigene Währung ist.

      Wie auch immer:

      Wer Inflation erklären will, MUSS einen Mechanismus darlegen, dem zufolge Wirtschaftssubjekte durch ihr Verhalten eine messbare Preissteigerungsrate bewirken.

      Beispielhaft:

      In dem Vortrag sagt Dr. Sauer mit Bezug auf Argentinien:

      … wenn, wenn (die Notenbank), dann haben die Einzelhändler die Preise HOCHGESETZT.

      WARUM war das so?

      Ohne eine nachvollziehbare, verhaltensrelevante BEGRÜNDUNG ist diesbezüglich keine Inflation erklärt.

      Antworten
      • Avatar
        Frank Präuner sagte:

        Sehr geehrter Herr Tischer,

        nicht ich habe gesagt, dass die Quantitätstheorie Müll ist, sondern Herr Prof. Rieck( Video). Ich gebe nur die Conclusios weiter! Ansonsten finde ich die Ausführungen von Herrn Prof Rieck für stichhaltig, da Sie Forschungsergebnisse von Prof. Heinsohn und Prof. Staiger bestätigen würden: Inflation entsteht in dem Moment exponential,wenn die Sicherheiten der Notenbanken für ihr herausgebenes Zentralbankgeld einem massiven Wertverfall unterliegen und das Vertrauen und damit die gewöhnliche Verhaltensweisen der Wirtschaftssubjekt zerstört werden.
        Geld=Vertrauen
        Wenn man in der Quantitätstheorie unbedingt veweilen will, kann man auch sagen die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes explodiert!
        Zur Messung der Infaltion mit Hilfe eines Warenkorbes verweise ich auf die Erörterungen von Prof Hayek, der dies schon vor mehr als 60 Jahren für einen Schwachsinn hielt!
        Die urssprüngliche Definition von Inflation vor Keynes war immer: Inflation ist die Steigerung der Geldmenge, welche die relativen Preise verändert! Nicht mehr und nicht weniger.

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @Frank Präuner

        „nicht ich habe gesagt, dass die Quantitätstheorie Müll ist […]“
        Die Quantitätstheorie ist „Müll“, weil sie gar keine Theorie ist. Es ist eine Identität, die keine kausalen Zusammenhänge erklären kann.
        Das ist in aufgeklärten Kreisen aber schon lange eine Binse – dem armen Herrn Stöcker tun Sie z. B. unrecht, wenn Sie glauben, da käme er ins Schwimmen.
        MMT widerlegt man mit dieser Feststellung auch noch nicht.

        „[…] wenn die Sicherheiten der Notenbanken für ihr herausgebenes Zentralbankgeld einem massiven Wertverfall unterliegen […]“

        Was sind Sicherheiten für ZB-Geld und wie ermittelt sich ihr Wert?

        „Zur Messung der Infaltion mit Hilfe eines Warenkorbes verweise ich auf die Erörterungen von Prof Hayek, der dies schon vor mehr als 60 Jahren für einen Schwachsinn hielt!“

        Nun wird aber eine Theorie gesucht, die genau jene Warenkorbpreise in ihrer Entwicklung abhängig von anderen ökonomischen Variablen beschreibt – und sie soll „Theorie der Inflation“ heißen. Man hat sich schon entschieden, was Gegenstand der Theorie sein soll, da kann man nicht einfach die Definition ändern, wenn man an der Theorieentwicklung rumkritisieren will. Macht man es doch, arbeitet man nicht mehr wissenschaftlich.

      • Avatar
        Frank Präuner sagte:

        Sehr geehrter Herr Anders,
        es ist nur die Frage, ob ich mit einem Warenkorb, das messen kann was ich messen will. Wenn ich es nicht kann, so Hayek(und jeder weiß heute wie manipulativ der Warenkorb in seiner Zusammensetzung ist: z.B. hedonische Verfahren, was ist eine durchschnittliche Familie, Zusammensetzung etc.)dann bleibe ich besser bei der alten Definition von Inflation! Also Inflation ist einfach die Steigerung der Geldmenge, die die relativen Preise ändert. Manchmal ist weniger Wissen weniger schädlich als scheinbar mehr “ richtiges“ Wissen.
        Oder wie es der alte Sokrates gesagt hat: ich weiß, dass ich nichts weiß!

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @Frank Präuner

        „bleibe ich besser bei der alten Definition von Inflation! Also Inflation ist einfach die Steigerung der Geldmenge, die die relativen Preise ändert.“

        Das ist KEINE Definition. Definitionen wären:
        – Inflation ist die Steigerung der Geldmenge (was ist „Geldmenge“?)
        – Inflation ist die Steigerung der relativen Preise (relativ wozu?)

        Der Satz, dass die Inflation eine kausale Verknüpfung von beidem o. g. sei, IST bereits eine InflationsTHEORIE und somit nicht mehr Definition von irgendwas.

        Für einen gesellschaftlich relevanten Diskurs muss man überlegen, welche Preisänderungen gesellschaftlich relevant sind und man KANN begründet z. B. festlegen, Lebenshaltungskosten höher zu gewichten als Kaufkosten für Vermögenswerte.
        Was dem einen eine Verzerrung, ist dem anderen eine Verschiebung von Sachverhalten von irrelevant nach relevant.

        Egal: Am Anfang einer Debatte über Theorien müssen Definitionen der Sachverhalte stehen, welche die Theorien erklären möchten. Über diese muss Einigkeit unter den Diskutierenden herrschen, sonst gibt es als Ergebnis schlicht gar keine Theorie, nicht mal eine falsche.

        Wer methodisch nicht sauber arbeitet, kann keine Ergebnisse mit wissenschaftlichem Charakter produzieren – nur welche mit wissenschaftlichem Anstrich. Was das angeht sind – pardon das auf dem Blog eines Ökonomen so zu sagen – viele (auch nobelpreisgekrönte) Ökonomen die größten Anstreicher.

