Wasserstoff bleibt noch lange ein Traum

Letzte Woche habe ich auf die Schweiz geblickt, wo Forscher Chancen in neuen Atomkraftwerken sehen. Heute ein Blick auf die Hoffung Wasserstoff. Die FINANCIAL TIMES (FT )zeigt auf, wie weit der Weg ist:

  • “Yes, hydrogen can be burnt while only producing water vapour rather than carbon product (although most present forms of making the fuel require carbon-emitting processes). Hydrogen has the potential to replace the short-term electricity grid storage provided now, on a small scale, by stationary lithium ion batteries.” – bto: Deshalb finden wir Wasserstoff auch so gut. Aber wo soll der herkommen?
  • “Hydrogen could, hypothetically, be used as aircraft fuel or for heavy vehicle and ship transport. Some natural gas pipeline operators are studying hydrogen shipment through existing networks.” – bto: Das war ja auch eine der Ideen für das zweite Leben von Nordstream 2.
  • “(…) hydrogen is also highly reactive and can seep in between molecules of almost every possible container. It ‘rots’ many grades of steel at high temperatures and pressures in a process called ‘decarburation’ or ‘hydrogen attack’. At room temperature and pressure hydrogen can create ‘embrittlement’, a different form of rot, in steels or other metals. Hydrogen can collect in an explosive mixture with air in many enclosed spaces. Accumulations of pockets of hydrogen from storage batteries and oxygen generators on submarines appear to have led to explosions.” – bto: Kurz gefasst, es ist ein heikler und schwer zu handelnder Stoff.
  • “One of the safest and most widely used materials for handling hydrogen are ‘austenitic stainless steels’. These alloys contain very high proportions of nickel and chromium, which, if procured as a mass product, will create serious supply challenges for a society in a hydrogen transition.” – bto: Aha, Spezialrohre, deren Herstellung wichtige Rohstoffe verlangt.
  • “Devices using hydrogen fuel require demanding welding technologies, which often need inert gases such as argon to help ensure the integrity of the welds. Despite argon being in wide use for this and other applications, it is difficult and expensive to produce, even at the scale it is used today.” – bto: Also muss auch die Rückwandlung der Energie mit teuren Rohstoffen bewältigt werden.
  • “These challenges are not simply overcome by having money or PowerPoint-heavy conferences thrown at them. The real shortage in widely diffusing a set of technologies through a society is skilled labour. That same weakness, in many of the same skills, is the most serious barrier to accelerated development of nuclear power.” – bto: Das wiederum ist ein sehr interessantes Argument. Denn es bedeutet, wer diese Mitarbeiter ausbildet, hat einen Wettbewerbsvorteil.
  • “Westinghouse went bankrupt in 2017. And in the bankruptcy trial transcript, which I read, it is clear that the project-fatal cost overruns on two Westinghouse nuclear plants largely came down to labour costs. Welders, equipment operators and experienced supervisors are not cheap or in plentiful supply. The ‘Unit 3’ French nuclear reactor project at Flamanville in Normandy has had problems finding and supervising skilled welders.” – bto: Das ist wiederum sehr spannend!
  • “It does seem possible to use a modest addition of hydrogen, say 20 per cent, in existing long-distance transmission lines for gas. But then using substantial amounts of hydrogen in the distribution networks or ‘service lines’ for houses and most places of work will be more dangerous. This all comes before we consider how much platinum we can use for hydrogen transport and storage by recycling catalytic converters from old fossil-fuelled cars. There’s maybe enough for pilot projects. But mined platinum supplies are set to decline, and a circular economy for a hydrogen world is not foreseeable yet.” – bto: Das klingt wiederum nach einem noch nicht so durchdachten Konzept.
  • Fazit FT: “Reaching ‘net zero’ carbon with a hydrogen economy is beyond the visible horizon.”

ft.com (Anmeldung erforderlich): „A future based on hydrogen fuel seems a way off“, 5. März 2022

Kommentare (24) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
  1. weico
    weico sagte:

    Während Deutschland und die EU von einer Wasserstoffwirtschaft träumen, bauen andere Länder ihre Kohlenstoffwirtschaft kräftig aus …..und bezahlen in Zukunft in ihren EIGENEN Währung.

