Soziale Ungleichheit muss doch ein Problem sein!

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Immer wieder wird versucht zu begründen, was eigentlich nicht zu begründen ist: eine weitere Ausweitung des Sozialstaats und der Umverteilung unter lauten „Ungerecht!“-Rufen. Marcel Fratzscher vom DIW ist ganz vorne dabei, was ich an dieser Stelle mehrfach kritisch hinterfragt habe. Seit er mich bei Twitter geblockt hat, verfolge ich seine Ausführungen allerdings weniger – was natürlich auch zu dem von ihm gewünschten Effekt führt, dass ich ihn weniger kritisiere. Hier nun doch eine Zusammenfassung eines seiner Kommentare in der ZEIT, wo er erneut die soziale Schieflage bedauert und als Ursache für den Aufstieg der AfD identifiziert:

  • „Selten waren so viele Deutsche mit ihrem persönlichen Leben so zufrieden wie heute. Erstaunlicherweise sind gleichzeitig aber sehr viele Deutsche unzufrieden mit der sozialen Ungleichheit und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt im Land. Wie kommt es zu diesem vermeintlichen Widerspruch?“ – bto: Übrigens taucht der Punkt nicht oben auf der Liste der Probleme auf, die die Deutschen in Umfragen nennen. Dort stehen Terrorismus, innere Sicherheit und Migration ganz oben auf der Liste. Aber egal, man kann es ja dennoch behaupten.
  • „In den Umfragen (…) geben die meisten der rund 30.000 Befragten an, derzeit recht zufrieden mit ihrem Einkommen zu sein. Auf einer Skala von 0 bis 10 (von sehr unzufrieden bis sehr zufrieden) liegt der Durchschnittswert bei 6,80 für das eigene Haushaltseinkommen. Interessant ist jedoch, dass die Zufriedenheit mit der Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit in Deutschland‘ deutlich niedriger ist, sie liegt bei 4,81.“ – bto: Die Frage bleibt dennoch, ob es wirklich das drängendste Problem ist. Wenn man zudem sieht, wofür der Staat unser Geld ausgibt, kann man sich schon fragen, ob dies den Wünschen gerade dieser Menschen entspricht.
  • „Unbestritten ist, dass sich die wirtschaftliche Lage für viele Menschen in den vergangenen zehn Jahren teils deutlich verbessert hat. Aber nicht alle haben an diesem Aufschwung teilhaben können, nicht wenige wurden abgehängt. Der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung zeigt, dass die 40 Prozent der Haushalte mit den geringsten Einkommen, also mehr als 30 Millionen Deutsche, heute eine geringere Kaufkraft haben als noch vor 20 Jahren.“ – bto: Zunächst sind es nicht 30 Millionen Deutsche, sondern 30 Millionen Menschen, die hier leben. Wie immer wieder gezeigt und diskutiert, sind es vor allem Ausländer, die davon betroffen sind.
  • „Fast jede vierte alleinerziehende Mutter oder Vater und ihre Kinder sind heute von Armut bedroht, deutlich mehr noch als vor zehn oder 15 Jahren, als es Deutschland wirtschaftlich deutlich schlechter ging. Auch das steht im Armuts- und Reichtumsbericht.“ – bto: Hier würde ich immer zwei Fragen stellen: a) was ist der Anteil dieser Gruppe an der Gesamtgruppe der Armen und b) wie stark ist die Zahl Alleinerziehender gewachsen? Als solches sagt die Zahl des Anstiegs herzlich wenig aus.
  • „Es geht um die wirtschafts- und sozialpolitischen Schäden, die durch diese zunehmende Polarisierung verursacht werden. Der Wirtschaft entgeht ein enormes Potenzial, wenn Menschen sich nicht ausreichend qualifizieren und in den Arbeitsmarkt einbringen können. Sie werden von der sozialen und politischen Teilhabe ausgeschlossen, was letztlich zu Konflikten führt und das Funktionieren der Demokratie gefährdet.“ – bto: aha. Wer ist denn für Integration und Bildung zuständig? Nur der Staat bzw. die Gesellschaft oder auch der Einzelne? Kann es sein, dass Bildung, Hintergrund und kulturelle Faktoren dazu beitragen, kein gesteigertes Interesse an Bildung und Beruf zu haben? Vor allem, weil es den großzügigen Sozialstaat gibt, dank dem es sich auch ohne gut leben lässt?
  • Unter den AfD-Wählern sind dagegen fast 50 Prozent mit der eigenen wirtschaftlichen Lage eher unzufrieden, bei der FDP liegt dieser Wert bei lediglich 17 Prozent. Am Unzufriedensten sind dabei die Nichtwähler. Viele Menschen reagieren mit Resignation auf ihre eigene wirtschaftliche Misere statt mit mehr Engagement, andere wählen extreme Parteien.“ – bto: Es gibt allerdings auch Studien, die zeigen, dass die Wähler der AfD ziemlich genau dem Querschnitt der Bevölkerung entsprechen. Der Akademiker-Anteil soll gar etwas höher liegen.
  • Viele Studien zeigen, dass sich die Deutschen zunehmend Sorgen um ihre Zukunft machen. Werde ich meinen Lebensstandard halten können? Reicht die Rente noch? Wird es meinen Kindern einmal besser gehen? Die nicht unberechtigte Wahrnehmung vieler ist: Wir leben in goldenen Jahren, die nicht ewig anhalten werden. Denn Deutschland altert, viele Fachkräfte werden in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen und immer weniger junge Menschen müssen immer mehr Inaktive mitversorgen.“ – bto: Ja, da hat Fratzscher recht. Und vor allem fragen sie sich, wie diese Jungen zusätzlich noch für jene aufkommen, die im Arbeitsmarkt nicht integriert werden können oder nicht integriert werden wollen. Diese Zahl steigt derzeit bekanntlich rasant.
  • Solidarität und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind den Menschen in Deutschland wichtig. Die große Mehrheit will Chancengleichheit, Solidarität und einen gesellschaftlichen Ausgleich.“ – bto: weshalb die Antwort immer mehr Umverteilung sein wird, was die Leistungsbereiten aus dem Land treiben wird.

