Offizielles Kryptogeld? – Doch?

Heute Morgen hatte ich die NZZ, die basierend auf den Überlegungen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich gegen offizielles, Notenbank-Kryprogeld argumentiert hat. Ganz anderer Ansicht ist Reza Moghadam von Morgan Stanley in einem Gastbeitrag für die FT:

  • „The refusal of bitcoin to just deflate and die (…) may also say something about our dissatisfaction with the current payment system — physical cash and credit cards — and the desire for a faster, cheaper and safer alternative.“  bto: Das finde ich schon cool. Es wird auf „Zahlungsverkehr“ abgehoben und die Angst vor dem Bankensystem nicht mal erwähnt!
  • „One solution (…) is to introduce a digital version of physical cash. The most straightforward way of doing so would be to let the public open digital checking accounts at the central bank. (…) Funds can be transferred instantly within a central bank, without intermediaries or hidden fees.“ bto: und vor allem mit einem Kreditrisiko von null (außer der immer denkbaren Möglichkeit der völligen Inflationierung, die es aber heute schon gibt).
  • Dann zu den Risiken: „(…) an exodus of deposits could disrupt banks’ business models. Second, if it becomes too easy to convert bank deposits into central bank deposits, a run could overwhelm a bank in minutes. Both concerns are overblown.“ bto: Jetzt bin ich natürlich gespannt, haben doch die Schweizer heute Morgen genau in anderer Richtung argumentiert.
  • Moving payments to the central bank need not be destabilising. Only checking accounts are likely to move, not other deposits offering higher interest rates; that is hardly the end of banking as we know it. (…) Although banks might push up lending rates to compensate, that is not necessarily a bad thing .“ bto: Das ist genau die Argumentation, die auch die Vollgeld-Befürworter bringen. Die Kunden würden den Banken bewusst Geld leihen, damit Zinsen verdienen und das Risiko kontrollieren. Morgan Stanley befürwortet also den Systemwechsel. Ob das die Schweizer Volksinitiative schon gehört hat?
  • In die gleiche Richtung geht diese Überlegung: „It removes banks’ capacity to fund loans simply by issuing deposits and relying on borrowing to cover unexpected outflows. This should reduce the incidence of bank crises and taxpayer-funded bailouts in the name of rescuing the payments system.“ bto: Morgan Stanley ist für Vollgeld! Oder Sovereign Money oder Positive Money, wie man es auch nennen will.
  • „As for digital bank runs, it is true that in a crisis even non-checking deposits may want to fly to the safety of the central bank, and the capacity to do so with the click of a button would indeed make life difficult for crisis managers. But there is nothing about digital currency per se that prevents a central bank from slowing the process.“ bto: Klar, der Server kann ja mal ein paar Tage nicht erreichbar sein!
  • „There is a more ambitious variant of the above: a “central bank coin” that resides on a blockchain, an electronic database of transactions. The central bank would issue coins against cash and banks’ reserves at the central bank. If it then stood ready to freely exchange coin, cash and reserves at par, the main problem plaguing bitcoin and other cryptocurrencies as money — extreme price volatility — would be resolved.“ bto: Das wird ja immer besser. Nun soll die Notenbank auch noch den Preis festsetzen. Das ist doch schon recht nah an der Planwirtschaft, würde ich sagen!
  • „A key advantage of a blockchain-based currency over central bank checking accounts, or indeed the current system, is security. A unitary ledger residing on a network is harder to tamper with than one in a single location. In an age where everything from elections to email is hackable, protecting the payments system from shocks to the liability side of banks should be high on the policy agenda. (…) The recent turmoil in crypto markets should not distract central banks from embracing digital currency to deliver a system that is less costly in good times and less unstable in turbulent ones.“ bto: Es ist sicherer und unabhängig von der Passivseite der Bankbilanzen. Soso. Ich denke, es ist sehr interessant, dass sich eine prominente Bank so positioniert, ist es doch ein Ende des Bankings, wie wir es kennen. Spannend.

FT (Anmeldung erforderlich): „Central banks are right to consider the merits of digital cash“, 18. März 2018

1 Antwort
  1. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    In der Tat, es ist schon sehr bemerkenswert, wie sich ein Schwergewicht wie Morgan Stanley positioniert (bei Kontroversen allerdings als nur unbedeutende Einzelmeinung eingestuft).

    Erstens:

    Die Argumentation appelliert mit „DESIRE for a faster, cheaper and safer alternative“ VORRANGIG auf den unmittelbar erfahrbaren Vorteil der Geldnutzer.

    Das ist der richtige Ansatz aus Sicht derer, die für ein anderes, zumindest anders organisiertes Geldsystem werben:

    Denn für die REALISIERUNG muss zumindest ein Minimum an AKZEPTANZ in der Bevölkerung gegeben sein. Daran muss man arbeiten, wenn man etwas verändern will.

    Wechsel der Argumentation auf die SYSTEMEBENE:

    Erstens zum leidigen Thema bankrun:

    >„As for digital bank runs, it is true that in a crisis even non-checking deposits may want to fly to the safety of the central bank … But there is nothing about digital currency per se that prevents a central bank from slowing the process.“ – bto: Klar, der Server kann ja mal ein paar Tage nicht erreichbar sein!>

    Der Kommentar von bto. sagt alles, was dazu zu sagen ist.

    Zweitens zu Stabilität auf der Systemebene:

    „The recent turmoil in crypto markets should not distract central banks from embracing digital currency to deliver a system that is less costly in good times and less unstable in turbulent ones.“

    Der Aspekt “less costly in good times” ist nicht zu Ende gedacht, weil nicht diskutiert wird, ob die Systemveränderung nicht auch Kosten bwz. Nachteile außerhalb des Zahlungsverkehrs generieren würde. Das kann bis zu destabilisierenden Prozessen reichen, u. a. auch deshalb, weil wir damit FUNKTIONAL dem Helikoptergeld näher gekommen sind.

    „less unstable“ ist einfach mal so dahingesagt.

    Keine Frage, das Bankensystem, das wir haben, ist potenziell anfällig. Aber eine ZENTRALE Kontenverwaltung bei der Notenbank ist potenziell auch anfällig – wenn auch auf andere Art und Weise, z. B. durch einen Hacker-Angriff.

    Garantiert jemand, dass es NIE einen erfolgreichen geben wird?

    Vielleicht posaunt das jemand zu gegebener Zeit heraus, aber GARANTIEREN kann es niemand.

    Deshalb:

    Die Latte tiefer legen, viel tiefer, denn ohne Risiko geht überhaupt nichts.

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