    Neben China,Indien,Iran ,Russland usw. scheint jetzt auch Saudi-Arabien den Weg zu gehen….sich vom US-Dollar “abzunabeln”.

    https://markets.businessinsider.com/news/currencies/us-dollar-vs-yuan-saudi-arabia-china-oil-sales-deal-2022-3

    Ob die Europäer wohl bald/irgendwann mal bemerken werden, wie Sie sich als Mitläufer der US/NATO-Geopolitik völlig verrannt haben und nur durch eine US-Abnabelung langsam aus dem ganzen Schlamassel kommen könnten?

    Antworten
    • weico
      weico sagte:

      Interessantes Interview ,mit dem russische Energieminister, zum Thema Hydrogen,Europa,China,Arctic shelf usw.:

      https://www.energyintel.com/0000017f-1d0f-df96-a1ff-bf6f490e0000

      Genügend Energie zu einem vernünftigen Preis wäre so einfach, vor der “Haustüre”, zu haben und Nord Stream 2 ist schon fertig gebaut.
      Ob die Europäer ihre Energiezukunft bzw. “Träume” nicht lieber nochmals , mal ganz ohne Russophobie und ohne US-Einmischung , überdenken sollten..?

      Antworten
  2. Dietmar Tischer
    Dietmar Tischer sagte:

    WOHER soll der Wasserstoff kommen?

    Diese „Grundfrage“ ist an diesem Thread wiederholt gestellt worden.

    Falsche Frage, falsches Problem.

    Richtige Frage, kein Problem (neben den kleineren technischen):

    WOHIN gehen wir beim Wasserstoff?

    Für die Herstellung wird elektrische Energie gebraucht.

    Da sie aus erneuerbarer Energie gewonnen werden soll, wird Wasserstoff dort hergestellt werden, wo die Sonne mehr als anderswo scheint, in den Golfstaaten z. B.

    Logik statt Logistik:

    Die Industrie migriert zu den Orten der Wasserstoffherstellung.

    Probleme, wie sie die am Blog besprochene Studie des VCI mit 4 ct. pro KWh Höchstpreis für Investitionen HIERZULANDE aufwirft, sind hinfällig, wenn die Chemische Industrie an Ort und Stelle in den Golfstaaten produziert.

    Wir importieren dann die dort hergestellten Produkte.

    Wie werden wir die bezahlen, wenn die Arbeitsplätze für hohe Wertschöpfung weggefallen sind und die Steuereinnahmen nur noch ein Rinnsal sind?

    Wir legen einen Sonderfonds auf 😉

    Etwas anderes bleibt uns auch gar nicht übrig, weil wir ja die Schuldenbremse einhalten wollen.

    Haben wir doch der nachfolgenden Generation hoch und heilig versprochen. 😉 😉

    Antworten
    • Hansjörg Pfister
      Hansjörg Pfister sagte:

      “Da sie aus erneuerbarer Energie gewonnen werden soll, wird Wasserstoff dort hergestellt werden, wo die Sonne mehr als anderswo scheint, in den Golfstaaten z. B. …
      Die Industrie migriert zu den Orten der Wasserstoffherstellung. ”
      Dann müssten wir auch bereit sein, die Anlagen dort unten militärisch zu verteidigen.
      Wird alles nicht passieren. Am Ende verbrennen wir wieder Braunkohle weil wir am Ende sind.
      International sind wir dann die Schmutzfinken.

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Hansjörg Pfister

        Sehe ich der Tendenz nach genauso.

        Vermutlich sind wir schneller am Ende, als wir es uns heute vorstellen können und verbrennen lange vor dem Ende wieder Braunkohle.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Pfister

        “wird Wasserstoff dort hergestellt werden, wo die Sonne mehr als anderswo scheint, in den Golfstaaten z. B. …
        Die Industrie migriert zu den Orten der Wasserstoffherstellung.”

        Wozu sollte unsere stromintensive Industrie in den Nahen Osten migrieren und überhaupt Wasserstoff nutzen, wenn es zum Beispiel direkt nebenan in Frankreich oder auch in Schweden eine recht auskömmliche Stromversorgung durch Kernkraftwerke gibt? Uran dürfte ja mittelfristig auch aus nicht-russischen Quellen beschaffbar und aufbereitbar sein, das sollte sogar Ihren außenpolitischen Moralansprüchen genügen.

