tagesschau.de: „Digitalisiert besser durch die Krise“

Um Firmen in Corona-Zeiten geht es in einem Beitrag von Axel John auf tagesschau.de am 26.10.2020, in dem auch ich zu Wort gekommen bin.

„In der Corona-Krise kämpfen Unternehmen gegen die Folgen sinkender Umsätze und große Unsicherheit. Viele sind gefordert, neue Wege zu gehen. Digitalisierung bietet dabei große Chancen“, so wird der Beitrag eingeführt, in dessen Mittelpunkt das Unternehmen Ellenberger GmbH & Co. KG steht. Der mittelständische Betrieb produziert als Zulieferer für weltweit agierende Kunden Teile aus Guss, Metall und Aluminium, die sie für Maschinen und Motoren benötigen. Firmenchef Kai Ellenberger hat sein Unternehmen seit Jahren einem radikalen digitalen Wandel unterzogen, weil er sonst nicht mehr marktfähig gewesen wäre, wie er sagt. Inzwischen hat er sein Geschäftsmodell um digitale Geschäftsfelder erweitert und bietet anderen Maschinenbauern Unterstützung bei Automation und Digitalisierung an.

Digitalisierung in der Wirtschaft ist auch eines meiner Themen, über die ich seit Langem rede und schreibe, so auch in meinem Buch „Coronomics“. Kai Ellenberger hat es vorgemacht, wie man die Digitalisierung eines Unternehmens realisiert. Er spricht mir nicht nur aus dem Herzen, sondern es ist die Ratio, wenn er sagt, dass Digitalisierung die Arbeitsplätze nicht zerstört, sondern sie sichert. „Corona ist ein Beschleuniger der digitalen Entwicklung. Hier haben wir in der Bundesrepublik großen Nachholbedarf.“ So werde ich in diesem Beitrag unter anderem zitiert.

Den ganzen Beitrag finden Sie hier:

tagesschau.de: „Firmen in Corona-Zeiten – Digitalisiert besser durch die Krise“

Kommentare (32) HINWEIS: DIE KOMMENTARE MEINER LESERINNEN UND LESER WIDERSPIEGELN NICHT ZWANGSLÄUFIG DIE MEINUNG VON BTO.
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    Gnomae sagte:

    Der Verweis auf die Quelle „tagesschau.de“ stellt das Problem für Deutschland bildlich sehr gut dar. Die digitalisierten Roboter werden von chinesischen Firmen hergestellt (Kuka ist im Mehrheitsbesitz der Midea Group aus Foshan in China und weiter beteiligt u.a. Sumitomo Mitsui Holdings aus Tokyo). Dadurch werden natürlich Arbeitsplätze erhalten. Die soziale Frage bleibt aber, was mit denjenigen Arbeitnehmern passiert, die durch die Digitalisierung überflüssig werden. Hierfür gibt es in Deutschland kein Konzept. Gewinner sind die Firmen (Erhalt eines Teils der Arbeitsplätze) und die IT-Firmen, welche die Prozesse programmieren und dann Lizenzgebühren erhalten.

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      Richard Ott sagte:

      @Gnomae

      „Die soziale Frage bleibt aber, was mit denjenigen Arbeitnehmern passiert, die durch die Digitalisierung überflüssig werden.“

      Die gleiche soziale Frage stellte sich im 18. und 19. Jahrhundert wegen Mechanisierung und Industrialisierung, aber die Arbeit ging der Welt trotzdem nicht aus.

      Ich habe zwar Zweifel, dass jemand aus dem 19. Jahrhundert die Herstellung von beispielsweise werbefinanzierten Schminkanleitungen auf Youtube auch als „Arbeit“ angesehen hätte, aber ich bin nicht derjenige, der Leuten vorschreibt, was sie kaufen und tun wollen und was nicht.

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      Dietmar Tischer sagte:

      @ Gnomae

      >Die soziale Frage bleibt aber, was mit denjenigen Arbeitnehmern passiert, die durch die Digitalisierung überflüssig werden. Hierfür gibt es in Deutschland kein Konzept.>

      Wenn man genau hinsieht, gibt es tatsächlich KEIN Konzept.

      Es gibt aber MÖGLICHKEITEN und MASSNAHMEN, die ein Konzept überflüssig erscheinen lassen:

      Arbeitsaufnahme in schlecht bezahlten Dienstleistungsbranchen, staatlich organisierte BS-Jobs, Alimentierung durch den Staat, so dass diese Menschen im Arbeitsmarkt nicht mehr auftauchen (müssen).

      Das alles funktioniert, man muss es nur zur Kenntnis nehmen.

      Tendenziell destabilisiert es aber auch die Gesellschaft.

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      Thomas M. sagte:

      Arbeit lässt sich beliebig schaffen. Sogar mit Hebeleffekten.

      Durch Dokumentation!

      Sie ahnen gar nicht, welchen Mumpitz B2B-Kunden so dokumentieren wollen und müssen. Tendenz steigend. Und das mit jedem Dienstleister. Eine kleine Gesetzesnovelle > ein neuer Job beim Konzern > 10 neue Jobs bei 100 Zulieferern. Skala nach oben offen, wenn man erst einmal anfängt, jeden Arbeitsschritt mit Blick auf Soziales, Umwelt, Datensicherheit und was es sonst noch so gibt zu dokumentieren.

      Unsere Vorfahren hätten auch hierzu ungläubig gestaunt: Das ist moderne Arbeit?

