Deutschland wirtschaftet wie die Eichhörnchen

Warum der schillernde Titel des Exportweltmeisters eine sehr dunkle Seite hat

In Folge 10 von „beyond the obvious – der Ökonomie-Podcast mit Dr. Daniel Stelter“ geht es um den viel gefeierten Titel des Exportweltmeisters. Wir schmücken uns gern damit, ohne zu wissen, dass diese „Trophäe“ alles andere als erstrebenswert ist. Denn wer mehr Waren und Dienstleistungen exportiert, als er importiert, exportiert auch seine Ersparnisse in das Ausland. In einer zunehmend überschuldeten Welt keine gute Idee. Vor allem, weil keine Nation ihre Ersparnisse im Ausland so schlecht anlegt, wie wir Deutschen.

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Kommentare (5) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Günter Schmitt sagte:

    Danke für die sehr klare Aussage, wonach ein Exportüberschuss zwar populär ist und deshalb überwiegend positiv gesehen wird. Tatsache ist allerdings, dass ein Überschuss nichts anderes bedeutet, als ein Kaufkraftabzug oder sogar ein Schuldenaufbau auf der Seite der Länder, die unsere Waren abnehmen.
    Dass der Überschuss gleichzeitig ein Abfluss von Kapital in das Ausland bedeutet war mir allerdings nicht so klar. Der Kernpunkt ihrer Argumentation läuft darauf hinaus, das Kapital lieber im Inland zu investieren und noch dazu ertragreicher als es Deutschland derzeit im Ausland macht. Das machen die Amerikaner trotz umgekehrter Vorzeichen ( Import-Überschuss ) offenbar erheblich besser.

    Ich bin ganz ehrlich und gebe zu, dass ich folgende Sache immer noch nicht ausreichend einordnen kann. Es betrifft genau den Punkt wonach bei einem Exportüberschuss auch das Kapital ins Ausland exportiert wird. Wenn mit Kapital die physischen Güter und Leistungen gemeint sind, kann ich das nachvollziehen. Wenn die von inländischen Käufern gekauft worden wären, würde der deutsche Kapitalstock ausgebaut anstatt des ausländischen. Aber hinsichtlich der Geldbewegungen fließt der Kauferlös doch nach Deutschland zurück, womit die Löhne und Materialien aber auch die Gewinne der deutschen Unternehmen „finanziert „ werden. Somit ist Beschäftigung und Wohlergeben der Faktoren Arbeit & Kapital gesichert, was ja nicht so schlecht sein kann.

    In diesem Zusammenhang scheinen aber die Geldströme zwischen den beteiligten Ländern auch noch eine maßgebliche Rolle zu spielen. Im meine damit die TARGET-SALDEN der nationalen Notenbanken. Wie die im Gesamtkontext zu bewerten sind ist mir nicht ganz klar. Vielleicht können Sie dazu mal etwas konkretes sagen. Denn die aus dem Exportüberschuss offenbar resultierenden Forderungen an andere Länder und spiegelbildlich die Schulden in den Importländern scheinen auch eine nicht ganz ungefährliche Rolle zu spielen. Dazu würde ich einen Beitrag von Ihnen sehr begrüßen.

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      Herold sagte:

      @Herrn Schmitt,

      Lassen Sie das Geld mal weg. Wenn 20 Seecontainer den Bremer Hafen verlassen ( Export ), dann müssen 20 Seecontainer mit Waren auch hereinkommen damit wie eine ausgeglichene Handelsbilanz haben.
      Wenn es nicht ausgeglichen ist, und die anderen dafür bei uns anschreiben lassen, bis zum Sankt Nimmerleinstag, dann haben wir umsonst gearbeitet.
      Die deutschen Löhne müssten angehoben werden, damit wir die anderen nicht an die Wand konkurrieren. 1969 als Beispiel wurde die D Mark schonmal aus diesem Grund aufgewertet. Oder wie Stelter sagt, die Binnenwirtschaft ankurbeln durch Staatsausgaben. Bisher hat halt alles nur so gut funktioniert weil sich die anderen für uns verschuldet haben.
      Mir ist schon klar daß das Thema komplex ist, sicher können das einige hier noch besser ausführen als ich.