So wird die Geschichte der sozialen Ungleichheit fortgesetzt werden, ohne natürlich die Ursachen beim Namen zu nennen. Dass Fratzscher selbst die Erhöhung der Ungleichheit in Deutschland mit (schon damals als falsch und leicht zu entlarvenden) Jubelrechnungen zur Folge der Migrationsbewegung des Jahres 2015 befördert hat, verschweigt er gerne. Dabei wäre das doch mal ein gutes Thema für eine selbstkritische Kolumne, verbunden mit einer Entschuldigung bei Medien und Öffentlichkeit.

ZEIT ONLINE: „Gefangen am unteren Rand“, 18. August 2017

18 Antworten
  1. MFK says:

    Das ganze erinnert an den Skandal um die Kinderarmutsquote. Diese wurde (vor der BT Wahl) 2009 vom DIW mit über 16% berechnet. Diese Berechnung war jedoch falsch. Machten Befragte keine Angaben zum Einkommen, wurde dieses vom DIW kurzerhand mit 0 EURO angesetzt. Später (nach der BT Wahl) korrigierte das DIW die Quote auf 10%.

    Das DIW wird übrigens zu 50% vom Land Berlin und dem Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit finanziert.

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  2. Alexander says:

    Wenn fehlende Bildung das größte Armutsrisiko für Menschen mit (islamischem)Migrationshintergrund ist und der Sozialtransfer die Attraktion –
    Ist Trennung/Scheidung das größte Armutsrisiko für Indigene, denn aus prekären Einkommensverhältnissen werden dadurch katastrophale.

    Auch das wäre politische Aufgabe, aber weniger quantitative mit Kinderhorten und Ganztagsschule, sondern eine qualitative mit außerordentlichem Schutz für Kinder und ihre Lebensumfelder.

    Die zuletzt der Gewissensfreiheit zur Entscheidung gestellte Homoehe ist garantiert der richtige Ansatz, um auch zukünftig gesellschaftliche Institutionen der Lächerlichkeit preis zu geben.
    In demselben Atemzug, wie der Diskurshegemon mir jetzt Homophobie anlastet, verteidigt dieselbe Idiotie arabische Großfamilien und ihre archaischen Traditionen, d.h. ich bin islamophob.

