Was tun mit dem Geld? (11) ‒ Wie anfangen?

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Vielen Dank für die freundlichen und auch kritischen Kommentare und E-Mails zu meiner Serie zur Geldanlage. Natürlich erhebe ich nicht den Anspruch, die garantiert funktionierende Lösung für den Vermögenserhalt in diesen Zeiten zu haben. Ich denke aber, es ist der richtige Weg zu diversifizieren und auf Einstiegspreise und Kosten zu achten. Wer immer Ihnen eine „Rettung“ verspricht mit sicheren Tipps und eindeutigen Vermögenspositionierungen, dürfte wohl eher an die eigene Provision denken.

Vor allem vier Fragen kamen immer wieder:

  1. Weshalb bleiben Gold und Silber trotz des gestiegenen Risikos auf so tiefen Kursen? Müssten sie nicht deutlich teurer sein?
  2. Was mache ich mit der Liquidität angesichts von Negativzins, Bargeldverbot und absehbarer Gläubigerbeteiligung bei der nächsten Krise?
  3. Wie komme ich zu dem Zielportfolio, wo doch die Preise bereits so hoch sind, dass ich die wichtige Regel des günstigen Einkaufs nicht mehr beherzigen kann?
  4. Wie soll ich das umsetzen, wenn mein Vermögen relativ klein ist und ich nicht global diversifizieren kann?

Kurz meine Sicht zu diesen Fragen:

  1. Weshalb bleiben Gold und Silber trotz des gestiegenen Risikos auf so tiefen Kursen? Müssten sie nicht deutlich teurer sein?

Dies ist eine ungemein spannende Frage. Zum einen stellt sich die Kursentwicklung in Euro (und Yen) deutlich besser dar als in US-Dollar. In US-Dollar gerechnet ist Gold in der Tat deutlich unter den erreichten Höchstständen und es gibt nicht wenige Beobachter, die von weiteren Kursrückgängen ausgehen. Meine Gedanken:

  • Setzt man die Entwicklung des Goldpreises in Relation zur Inflation der letzten Jahre, so ist Gold nicht billig. So gerechnet ist Gold zurzeit sogar relativ teuer.
  • Im Vergleich zu den Bilanzen der Notenbanken ist Gold jedoch recht billig. Nun muss man aber im Hinterkopf haben, dass dieses Wachstum des Zentralbankgeldes nicht zu einem breiten Kredit- und Geldmengenwachstum geführt hat. Sollte es dazu kommen – was ich nicht erwarte, weil die Geldpolitik an Wirksamkeit verloren hat, so wäre eine deutliche Inflation und damit sicherlich höhere Goldpreise die Folge.
  • Negativzinsen machen Gold (und andere Anlageformen) relativ attraktiv. Die Opportunitätskosten sind gering und es ist relativ attraktiver, Gold zu halten.
  • Auch wenn ich kein Fan von Verschwörungstheorien bin, so ist das Verhalten auf dem Terminmarkt für Gold durchaus bemerkenswert. Da der berichtete Preis für Gold vom nicht-physischen Markt bestimmt wird, liegt die Vermutung zumindest nahe, dass man dort mit relativ geringem Aufwand eine Preispflege durchsetzen kann, die jegliches „Krisensignal“ eines steigenden Goldpreises unterbindet.
  • Gold gehört als Versicherung in jedes Portfolio. Wer also kein Gold oder nur einen Anteil von weniger als 15 Prozent an physischem Gold hat, wäre gut beraten, bei der momentanen Preisschwäche in Gold zu investieren. Gold könnte jedoch noch deutlich billiger werden, was dann für weitere Zukäufe genutzt werden sollte. Hier spiegelt sich der Portfoliogedanke. Andere Vermögenswerte würden in diesem Szenario entsprechend gewinnen.
  • Für den, der spekulieren möchte, bieten sich die Aktien von Minengesellschaften an. Ich würde hierbei aber ausdrücklich von Spekulation reden, da diese Unternehmen traditionell schlecht geführt sind und sich zudem mehrheitlich in politisch instabilen Regionen befinden. Mein Qualitätskriterium erfüllen sie jedenfalls nicht.

Fazit: Physisches Gold gehört in ein Standardportfolio. Wer noch nicht im ausreichenden Masse investiert ist, sollte nachkaufen ‒ dies aber in dem Bewusstsein, dass die Preise weiter sinken könnten. Mit Blick auf die geringen Opportunitätskosten ist das Risiko jedoch vertretbar.

