Die Nacht der Kapitulation

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Gestern Morgen habe ich die Warnung vor der „bedingungslosen Kapitulation“ Deutschlands in der europäischen Schuldenkrise besprochen. Objektiv gesehen brauchen wir in Europa einen Schuldenschnitt. Wir werden ihn so oder so bekommen ‒ entweder von uns selbst organisiert mit den damit verbundenen Vorteilen (siehe die diesbezüglichen Beiträge) oder aber unfreiwillig mit maximalem politischem, wirtschaftlichem und finanziellem Schaden. Es sieht immer mehr nach der schlechten Version aus. Die deutsche Opposition verlangt mehr Flexibilität, der Vizekanzler lobt die neue griechische „Flexibilität“, der Finanzminister hält noch den Anschein des Kampfes aufrecht. Besser wäre es, er würde mit seinem Team das europäische Schuldenschnittthema treiben. Vergebliche Hoffnung! Zu groß die Angst vor dem Wähler, dem man so unglaubliche Kosten aufbürdet. Der SPIEGEL deutet es schon an:

  • „Der Brief sei sehr schlau formuliert, sagen Beamte in Berlin, und adressiere scheinbar alle strittigen Punkte. Doch er weiche der Frage aus, ob Athen nicht nur Finanzhilfen weiter in Anspruch nehmen, sondern auch Reform- und Sparauflagen beachten wolle. ‚Je länger sich unsere Experten über die Zeilen beugten, desto unglücklicher wurden sie‘, sagt ein Beamter.“
  • „Am Freitag werden die Diskussionen vielschichtiger sein, erkennt man in Berlin an. Staaten wie Frankreich und Italien werden für mehr Flexibilität gegenüber Griechenland werben, Tsipras hat ihre Regierungschefs bereits kontaktiert.“ ‒ bto: wie vermutet: Italien und Frankreich hoffen auf EZB-Finanzierung und Schuldensozialisierung. Siehe auch der Bericht der F.A.Z.: „Italiens Finanzminister Pier Carlo Padoan sagte, der Vorschlag müsse ‚ernst genommen werden‘. Auch Frankreichs Premierminister Manuel Valls nannte die Vorschläge Griechenlands ‚sehr ermutigend‘.“
  • „EU-Kommissionspräsident Juncker begrüßte den Brief aus Athen als ein ‚positives Signal‘ auf dem Weg zu einem ‚vernünftigen Kompromiss‘. Juncker ist ehemaliger Euro-Gruppen-Chef, er hat sich mehrfach als Vermittler betätigt, wenn auch nicht immer glücklich. Sein Währungskommissar Moscovici erregte Aufsehen, als er beim letzten Euro-Gruppen-Treffen ein moderates Vorschlagspapier kursieren ließ, dem die Griechen wohl zugestimmt hätten.“ ‒ bto: Fast alle wollen eine Aufweichung. Morgen ist die Gelegenheit, am „kleinen Griechenland“ die ganze Politik zu kippen.
  • „Mit offiziellen Stellungnahmen hält sich die griechische Regierung zurück. Doch inoffiziell ist zu vernehmen, man setze auf eine wachsende Isolation Berlins. Außerdem habe die Euro-Gruppe am Freitag nur zwei Optionen: den griechischen Vorschlag abzulehnen oder anzunehmen.“ ‒ bto: Die Erfahrung spricht nicht für die Deutschen, die seit Jahrzehnten jeden europäischen Konflikt mit deutschem Steuergeld „befriedet“ haben.
  • „Aus vertraulichen Unterlagen geht hervor, dass Athen Schäuble dafür verantwortlich macht, dass sich Teile der deutschen Regierung gegen Griechenland stellen. In Frankreich, Italien und von hochrangigen EU-Offiziellen werde der griechische Antrag positiver gesehen, heißt es in dem Papier.“ ‒ bto: Ideale Grundlage dafür, uns über den Tisch zu ziehen: zerstrittene deutsche Position, Scheu vor Lärm in Europa, Bereitschaft Wählerstimmen mit dem Geld derselben zu kaufen, weil die Wähler sowieso a) kein Geld haben/Steuern zahlen, b) es nicht kapieren, c) und selbst wenn, ohnehin nicht auf die Straße gehen.
  • Beispiel ist der SPD-Europaabgeordnete Jakob von Weizsäcker. SPIEGEL zitiert ihn: Es geht nicht mehr um Grundsätzliches, sondern um konkrete Verhandlungen über Zugeständnisse der griechischen Regierung bei Wahlversprechen, Reformplänen und Privatisierungen. ‒ bto: Genau. ER muss ja nicht bezahlen. Das Gleiche gilt für Grünen-Chefin Simone Peter. F.A.Z.: „Die brüske Zurückweisung des griechischen Hilfsersuchens ist in Form und Inhalt unangemessen“, erklärte sie. Die griechische Regierung unter Alexis Tsipras sei mit ihrem Antrag auf eine Verlängerung der EU-Hilfen den Euro-Partnern „weit entgegen gekommen“ und habe „deutlich ihre Reform- und Kompromissbereitschaft  signalisiert“. Jetzt müsse auch die Bundesregierung den Willen zu einer gemeinsamen Lösung demonstrieren: „Schäuble darf die ausgestreckte Hand der Griechen nicht einfach ausschlagen.“