    Was Kinder, Jugendliche und Heranwachsende brauchen ist Schutz vor Gesellschaftsklemptnern und ihren Utopien. Dann klappt es auch mit der Demographie, relativem Wohlstand und der Rente….?

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  3. Dietmar Tischer says:

    >„In den Umfragen (…) geben die meisten der rund 30.000 Befragten an, derzeit recht zufrieden mit ihrem Einkommen zu sein. Auf einer Skala von 0 bis 10 (von sehr unzufrieden bis sehr zufrieden) liegt der Durchschnittswert bei 6,80 für das eigene Haushaltseinkommen. Interessant ist jedoch, dass die Zufriedenheit mit der ‚Verwirklichung sozialer Gerechtigkeit in Deutschland‘ deutlich niedriger ist, sie liegt bei 4,81.“>

    Interessant ist vieles.

    ENTSCHEIDEND ist das Kriterium, das für die Menschen MASSGEBEND ist, wenn sie Handlungsalternativen haben wie z. B. bei der Bundestagswahl.

    Da ist das „mein Einkommen“ eben häufiger als „soziale Gerechtigkeit“ das Kriterium, da nach Lage der Dinge „soziale Gerechtigkeit“ für die allermeisten Gerechtigkeit für die ANDEREN ist, was in aller Regel höhere Abzüge bedeutet und damit weniger Netto-Einkommen für sich selbst.

    So einfach ist das.

    Und so einfach erklärt sich auch, warum der Kandidat Schulz und die SPD am Sonntag nach der ersten Hochrechnung einmal mehr nach Luft schnappen werden, OBWOHL sie unter Federführung von Nahles und mit Duldung der Kanzlerin die Sozialkosten schneller als das BIP haben wachsen lassen.

    >„Solidarität und gesellschaftlicher Zusammenhalt sind den Menschen in Deutschland wichtig. Die große Mehrheit will Chancengleichheit, Solidarität und einen gesellschaftlichen Ausgleich.“>

    Selbstverständlich will das die große Mehrheit – aber nur solange, wie sie dafür nicht noch MEHR als gegenwärtig zur Kasse gebeten wird.

    >Es geht um die wirtschafts- und sozialpolitischen Schäden, die durch diese zunehmende Polarisierung verursacht werden … was letztlich zu Konflikten führt und das Funktionieren der Demokratie gefährdet.>

    Zu fragen wäre, WODURCH die Polarisierung der Gesellschaft MEHR beschleunigt wird:

    Wird sie es durch mehr UMVERTEILUNG oder mehr INVESTITIONEN?

    Das ist die Frage, die Fratzscher nicht stellt, weil sie seine Agenda zerstören würde.

    Für die Antwort braucht man allerdings keinen Fratzscher.

    Wenn die Sozialkosten BEREITS mehr steigen als das BIP steigt (steigende Sozialleistungsquote) gilt:

    Bei Fortschreibung des Sachverhalts wird die Differenz immer größer und sie muss letztlich durch immer MEHR Umverteilung ausgeglichen werden.

    Dies beschleunigt die Polarisierung der Gesellschaft.

    Das ist so, weil die die Umverteilung bei diesem Sachverhalt immer weniger aus dem Wachstum, d. h. aus ZUSÄTZLICHEM Volkseinkommen finanziert werden würde, sondern mehr und mehr aus VERMÖGEN, wenn die bereits polarisierende Umverteilung aus (oberem) Einkommen nicht mehr zunehmen kann.

    Die Polarisierung steigt also – allerdings die „oben“.

    Fratzschers Kolume müsste wegen gestiegener und bei steigender Umverteilung den Titel tragen:

    „Gefangen am oberen Rand“

    Hier ein Link zum Wachstum von Sozialkosten und BIP:

    https://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2017/07/31/sozialausgaben-deutschland-2016-deutlich-gestiegen/

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  4. SB says:

    „Wir leben in goldenen Jahren, die nicht ewig anhalten werden.“

    Wenn ich schon wieder dieses „wir“ lese und damit diese typisch sozialistische Anmaßung und Vereinnahmung der Allgemeinheit für die Interessen des Establishments, wird mir ganz schlecht.