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Frank Präuner

        >… finde ich die Ausführungen von Herrn Prof Rieck für stichhaltig, da Sie Forschungsergebnisse von Prof. Heinsohn und Prof. Staiger bestätigen würden: …>

        Vorsicht mit derartigen Aussagen, selbst wenn sie so „weich“ wie von Ihnen formuliert werden:

        Wenn Ausführungen bzw. Erkenntnisse etwa BESTÄTIGEN, sagt das nichts darüber aus, ob diese Erkenntnisse richtig oder falsch sind, denn sie können auch etwas FALSCHES bestätigen (womit ich nicht sage, dass die Erkenntnisse von Prof. Heinsohn und Prof. Staiger falsch sind).

        >Inflation entsteht in dem Moment exponential,wenn die Sicherheiten der Notenbanken für ihr herausgebenes Zentralbankgeld einem massiven Wertverfall unterliegen…>

        Inflation ist eine ÄNDERUNG von Preisen, die NICHT mit einem Wertverfall, der auch eine ÄNDERUNG von Preisen ist, erklärt werden kann.

        Wenn man im Zusammenhang von Inflation von der Sicherheiten der Notenbank redet, muss man auch von den Sicherheiten der Geschäftsbanken reden.

        Denn diese schöpfen auch Geld und zwar etwas über 90% ALLEN Geldes, während die Notenbanken lediglich die restlichen knappen 10 % schaffen.

        Warum ist das unbeachtlich, auch mit Blick auf deren Sicherheiten?

        Einen Warenkorb für die Messung von Inflation für Schwachsinn zu halten, mag berechtigt sein.

        Es ändert aber nicht das Geringste daran, dass die EXISTENZ von Inflation – EGAL wie sie gemessen wird oder zu messen sei, eine Tatsache ist (auch wenn es manchmal keine gibt).

        Ich versuche ein ERKLÄRUNG für Inflation, die auf Dr. Sauers Darlegung zur Geldpolitik der Reichsbank basiert:

        Deutsche leisteten passiven Widerstand gegen die Besetzung des Ruhrgebiets. Sie hatten dadurch Einkommensverluste. Der Staat fühlte sich verpflichtet, diese durch Geldzuweisungen auszugleichen. Da er nicht über die Mittel dafür verfügte UND sie sich nicht an den Kapitalmärkten zu für ihn akzeptablen Konditionen beschaffen konnte, wies er die Notenbank an, ihm das erforderliche Geld zu Verfügung zu stellen.

        Die Marktteilnehmer, die nicht bereit waren, dem deutschen Staat zu akzeptablen Zinsen Geld zur Verfügung zu stellen, weil sie der Auffassung waren, dass er die Zinsen nicht leisten könne und daher Risikoaufschläge verlangt hatten, ERKANNTEN nun:

        Die Reichsbank verschaffte dem Staat Geld, hinter dem nicht die Wirtschaftsleistung steht, ein hinreichendes MEHR an Gütern herzustellen.

        Sie verkauften daher die Reichsmark, was den Wert gegenüber anderen Währungen, u. a. dem US Dollar schwächte.

        Die deutsche Reichsbank versuchte durch Aufkauf von Fremdwährungen dagegen zu halten, konnte das letztlich aber nur durch noch mehr „Gelddrucken“.

        Sie beschleunigte so letztlich den Wertverlust der Reichsmark.

        Bitte beachten:

        Ich habe nicht recherchiert, ob jede Aussage mit den tatsächlichen Ereignissen übereinstimmt und bestehe daher nicht darauf, dass diese Erklärung richtig ist.

        Sie zeigt aber, WIE eine Erklärung beschaffen sein MUSS – darum geht es mir.

        In meinem Beispiel sind übrigens die Sicherheiten der Reichsbank keine Sachwerte des Deutschen Reiches – analog den Sachwerten kreditnehmender Unternehmen in der Privatwirtschaft –, sondern es ist die WIRSCHAFTSLEISTUNG der Gesellschaft, die sich in den zu erwarteten Steuereinnahmen des Staats widerspiegelt.

        Zuletzt noch zu Keynes.

        Ich habe in The General Theory nachgeschaut und folgen Passage gefunden (Chapter 21, The Theory of Prices, V.), mit der Keynes WAHRE Inflation definiert und die Ihrer Feststellung widerspricht:

        „When a further increase in the quantity of effektive demand produces no further increase in output and entirely spends itself on an increase in effektive demand, we have reached a condition which might be appropriately designated as one of true inflation”.

        Keynes redet bei seiner Auffassung von Inflation nicht von Geld oder Geldmenge, sondern von EFFEKTIVER NACHFRAGE.

        Diese entsteht natürlich nur MIT Geld, aber nicht durch die Geldmenge an sich, die auf den Konten, unter Matratze oder sonst wo zu finden ist.

        Man kann die Menschen mit noch so viel Geld zuschütten, beispielsweise mit Helikoptergeld, wenn es auf den Konten liegen bleibt, bewirkt es NICHTS – auch keine Preisänderungen und damit auch keine Inflation.

      • Avatar
        Richard Ott sagte:

        @Christian Anders

        „Was sind Sicherheiten für ZB-Geld und wie ermittelt sich ihr Wert?“

        Tja, in unserem derzeitigen Finanzsystem lautet die Antwort auf diese Frage: Es gibt keine.

        Die wesentliche Frage lautet stattdessen: Auf welchen Grundlagen sollten die Nutzer des Geldes als Wertaufbewahrungs- und Tauschmittel glauben, dass sein Wert stabil bleibt?

        Wenn sie das nicht mehr glauben, werden sie das Geld so schnell wie möglich loswerden wollen um dafür wertstabilere Vermögenswerte einzutauschen – und dann ist die Geldpolitik der Zentralbank wirkungslos und das gesamte politische System des Währungsraumes der Zentralbank steht vor dem Zusammenbruch.

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @R. Ott

        „Die wesentliche Frage lautet stattdessen: Auf welchen Grundlagen sollten die Nutzer des Geldes als Wertaufbewahrungs- und Tauschmittel glauben, dass sein Wert stabil bleibt?“

        Oha. Seltene Einigkeit zwischen uns. Natürlich ist exakt das die eine wirklich relevante Frage.

        Meine Antwort darauf ist, bei dem Thema selbstverständlich ohne Gewähr: Die Nutzer der entsprechenden Währung müssen GLAUBEN, für eben diese Währung jetzt und in absehbarer Zukunft Waren/Dienstleistungen zu nicht zu volatilen Preisen erhalten zu können.
        Dabei sei „Waren/Dienstleistungen“ eine Durchschnittsbetrachtung, die nicht jeden Mikroumsatz eines einzelnen Produkts/ einer einzelnen Leistung widerspiegeln muss.

