Was ist links, was ist rechts?

Im Blogbeitrag „Deutschland kapituliert vor dem Islam“ wurde bto wegen seiner angeblichen „Nazi-Sprache“ kritisiert.

Bassam Tibi: Deutschland kapituliert vor dem Islam

Hansjörg Pfister erwiderte dem Betreffenden u. a. Folgendes: „Im Übrigen denke ich, dass man in diesem Blog mal eine Zusammenfassung der nationalsozialistischen Ideologie, nebst einem Vergleich Rechts-Links, bringen sollte, damit Ihnen und Ihresgleichen mal ein Licht aufgeht.“ Herr Pfister, Softwareentwickler in einem deutschen Konzern nach Studium der Philosophie, vergleichenden Religionswissenschaften und Politologie, hat sich hingesetzt und die Gedanken zu Papier gebracht. Hier sind sie:

Das moderne Narrativ lautet – salopp gesagt, aber auf den Punkt gebracht: Links ist menschenfreundlich und gut, rechts ist menschenverachtend und böse und alles, was nicht links ist, ist rechts und alles, was rechts ist, ist „Nazi“. Aber wie ist es nun wirklich? Die meisten wissen, die Begriffe „links“ und „rechts“ haben ihre historischen Wurzeln darin, dass jene Politiker, die „rechte“ Weltanschauungen vertraten, im französischen Parlament nach der Französischen Revolution von 1792  rechts saßen und die „Linken“ eben links. Linke und rechte Weltanschauungen lassen sich mit den folgenden Begriffen typischerweise beschreiben:

Gleichheit / Ungleichheit

Rechte Weltbilder gehen von einer natürlichen Ungleichheit des Menschen aus und die Gesellschaft solle dieser natürlichen Ungleichheit Rechnung tragen. Die Vertreter der älteren Variante dieser Weltanschauung propagieren die Ständegesellschaft, jeder solle sich mit dem begnügen, was der Stand, in den er hineingeboren wurde, ihm bietet und das Beste daraus machen. Besonders begabte Individuen sollen erkannt, besonders gefördert werden und so die Möglichkeit zum Aufstieg geboten bekommen. Modernere Varianten dieser Ideologie wollen zwar keine Ständegesellschaft mehr, sie akzeptieren aber extreme Ungleichheiten, die ihrerseits wieder zu einer Art Ständegesellschaft führen. Linke hingegen glauben typischerweise, dass die beobachtbaren Ungleichheiten des Menschen ihre Ursache in den gesellschaftlichen Verhältnissen haben bzw. wenn nicht, so sollen diese Ungleichheiten möglichst gesellschaftlich kompensiert werden (alle sollen gleichgemacht werden). Der Rechte ist tendenziell für die Starken und verachtet die Schwachen, das macht ihn für den  modernen Zeitgeist unsympathisch. Der Linke ist für die Schwachen, was ihn sympathisch macht. Das ist er aber in seiner idealtypischen Ausprägung nicht um der Schwachen willen, sondern um seiner Ideologie willen. Der von Linken als Schwacher auserkorene, ist niemals und zu keinem Teil irgendwie für seine Lage selbstverantwortlich, noch ist sie äußeren Umständen geschuldet, für die niemand etwas kann. Immer gibt es einen Sündenbock, der für alles Elend herhalten muss: Die Kapitalisten, der Kolonialismus, die Zionisten, der (alte) weiße Mann usw. Der Kampf für die Entrechteten und Unterdrückten dieser Welt ist für den Linken identitätsstiftend, deshalb darf auch niemals der Nachschub an vermeintlichen Opfern ausgehen. Die Linken haben zwar nicht die Exklusivrechte für diese Mentalität, sie haben sie aber perfektioniert. Viele Grüne und Linke verbinden die beschriebene Mentalität zudem mit einem irrationalen Selbsthass auf die eigene westliche Kultur.

Individualismus / Kollektivismus / Totalitarismus

Rechte Weltanschauungen sind typischerweise individualistisch, d. h. sie vertreten die Meinung, dass es mehr auf den Einzelnen ankomme und weniger auf das Kollektiv, also die Gesellschaft. Ein Teil der Anhänger dieser Weltanschauung setzt dennoch auf einen starken Staat (Polizei, Militär, Verwaltung), während der andere Teil zumindest „den Staat“ möglichst weit zurückdrängen [1], wenn nicht sogar abschaffen möchte. Autokratische rechte Herrscher verlangen in der Regel nur Loyalität zu den Herrschenden, was das Individuum sonst noch so treibt, ist ihnen egal [2]. Zum Wenigen, was mir vom Lateinunterricht im Gedächtnis haften geblieben ist, gehört der Ausspruch eines römischen Kaisers „Oderint dum metuant“, was übersetzt heißt „Mögen sie mich auch hassen, wenn sie mich nur fürchten“. Dieser Kaiser war offensichtlich ein „Rechter“, ihm ging es um seine Macht und nicht darum, was seine Untertanen wirklich von ihm halten. Wäre er ein Linker gewesen, hätte er gesagt: „Mögen sie erst gar nicht auf die Idee kommen, mich zu hassen.“ Insofern sind rechte Herrschaftssysteme tendenziell zwar nicht totalitär, was aber nicht heißt, dass sie nicht genauso oder noch wesentlich repressiver sein können, als linke Systeme.

Die linken Ideologien sind meistens kollektivistisch angelegt, d. h. hier zählt der Einzelne wenig, das Kollektiv dafür umso mehr. Bekanntlich glauben die Marxisten, dass der Staat am Ende abstirbt, da der „neue Mensch“ ihn nicht mehr braucht, aber auf dem Weg dorthin setzt man doch auf einen starken Staat [3], denn diesen braucht man, um den neuen Menschen zu formen. Hier zeigt sich auch der Unterschied zwischen einem linken und einem rechten Staat. Anders als bei einem rechten Staat, zielt die Gesetzgebung, deren Durchsetzung usw. eines linken Staates auf die  Auslöschung der überkommenen Identität seiner Bürger ab. Deshalb sind linke (neuerdings auch grüne) Herrschaftssysteme in der Regel totalitär, denn wenn der Mensch Produkt der gesellschaftlichen Verhältnisse ist und es gilt einen neuen Menschen zu schaffen, dann muss seine Umgebung total, d. h. alle Bereiche seines Lebens umfassend, auf ihn einwirken. So ist z. B. der totale Kampf gegen vermeintliche Diskriminierungen innerhalb der Gesellschaft, das ständige Ausgraben von neuen vermeintlichen Opfern und die Ausweitung allerlei ideologischen Blödsinns in immer mehr Bereiche des Lebens (z. B. Gender-Mainstreaming), Symptom des linken und grünen Totalitarismus.  Die Linken haben den Totalitarismus und den Kollektivismus allerdings nicht erfunden, man findet ihn schon in einer radikalen Form in Platons „Staat“.

Nationalismus / Internationalismus

Moderne rechte Ideologien setzen auf den Nationalstaat[4], sie sehen in ihm die optimale Form des Zusammenlebens, in der Menschen gleicher kultureller Identität nach ihrer eigenen Façon selig werden können.

Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts propagierten auch Denker, Politiker usw., die man heute eher als links ansieht, die Idee des Nationalstaats [5]. Der Nationalstaat galt als progressiv, mit dessen  Hilfe sollten die Kleinstaaterei und die Fürstenwillkür beseitigt werden. Linke Ideologien geben sich hingegen heute meistens internationalistisch. Da nach dieser Meinung alle Menschen im Prinzip  gleich seien (der Rest sei „Folklore“), gibt es außerhalb praktischer Gründe nicht nur keine Basis für einen Nationalstaat, er wird vielmehr auch für die großen Kriege des 20. Jahrhunderts (und nicht nur für diese) verantwortlich gemacht. Historisch gesehen ist das natürlich eine Verleumdung, als ob vor der Zeit des Nationalstaats die Menschen sich nicht ständig gegenseitig die Schädel eingeschlagen hätten!

Elitarismus

Der Elitarismus besagt, dass das „Volk“, die Arbeiterklasse oder wem auch immer die bestmögliche Gesellschaftsform zu Teil werden soll, zu dumm ist, um die selbige zu realisieren. Deswegen bedürfe es einer kleinen Elite, die das für die zu Beglückenden erledigt (die Partei hat immer recht!). Im Extremfall ist das dann ein Einzelner (Personen / Führerkult). Rechte wie linke Ideologien sind dafür empfänglich, Anarchisten ebenso wie bürgerlich – liberale Kreise eher nicht.

Rassismus

Da rechte Ideologien von der natürlichen Ungleichheit der Menschen ausgehen, sind diese für Rassismus empfänglich, linke Ideologien dagegen nicht. Aber auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt. Da meiner Meinung nach dem Rassismus, ebenso wie seiner Schwester, der Fremdenfeindlichkeit, dieselbe psychologische Wurzel zugrunde liegt und diese dem Menschen an sich zukommt, zeigt sich der „linke Rassismus“ als pauschale Herabwürdigung anderer Gruppen. Da bekommt jeder Feld- Wald- und Wiesengauner doch zumindest mildernde Umstände zugesprochen, da ja erst die Gesellschaft ihn zum Bösewicht gemacht hat, der politische Gegner, die Kapitalisten oder wer auch immer, sie sind dagegen an sich böse da „rechts“ usw. Überspitzt formuliert halten sich viele Linke und Grüne für die besseren Menschen, was dem „Blutsdünkel“ von der „besseren Rasse“ schon nahekommt, also eine Art moralisches Herrenmenschentum darstellt. Es mangelt ihnen, wie allen Ideologen, an intellektueller Demut und der Einsicht, dass alle Menschen, Linke wie Rechte, für dieselben psychologischen Defizite anfällig sind.

Antisemitismus

Der Antisemitismus wird gerne dem rechten Spektrum zugeordnet, was meinen subjektiven  Eindrücken nach, so nicht stimmt. Demnach gibt es im rechten Spektrum sehr wohl eine große Zahl von Antisemiten, trotzdem sind auch viele „Rechte“, vielleicht sogar die meisten, heutzutage sogar ausgesprochen israel- und judenfreundlich. Das liegt daran, dass Dinge wie Leistung und Selbstbehauptung bei  „Rechten“ hoch im Kurs stehen. In der Tat können die aschkenasischen Juden hier einiges vorweisen. Unter ihnen gab es viele berühmte Wissenschaftler, Komponisten usw. Sie sollen, so behauptet die einschlägige Intelligenzforschung [6], auch einen überdurchschnittlichen IQ aufweisen. Der Staat Israel trotzt seit Jahrzehnten einer arabischen Übermacht, ohne deren Ölreichtum zu besitzen usw. Alles dies imponiert einem „Rechten“ mächtig, während dem „Linken“ so etwas eher suspekt ist, er ist ständig auf der Suche nach Opfern, für die er kämpfen kann. So versteckt sich der linke Antisemitismus hinter dem Kampf für die Rechte der Palästinenser und Ähnlichem. Der klassische Antisemitismus durchsetzte alle Gesellschaftsschichten ubiquitär. Auch Marx äußerte sich bekanntlich antisemitisch.