    Fratzscher wirft aber mit seiner – wenn auch undifferenzierten – Feststellung von wachsender sozialer Ungleichheit (wohl ungewollt) eine wichtige Frage auf: Was hat das (Einheits-) Parteien-Kartell, dass die Politik mit den im Wesentlichen gleichen Inhalten in den letzten Jahrzehnten einvernehmlich gestaltet und im Griff gehabt hat, in dieser Zeit eigentlich gemacht?

    Seine Kritik richtet sich im Grunde gegen die, denen er zusprechen will. Die Mehrzahl der Wähler scheint sich diese Frage freilich – aufgrund ihres kurzen Gedächtnisses – nicht zu stellen. Den Beweis hierfür wird der nächste Sonntag bringen.

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >„Wir leben in goldenen Jahren, die nicht ewig anhalten werden.“
      Wenn ich schon wieder dieses „wir“ lese und damit diese typisch sozialistische Anmaßung und Vereinnahmung der Allgemeinheit für die Interessen des Establishments, wird mir ganz schlecht.>
      Ich habe es nicht gelesen.

      Wer hat das hier gesagt?

      Egal, Sie werden aber doch wohl zugestehen wollen, dass ALLE von den goldenen Jahren profitieren, auch diejenigen, die in absoluten Beträgen nicht MEHR Einkommen erzielen oder GRÖSSERE Transfers erhalten.

      Es kann ja schließlich sein, dass auch mal weniger aufs Konto kommt oder Leistungen abgebaut werden, wenn die Steuern nicht mehr so schön sprudeln und sei es auch nur RELATIV, d. h. Steigerungen wie in den goldenen Jahren nicht mehr realisierbar sind.

      Kurzum:

      Wenn die goldenen Jahre vorbei sind, stellen sich direkt oder indirekt praktisch alle schlechter.

      Ihre Fixierung aufs Establishment verstellt die Sicht auf die Realität.

      >Was hat das (Einheits-) Parteien-Kartell, dass die Politik mit den im Wesentlichen gleichen Inhalten in den letzten Jahrzehnten einvernehmlich gestaltet und im Griff gehabt hat, in dieser Zeit eigentlich gemacht?>

      Das kann ich Ihnen sagen:

      Es hat MEHR umverteilt.

      An erster Stelle ist der Aufbau Ost zu nennen, der die gigantische Summe von ca. 2 Billionen DM gekostet hat und wovon die Westdeutschen ca. 1,5 Billionen DM bezahlt haben.

      Dafür können sich Merkel & Co. nicht dort blicken lassen, ohne dass ihnen Hass entgegenschlägt.

      Sie haben die falsche Frage gestellt.

      Die richtige, besser: relevante lautet:

      >Was hat das (Einheits-) Parteien-Kartell, dass die Politik mit den im Wesentlichen gleichen Inhalten in den letzten Jahrzehnten einvernehmlich gestaltet und im Griff gehabt hat, in dieser Zeit eigentlich NICHT gemacht?>

      Es hat die Ansprüche und Erwartungen bestimmter Bevölkerungsgruppen nicht hinreichend beachtet.

      Deshalb schneiden sie vermutlich schlechter als zuvor bei der Wahl ab und eine neue Partie wird wahrscheinlich mit zweistelliger Prozentzahl in den BT einziehen.

      Dabei wird man zur Kenntnis nehmen müssen, dass diese Partei sich sowohl aus der Mitte, also ehemaligen Kartell-Wählern, wie auch bisher nicht Wählenden speist.

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      • SB says:

        „Das kann ich Ihnen sagen: Es hat MEHR umverteilt.“

        Das mehr umverteilt wurde, ist unbestritten. Nur dass alleine durch immer mehr Umverteilung noch nichts besser wird, wie man allenthalben sehen kann. Man kann die Menschen damit vielleicht eine Weile ruhigstellen. Irgendwann stellt sich dann aber die Frage, welchen Sinn die ganze Umverteilung eigentlich gemacht hat.