        Diesen Glauben kann man natürlich bestärken, indem die Realwirtschaft die zu glaubende Bedingung de facto auch bereitstellt. Dennoch steckt in Inflation kein zu 100% rationales Technikum, sondern zu einigen % auch Psychologie – und diese % können irrational sein.

        Das ist meine MEINUNG dazu, und Änderungen dieser bei neuen Informationen behalte ich mir vor.

      • Avatar
        Frank Präuner sagte:

        Sehr geehrter Herr Tischer,
        „Vorsicht mit derartigen Aussagen, selbst wenn sie so „weich“ wie von Ihnen formuliert werden“. Exakt! Durch Verifikation wir nichts bewiesen! Endgültige Wahrheiten gibt es nicht und wird es auch für uns Menschen nicht geben.
        Die oben erwähnte Theorie hat m.E. aber eine hohe Erklärungskraft für die Entstehung einer Hyperinflation.
        Kosten- und Nachfrageinflationen waren in der Wirtschaftsgeschichte, soweit ich informiert bin, nie ein ernsthaftes Problem. Es geht um die Entstehung von Hyperinflation und dafür scheint, gem. dieser Theorie, die Notenbanken verantwortlich zu sein, wenn Sie bei der Ausgabe von Zentralbankgeld nicht auf ihre Sicherheiten achtet, genauso wie es jede Privatbank machen muss.
        Eine Notenbank kann daher sehr wohl, wie jede Privatbank, pleitegehen, obwohl Sie das Recht zum “ Gelddrucken hat“, wenn sie selbst nicht auf ihre Sicherheiten achtet(was zurzeit weltweit geschieht).
        Geld als Tauschmittel basiert nun mal auf Vertrauen in der Bevölkerung, welches unmittelbar zerstört kann, wenn die Notenbank nicht auf ihre Sicherheiten achtet.
        Was würde den passieren, wenn uns heute die Notenbank offenbaren müsste( verursacht durch die „bösen“ Hedgefonds und anderen Marktteilnehmern..), dass ihre Sicherheiten nix mehr wert wären? Vergleichen Sie dies doch mal mit dem aktuellen Fall“ Wirecard“! Jeder von uns würde seine Beine in die Hand nehmen, um für das bestehende Geld irgendwas Reales zu bekommen. Die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes würde explodieren und Voila wir haben unsere Hyperinflation=exponentielle Inflation.
        Dafür steht oben genannte Theorie. Ob Sie jetzt richtig ist oder nicht, weiß ich persönlich nicht. Ich wäre aber extrem vorsichtig, der Theorie von Herrn Stöcker zu folgen, um die Notenbank für ein zentralbankfinanziertes Bürgergeld zu „missbrauchen“! Wo sind dort die Sicherheiten für die Zentralbank?

        Der Punkt mit Keynes ist geschenkt. Ich meinte nur, dass, vor der Zeit von Keynes (er ist also nicht Verursacher der heutigen Definition) es eine andere Definition von Inflation gab.
        Inflation= Steigerung der Geldmenge, Deflation= Minderung der Geldmenge

        Grüße aus München

      • Avatar
        ruby sagte:

        @ Herr Ott
        Die Sicherheit ist eindeutig, Sie lautet:
        Die Fähigkeit jederzeit Tilgung&Zins zahlen zu können.
        Das mag tautologisch erscheinen ist aber nur das Abstraktionsprinzip, das die Basis der modifizierten Rechtsordnung ist.
        Zahlung (oder Verrechnung von gegenseitigen Kontenforderungen) in gesetzlicher Währung befreit.
        Das ist nicht einfach Nichts, sondern ein langezeit unerwartbarer Fortschritt gewesen.
        Jedes positive Aktivkonto bei der Bank ist unser persönlicher Kredit an das Institut. Das soll nun langsam abgeschafft werden, statt die maßgebliche Wesentlichkeit jedem bereits in der Schule als Grundrecht auf Eigentum einzuprägen!

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Frank Präuner

        Hier ein aktueller Artikel, den ich interessant finde und der m. A. n. sehr viel Wahrheit enthält:

        https://www.welt.de/finanzen/article210658599/Inflationsrate-Die-Preise-steigen-aber-woanders-als-erwartet.html

        >… die Geschichte zeigt, dass in der Regel die Preise nur dann nachhaltig steigen können, wenn dies auch die Löhne tun. Experten sprechen von Lohn-Preis-Spirale.

        Mit einer solchen Entwicklung rechnen nur die wenigsten Ökonomen. Und so könnte sich die Geldschwemme weniger in steigenden Preisen für Güter und Dienstleistungen bemerkbar machen, als vielmehr in höheren Börsenkursen.

        Schon in den vergangenen Jahren ließ sich dieses Phänomen beobachten. So sind weltweit die Aktienindizes deutlich stärker gestiegen als die Löhne der Beschäftigten.
        Sichtbar wird das, wenn man den Dax nicht ausgedrückt in Punkten darstellt, sondern im Stundenlohn eines normalen deutschen Arbeitnehmers, der aktuell laut Statistischem Bundesamt bei 21,92 Euro liegt. Danach müssen Beschäftigte in Deutschland im Schnitt mehr als 550 Stunden arbeiten, um sich den Euro-Gegenwert des Dax zu kaufen, der zuletzt bei rund 12.200 Punkten stand.
        Diese 550 Stunden Arbeit liegen zwar unter dem historischen Hoch von 630, das im Jahr 2017 markiert wurde. Ein Beschäftigter muss aber dennoch heute rund fünfmal so lang schuften wie nach der deutschen Wiedervereinigung Anfang der 90er-Jahre. In den USA hat sich die Relation zwischen Löhnen und Aktien noch krasser auseinanderentwickelt. Vor drei Jahrzehnten konnten sich Amerikaner für 20 Stunden Arbeit den aktuellen S&P-Stand leisten. Heute sind 120 Stunden nötig.>

        Diese Entwicklung hat nicht nur, aber AUCH etwas mit der Geldpolitik der Notenbanken zu tun und entspricht der Auffassung von Keynes:

        NICHT das Geld, aber das für NACHFRAGE eingesetzte Geld fragt NICHT realwirtschaftliche Investitionen, sondern BESTANDSWERTE nach.