  1. Was mache ich mit der Liquidität angesichts von Negativzins, Bargeldverbot und absehbarer Gläubigerbeteiligung bei der nächsten Krise?

Dies ist mit Sicherheit die schwerste Frage. Für kleinere bis mittlere Beträge dürften Politik und Banken versuchen, negative Zinsen zu vermeiden. Für größere Beträge ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis Strafzinsen anfallen. Hinzu kommt, dass Geld auf dem Bankkonto, allen gegenteiligen Beteuerungen der Politik zum Trotz, nicht sicher ist. Bei der nächsten Krise ‒ und die kommt angesichts der ungelösten Probleme sicher ‒ wird es zu einer massiven Gläubigerbeteiligung im Rahmen sogenannter „Bail-ins“ kommen. Ob dabei die Grenze von 100.000 Euro Bestand hat, wird sich zeigen. Ich denke, auch hier wird man versuchen, den kleinen Sparer zu verschonen.

Kontoeinlagen über 100.000 Euro sind damit erheblichen Risiken ausgesetzt. Negativzins, Besteuerung wie in Spanien und Beteiligung bei der Sanierung von Banken.

Die erste Schlussfolgerung ist, die Liquidität möglichst gering zu halten. Ansatzpunkt ist zum Beispiel das rasche und frühzeitige Bezahlen von Rechnungen und der Abbau von Schulden.

Zusätzlich sollte die Bargeldquote erhöht werden, wobei auch hier natürlich Grenzen sind. Zum einen droht ein Bargeldverbot oder aber zumindest eine Begrenzung des Einsatzes von Bargeld. Zum anderen ist die Lagerung von Bargeld selbst nicht ohne Risiko. Dieses sollte im Banksafe erfolgen, was wiederum Fragen nach dem Zugriff im Krisenfall aufwirft. Bargeld ist damit keine Antwort auf das Problem der Kassenhaltung, zumindest nicht in der eigentlich erforderlichen Größenordnung.

Nun könnte man empfehlen, das Bargeld doch lieber in andere Assetklassen umzuschichten. Hier ist aber das Problem, dass Anleihen bereits sehr teuer sind und Aktien ebenfalls nicht mehr günstig. Verglichen mit den hier denkbaren Verlusten, wären Negativzinsen noch das geringere Übel, was aber das Problem des möglichen Verlustes bei der nächsten Bankenkrise nicht löst.

Die beste Antwort auf dieses Dilemma dürfte eine Kombination aus verschiedenen Maßnahmen sein:

  • Reduktion des Kassenbestandes durch rasches Erfüllen aller Verbindlichkeiten.
  • Streuen des Kassenbestandes auf verschiedene Banken in verschiedenen Regionen, unbedingt auch außerhalb des Euroraumes ‒ hierbei auch in anderen Währungen, zum Beispiel Singapurdollar oder norwegische Krone.
  • Nachkauf der im Portfolio untergewichteten Assets mit Blick auf die Bewertung zum heutigen Zeitpunkt Gold und internationale Immobilienwerte, wobei diese ebenfalls weiter fallen können! Bei Aktien würde ich eine weitere Konsolidierung abwarten. Wer noch keine Qualitätswerte im Portfolio hat, sollte diese gezielt und systematisch aufbauen und dies in mehreren Schritten tun. Immer im Hinterkopf haben, dass es sich hierbei um eine langfristige Anlage handelt.

Ich freue mich auf die Ideen meiner Leser hierzu!

  1. Wie komme ich zu dem Zielportfolio, wo doch die Preise bereits so hoch sind, dass ich die wichtige Regel des günstigen Einkaufs nicht mehr beherzigen kann?

Die Migration von der heutigen Portfoliostruktur zur Soll-Struktur sollte schrittweise erfolgen, zum einen, was die Gesamtstruktur betrifft, zum anderen, was die Komponenten der einzelnen Assetklassen betrifft. In einem ersten Schritt ist eine Bestandsaufnahme des Ist-Portfolios vorzunehmen: Wie groß ist eigentlich das Gesamtvermögen und wie teilt es sich mit Blick auf das Sollportfolio auf? Also, welcher Anteil ist in welcher Assetklasse und vor allem auch, wie ist die regionale Aufteilung. Bei dieser Aufstellung sollte unbedingt auch die selbst genutzte Immobilie berücksichtigt werden, allerdings mit einem Abschlag. Lassen Sie sich von dem derzeitigen Marktumfeld nicht blenden. Sobald Sie die Immobilie verkaufen wollen ‒ zum Beispiel bei Renteneintritt ‒ dürfte die Nachfrage eine deutlich andere sein und die vermeintliche Spardose sich als nicht so werthaltig entpuppen. Dies gilt besonders für Vorstadtlagen.