        Eine Anmerkung zu den Transfers in den Osten: Es mag sein, dass der Westen 2 Billionen in den Osten umverteilt hat. Allerdings wurde damit nicht die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Ostens gesteigert, sondern ein neuer Absatzmarkt für die eigenen Produkte geschaffen. Bevor Sie mir widersprechen: Schauen Sie in die Regale der Super-, Bau- uns sonstigen Märkte und schauen Sie, welche Autos auf der Straße fahren. Nur ein kleiner Teil davon wird im Osten hergestellt. Das will ich auch nicht verteufeln. Trotzdem ist es ein Fakt. Der Ausbau bzw. die Erhaltung von Arbeitsplätzen im Westen, wurde somit mit hohen Transferzahlungen in den Osten bezahlt – selbstverständlich zum großen Teil auf Pump. Irgendwie erinnert mich das, was insofern im nationalen Rahmen gelaufen ist und auch noch läuft, stark an die aktuelle Problematik der Target II-Salden, die den gleichen Mechanismus – nun allerdings im europäischen Rahmen – zum Ausdruck bringt.

        „Dafür können sich Merkel & Co. nicht dort blicken lassen, ohne dass ihnen Hass entgegenschlägt.“

        Diese Entwicklung hat ihre Ursache ganz sicher nicht in den Transferzahlungen in den Osten, sondern im Demokratie- und Rechtsstaatsverständnis von Merkel & Co., das auf dem Niveau von Honecker & Mielke liegt. Viele Ostdeutsche sind insoweit aus historischen Gründen um einiges sensibler, als die geistig in der großen Mehrzahl (zum Glück nicht alle!) noch in der Brot und Spiele-Phase verharrenden Westdeutschen, die an den ewigen kreditfinanzierten Wohlstand und Wohlfahrtsstaat glauben. Im Übrigen wird Merkel inzwischen nicht mehr nur im Osten ausgepfiffen. Die gleiche Erfahrung macht sie inzwischen auch vielerorts im Westen. Überdies war das nicht immer so, sondern ist eine ganz aktuelle Erscheinung. Die Ursache hierfür liegt in der von Merkel eigenmächtig herbeigeführten Migrationskrise, im Zuge derer nunmehr zahlreich Menschen am Sozialstaat teilhaben, die zum einen unter Berücksichtigung des geltenden Rechts nur zum allergeringsten Teil asylberechtigt sind und die deshalb rechtsgrundlos Leistungen genießen, die kein Einheimischer in diesem Umfang erhält (die Kosten wurden hier im Blog benannt). Das ist der wesentliche Demokratie- und Rechtsbruch, der zu aktuellen Stimmungslage im gesamten Lande geführt hat. Hinzu addieren sich die vorhergehenden eklatanten Rechtsbrüche, die Merkel im Zuge der Euro“rettung“ und der sogenannten Energiewende zu verantworten hat. Beide Rechtsbrüche haben übrigens ebenfalls gigantische Umverteilungsmechanismen ausgelöst, welche viele Menschen im Lande nicht zu ihrem Vorteil sehen.

      • Dietmar Tischer says:

        @ SB

        Ich will hier keine neues Fass aufmachen, nur so viel sagen:

        >Transfers in den Osten … Allerdings wurde damit nicht die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Ostens gesteigert, sondern ein neuer Absatzmarkt für die eigenen Produkte geschaffen.>

        Das ist so nicht richtig.

        Selbstverständlich wurde mit den Transfers die wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit des Ostens gesteigert.

        Eine gute Infrastruktur ist notwendig, aber eben nicht hinreichend für Wettbewerbsfähigkeit.

        Richtig ist, dass ein neuer Markt für die eigenen Produkte geschaffen wurde.

        Richtig ist ferner, dass Westdeutschland nahezu die gesamte ostdeutsche Bevölkerung hinsichtlich seiner Produktionskapazitäten hätte mitversorgen können.

        Wo Kapazitäten ausgeweitet wurden, geschah dies im billigeren Osteuropa – und es geschieht weiterhin.

        Ostdeutschland ist keine Konzernheimat.

        Das ist bis heute ein Riesennachteil, kann aber ein relativer Vorteil werden, wenn in Westdeutschland das produzierende Gewerbe weiter abbaut.

        Stahlarbeiterproteste wie heute in Bochum wird es in Ostdeutschland jedenfalls nicht geben.