        Dies NUR auf die Einkommens- und Vermögensungleichheit zurückzuführen, ist falsch. Dr. Stelters Argumentation gegen die Auffassung von Piketty zeigt dies.

        Wir HABEN also bereits Inflation – aber keine bei den Verbraucherpreisen (Nahrungsmittel ausgenommen und durch den Preisverfall von Kraftstoff in etwa ausgeglichen).

        Was M. Stöcker betrifft:

        Er hat hier am Blog behauptet, dass Inflation NUR bei Lohnerhöhungen möglich sei.

        Dies war z. B. in den 70er Jahren der Fall, ist aber heute eindeutig falsch.

        Die Asset-Inflation belegt es.

      • Avatar
        Joerg sagte:

        Hallo Herr Tischer,

        leider ist der Welt-Artikel hinter einer Bezahlschranke. Aber da sind sie wohl einem Fake aufgesessen?

        Auf was wurden denn die Loehne indexiert? Ich vermute auf den Performance-Dax (Sie nennen einen Dax-Stand von 12.200)?
        Aber ist das nicht eine durchschaubare Manipulation von den Autoren!?
        Die jaehrlichen Dividenden einzurechnen, ergibt auf laengere Zeit einen erheblichen Zinseszins-Effekt ;-)
        Bei Loehnen kann es keinen Zinseszins-Effekt geben, da nur jeweils Zeit gegen Geld getauscht wird.

        Nur, der Kurs-Index vom DAX wuerde leider keinen grossen Aha-Effekt bringen, eher Traenen … ;-)
        https://www.boerse.de/langfristchart/DAX-Kursindex-/DE0008467440
        Da hat sich nicht viel getan, seit 2000, keine Vermoegenspreis-Inflation, genauso ernuechternd, wie die Real-Lohn-Entwicklung. Wieder kein Maerchen vom Reichen Deutschland … :-(
        (beim MSCI World oder S&P500 saehe das natuerlich anders aus … aber: das waere ja das Vermoegen der anderen?)

        Koennte man solche Rechen-Spielchen besser machen, indem auf zB Gold indexiert wird? Dann muss man nicht Unternehmenswerte nehmen, die ein Eigenleben haben … (welche Unternehmen sind heute im DAX, welche vor 20 Jahren? macht es ueberhaupt Sinn, Unternehmenswerte zu Loehnen zu indexieren? warum nicht Immobilien-Indices als Vergleich nehmen, damit kann man leichter Asset-Preis-Inflation „beweisen“?)

        LG Joerg

      • Avatar
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Joerg

        DIE WELT bringt Artikel, die eine kurze Zeit lang ohne Bezahlschranke zu lesen sind, aber dann nur noch mit.

        Ich erlaube mir, aus Artikeln kostenlos zu zitieren sozusagen als Gegenleistung dafür, dass meine Verlinkung als Werbung für das jeweilige Blatt angesehen werden kann.

        Zur Sache:

        Sehr aufmerksam, danke für den konstruktiven Kommentar.

        Ich würde nicht Fake sagen, aber fehlende Klarheit.

        Einrechnen sollte man die Dividenden natürlich nicht, weil das Thema INFLATION ist, was nichts mit der EINKOMMENSERZIELUNG durch Dividenden zu tun hat.

        >Da hat sich nicht viel getan, seit 2000, keine Vermoegenspreis-Inflation, genauso ernuechternd, wie die Real-Lohn-Entwicklung. Wieder kein Maerchen vom Reichen Deutschland>

        Sie beziehen sich beim Dax (Kursindex, ohne Dividenden) auf das Jahr 2000 und haben damit Recht, was die Kursentwicklung bis heute betrifft.

        Man kann sich genauso willkürlich auch auf Anfang der 90er Jahre beziehen und da sieht die Sache schon etwas anders aus.

        Was der Artikel auf Basis DIESES Zeitintervalls sagt (korrigiert anhand Ihres Einwands):

        Wenn man, wie der Autor, die Entwicklung des Durchschnittslohns von Anfang der 90er Jahre bis heute mit der Entwicklung des Dax im selben Zeitraum (Kursindex, ohne Dividenden) vergleicht, d. h. mit etwa der Verfünfachung des Dax, dann konnte die Lohnentwicklung nicht mithalten.

        Das heißt, dass die Löhne, wenn überhaupt, langsamer gestiegen sind als der Dax.

        Wenn man die Lohnentwicklung über die drei Jahrzehnte als im Gleichklang mit der leicht positiven, aber nicht inflationären Preissteigerung, wie sie etwa mit Bezug auf den Warenkorb (Verbraucherpreise) verstanden wird, ansetzt, kann man sehr wohl sagen:

        Der stärkere Anstieg des Dax unterstützt die Auffassung, dass es eine Asstepreis-Inflation gibt.

        Aber das wurde nicht hinreichend explizit gemacht in dem Artikel.

        Ich denke dennoch, dass er Recht hat wird mit seiner Auffassung:

        Bevor es eine spürbare Inflation der Verbraucherpreise geben wird, erleben wir – ODER – haben wir bereits eine Assetpreis-Inflation erlebt.

    • Avatar
      Frank Präuner sagte:

      Sehr geehrter Herr Anders,
      noch zum ersten Punkt:
      „dem armen Herrn Stöcker tun Sie z. B. unrecht, wenn Sie glauben, da käme er ins Schwimmen.“
      Wenn die Theorie von Prof. Gunnar Heinsohn und Staiger stimmt und jetzt die empirische Bestätigung durch Herrn Dr. Ingo Sauer auch zutreffend ist, dann ist die logische Folge, dass ein Zentralbank finanziertes Bürgergeld(Was Herr Stöcker immer postuliert hat) schwer nachvollziehbar! Daher nochmals das Video:
      Sehr geehrter Herr Anders,
      noch zum ersten Punkt
      „dem armen Herrn Stöcker tun Sie z. B. unrecht, wenn Sie glauben, da käme er ins Schwimmen.“
      Wenn die Theorie von Prof. Gunnar Heinsohn und Staiger stimmt und jetzt die empirische Bestätigung durch Herrn Dr. Ingo Sauer auch zutreffend ist, dann ist die logische Folge, dass ein Zentralbank finanziertes Bürgergeld(Was Herr Stöcker immer postuliert hat) schwer nachvollziehbar! Daher nochmals das Video
      https://www.youtube.com/watch?v=zvut4oK9S80&t=2s
      Das ausgegebene Zentralbankgeld muss werthaltig besichert sein! Wie das bei einem Zentralbank finanziertem Bürgergeld vor sich gehen soll, erschließt sich mir nicht!