Fazit: keine Notwendigkeit sich Sorgen zu machen. Merkel wird Schäuble schon zurückpfeifen. Es gibt doch keine Krisen. DAX auf 20.000 und alle Probleme gelöst.

SPIEGEL ONLINE: Varoufakis‘ Taktik: Griechenland will Eurozone spalten, 19. Februar 2015

F.A.Z.: Griechenland will sein Angebot nicht mehr ändern, 19. Februar 2015

Unterstützung kommt wiederum von der Wissenschaft: Marcel Fratzscher vom DIW  hat erneut zugeschlagen. Seinen weitgehend unfundierten Kommentar in der FT habe ich schon vor einigen Wochen kritisiert. Im Handelsblatt darf er mit einem Kollegen von blühenden Landschaften in Griechenland träumen:

  • „Die Höhe der Schuldenlast ist nicht das einzige Problem Griechenlands. Vielmehr steht die griechische Regierung vor der Aufgabe, eine koordinierte Strategie zu entwickeln, die zum einen die bestehenden Schulden vollständig tragfähig macht, aber vor allem die Modernisierung der Wirtschaft und seiner staatlichen Institutionen fortsetzt und beschleunigt.“ ‒ bto: sicherlich richtig, aber illusorisch, wie hier bereits gezeigt.
  • „Das größte Risiko ist, dass Investoren und Bürger Griechenlands das Vertrauen in die neue griechische Regierung weiter verlieren und es kurzfristig zu einer deutlichen Vertiefung der Schulden- und Bankenkrise kommt. Wenn sich die Kapitalflucht aus dem Land beschleunigt, droht den verbliebenen griechische Banken die Insolvenz, und die Europäische Zentralbank (EZB) wird sie dann nicht retten können und dürfen. Eine solche Bankenkrise führt mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Kapitalverkehrskontrollen sowie zu einer Plünderung von Pensions- und Sozialkassen und wäre mit einem Staatsbankrott und einer noch tieferen wirtschaftlichen Depression als in den vergangenen fünf Jahren verbunden. Die griechische Regierung muss deshalb alle Anstrengungen unternehmen, um das Vertrauen in den Finanzmärkten und seiner Bürger zurückzugewinnen.“ ‒ bto: Klar. Übrigens: 81 Prozent der Griechen stehen hinter der aktuellen Politik.
  • „Deshalb ist eine glaubwürdige Intention wichtig, ein neues Programm der EU und des Internationalen Währungsfonds (IWF) anzunehmen und umzusetzen, die öffentlichen Schulden zu bedienen, und auf keinen direkten Schuldenschnitt hinzuarbeiten, die Banken zu rekapitalisieren und Sparer in Griechenland zu schützen.“ ‒ bto: Intention „glaubwürdig“ heißt nicht ernsthaft.
  • „Schließlich bedarf es eines klaren Bekenntnisses zu Marktwirtschaft und Wettbewerb, zur Mitgliedschaft im Euro und der EU sowie der damit verbundenen Rechte und Pflichten.“ ‒ bto: DIW, habt Ihr eigentlich das Programm von Syriza gelesen???