Dostojewski und die „Ausnahmemenschen“

Durch meine Lektüre von Dostojewskis „Schuld und Sühne“ bin ich auf einen Gedanken gestoßen, der seine Relevanz bis heute nicht verloren hat. In diesen Roman doziert der Doppelmörder Raskolnikow gegenüber dem Untersuchungsrichter Porfiri Petrowitsch, dass es zwei Hauptarten von Menschen, nebst zahllosen Unterarten,  gäbe. Die meisten seien „Normalmenschen“, sie hätten sich an Recht und Gesetz zu halten. Es gäbe aber auch einige wenige „Ausnahmemenschen“, ihnen komme es zu, für die Menschheit wichtige Fortschritte voranzubringen. Zu diesem Zweck dürfen sie sich über jedes Recht und jeden Vertrag hinwegsetzen bis hin zum Massenmord. Mit diesem explizit linken Gedankengut (Dostojewski selbst war auch ein Linker) sind nun alle Dämme gebrochen. Während ein rechtes Regime sich auch über Recht und Gesetz hinwegsetzt, dies aber tut, weil es dies kann und weil ihm das jeweils nützlich erscheint, so tut ein linkes Regime dies, weil es sich geradezu dazu verpflichtet sieht, wo es doch um den gesellschaftlichen Fortschritt geht und dieser jedes beliebige Opfer rechtfertigt. Liegt hier nicht die Hauptwurzel der ungeheuerlichen Verbrechen eines Stalin [7], eines Mao, eines Pol Pot? Ich will nun unsere verantwortlichen Politiker nicht mit den letztgenannten Herrschaften vergleichen, aber weist die Denkweise, mit der die ganzen Rechts- und Vertragsbrüche der letzten Jahre, von der Eurorettung bis zur Grenzöffnung, gerechtfertigt wurden, nicht eine gewisse Ähnlichkeit mit der eines Raskolnikow auf? Ging es da nicht auch immer um einen angeblichen gesellschaftlichen bzw.  moralischen Fortschritt, der sie als „Ausnahmemenschen“ dazu berechtigt, über bestehende Verträge und geltendes Recht hinweg, anderen ein beliebiges Opfer aufzuerlegen? War das alles nicht etwa alternativlos?

Linker und rechter Staatsterrorismus

Linke und rechte Regime terrorisieren ihre Bevölkerung. Ein rechtes Regime tut dies, um seine Macht zu erhalten und seine Gegner auszuschalten. Es gibt aber ein Alleinstellungsmerkmal des linken Staatsterrorismus, es handelt sich um den sogenannten „Grande Terreur“ der Französischen Revolution. Dem „Grande Terreur“ geht es nicht darum, den tatsächlichen Regimegegner auszuschalten, vielmehr soll ein allgemeiner kollektiver Schrecken herrschen. Dem „Grande Terreur“ kann jeder zum Opfer fallen, auch der treueste Lakai des Regimes. Einem rechten Regime geht es hingegen immer um den Einzelnen, also darum, herauszufinden, wer tatsächlich ein „Feind“ ist. Ein extremistisches linkes Regime bestraft auch unterschiedslos solche, die in seinem Sinne eigentlich „unschuldig“ sind, gemäß der Devise von Lenin „Bestrafe einen, erziehe hundert“.

Nationalsozialismus

Der Nationalsozialismus (NS) ist vom Kern seiner Ideologie her gesehen weder eine rein rechte noch eine linke Weltanschauung. Der NS als kollektivistische und totalitäre Ideologie ist in diesen Eigenschaften eher als links einzuordnen, während der nationalsozialistische Chauvinismus als perverse Form des Nationalismus, sowie sein extremer Rassismus eher rechts zu verorten ist. Bezüglich der Gleichheit/Ungleichheit der Menschen geht der NS zunächst von einer extremen Ungleichheit aus, ist also diesbezüglich „rechts“, andererseits propagierte er auch die „Volksgemeinschaft“, in der die „Volksgenossen“ eine aus Gleichschaltung hervorgehende Gleichheit untereinander aufwiesen, das ist dann eher wieder „links“. Die Zugehörigkeit zur Volksgemeinschaft wurde auch wesentlich über das „Blut“ definiert, das entspricht wiederum eher einer rechten Ideologie.  Der Kult des Starken und die Verachtung des Schwachen in der NS-Ideologie ist nun wieder eindeutig rechts einzuordnen. Auch bezüglich Dostojewskis „Ausnahmemenschen“ verhielt sich der NS wie ein rechtes Regime. Die Verbrechen Hitlers wurden von seinen Anhängern nicht dadurch gerechtfertigt, dass er als Ausnahmemensch das Recht dazu hatte, vielmehr wären ihm seine Schandtaten „aufgezwungen“ worden und schließlich habe er auch nicht alles gewusst. Auch der NS-Staatsterrorismus war, entgegen dem kollektivistischen Ansatz des NS, rechter Natur. Der Gestapo ging es immer darum herauszufinden, ob der Delinquent in ihrem Sinne tatsächlich „schuldig“ war, wer wirklich Jude ist usw. Bezüglich anderer Ideologiebestandteile des NS, insbesondere des wahnsinnigen NS-Antisemitismus und zum Thema Elitarismus, wage ich keine eindeutige Zuordnung in das Rechts-Links-Schema.

Die moderne Gretchenfrage: Wie hältst du es mit der Moral?

Aus Gründen, die hier in aller Breite auszuführen zu weit ginge, bin ich der Ansicht, dass man im politischen Bereich (im weitesten Sinne) nicht mit den Kategorien moralisch gut oder schlecht, sondern sachlich/logisch richtig oder falsch argumentieren soll. Da die moralische Argumentationsweise uns aber vom modernen Manichäismus unserer Tage aufgezwungen wird, will ich mich dem stellen. Also, wer ist böser oder besser, „Rechts“ oder „Links“? Zumindest für die Zeit, seitdem es diese Unterscheidung gibt, fällt das Urteil angesichts von 100 Millionen Toten, die linke Ideologien laut „Schwarzbuch des Kommunismus“ zu verantworten haben, eindeutig aus, selbst wenn man den Nationalsozialismus, der keine rein rechte Gesinnung ist, sachlich inkorrekt zu den rechten Ideologien zählt. Nur, ich denke nicht so. Da solche Gräuel in dieser Größenordnung  für niemanden weder denk- noch vorstellbar sind, sollte man auf irgendwelche Vergleiche, wer nun schlimmer war, verzichten und in Anlehnung an Wittgenstein [8] betroffen schweigen.  Rechte wie linke Paradigmen gehören für mich zu den legitimen Weltbildern, sofern sie nicht in extremen Erscheinungsformen daherkommen. Der grün-linke Mainstream wäre in seinem eigenen Interesse gut beraten, es genauso zu halten. Um die moralisch richtige Haltung zu zeigen, bedarf es keiner intellektuellen Anstrengung. Es genügt, das nachzuplappern, von dem man annimmt, dass es auf ein allgemeines gefühliges Wohlwollen trifft. Oder man skandalisiert Aussagen von „Rechten“ oder solchen, die man zu Rechten machen möchte, um sich dann ob der eigentlich harmlosen Begriffe oder Statements zu empören. All dies nur, um der Gemeinschaft der Guten, Gebildeten und Klugen anzugehören. Darüber verlernt man aber das sachlich und logisch richtige Argumentieren. Das Ergebnis ist dann der naive und dumme Grüne oder Linke. Am Ende gewinnt aber immer die Realität.

 


[1]   z. B. amerikanische „Tea Party“.

[2]   Sehr schön kommt diese Haltung durch den Ausspruch Friedrich des Zweiten von Preußen zum Ausdruck: „Räsoniert, soviel ihr wollt, aber gehorcht!“. Damals gab es zwar noch keine Unterscheidung zwischen links und rechts, aber die entsprechenden Denkmuster gab es schon.

[3]   Auch hier gibt es Ausnahmen, z. B. linke Anarchisten, Anarcho – Syndikalisten.

[4]   Radikalere rechte Ideologien sehen das Heil hingegen wieder im Tribalismus.

[5]   z. B. Heinrich Heine

[7]   Raskolnikow über die „Ausnahmemenschen“: „Solche Menschen sind wie Erz“. Gab sich Stalin („der Stählerne“) diesen Namen, weil er diese Textstelle kannte?

[8]   Ludwig Wittgenstein, Tractatus Logico-Philosohicus, Satz 7: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“

63 Kommentare
    • mg sagte:

      Ist die Formulierung „damit Ihnen und Ihresgleichen mal ein Licht aufgeht“ eher eine linke oder eine rechte Formulierung?

      Mir scheint das Gegensatzpaar „Pragmatismus“ versus „Totalitarismus“ besser geeignet. Der Totalitäre opfert die Gegenwart (und vor allem die Gegenwart anderer Menschen) zu Lasten einer vermeidlich besseren Zukunft.

      „An Ihren Taten sollte Ihr sie erkennen.“

      Ein solcher Spezialexperte ist schon wieder unterwegs und rührt nach Kräften eine neue Suppe an:
      https://youtu.be/kf7VPklv8GY
      https://youtu.be/NAPmggDDMzs

      Was das Verfolgen von nationalen oder peer-group Interessen angeht: meiner Ansicht nach ist es in unserem Interesse auch die Interessen unserer Nachbarn/Verbündeten/Gegner im Auge zu behalten. Seine Interessen als Bully vom Dienst, gestützt von Mitläufern und Opportunisten, zu verfolgen, unterminiert jede Glaubwürdigkeit und zerstört das Vertrauen der Gemeinschaft. Heutzutage sitzen wir alle gemeinsam in einem Boot.

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    • Michael Stöcker sagte:

      Und wer es mit dem Englisch nicht so hat, hier nochmals der Hinweis auf DeepL: https://www.deepl.com/translator. So sieht das Übersetzungsergebnis des letzten Absatzes aus dem Chicago-Paper von 1939 aus:

      „In dem Maße, in dem die monetären Kräfte eine Rolle bei unseren großen wirtschaftlichen Problemen spielen – wie zum Beispiel den Problemen der Vollproduktion und der Beschäftigung und den gerechten Preisen für Agrarerzeugnisse -, sind die hier vorgeschlagenen Währungsreformen Teil unserer Aufgabe, unsere Regierungsform funktionsfähig zu machen und ihr das Überleben zu ermöglichen. Wenn gewalttätige Booms und Depressionen, bei denen Schwankungen in der Geldmenge eine so wichtige Rolle spielen, Millionen ihrer Ersparnisse berauben und Millionen daran hindern, zu arbeiten, werden Verfassungen wahrscheinlich zu Papierfetzen. Wir haben dieses Phänomen in anderen Ländern beobachtet. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass die Weltwirtschaftskrise mit der Zerstörung der Volksregierung in vielen Teilen der Welt zusammenfiel. In den meisten Fällen, in denen die liberale Regierung zusammenbrach, war das Geldsystem, neben anderen störenden Elementen, zuerst zusammengebrochen. Der freie Austausch von Gütern und Dienstleistungen, von denen die Menschen in den Industrieländern für ihre Existenz abhängen, hatte aufgehört zu funktionieren, und in völliger Verzweiflung waren die Menschen bereit, ihre Freiheiten für das Versprechen der wirtschaftlichen Sicherheit abzugeben.

