Wie die Psychologie uns daran hindert, die Konsequenzen zu ziehen

Nun kann man ja bei den von bto behandelten Themen durchaus schlechte Laune bekommen. In der Tat ist meine Erfahrung, dass Leser und Zuhörer meiner Argumentation folgen, deprimiert reagieren und das Thema dann zur Seite schieben. Keine Lust sich weiter damit zu beschäftigen und heimliche Hoffnung, es würde schon nicht so weit kommen. Bisher ist es ja auch gut gegangen.

Offensichtlich handelt es sich um ein typisch menschliches Verhalten, wie die FT so schön zusammenfasst: „even if we had clearly seen the crisis coming, would it have made a difference?”

  • „Consider New Orleans in 2004. With a terrible hurricane bearing down on the city, officials realised that the situation was grim. (…) Some readers will recall, though, that the catastrophe of Hurricane Katrina took place in 2005. The storm of 2004 was Hurricane Ivan, which, after lashing the Caribbean, weakened and turned aside from New Orleans. The city had been given almost a full year’s warning of the gaps in its defences. The near miss led to much discussion but little action. (…) It was an awful failure but surely not a failure of forecasting.“ bto: Die Stadt hat die Zeit nicht genutzt mit verheerenden Folgen, obwohl diese Folgen absehbar waren. Dies erklärt wohl auch die deutsche Politik.
  • „Robert Meyer and Howard Kunreuther in The Ostrich Paradox argue that it is common for institutions and ordinary citizens to make poor decisions in the face of foreseeable natural disasters, sometimes with tragic results. There are many reasons for this, including corruption, perverse incentives or political expediency.“ bto: was sicherlich auch auf die deutsche Politik, zum Beispiel mit Blick auf Migranten und Euro, zutrifft (ohne Korruption).
  • „But the authors focus on psychological explanations. They identify cognitive rules of thumb that normally work well but serve us poorly in preparing for extreme events. One such mental shortcut is what the authors term the amnesia bias, a tendency to focus on recent experience. We remember more distant catastrophes but we do not feel them viscerally. (…) We cut the same cognitive corners in finance. There are many historical examples of manias and panics but, while most of us know something about the great crash of 1929, or the tulip mania of 1637, those events have no emotional heft. Even the dotcom bubble of 1999-2001, which should at least have reminded everyone that financial markets do not always give sensible price signals, failed to make much impact on how regulators and market participants behaved. Six years was long enough for the lesson to lose its sting.“ bto: Das ist doch faszinierend. Wir haben es erlebt, und weil wir es überlebt haben, nehmen wir es nicht mehr als so tragisch wahr.
  • „Another rule of thumb is optimism bias. We are often too optimistic, at least about our personal situation, even in the midst of a more generalised pessimism. In 1980, the psychologist Neil Weinstein published a study showing that people did not dwell on risks such as cancer or divorce. Yes, these things happen, Professor Weinstein’s subjects told him: they just won’t happen to me.“ bto: was natürlich mit Blick auf die Probleme, die vor uns liegen, eine durchaus heroische Annahme ist.
  • Und dann noch der single action bias: „(…) confronted with a worrying situation, taking one or two positive steps often feels enough. If you have already bought extra groceries and refuelled the family car, surely putting up cumbersome storm shutters is unnecessary“? bto: Das ist so wie das Kilo Gold, das wohl genügt, um die Krise zu überstehen. Es genügt halt nicht.
  • „(…) because things often do work well, we forget. The old hands retire; bad memories lose their jolt; we grow cynical about false alarms. Yesterday’s prudence is today’s health-and-safety-gone-mad. Small wonder that, 10 years on, senior Federal Reserve official Stanley Fischer is having to warn against extremely dangerous and extremely short-sighted efforts to dismantle financial regulations. All of us, from time to time, prefer to stick our heads in the sand.“ bto: Und das machen gerade sehr viele Leute. Witzigerweise verstärken sie damit das Problem noch. Die Politiker können deshalb durch weiteres Aussitzen die Probleme nochmals vergrößern. Wir geben ihnen die freie Hand.