      Im Vergleich zu Dokumentationen (präziser: die Kategorie, die archiviert, 1x jährlich aktualisiert und nie wieder angeguckt wird) ist jeder Influencer mit Schminkanleitung ultra-produktiv. Da sieht man wenigstens die Früchte der Arbeit auch mal.

      Und wer jetzt kritisch fragt: Wieso denn Mumpitz? Ich hab hierzu eine Heuristik. Mumpitz ist’s, wenn man es weglässt und es keinem auffällt und das Fehlen sich nicht negativ auf irgend etwas auswirkt.

      Wir sind hier übrigens teilweise schon in der 1. Ableitung: Dokumentationen, wie dokumentiert wird.

      Passend hierzu „Das Haus das Verrückte macht“.
      https://www.youtube.com/watch?v=wAoUNTRFgvM

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Thomas M.

        Dokumentation – das ist natürlich ein lohnendes Feld für intelligent verschleiernde Produktivitätsminderung nicht nur in der privaten Wirtschaft.

        Ich wunder mich ja schon, was jeden Corona-Tag für ganz Deutschland zahlengenau ermittelt wird.

        Das ist BELIEBIG skalierbar und wie Sie richtig sagen, auch mit Ableitungen.

        Ihre Definition vom Mumpitz hat, glaube ich, keine große Chance.

        Man muss in Berlin und anderswo nur die Gesetzesmaschine anwerfen und das, was dabei rauskommt mit durchsetzbaren Sanktionen befrachten, dann ist es vorbei mit Spielerei und Mumpitz.

        Es MUSS sein:

        Denn wer dazu verdammt ist, „Gerechtigkeit“ herzustellen, ob z. B. bei Bekämpfungsmaßnahmen von Covid-19 und der Belegung von Intensivbetten, braucht Fakten, Fakten, Fakten.

        Und an die Öffentlichkeit denken – sich nicht bei Fakten- oder Verfahrensfehlern erwischen lassen, das kann Zustimmungswert in den Umfragen kosten.

        Verantwortung in diesem Land zu haben ist wahrlich kein Zuckerschlecken, auch wenn sich viele danach drängen ;-)

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        Thomas M. sagte:

        @Hr. Tischer

        >Ihre Definition vom Mumpitz hat, glaube ich, keine große Chance.

        Ich fürchte auch :-)

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    foxxly sagte:

    @SFR 13:23
    trotz der guten begründungen, – es sind große probleme, welche zudem fast täglich größer werden. aber irgenwie ist alles gut. oder doch nicht? aber so kann das auch wieder nicht sagen. also alles anders?

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  3. Avatar
    Dietmar Tischer sagte:

    Digitalisiert besser durch die Krise?

    Stimmt – durch JEDE Krise.

    Denn im Renditewettbewerb senkt die Digitalisierung ganz entscheidend Kosten.

    Und das mit einem POSITIVEN Aspekt:

    Wenn, wie im Firmenbeispiel Ellenberger „prozesssicherer und produktiver“ 22 Facharbeiter beschäftigt werden, dann ist das POSITIV, weil sie einen Arbeitsplatz haben, den sie ohne Digitalisierung nicht hätten.

    Sie hätten ihn nicht mehr, weil es die Firma nicht mehr gäbe.

    Daher ist die Aussage von Inhaber Ellenberger RICHTIG:

    >Die Digitalisierung zerstört nicht Arbeitsplätze, sondern sichert sie“,>

    >Stelter sieht das ähnlich: „Wir stehen auch vor einer massiven Alterung und einem damit verbundenen Rückgang der Erwerbsbevölkerung. Das ist durch Zuwanderung zahlenmäßig gar nicht zu schaffen. Jede Automatisierung ersetzt jemanden, der in Rente geht. Da müssten wir doch eigentlich ‚Hurra‘ schreien!“>

    Nur eigentlich.

    Denn folgendes PROBLEM wird von Ellenberger und Dr. Stelter AUSGEBLENDET:

    a) ANDERS als die vorherigen industriellen Revolutionen, etwa die Massenmobilität durch das Automobil, werden durch die Digitalisierung NICHT genügend Arbeitsplätze geschaffen und gesichert

    und

    b) selbst wenn durch Digitalisierung immer MEHR Arbeitsplätze geschaffen würden, können sie hierzulande NICHT besetzt werden.

    Denn zu WENIGE Menschen sind befähigt, digital PRODUKTIV tätig zu sein. Hasso Plattner von SAP spricht von nur 30% und sieht Massenarbeitslosigkeit voraus.

    Es wird sie nicht geben, weil dies die Gesellschaft destabilisieren würde.

    Massenarbeitslosigkeit wird wie in USA durch die Schaffung und Besetzung von schlecht bezahlten Jobs in den Dienstleistungsbranchen und – insbesondere bei uns – durch BJ-Jobs vermieden.

    Perspektivisch:

    Man wird durch ein BGE die unteren Masseneinkommen von der Beschäftigung ENTKOPPELN.

    Das kann für eine gewisse Zeit Ruhe im Karton schaffen, schafft aber natürlich nicht Wohlstand.

    Was man tun kann:

    MASSIVE Investitionen in Bildung, damit wir MEHR junge Menschen haben werden, die auf den MINT-Feldern befähigt sind.

    Das ist mit GELD allein nicht zu erreichen.

    Es setzt eine EINSTELLUNG in der Bevölkerung voraus, die nicht hinreichend vorhanden ist, um im INTERNATIONALEN Wettbewerb zu bestehen.

    Da sind uns andere in Asien voraus, uneinholbar, so wie sich die Dinge entwickeln.