        >Rechtsstaatsverständnis von Merkel & Co., das auf dem Niveau von Honecker & Mielke liegt.>

        Hören Sie mit diesem Unsinn auf, Sie disqualifizieren Sich damit schon wieder für eine ernsthafte Diskussion.

      • SB says:

        Finden Sie es nicht anmaßend, dass Sie darüber entscheiden, wer für eine Diskussion qualifiziert ist und wer nicht? Nichts für ungut…

        Dann nehmen Sie doch bitte einmal Stellung zum Demokratie- und Rechtsstaatsverständnis von Merkel & Co. Stellt der permanente Rechtsbruch, noch dazu in wesentlichen Bereichen das gesellschaftliche Leben betreffend, nicht nur eine grobe Missachtung des Rechtstaates dar, sondern auch eine grobe Verletzung der demokratisch getroffenen Übereinkünfte der Gesellschaft, die es durch das Recht zu schützen gilt?

      • Michael Stöcker says:

        @ SB: Große Zustimmung.

        Allerdings liegen Merkel & Co. noch eindeutig über dem Niveau von Honecker & Mielke. Insofern hat Herr Tischer in diesem Punkt nicht ganz unrecht. Aber es gibt eine tendenziell ähnliche Realitätsverweigerung bei vielen Akteuren wie im Endstadium des Politbüros. Damals wussten oder ahnten es die meisten, während heute wohl viele von dem Unsinn auch noch überzeugt sind, den sie da so von sich geben. Und das liegt wohl überwiegend daran, dass die hohen LB-Überschüsse die potemkinschen Dörfer noch stabilisieren und wir Bestätigung für unsere unreflektierten Beobachtungen finden, wenn wir gen Süden blicken.

        LG Michael Stöcker

      • Dietmar Tischer says:

        @ SB

        Ich finde es nicht anmaßend, sondern NOTWENDIG Ihnen das zu sagen, was ich Ihnen gesagt habe.

        Es ist nicht einmal schlimm, dass Sie mein Engagement und meine Geduld missbrauchen, wenn Sie Merkel mit Honecker & Mielke vergleichen.

        Schlimm ist, dass Sie offensichtlich nicht unterscheiden wollen oder können, dass die beiden Figuren ein ausgewiesenes Unrechtsregime, das der Machterhaltung willen Menschen verfolg und deren Existenz zerstört hat, angeführt haben. Man konnte ihrer Herrschaft nicht einmal legal und ohne Lebensgefahr entkommen.

        Das geschehe auch unter Merkel – behaupten Sie.

        Es ist nicht zu fassen.

        Ich habe mich mit Frau Merkel nicht über ihr Demokratie- und Rechtsverständnis unterhalten können und kann daher nicht viel sagen.

        An ihrem Handeln gemessen kann ich grob so viel sagen:

        Ihr Demokratieverständnis ist zumindest insoweit akzeptabel wie sie akzeptiert, dass sie die Macht abgeben muss, wenn die Wahlentscheidung es verlangen würde.

        Von permanentem Rechtsbruch zu reden, ist absurd.

        Damit käme sie in diesem Land keine drei Schritte weit.

        @ Michael Stöcker

        >Allerdings liegen Merkel & Co. noch eindeutig über dem Niveau von Honecker & Mielke.>

        NOCH: Heißt das, dass über dem Niveau bald nicht mehr der Fall sein wird, weil sich Merkel & Co. dem Niveau von Honecker & Mielke annähern?

        Wenn ich nicht ganz unrecht haben soll, dann doch ein wenig.

        Wo habe ich unrecht, mit dem was ich hier zum Vergleich von Merkel und Honecker & Mielke sage?

        Sie eiern rum, hier muss man klar Stellung beziehen.

      • SB says:

        @Dietmar Tischer: „Ich habe mich mit Frau Merkel nicht über ihr Demokratie- und Rechtsverständnis unterhalten können und kann daher nicht viel sagen.“

        Ich musste mich auch nicht mit Honecker und Mielke unterhalten, um mir über deren Demokratie- und Rechtsstaatsverständnis klar zu werden. Sie sollten weniger theoretisieren und mehr auf die Fakten schauen. Und die sprechen eine klare Sprache.