FT (Anmeldung erforderlich): „Mental bias leaves us unprepared for disaster“, 18. August 2017

Kommentare (21) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. Avatar
    Thomas sagte:

    >In der Tat ist meine Erfahrung, dass Leser und Zuhörer meiner Argumentation folgen, deprimiert reagieren und das Thema dann zur Seite schieben. Keine Lust sich weiter damit zu beschäftigen und heimliche Hoffnung, es würde schon nicht so weit kommen.

    Damit die Leute aktiv werden (können), müssen ja auch mehrere Umstände zusammentreffen:
    Motivation, sich mit Finanzen zu beschäftigen
    Bildung und Intelligenz, um das abstrakte Thema zu begreifen
    Selbstvertrauen, eine eigene Meinung zu bilden – unabhängig vom Mainstream – und diese als Verhaltensgrundlage zu nehmen
    Ersparnisse in ausreichendem Maß, um praktisch aktiv werden zu können

    Ich würde mich wundern, wenn die Punkte „und-verknüpft“ auf mehr als 5%-10% der Bevölkerung zutreffen. Insofern bin ich froh, dass es Websites wie die Ihre und ein paar „Fringe“-Authoren gibt, die der vermutlich kleinen Zahl hilft, auf Kurs zu bleiben und sich nicht ganz so alleine zu fühlen. Dankeschön!

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    HN sagte:

    Zu dem Artikel fielen mir spontan die zwei kurzweiligen Bücher von Rolf Dobelli ein:
    „Die Kunst des klaren Denkens“ sowie „Die Kunst des klugen Handelns“ – dem einen oder anderen hier vielleicht schon bekannt.

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    Axel sagte:

    „Ein Kilo Gold reicht nicht“…Stimmt. Habe mir deßhalb Heute noch schnell ein Pfund Bitcoins zugelegt!
    Wie soll (kann) sich der vorbereiten, der finanziell nicht dazu in der Lage ist, ein lächerliches Kilöchen Gold zu erwerben?
    Sollte der Goldpreis im Krisenfall denn nicht explodieren und seine wahre monetäre Bedeutung offenbaren?
    Keine guten Aussichten für Normalverdiener?

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      Wolfgang Selig sagte:

      Eigentlich ist das hier der falsche Blog für Ihre Frage. Aber gut:
      Kilogoldbarren sind sicherlich nichts für den Alltagsgebrauch und den Kleinanleger. Hier gibt es Barren bzw. Münzen mit 100 g, 50 g und Unzen (ca. 31 g), außerdem auch sehr viel im Bereich Silbermünzen (Achtung Umsatzsteuer!). Allerdings macht Gold in winzigen Stückelungen (z.B. Zehntelunzen) wegen des Aufpreises gegenüber den „großen“ Stückelungen wirtschaftlich keinen Sinn. Mit einem normalen Krügerrand, Maple Leaf oder Wiener Philharmoniker im Unzenformat sind Sie zur Zeit mit einer Anlagesumme von rd. 1.160 € bei geringem Aufpreis wesentlich unter einem üblichen Preis für einen Kilobarren (z.Zt. rd. 36.000 €) auch mit einem kleineren Budget dabei. Bitte beim Kauf darauf achten, nur einen seriösen und etablierten Händler zu wählen (z.B. Degussa Goldhandel, Proaurum, Westgold, etc.) oder natürlich über eine entsprechend ausgerichtete Bank (oft etwas teurer). Für weitere Infos bitte http://www.goldseiten.de oder die genannten Händler ansurfen und selbst informieren.

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        Axel sagte:

        Also ging es nur um die Stückelung und nicht um die Menge?
        Das schöne an Gold ist doch, daß es (fast) genau das Wert ist, aus dem es besteht.
        Im Ernstfall könnte ich doch einfach auch das entsprechend benötigte Gewicht von einem Kilobarren Gold absägen, -raspeln oder -kneifen.

        Aber wie gesagt, ich bin immer mehr der Überzeugung, das erstmal garnichts passiert, da die Zentralbanken (und Staaten) ALLES versuchen werden, um das System vor dem Kollaps zu bewahren.
        Um Bürgerkriegsähnliche Zustände zu verhindern, ist es das wohl auch Wert. Allerdings wird bei den Rettungen das Geld immer dahin fließen, wo es schon immer gefloßen ist. Bergauf.