Sobald Sie Transparenz über den Istzustand haben, kennen Sie auch die Abweichung zum Soll. Nach meiner Erfahrung sind deutsche Investoren überinvestiert in deutsche Immobilien, Anleihen und Liquidität. Aktien und Gold spielen zumeist eine untergeordnete Rolle, Immobilien außerhalb Deutschlands sind meist nicht vertreten. Bei Aktien wurden zumeist Fonds gekauft, die nicht nach Qualitätskriterien investieren und ebenfalls einen Fokus auf Deutschland und Europa haben.

Zunächst muss es darum gehen, übermäßige Risiken zu reduzieren. Diese dürften trotz einer anstehenden Korrektur nicht bei Aktien liegen, sondern vielmehr im Bereich der Anleihen. Die Entwicklungen in dieser Woche dürften nur ein Vorgeschmack auf weitere Turbulenzen sein. So sollten zunächst Anleihen reduziert und die Liquidität, wie oben bereits angesprochen, währungs- und kontenmäßig diversifiziert werden. Danach sollte vor allem die regionale Allokation dem Zielportfolio angenähert werden, bevor man in einem weiteren Schritt innerhalb der einzelnen Assetklassen umbaut. Internationale Immobilienwerte und REITS, wie zum Beispiel aus Singapur, gehören dann auf jeden Fall in das Portfolio. Diese bieten zum heutigen Zeitpunkt solide Dividendenrenditen bei (noch) vernünftigen Bewertungen.

Bei diesem Umbau müssen wir immer bedenken, dass wir uns in der Nähe des Gipfels der Vermögenspreise befinden. Der „Bond-Guru“ Bill Gross hat dies in dieser Woche eindrücklich zusammengefasst: „Es riecht nach dem Ende.“

1981 begann ein einmaliger Bullenmarkt bei Aktien und Anleihen (und Schulden, würde ich ergänzen!). Damals stand der Dow Jones bei 900 Punkten und langfristige US-Staatsanleihen brachten eine Verzinsung von 14, 5 Prozent. Wer über 30 Jahre immer voll investiert war, hat seinen Einsatz verzwanzigfacht. Eine Wiederholung dürfen wir nicht erwarten. Im Gegenteil, es spricht viel für tiefere Renditen in den kommenden Jahren. Wir sind dem Gipfel ziemlich nahe. Immer mehr Profis warnen vor diesem Wendepunkt. Neben Gross sind dies Stanley Druckenmiller, George Soros, Ray Dalio, Jeremy Grantham. Der 35-jährige Superzyklus ist am Ende. Geringere zukünftige Renditen sind die Folge und die Gefahr von Unfällen wächst.

Gross selbst sagte anlässlich einer Konferenz in New York: “When does our credit based financial system sputter / break down? When investable assets pose too much risk for too little return. Not immediately, but at the margin, credit and stocks begin to be exchanged for figurative and sometimes literal money in a mattress.”

Wir nähern uns, so Gross, dem Punkt an dem Anleihenzinsen, Risikozuschläge und Aktienkurse den zukünftigen Wert schon heute widerspiegeln. Jeder rationale Investor muss deshalb eine gewisse Endzeitstimmung haben. Es muss nicht unbedingt ein Crash folgen, wohl aber ein Ende des ewigen Optimismus.

Für uns bedeutet dies nur: Wir sind an der Spitze des Berges und es liegt nicht mehr viel vor uns. Auf dieser Spitze müssen wir nun unser Portfolio so umbauen, dass wir bei einem Erdstoß nicht in den Abgrund stürzen und dies zugleich sehr umsichtig tun. Das bedeutet, graduelle Anpassung in Richtung der Soll-Struktur und zugleich raus aus den offensichtlichsten Problembereichen: Anleihen, Bankeinlagen in der Eurozone und Aktien zweifelhafter Qualität mit überhöhten Kursen.

Liquidität wäre eigentlich die beste Antwort, wenn wir nicht die oben diskutierten Risiken hätten. Wer ganz auf Nummer sicher gehen will, kauft kurz laufende Anleihen solider Staaten und bezahlt für diese Versicherung mit negativem Zins. So gibt es doch eine Logik für negative Zinsen ‒ als Versicherungsprämie für das Geld. Dann aber wirklich nur für kurz laufende Papiere.