  • „Es gibt zwei Alternativen für eine höhere Nachhaltigkeit griechischer Staatsschulden, die eine Lösung sowohl im Interesse Griechenlands als auch der EU beinhalten: Entweder längere, aber nicht unbegrenzte Laufzeiten bei rund der Hälfte der Staatsschulden, die noch kürzere Laufzeiten haben, sowie partielle Zinssenkungen oder Aussetzung der Zinszahlungen, sofern dies nicht ohnehin schon geschehen ist. Oder eine partielle, anreizkompatible Indexierung der Zinshöhe zum griechischen Wirtschaftswachstum.“ ‒ bto: Und das ist dann kein Schuldenschnitt??
  • „Strukturreformen zur Verbesserung des Geschäftsklimas braucht es nach wie vor. Das umfasst nicht nur die weitere Öffnung der geschlossenen Berufe und Transparenz über die Umsetzung der Maßnahmen, sondern auch die Vereinfachung des bürokratischen Aufwands für Öffnung, Betrieb und Schließung von Unternehmungen. Letzteres ist auch das beste Mittel zur Bekämpfung von Korruption. Möchte man die produktiven Ressourcen in Griechenland besser nutzen, muss weiterhin endlich der Wissenstransfers zwischen Forschung und privaten Unternehmen gefördert werde.“ ‒ bto: Griechenland hat neun Patente pro eine Million Einwohner, wir über 200. Die Studenten protestieren gegen jede Forschungskooperation von Unis und Unternehmen.
  • „Bei einem Neuanfang sollten die noch anstehenden Reformen als Zukunftsperspektive vermittelt werden. Auch indem die Troika durch ein Beratungsgremium ergänzt wird, das in Abstimmung mit der Troika die Umsetzung der Reformen inhaltlich konstruktiv begleitet.“ ‒ bto: DIW muss da unbedingt dabei sein!
  • „Griechenland gibt seit Jahren trotz sinkendem Bruttoinlandsprodukts (BIP) weniger als 0,7 Prozent des BIP für Forschung und Entwicklung (F&E) aus, andere Euroländer investieren rund 3 Prozent ihres BIP in die Zukunft ihres Landes. Ohne Schließung dieser Investitionslücke im Innovationssystem wird Griechenland nicht nachhaltig wachsen. Es bedarf daher einer Strategie zur Erhöhung der Investitionen in F&E in Abstimmung mit der EU und einzelnen Partnerländern, sowie einer mittelfristigen Umschichtung des griechischen Staatshaushalts.“ ‒ bto: Denn alleine mit Geld wird Griechenland zum Innovationszentrum Europas. Selten so gelacht.

Wäre alles nicht so schlimm, wenn Fratzscher nicht das Wirtschaftsministerium beraten würde und mit solchen Argumenten dazu beiträgt, dass Deutschland, statt intelligent für Schuldenrestrukturierung einzutreten, ohne Gegenleistung über den Tisch gezogen wird.

Handelsblatt: Fünf-Punkte-Plan zur Rettung Griechenlands, 19. Februar 2015

Man muss wohl in der Schweiz sitzen, um einen klaren Blick zu haben. Die NZZ:

  • „Der griechische Finanzminister Janis Varoufakis bezeichnet sich als ‚inkonsequenten Marxisten‘. In einer vom britischen ‚Guardian‘ aufgezeichneten Vorlesung erklärte er 2013: ‚Marx hat mir die Instrumente gegeben, die mich gegen die giftige Propaganda des Neoliberalismus immunisieren. Zum Beispiel die Idee, dass Wohlstand privat produziert und dann von einem quasi illegitimen Staat durch Besteuerung angeeignet wird . . .‘ Als inkonsequent bezeichnete sich der neue griechische Hoffnungsträger, weil er aus dem Aufstieg von Margaret Thatcher in Grossbritannien gelernt habe, dass der Klassenkampf nicht automatisch zu einer Renaissance der Linken führe.“ ‒ bto: Immer mit dem DIW-Vorschlägen spiegeln!
  • „Vor der Wahl zwischen Staatsbankrott und Banken-Kollaps und einem Nachgeben scheinen sich die linken Griechen also vorerst den ‚Kapitalisten‘ beugen zu wollen. Weil die meisten europäischen Finanzminister mit den Ideen Varoufakis zwar wenig anfangen können, aber sich genauso vor den unbekannten Folgen einer radikaleren Lösung fürchten, zeichnet sich doch noch eine Einigung ab.“
  • „Allerdings hat Griechenland bereits rund 20 000 Euro pro Kopf an Krediten erhalten, was nahezu dessen jährlicher Wirtschaftsleistung entspricht. Trotzdem haben viele Griechen existenzielle Sorgen. Der ‚griechische Kapitalismus‘ ist eine Tragödie. Die Reicheren bringen ihr Geld aus dem Land, die Steuermoral ist miserabel, der ineffiziente Staat wuchert, und das Wirtschaftsklima ist investitionsfeindlich. Griechenland wird so seine riesigen Schulden kaum je marktgerecht zurückzahlen können.“
  • „Statt von funktionierenden Institutionen gelenkt zu werden, hält eine korrupte, mit dem Staat und der Politik eng verflochtene Klientelwirtschaft das Land seit Jahrzehnten im Griff. Sollte die Euro-Gruppe da nun erneut gutes Geld schlechtem nachwerfen, wird das keine Probleme lösen.“
  • „Der Internationale Währungsfonds (IMF) hat Erfahrung, wie man aus so einer Situation recht schnell – wenn auch nicht schmerzlos – herausfinden kann. In der benachbarten Türkei hat er es Anfang des Jahrtausends eindrücklich vorgemacht. Doch erstens wird ein verordnetes Reformprogramm in Griechenland kaum Erfolg haben können, solange dort Ideologen wie Varoufakis die IMF-Rezepte und eine funktionierende, liberalisierte Privatwirtschaft für neoliberales Teufelszeug halten. Und zweitens hatten Länder wie die Türkei in ähnlichen Situationen den Vorteil, dass die Abwertung der eigenen Währung die notwendigen Anpassungsleistungen wesentlich erleichterte.“
  • „So gesehen würde die radikalere Lösung einer Zahlungsunfähigkeit Griechenlands, verbunden mit einem Austritt aus der Euro-Zone, wohl beiden Seiten bessere Dienste erweisen. Griechenland müsste eigenverantwortlich einen neuen Reformweg finden. Und der Rest der Euro-Zone hätte künftig klare Alternativen vor Augen: harte, aber wirkungsvolle marktwirtschaftliche Reformen innerhalb des Systems oder ein Austritt à la Griechenland. So aber könnte Varoufakis am Schluss doch noch recht behalten: Die Euro-Zone läuft mit ihrer endlosen griechischen Tragödie Gefahr, den Kapitalismus durch Sozialisierung und Vergemeinschaftung unhaltbarer Risiken ad absurdum zu führen.

NZZ: Kapitalismus als Teufelszeug, 19. Februar 2015

Im Unterschied zu unseren Partnerländern handeln wir politisch nicht strategisch. Nur so ist zu verstehen, dass wir am Ende zahlen und ohne Gegenleistung dastehen.

11 Antworten
  1. Klaus Meyer says:

    „Im Unterschied zu unseren Partnerländern handeln wir politisch nicht strategisch. Nur so ist zu verstehen, dass wir am Ende zahlen und ohne Gegenleistung dastehen.“

    Das alte Lied: Reparationen.