        Auch die Finanzjongleure werden den Markt nicht crashen laßen (OK, vielleicht einige Algos schon!). Welchen Grund sollten sie haben, sich das Geschäft zu ruinieren das ihnen ihr Einkommen ermöglicht?
        Anderseits sagt mein Verstand (mehr mein Gefühl), daß das System, mit Geld immer mehr Geld zu machen, irgendwann in die Hose geht, ja gehen muß, da ihnen nicht mehr genug Rohstoff zur Verfügung steht.
        Sollten die Zentralbanken diesen jedoch unbegrenzt zur Verfügung stellen (müßen), haben wir 1923 reloaded!.

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        Matthias sagte:

        Hallo Axel,
        im Krisenfall wird Gold einfach verboten und eingezogen (und der Besitz mit drakonischen Strafen belegt). Und ob Bitcoin dann noch konvertierbar sind, ist auch fraglich.

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      Thomas sagte:

      Ich wage mich hier einmal aus dem Fenster… Ich hab mich schon häufiger gefragt, was ich tun würde, wenn das Einkommen anders aussähe. Wenn ich (wie zu Beginn meiner Berufszeit) max. 50-100 € pro Monat sparen könnte und das heutige Wissen hätte, würde ich persönlich folgendes tun…

      1/4 Euro, wobei ein bisschen zu Hause in Scheinen läge
      1/4 Silbermünzen sukzessive gekauft (1 Unzen Maple Leaf oder American Eagle; evtl. dann auch mal gegen Gold eingetauscht, um nicht nur Silber zu haben)
      1/4 globaler Aktien-ETF per Sparplan
      1/4 möglichst globaler Immobilien-ETF per Sparplan (praktisch nicht so leicht, einen zu finden!)

      Wieso? Nun, das wäre günstig bzgl. Erwerb und man verzettelt sich vor allem nicht in Relation zu den Sparsummen in unnötiger Komplexität. Das Modell kann nebenher laufen; man hat Cost Averaging und es gibt auch nicht viel zu managen. Die vier Anlagegruppen sind halbwegs unabhängig voneinander und vor allem überregional. Die 25%-Aufteilung hab ich nun auch nicht selber erfunden, aber sie erscheint mit praktikabel mit Blick auf die Sparsummen. Normalerweise wäre dort weniger Cash und Edelmetall drin und dafür Staatsanleihen – aber das kann man zur Zeit getrost überspringen wegen Währungsunsicherheiten und/oder zu niedrigen Zinsen; es sei denn man will das aktiv managen.

      Natürlich kann man zu jedem einzelnen Punkt vortreffliche Gegenargumente finden. Aber es wäre halt ein möglichst einfaches Sparmodell. Man hat was für den persönlichen Notfall (Waschmaschine kaputt, Job weg), für den Normallfall (Mieteinkünfte, Dividenden, ggf. auch Anteil am Wachstum) und sogar für den bundesweiten Kollapsfall – oder um’s den Kindern/Enkeln/der Pflegekraft später zuzustecken (Münzen in der Tasche).

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      Dietmar Tischer sagte:

      In der Tat, Sie haben das Problem nicht verstanden.

      Was Sie eine ideologische Fehlprogrammierung nennen (Keynesianer vs. Monetaristen), d. h. eine einseitige Überbetonung von Fiskalpolitik oder Geldpolitik, ist zwar eine Erklärung dafür, was aufgrund von Erklärungen (Theorien) falsch läuft.

      Sie ist im HIER diskutieren KONTEXT jedoch völlig IRRELEVANT.

      Hier geht es um VERHALTEN bei unbestreitbarem WISSEN und nicht Unwissen wegen falschen Verständnisses:

      >„even if we had clearly seen the crisis coming, would it have made a difference?”>

      Sie müssten DAZU etwas erklären, im Kontext IHRER Feststellung etwa die folgende Frage beantworten und sagen, warum sie so beantwortet werden muss, wie Sie sie beantworten würden:

      Angenommen, alle Ökonomen wären sich einig, dass das vorherrschende Verständnis von Fiskal- und Geldpolitik in die Krise führt – würde das einen Unterschied im Lauf der Dinge, d. h. dem FAKTISCHEN Wirtschaften machen?