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      foxxly sagte:

      @ d. tischer,
      womit wir beim thema bildung sind! ein thema seit vielen jahrzehnten. ergebnis seither: wir haben immer mehr fachleute, welche für diese zweck nicht geeignet sind. das gegenteil scheint hauptziel zu sein.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ foxxly

        >…wir haben immer mehr fachleute, welche für diese zweck nicht geeignet sind>.

        Das ist RICHTIG, wenn mit Zweck die MATERIELLE Wohlstandssicherung angesichts sich technologisch bedingt wandelnder Lebensformen gemeint ist.

        >das gegenteil scheint hauptziel zu sein.>

        Das ist einem bestimmten Sinne nach FALSCH, wenn mit Hauptziel gemeint ist, dass materielle Wohlstandsmehrung NICHT gewollt wird.

        Man WILL schon, dass man über Wohlstandsmehrung bzw. deren Ergebnisse VERFÜGEN kann, tut aber NICHT das, was erforderlich ist, um es auch zukünftig zu können.

        Der FEHLER ist, Wohlstand bzw. Wohlstandsmehrung als GEGEBEN VORAUSZUSETZEN und daher anzunehmen, sich NICHT mehr hinreichend AKTIV darum bemühen zu müssen. Daraus hat sich die gesellschaftlich weit verbreitete Vorstellung entwickelt, dass man sich in großem Ausmaß auf individuelle BEFINDLICHKEIT konzentrieren könne, also etwa durch das Studium in Orchideenfächern:

        Studiere, was die gefällt, nicht das, was anstrengend ist und dir viel abverlangt – Geld kannst Du auch so verdienen, beim Staat z. B.

        Das schafft zwar einen MEHRWERT, weil es die Befindlichkeit vieler steigert, sichert und vermehrt aber NICHT materiellen Wohlstand.

        Wenn dieser im internationalen Wettbewerb durch KOMPETENZVERLUST in neuen Technologien wie etwa der Digitalisierung verloren geht, ist das NICHT gewollt, aber der unvermeidbare „Nebenaspekt“, ANDERES für wichtiger zu halten und dies vorrangig zu verfolgen.

        Ich habe das einmal angehenden Studenten dargelegt.

        Großes Staunen.

        Die haben das nicht auf dem Schirm.

        Ich glaube, dass es in China z. B. umgekehrt wäre:

        Die würden ungläubig staunen, wenn man ihnen erklärte, dass das Studium in Orchideenfächern ihren Wohlstand mehrte.

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      Dr. Lucie Fischer sagte:

      @Dietmar Tischer:
      Kennen Sie den “ Marshmallow-Test“?
      1972 als kognitiver Test bei Kleinkindern entwickelt ( Standford Univ.) , misst die Fähigkeit eines Kindes zu Aufschub von oralen Trieb-Bedürnissen.
      Kinder, die allgmein Triebwünsche sublimieren können sind signifikant lern-motivierter, bleiben neu- und wissbegierig ihr Leben lang. Der Witz ist: diese Fähigkeit kann nur in den ersten 3 Lebensjahren entwickelt werden, die dazu erforderliche, sehr komplexe Interaktion mit primären Bezugspersonen ( Mutter/ Vater) sind gut erforscht( Piaget et al.)
      Kleinkinder vor dem 3. Lebensjahr fremd-betreuen zu lassen ( Krippe) kann die neurobiologische Gehirn-Entwicklung nicht phasenspezifisch fördern. Die politisch gewollte Unterbringung in Krippen erzeugt Anpassung, verhindert aber kognitive Intelligenz und Kreativität. Beliebte Methode im Sozialismus. Kinderpsychiatrisch einzuordnen als kognitive und emotionale Deprivation . Die explosive Steigerung von Ritalin-Verschreibungen ist nicht zufällig: Die Diagnose “ Hyperkinetisches Syndrom“ existierte vor 50 Jahren noch gar nicht. ( ausser bei schweren perinatalen Hirnschädigungen).

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ Dr. Lucie Fischer

        Den Test kenne ich nicht – Dank für die Information.

        Triebwünsch sublimieren – wer will denn das noch, wenn SUBLIMIERUNG als UNTERDRÜCKUNG der kindlichen Entwicklung verstanden wird.

        Ja, es gibt Studien, die Kita-„Erziehung“ als problematisch ansehen, das aber aus ANDEREN Gründen.

        Es läuft bei den gesellschaftlichen Reaktionen darauf hinaus, dass Kita-Defizite als institutionelle Ausstattungsprobleme angesehen werden.

        Das ÖKONOMISCH Widersinnige von Kitas:

        Im Sozialismus BRAUCHTE man die Frauen wegen geringer Produktivität als Arbeitskräfte und hat daher Kitas erfunden und eingerichtet.

        Im Kapitalismus WOLLEN Frauen arbeiten, um berufliche Anerkennung zu gewinnen und/oder um Einkommen für einen höheren Lebensstandard der Familie zu erzielen.

        Gesellschaftliche Abwertung der häuslich erziehenden Mutter inklusive.

        Daher hat man das System der Kitas übernommen.

        Wenn Sie Recht haben, ist das Ergebnis:

        Verlust an Lernmotivation und daraufhin Wohlstandsverluste.