    Antworten
    • Johann Schwarting says:

      Sehr geehrter Herr Meyer

      die Kredite, die die Grundlage für die Giganten im Kornfeld
      https://www.youtube.com/watch?v=9Y8dl2psQIE und https://www.youtube.com/watch?v=QQaWJaXhq_o sind, verschwinden über den debitistischen Kettenbrief (Zwang zur Nachschuldnersuche=Kapitalismus) von Claas in Harsewinkel-Lohnunternehmer-Bauer-Lebensmittelindustrie-Lebensmittelhandel-Endverbraucher endgültig im Konsum von Getreideprodukten. Das können wir auch in die entgegengesetzte Richtung betrachten – Ketten haben gewöhnlich zwei Enden.
      Vor einigen Jahren wurden die Schulden der Stadt Göttingen teilweise vom Land Niedersachsen als höherer Systemebene übernommen, Ähnliches gilt für die Länder Bremen und Saarland, die teilweise von der nächsthöheren Systemebene Bund „entschuldet“ wurden-die Schulden wurden hochgebucht.
      Für die Schulden der Euro-Länder bedeutet das, dass durch die politische EU eine neue Systemebene als gemeinsamer Haftungsraum aller EU-Mitgliedstaaten entsteht.

      Aus dieser Logik des Ablaufs im Gesamtsystem gibt es kein Entrinnen – PCM hat das schon 1986 formuliert: „Alle Staaten werden für alle Staaten,…, weil dann allen etwas zustößt.“ Quelle: PCM, “Der Kapitalismus – ein System, das funktioniert”, S. 76 !

      Griechenland wird m.E. die Euro-Zone nicht verlassen! Ein „finale furioso“ (PCM) würde Griechenland ins Chaos des totalen Zusammenbruchs der Ökonomie auf das Niveau von Albanien und des Kosovo werfen, die ja auch noch Mitglieder der EU werden sollen.
      In den Kanzleien der weltweiten Beraternetzwerke liegen die Lösungsvorschläge bereit – es verläuft alles gesetzmäßig ab.
      Die Vorschläge von Dr. Stelter weisen in die zu beschreitende Richtung!

      Darum geht es doch auch in der Ukraine: Erweiterung des Haftungsraumes durch Einführung eines funktionierenden Staates mit Exekutive und Legislative auf der Grundlage der Eigentumsökonomik von Heinsohn/Steiger. Die GPS-gesteuerten fahrerlosen hightech-Produkte aus Harsewinkel warten schon auf den Ernteeinsatz auf der dortigen fruchtbarsten http://de.wikipedia.org/wiki/Schwarzerde (=belastbare Kreditpfänder) der Welt, um ganz Europa mit Getreide zu versorgen.

      In dem Sinne, dass wir in einem größeren Zusammenhang denken und handeln müssen, wünsche ich ein Carpe diem.

      Johann Schwarting

      Antworten
      • Klaus Meyer says:

        Sehr geehrter Herr Schwarting,

        die Vorschläge von Dr. Stelter weisen in die zu beschreitende debitistische Richtung, die er aber von der deutschen Regierung mitorganisiert – um den damit verbundenen Vorteilen verknüpft – wissen will.

        Da absehbar ist, dass sich die deutsche Regierung das Heft des Handelns aus der Hand nehmen lässt – nicht nur auf Grund debitistischer Zwänge – spricht er von „Kapitulation“.

        Damit ist klar, dass speziell unser ehrenwerter Finanzminister Schäuble, eine verlogene Show, für den deutschen Steuerzahler, abzieht.

        Es ist ein gewaltiger Unterschied, auf welcher Seite sich Menschen beim Ablauf des debitistischen Prozesses befinden.

        Die sich auf der Sonnenseite Befindenden befürworten natürlich das Erweitern der Haftungsräume „um JEDEN Preis“…

        MfG und ein schönes Wochenende

      • Dieter Krause says:

        Danke, Herr Schwarting für Ihren Kommentar! Ökonomische Fragen konnte man noch nie abgelöst von politischen Fragen beurteilen (siehe dazu jetzt auch die Euro-Krise und den Poker um Griechenland). Was im übrigen auch bedeutet, dass es freie Märkte – also Märkte ohne staatliche Einmischung – noch nie gegeben hat. Weder in der Antike noch heute. – Erst war der Staat – dann der freie Markt, der zu seinem Funktionieren stets auch die Regeln des Staates, die dieser dem Markt gesetzt hat, benötigt. Verstehen nur die Libertären nicht!