        „Damit käme sie in diesem Land keine drei Schritte weit.“

        In Ihren Kommentaren offenbaren Sie Verklärung bis Realitätsverweigerung. Ich habe die wesentlichen Beispiele oben aufgezeigt. Diese Rechtsbrüche waren in dieser ungehinderten Form überhaupt nur möglich, da dieses Land in den letzten vier Jahren nicht nur defacto keinerlei Opposition auf Bundesebene mehr hatte, sondern der Teil der neuen sozialistischen Einheitspartei, der auf der Oppositionsbank saß, die gleiche Haltung zum Rechtsstaat hat, wie Merkel. Nur so konnte diese Person auch mehr als drei Schritte in Richtung Demontage des Rechtsstaates machen. Das wird sich zum Glück ab morgen wieder ändern.

  5. Christian Müller says:

    Jede Verteilung ist immer schon eine Umverteilung. Es gibt keine „natürliche“ Verteilung, auch wenn dies von Marktfundamentalisten gerne so dargestellt wird.
    Die (sozial) staatliche Umverteilung ist ein sekundäres Problem. Es ist die schlechte Lösung für die als Gegeben hingenommene Primärverteilung über Löhne, Kapitalrenten etc.
    Der Anteil der Lohneinkommen geht immer weiter zurück zugunsten der Kapitalrenteneinkommen und – ja auch! – der Sozialrenteneinkommen.
    Es müsste eine Rebellion all jener geben, die etwas sinnvolles arbeiten und erarbeiten, also der Künstler, Ingenieure, Ärzte, Wissenschaftler, Handwerker und Bauern gegen die Beamten, Banker, Juristen, Ökonomen und Rentiers aller Sorten… ;)

    Antworten
    • Dietmar Tischer says:

      >Jede Verteilung ist immer schon eine Umverteilung.>

      Das ist richtig, aber auch nichtssagend.

      >Es gibt keine „natürliche“ Verteilung, auch wenn dies von Marktfundamentalisten gerne so dargestellt wird.>

      Kommt darauf an, was Sie mit „natürlich“ meinen.

      Marktfundamentalisten würden sagen:

      Der Markt als Organisationsverfahren für Tausch generiert als Folge von Handlungspräferenzen auch eine bestimmte Verteilung.

      Die Verteilung ist weder gerecht noch ungerecht, sondern amoralisch, weil das Organisationsverfahren nicht moralisch ist.

      Moral bzw. Gerechtigkeit kann man nur Menschen zuordnen, hier also ihren Handlungspräferenzen.

      >Die (sozial) staatliche Umverteilung ist ein sekundäres Problem.>

      Das kann man nicht für JEDE staatliche Umverteilung sagen.

      Umverteilung MUSS sein, um die Stabilität der Gesellschaft zu gewährleisten.

      Die Frage ist allerdings, welche Umverteilung soll es in welchem Maß sein.

      >Es müsste eine Rebellion all jener geben …>

      Voraussetzung dafür sollte sein, dass sich die Rebellierenden VORHER klar machen, unter welchen Bedingungen – beeinflussbaren und nicht beeinflussbaren – sie „sinnvoll arbeiten“ können oder nicht können.

      Daran fehlt es durchweg, wenn in diesem Land oder sonst wo rebelliert wird.

      BLINDE Rebellion kann zwar verändern, aber nicht verbessern.

      Antworten
  6. mg says:

    Hier wird sich überwiegend gesittet gestritten. Das ist leider nicht überall so. Ich bin nun wahrlich kein regelmässiger oder begeisterter Leser der folgenden Kolumne, aber wo die Autorin recht hat, hat sie recht:
    http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/wie-wir-alles-kaputtmachen-psychopathen-hinterm-gartenzaun-kolumne-a-1169180.html

    Zum Nachdenken noch ein kleines Spiel:
    https://ncase.itch.io/wbwwb

    Haters are going to hate. Lassen Sie sich davon nicht anstecken. Im Übrigen wünsche ich Europa in den kommenden Jahren weiterhin Frieden und Wohlstand. Und ein bisschen Glück braucht es vermutlich auch.

    Antworten

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