      Auf diese Weise ist der Niedergang der Demokratie anderswo eingetreten, und wenn wir nicht intelligent handeln, kann es hier passieren.“

      LG Michael Stöcker

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  1. Jonas Rose sagte:

    Guten Tag Herr Stelter,

    da dieser Blog heute eine ungewohnt politische Richtung einschlägt möchte ich einen Gedanken mit Ihnen und der übrigen Leserschaft teilen.
    Zunächst muss ich mich als lokalpolitisch aktiver „Grüner“ outen. Nach meinem Verständnis sollte man jedoch trennen zwischen dem sogenannten linksversifften Grün und einem wirtschaftlich orientierten Grün. Ich sehe die Grünen Ansätze nicht im Lichte des reinen ökologischen Selbstzweckes (den geliehenen Planeten schützen, Bienen- /Artensterben verhindern, Atomkraft Nein Danke, etc.). Vielmehr muss man es doch so sehen, dass eine Grüne Politik unabdingbar ist, um unser wirtschaftliches System aufrecht zu erhalten. Denn nur durch den sorgsameren Umgang mit begrenzten Ressourcen wird es langfristig möglich sein, das Wirtschaftssystem überhaupt mit dem (schon jetzt) ebenfalls rückläufig verfügbaren Humankapital zu füttern.

    Die industrielle Landwirtschaft fördert das Artensterben. Klar. Der Öko wieder. Das ist aber viel zu kurz gedacht. Die industrielle Landwirtschaft verschlechtert durch einen grenzenlosen Überschuss an Gülle die Qualität unseres Trinkwassers. Die übermäßige Produktion an billigem Fleisch trägt zur Luftverschmutzung und somit zum Klimawandel und den daraus resultierenden wirtschaftlichen Konsequenzen bei (und auch zum Anstieg an ebenfalls teuren Klimaflüchtlingen), verbraucht Unmengen an Ressourcen und fördert zudem nicht gerade die Gesundheit des potentiell produktiven Anteils der Bevölkerung.

    Kurz gesagt: Grüne Politik heißt nicht unbedingt nur, die Natur vor dem Menschen zu schützen, sondern auch den Menschen vor seiner Selbst-Zersetzung. Der durchschnittliche Deutsche wird immer dümmer, fetter und häuft mehr und mehr Krankheiten in seiner Akte an. Das macht mir Angst. Denn damit sinkt das Wahrscheinlichkeit diesen Durchschnittsdeutschen überhaupt gewinnbringend arbeiten lassen zu können. Ob er dabei rechts- oder links-drehend denkt ist vielleicht für den einen oder anderen Populisten interessant, für die langfristige Sicherung unseres Standortes aber meines Erachtens ziemlich irrelevant.

    Nur als kleiner Denkanstoß, Grün nicht nur als linken Sozialökoextremismus zu sehen.

    Viele Grüße,
    Jonas Rose

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    • Harge sagte:

      „das Wirtschaftssystem überhaupt mit dem (schon jetzt) ebenfalls rückläufig verfügbaren Humankapital zu füttern.“

      „Denn damit sinkt das Wahrscheinlichkeit diesen Durchschnittsdeutschen überhaupt gewinnbringend arbeiten lassen zu können.“

      Es geht Ihnen also darum das „Humankapital“ ans Wirtschaftssystem zu verfüttern und andere für sich gewinnbringend arbeiten zu lassen!.

      Das ist typisch link-grünes Denken!

      Danke das sie dies hier so offen kommunizieren.

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      • Jonas Rose sagte:

        Ich denke die Vokabel Humankapital ist nicht typisch links-grünen Ursprunges. Zudem haben Sie mich falsch verstanden. Ich möchte dieses Humankapital nicht für mich persönlich arbeiten lassen. Ich arbeite selbst für mein Geld und zähle mich mit zu dem Pool an Humankapital, welchen Deutschland den Unternehmen der Weltwirtschaft zu bieten hat. Dieses Kapital ist das Wichtigste, was wir haben, und dies gilt es zu schützen um uns in der zunehmend von wirtschaftlichen Faktoren gelenkten Welt behaupten zu können. Und dazu zählt eben auch der sorgsame Umgang mit unserem Lebensraum, und das wiederum ist bisher ein USP der Grünen. Mit links oder rechts hat das herzlich wenig zu tun.

    • Ralph Klages sagte:

      Genau damit, lieber Hr. Rose stehen Sie der Physikerin schon SEHR nahe. Einschließlich UNGEREGELTER Flüchtlingszuwanderung nebst fataler Integration. Den ökonomischen „Rest“ dürfen Sie ihr dann auch noch überlassen, der romanisierte Anteil Europas wird es Ihnen bestimmt danken.
      SIE LAUFEN DEN FALSCHEN HINTERHER !

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      • Ralph Klages sagte:

        In Ermangelung eines Antwortbuttons @ Hr. Rose: Es geht mir nicht um Ihre persönliche Einstellung, geschweige denn Ihr Menschenbild. Sondern darum, dass Sie eine fundamentale christlichsoziale Zielorientierung verfolgen, die bis in die Bevormundung breiter Bevölkerungsteile reicht. Natürlich muss man manches Hinterfragen und kritisch beurteilen, was Sie ja tun. Vergleicht man allerdings Ihre wahrgenommene Dastellung mit z.B. Zielsetzungen der CDU und mehr noch der CSU wird schnell deutlich, dass es kaum Unterschiede gibt. Warum dann die Grünen? Anders gesagt sind es doch gerade DIESE Ähnlichkeiten oder Schnittmengen, die die Grünen für die CDU, symbolisiert durch die Physikerin, denn das ist sie wohl, so attraktiv gemacht hatte. Bei den letzten Koalitionsgesprächen. Und im Grunde können Sie froh sein, dass FDP Lindner die Verhandlungen hat platzen lassen. Ihre grüne Partei wäre nämlich als nächste vereinnahmt worden bis hin zur Marginalisierung. Und sie hätten es nichtmal bemerkt. Parallel hätten Sie Zugeständnisse bezüglich der Einwanderungspolitik und der Europapolitik der CDU gemacht, bzw. durchwinken müssen, die ja nicht so wichtig sind wie das von Ihnen dargestellte politische Profil der Grünen.

    • Thomas sagte:

      Wer sachlich und intelligent mit dem Thema Ökologie umgeht, wird bei ihnen sein.

      Die Grünen haben mich als Wähler vor langem verloren, weil ich dort vieles als dogmatisch, anti-liberal und recht irrational empfinde. Offen gesagt hab ich bei der Parteispitze sogar den Eindruck, der Klassenfeind zu sein.

      Das als kurzes Feedback. Ich entscheide mich übrigens vor jeder Wahl neu.

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      • Thomas sagte:

        @Jonas Rose: Sagen wir es mal so, die tatsächlichen Freiheitsgrade beim Wählen sind im Laufe der Jahre bei mir kleiner geworden. Ich ahne, dass es nicht einmal an den Parteien, sondern an der „spitzeren“ Sicht der Dinge liegt und man sich im höheren Alter an mehr Sachen reibt. Früher war die Wahl recht einfach – aber offen gesagt bei mir auch arg naiv bzw. emotional.

        Ich vermute auch, dass eine sachlich argumentierende Partei, die auf ein spezielles Thema setzt, die 5% kaum schafft. Eine reformierte grüne Partei würde mich dennoch freuen!

    • Martin O. sagte:

      Sehr geehrter Herr Rose,
      bezüglich Ihrer Sicht auf die ursprünglich grüne Politik gebe ich Ihnen recht. Allerdings nützt mir eine grüne Partei recht wenig, wenn diese bei den Sondierungsgesprächen noch vor den Koalitionsverhandlungen alle Ihre Wahlversprechen des Parteiprogramms zwecks Machtergreifung aufgibt. Wie soll ich als Wähler jemandem meine Stimme anvertrauen, wenn am Ende nicht ein einziger Funken einer sinnvollen Umweltpolitik umgesetzt wird? Mit Sinnvoll meine ich, dass man mit Sinn und Verstand an Probleme herangeht und nicht mit blindem Aktionismus und durch Lobbyisten beeinflusst. Eine nach dieser Definition sinnvollen Politik kann ich bei den Grünen momentan ohnehin nicht erkennen.
      In meinen Augen wird Politik schon lange nicht mehr für das Volk gemacht, sondern nur noch für Macht und Geld. Ich überlege, ob ich selbst überhaupt noch zu einer Wahl hingehen soll, oder ob ich meine kostbare Zeit nicht sinnvoller nutze. Denn keine der Parteien ist daran interessiert, ernsthafte Politik fürs Volk zu betreiben. Und Spitzenreiter im Verrat am Wähler sind in meinen Augen die Grünen (wobei der Vorsprung zu den restlichen Parteien nicht sonderlich groß ist).
      Mit freundlichen Grüßen,
      Martin O.

      Antworten
    • Johann Schwarting sagte:

      @Jonas Rose,

      Ihr Satz

      „Vielmehr muss man es doch so sehen, dass eine Grüne Politik unabdingbar ist, um unser wirtschaftliches System aufrecht zu erhalten.“

      ist inhaltlich der Tatsache geschuldet, dass z. B. das EEG und andere staatliche Maßnahmen völlig unabhängig von einem (ökologischen) Nutzen dazu dienen, die kapitalistischen Kreditketten in unserem Zentralmachtsystem wegen dem ewigen Zwang zur erfolgreichen Nachschuldnerfindung nicht reißen zu lassen – einfach einmal die Machttheorie des Geldes und den Debitismus von Paul C. Martin zurate ziehen.

      Die politischen Entscheidungen in den entwickelten Ländern sind heute auf allen Ebenen – von den Gemeinden, über die Länder, den Bund, die EU bis zum US-Imperium – abhängig von internationalen Beratungsgesellschaften z.B. von den Kanzleien des Verbundes ‚Magic Circle (London)‘ im Finanz-, Wirtschaft-, Militär- oder Anlagesektor. Sie werden heute weltweit nicht mehr in den Ministerien vorbereitet und in den Parlamenten gefällt. Alle Ausfertigungen können heute global eingekauft werden und verbinden alle Länder miteinander und ketten sie auf Gedeih und Verderb aneinander. Ihr Parteifreund C. Ströbele und W. Bosbach haben sich in

      https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/und-taeglich-wachsen-die-schulden/#comment-38403

      diesbezüglich geäußert. Die Politik ist sich der Problematik der Vorfinanzierung allen Staatlichen und des damit einhergehenden Zwanges zur Aufschuldung wegen dem debitistischen nichtlösbaren ‚Vorher-Nachher-Problem‘ natürlich nicht bewusst. Sie dissimuliert den systemimmanenten debitistischen Zwang der Erweiterung der Haftungsräume

      https://think-beyondtheobvious.com/stelters-lektuere/die-notwendigkeit-von-schulden/#comment-34947

      im Rahmen eines ‚Brüsseler Prinzipats‘ gegenüber der Bevölkerung – sie spricht von Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Demokratie, kulturellen Werten und sonstigen schönen Sachen.

      Ich möchte ein bekanntes Zitat von @Phoenix5 – aka Stefan Gruber, Wien – erweitern zu: „Und über allem schweben der Debitismus und die Simulation, die ihre Zyklen abspulen, egal welche Tricks die Politik anwendet.“ Ihnen ist ja als Politiker bewusst, dass die Bilder über die politischen Ereignisse wichtiger sind als die Ereignisse selbst – findet jetzt das Treffen zwischen Trump und Kim statt?