      • Hansjörg Pfister
        Hansjörg Pfister sagte:

        @Richard Ott
        “…das sollte sogar Ihren außenpolitischen Moralansprüchen genügen.”
        Na Herr Ott, das ist ja mal eine klassische Projektion.Ich habe niemals irgendwelche ” außenpolitischen Moralansprüche” formuliert. Weder in diesem Forum noch sonstwo. Ich bin nur kein Putin – Fan und nicht russophil.

      • Richard Ott
        Richard Ott sagte:

        @Herr Pfister

        “Ich habe niemals irgendwelche ‘außenpolitischen Moralansprüche’ formuliert.

        Hihi, na dann könnten wir ja problemlos Uran und sogar Atomtechnik aus Russland einkaufen!

        Oder etwa doch nicht? ;)

    • Stoertebekker
      Stoertebekker sagte:

      @D Tischer

      Ihr grundsätzlicher Gedanke ist konzeptionell richtig, die Praxis ist dann aber deutlich komplizierter.

      Wir IMPORTIEREN heute schon SOWOHL den ROHSTOFF für die chemische Industrie ALS AUCH die ENERGIE. Und trotzdem ist die deutsche chemische Industrie weltweit immer noch gut dabei. Spielen halt ne Menge anderer Faktoren mit rein.

      Am Ende gibt es in Wertschöpfungsketten immer irgendwo einen cut-off-Punkt, an dem eine größere Transportlogistik notwendig ist. Wo genau der ist, weiß man vorher nicht. Hängt u.a. auch von bereits vorhandener (ggfs. abgeschriebener) Infrastruktur ab, von politischen Zielen etc. etc.

      Hab auf meinem Rechner noch saudische Pläne (die Ihrer Logik gefolgt sind) für Cluster zur Automobilproduktion, Weiße-Ware-Produktion usw. Vor >15 Jahren erdacht, bis heute nicht realisiert. Keine industriellen Partner gefunden.

      Und doch muss der Gedanke der Industrieabwanderung unbedingt mit in die Diskussion, wenn man über H2 in der aktuellen Art und Weise diskutiert. Meine Vermutung wäre aber, dass die Euphorie deutlich abkühlt, wenn erst einmal die Komplexität des Themas und die Schwierigkeiten des Wasserstoffhandlings verstanden sind.

      Und für alle, die immer noch diesen Post lesen und am Thema interessiert sind – es gibt durchaus clevere Ideen, mit H2 anders umzugehen.
      (https://www.hydrogenious.net/index.php/en/hydrogenious-3/lohc-technology/)

      Antworten
      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        Ist ja richtig, was Sie sagen.

        Ich prognostiziere nichts.

        Allerding:

        Die Unternehmen sind sehr wendig, wenn es ums Renditemachen geht und es mittlerweile gewohnt, nahezu überall auf der Welt zu investieren sowie, siehe Russland jetzt, auch mal Abschreibungen vorzunehmen, wenn es opportun erscheint.

        Ich bin ganz sicher, dass das Wasserstoffthema und nicht nur dieses die Unternehmen veranlassen wird, genau auf ihre Excel-Tabellen zu schauen und zu entscheiden, wohin die Reise ihrer Investitionen geht.

        Sie wissen, dass die BASF eine Anlage für EUR 10 Mrd. erstellt – in China.

        Wenn Intel EUR 80 Mrd. in Magdeburg investieren will, ist das kein Gegenargument, sondern Diversifizierung in einen NOCH starken Markt mit NOCH einigermaßen gut ausgebildeten Menschen.

        Auch wenn es angesichts des Krieges einen anderen Anschein hat, glaube ich, dass die Investitionen sich tendenziell WEG von uns bewegen.

        Die vergleichsweise wenigen hochqualifizierten Spezialisten, die unverzichtbar sind, werden mit den Investitionen gehen und/oder an Ort und Stelle herangezüchtet werden.

      • Dietmar Tischer
        Dietmar Tischer sagte:

        @ Stoertebekker

        Nachtrag:

        Ich bin überholt worden durch die eben bekanntgegebenen offiziellen Zahlen, hier:

        https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/us-chiphersteller-intel-investiert-17-milliarden-euro-in-deutschland-17879159.html

        Daraus:

        Intel will in Magdeburg zwei Werke bauen mit einem Investitionsvolumen von 17 Mrd. EUR.

        Damit werden dauerhaft 3000 Arbeitsplätze geschaffen.

        Also:

        Investierte 5,6 Millionen EUR schaffen EINEN Arbeitsplatz.