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      jobi sagte:

      Die Erkenntnis, dass es sich um eine kollektive Fehlprogrammierung handelt, ist m.A sehr wichtig. Der diskutierte Kontext, von dem Herr Tischer spricht, ist einer, der vor allem von ihm selbst immer wieder ausschweifend betont wird.
      Man darf aber durchaus anderer Meinung sein. Der Mensch hat immer die Wahl. Aus eigenen Fehlern zu lernen gehört zu den Fähigkeiten, die ihn in der Evolution erfolgreich gemacht haben.. Eine Umkehr erfordert aber vor allem eines: Mut. Wahrscheinlich wird die Welt schon sehr bald durch mutige und unerschrockene Menschen verändert werden, die weit weniger Kenntnisse von den Zusammenhängen haben, als jeder Teilnehmer dieses Forums.
      Und vielleicht wird dann auch Herr Tischer bereuen, dass er nicht eindeutiger Stellung bezogen hat.

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        Dietmar Tischer sagte:

        „Kollektive Fehlprogrammierung“:

        Ich habe nicht grundsätzlich etwas gegen diese Begrifflichkeit und betone in der Tat – ja, ausschweifend, so mag es wohl erscheinen – das Kollektive, da wo es angebracht ist.

        „Der Mensch hat immer die Wahl“:

        Darüber wäre viel zu sagen, insbesondere im Zusammenhang mit dem sogenannten„freien Willen“, den es so nicht gibt, wie viele meinen.

        Aber nehmen wir einmal an, wir Menschen hätten – immer (!) – die Wahl.

        Wenn dann eine Mehrheit sich für etwas entscheidet, ist das eine kollektive Entscheidung und wenn sie umgesetzt wird auch so etwas wie „Programmierung“ – ob die nun fehl geht oder nicht.

        Insoweit sehe ich nicht, wo sie mir widersprechen würden.

        >Aus eigenen Fehlern zu lernen gehört zu den Fähigkeiten, die ihn in der Evolution erfolgreich gemacht haben>

        Ich würde sagen: „…besonders erfolgreich gemacht haben“.

        Erfolgreich im Sinne von überlebt haben, waren auch Spezies, die nichts gelernt haben.

        Es sind diejenigen, bei denen die Mutation so verlaufen ist, dass sie unter den sich fortwährend verändernden Selektionsbedingungen nicht ausgelöscht wurden.

        Die entscheidende Frage ist aber, was ist ein Fehler?

        Was für Sie ein Fehler ist, ist für andere keiner und evtl. sogar etwas Richtiges.

        Darüber und in diesem Zusammenhang über ZIELE muss man sich unterhalten, denn damit werden Kriterien ermittelt FÜR richtige bzw. falsche Entscheidungen.

        Mut ist eine ANTRIEB, der aber sozusagen „richtungslos“ ist, wenn nicht klar ist, was falsch oder richtig sein soll.

        >Wahrscheinlich wird die Welt schon sehr bald durch mutige und unerschrockene Menschen verändert werden, die weit weniger Kenntnisse von den Zusammenhängen haben, als jeder Teilnehmer dieses Forums.>

        „wahrscheinlich“ und „bald“ sind Spekulationen.

        Richtig ist aber, dass Veränderungen keine Kenntnisse voraussetzen.

        Der Wille, das Gegebene nicht mehr zu akzeptieren, sowie genügend Energie, Widerstände zu überwinden, genügen.

        >Und vielleicht wird dann auch Herr Tischer bereuen, dass er nicht eindeutiger Stellung bezogen hat.>

        Wozu soll ich nicht eindeutig Stellung bezogen haben?

        Sagen Sie es mir – ich kann es ja nachholen.

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    Dietmar Tischer sagte:

    Da ist sicher an allem etwas dran.

    Selbst wenn Katastrophen VORHERSEHBAR sind, wie jetzt die in Houston, hindern fehlende Erfahrung, Verdrängung, vorherrschender Lebensoptimismus, Reaktionskosten und Ungewissheit sowie anderes, die RICHTIGE oder wenigstens BESTMÖGLICHE Entscheidung zu treffen und ihr entsprechend zu handeln.