      Antworten
  2. Wolfgang Selig sagte:

    bto: „Am Ende gewinnt aber immer die Realität.“

    Das ist sicher richtig, aber auf dem Weg dahin kann extrem viel passieren. 1945 gewann auch die Realität – Gott sei Dank! Aber die 12 oder vielleicht sogar besser 16 Jahre davor hätten in Deutschland idealerweise ganz anders laufen sollen. Herr Stöcker verweist vollkommen zurecht auf die Chicago-Papers, denn wir sind in keinster Weise davor gefeit, wieder genau in dieselbe Falle zu tappen, weil in Deutschland sowohl die Gesellschaft und als auch die Regierung Realitäten verweigern. Hier ähneln wir m.E. stark den 1920er-Jahren.

    Und ob die Extremisten bei fehlenden Anerkennung der Realität und zunehmender Ignoranz der Gesetzeslage in ein paar Jahren von links oder rechts kommen dürfte für das verheerende Endergebnis dann wahrscheinlich schon fast egal sein.
    Daher ist es so wichtig, dass von der Zivilgesellschaft auf die Einhaltung von Regeln von Maastricht bis Dublin III immer wieder gepocht wird, auch wenn man damit aneckt bzw. für einen egoistischen oder altmodischen Menschen gehalten wird.

    Antworten
    • Michael Stöcker sagte:

      „Daher ist es so wichtig, dass von der Zivilgesellschaft auf die Einhaltung von Regeln von Maastricht“

      Die Regeln von Maastricht basieren leider teilweise auf einem fehlerhaften bzw. nicht vorhandenen Geldsystemverständnis. Hier die Konvergenzkriterien und meine Einschätzung dazu:

      „Die Inflationsrate darf nicht mehr als 1,5 Prozentpunkte über derjenigen der drei preisstabilsten Mitgliedstaaten liegen.“ Diese Regelung halte ich nach wie vor für sinnvoll.

      „Wechselkursstabilität: Der Staat muss mindestens zwei Jahre lang ohne Abwertung am Wechselkursmechanismus II teilgenommen haben. Dabei darf die Währung des Landes nur in einer bestimmten Wechselkursbandbreite (meist 15 %) vom Eurokurs abweichen; bei größeren Abweichungen muss die Zentralbank des Landes intervenieren.“ Auch hierbei handelt es sich um eine gute Regelung.

      „Langfristige Zinssätze: Der Zinssatz langfristiger Staatsanleihen darf nicht mehr als 2 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der drei preisstabilsten Mitgliedstaaten liegen.“ Auch das war wohl ein guter Kompromiss.

      Jetzt kommt aber der große Denkfehler:

      „Der staatliche Schuldenstand darf nicht mehr als 60 % des Bruttoinlandsprodukts betragen. Das jährliche Haushaltsdefizit darf nicht mehr als 3 % des Bruttoinlandsprodukts betragen.“

      Diese Regelungen sind völlig willkürlich und verkennen die Funktionsweise eines Kreditgeldsystems. Einer MUSS IMMER die Schulden machen. Und wenn sich der Privatsektor verweigert, dann muss es eben der Staat richten. Und wenn der Privatsektor übertreibt (Spanien 2003 bis 2007), dann sind die 3 % viel zu hoch; im Gegenteil, der spanische Staat hätte Haushaltsüberschüsse erzielen müssen. Der Blick auf einen Teilsektor führt völlig in die Irre. Das ist nicht Makroökonomie, sondern fiskalischer Voodoo. Es ist dieses falsche/begrenzte Denken, das ich als kollektives Versagen beschrieben habe: https://zinsfehler.com/2016/12/01/das-kollektive-versagen/.

      Da wir aber die Verträge nicht aufgeschnürt bekommen werden, sehe ich immer noch als einzigen gangbaren Weg die Einführung eines zentralbankfinanzierten Bürgergeldes in Höhe von 2 bis 3 Prozent des BIP. Rein formell gesehen werden die Verträge eingehalten, das das Geld ja nicht an den Staat, sondern an die Bürger ausgezahlt wird, obwohl es sich letztlich doch um monetäre Staatsfinanzierung handelt, die auch im Chicago Plan letztlich gefordert wurde und die auch der Verstetigung der Geldmenge/Zentralbankgeldmenge nach Friedman gerecht wird.

      LG Michael Stöcker

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      • Wolfgang Selig sagte:

        @Herrn Stöcker: Ich habe mich vermutlich missverständlich ausgedrückt. Mir geht es nicht um die 60 % bzw. 3 %. Wenn die Regeln falsch sind, sind sie falsch; wenn nicht, dann nicht. Dazu maße ich mir keine Kompetenz an. Aber wenn sie falsch sind, gehören erst die Regeln geändert und dann die 60 % bzw. 3 % überschritten und nicht durch Nichtbeachtung von Regeln das Vertrauen der Bevölkerung verspielt. Ich habe auch nichts gegen eine Änderung der Dublin-Regeln, wenn sie korrekt zustande kommt.

        Denn wo hören wir da auf? Einfach mal selbst privat Euros drucken? Das wäre auch gegen die Regeln, hier ist aber der gesellschaftliche Konsens bzw. das Unrechtsbewusstsein wohl (noch) größer. Wir reden hier ja nicht vom Falschparken.

        Sie sagen, wir bekommen die Regeln nicht aufgeschnürt und deshalb muss man einen formalen Trick anwenden über zentralbankfinanziertes Bürgergeld. Das sehe ich völlig anders. Ich würde mich einfach hinstellen und sagen: Leute, entweder wir passen die Regeln an oder wir steigen aus der EU aus. Dann halten wir uns an die Regeln, denn dann gelten nur noch unsere eigenen. Das würde sehr schnell sehr viel Schwung in die Debatte bringen. Ja, ich weiß, Marktturbulenzen usw. Aber die kommen noch viel schlimmer, wenn das Vertrauen mal komplett verspielt ist.

        Denn alle Politik, alle Gesellschaft basiert im Prinzip auf Vertrauen. Wenn Sie das verspielen, können Sie vom EU-Vertrag über das Grundgesetz bis zur Menschenrechtskonvention alles in den Papierkorb werfen, denn dann sind wir wieder beim Gesetz des Stärkeren.

        „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande“ – De civitate dei, IV, 4, 1. Übers.: Papst Benedikt XVI, Rede vor dem Deutschen Bundestag am 22. September 2011, vatican.va
        (Original lat.: „Remota itaque iustitia quid sunt regna nisi magna latrocinia?“)

        Das stört mich an der aktuellen Bundespolitik.

      • Michael Stöcker sagte:

        Lieber Herr Selig,

        ich teile grundsätzlich Ihre Einschätzung und halte wie Sie die Einhaltung von Regeln für fundamental. Ich befürchte allerdings, dass uns nicht mehr genügend Zeit bleibt (AEUV, Fiskalpakt, Schuldenbremse…) die fehlerhaften Regeln an die makroökonomische Realität anzupassen; zumal die meisten Ökonomen immer noch nicht verstanden haben, dass diese isolierte Regel völlig daneben ist. Kaum einer hatte den Brexit auf dem Schirm, geschweige denn Trump. Wir dürfen nicht die Mitte der Gesellschaft verlieren. Siehe hierzu auch das Interview mit Ian Bremmer: https://blog.tagesanzeiger.ch/nevermindthemarkets/index.php/43861/der-rueckzug-der-globalisten/

        LG Michael Stöcker

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Michale Stöcker

        >Die Regeln von Maastricht basieren leider teilweise auf einem fehlerhaften bzw. nicht vorhandenen Geldsystemverständnis>

        Sie beruhen – dem unterliegend – vor allem auf einem FALSCHEN Verständnis, wie KONVERGENZE, d. h. kompatibles Wirtschaften herzustellen ist.

        Soweit, denke ich, sind wir uns grundsätzlich einig.

        >Da wir aber die Verträge nicht aufgeschnürt bekommen werden, sehe ich immer noch als einzigen gangbaren Weg die Einführung eines zentralbankfinanzierten Bürgergeldes in Höhe von 2 bis 3 Prozent des BIP.>

        Ihre Prämisse ist, dass die Verträge nicht RÜCKABGEWICKELT oder NEU geschrieben bekommt, und daher bestimmte Konsequenzen zu ziehen sind, etwa die, die sie präferieren.

        Das ist insoweit in Einklang mit der Realität und schlüssig.

        Was die Konsequenzen sein können, wenn der „gangbare Weg“ nicht eingeschlagen wird, ist oft genug hier diskutiert worden.

        @ Wolfgang Selig

        >Das sehe ich völlig anders. Ich würde mich einfach hinstellen und sagen: Leute, entweder wir passen die Regeln an oder wir steigen aus der EU aus. Dann halten wir uns an die Regeln, denn dann gelten nur noch unsere eigenen.>

        Das ist die intellektuell gleichrangige und ebenso schlüssige Gegenposition zu M. Stöcker.

        Aber Sie sehen selbst, wo das Problem der Umsetzung liegt:

        >Ja, ich weiß, Marktturbulenzen usw. >

        Genau deshalb wird Ihr Ansatz nicht verfolgt werden.

        Der von M. Stöcker hat – in Varianten gedacht unter der Überschrift „Helikoptergeld“ – größere Chancen, umgesetzt zu werden, weil er ZUNÄCHST schmerzloser ist.

        Meine Meinung:

        Keine der hier vertretenen beiden Ansätze wird sich durchsetzen.

        Das System Eurozone wird vorher scheitern, weil es zu retten, u. a. mit Transfers, über kurz oder lang zu hohe KOSTEN verursacht.

        Das ist der BEGEHBARE und GEGANGENE Weg, siehe u. a. aktuell die italienische Politik.

      • mg sagte:

        Trump und seine Leute (Folter-Haspel, Bomben-Bolten, usw.) zerstören bewusst Vertrauen mit dem Ziel ihre Macht bzw. Gewalt auszudehnen. Wenn die großen USA sich nicht an internationale Spielregeln halten müssen, dann fühlen sich die kleineren Diktaturen auch nicht daran gebunden. Saudi-Arabien und die Türkei führen aktiv Krieg. Russland unterstützt offen Kriegsparteien. China, GB, Israel und Iran tun dies mehr oder weniger verdeckt. Nord-Korea spielt sich so auf, wie es sich aufspielt, um nicht als nächstes Libyen zu enden.

        > Denn alle Politik, alle Gesellschaft basiert im Prinzip auf Vertrauen. Wenn Sie das verspielen, können Sie vom EU-Vertrag über das Grundgesetz bis zur Menschenrechtskonvention alles in den Papierkorb werfen, denn dann sind wir wieder beim Gesetz des Stärkeren.

        Da sind wir längst. Schon seit vielen Jahren. Und Herr Stöcker und Herr Stelter haben völlig Recht, wenn sie sagen, richtig hässlich wird es, falls die Kreditmärkte abschmieren.

  3. MFK sagte:

    Wittgenstein ist schon harte Kost und sein Satz „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen“ wird häufig zitiert aber falsch interpretiert. Gemeint ist damit nicht, dass man Wahrheiten nicht aussprechen darf, sondern dass das, was Sprechen oder Denken ermöglicht, nicht dessen Gegenstand sein kann – wodurch philosophische Rede schlechthin in Frage steht.