        Intel-Vorstandschef Gelsinger:

        „Unsere geplanten Investitionen sind ein wichtiger Schritt sowohl für Intel wie auch für Europa.“

        Das Engagement sei erst durch den im Februar von der EU-Kommission verabschiedeten „Chips Act“ möglich geworden. Damit machte Europa den Weg für die Zahlung massiver Beihilfen frei.

        Architekt dieses Planes ist EU-Kommissar Thierry Breton. Der erklärte am Dienstag: Intels Investition sei „ein wahres europäisches Projekt“. Es werde nicht nur Tausende neue Arbeitsplätze in ganz Europa schaffen, es untermauere auch Europas Anspruch, ein attraktiven Investitionsstandort zu sein.

        Stimmt:

        Attraktiv durch SUBVENTIONEN.

      • Stoertebekker
        Stoertebekker sagte:

        @D Tischer

        Ja, ich weiß, dass die BASF in China investiert. Aber sie hat eben Verbundstandorte in D, B, USA und China.

        Das ist die Konsequenz aus der Durchrechnung des von mir erwähnten optimalen cut-off-Points der Wertschöpfungskette. Für solche Standorte ist das ziemlich kompliziert, weil es unendlich viele Inputfaktoren und Marktüberlegungen gibt.

        Subventionen spielen eine Rolle, aber nicht so stark, wie häufig angenommen. Und wenn einmal Milliarden verbuddelt sind, dann laufen solche Anlagen SEHR lange. Umziehen ist nicht. Nicht umsonst weise ich ja immer mal wieder darauf hin, dass die Chemie seit 1860 in D durchgehalten hat. Inklusive der eigenen ganz dunklen Zeit der IG Farben.

        Und das haben Sie und ich ja vor kurzem auch länglich diskutiert – die BASF engagiert sich bei zwei Nordsee-Windparks OHNE Subventionen. Praktische Entscheidungsfindung ist meistens VIEL MEHR als die Wirtschaftstheoretiker so zum Besten geben. (Anecdotal evidence: Es gab ne Zeit, da wurde für potenzielle Investitionen in Südafrika jeder Arbeitsplatz doppelt geplant – wegen der damaligen hohen AIDS-Quote mit potenziellen Ausfällen.)

  3. RMPetersen
    RMPetersen sagte:

    “… while only producing water vapour rather than carbon product …”

    Wenn H2 bei hohem Druck und hoher Temperatur unter Zuführung von Umgebungsluft verbrannt wird, entstehen auch Stickoxide NO und NO2. Das wäre zB bei der Verwandung als Jet-Fuel der Fall. In Flughöhe ist das auch treibhausrelevant) Um das zu vermeiden, müsste man auch noch O2 mitführen. H2 macht nur in Verbindung mit Brennstoffzellen Sinn, also zB im Landverkehr, dort, wo hohes Gewicht nicht soviel zählt.-

    Was die Handhabung angeht: H2 ist das kleinste Moöekuül, sickert überall durch, wenn man als Laie damit hantiert. Wenn man zB Teflonschläche verwendet und die auf Metallgewinde dicht bekommen will, treibt es Einen in den Wahnsinn. Ein Tank ist – auch wegen der Tieftemperatur- oder Hochdruck-Lagerung – nach einigen Wochen weitgehend leer. Man stelle sich einen PKW vor, den man vor dem Urlaub im Parkhaus abstellt.

    Experten können mit hohem Aufwand den Umgang mit H2 beherrschen; als Kraftstoff für die Masse der Automobilisten ist es untauglich. Und wenn man als Zwischenträger Methanol (für den Brennstoffzellenantrieb in Kfz.) verwendet, sind die Enegieverluste (noch) höher als ohnehin schon bei der H2-Kette.

    Antworten
  4. Stoertebekker
    Stoertebekker sagte:

    Na, langsam wird die öffentliche Diskussion um H2 ja etwas breiter.

    Das schwierige Handling aufgrund der Reaktionsfreude gehört da ganz sicher zu. Chemieunternehmen bekommen das gut hin, allerdings ist und bleibt das teuer.

    Der nächste Aspekt sind Transport und Lagerung. Ein Gas bleibt ein Gas und kann nur durch Druck/Temperatur zu einer Flüssigkeit (weniger Volumen, Erhöhung der Energiedichte) werden. Nur diese Veränderung des Aggregatustandes braucht dann leider wieder reichlich Energie.