  1. Wie soll ich das umsetzen, wenn mein Vermögen relativ klein ist und ich nicht global diversifizieren kann?

Ich verstehe das Problem. Zum einen hoffe ich, dass es demnächst ein Produkt am Kapitalmarkt geben wird, welches genau diese Zielsetzung zu vertretbaren Kosten realisiert. Zumindest kann ich von erstem Interesse, so etwas zu gestalten, berichten. Zum anderen kann man auch mit begrenztem Portfolio an den Grundsätzen festhalten: Berücksichtigen von Kosten, Diversifikation und zu viel handeln. Aktiv gemanagte Anlagen verbieten sich in einer solchen Ausgangslage.

5 Antworten
  1. Bernd Brickner says:

    Gross und Konsorten würde ich eher als Kontraindikator sehen. Gross war wahrscheinlich schon in Schieflage, weil er nicht glauben konnte, dass der BUND-FUTURE über 160 steigt. Jetzt hat er ihn heruntergeredet und konnte seine Dummheit in eine (nicht vorhandene) Genialität ummünzen.

    Antworten
  2. corvus_maximus says:

    Nach der Lektüre Ihrer Serie zur Geldanlage sind mir die folgenden Fragen geblieben:
    1) Unter „4.“ sprechen Sie an, dass es bald ein Anlagevehikel gäbe, das Ihren Kriterien genügt. Gibt es dies mittlerweile? Meinen Sie hier ein Anlagevehikel für die von Ihnen genannten Qualitätsaktien aus stabilen Regionen? Oder gibt es hierfür bereits ein kostengünstiges Anlagevehikel?

    2) Grundsätzlich hätte selbst ich als (durchaus erfahrener) Privatanlager („versierter Laie“) Schwierigkeiten, eine ausreichende Anzahl an internationalen Aktien zu finden, die all Ihre Kriterien erfüllen. Haben Sie vielleicht eine praktische Anleitung, nach welchen Kennzahlen ein Stock Screener filtern soll? Welche Länder sind ausreichend stabil?

    3) Am besten wäre natürlich ein kostengünstiger(!) Investmentfonds… Es gibt ja bereits Indexfonds, die nach Qualität filtern. Ohne mir diese genauer angesehen zu haben, befürchte ich, dass die von MSCI gewählte Definition von „Quality“ nicht den von Ihnen genannten Qualitäts-Kriterien entspricht.

    4) In der einen Grafik dieser Reihe sieht man ja, dass Bonds aus den Emerging Markets langfristig ganz gut performen sollten (nicht nur Aktien). Ich vermute, dass dies an der recht geringen Verschuldung vieler dieser Länder liegt. Wie kommt es, dass Sie sonst auf Emerging Market Bonds nicht eingehen?

    5) Banken und Versicherungen schätzen Sie ja als recht riskant ein. Darf man sich heute denn noch guten Gewissens privat krankenversichern? Was passiert mit den Krankenversicherern, wernn Ihre Szenarien eintreten? Grundsätzlich gibt es ja (für die meisten – aber nicht für alle – Verträge) Sicherungseinrichtungen, auf die man sich aber nicht verlassen sollte. Ist es sicherer, auf die rein umlagefinanzierten gesetzlichen Systeme zu setzen (die auch erhebliche Nachteile haben)? Oder kann man sich guten Gewissen bei einem Unternehmen versichern, das die Altersrückstellungen in mittelmäßig riskanten Bonds anlegt (und zudem aufgrund von Bevölkerungsüberalterung und -schwund Probleme bekommen wird)?

    Randbemerkung 1 (zum Kommentar von Rolf Zimmermann) REITs kann man in Deutschland kaufen, indem man die Aktie eines REITs an der Börse kauft; oder indem man Anteile an Investmentsfonds erwirbt, die in RETIs investieren (aktive Fonds, aber auch als kostengünstigere ETFs erhätlich)…

    Randbemerkung 2: Ich selbst habe noch ca. 40 Jahre bis zur Rente (falls das Eintrittsalter beim heutigen bleiben sollte). Daher gilt für mich die langfristige Komponente, die mit Aktieninvestments verbunden ist, noch viel stärker als für die meisten (deutlich älteren) Anleger. Dies sollte vermutlich insbesondere für Schwellenländerinvestments gelten…

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