    Warum ist es so, obwohl wir ERKENNEN können, dass uns dies schadet?

    Ich glaube, dass dies EVOLUTIONÄR angelegt ist:

    Lebewesen, die sich nur oder überwiegend mit ihren ZUKÜNFTIGEN Lebensbedingungen beschäftigen und ihr Verhalten auf Katastrophen-Szenarien abstellen, würden nicht lange überleben.

    Wir Menschen sind die ÜBERLEGENEN Lebewesen u. a. deshalb, weil wir unter IST-Bedingungen – auch wenn sie katastrophal waren – am besten reagiert haben.

    Unsere RATIONALITÄT hilft uns dabei, kann aber diesen Grundkonstellation nicht außer Kraft setzen.

    Wenn dies richtig ist, REAGIERT auch die Politik richtig, wenn sie sich folgendem Prinzip verschreibt:

    HEUTE das lösen, was die Menschen HEUTE bedrängt, MORGEN das lösen, was sie MORGEN bedrängt.

    Klingt alles etwas primitiv für die angebliche Krone der Schöpfung, aber viel Positiveres kann ich nicht erkennen.

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      Wolfgang Selig sagte:

      Das klingt plausibel, aber ich denke, das Gefangenendilemma ist soziologisch der wesentliche Grund für dieses Verhalten. Warum soll ich privat Einschränkungen hinnehmen, obwohl mein persönliches Verhalten am Weltklima so gut wie nichts ändert? Hier steht einem hohen persönlichen Verlust von Freiheit / Wohlstand / Lebensqualität eine minimale allgemeine Verbesserung entgegen. Warum soll ich jetzt höhere Zinsen zahlen, nur um eine eventuelle spätere allgemeine Finanzkrise verhindern zu helfen, wo doch mein Anteil an der Volkswirtschaft vernachlässigbar ist? Das treibt mit Ausnahme weniger Idealisten wohl die Mehrheit der Bürger (bewusst oder unbewusst) an. Und daran scheitern auch Idealisten immer wieder. Spätestens seit der Allmende-Problematik in Spanien historisch immer wieder erkennbar.

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        Dietmar Tischer sagte:

        >Warum soll ich privat Einschränkungen hinnehmen, obwohl mein persönliches Verhalten am Welt-klima so gut wie nichts ändert?>

        Ich denke, dass die Frage, um die es hier geht, anders lautet, nämlich:

        >Warum soll ich privat Einschränkungen hinnehmen, obwohl ich weiß oder wissen könnte, dass diese Einschränkungen MICH zukünftig besser stellen würden?

        Sie verweisen gleichwohl zu Recht auf einen Aspekt, der jedem bekannt ist, weil er ihn so oder so an sich selbst erfahren hat.

        Er ist auch bedeutend, weil auf derartigen Überlegungen bzw. Abwägungen weitgehend unser wirtschaftliches Handeln beruht:

        Das übergeordnete GANZE – nicht erfahrbar und daher ursächlich am Individuum festmachbar – ist, was die Bestimmung der Handlungspräferenzen betrifft, NACHGEORDNET.

        Das ist der Imperativ, unter dem die Politik handeln MUSS, in Demokratien zumindest.

        Die interessante Frage ist nun:

        Wenn Überlegen und Abwägen unseren WOHLSTAND begründet, warum verschreiben wir uns nicht noch mehr dem Überlegen und Abwägen (für noch mehr Wohlstand), insbesondere angesichts von Krisenszenarien?

        Meine Antwort darauf:

        Ich bin überzeugt davon, dass Überlegen und Abwägen bei weitem nicht so sehr und so oft ursächlich handlungsbestimmend sind, wie wir glauben.

        Sie sind m. A. n. vielfach RATIONALISIERUNGEN, d. h. Mechanismen, um uns mit uns und anderen zu „synchronisieren“, also so etwas wie in Einklang zu bringen, speziell auch in Or-ganisationsverfahren, wie etwa dem Agieren in Märkten.