    Die Grundfrage ist aber, wo der ganze Wasserstoff herkommen soll. Die Standardantwort “aus sonnenreichen Gegenden” trägt in diesen Zeiten ja nicht wirklich. Das wären dann dieselben potenziellen Lieferanten, die gerade keine Zeit für Joe Biden haben, um über mehr OPEC-Öl zu reden. (Und da rede ich noch nicht über die Meerwasserentsalzungsanlagen zur nötigen Wasserproduktion, deren Energiebedarf und den Umgang mit deren Solen [Salzlösungen] und dem überschüssigen Sauerstoff.)

    Bevor wir ein Problem mit zu schweißenden Wasserstoffleitungen haben, haben wir ein Problem mit den Wasserstoffmengen, die dadurch fließen sollen.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Stoertebekker

      “Die Grundfrage ist aber, wo der ganze Wasserstoff herkommen soll.”

      Wir könnten doch Flüssiggas aus den USA importieren, um hier in Deutschland Wasserstoff-Elektrolyse zu betreiben. ;)

      Antworten
  5. Susanne Finke-Röpke
    Susanne Finke-Röpke sagte:

    @Herrn Richard Ott:

    Ich finde, da müssen Sie gar nicht so despektierlich über die Frauen reden. Ja, Schweißer ist traditionell ein Männerberuf und aufgrund der oft schweren Metallteile manchmal wohl auch körperlich anstrengend. Aber auch Frauen können das erlernen! Ist nur wie viele Handwerksberufe nicht “woke” und im Vergleich zu “irgendwas mit Medien”, “irgendwas mit Computer” oder “Irgendwas mit Marketing” halt auch nicht cool; außerdem sollen die Fingernägel schmutzig werden und das ist für viele junge Männer im Westen inzwischen ein Problem.

    Ich bin wirklich nicht für Quoten, Gendern und Emanzengetue, aber Gleichberechtigung finde ich gut und Ihre Haltung – mit Verlaub – ein wenig machohaft.

    Antworten
    • Richard Ott
      Richard Ott sagte:

      @Frau Finke-Röpke

      “Aber auch Frauen können das erlernen!”

      Theoretisch schon. Aber wie viele *wollen* das tatsächlich?

      “Ist nur wie viele Handwerksberufe nicht ‘woke’ und im Vergleich zu ‘irgendwas mit Medien’, ‘irgendwas mit Computer’ oder ‘Irgendwas mit Marketing’ halt auch nicht cool; außerdem sollen die Fingernägel schmutzig werden und das ist für viele junge Männer im Westen inzwischen ein Problem.”

      Falls der Arbeitsmarkt noch funktioniert und nicht schon mit Gender-Pay-Gap-Regeln kaputtreguliert und totgegendert wurde, dürfte sich das “Coolness”-Problem irgendwann über die gezahlten Löhne lösen. Die ganzen woken Abgehängten in der privatwirtschaftlichen PR- und Medienindustrie werden dann aufheulen, aber was sollen sie machen? Gefährlich wird allerdings die parasitär lebende Kaste in der Politik, die über Steuern und Abgaben ihre woke “irgendwas mit Medien”-Klientel in vom Staat bezahlte Nutzlos-Pöstchen schleusen könnte. Dann haben die Schweißer und die eine Schweißerin irgendwann einfach keine Lust mehr.

      Außerdem prognostiziere ich Ihnen, dass selbst dann die weibliche Schweißerin eine absolute Ausnahmeerscheinung bleiben wird. Schauen Sie mal auf Offshore-Ölbohrplattformen, wo bei sehr harten Arbeitsbedingungen auch wirklich üppige Löhne gezahlt werden. Glauben Sie, da gibt es viele Frauen?

      “Ich bin wirklich nicht für Quoten, Gendern und Emanzengetue, aber Gleichberechtigung finde ich gut und Ihre Haltung – mit Verlaub – ein wenig machohaft.”

      Das ist schlicht Lebenserfahrung, verbunden mit meiner gar ketzerischen Überzeugung, dass Frauen und Männer grundsätzlich unterschiedlich sind. Die Forderungen nach Gleichberechtigung kommen auch immer nur genau dort, wo es bequeme Jobs zu vergeben gibt, sobald es tatsächlich anstrengend oder gefährlich wird, müssen Frauen natürlich wieder besonders geschützt werden. Wussten Sie eigentlich, dass immer noch ungefähr 98% aller im Kampfeinsatz getöteten Soldaten männlich sind – zumindest in den USA, eigentlich einem echten Vorbildland für die “Gleichberechtigung”?