      Antworten
      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        @Frank Präuner

        Nur kurz: Ich kann das Video mit Muße erst morgen schauen. Für eine fundierte Antwort auf die „Empirie“ braucht es das aber – also dazu morgen was.

      • Avatar
        Christian Anders sagte:

        So. Nun habe ich die Langversion in Gänze gesehen, ein paar Stellen auch mehrmals.

        Was genau sind hier die Punkte? Sauer erklärt:

        a) dass die Quantitätstheorie keine Theorie ist (als solche also untauglich)
        b) dass Hyperinflationen einem Mechanismus unterliegen, bei dem eine Zentralbank den Abwertungsdruck auf ihre Währung nicht mehr abwehren kann, weil Sie insolvent in liquiden Gegenwerten ist (Devisen, Gold, Anleihen anderer Währungsräume, etc.)
        c) dass Geldmenge und Entwicklung der Verbraucherpreise nicht korreliert sind
        d) dass der Monetarismus wegen c) falsch sein muss
        e) dass die gewöhnliche Inflation, die im Hintergrund immer läuft, nicht Hauptgegenstand seiner Untersuchung war
        ———-
        Das ist für mich in so weit INTERESSANT, weil ich nicht alle Aussagen, die sie mit Verweis auf dieses Video getätigt haben, nachvollziehen kann. Ich sehe den Widerspruch zu Herrn Stöcker nicht – aber das soll dieser selber klären.
        Ich sehe aber auch den Widerspruch zu MMT nicht. Da in MMT KEINERLEI Inflationstheorie enthalten ist (was man ihr vorwerfen kann), ist da aber auch nichts Widersprüchliches. Dass Zentralbanken insolvent an Devisen gehen können und ihre Interventionsmacht an den globalen Märkten ASYMMETRISCH ist (gegen eine Aufwertung geht immer, gegen eine Abwertung nicht), ist ja nichts Neues.

        Das wäre mein Punkt: Zumindest im Interview fand ich jetzt keine neuen, überraschenden Punkte. Dass der Mainstream (oder zumindest ein großer Teil) der Ökonomen noch an alten Paradigmen festhängt, denen hier widersprochen wird: Geschenkt. Wüssten wir das nicht, würden wir nicht bei bto diskutieren ;-).

        Ein weiterer Punkt: Die Existenz eines Zusammenhangs festzustellen (genau das hat Sauer gemacht) und ihn empirisch zu belegen, gibt immer noch nicht preis, WIE dieser Zusammenhang sich bildet. Genau dieses WIE muss aber Kern einer Inflationstheorie sein.

        Es sei denn, man macht es wie Hayek und erklärt Geldmengenerweiterung und Inflation für dasselbe. Dann hat man eine Tautologie ohne Erklärwert und spart sich so eine Theorie über Entwicklung von z. B. Lebenshaltungskosten relativ zum Einkommen.
        Da letzteres aber für die Menschen absolut relevant ist, betreibt man so irrelevante Ökonomie – wem nutzt das?

  7. Avatar
    RealTerm sagte:

    aktuell zum Thema (Hyper)Inflation:
    https://www.youtube.com/watch?v=zvut4oK9S80&t=2s
    Zwar macht Ingo Sauer aus meiner Sicht in seiner Arbeit einen unzulässigen Zirkelschluss (dort kommentiert), so dass aus meiner Sicht diese Theorie nicht „der Stein der Weisen“ ist, jedoch ist ein Aspekt seiner Arbeit durchaus bemerkenswert:
    (Hyper-)Inflationen wurden historisch über eine „schlechte“ Zentralbankbilanz (Qualität) und des daraus resultierenden Verfalls des Außenwertes der Währung getriggert, und nicht etwa naheliegender Weise durch die Geldmenge (Quantität).
    Letztlich teile ich sein Ergebnis, aber aus einem anderen Blickwinkel heraus. (Hyper-)Inflationen sind kein kontinuierlicher Prozess, wie das Wachsen der Geldmenge, sondern ein hoch nichtlineares Phänomen, das durch einen Vertrauensverlust der Geldbesitzer ausgelöst wird, eher also eine Art „Massenhysterie“. Durch ein Abschmieren des Außenwertes der Währung bei Handlungsunfähigkeit der Zentralbank kann solch ein Massenphänomen ausgelöst werden.
    In einer Welt, in der aber alle Währungen aufgeblasen werden, lässt sich der Außenwert nicht mehr wie früher am Dollar messen, der ja ans Gold gebunden war. Heute also muss man direkt den Goldpreis beobachten. Kritisch wird es also, wenn der Goldpreis unkontrolliert durch die Decke geht und es für alle offensichtlich wird, dass die Welt Fieber hat. Nicht umsonst hat Paul Volcker rückblickend auf die 70er Jahre gesagt, dass es sein größter Fehler war, den Goldpreis nicht in Schach zu halten.

    Antworten
  8. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Schön, dass Frau Dröge beim Thema Lufthansa zu Wort kommen darf.

    Denn Ihre Auffassung zeigt sehr deutlich, was zu erwarten ist, wenn Leute wie sie bzw. ihre Partei, die Grünen, ENTSCHEIDEND mitregieren.

    Um was geht es ihnen?

    Es geht ihnen nicht darum, wer der bessere Unternehmer bzw. ein kompetenterer Aufsichtsrat IST – das sind nicht ihre Kriterien.

    Es geht auch nicht darum, ob die entscheidenden Politiker ein Unternehmen von innen gesehen haben oder nicht.