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        Dr. Lucie Fischer sagte:

        @ Dietmar Tischer , Nachtrag:
        https://www.youtube.com/watch?v=gdQ1S8DjgxK
        Interview mit Walter Mischel, der das Marshmallow- Experiment entwickelt hat.
        ( Sternstunde Philosophie SRF 23.03.2015).
        Der Interviewer zeigt diesen “ Feistigkeits-Faktor“, das stört.
        Die besondere Bedeutung der frühen Mutter-Baby-Kleinkind-Interaktion für Impulskontrolle und die Organisation vonTrieb- Aggressionsimpulsen kommt zu kurz, das hat DW Winnicott am besten untersucht. ( wichtig, da es praktische und therapeutische Konsequenzen hat).

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      JürgenP sagte:

      @ DT
      „Denn zu WENIGE Menschen sind befähigt, digital PRODUKTIV tätig zu sein. Hasso Plattner von SAP spricht von nur 30% und sieht Massenarbeitslosigkeit voraus“.

      Woran liegt es denn, dass zu wenige Menschen „befähigt“ sind?

      Drei Gründe sehe ich:

      a) Die Unfähigkeit der Führungsebene, unabhängig von Beratern die Chancen und Potenziale der Digitalisierung zu erkennen;

      b) Das Kleinfürstentumverhalten von mittleren Führungsebenen, die es gut verstehen, den Beratern, die dann doch eingesetzt werden, den Wind aus den Segeln zu nehmen.

      c) Das Aufgeben von produktiven Detailwissenden, weil sie ohne Mitentscheidung mit „SAP“-Konstrukten vermüllt werden, die zuvor vorhandene Verschlackungen digital bis zur demnächst anstehenden Pleite fixieren.

      Ausnahmen bestätigen die Regel.

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        Dietmar Tischer sagte:

        @ JürgenP

        Sie benennen richtige Gründe auf der ORGANISATORISCHEN Ebene.

        Entweder merken Unternehmen noch früh genug, dass sie konsequent und OHNE Rücksicht auf Teilverluste umsteuern müssen mit oder auf Digitalisierung – oder untergehen.

        Das ändert den Unternehmens-Mix, der Wertschöpfung generiert.

        VOLKSWIRTSCHAFTLICH entscheiden ist jedoch das VOR-organisatorische DEFIZIT der Gesellschaft, auf das ich verwiesen habe, oder die VOR-organisatorischen, wenn man die Kita-Situation und anderes hinzuzählt.

        Dies verweist darauf, dass die Probleme in der BEFINDLICHKEIT der Gesellschaft, die sich im Zeitverlauf entwickelt hat, und den sich daraus entstandenen Präferenzen der Menschen zu suchen sind.

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    JürgenP sagte:

    Aha.

    Digitalisierung ist die Lösung.

    Ein schlecht aufgestellter Produktionsprozess bleibt auch mit Digitalisierung ein schlecht aufgestellter Produktionsprozess. Ein hilfreiches, ungefähr 30 Jahre altes Buch zum Thema heißt „Das Toyota-Produktionssystem“. Für 49,49 EUR erfährt man, dass zuerst gut organisierte Prozesse in einem Unternehmen entwickelt werden müssen. Was darunter zu verstehen ist, steht zum Beispiel in diesem im Buch. Dann kommt erst mal lange Zeit gar nichts – und dann kommt Digitalisierung.

    Die Tagesschau findet überraschenderweise ein Leuchtturm-Unternehmen. Von denen gibt es inzwischen eine ganz Reihe. Deren Inhaber haben das Buch oder besser gleich die das Toyota-Beraterteam aus Japan einflogen. So geschehen bei Porsche etwa Mitte der 1990er Jahr – kurz vor der Pleite.

    Das erste, was die Top-Manager aus Japan getan haben, war nicht „Digitalisieren“, sondern Porsche-Schrott aus verschlissenen Regalen entsorgen und die dann absägen, damit da nichts mehr mit „digitalisierter Logistik“ hineingestapelt wird. Das steht – durch/nach/mit „Corona“ – ungefähr 80 % der Unternehmen, ob groß oder klein, in diesem Lande bevor.

    Digitalisierung ohne qualifizierte Prozessorganisation führt direkt in die Pleite. Prozessorganisation ist nichts für „IT-Experten“. Das sollte man wissen, wenn von Digitalisierung die Rede ist.

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      Wolfgang Selig sagte:

      @JürgenP:

      Die 80 % erscheinen mir zu hoch, aber im Grundsatz gebe ich Ihnen recht. Nur befürchte ich, dass es nicht genügend gut qualifiziertes Personal gibt, Prozessorganisation zu optimieren. Wenn ich mich ganz emotionslos z.B. zuletzt in einem deutschen Universitätsklinikum aus privaten Gründen tagelang so umsehe, befürchte ich, dass viele Leute schon an den Grenzen ihrer prozessualen Leistungsfähigkeit angelangt sind (und da will ich mich selbst jetzt gar nicht ausnehmen, das sollen andere beurteilen).

      Geht es nicht viel mehr um die Frage, wie wir die Führungspositionen in diesem Land in Politik, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft besetzen? Wer wie die grüne Spitzenfrau Annalena Baerbock mehrfach hintereinander Kobolde mit Cobalt verwechselt, würde mich als Ministerin (egal für was) einfach nur nervös machen, unabhängig von den politischen Zielen.

      Oder etwas plakativer, weil ich es regelmäßig erlebe:

      „Ups, sorry, dass ich Euch alle blockiere, ich wollte meine Winterreifen nächstes Wochenende drauf machen, ehrlich. Wer konnte denn ahnen, dass dieses Jahr so früh schon der erste Schnee fällt (Anmerkung des Verfassers: im Dezember).