      Aber regen Sie sich ruhig über mich auf, auch das gehört zum Frausein dazu, und Frauen sind ja generell emotionaler. ;)

      Antworten
      • Susanne Finke-Röpke
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        RO: “verbunden mit meiner gar ketzerischen Überzeugung, dass Frauen und Männer grundsätzlich unterschiedlich sind. Die Forderungen nach Gleichberechtigung kommen auch immer nur genau dort, wo es bequeme Jobs zu vergeben gibt, sobald es tatsächlich anstrengend oder gefährlich wird, müssen Frauen natürlich wieder besonders geschützt werden.”

        Finde ich gar nicht ketzerisch. Frauen und Männer sind im Durchschnitt wirklich grundsätzlich unterschiedlich, was man schon erkennen kann, wenn in einem Kindergarten Mädchen und Jungen völlig ohne Vorgaben spielen dürfen. Das ist nicht schlimm, und schon gar nicht zwangsweise zu “korrigieren”, um irgendwelche fiktiv notwendigen Paritäten herzustellen, die die meisten Leute gar nicht für sich persönlich wollen, z.B. männliche Kita-Erzieher oder weibliche Asphaltmaschinenfahrer.

        Was das “tatsächlich anstrengend oder gefährlich” betrifft, so widerspreche ich Ihnen erneut. Frau durften früher nicht zur Polizei und sind heute nicht mehr wegzudenken; das ist wirklich gefährlich und der Andrang der Mädchen ist groß. Frauen dürfen heute auch zu den bewaffneten Truppen der Bundeswehr; das ist manchmal gefährlich und oft anstrengend, wenn auch der Andrang kleiner ist. Man könnte bei LKW- und Busfahrerinnen, Lokomotivführerinnen, Handwerkerinnen, ja sogar Kellnerinnen am Oktoberfest in München weitermachen, wenn Sie so etwas je nach 18.00 Uhr erlebt haben. Das Interesse ist da, aber halt nicht 50:50. So what?

        In einem Punkt allerdings gebe ich Ihnen recht: die lautstarken Frauen, die in der Politik, den Medien und unter den “Kulturschaffenden” für Gleichberechtigung im Job eintreten, ja die sprechen immer nur von Aufsichtsratsposten, Ministerinnen, Filmpreisträgerinnen, Chefredaktionen und Gerichtspräsidentinnen, aber nie von Tiefbauarbeiten, Tunnelbohrern, Kampfmittelräumern und Sanitärinstallateuren. Das hat aber andere Gründe. Diese Art Frauen spricht auch nicht über Arzthelferinnen, Friseurinnen, Nagelstudios, Einzelhandelkassendamen, Mc-Donalds-Nachtschichten an der Theke (die Männer müssen hinten frittieren) und die Sterilisierungsleute in Kliniken, weil sie sich für solche Jobs grundsätzlich zu schade sind. Das ist aber die Kategorie “Abitur ist heutzutage ein Muss”; bitte verwechseln Sie die veröffentlichte Meinung von Leuten wie Frau Baerbock nicht mit der Gesamtheit aller Frauen. Wobei ich zugunsten von Frau Baerbock sagen muss, dass sie wenigstens das Gequatsche von feministischer Außenpolitik jetzt endlich mal eingestellt hat und begonnen hat, sich um die eigentlichen Themen im Amt zu kümmern, auch wenn sie natürlich nicht zugeben kann, dass ihre verträumte Partei seit Jahrzehnten gründlich auf dem Holzweg ist, was die weltweiten Ziele des Rests der Menschheit sind, die von Brasilien über Indien bis Russland und China nichts von Klimarettung, Gleichberechtigung, Demilitarisierung oder Atomkraftneindanke wissen wollen.