    Für sie geht es darum, was die Lufthansa als Unternehmen sein SOLL:

    Nur dort fliegen, wo es gewollt ist, das selbstverständlich umweltfreundlich und vor allem Arbeitsplätze sichernd.

    Wie erreicht man dies?

    Egal, ob Corona oder etwas anderes, man darf die Lufthansa nicht pleitegehen lassen.

    Denn würde sie pleitegehen, hätte man eine große Anzahl von Arbeitslosen an der Backe, was zu Problemen für die Regierung und die Gesellschaft führen würde.

    Also rettet man die Lufthansa und versucht dabei mit BEDINGUNGEN, die man mit der Rettung diktieren zu können glaubt, das Unternehmen auf den gewünschten Soll-Kurs zu trimmen.

    Klar Absicht dabei:

    Der Staat will NICHT zum Unternehmer werden und die Lufthansa wird KEIN „volkseigener Betrieb“.

    Denn damit wäre das Risiko des Scheiterns verbunden, was man tunlichst vermeiden will.

    Heißt in der Konsequenz nach den Vorstellungen von Frau Dröge & Co.:

    Die Lufthansa darf und soll in SELBSTVERANTWORTUNG unternehmerisch tätig sein.

    Wenn sie dabei aufgrund der auferlegten Bedingungen oder sonstigen Umstände wieder ins Trudeln gerät, wird sie wieder gerettet und darf weitermachen, wenn als erforderlich angesehen, mit weiteren Auflagen.

    Kurzum:

    Man will einen mit dem Geld der Steuerzahler bzw. durch Staatsverschuldung finanzierten Kapitalismus.

    Unternehmen, die es schaffen als SYSTEMRELEVANT klassifiziert zu werden, können sich darauf einstellen, dabei zu sein.

    Gibt es Probleme?

    Der Staat muss sich das jeweilige „Rettungsgeld“ beschaffen können.

    Die Finanzierung durch Steuern dürfte schwierig werden, wenn sich die Fälle häufen, aber stattdessen Finanzierung mittels Verschuldung sollte bei vergleichsweise geringem Verschuldungsgrad erst einmal keine Probleme bereiten.

    Bei einem höheren Verschuldungsgrad auch erst einmal keine, wenn man eine Notenbank im Rücken hat.

    Man sollte daher damit rechnen, dass dieses Schema beabsichtigter staatlicher Unternehmensrettungen Schule macht.

    Akzeptanz in der breiten Bevölkerung hat es, denn mit der Rettung ist für sie alles in trockenen Tüchern.

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      Richard Ott sagte:

      @Herr Tischer

      Das kommt halt davon, wenn man Politiker*innen nach Geschlecht und nicht nach Kompetenz aussucht, wie es bei den Grünen ja leider die Regel ist:

      Deutschlandfunk: „Frau Dröge, Kritikerinnen und Kritiker könnten nun sagen, erst wenn die letzte Kundin und der letzte Kunde auf eine andere Fluggesellschaft umgestiegen sind, werden Sie, Frau Dröge, erkennen, dass man mit Grünen-Ideologie nicht wirtschaftlich fliegen kann. Wie erklären Sie das dann den Beschäftigten?“

      Dröge: „Dann macht man, wenn man so argumentiert, genau denselben Fehler, den die deutsche Automobilindustrie über viele Jahre gemacht hat, zu glauben, dass man den Wandel hin zu klimaneutralen Technologien aufhalten kann, und nicht zu sehen, dass darin auch große Chancen liegen, halte ich für einen Fehler. Die Märkte werden sich in diese Richtung entwickeln. Sie werden sich in diese Richtung entwickeln müssen, wenn wir diese Klimakrise noch aufhalten wollen. Und dann ist es gut, wenn man das Unternehmen ist, das das als erster kann. Dann kann man dort auch wieder Marktführer werden und dann hat man damit auch eine gute wirtschaftliche Zukunft. Wenn man versucht zu bremsen, machen das andere, und das erleben die deutschen Automobilkonzerne gerade.“

      Deutschlandfunk: „Können Sie Beispiele für international operierende grüne Fluggesellschaften nennen?“

      Dröge: „Frankreich hat gerade mit der Air France deutlich ambitioniertere Ziele vereinbart, sowohl was den Verzicht auf Inlandsflüge als auch die Reduzierung von CO2-Emissionen pro geflogenen Personenkilometern angeht. Das sind Beispiele, an denen man sich orientieren kann. Auch Österreich hat härtere Vorgaben gemacht. Wir leben nicht auf einer Insel. Wir müssen nur ins europäische Umland schauen und sehen, dass dort andere sich auf den Weg machen.“
      https://www.deutschlandfunk.de/droege-gruene-zur-lufthansa-rettung-staat-hat-sich-ein.694.de.html?dram:article_id=479279

      Ich bin schon gespannt, wie der neue VEB Lufthansa zum globalen Vorbild in Sachen „klimaneutrales Fliegen“ wird. Ob Frau Dröge wohl auf das geniale Konzept „Elektroantrieb für Flugzeuge“ setzt? Oder synthetische Teibstoffe? Oder gar sogenanntes „Biokerosin“?

      Und noch viel neugieriger bin ich darauf, was passieren wird, wenn die großen Fluggesellschaften in China oder gar die Emirates-Airline aus Dubai unbeeindruckt von Frau Dröges originellen Konzepten weiter so machen wie bisher und dadurch einen riesigen Kostenvorteil gegenüber der Lufthansa bekommen.

      Greta und Luisa können schon mal das Wickeln von Kopftüchern üben und chinesisch lernen…

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Richard Ott

        >Die Märkte werden sich in diese Richtung entwickeln. Sie werden sich in diese Richtung entwickeln müssen, wenn wir diese Klimakrise noch aufhalten wollen.>

        Die Märkte müssen überhaupt nichts.

        Die Unternehmen müssen allerdings eine „Richtung“ akzeptieren, wenn der Staat sie erzwingt – GEGEN die Märkte.

        Wir werden sehen, ob sich dieses Verständnis „grüner“ Ökonomie durchsetzt.

        Es wird jedenfalls eine erhebliche Anzahl Geschädigter bei diesem Unterfangen geben.

        Sie werden ein gewichtiges Wort mitreden.