        Vielleicht hat David Hume eben doch recht mit seiner Behauptung

        “Reason is the slave of passion”.

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    Wolfgang Selig sagte:

    Und als m.E. beste Investorenwarnung: „Erst bei Ebbe sieht man, wer ohne Badehose ins Wasser gegangen ist“ (Warren Buffet)

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    Wolfgang Selig sagte:

    FT:„even if we had clearly seen the crisis coming, would it have made a difference?”
    Ja, ja und nochmals ja. Wohl nicht für die breite Allgemeinheit, aber für den, der sich wie die Foristen auf diesem Blog damit beschäftigen (und hoffentlich persönlich noch darauf einstellen kann).
    Denn natürlich kann man sich auf „foreseeable natural disasters“ zumindest teilweise vorbereiten. Okay, nicht gegen einen Meteoriteneinschlag auf E.L.E-Niveau. Aber zum Beispiel, indem man seinen Wohnsitz eben nicht nach Neapel neben den Vesuv oder im lange aus gutem Grund nicht (und in den letzten Jahren eben leider aufgrund der marktverzerrenden staatlichen Hochwasserversicherung in den USA eben schon) bebauten Überschwemmungsumland von Houston verlegt. Indem man trotz der Warnzeichen keine venezolanischen oder argentinischen Staatsanleihen gekauft hat. Oder jetzt aktuell gerade keinen Aramco-Aktien oder einen ETF-Aktienfonds auf Kredit kauft.
    Meiner Meinung nach immer noch am besten formuliert in der Bibel (Lukas, 6, 47-49) mit dem Gleichnis über Hausbauten mit und ohne Felsfundament in stürmischen Zeiten.

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      Johannes sagte:

      @WS: „Meiner Meinung nach immer noch am besten formuliert in der Bibel (Lukas, 6, 47-49) mit dem Gleichnis über Hausbauten mit und ohne Felsfundament in stürmischen Zeiten“

      Genau. Die Zukunkt ist m.M. nach nicht unbestimmt. Der, der einst dieses Gleichnis formulierte wird zurück kommen (Off. 22, 6 und 7). Aber auch hierauf werden viele Menschen nicht adäquat vorbereitet sein.

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    Alexander sagte:

    Ich darf auf dieses Buch hinweisen „Ein optimistischer Blick auf den Pessimismus “ von Bazon Brock und Konrad Paul Liessmann.

    Der optimistische Blick auf den Pessimismus wird einerseits damit begründet, dass die Wurzel des Schöpferischen nicht im blinden Glauben an eine Zukunft liegt, die keiner kennt und die deshalb als Fortsetzung der Gegenwart mit anderen Mitteln gedacht wird, sondern in der Kraft, die aus der Verzweiflung über den Weltzustand erwächst (Konrad Paul Liessmann).

    Andererseits wird apokalyptisches Denken als einzige haltbare Begründung von Hoffnung angesehen. Durch die Evolution dem Menschen anerzogen war und ist die Fähigkeit, das Ende zu antizipieren, grundlegend, um in der Gewissheit dessen, was alles möglich ist, tatsächlich darauf vorbereitet zu sein, dem drohenden katastrophalen Schicksal zu entgehen und die Kraft des Beginnens entwickeln zu können (Bazon Brock).

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      Dietmar Tischer sagte:

      Das ist Dialektik – Denken.

      Die ERFAHRUNG zeigt, dass es nicht die FAKTISCHE Wirkmächtigkeit hat, die im Denken möglich ist.
      Ich sage damit nicht, dass ein „tatsächlich darauf vorbereitet sein“ an Wirkmächtigkeit zunehmen kann im Verlauf der Evolution.

      Es hat wohl auch zugenommen.

      Wenn ich mir allerdings vergegenwärtige, wie die Menschen bis heute mit Blick auf das, was sie als Ende ansahen, reagiert haben, sehe ich keinen Fortschritt zum Besseren.

      Es bleibt allenfalls Hoffnung.

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        Dietmar Tischer sagte:

        Es soll heißen:

        Ich sage damit nicht, dass ein „tatsächlich darauf vorbereitet sein“ nicht an Wirkmächtigkeit zunehmen kann im Verlauf der Evolution.

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