Wir brauchen mehr Milliardäre
Nach dem Börsengang von SpaceX hat die Welt ihren ersten Dollar-Billionär. Die Aufregung war groß: Es könne nicht sein, dass ein einzelner Mensch so viel Vermögen besitze. Die Linke, die schon lange die Abschaffung von Milliardären fordert, ist außer sich.
Abgesehen davon, dass es sich um Papiervermögen handelt und es abzuwarten bleibt, wie sich die Aktie von SpaceX dauerhaft entwickelt, zeugt die Aufregung von einem ziemlich unzureichenden Verständnis des Kapitalismus. Ja, Elon Musk ist – wie viele andere von Bill Gates bis Jeff Bezos – sehr vermögend. Allen ist aber gemein, dass sie ihr Vermögen selbst erwirtschaftet haben, indem sie Produkte und Dienstleistungen erschaffen haben, die das Leben von Milliarden Menschen verbessern.
Elektroauto, günstige Computer, der bequeme Einkauf im Internet – all dies hat nicht nur viele Arbeitsplätze erschaffen, sondern uns allen einen höheren Lebensstandard beschert. Studien zeigen denn auch, dass der Nutzen dieser Innovatoren weit über das für sie selbst geschaffene Vermögen hinausgeht.
Die Forderungen der Linken kommen in immer neuem Gewand. Mal heißt es Vermögensteuer, mal Milliardärsteuer, mal Übergewinnsteuer, mal einmalige Vermögensabgabe. Mal trifft es Vermögen ab einer Million. Mal ab 50 Millionen. Mal ab einer Milliarde. Das Ziel bleibt dasselbe: Umverteilung.
Globale Vorreiter sind zweifellos die französischen Ökonomen Thomas Piketty und Gabriel Zucman. Ungeachtet widerlegter Thesen und erheblicher Datenmängel, erhalten sie mit ihren immer weitergehenden Forderungen globale Aufmerksamkeit und Unterstützung. Zuletzt mit ihrer Forderung nach einem Umbau der globalen Wirtschaft mittels eines „Global Justice Fund“, der 10,3 Prozent des Welt-BIP pro Jahr umverteilen (gegenüber 0,4 Prozent heutiger Entwicklungshilfe) soll, finanziert durch eine globale Vermögensteuer von bis zu 20 Prozent pro Jahr auf Vermögen oberhalb der Milliardärsschwelle und einen Spitzeneinkommensteuersatz von 90 Prozent.
Laut Piketty gibt es historisch nur zwei Wege, um die Vermögensverteilung gleicher (was er für gerechter hält) zu machen: Kriege und Steuern. Zu einem ganz anderen Schluss kommt Daniel Waldenström vom IFN (Forschungsinstitut für Industrieökonomie) in Stockholm, der jahrelang mit Piketty zusammengearbeitet hat. Seine Analyse der historischen Vermögensdaten führt zu dem Schluss, dass die große Vermögensangleichung des 20. Jahrhunderts nicht durch Kriege und Steuern kam, sondern durch den Aufstieg der Mittelschicht. Wohneigentum und kapitalgedeckte Renten führten zu einem „Lifting of the bottom“. Die Vermögensverteilung wird gleicher, wenn alle reicher werden.
Was also tun? Mehr finanzielle Bildung, damit die Ersparnisse nicht weiter auf Konten und Sparbüchern von der Inflation aufgefressen werden, mehr Wohneigentum, eine kapitalbasierte Altersvorsorge. Die Instrumente sind bekannt, doch ausgerechnet jene Politiker, die lauthals die Ungleichheit beklagen, tragen mit hohen Grunderwerbsteuern, Mietpreisbremse, Mietendeckel und mieterfreundlichen Änderungen am Mietrecht dazu bei, dass zu wenige Bürger Eigentum erwerben.
Zugleich zwingen sie immer mehr Menschen mit immer höheren Sozialbeiträgen in ein Umlagesystem, statt anzuerkennen, dass gerade auch mit Blick auf die demografische Entwicklung die besseren Renditen in anderen Regionen der Welt zu erwarten sind.
Milliardäre sind Leuchttürme eines Landes
Und was die Milliardäre betrifft: Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Milliardäre. Sie sind die Leuchttürme eines Landes, das eigene Innovationen großmacht. Aus der Tatsache, dass in Deutschland ein weitaus größerer Anteil der Milliardäre ihr Vermögen ererbt hat als in anderen Ländern, ist nicht der Schluss zu ziehen, „diese abzuschaffen“, sondern mehr Self-made-Milliardäre zu ermöglichen.
Gerechte Politik ist eine Vermögensbildungspolitik. Keine Umverteilungspolitik. Wer Vermögen gerechter machen will, muss zuerst ermöglichen, es zu schaffen.