  6. Hansjörg Pfister
    Hansjörg Pfister sagte:

    “Hydrogen has the potential to replace the short-term electricity grid storage provided now, on a small scale, by stationary lithium ion batteries.”
    Nein, Li – Batterien gehören zur Momentanreserve, also alles unterhalb 30 Sekunden. Oberhalb 30s beginnt die Primärregelenergie. Wenn Wasserstoff zur Stromerzeugung verbrannt wird (z.B. in Gasturbinen), dann gehört H2 allenfalls zur Primärregelenergie.
    Die Probleme die H2 beim Transport, Lagerung usw. verursacht sind sehr schön beschrieben. Normaler Stahl wird brüchtig und spröde. Das es Probleme mit der Argon Beschaffung geben könnte, kann ich nicht nachvollziehen. Unsere Atmosphäre besteht zu fast einem Prozent aus Argon. Was die “skilled labour” anbelangt: Nach meinem Kenntnisstand haben wir hier in Deutschland 8 Lehrstühle für Reaktortechnik und über 200 für Gender – Mainstreaming etc., es können aber auch ein paar mehr oder weniger sein, so genau weiß ich das auch nicht. Auf jeden Fall: Was soll da schiefgehen? Hauptsache man kann SchweißerInnen und Reaktortechniker *innen richtig gendern, oder? Was der Autor mit “Platin” zum Ausdruck bringen will, erschließt sich mir auch nicht ganz. Er meint vielleicht, dass Platin in Brennstoffzellen zur Anwendung kommt. Nun, inzwischen gibt es hier auch vielversprechende Ersatzstoffe. H2 eignet sich meiner Meinung nach durchaus zur Stahlherstellung und als Antrieb für Gasturbinen. H2 kann man auch mit gutem Wikungsgrad methanisieren, d.h. Erdgas daraus machen. Nur woher soll der Wasserstoff kommen? Aus “Erneuerbaren”? Das halte ich für illusorisch. Aus Kernkraft? Ja, das geht.

    Antworten
  7. Richard Ott
    Richard Ott sagte:

    “The ‘Unit 3’ French nuclear reactor project at Flamanville in Normandy has had problems finding and supervising skilled welders.”

    Wie wäre es mit einer Ausbildungsinitiative mit großer Werbekampagne, um junge Frauen für den Beruf der Schweißer*in zu begeistern, den viele Frauen sicherlich nur zu gerne ausüben wöllten, wenn sie mehr über dieses interessante Berufsbild wüssten? :D :D :D

    Antworten
    • Bauer
      Bauer sagte:

      @ R.Ott

      >> “Wie wäre es mit einer Ausbildungsinitiative …”

      Schweisser auf diesem Niveau (Schutzgasschweissung) werden zertifiziert und laufend überwacht, fast vergleichbar mit Berufspiloten und weit, weit strenger als Ärzte. Also, auf geht’s!

      Antworten
      • Quintus
        Quintus sagte:

        @Bauer
        Als ausgebildeter und zertifizierter WIG-sowie Mig/Mag Schweißer kann ich ihre Aussage nur bestätigen.
        Sie finden noch nicht mal EINEN unter HUNDERT, welcher diese hohen Anforderungen erfüllen kann.
        Und dies wohlgemerkt unter den ausgebildeten Schweißern!
        Die Angebotsseite hat sich in den letzten ca. 10 Jahren obendrein extrem verschlechtert!
        Noch ein Tip: die besten WIG-Schweißer finden sie unter den Russen! Aber Diese Mitarbeiter werden unsere restlichen AKW’s aus “Sicherheitsgründen” kaum noch betreten dürfen :-)
        Übrigens, wenn Frauen sich für diese Richtung entscheiden, gehören sie durchgängig zu den Besten der “skilled welders”!

      • Alexander
        Alexander sagte:

        @Bauer

        Heinsohn überzeugte schon 2012 mit Brillianz, deshalb befürwortete er die Einwanderungspolitik Kanadas – die einen 30 jährigen dt. Assyriologen dem ältern französischen Schweißer vorzog:
        https://www.welt.de/print/die_welt/debatte/article13890043/Keine-Schweisser-fuer-Toronto.html

        Kanada erlebt seit Jahren Preissteigerungen wegen Fachkräftemangel und exportiert keine Innovationen, nichts von Justin u.Co.

        Unsere Welt hat sich vor Jahren entschieden…auch wenn das Geschwätz von gestern heute keinen Schwätzer mehr kümmert.

        Die Themen sind beliebig – Euroeinführung, Europa, Bankenrettung, ESM, Klimarettung, EEG, grüne Transformation, Auslandseinsätze, Aufrüstung BW – was bleibt ist die Zeitverschwendung einer schrumpfvergreisenden Gesellschaft mit Ambitionen eines global players….

      • LeleCastello
        LeleCastello sagte:

        Wir hatten Viatnamessen als Schweißer. Die kamen über die Wiedervereinigung außer der DDR.

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