  2. Dieter Krause says:

    Der griechische Finanzminister Varoufakis will übrigens einen New Deal für Europa – hier in seinem kleinen Büchlein (geschrieben zusammen mit einem englischen und amerikanischen Ökonomen) „Bescheidener Vorschlag zur Lösung der Euro-Krise“ nachzulesen (wird am 27. Februar erscheinen)! Vielleicht kommentieren Sie mal dessen Vorschläge, Herr Stelter! Danke.

    „Ein New Deal für Europa: Nach dem spektakulären Regierungswechsel in Griechenland ist die Aufregung in Europa groß im Zentrum der Diskussionen stehen der neue griechische Finanzminister Yanis Varoufakis und die wirtschaftlichen Verhandlungen, die über die Zukunft Europas entscheiden werden. Doch was will Yanis Varoufakis wirklich? In diesem Debattenbuch analysieren er und seine Co-Autoren die Ursachen der Eurokrise und machen konkrete Vorschläge zu ihrer Lösung. Sie benennen vier eng zusammenhängende Faktoren: – Die Bankenkrise – Die Schuldenkrise – Die Investitionskrise – Die soziale Krise. Für jedes dieser Probleme schlagen die Autoren pragmatische Lösungen vor, die weder neue Institutionen erfordern noch gegen geltendes EU-Recht verstoßen und zudem Geber- wie Nehmerländer erheblich entlasten würden. Sie fordern nicht weniger als einen New Deal für Europa!

    http://www.amazon.de/Bescheidener-Vorschlag-zur-L%C3%B6sung-Eurokrise/dp/3956140516

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  3. Cajus says:

    Wenn man so einen Unsinn liest, da fängt man unwillkürlich an zu frieren: Yanis Varoufakis und seine Co-Autoren analysieren die Ursachen der Eurokrise und machen konkrete Vorschläge zu ihrer Lösung. (aus dem Vorpost von Dieter Krause)

    Betrugssysteme werden letztendlich immer scheitern, da braucht es keine Herstellung irgendwie gearteter Komplexitäten.

    Jeder hier im Forum weiß um die Betrügereien, die im Zuge der Euro-Einführung vollzogen worden sind, die vorgebliche Erfüllung der Maastricht-Kriterien von einigen Staaten war vielfach ein Witz. Griechenland hat dem allen noch die Krone aufgesetzt, durch die Erschleichung der Aufnahme in die Währungsunion und der jahrelangen kreativen Verschleierung was den wahren Zustand der Staatsfinanzen anbelangt. Da könnte man den aktuell ausgesprochenen Satz des Ökonoms Pissarides „Wenn man sich zu einer Währungsunion zusammenschließt, ist man auch verpflichtet, sich gegenseitig zu stützen“ schon als glatten Hohn bezeichnen, wenn man eben nicht genau wüsste, dass sich oftmals in Verbindungen eben diverse Krankheiten gegenseitig abstützen.

    Jetzt steht díeses Betrugssystem vor seinen Trümmern, ein brauchbarer Ausweg ist logischerweise nicht in Sicht und alles, was den beteiligten Parteien momentan einfällt, das sind wechselseitige Erpressungen. Und über allem schwebt jedoch nach wie vor das Haupt-Motto der Veranstaltung: Der Euro darf nicht fallen, die Risiken sind viel zu hoch. Erinnert in gewisser Weise an ein Bonmot von Woody Allen, der es im Hinblick auf das Zwischenmenschliche bereits vor Jahrzehnten treffend sezierte: „Die Ehe ist der Versuch, zu zweit mit den Problemen fertig zu werden, die man alleine nie gehabt hätte.“

    Die Fortführung dieses unseligen Kunstgebildes einer Transferunion wird jedoch in Tränen enden, noch so irrsinnige Subventionen werden zu keinerlei „positiven regionalen Anpassungsprozessen“ im Sinne einer Vereinheitlichung bzw. Angleichung der unterschiedlichen Volkswirtschaften bewirken. So ist das oftmals in der Geschichte, wenn Politiker und Bürokraten in einer verkorkst-planwirtschaftlichen Überzeugung agieren, man schaffe Veränderungen „zum Wohle des Menschen“.