      Oder alternativ jährlich telefonisch Anfang Januar:

      „Echt, Ihr Lastschrifteinzug ist zurückgelaufen? Kann doch gar nicht sein, wir haben doch gar nichts außertourlich mit Karte bezahlt, das Konto muss gedeckt sein, der Dezemberlohn ist doch gekommen, weiß ich genau. Moment, ich sehe schnell auf dem Bildschirm nach.“ 1 Minute später: „Oh, sorry, die Autoversicherung hat am 2.1. den Jahresbeitrag von meinem Konto abgebucht, das tut mir jetzt echt leid, das konnte ich ja nicht ahnen, dass das jetzt auch noch kommt. Reicht es, wenn Ihr das Geld Anfang Februar kriegt?“

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        JürgenP sagte:

        @ Wolfgang Selig
        „Nur befürchte ich, dass es nicht genügend gut qualifiziertes Personal gibt, Prozessorganisation zu optimieren“.

        Die Befürchtung habe ich nicht. Die (Meine) Praxis sagt etwas anderes, wenn: Führung & Methoden stimmen. Das sehr schnell und konsequent zu ändern war im Übrigen das Geheimnis, das Porsche dann sehr schnell gelernt hat. Genauer: die Führungskräfte, die bereit waren zum Lernen und Umsetzen. Die Anderen sägten die restlichen Regale ab und gingen anschließend nach Hause.

        Ihre Beispiel sind symptomatisch für Organisation, deren Geschäftsmodell früher oder später in die Pleite führt, weil schon die banalsten Dinge nicht funktionieren (Termine überwachen + einhalten, Liquidität sichern). Diesen Unternehmen geht es jetzt reihenweise an den Kragen, wenn sie nicht a) die Prozesse klären und b) möglichst viel und geschickt von dem verbleibenden Rest davon digitalisieren.

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    Thomas M. sagte:

    Beim Thema Digitalisierung wird häufig mit Zielen wie Kostenreduktion oder Steigerung der Produktivität argumentiert.

    Aus dem Beitrag >Stelter sieht das ähnlich: „Wir stehen auch vor einer massiven Alterung und einem damit verbundenen Rückgang der Erwerbsbevölkerung. Das ist durch Zuwanderung zahlenmäßig gar nicht zu schaffen. Jede Automatisierung ersetzt jemanden, der in Rente geht. Da müssten wir doch eigentlich ‚Hurra‘ schreien!“

    Ein größerer Mittelstandskunde von uns hatte tatsächlich als zweitwichtigsten Grund gleich nach der Kostenreduktion genannt: Wir müssen mehr Prozesse digitalisieren, weil wir immer schwerer geeignete Mitarbeiter finden und viele demnächst in Rente gehen.

    Ich fand das überraschend; aber sofort plausibel. Die Werke stehen allesamt in der Pampa, weniger Nachwuchs, und den zieht es in die Großstädte… zu wenig Immigration von Facharbeitern in die Regionen.

    Das ist eine Einzelbeobachtung; aber vielleicht läuft in der Praxis längst schon mehr, als worüber berichtet wird?

    In Science Fiction gibt es regelmäßig die Vision, dass es dicke überfüllte Städte gibt und die Produktion unterirdisch oder außerhalb automatisiert abläuft. Vielleicht sind wir auf dem besten Wege dorthin.

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      foxxly sagte:

      …….. am ende müssen aus dieser „digitalen produktion“ steuern generiert werden um diese arbeitslosen zu bezahlen. oder eine revolte!
      weltweit steigen die arbeitslosenzahlen,- alle brauchen eine arbeit, – was auch sinnvoll wäre!
      das facharbeiter – geschwafel der politik und unternehmen kann ich nicht mehr hören: wenn sie anständig bezahlt werden, dann gibt es so gut wie keinen mangel.

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      Richard Ott sagte:

      @Thomas M.

      „In Science Fiction gibt es regelmäßig die Vision, dass es dicke überfüllte Städte gibt und die Produktion unterirdisch oder außerhalb automatisiert abläuft. “

      Klingt nach „Die Tribute von Panem“, das ging gar nicht gut für die dicke Hauptstadt und ihre dekadenten Bewohner aus. Aber vielleicht war da auch nur der Automatisierungsgrad zu niedrig, insbesondere im Bergbau-Distrikt? ;)

      Man kann ja viel automatisieren, aber dann müssen die Städte auch Automatisierungstechnik-Spezialisten bezahlen, die in der Pampa oder gar unterirdisch die Maschinen warten und rund um die Uhr auf Abruf da sind um Störungen beheben. Da wird die Mitarbeitersuche sehr schwer, sowohl was Motivation als auch was Qualifikationsanforderungen angeht.

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        Thomas M. sagte:

        Details, Herr Ott, Details. Frische Luft und günstiges Wohnen haben auch ihren Wert – gerade jetzt, wo man in der Stadt eh nicht mehr machen kann, wofür die Stadt eigentlich da ist :>