    Ein guter Beitrag, dessen Wert man an der derzeitigen Debatte zur Flüchtlingskrise ersehen kann. Hier wird von vorne herein eine Begriffsverwirrung erzeugt, die eine sachliche Debatte unmöglich macht. Es wird ohne jede Differenzierung dauerhafte Einwanderung und temporäres Bleiberecht, Asyl-, Flüchtling- und Duldungsstatus, ferner Einwanderung aus wirtschaftlichen Beweggründen und verdeckte Kriegsunterstützung in einen Topf geworfen. Das Ergebnis ist dann dass die Nazikeule oder der linksversiffte Grüne anstelle von Argumenten hervorgeholt werden.

    Antworten
    • Hansjörg Pfister sagte:

      „Gemeint ist damit nicht, dass man Wahrheiten nicht aussprechen darf, sondern dass das, was Sprechen oder Denken ermöglicht, nicht dessen Gegenstand sein kann – wodurch philosophische Rede schlechthin in Frage steht.“
      Vielleicht habe ich hier eine andere Sichtweise. Das, worüber man laut Wittgenstein nicht sprechen kann, ist ein objektives Verständnis der Wirklichkeit. Dieses Verständnis lässt sich laut Wittgenstein durch seine Philosophie hindurch gewinnen, man kann aber nicht mehr darüber sprechen, wenn man sie gewonnen hat (erinnert mich an buddhistische Philosophie). Was ich mit meinem Wittgenstein – Zitat sagen wollte: Man kann diese ganzen Gräuel im Sinne von „besser“ oder „schlimmer“ usw. nur miteinander vergleichen, wenn man einen halbwegs vollständigen („objektiven“) Begriff oder Vorstellung davon hat. Das übersteigt aber die normale menschliche Vorstellungskraft. Hat man aber dennoch eine solche Vorstellung davon, so bleibt am Ende nur Schweigen.

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Hansjörg Pfister

        >Das, worüber man laut Wittgenstein nicht sprechen kann, ist ein objektives Verständnis der Wirklichkeit.>

        Selbstverständlich kann man über das objektive Verständnis von Wirklichkeit sprechen. Wir können z. B. darüber diskutieren, was man darunter verstehen kann, soll, muss ODER nicht verstehen kann, soll, muss etc.

        Was Wittgenstein m. A. n. meint:

        Man kann kein objektives Verständnis der Wirklichkeit HABEN.

        Das ist etwas anderes als darüber zu sprechen.

    • Dietmar Tischer sagte:

      @ MFK + Hansjörg Pfister

      Ganz, ganz vorsichtig sein, Wittgensteins letzten Satz im Tractatus zu interpretieren.

      Ich will das Thema nicht weiterführen, zumal sich Wittgenstein später von den darin geäußerten Auffassungen distanziert hat.

      Denken Sie einfach für sich selbst nach, ob sich das, was der folgende seiner Sätze sagt, mit Ihren jeweiligen Interpretationen deckt. Er lautet:

      „Es gibt allerdings Unaussprechliches. Dies ZEIGT sich, es ist das Mystische“.

      Antworten
  4. Dietmar Tischer sagte:

    Der Beitrag ist mit Anspruch und Kenntnis geschrieben.

    Aber, der Kürze wegen nur zu verständlich, mitunter zu einseitig und nicht tiefgreifend genug – und durch falsche Sichtweise angreifbar.

    >Der Rechte ist tendenziell für die Starken und verachtet die Schwachen, das macht ihn für den modernen Zeitgeist unsympathisch. Der Linke ist für die Schwachen, was ihn sympathisch macht. Das ist er aber in seiner idealtypischen Ausprägung nicht um der Schwachen willen, sondern um seiner Ideologie willen.>

    Die beiden ersten Sätze kann man so stehen lassen, wenn man das gegensätzliche Profil herausarbeiten will.

    Den letzten betreffend:

    Wenn man das den Linken anhängt, muss man es AUCH den Rechten anhängen, denn für die gilt es ebenfalls in der „idealtypischen Ausprägung“.

    Zu Dostojewski und „Schuld und Sühne“ nur als Anmerkung, dass Raskolnikow in der sibirischen Verbannung seine Auffassung vom Ausnahmemenschen REVIDIERT hat.

    Es gibt also immer auch Hoffnung für die Andersdenkenden.

    Zum aktuellen Kern:

    >Ich will nun unsere verantwortlichen Politiker nicht mit den letztgenannten Herrschaften vergleichen, aber weist die Denkweise, mit der die ganzen Rechts- und Vertragsbrüche der letzten Jahre, von der Eurorettung bis zur Grenzöffnung, gerechtfertigt wurden, nicht eine gewisse Ähnlichkeit mit der eines Raskolnikow auf? Ging es da nicht auch immer um einen angeblichen gesellschaftlichen bzw. moralischen Fortschritt, der sie als „Ausnahmemenschen“ dazu berechtigt, über bestehende Verträge und geltendes Recht hinweg, anderen ein beliebiges Opfer aufzuerlegen? War das alles nicht etwa alternativlos?>

    Diese Frage ist suggestiv und IRREFÜHREND.

    Die „Denkweise“ der Politik, auch nur ansatzweise in VERBINDUNG mit dem „Ausnahmemenschen“ von Raskolnikow zu bringen, beruht auf einem FALSCHEN Verständnis von Politik und Realität.

    Politiker haben nicht eine „Denkweise“ wie Raskolnikow eine Auffassung hat – und das nicht mal irgendeiner Ähnlichkeit nach.

    Politiker agiert auf INTERESSEN hin (auch auf welche, die anderswo verfolgt werden), wollen an der Macht bleiben und bleiben mitunter lange an der Macht, weil sie INTERESSEN hinreichend BEACHTEN.

    Insofern sind sie GETRIEBENE und nicht Umsetzer ihrer Denkweise.

    Schade, der Beitrag entwertet damit vieles, was durchaus richtig ist.

    Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ MFK

        Ich habe keine schlechte Meinung von Politikern.

        Ich glaube schon, dass die allermeisten Politiker in der Politik ihre Überzeugungen vertreten.

        Ich hatte geschrieben:

        >Politiker agiert auf INTERESSEN hin …>

        Agieren schließt Überzeugungen nicht aus.

        Aber:

        Politiker agieren mit BESTIMMTEN Überzeugungen für BESTIMMTE Interessen.

        Das betrifft aber nicht meine Argumentation gegen die zitierte Auffassung von Dr. Stelter.

    • Hansjörg Pfister sagte:

      „Wenn man das den Linken anhängt, muss man es AUCH den Rechten anhängen“
      Nein, muss man nicht. Ist der Mainstream links, dresche ich mehr auf die Linken ein, ist er rechts, bekommen die Rechten Prügel. Ich nenne das „dialektisch“. Bezügl. dessen was Politiker antreibt werden wir uns wohl nicht einig. Wir alle, Politiker eingeschlossen, folgen auch unbewusst (neben anderen Dingen) Ideen (neudeutsch: Narrative), die z.T. schon jahrtausende alt sind, solchen, die sich bewährt haben, wie auch solchen, die geschichtlich abstoßende Resultate gezeigt haben. Ich betrachte es eben als meine Baustelle, diese Ideen kenntlich zu machen. Links, Rechts, Grün – oder was auch immer – sind legitime Weltbilder, die mag jeder für sich reklamieren, nur seine Dämonen sollte man kennen.

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Hansjörg Pfister

        Sie haben mich nicht verstanden.

        Ich beziehe mich auf die ARGUMENTATION von Dr. Stelter, der die Frage beantworten will „WAS IST LINKS, WAS IST RECHTS“.

        Sie beziehen sich darauf, wie man auf den Mainstream REAGIEREN soll.

        Das ist etwas ganz anderes, als obige Frage zu beantworten und die Antwort argumentativ zu bewerten.

        Allerdings, weil Sie bei Wittgenstein waren:

        Dr. Stelter ZEIGT mit seinem Beitrag AUCH, wie man seiner Meinung nach auf den Mainstream reagieren sollte.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Dr. Stelter + Hansjörg Pfister

        Danke für die Klarstellung an Sie, Dr. Stelter, dass Sie nicht der Autor sind.

        Entschuldigen Sie, dass ich Ihnen etwas zugesprochen habe, was nicht ihre ausdrückliche Meinung ist.

        Ihre Feststellung, dass Sie sich nicht distanzieren vom Text, nehme ich einfach mal zur Kenntnis, ohne daraus irgendwelche Schlussfolgerungen zu ziehen.

        Hansjörg Pfister, meine Bewertung bleibt, ich sehe bis jetzt keinen Grund, davon abzurücken. Ihre Gegenrede hatte ich beantwortet.

  5. Johannes sagte:

    Nach meinen politischen Erfahrungen (AfD) in der Kommunalpolitik „lieben“ Politiker Narrative. In diesen denken und handeln sie zumeist und selten brechen sie aus den parteipolitisch gesetzten Narrativen aus. Bis zu einem gewissen Grad ist mir das auch verständlich, aber als Neuling in der politischen Landschaft immer noch fremd. Das merke ich spätestens dann an den Reaktionen der anderen, wenn ich mich nicht so verhalte/entscheide, wie es das in den Medien gezeichnete Narrartiv des Handelns eines AfD-Politikers entspricht. Also stets „dagegen sein“ und das Haar in Suppe finden und nichts konstruktives vorschlagen. Geschweige denn zustande bringen. Vor diesem Hintergrund gefällt mit der Beitrag von Herrn Pfister ausgesprochen gut. Stellt er mir gut die Macht und Bedeutung der geschichtlich geprägten Narrative vor Augen. Und wer Politik konstruktiv und zum Bessern für die Menschen verändern will, kommt um diese Narrative und ihre Veränderung nicht herum. Das ist kein leichter Weg.

    Antworten
  6. Ulrich Remmlinger sagte:

    Zur Frage was ist links und was ist rechts empfehle ich die Videos des kanadischen Professors Jordan Peterson. Auf Grund seiner Erfahrung in der klinischen Psychotherapie benennt er „typische“ Charaktereigenschaften und daraus abgeleitete Denkweisen, die man bei Linken und Rechten in unterschiedlicher Häufigkeit antrifft. Nach seiner Meinung führt der offene Disput zwischen diesen beiden Polen, unter Abgrenzung zu den jeweiligen Extremen, zu den besten Lösungen für die Gesellschaft. Nach seiner Meinung fehlt bei der Linken die notwendige Abgrenzung zu den gefährlichen Extremen. Die rote Linie wird mit der Identitätspolitik, der geforderten Gleichheit der Ergebnisse (im Gegensatz zur Gleichberechtigung) und dem Erzwingen von „Diversity“ überschritten.

    Antworten
    • Dietmar Tischer sagte:

      @ Ulrich Remmlinger

      Wenn das so ist, wie Sie es hier darstellen, lässt sich die Frage beantworten, was die „besten Lösungen für die Gesellschaft“ sind:

      Es sind die Lösungen, die im offenen Disput derer, die noch MITEINANDER reden können und KEINE extremen Positionen einnehmen, GEFUNDEN werden.

      Ob Minimal-Kompromisse oder sonst welche:

      Es sind die Lösungen, denen fundamental ein KONSENS zugrunde liegt.