    Aber die Finanzmärkte sind bezgl. eines GREXIT ja recht enspannt, so lese ich gerade. Dank der EZB und diverser Sicherungsinstrumente (soll wohl als Synonym für Duckerpresse stehen) wäre eine finanzpolitische Eskalation unwahrscheinlich.

    Na dann: Cheers auf die kollektive Korruptheit!

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  4. Cajus says:

    Und mittlerweile, da alle Banken dank des „selbstlosen europäischen Steuerzahlers“ von ihrer griechischen Staatsanleihen-Last befreit sind, gilt der GREXIT mit einem Mal auch als durchaus „verkraftbar“.

    Oder wie dürfte man wohl den aktuellen Comment von Dr. Thomas Mayer verstehen?

    „Griechenland hat den absolut größten Teil seiner Schuld umgeschichtet in eine Verschuldung gegenüber öffentlichen Gläubigern, diese Schuld ist quasi nicht mehr am Markt. Das, was noch an Schulden gegenüber privaten Gläubigern übrig ist, würde wohl auch nach einem möglichen Euroaustritt Griechenlands weiter bedient werden.“

    http://www.finanzen.net/nachricht/aktien/Interview-exklusiv-Was-kann-den-DAX-jetzt-noch-aufhalten-Thomas-Mayer-4194206

    Antworten
  5. Dieter Krause says:

    Lieber Cajus – was wollen Sie in Griechenland eigentlich am Ende haben? Wohl ein schwarzes, von Rußland und China subventioniertes Loch a la Libyen in Europa oder? – Syriza muss natürlich jetzt auch liefern! Wenn man Griechenland nur die Hälfte der jährlichen Steuerhinterziehung von ca. 40 Mrd. Euro eintreiben würde, gäbe es doch schon fast gar keine staatlichen Finanzprobleme mehr oder? Nur ist dort Steuerbetrug Volkssport – jeder praktiziert ihn! Man zahlt pro Monat 1.600 Euro für einen Kredit an die Bank – und gibt gegenüber dem Finanzamt ein Einkommen von 1.500 Euro pro Monat an! – Schweres institutionelles Versagen, bei dem Brüssel und die EU-Staatschefs schlicht jahrelang weggesehen haben. Und ja, es gibt jetzt faktisch nur noch öffentliche, griechische Gläubiger! Die kann man als Grieche zu schröpfen versuchen. Die Großbanken in London dagegen nicht! Das hätte man früher machen müssen. Im übrigen gab es das alles schon mal mit den Griechen – während der Lateinischen Münzunion:

    http://www.welt.de/finanzen/article108413049/Schon-1908-tricksten-die-Griechen-beim-Geld.html

    Antworten
    • Johann Schwarting says:

      Hallo Herr Pfister,

      ich möchte auf einige Beiträge über Griechenland in den http://www.lettre.de/ International hinweisen. Ohne die Betrachtungen der historischen Hintergründe der heutigen Situation können wir ein oberflächliches Griechenland – „bashing“, das oft in der Öffentlichkeit praktiziert wird, nicht überwinden.

      MfG
      Johann Schwarting

      Antworten
  6. Cajus says:

    Der gezogene Vergleich Griechenlands mit Lybien hinkt mehr als gewaltig.

    Lybien ist u.a. auf damaliges starkes Betreiben von Hillary Clinton durch die Nato zerbombt worden. Die Folgen dieses damakigen „weitsichtigen“ militärischen Eingreifens, nämlich ein völlig instabiles Lybien, in dem Chaos und Anarchie herrschen, dürfen wir ja heute in ganzem Ausmaße besichtigen. Interessanterweise fordert Italien aktuell eine erneute Intervention der Nato. Will man den dort heillos zerstrittenen Stämmen nun doch schlussendlich mit Gewalt in Form weiterer Luftschläge die Demokratie und den Pluralismus eintrichtern? Völlig illusorisch.

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