        Schon jetzt auf großer Bühne:

        Bei den Verhandlungen um die Verwendung der EU-Milliarden haben einige Länder anscheinend deutlich gemacht, dass es vorrangig darum geht, die Rezession zu überwinden und nicht die Energiewende voran zu bringen.

        Dieser Konflikt wird auf allen Ebenen ausgetragen werden.

        Ich bin sicher, dass die Gründen dabei auf erheblichen Widerstand stoßen werden.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Tischer

        Der frisch veröffentlichte Entwurf des neuen Grünen-Grundsatzprogramms ermöglicht uns einen tieferen Einblick in die Denkweise der Grünen-Parteikader:

        „(6) Jede Zeit hat ihre Aufgabe. Die Aufgabe unserer Zeit ist, eine krisenfeste Gesellschaft demokratisch zu gestalten. Dazu ist Wohlstand im Sinne von Klimaneutralität, Vorsorge und Gerechtigkeit neu zu definieren und die Politik darauf auszurichten.

        (95) Es gilt das Primat der Politik, auch gegenüber Wirtschaft und Kapital. Wir wollen es neu begründen. Dafür braucht es einen starken, effizienten und handlungsfähigen Staat und klare Leitplanken aus Steuer-, Abgaben- und Ordnungsrecht sowie intelligenter öffentlicher Forschungs- und Förderpolitik. Im Wettbewerb soll erfolgreich sein, wer übergeordnete gesellschaftliche Ziele nicht konterkariert, sondern befördert.

        (97) Zukunftsfähige Wirtschaftspolitik orientiert sich an einem Wohlstandsmaß und einer neuen Form der Wirtschaftsberichterstattung. Sie berücksichtigen neben ökonomischen auch ökologische, soziale und gesellschaftliche Entwicklungen sowie Sorgearbeit, die zum größten Teil von Frauen – unbezahlt – geleistet wird. Wohlstand ist mehr als Konsum, nämlich auch Freizeit, Bildung, Familie, Gemeinschaft und Gesundheit.“
        https://cms.gruene.de/uploads/documents/202006_B90Gruene_Grundsatzprogramm_Entwurf.pdf

        „Wohlstand im Sinne von Klimaneutralität neu definieren“ – „Im Wettbewerb soll erfolgreich sein, wer übergeordnete gesellschaftliche Ziele nicht konterkariert, sondern befördert.“ – „Wohlstand ist mehr als Konsum, nämlich auch Freizeit, Bildung, Familie, Gemeinschaft und Gesundheit.“

        Übersetzt also: Der Pöbel wird in Zukunft viel seltener fliegen, und es habe ihm gefälligst zu gefallen und er habe den Grünen dafür dankbar zu sein. So kann er schließlich viel mehr Zeit zu Hause verbringen, was seinen neuen „grünen Wohlstand“ vergrößert.

        Das wird ganz heftig krachen.

  9. Avatar
    Richard Ott sagte:

    Deflation oder Inflation? Natürlich beides, und zwar jeweils möglichst heftig und in kurzer Abfolge hintereinander!

    Das maximiert den wirtschaftlichen Schaden und macht die verängstigte und verarmte Bevölkerung bereit dafür, die nächsten Schritte in die „Schöne Neue Welt“ mitzugehen. Wie diese Welt genau aussehen wird, darüber haben unsere Zentralplaner in Brüssel und die intersektional-marxistischen Revolutionäre in unseren Straßen unterschiedliche Auffassungen, aber in diesem Punkt sind ihre Strategien gleichlaufend.

    „Never let a good crisis go to waste.“

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      Wolfgang Selig sagte:

      @Herrn Ott:

      Inflation und Deflation hintereinander? Na ja, vielleicht, aber wenn dann nicht in gleichem Maße. Schauen wir uns die Formel an:

      P = M x U : Y

      Preisniveau = Geldmenge mal Umlaufgeschwindigkeit geteilt durch die reale Produktion

      Da die Geldmenge M permanent wächst, wird nur durch einen massiven Einbruch der Umlaufgeschwindigkeit U oder eine massive Produktionsausweitung (Y) über das Geldmengenwachstum hinaus insgesamt von Deflation zu sprechen sein. Das sehe ich angesichts der in den letzten 10 Jahren bereits gesunkenen Umlaufgeschwindigkeit und der allgemeinen grundsätzlichen Probleme bei Produktionssteigerungen nicht.

      Das heißt nicht, dass einzelne Preise wie z.B. die Löhne westlicher Industrie-Arbeitnehmer spezieller Branchen wie z.B. in der KFZ-Produktion oder einzelner Produkte wie z.B. 24-Zoll-Bildschirmen nicht sinken können, aber in der Breite werden die Preise steigen. Bei den Vermögenspreisen wie Aktien, Immobilien, Kunstgegenstände, Oldtimer, Anleihen, etc. ist das seit Jahren offensichtlich und es ist kein Ende in Sicht. Bleiben die Verbrauchsgüter, deren Preisentwicklung gerne fälschlich als Inflationsrate bezeichnet wird. Nur – wo sollen hier die rasenden Produktivitätszuwächse oder die neuen ehrgeizigen Billiglohnländer (nach Ostasien in den letzten Jahrzehnten) als neue Wettbewerber herkommen? Das sehe ich nicht.

      Daher ganz klar meine Einschätzung: Inflation. Allerdings erst in ein paar Jahren, wenn die Geldumlaufgeschwindigkeit steigt, weil das Vertrauen in den Kaufkrafterhalt der Währung endgültig zerstört wird. Wenn die Leute erst anfangen, ihre Ansparprodukte oder ihre private Altersversorgung aufzulösen, um Sachwerte wie Verbrauchsgüter, Edelmetalle oder Handwerkerleistungen zu erwerben, geht die Geldumlaufgeschwindigkeit durch die Decke. Und dann geht die Inflation nach Norden. Und zwar stark.