      Wenn man das zu Ende denkt, wird es NIE eine Gesellschaft geben, die disruptiv zerfällt, weil sie keinen Konsens finden kann. Selbst unter schlimmsten Bedingungen und in „elender“ Lage wird sie einen finden.

      Klingt gut, soweit die Mitte und nicht die Extreme eine Mehrheit bilden.

      Antworten
    • Thomas sagte:

      @Hr. Remmlinger: Sehr interessanter Punkt. Ich nehme im gesamten Bekanntenkreis genau das wahr: Die links-orientierten geben ganz sorgenfrei ihre Einstellungen und Ideen von sich (und gehen davon, dass ja alle schlauen und guten Menschen so denken), während die auch nur leicht rechten Positionen (von den wenigen) stets mit Vorsicht und Relativierung vorgetragen werden.

      Ich gehe ja gerne zur Balancierung in die Gegenposition (wodurch ich neuerdings in der Regel die konservativ-rechte Position einnehmen darf, obwohl ich doch so lange dachte, ich sei links… kurios). Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie die Gesprächspartner dann aufwachen, vorsichtig werden und man merkt, dass sie einen in eine andere Schublade sortieren. Meine Erfahrung ist aber auch, dass man zumindest bei einer ruhigen-sachlichen Unterhaltung sich austauschen kann.

      [Einschränken würde ich aber, dass die linke Einstellung doch zu einem guten Teile auf medialer und schulischer Indoktrination basiert und keine echte Einstellung, sondern vielmehr eine Art gelerntes Glaubensbekenntnis ist. Es gibt genug Leute, die zwar linkes Gedankengut von sich geben und sogar die entsprechenden Parteien wählen, im Tun und an anderer Stelle bei nicht besonders geschützten Minderheiten auf einmal ganz klar kapitalistisch-individualistische Werte an den Tag legen. Das entlarvt das Aufgestülpte.]

      Erschrocken bin ich offen gesagt immer wieder, wie wenig Ahnung die Leute haben – bei gleichzeitig fester Überzeugung. Und ich rede jetzt nicht von den Details oder gar von tiefer Analytik, wie sie sich hier findet. Nein, viele sehen z.B. kein Problem in der Immigration und beim Sondieren stellt sich heraus, dass sie tatsächlich auf Level der – nennen wir es einmal sehr wohlwollend – oberflächlich-naiven Berichterstattung sind, nach der das Demographie- und Fachkräfte-Problem durch Merkel elegant gelöst wurde und wir alle, wirklich alle vom Euro profitieren.

      Ja. Auch wenn’s schwer fällt. Sachlich weiter im Dialog bleiben. Auf dem Level kann man auch ohne Wittgenstein-Kenntnis mitmachen und aufklären. (Ich hole gleich mal mein verstaubtes Philo-Buch aus dem Regal, damit ich zumindest die Management Summary zu ihm lesen kann ;)

      Ich persönlich glaube zwar nicht, dass sich der Fluss umleiten lässt, das Flussbett steht und das Wasser fließt stark. Aber vielleicht können wir ein paar Steinchen bewegen, die mal eine neues Flussbett formen.

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas

        >Sachlich weiter im Dialog bleiben. Auf dem Level kann man auch ohne Wittgenstein-Kenntnis mitmachen und aufklären. (Ich hole gleich mal mein verstaubtes Philo-Buch aus dem Regal, damit ich zumindest die Management Summary zu ihm lesen kann ;)

        Ich persönlich glaube zwar nicht, dass sich der Fluss umleiten lässt, das Flussbett steht und das Wasser fließt stark. Aber vielleicht können wir ein paar Steinchen bewegen, die mal eine neues Flussbett formen.>

        Das ist realistisch, pragmatisch und konstruktiv – und mit dem Hoffnungsschimmer, den man gerade noch haben kann.

        Ich sehe das genauso.

      • Ulrich Remmlinger sagte:

        @ Thomas
        Danke für den Hoffnungsschimmer! Wenn ihre Gesprächspartner in der Argumentation vorsichtig werden, können Sie sich glücklich schätzen. Ich erlebe selbst im Familienkreis, daß sofort die Nazikeule ausgepackt wird, wenn ich ruhig und sachlich Argumente vortrage, die den Linke-Wählern widersprechen.

      • Thomas sagte:

        @Hr. Remmlinger: Ein paar Bekannte habe ich wohl auch, die mich wahrscheinlich mit der Nazi-Keule verkloppen würden. Sofern die mich nicht direkt nach meiner Meinung fragen, äußere ich diese nicht. (Womit wir wieder bei der Asymmetrie dessen wären, was man öffentlich wie privat sagen darf und was nicht.)

        @Hr. Tischer: Danke für die Bestätigung.

      • mg sagte:

        Flussumleitungen sind durchaus möglich und werden schon seit vielen Jahrhunderten praktiziert. Mit dem Unterschied, dass man zum Zweck von Begradigungen heutzutage deutlich schwereres Gerät mitbringen würde. Mit so ein paar Steinchen ist es nicht getan. Aber, aber, was gebe ich hier den Erklärbär. Das ist eigentlich Herr Tischers Aufgabe.

        Apropo, dass Herr Tischer uns den Wittgenstein erklärt, überrascht mich nicht. Hin- und wieder muss man seinen Tractatus aus dem Bücherschrank holen, sonst staubt er ein.

      • Dietmar Tischer sagte:

        @ mg

        Schon richtig, heute braucht es schweres Gerät für die Flussumleitung, oder – schön ausgedrückt – eine Begradigung.

        Manchmal schafft es aber auch ein Dammbruch, wobei es dabei erst einmal eine große Überschwemmung gibt.

        Ich habe den Wittgenstein nicht erklärt, werde mich hüten.

        Es ging mir lediglich darum zu zeigen, dass Sätze wie der zitierte von Wittgenstein nur dann verstanden werden können (im Sinne ihres Autors), wenn man den KONTEXT einbezieht, in dem sie stehen.

  7. Johnny Wenger sagte:

    „Ich habe immer Hannah Arendts Gleichsetzung von Nazismus und Stalinismus als zwei Totalitarismen zugestimmt und tue es weiterhin. Damals und auch heute weist die deutsche Linke diese Gleichsetzung jedoch zurück. Ich denke bis heute ungebrochen genauso wie Hannah Arendt und verstehe deshalb nicht, warum heute die Stasi-SED-Linke nicht wie Nazis als Totalitaristen eingestuft und ausgegrenzt wird.“ (Bassam Tibi)

    Die autobiografische Skizze von Bassam Tibi ist ein MUST READ; sie sagt alles, absolut alles über unser hysterisches Land, das nur Extremismus kennt.
    http://www.bassamtibi.de/wp-content/uploads/2016/02/Autobiographische-Skizze-BT-02-2016.pdf

    Wer unser Land verstehen will, muss Bassam Tibis autobiografische Skizze lesen. Sie ist zum Heulen. Tibi ist ein gebrochener Mann (und doch irgendwie Deutschland dankbar), er ist Opfer (psychisch sowie körperlich) von totalitären, faschistischen K-Gruppen, die an Universitäten ihr Unwesen getrieben haben und in anderer Konstellation es noch heute tun (u.a. Baberowski). Im Jahr 2016 hat eine Allianz aus Grünen, angeführt von Jürgen Trittin, SPD und CDU Bassam Tibi als „neurechts“ bezeichnet und sozusagen aus der Wertegemeinschaft des Grundgesetzes exkommuniziert. Bassam Tibi ist vollkommen zu Recht Träger des Bundesverdienstkreuzes erster Klasse, das ihm Roman Herzog im Jahr 1995 für seine Verdienste für unser Land und das interkulturelle Verständnis erworben hat. Heute schreibt er bekanntlich aus dem Schweizer Exil seine lesenswerten Essays, die bzgl. Klarheit und Sachkenntnis unübertroffen sind. In internationalen Journals gilt er als Linker. Das ist auch sein Selbstverständnis.

    In seiner autobiografischen Skizze schreibt er:
    „Es kam dann eine andere Zeit im Schatten der Auflösung des SDS in den 70er Jahren, worauf die sektiererische Spaltung der Linken erfolgte. Dies geschah einerseits durch Spaltung in chaotische spontane Gruppen (aus denen die terroristische RAF hervorging), andererseits der totalitären K-Gruppen (kommunistisch-stalinistische Sekten wie KBW, KHS; KSV etc.) folgte. In Göttingen dominierten in der 2. Hälfte der 70er Jahre die K-Gruppen überall an der Universität und sie schüchterten ihre Gegner auch mit Gewalt ein – die dann auch schwiegen. Als Linker der Frankfurter Schule stieß mich das zutiefst ab. 1976/77 haben diese „Marxisten-Leninisten“ mich durch Psycho-Terror dermaßen gequält, dass ich körperlich und psychisch zusammenbrach. Ich hatte mich kaum von meinem Unfall im Jahr 1975 erholt, als ich 1977 wieder durch psychischen Terror der marxistisch-leninistischen Linken lehrunfähig wurde und nicht arbeiten konnte. Ich erlebte die deutschen Linksradikalen als linke Totalitaristen, die ebenso wie Nazis sind; Deutsche Zeitgenossen von 1975-78 waren feige ohne Zivilcourage; sie schwiegen wie es die Deutschen auch 1933-45 taten und keiner sprang mir zur Seite. Ich habe immer Hannah Arendts Gleichsetzung von Nazismus und Stalinismus als zwei Totalitarismen zugestimmt und tue es weiterhin. Damals und auch heute weist die deutsche Linke diese Gleichsetzung jedoch zurück. Ich denke bis heute ungebrochen genauso wie Hannah Arendt und verstehe deshalb nicht, warum heute die Stasi-SED-Linke nicht wie Nazis als Totalitaristen eingestuft und ausgegrenzt wird. Für mich sind die heutigen Linken nicht mehr das, wie ich sie als arabischer
    Muslim in den 1960er Jahren in Frankfurt erlebte und bewunderte: heutige Linke sind keine Aufklärer mehr. Wir Linke der 1960er Jahre hatten Entstalinisierung und Pressefreiheit auf unseren Fahnen stehen und kämpften gegen Tabus. Heutige Linke setzen sich für Tabus und Zensur im Namen der Political Correctness ein. (…)

    Ich kann auch 40 Jahre danach nicht darüber schweigen und möchte dies auch nicht. In jener damals ideologisch extrem politisierten Umwelt in Deutschland gab es in jenem Fachbereich nur drei politische Kräfte. Die
    linken Soziologen, die sozialdemokratischen, damals rechts eingeordneten Politikwissenschaftler und eine marxistisch-leninistische Fachschaft, die von maoistischen totalitären K-Gruppen dominiert wurde. Es gab damals fast ein Dutzend kommunistische Splittergruppen, die als K-Gruppen definiert wurden. Es waren Horror-Gruppen. Diese drei Kräfte haben erbittert gegeneinander gekämpft und sie konnten deshalb nicht miteinander kommunizieren, weil jede von ihnen ihr eigenes deutsches „Pathos des Absoluten eines kollektiven Narzissmus“ (Adorno) hatte. Dies war die „Eigentümlichkeit“ der damaligen politischen Kultur Deutschlands, die ihre Wurzeln in der deutschen Vergangenheit hat, wie Georg Lukacs in seinem Buch „Die Zerstörung der Vernunft“ gezeigt hat.