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    foxxly sagte:

    die digitalisierung gibt der entwicklung einen kräftigen schub. aber leider nicht für alle. es wird ein verstärkter ausleseprozess. am ende haben wir sehr viel mehr marktmacht in noch weniger händen als heute schon. das kapial wird sich ebenso noch mehr vergrößern in noch wenigeren händen. (wirtschaftsdikatur)
    einerseits ist diese entwicklung kaum aufzuhalten. aberererseits geht die spaltung der gesellschaft weiter.
    bisher haben alle innovationen meist eine wohlstandssteigerung gebracht, zumindest in der statistik. aber die relationen von arm und reich sind dabei gewaltig aus einander gegangen.
    und die massiven wohlstandsunterschiede weltweit, bescheren uns unlösbare problem, – die bekannter maßen in katastrophen enden. die fluchtwellen ist ein symptom dazu.
    da muss klar auch die sinn-frage gestellt werden.
    nichts gegen die digitalisierung selbst, nein die frage bleibt, wie beherrschen wie die negativen auswirkungen neuer technischen entwicklungen?
    es mag darauf antworten geben wie, es ist halt so und wir müssen dies in kauf nehmen, oder es ist eine weitere auslese und der stärkere überlebt etc.
    wer in dieser richtung argumentiert, der kann gleich pistolen verteilen, dass sich die menschen gegenseitig umbringen. (aber, dies würde den ausbeutern und herrschern, keinen spass machen)
    jedenfalls wächst der humane anspruch nicht in dem maße, wie die technische entwicklung fortschreitet.
    was hier läuft ist den menschen unwürdig!
    wir haben mit viel schmerzen und elend aus der hystorie erkennen können (gelernt haben wir nichts daraus!) dass kommunistische/sozialistische systeme scheitern müssen. dass kapitalistische systeme ebenfalls selbstzerstörerisch wiederholt an die wand fahren.
    warum wird nicht an einen kompromiss, also einem dritten weg geforscht und umgesetzt?
    dazu müssten beide systeme von ihren ideologisch/fanatischen komponenten abgeben.
    wann endlich ist die wirtschaft wirklich/reell, für den menschen da und nicht umgekehrt?

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      Susanne Finke-Röpke sagte:

      @foxxly:

      Sie sagen: „bisher haben alle innovationen meist eine wohlstandssteigerung gebracht, zumindest in der statistik. aber die relationen von arm und reich sind dabei gewaltig aus einander gegangen.“

      Da sage ich jetzt mal ganz banal: wo ist das Problem? Wenn während der Kulturrevolution in China vor 50 Jahren Millionen buchstäblich verhungert sind, ohne dass es dort Milliardäre oder Millionäre gab und jetzt ist das nicht mehr der Fall – welche Situation ist dann besser? Es ist mir piepsegal, ob irgendein cleverer Erfinder oder Unternehmer wie Larry Page, Sergej Brin, Steve Jobs oder Jeff Bezos Milliardär werden, solange meine Kinder nicht unterernährt morgens nicht mehr aufwachen. Wenn der Reichtum einiger der Preis dafür ist – so what?

      Das kann man mit dem Kartellamt zur Not alles in den Griff kriegen. Oder mit dem Finanzamt.

      Außerdem ist es m.E. auch historisch falsch. Rockefeller und Standard Oil in den USA (vor den „7 Schwestern“) oder Carnegie hatten bestimmt nicht weniger Wohlstandsgefälle im Vergleich zu den Baumwollarbeitern in den Südstaaten. Von einem ägyptischen Pharao wie Cheops oder Ramses II im Vergleich zu einem zu Tode geschundenden nubischen Sklaven ohne jegliche Rechte gar nicht zu reden.

      Außerdem sitzen in einer echtem Marktwirtschaft jedem reichen Menschen immer die Wettbewerber böse im Nacken. Man denke an die Familien Schickedanz (Quelle), Grundig oder Schlecker. Keiner von diesen Leuten muss zur Tafel gehen, aber der Großteil des Reichtums im Vergleich zu früheren Jahrzehnten ist weg. Wer sagt denn, dass die jetzigen Big Tech-Firmen sicher sind? Vielleicht hat morgen der nächste Nerd eine geniale Suchmaschinenidee und google / Alphabet geht den Weg von yahoo? Und irgendein chinesisches Unternehmen macht Apple die nächsten 10 Jahre rund wie vor einigen Jahren Nokia und Blackberry durch die Smartphonehersteller in Rückstand gerieten?

      Mehr Mut zum Markt, foxxly, und die Politiker wählen, die die Kartellbehörden stark machen.

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      • Avatar
        foxxly sagte:

        @SFR
        warum wohl machen die politiker die Kartellbehören nicht stärker und den verbraucherschutz? warum geben sie den banken und versicherungen in ihren handeln eine art freifahrtschein?
        warum haben sie bis heute nicht die steuerflucht und- vermeidung nicht sauber geregelt?
        warum haben sie die medien „gleich geschaltet“?
        warum betreiben diese flüchtlingspolitik?
        fragen über fragen?
        warum wählt der wähler so wie gewollt?

      • Avatar
        markus sagte:

        @SFR:
        „Es ist mir piepsegal, ob irgendein cleverer Erfinder oder Unternehmer wie Larry Page, Sergej Brin, Steve Jobs oder Jeff Bezos Milliardär werden, solange meine Kinder nicht unterernährt morgens nicht mehr aufwachen.“

        Entweder Sie haben sehr geringe Ansprüche oder Sie sind ziemlich naiv. Ich hätte auch gerne eine soziale Teilhabe meiner Kinder und ich hätte gerne eine echte Demokratie. Und extreme Ungleichheit (und dazu zähle ich auch 200Mrd Bezos gegenüber 500k Ingenieur), kann mit echter Demokratie nicht funktionieren. Larry Page et. al. sind ja noch die Gutfälle. Wenn es jemand aufgrund von Cleverness vom (beispielhaft) 2-Millionen-€-Sohn zum 50Mrd-€ Boss geschafft hat, von mir aus. Aber selbst dann kann von echter Demokratie dann nicht mehr geredet werden. So jemand ist dann einfach ein Vielfaches mehr wert als ein Durchschnittsbürger. Dieses High-Net-Worth-Individual kann (und wird) die Politik und Gesetzgebung zu seinen Gunsten drehen. Weil ganz einfach die 100000 gut bezahlten Ingenieure mit einem Nettovermögen von je 500k, die es braucht, um einen 50€ Milliardär finanziell das Wasser reichen zu können, niemals in der gleichen „Einigkeit“ wie eine Person ihre Ziele verfolgen werden. Und selbst wenn „Gleichstand“ der finanziellen Macht schon bei 10000 oder 1000 erreicht ist, kann man das nur schwer Demokratie nennen.