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        Richard Ott sagte:

        @Herr Selig

        „Das sehe ich angesichts der in den letzten 10 Jahren bereits gesunkenen Umlaufgeschwindigkeit und der allgemeinen grundsätzlichen Probleme bei Produktionssteigerungen nicht.“

        Die Ursache für Deflation wird in unserer aktuellen Situation sicherlich keine massive Produktionssteigerung sein, sondern eher das, was Irving Fisher in seiner „Theory of Debt Deflation“ beschrieben hat:

        „Assuming, accordingly, that, at some point of time, a state of
        over-indebtedness exists, this will tend to lead to liquidation, through
        the alarm either of debtors or creditors or both. Then we may deduce
        the following chain of consequences in nine links: (1) Debt liquidation
        leads to distress setting and to (2) Contraction of deposit currency, as
        bank loans are paid off, and to a slowing down of velocity of circula-
        tion. This contraction of deposits and of their velocity, precipitated
        by distress selling, causes (3) A fall in the level of prices, in other words,
        a swelling of the dollar. Assuming, as above stated, that this fall of
        prices is not interfered with by reflation or otherwise, there must be
        (4) A still greater fall in the net worths of business, precipitating bank-
        ruptcies and (5) A like fall in profits, which in a “ capitalistic,“ that
        is, a private-profit society, leads the concerns which are running at a
        loss to make (6) A reduction in output, in trade and in employment of
        labor. These losses, bankruptcies, and unemployment, lead to (7) Pes-
        simism and loss of confidence, which in turn lead to (8) Hoarding and
        slowing down still more the velocity of circulation.
        The above eight changes cause (9) Complicated disturbances in the
        rates of interest, in particular, a fall in the nominal, or money, rates and
        a rise in the real, or commodity, rates of interest.“
        https://fraser.stlouisfed.org/files/docs/meltzer/fisdeb33.pdf

        Und *danach* könnten die Zentralbanken die Druckerpressen heiß laufen lassen – das wäre mein plausibelstes Szenario für Deflation mit darauf folgender Inflation.

      • Avatar
        Bernhard-Albrecht Roth sagte:

        @ Wolfgang Selig

        „Da die Geldmenge M permanent wächst, wird nur durch einen massiven Einbruch der Umlaufgeschwindigkeit U oder eine massive Produktionsausweitung (Y) über das Geldmengenwachstum hinaus insgesamt von Deflation zu sprechen sein. Das sehe ich angesichts der in den letzten 10 Jahren bereits gesunkenen Umlaufgeschwindigkeit und der allgemeinen grundsätzlichen Probleme bei Produktionssteigerungen nicht.“

        In einer Krise wie der „Corona-Krise“ sinkt die Geldmenge trotz der Billionen an neuem Zentralbankgeld. Siehe: http://inflationsschutzbrief.de/corona-krise-geldflut-der-fed-ein-irrtum/

        Beste Grüße,
        Bernhard-Albrecht Roth

  10. Avatar
    weico sagte:

    Die schon langanhaltende deflationäre Tendenz der Löhne und die zunehmende Privat-und Unternehmensverschuldung lässt eine Zinserhöhung der ZB’s gar nicht.Eine baldige Inflation ist daher Wunschtraum.

    Roubini hat in einem neueren Artikel auf den Umstand verwiesen,dass..:

    „..die hochverschuldeten Konzerne auf die COVID-19-Krise reagieren, wie sie es nach 2008 taten: durch Inanspruchnahme von Rettungsgeldern und Erreichen ihrer Gewinnziele durch radikale Senkung der Arbeitskosten.“

    Quelle:https://www.project-syndicate.org/commentary/main-street-manifesto-for-covid19-crisis-by-nouriel-roubini-2020-06/german

    Das „Prekariat“ wächst daher langsam aber stetig, weil es SYSTEMBEDINGT aus dem KAPITALISMUS entstehen MUSS.

    Fazit : Die sozialen und wirtschaftliche Probleme nehmen mit der wachsenden Verschuldung und dem Kostendruck der Unternehmen stetig zu .Staatliche Steuererträge nehmen daher stetig ab und um die deflationären Auswirkungen zu lindern nehmen staatliche „Rettungsgelder stetig zu . Klassische DEFLATIIONSSPIRALE.

    Eine INFLATION wird daher also erst dann eintreffen, kurz bevor das kapitalistische System scheitert.

    Man denke an die Worte des grossen Bankiers FELIX SOMARY:
    „Die Wendejahre von Perioden des sinkenden zu denen des steigenden Geldwertes haben immer grosse Krisen ausgelöst.“

    Antworten
    • Daniel Stelter
      Daniel Stelter sagte:

      Vielen Dank für Ihre vielen Kommentare bei bto. Folgende Frage: ich kenne natürlich Felix Somary, habe aber nicht alles gelesen….und finde das Zitat nicht, welches Sie heute im Kommentar brachten. Ich wollte es gerne für einen Beitrag aufnehmen – also Ihre Idee “klauen” – und würde da natürlich gerne vom Original zitieren. Können Sie mich darauf hinweisen? DANKE

      Herzliche Grüße,

      DSt

      Antworten
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        weico sagte:

        Guten Abend Herr Stelter

        Der Satz von Felix Somary stammt, aus einem längeren Kontext, aus seinem Buch :
        „Die Ursache der Krise“ (1932) Seite 46

        Er kommt auch in seinem Buch „Erinnerungen aus meinem Leben“ (1959) Seite 214 bzw. in der neueren Auflage des Verl. NZZ (2013) auf Seite 200 vor.

        Felix Somary’s Bücher sind Heute leider (fast) völlig in Vergessenheit geraten , aber ihr Inhalt wäre HEUTE aktueller den je …..und sollten jedem Politiker und Banker zur Pflichtlektüre auferlegt werden..

        Beste Grüsse und danke für ihren ausgezeichneten Blog

      • Avatar
        weico sagte:

        „Er kommt auch in seinem Buch „Erinnerungen aus meinem Leben“ (1959) Seite 214 bzw. in der neueren Auflage des Verl. NZZ (2013) auf Seite 200 vor.“

        Sorry keiner Tippfehler : In der neuen Auflage des Ver.NZZ (2013) auf Seite 220 vor.

      • Avatar
        ruby sagte:

        @ weico & B.-A. Roth
        Was für eine tolle Zeitreise!
        Sommary in Englisch liest sich sehr schön.
        Weber, Schumpeter, Schacht, der Wechsel in die Schweiz und USA zeigen ein mächtiges Gemälde und die langen Linien, wie im Brennglas.

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