Tiefe Zinsen aus Angst vor Katastrophen?

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Weltweit liegen die Zinsen auf historischen Tiefstständen. Beispiel Holland:

Alles nur die Folge der Geldpolitik, wie auch die FT vermutet?

Die Vorstellung, dass ultraniedrige Zinsen lediglich das Symptom einer gestörten Nachfrage oder einer Finanzrepression seien, ist eine gefährliche Vereinfachung meint Kenneth Rogoff in einem Beitrag für FINANZ und WIRTSCHAFT:

  • „So geht etwa die Theorie der säkularen Stagnation davon aus, dass die niedrigen Zinsen die wahre Geschichte erzählen. Die Weltwirtschaft leide unter einem chronischen Nachfragemangel, der sich durch eine nachhaltige Erhöhung der Staatsausgaben überwinden lasse.“
  • „Eine andere mögliche Erklärung für die niedrigen Zinsen ist die Finanzrepression. Die Europäische Zentralbank und die Bank von Japan kaufen derzeit – wie das US Federal Reserve vor ihnen – in grossem Umfang Anleihen auf. Zugleich zwingt eine Vielzahl neuer Regulierungsvorschriften zur Förderung der Finanzstabilität Banken, Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften, ihre Bestände an Staatsanleihen aufzustocken. Daher spiegelten, so diese Theorie, die derzeitigen niedrigen Zinsen eher Verzerrungen an den Finanzmärkten als niedrige Wachstumserwartungen.“
  • „Es gibt noch andere Faktoren, die zum heutigen ultraniedrigen Zinsumfeld beitragen. Die ungünstige demografische Entwicklung und der sich verlangsamende Anstieg des Angebots an Arbeitskräften in den meisten hoch entwickelten Ländern sind unbestreitbar wichtig. Rätselhaft ist allerdings, dass sich dieser Trend auf eine sehr allmähliche und vorhersehbare Weise entfaltet hat, während der Zinsrückgang rascher und relativ unerwartet kam (…)“ ‒ bto: Und es gibt andere Studien, die in der Demografie einen entscheidenden Grund für künftig steigende Zinsen sehen.
  • „Merkwürdigerweise scheinen das erhöhte Risiko und die Befürchtung neuerlicher Marktstörungen – nicht nur einer erneuten Finanzkrise, sondern auch geopolitischer Instabilität und Pandemien – in der aktuellen politischen Diskussion kein besonderes Gewicht einzunehmen, obwohl die Idee nicht neu ist.“
  • „Auch wenn Anleihen kein ideales Instrument zur Absicherung gegen derartige Risiken sind, sind sie Aktien (ausser vielleicht in Fällen eines globalen Flächenbrands, bei dem beide übel abschneiden) in der Regel überlegen. Eine aktuelle Untersuchung von Carmen und Vincent Reinhart und mir zeigt, dass selbst relativ geringfügige Veränderungen des Katastrophenrisikos – etwa ein Anstieg von normalerweise 2 bis 3 auf 3 bis 4% – einen massiven Rückgang der weltweiten Realzinsen verursachen können und sie sogar auf deutlich negatives Gelände führen können. “ ‒ bto: deshalb auch der Portfoliogedanke in Teil 7 von „Was tun mit dem Geld?“
  • „Die Vorstellung, dass ultraniedrige Zinsen lediglich das Symptom einer gestörten Nachfrage oder einer Finanzrepression seien, ist eine gefährliche Vereinfachung. Gesteigerte öffentliche Ängste vor dem Risiko einer künftigen Wirtschaftskatastrophe spielen im Gefolge der Finanzkrise mit Sicherheit nach wie vor eine wichtige Rolle, die durch die anhaltende Fragilität in der Eurozone und die zunehmende Instabilität in den Schwellenmärkten noch verstärkt wird. Dies macht die Öffentlichkeit verständlicherweise vorsichtiger.“

FINANZ und WIRTSCHAFT: Die Abkoppelung von Aktien und Anleihen, 17. März 2015

Die Abbildung stammt von hier:

FT (Anmeldung erforderlich): Four financial questions for foamy markets, 3. April 2015

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