      • Avatar
        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @foxxly:

        Zu Ihren Fragen:

        „warum wohl machen die politiker die Kartellbehören nicht stärker und den verbraucherschutz?“
        Weil die Masse der Leute dafür keinen Bedarf sieht. Ich persönlich rechne mich abgesehen von der Macht von Big Tech auch dazu.

        „warum geben sie den banken und versicherungen in ihren handeln eine art freifahrtschein?“
        Weil sie sie als willfährige Handlanger benötigt haben, die bei Bedarf schnell viele Kredite vergeben, um die Arbeitslosigkeit der Wähler zu bekämpfen. Da schaut man dann nicht gerne genauer hin. Außerdem gilt der Freifahrtschein z.B. bei den Versicherungen nur unter der Bedingung, dass genügend Staatsanleihen gekauft werden, um die Staatsverschuldung erhöhen, um damit Wahlgeschenke zu finanzieren, die man sich nicht leisten kann. Do ut des (eine Hand wäscht die andere).

        „warum haben sie bis heute nicht die steuerflucht und- vermeidung nicht sauber geregelt?“
        Weil man sich 1. nicht von der Steuerpolitik anderer, niedrig besteuernder Länder (z.B. Luxemburg) total abkoppeln kann, 2. ohne Steuerwettbewerb die Sozialisten hier die Steuersätze vermutlich schon auf 80 % geschraubt hätten und 3. Sie es dort auch mit mafiösen Fluchtgeldern zu tun haben, mit denen Sie sich besser nicht anlegen, wenn Ihnen ihre Gesundheit lieb ist. Schön zu sehen in Teilen der deutschen Gastronomie mit viel Scheinumsatz und wenig gastronomischem Wareneinkauf (=Geldwäsche).

        „warum haben sie die medien „gleich geschaltet“?“
        Haben sie m.E. gar nicht. Das war das Internet. Das Internet hat den klassischen Medien die Werbeeinnahmen weggenommen, aber die Kosten sind erst einmal gleich geblieben. Also ging anschließend der Rotstift durch die Häuser, vor allem in Form von Stellenabbau („wir sind jetzt gut für das digitale Zeitalter aufgestellt“). Und wer Angst um seinen Job hat, muckt nicht auf und wird stromlinienförmig in vorauseilendem Duckmäusertum gegenüber der Macht. Sie würden staunen, wie schnell sich alle Medien anpassen würden, wenn zwei Wahlperioden hintereinander die AFD die absolute Mehrheit holen würde. Die würden sich freiwillig ruckzuck gleichschalten lassen und neue Blätter á la Achgut und Tichys Einblick würden dann auf linkere Positionen umschalten, um wieder Avantgarde zu sein, weil die SZ, der tagesspiegel und das ZDF nach rechts gewandert sind, um protegiert zu werden. Hatten wir alles übrigens auch schon zu Kaisers Zeiten, ich sage nur „Der Untertan“ von Heinrich Mann und den einsamen „simplicissimus“ gegen den Mainstream, der damals noch „mit Gott für Kaiser und Vaterland“ war.

        „warum betreiben diese flüchtlingspolitik?“
        Weil sie u.a. wegen Überakademisierung und Freizeitorientierung in den nächsten Jahrzehnten Ersatzenkel brauchen und mangels schlechter Erfahrungen der letzten 75 Jahre gegenüber Neubürgern aller Herren Länder naiv sind. Irgendwo müssen die Pflegekräfte, Krankenschwestern, Bauhandwerker, Müllfahrer, Paketboten und Verkäuferinnen doch herkommen, die gleichzeitig noch unsere Rente erwirtschaften sollen. Oder wie viele deutsche 19jährige Abiturientinnen kennen Sie, die sagen, drei oder vier leibliche Kinder mit einem Mann und einem Eigenheim sowie Landesverteidigung sind eine gute Idee; Fernreisen, Langzeitstudiengänge, Selbstverwirklichung, Krippen, Partnerflexibilität, tägliche Stunden für soziale Netzwerke und Cabrios sind überflüsiger Klimbim? Wahrscheinlich nicht allzu viele – ich kenne übrigens auch keine. Ich will das gar nicht werten, ich stelle nur Tatsachen fest.

        „fragen über fragen?“ Und Antworten in vielen Büchern von Thilo Sarrazin über Markus Krall bis Daniel Stelter, die man überall erwerben kann, von Douglas Murray, Peter Sloterdijk oder Peter Scholl-Latour gar nicht zu reden..