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      Michael Stöcker sagte:

      @ Günter Schmitt und Herold

      „Lassen Sie das Geld mal weg. Wenn 20 Seecontainer den Bremer Hafen verlassen ( Export ), dann müssen 20 Seecontainer mit Waren auch hereinkommen damit wie eine ausgeglichene Handelsbilanz haben.“

      Für das elementare Grundverständnis ist diese simplifizierende Erklärung sehr hilfreich. Allerdings ist die Handelsbilanz nur dann ausgeglichen wenn die 40 Seecontainer jeweils den gleichen Umsatz/Wert repräsentieren. Außerdem sollten Sie beachten, dass ein isolierter Blick allein auf die Handelsbilanz unzureichend ist und die gesamte Leistungsbilanz zu beachten ist.

      „Tatsache ist allerdings, dass ein Überschuss nichts anderes bedeutet, als ein Kaufkraftabzug oder sogar ein Schuldenaufbau auf der Seite der Länder, die unsere Waren abnehmen.“

      So ist es, Herr Schmitt. Das Giralgeld ist zudem in der Regel per Kreditvergabe durch eine italienische, spanische oder sonstige ausländische Bank entstanden. Es hat also im ersten Schritt KEIN Kapitalexport zur Finanzierung des Kredits stattgefunden, da mit der Kreditvergabe IMMER ZUSÄTZLICHES Giralgeld auf der zweiten Ebene des Geldsystems geschaffen wird. Der Refinanzierungsbedarf auf der ersten Ebene ergibt sich im zweiten Schritt immer erst ex post, wenn sich die Salden aus dem Überweisungsverkehr zwischen den Geschäftsbanken nicht ausgleichen.

      Wenn sich im Zeitablauf die Leistungsbilanzsalden nicht wieder umkehren, dann bleibt es nicht nur beim Kaufkraftentzug (=Export von Arbeitslosigkeit aus deutscher Sicht), sondern die Schuldner werden ihre Kredite nicht mehr vollumfänglich bedienen können und die Banken müssen vermehrt Kredite abschreiben, was wiederum zu Lasten des Eigenkapitals geht und somit die zukünftige Kreditvergabemöglichkeit der Banken und somit das zukünftige Wachstum einschränkt.

      „Ich bin ganz ehrlich und gebe zu, dass ich folgende Sache immer noch nicht ausreichend einordnen kann. Es betrifft genau den Punkt wonach bei einem Exportüberschuss auch das Kapital ins Ausland exportiert wird. Wenn mit Kapital die physischen Güter und Leistungen gemeint sind, kann ich das nachvollziehen.“

      Nicht nur Sie haben diese Einordnungsprobleme, sondern mit Ihnen auch viele gestandene Ökonomen. Es ist zum einen einem falschen Geldsystemverständnis geschuldet. Für diesen Irrtum ist leider auch die Deutsche Bundesbank zu einem großen Teil mitverantwortlich, da sie den Prozess der Geldschöpfung bis zum Jahre 2008 in ihren Lehrbüchern falsch dargestellt hatte. Eigentlich unglaublich, aber dennoch traurige Wahrheit: https://zinsfehler.com/2014/09/04/bankmythen/

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      Michael Stöcker sagte:

      Zum anderen liegen die Verirrungen in einer unterschiedlichen Verwendung des Begriffs Kapital. Für Volkswirte befindet sich das Kapital (im Sinne von Sachkapital und/oder Geldkapital) auf der Aktivseite einer Bilanz, während dieser Begriff für Betriebswirte und Bilanzkundige auf der Passivseite zu verorten ist. Es wird also derselbe Begriff für zwei kategorial völlig unterschiedliche Sachverhalte verwendet.

      „Im meine damit die TARGET-SALDEN der nationalen Notenbanken. Wie die im Gesamtkontext zu bewerten sind ist mir nicht ganz klar. Vielleicht können Sie dazu mal etwas konkretes sagen.“

      Ich hoffe, dass diese Ausführungen konkret genug sind: https://zinsfehler.com/2018/07/30/target-und-kein-ende/ Falls nicht, einfach noch mal nachhaken.

      LG Michael Stöcker

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