    Anfang April des Jahres 1973 war ich noch 28 Jahre alt, als ich nach Göttingen kam und war – selbst als 68er – in hochpolitischen Intrigen absolut unerfahren. Ich war als Adorno-, Horkheimer- und Fetscher-Schüler das, was Kommunisten verächtlich als „Salon-Marxist der Frankfurter Schule“ bezeichneten; als Intellektueller hatte ich keine Ambitionen einer hochschulpolitischen Karriere gerade an einer Universität zu machen, die hochpolitisiert und somit verpestet war. Ich blieb im ersten Jahr 1973/74 politisch abstinent. Das war jedoch auf die Dauer nicht zu halten. 1974 musste eine bei den Berufungsverhandlungen mir zugesagte, also meiner Professur zugeordnete Assistentenstelle besetzt werden. Ich war befremdet darüber, dass es bei der Besetzung nicht um wissenschaftliche Qualifikation der Bewerber, sondern um deren politische Gesinnung ging. Und so kämpften
    alle drei oben genannten Fraktionen mit ihrem „Pathos des Absoluten“ erbittert gegeneinander. Meine Unerfahrenheit ließ mich damals in entsprechende hochpolitische Konflikte hineinschlittern im personalpolitischen Kampf um die Besetzung jener Assistentenstelle. Vor allen die K-Gruppen waren erbarmungslos in ihrem Bestreben, einen Bewerber ihrer Gesinnung durchzusetzen. In jener Zeit bin ich von Angehörigen der Fachschaft an einem späten Abend, als die Fakultät leer war, zusammengeschlagen worden. Ich berichtete damals hierüber in einer dienstlichen Mitteilung an die Fakultät verbunden mit einem verzweifelten Hilferuf. Statt Hilfe zu bekommen, wanderte dieser Brief in die Hände der Fachschaft; und er wurde veröffentlicht in der Bundesausgabe des KSV (Kommunistischer Studentenverein) mit einer Karikatur von mir als Uncle-Sam-Knecht mit einer auffällig semitischen Nase, wegrennend aus Angst vor Hammer und Sichel. Die erbetene Hilfe kam nicht, stattdessen wurde ich nicht nur in Göttingen, sondern bundesweit als „Rechter“ diffamiert. Für mich als semitisch-arabischer Ausländer aus Damaskus gab es damals keinen Unterschied, ob meine Peiniger Hammer und Sichel oder das Hakenkreuz tragen. In jener Zeit begann meine Trennung vom Marxismus für alle Zeiten. In jenen Jahren 1975-78 in Göttingen habe ich einen Vorgeschmack davon bekommen, wie es meinen jüdischen Brüdern und Schwestern in Deutschland erging. Die braune Vergangenheit der Universität Göttingen ist historisch erwiesen. (…)

    In meinem Denken über den anstehenden Gegenstand folge ich nicht nur Adorno und Plessner, sondern auch Hannah Arendt, die das „Böse“ nicht alleine rechts verortet, sondern auch im linken Lager erblickt. Für die Opfer totalitärer Herrschaft als Praxis des Pathos des Absoluten ist es gleichwertig, ob die sie unterdrückenden Totalitaristen links oder rechts stehen. Linker Totalitarismus ist nicht weniger übel und „böse“ als der rechte Totalitarismus. Dies gilt auch, wenn die Linken den Mantel des Gutmenschen anziehen. Horkheimer denkt ähnlich wie Hannah Arendt und führt den Hitlerismus und Stalinismus im gleichen Atem als Bedrohung für die Freiheit an. Mein Buch „Europa ohne Identität?“ widme ich meinem Lehrer Horkheimer und führe ein Zitat von ihm in der Widmung an mit diesem Inhalt über die Bedrohung. Ich füge zu dem Zitat einen Hinweis auf den neuen Totalitarismus des Islamismus hinzu. Heutige Linke denken anders als Horkheimer, sie sehen im Islamismus „the other modernity“ und feiern den Islamismus im Namen von Diversity. Diese Linken verfemen die an Hannah Arendt und Horkheimer sich anlehnenden Einordnungen des Islamismus als totalitär mit dem Vorwurf der Islamophobie.“

    Antworten
  8. Johnny Wenger sagte:

    Die heutige Mainstream-Linke, genauer die sog. Regressive Linke, ist nicht mehr links, sie ist rechts. Sie sind „social justice warriors“ (Soziale-Gerechtigkeits-Krieger), die in ihrem religiösen Wahn die Bettgenossin der extremen Rechten sind. Die Denkweise der regressiven Linken wird in diesem Beitrag von Cornelius Courts exzellent erklärt.
    http://scienceblogs.de/bloodnacid/2016/04/07/die-neue-religion-der-regressiven-linken/

    Der Begriff der regressiven Linken wurde von Maajid Nawaz geprägt. Nawaz war früher Mitglied der islamistischen Hizb-ut-Tahrir. Er hat sich davon losgesagt und den Anti-Islamismus Thinktank Quilliam gegründet. Eine beeindruckende Lebensleistung, vor der sich jeder nur verneigen kann.

    Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Regressive_left

    „Regressive left“ (also formulated as „regressive liberals“ and „regressive leftists“) is a political epithet, used as a pejorative to describe a section of left-wing politics who are accused of paradoxically holding reactionary views by their tolerance of illiberal principles and ideologies, particularly tolerance of Islamism, for the sake of multiculturalism and cultural relativism.

    British political activist Maajid Nawaz, American political talk-show hosts such as Bill Maher and Dave Rubin, as well as New Atheist writers like Sam Harris and Richard Dawkins are among those who have used the term.

    Concept

    In 2007, Maajid Nawaz renounced his previous association with the radical Islamist group Hizb ut-Tahrir in favor of secular Islam. He is co-founder and chairman of Quilliam, a counter-extremism think tank based in London that seeks to challenge Islamist ideology.

    Nawaz has used the phrase „regressive left“ to describe left-leaning people who—in his opinion—pander to Islamism, which he defines as a „global totalitarian theo-political project“ with a „desire to impose any given interpretation of Islam over society as law“ and which he opposes on the ground that „any desire to impose any version of Islam over anyone anywhere, ever, is a fundamental violation of our basic civil liberties“. According to Nawaz, such sympathizers of Islamism include „atheists who are on the side of the Islamists, defending Islamism in the name of cultural tolerance“.

    In an October 2015 interview with political talk show host Dave Rubin, Nawaz elucidated further the reasoning behind his choice of the word „regressive“ and hypothesized that a section of people on the left „genuinely believe“ that they are fighting an „ideological war“ against neoconservative and neocolonialist foreign policies of Western governments which promote state-organized violence and chaos in the form of wars and military invasions. In contrast, he claims that such leftists forgo their duty to denounce the violent acts of theocratic extremists such as Islamists, at times going so far as to „make alliances“ with some of the most regressive, theocratic and murderous regimes and organizations. He cited Jeremy Corbyn, leader of the British Labour Party, as an example of someone who „has been historically very close“ to supporters of Islamist organisations like Hamas and Hezbollah. In Nawaz’s opinion, it is possible to denounce both neoconservative foreign policies such as the Iraq War (which he had opposed) and theocratic extremism, but those that he labels „regressive leftists“ fail to do so he says.

    According to Nawaz, the notion that Muslims cannot cope with criticism or mockery of Islam and only react violently is „patronizing, self-pity inspiring mollycoddling“ of the very Muslims it claims to serve and emancipate, because it does not expect them to be civil and control their anger. This „racism of low expectations“ lowers the moral standards of people within minorities, seeking excuses if they express, misogyny, homophobia, chauvinism, bigotry or antisemitism, whilst holding members of the majority to „universal liberal standards“.

    Haras Rafiq, managing director of Quilliam, expressed the view that there is a tendency of some on the left to excuse Islamism: „We have not got to grips with the symbiotic relationship between Islamism and far-right hatred, and the regressive left that is prepared to excuse Islamism“.

    Antworten
  9. Alexander sagte:

    @ Michael Stöcker

    >>einzigen gangbaren Weg die Einführung eines zentralbankfinanzierten Bürgergeldes in Höhe von 2 bis 3 Prozent des BIP.

    Würde so ein Bürgergeld eingeführt, steigt der Konsum um diesen Betrag?

    Nachdem niemand hungert fließt das Geld in den Konsum von Unterhaltungselektronik, die heute ausschließlich in Asien hergestellt wird?
    Vielleicht wird in Gaststätten mehr konsumiert oder Kinobesuchen u.a.?
    Möglicherweise nutzen manche Menschen das Geld um ihre Wohnung zu verschönern, oder mehr Miete für mehr Wohnraum zu bezahlen?
    Alternativ erhöht Bürgergeld die Schulddienstfähigkeit für einen Immobilienkauf.

    Ob das Bürgergeld dem nationalen oder europäischen BSP zugute kommt oder global versickert, ist offen. Ein Teil wird sich preissteigernd auswirken, wie ehemals die Sonderabschreibung 7b in Immobilienpreisen.. Bis sich dieses Bürgergeld in Umsätzen einer (verrückt) exportorientieren Wirtschaft der Bunderepublik auswirkt, kann viel Zeit vergehen, während die Verschuldung sofort wirksam gebucht wird. Wird das Geld ohne Gegenbuchung verschenkt, steigen die Preise um die Geldentwertung – sofort -.
    Fiskalisch kann man national nicht dagegen vorgehen und China wird sich kaum einer Berliner Fuchtel beugen…

    Aus diesen Gründen halte ich die Idee eines Bürgergeldes für einen frommen Wunsch.

    —-

    Der von ihnen zitierte Kommentar auf die Erklärung der 154 Wirtschaftsprofessoren enthält einige unsachliche Hiebe (Stammtischargumente ..). Die Erklärung ist z.T. wirtschaftlich begründet, hat aber eine politische Motivation.
    Selbstverständlich kann man das System durch Geldpolitik weiter stabilisieren. Die Professoren um Sinn wollen das nicht, wenn die politischen Entscheidungen nichts taugen. Diese Beurteilung ist subjektiv. Ich teile diese Meinung, denn die Schieflage der schwachen Staaten ist größtenteils selbstverschuldet. (dt. Wettbewerbsfähigkeit die andere Seite).

    Griechenland war sehr großzügig mit Versprechen gegen seine Bürger. Renteneintritt, Rentenhöhe, öffentlicher Dienst z.B….sind zu üppig für die Einnahmen.
    Die Korruption in Italien historisch systemisch eng verknüpft mit organisierter Kriminalität.
    Sozialistische Staatswirtschaft ein französisches Steckenpferd seit der Revolution (vgl. Charles Furier).

    Die gemeinsame Währung zwischen einem relativ geordneten Nordeuropa und obigen Strukturen war ein Fehler, die Währung hatte Schlussstein sein sollen – nicht Initiator.

    Nun kennen wir den Fehler und müssen uns entscheiden zu korrigieren oder weiter so.

    Diese Entscheidung ist individuell und subjektiv. Die 154 Professoren sind als Beamte fein raus, während die Privatwirtschaft durch ein Euroende zerbricht.