        „warum wählt der wähler so wie gewollt?“

        Weil der Wähler = Bürger = Normalmensch = breite Masse sich seit Jahrtausenden im Inneren nicht viel geändert hat. Brot und Spiele im Kolosseum waren es bei den alten Römern, Sozialleistungen und Champions League im Fernsehen sind es heute. Ändert sich dann, wenn die Fußballer der 1. Bundesliga vor ihrem nachmittäglichen Training wieder einem Teilzeitjob nachgehen müssen, weil das Interesse der Wähler und deren Zeitbudget für Unterhaltungen dieser Art so gering geworden sind, dass die Werbeeinnahmen eine Vollerwerbsmannschaft nicht finanzieren und alle Spieler nur in Teilzeit mit üblichem Stundenlohn bezahlt werden können. Unrealistisch? Total, genauso wie die Abschaffung von Germanys next Topmodel oder DSDS, die eine Flucht aus echter Arbeit ermöglichen sollen. Aber nicht so lange her, wenn man zurückblickt. Man betrachte die finanzielle Situation der männlichen Fußballer in der ersten Mannschaft bei Schalke 04 von der Gründung bis heute. Kleiner Tipp: die monatliche Vergütung stieg schneller als die Inflationsrate.

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        Susanne Finke-Röpke sagte:

        @markus:

        Ja, vielleicht habe ich geringe Ansprüche und bin naiv. Aber Geld ist nur deshalb bei Wahlen so wichtig, weil so vielen Leuten sich einen feuchten Kehricht für Politik interessieren. Schön zu sehen an der aktuellen US-Wahl, die jetzt die Kandidaten das erste Mal einen zweistelligen Milliardenbetrag an Wahlwerbung gekostet hat. Wo sind denn die Engagierten, die Selbstinformierten, die, die das für sie richtige wählen ohne Fernsehspot vor der Lieblingssendung? Warum hat denn jeder drittklassige Katzenföhnvideo auf Youtube 100mal so viele Klicks wie hier Hr. Dr. Stelter? Weil die Leute keinen Bock darauf haben, sich um die res publica zu kümmern. Wie, Gemeinderatssitzung wegen der Sanierung der Schultoiletten? Keine Zeit hiinzugehen, Gladbach spielt CL in der Ukraine, wird live übertragen. Ohne Bürger mit bürgerlicher Haltung funktioniert das System nicht. Das Volk ist nicht der Souverän, weil es im Grundgesetz steht, sondern dann und nur dann, wenn es immer und immer wieder seine Souveränität ausüben will und darum kämpft. Sonst wandert die Macht an andere Gruppen, die sich sehr wohl für diese Macht interessieren.

        Werden sie von keinem Politiker mit Verstand hören, aber eigentlich wäre mal eine gründliche Wählerbeschimpfung nötig. Bringt natürlich nichts, weil sie sowieso nicht verstanden würde und durch den Dreck gezogen werden würde. Aber nötig wäre sie trotzdem.

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        markus sagte:

        @SFR:

        „Wo sind denn die Engagierten, die Selbstinformierten, die, die das für sie richtige wählen ohne Fernsehspot vor der Lieblingssendung? “

        Das sind die, die schlecht bezahlt Überstunden machen. Natürlich gibt es auch Faulenzer, die sich politisch nicht interessieren. Aber das muss man sich leisten können. Wenn man fertig von der Arbeit sich noch 1-2h vor den Fernseher klatscht, ich kann es zwar nicht gutheißen, aber ich kann es verstehen. Das mache ich auch öfters mal. Und ich verdiene nicht mal schlecht und und meine Arbeit macht mir Spaß.

        Und zu Krippennund Kindergärten und berufstätigen Frauen: ohne die Frauen würde es doch gar nicht mehr funktionieren bei uns.

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        ruby sagte:

        @ Frau Susanne
        Glückwunsch nach Alaska 4 for Reds und zu Ihren Erläuterungen!
        Ja, Zeit das den Leuten die „Hütte brennt“, um runter vom Sofa zu kommen.
        Truely Republican mindful of work have to come realty.
        Sollte Biden ge“brieft“ werden haben die Demokraten im Senat und im House massive Probleme, etwas durchzusetzen.

  7. Avatar
    Alexander sagte:

    Sorry, absolut nichts neues.

    Der Ausbaugrad im Maschinenbau wurde seit Jahren auf die Spitze getrieben, befeuert von günstigen Finanzierungen. Volldigitale Betriebsdatenerfassung gehört zur Pflichtkür im Automobilsektor, ohne totale Vernetzung gäbe es in bestimmten Bereichen gar keine Aufträge mehr…Wahlloses Bsp. von vor 5 Jahren abgeschlossen ab Min 1.00 https://youtu.be/0hI9zNdP-fQ

    Umgekehrt wird ein Schuh daraus, denn die Investitionen wollen ausgelastet werden und Stillstände machen alle Erwartungskalkulationen obsolet. Das war vor der Pandemie schon problematisch und mit den Aussichten inmitten des lock down light sieht es mau aus…….denn die Renditen sind kaum über dem Leitzins und gehebeltes Eigenkapital brennt lichterloh.

    Fachleute werden obigem videolink nicht nur Bearbeitungsschwächen nachweisen, sondern auch bei der Firmenstruktur hellhörig. Hohe Finanzierungsgrade bei beschränkter Haftung sorgen für nahtlose Ansteckung der finanzierenden Banken und Immobilienhypotheken der „hochqualifizierten“ Mitarbeiter……in der Wertschöpfungskette der letzten Schlüsselindustrie DEUTSCHLANDS.

    (Altkluge mögen jetzt sagen man hätte schon vor 5 Jahren wissen müssen, dass das Ende des Verbrenners kommt – was monopolistische Einkäufer ohne Haftung nicht interessiert und verschuldeten Unternehmern keine Wahl lässt. )

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