    Ich gehöre zur Privatwirtschaft, bin nicht fein raus, und befürworte das Euroende trotzdem.
    Es geht nicht um Umsatz, Aufträge – Wohlstand, sondern darum richtig zu handeln.
    Die falschen Anreize bisher haben in der Privatwirtschaft sehr viel Schaden angerichtet (Preisfindung unmöglich) und falls es dabei bleibt sehe ich dieselbe Katastrophe, wie bei einem Euroende sofort.

    Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich zukünftige Generationen weigern die Schulden aus Fehlern der Vergangenheit zu zahlen. Auch hier gestaltet man besser jetzt freiwillig, als später durch Zwang.
    Die „gute“ Zeit hatten „wir“ jetzt.

    Antworten
    • Michael Stöcker sagte:

      „Ob das Bürgergeld dem nationalen oder europäischen BSP zugute kommt oder global versickert, ist offen.“

      Wieso versickert? Euroland hat seit der Finanzkrise einen LB-Überschuss. Das Geld „versickert“ also zur Zeit in Euroland.

      „Wird das Geld ohne Gegenbuchung verschenkt, steigen die Preise um die Geldentwertung – sofort -.“

      Das ist die naive Variante der Quantitätstheorie, an die wohl selbst Friedman heute nicht mehr glauben würde. Gilt zudem wohl nur bei weltweit voll ausgelasteten Kapazitäten bei vollständiger Verausgabung (zu Recht stellen Sie die Frage nach der vollständigen konsumtiven Verwendung). Davon ist weit und breit nichts zu sehen.

      Und selbstverständlich gibt es immer eine Gegenbuchung. Auf der Aktivseite verbucht die EZB eine ewige Staatsanleihe/Bürgeranleihe/Schuld mit einem Zinssatz von Null Prozent. Ein höherer Zinssatz macht keinen Sinn, da die Zinsen via linke Tasche/rechte Tasche wieder dem Haushalt zugeführt würden.

      „Es geht nicht um Umsatz, Aufträge – Wohlstand, sondern darum richtig zu handeln.“

      Ja, darum geht es mir auch. Ich komme allerdings zu einer anderen Einschätzung. Sie plädieren für eine schnelle Abwicklung. Ich halte die Einführung des Euro zwar ebenfalls für einen schweren Fehler, die Abwicklung allerdings für einen noch größeren.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Alexander sagte:

        @ Michael Stöcker
        >Wieso versickert? Euroland hat seit der Finanzkrise einen LB-Überschuss. Das Geld „versickert“ also zur Zeit in Euroland.

        Das Problem beim Versickern ist immer, dass man nicht kontrollieren kann wohin. Sie wollen schließlich alle Sektoren „durchströmen“, damit möglichst wenig verschenktes Geld möglichst viel Wirkung erzielt.
        Möglichst viel Wirkung erzielt Geld wenn es erst am Ende durch Rentner, Arbeitslose, Hilflose verspeist wird und zuvor als Investition Arbeit schuf. Leider gehören zum Investieren immer Unternehmer, die anteilig Eigentum verpfänden müssen… Eigentum verpfänden alle freiwillig in einem Schenkgeldsystem?
        Ohne Unternehmer und ihre Angst um blödes Eigentum, riskieren alle alles…. dem Moral hazard setzt nichts Grenzen.

        Selbstverständlich kaufen unsere Geldmittel auch dann in voller „Härte“ Rohstoffe ein, wenn wir auf der Gegenseite der Buchung Bürgeranleihen zu Null Prozent schreiben. Wenn ein Schwellenland/shithole das nicht macht, senden wir einfach zwei Flugzeugträgergruppen und demokratisieren? …ah, das ist eine andere Geschichte…..funktioniert aber genau so.

        Mich freuen Wertungen wie „naiv“ immer! Danke Herr Stöcker.

  10. Dietmar Tischer sagte:

    @ Alexander

    Ihre Anmerkungen zum „Bürgergeld“ entlarven das Projekt.

    Es basiert auf der felsenfesten Überzeugung, dass fehlende Nachfrage das Problem ist und daher will man mehr Nachfrage generieren – durch Geldgeschenke an die Bürger.

    Was die damit machen, ob überhaupt, wo und für was Nachfrage entstehen würde, weiß man nicht.

    Man will es offensichtlich auch nicht so genau wissen – denn es SCHAFFT angeblich Nachfrage.

    Abgesehen davon:

    >einzigen gangbaren Weg die Einführung eines zentralbankfinanzierten Bürgergeldes in Höhe von 2 bis 3 Prozent des BIP.>

    Es ist weder der einzig gangbare Weg, noch ist es einer, der risikolos beschritten werden kann. Das gilt zwar für alle Wege, dieser hier ist aber BESONDERS risikobehaftet, weil damit unbekanntes Neuland betreten wird.

    Er würde zwar für eine Zeitlang das Fortkommen ermöglichen, aber zu keiner wirklichen Lösung der Probleme führen. Denn dieses Geldmodell VERHINDERT die erforderlichen Anpassungslösungen, die nur durch REALWIRTSCHAFTLICH wirkende Strukturreformen und Umorientierung auf der Angebotsseite zu schaffen sind. Macron versucht genau das in Frankreich: Reform des Arbeitsmarktes etc.

    Da die Vergangenheit mit dem Bürgergeld + nicht realisierbarer Umverteilungshoffnungen nur fortgeschrieben wird, haben Sie völlig recht, wenn Sie sagen:

    >Es ist nur eine Frage der Zeit, bis sich zukünftige Generationen weigern die Schulden aus Fehlern der Vergangenheit zu zahlen. Auch hier gestaltet man besser jetzt freiwillig, als später durch Zwang.
    Die „gute“ Zeit hatten „wir“ jetzt.>

    GESTALTEN – nicht das Ungestaltete ANDERS finanzieren, ist das Gebot der Stunde.

    Antworten
    • Michael Stöcker sagte:

      „Es basiert auf der felsenfesten Überzeugung, dass fehlende Nachfrage das Problem ist und daher will man mehr Nachfrage generieren – durch Geldgeschenke an die Bürger.“

      Es basiert PRIMÄR auf der felsenfesten Überzeugung, dass wir ein Verschuldungsproblem haben, das das Gesamtsystem destabilisieren kann/wird.

      „Was die damit machen, ob überhaupt, wo und für was Nachfrage entstehen würde, weiß man nicht.“

      Ja, darüber kann man nur Vermutungen äußern. Probieren geht auch hier über studieren. In jedem Fall steigt aber die Stabilität des Bankensektors aufgrund eines Rückgangs bei den NPLs.

      „Es ist weder der einzig gangbare Weg, noch ist es einer, der risikolos beschritten werden kann. Das gilt zwar für alle Wege, dieser hier ist aber BESONDERS risikobehaftet, weil damit unbekanntes Neuland betreten wird.“

      Ja, es geht um Risikoabwägung. BESONDERS risikobehaftet ist hierbei natürlich gar nichts. Monetäre Staatsfinanzierung hat es schon immer gegeben: Kleine Menge, kleine inflationäre Wirkung (Italien 1960 – 1990, USA WKII sowie Vietnamkrieg) große Menge, große Wirkung (Simbabwe). So werden Schulden auch zusätzlich via Inflationssteuer reduziert.

      „Er würde zwar für eine Zeitlang das Fortkommen ermöglichen, aber zu keiner wirklichen Lösung der Probleme führen. Denn dieses Geldmodell VERHINDERT die erforderlichen Anpassungslösungen, die nur durch REALWIRTSCHAFTLICH wirkende Strukturreformen und Umorientierung auf der Angebotsseite zu schaffen sind.“

      Ohne VORHERIGE Lösung der monetären Krise wird es zu keinen wünschenswerten Anpassungen in der Realwirtschaft kommen. Und langfristig wirkt IMMER der Matthäus-Effekt. Von daher hat Dirk Müller in diesem Punkt völlig recht: https://youtu.be/WquLEzia92I?t=168

      Ein zentralbankfinanziertes Bürgergeld ist ein permanenter institutionalisierter Umverteilungsmechanismus, der dem Matthäus-Effekt entgegen wirkt. Dabei geht es nicht um Milch und Honig für alle, sondern um die Bewahrung eines friedlichen Zusammenlebens in Europa.

      LG Michael Stöcker

      Antworten
      • Dietmar Tischer sagte:

        @ Michael Stöcker

        >Ohne VORHERIGE Lösung der monetären Krise wird es zu keinen wünschenswerten Anpassungen in der Realwirtschaft kommen.>

        Da widerspreche ich nicht.

        Mein Argument hat damit aber nichts zu tun.

        Denn ich habe gesagt:

        Denn die Lösung der monetären Krise, wie Sie sich sie vorstellen, VERHINDERT die erforderlichen Anpassungslösungen.

        Dagegen müssen Sie argumentieren, wenn Sie gegen mich argumentieren wollen.

        Aber das hatten wir schon.

        Sie glauben an Begrenzungsmechanismen, ich nicht mit der BEGRÜNDUNG, dass Helikoptergeld/Bürgergeld so SCHMERZOLS billig verfügbar ist, dass es keine Begrenzungsmechanismen geben wird.

        >BESONDERS risikobehaftet ist hierbei natürlich gar nichts.>

        Ihr Vordenker A. Turner sieht das ganz anders.

        Deshalb kann und muss man ihn auch ernst nehmen.

  11. prestele sagte:

    Sehr geehrter Herr Dr. Stelter,
    Ihrem Foristen Pfister bieten Sie einen breiten Raum, um die Vorwürfe des Gebrauchs von Nazi-Jargons in dem Beitrag von Bassam Tibi zu erwidern. Ein Text , für dessen Inhalt sie keine Autorenschaft beanspruchen aber von dem Sie sich auch nicht distanzieren
    Allerdings geht es bei dem Kommentar zum Beitrag von Herrn Tibi keineswegs um dessen Einordnung in ein zunehmend inhaltsleeres Rechts-Links Schema.
    Vielmehr geht es, der Warnung Max Webers vor Katheder-Propheten folgend, um die Frage, ob ein Diskurs nach demokratisch- wissenschaftlichen Kriterien erfolgt – ein Anspruch den Tibi stets erhoben hat und der wohl auch für diesen blog gelten sollte, oder ob im Sinne der Weber’schen Warnung Polemik und demagogische Meinungsmanipulation in den Diskurs Einzug halten.
    Als ‚pars pro toto‘ sei noch einmal betont, dass die Entscheidungen demokratisch legitimierter Politiker – noch dazu der eher rechten CDU, wie den Herren Schäuble und de Maizière – im Rahmen der Islamkonferenz den Dialog mit den Deutschland lebenden Muslime und deren Verbände zu suchen, als „Kapitulation“ vor dem Islam zu bezeichnen, nicht in ein rechts-links Schema einzuordnen sondern reine Polemik und Demagogie ist . Wenn dann der Verweis auf Ähnlichkeiten mit dem Nazi-Jargon stört, so lässt sich diese Kritik mit dem Verweis auf die Dolchstoßlegende unseligen Angedenkens vergleichen, mit der ebenfalls demokratisch gewählte Politiker diffamiert wurden.
    Fazit: Dem Foristen ist vorzuwerfen, dass er philosophisch einem Kategorienfehler unterlegen ist, oder, einfacher ausgedrückt, das Thema verfehlt hat.

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